Der schmale Pfad durchs Hinterland - Richard Flanagan - E-Book

Der schmale Pfad durchs Hinterland E-Book

Richard Flanagan

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Beschreibung

»Ein tiefgründiges und bewegendes Meisterwerk über einen verzweifelten jungen Mann in Zeiten des Krieges«, urteilt der Observer - preisgekrönt entfachte Richard Flanagans Roman weltweit einhellige Begeisterung: Dorrigo Evans ist ein begabter Chirurg, eine glänzende Zukunft steht ihm bevor. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Affäre mit der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt. Richard Flanagans schmerzvoll poetischer Roman erzählt von den unterschiedlichen Formen der Liebe und des Todes, von Wahrheit, Krieg und der tiefen Erkenntnis eines existentiellen Verlusts.

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Übersetzung aus dem australischen Englisch von Eva Bonné Die Originalausgabe erschien 2013 unter dem Titel »The Narrow Road to the Deep North« bei Knopf Australia.

Das Gedicht »

Angry Penguins

« von Max Harris wurde übersetzt von Mirko Bonné, Catulls »

Carmen 5

« von Christoph W.

Bauer

ISBN 978-3-492-97117-1

Oktober 2016 © für diese Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München / Berlin, 2015 Deutschsprachige Ausgabe: © Piper Verlag GmbH, München / Berlin 2015 Litho: Lorenz & Zeller, Inning am Ammersee Covergestaltung: Kornelia Rumberg, www.rumbergdesign.de Covermotiv: plainpicture / Christian Plochacki Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung, können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Für den Gefangenen san byaku san ju go (335)

Mutter, sie schreiben Gedichte.

Paul Celan

Zögerlich torkelt

die Biene aus den Tiefen

einer Pfingstrose.

Matsuo Bashō

1

Warum ist am Anfang immer das Licht? Dorrigo Evans’ erste Erinnerungen handelten von Sonnenstrahlen, die einen Kirchensaal durchfluten, einen hölzernen Kirchensaal, in dem er mit seiner Mutter und seiner Großmutter sitzt. Er wankt in gleißend helles Licht, hinein in das übersinnliche Willkommen und wieder hinaus, in die Arme der Frauen. Der Frauen, die ihn lieben. Als wage er sich auf See und kehre an den Strand zurück, wieder und wieder.

Gesegnet seist du, sagt seine Mutter, während sie ihn umarmt und wieder loslässt. Gesegnet seist du, Junge.

Das musste 1915 oder 1916 gewesen sein. Er war damals ein oder zwei Jahre alt. Die Schatten kamen erst später hinzu, in Gestalt eines Unterarmes, dessen schwarzer Umriss sich im trüben Licht der Petroleumlampe hob. Jackie Maguire saß in der kleinen, dunklen Küche der Evans’ und weinte. Damals weinte niemand, außer Babys. Jackie war ein alter Mann, vierzig vielleicht oder noch älter, und er versuchte, sich die Tränen mit dem Handrücken aus dem pockennarbigen Gesicht zu wischen. Oder mit den Fingern?

Unveränderlich war in Dorrigo Evans’ Erinnerung nur dieses Weinen. Es klang, als würde etwas zerbrechen. Der schleppende Rhythmus ließ Dorrigo an ein Kaninchen denken, das seine Hinterläufe auf den Boden schlägt, wenn es in der Schlinge erstickt. Es war das einzige vergleichbare Geräusch, das er je gehört hatte. Er war neun, er war ins Haus gelaufen, um seiner Mutter die Blutblase an seinem Daumen zu zeigen, und er hatte keine Vergleichsmöglichkeiten. Nur ein Mal hatte er einen Mann weinen sehen, eine wunderliche Szene war das gewesen, als sein Bruder Tom nach dem Ersten Weltkrieg aus Frankreich zurückgekehrt war. Er war aus dem Zug gestiegen, hatte seinen Seesack in den warmen Staub neben den Bahngleisen fallen lassen und war unvermittelt in Tränen ausgebrochen.

Beim Anblick seines Bruders hatte Dorrigo Evans sich gefragt, was einen gestandenen Mann zum Weinen bringen könnte. Später dann hatten Tränen einfach als die Bestätigung von Gefühlen gegolten, und Gefühle waren der einzige Kompass im Leben. Gefühle waren in Mode und Emotionen ein Theater, die Leute traten als Schauspieler auf und wussten nicht mehr, wer sie abseits der Bühne waren. Dorrigo sollte lange genug leben, um all diese Veränderungen zu sehen. Und er konnte sich an eine Zeit erinnern, als man sich schämte zu weinen. Als man sich vor der Schwäche fürchtete, die sich durch Tränen offenbarte. Vor den Problemen, die man dann unweigerlich bekommen würde. Dorrigo sollte lange genug leben, um zu sehen, wie Menschen gelobt wurden für Taten, die wenig löblich waren, allein, weil die Wahrheit eine Katastrophe gewesen wäre für ihre Gefühle.

Am Abend von Toms Heimkehr verbrannten sie den Kaiser in einem Freudenfeuer. Tom sprach nicht über den Krieg, die Deutschen, das Gas, die Panzer und die Schützengräben, von denen sie gehört hatten. Er sprach gar nicht. Die Gefühle eines Mannes stimmen nicht immer mit dem Leben überein. Manchmal stimmen sie mit gar nichts überein. Tom starrte einfach nur in die Flammen.

2

Ein glücklicher Mann hat keine Vergangenheit, ein unglücklicher Mann hat nichts anderes. Im hohen Alter wusste Dorrigo Evans nicht mehr, ob er den Satz gelesen oder selbst ersonnen hatte. Ersonnen, verwechselt, in kleine Teilchen zerbrochen. Unermüdlich in kleine Teilchen zerbrochen. Stein zu Kies zu Staub zu Schlamm zu Stein, so geht es in der Welt, pflegte seine Mutter zu antworten, wenn er Gründe oder Erklärungen verlangte, warum die Welt so war oder so. Die Welt, sagte sie. Sie existiert einfach so, Junge. Er hatte beim Spielen versucht, eine Festung zu bauen und einen Stein von unter einem Findling auszugraben, als ein zweiter, größerer Stein auf seinen Daumen fiel und sich unter dem Nagel eine pochende Blutblase bildete.

Seine Mutter setzte Dorrigo auf den Küchentisch, wo das Lampenlicht am hellsten war, wich Jackie Maguires seltsamen Blicken aus und hielt den Daumen ihres Sohnes ins Licht. Durch Dorrigos Schluchzer hindurch sagte Jackie Maguire dies und das. Seine Frau war eine Woche zuvor mit dem jüngsten Kind in den Zug nach Launceston gestiegen und nicht zurückgekommen.

Dorrigos Mutter griff zum Fleischmesser. An der Klinge klebte erstarrtes Hammelfett. Sie hielt die Messerspitze in die glühenden Herdkohlen, ein Rauchkringel stieg auf und erfüllte die Küche mit dem Geruch von verbranntem Hammelfleisch. Sie zog das Messer heraus, und die glutrote Spitze war von leuchtend weißem Staub bedeckt, ein Anblick, den Dorrigo gleichermaßen faszinierend wie entsetzlich fand.

Nicht bewegen, sagte sie und hielt seine Hand so fest, dass er erschrak.

Jackie Maguire erzählte, wie er mit dem Postzug nach Launceston gefahren war, um sie zu suchen, doch er hatte sie nirgends finden können. Vor Dorrigo Evans’ Augen berührte die glühende Messerspitze den Daumennagel, er fing zu qualmen an, als seine Mutter ein Loch in die Nagelhaut brannte. Dorrigo hörte Jackie Maguire sagen–

Sie ist wie vom Erdboden verschluckt, MrsEvans.

Dem Qualm folgte ein kleiner dunkler Blutschwall aus Dorrigos Daumen, und dann waren der Schmerz und die Angst vor dem glutroten Fleischmesser verschwunden.

Los, sagte seine Mutter und schob ihn vom Küchentisch. Los jetzt, Junge.

Verschluckt!, sagte Jackie Maguire.

In jenen Tagen war die Welt noch weit und die Insel Tasmanien die ganze Welt. Und von ihren vielen abgelegenen und vergessenen Außenposten waren nur wenige noch vergessener und abgelegener als Cleveland, das Dorf von etwa vierzig Seelen, in dem Dorrigo Evans lebte. Die ehemalige Sträflingskolonie und Postkutschenstation, erst in schlechte Zeiten und dann in Vergessenheit geraten, bestand nun als Rangierbahnhof fort; eine Handvoll baufälliger Gebäude im georgianischen Stil und ein paar vereinzelte Holzhäuser mit Verandagesicht, deren Bewohner seit einem Jahrhundert in Verbannung und Verfall lebten.

Die Kulisse bildete ein Wald aus gekrümmten Eukalyptusbäumen und Silberakazien, die sich in der flimmernden Hitze wiegten. Die Sommer waren heiß und hart und die Winter einfach nur hart. Elektrischer Strom und Radioempfang ließen auf sich warten, zwar lebten sie in den 1920ern, doch hätten es genauso gut die 1880er oder 1850er sein können. Viele Jahre später beschrieb Tom, der kaum zu Allegorien neigte, jedoch von seinem, wie Dorrigo meinte, bevorstehenden Tod und den damit einhergehenden Altersängsten geprägt war, jene Zeit als den langen Herbst einer sterbenden Welt.

Ihr Vater war Eisenbahnarbeiter, und die Familie bewohnte ein holzverkleidetes Häuschen, das der Eisenbahngesellschaft gehörte und direkt an den Bahngleisen stand. Im Sommer, wenn das Wasser knapp wurde, holten sie es eimerweise aus dem Stelzentank, der die Dampflokomotiven versorgte. Sie schliefen unter den Fellen der Possums, die ihnen in die Falle gegangen waren, und ernährten sich hauptsächlich von selbst gefangenen Kaninchen, selbst geschossenen Wallabys, selbst angebauten Kartoffeln und selbst gebackenem Brot. Ihr Vater, der die Depression der 1890er überlebt und gesehen hatte, wie Männer auf den Straßen von Launceston verhungert waren, konnte sein Glück nicht fassen, in diesem Arbeiterparadies gelandet zu sein. Lediglich in seinen weniger heiteren Momenten pflegte er noch zu sagen: »Man lebt wie ein Hund, und man stirbt wie ein Hund.«

Dorrigo Evans kannte Jackie Maguire, weil er seine Ferien manchmal bei Tom verbrachte. Um zu Tom zu gelangen, fuhr er hinten auf Joe Pikes Pferdewagen mit, von Cleveland bis zur Abzweigung im Fingal Valley. Während das alte Zugpferd, Joe Pike nannte es Gracie, friedlich dahintrottete, lehnte Dorrigo sich zurück und träumte davon, sich zwischen die Äste der wild gekrümmten Eukalyptusbäume zu schmiegen, die zitternd am weiten, blauen Himmel vorüberzogen. Er roch feuchte Borke und trockenes Laub und hörte die glucksenden Schwärme der grün-roten Moschusloris hoch oben. Er lauschte dem Gesang von Zaunkönigen und Honigfressern und dem Peitschenknallruf der Joe Wittys, durchsetzt von Gracies Hufgeklapper und dem Knarren und Klirren der Ledergurte, Holzachsen und Eisenketten des Pferdewagens. Ein Universum aus Sinneseindrücken, das in seinen Träumen wiederauferstand.

Auf dem alten Kutschenpfad passierten sie die Postherberge, aus dem Geschäft gedrängt von der Eisenbahn und mittlerweile zu einer Ruine verfallen, in der mehrere verarmte Familien hausten, auch die von Jackie Maguire. Alle paar Tage kündete eine Staubwolke das Herannahen eines Automobils an, dann sprangen die Kinder aus dem Busch und jagten die lärmende Wolke, bis ihre Lungen brannten und ihre Beine sich anfühlten wie Blei.

An der Abzweigung im Fingal Valley ließ Dorrigo Evans sich vom Pferdewagen rutschen, winkte Joe und Gracie zum Abschied und machte sich auf den langen Marsch nach Llewellyn, einen Ort, der sich hauptsächlich dadurch auszeichnete, dass er noch kleiner war als Cleveland. Hinter Llewellyn lief er in nordöstlicher Richtung über die Koppeln, orientierte sich an den schneebedeckten Gipfeln des Ben-Lomond-Massivs und schlug sich durch den Busch bis zur Schneelandschaft hinter dem Ben durch, wo Tom als Fallensteller auf Possumjagd ging. Er arbeitete jeweils zwei Wochen am Stück und hatte dann eine Woche frei. Am frühen Nachmittag erreichte Dorrigo Toms Zuhause, eine Höhle, die unterhalb eines Gebirgskamms am Ende eines Canyons lag. Die Höhle war nur wenig kleiner als ihr Küchenanbau zu Hause, selbst an der höchsten Stelle konnte Tom nur mit gebeugtem Kopf aufrecht stehen. Wie ein Ei verjüngte die Höhle sich zu den Enden hin, und der Eingang wurde von einem Felsvorsprung überragt, was bedeutete, dass das Feuer die ganze Nacht hindurch brennen und die Höhle wärmen konnte.

Manchmal ließ Tom, inzwischen war er Anfang zwanzig, Jackie Maguire für sich arbeiten. Tom hatte eine gute Stimme und sang abends gern das eine oder andere Lied. Danach las Dorrigo Jackie Maguire, der nicht lesen konnte, und Tom, der es angeblich konnte, im Schein des Feuers aus alten Ausgaben des Bulletins und aus Smith’s Weekly vor, die den Bibliotheksbestand der beiden Possumjäger bildeten. Besonders gern hörten die Männer Aunty Roses Ratgeberkolumne und die Buschballaden, die sie clever fanden und manchmal sogar sehr clever. Irgendwann fing Dorrigo an, ihnen auswendig gelernte Gedichte aus The English Parnassus vorzutragen, einem Buch aus seiner Schule. Ihr Lieblingsgedicht war Tennysons »Ulysses«.

Dann hielt Jackie Maguire sein lächelndes, pockennarbiges Gesicht, das glänzte wie ein frisch gestürzter Plumpudding, in den Feuerschein und rief: Ach, unsere Vorfahren! Die haben die Wörter noch fester zusammengeknüpft, als ein Fallstrick ein Kaninchen würgt!

Dorrigo verriet Tom nicht, was er eine Woche vor MrsJackie Maguires Verschwinden beobachtet hatte: Toms Hand unter ihrem Rock, während sie, eine kleine, doch unübersehbare und aparte Frau, am Hühnerschuppen hinter der Postherberge lehnte. Tom vergrub sein Gesicht an ihrem Hals. Dorrigo wusste, sein Bruder küsste sie.

Viele Jahre noch dachte Dorrigo an MrsJackie Maguire, deren richtigen Namen er nie erfuhr, deren richtiger Name so war wie das Essen, von dem er im Kriegsgefangenenlager täglich träumte

3

Als Einziger in seiner Familie bestand Dorrigo nach der Dorfschule die Eignungsprüfung, und so erhielt er im Alter von zwölf Jahren ein Stipendium und durfte die Launceston High School besuchen. Er war groß für sein Alter. In der Mittagspause des ersten Schultages fand er sich auf dem sogenannten oberen Feld wieder, einer staubigen Fläche mit abgestorbenem Gras, Baumrinde und Blättern, die zu einer Seite von hohen Eukalyptusbäumen begrenzt wurde. Er beobachtete die großen Jungen aus der dritten und vierten Klasse, Jungen mit Koteletten, Jungen mit Muskeln wie erwachsene Männer, die sich in zwei ungeordneten Reihen aufstellten, sich anrempelten und schubsten wie bei einem Stammestanz. Dann begann die Magie des Kick-to-Kick. Einer trat den Football über das Feld zu den Jungen der anderen Reihe hinüber, die sich auf den Ball stürzten oder, kam er hoch herein, in die Luft sprangen, um ihn zu fangen. Wie brutal der Kampf um die Beute auch sein mochte– wer immer sie ergatterte, war plötzlich unantastbar. Ihm gebührten der Sieg und das Privileg, den Football zur anderen Reihe hinüberschießen zu dürfen, wo sich der Vorgang wiederholte.

So ging es die ganze Mittagspause hindurch. Die älteren Jungen dominierten das Spiel zwangsläufig, sie holten die meisten Punkte und traten den Ball am häufigsten. Einige jüngere schafften wenige Punkte und Tritte, viele nur einen oder keinen.

Dorrigo schaute die ganze erste Pause zu. Ein anderer Neuzugang erklärte ihm, man müsse mindestens in der zweiten Klasse sein, um beim Kick-to-Kick mitspielen zu dürfen– die Großen waren zu stark und zu schnell, sie dachten sich nichts dabei, den anderen ihre Ellenbogen gegen die Schläfen zu rammen, die Faust ins Gesicht, das Knie in den Rücken. Dorrigo bemerkte ein paar kleinere Spieler, die in geringem Abstand hinter der eigentlichen Meute lauerten, um jene Bälle abzustauben, die zu hoch getreten wurden und über das Gedränge hinwegsegelten.

Am zweiten Tag gesellte er sich zu den Kleineren dazu. Und am dritten, er hatte sich bis dicht an den Rand der Meute herangewagt, sah er über die vielen Schultern einen zitternden Volley aus großer Höhe auf sich zukommen. Eine Sekunde lang hing der Football vor der Sonne, und da begriff Dorrigo, dass dieser Ball von ihm gepflückt werden wollte. Er roch die Pissameisen im Eukalyptus und spürte die flackernden Schatten der Äste über sich hinweggleiten, als er in die Meute hineinrannte. Die Zeit verlangsamte sich, und er fand im Gedränge der größten, stärksten Jungen gerade so viel Platz, wie er brauchte. Er begriff, dass der Ball, der dort oben vor der Sonne hing, ihm gehörte, er brauchte nichts weiter zu tun, als aufzusteigen. Sein Blick war starr auf den Ball gerichtet, er spürte, dass er es in diesem Tempo nicht schaffen würde, und so setzte er zum Sprung an; seine Füße fanden den Rücken eines Jungen und seine Knie die Schultern eines anderen, und so stieg er über alle anderen hinweg ins blendende Sonnenlicht auf. Auf dem Höhepunkt der Schlacht reckte er den Arm weit über den Kopf, spürte den Ball in seiner Hand und wusste, nun konnte er sich wieder aus der Sonne herausfallen lassen.

Er presste sich den Football an die Brust und landete auf dem Rücken, mit solcher Wucht, dass es ihm den Atem verschlug. Unter bellendem Keuchen kam er auf die Beine, richtete sich im Licht auf, den ovalen Ball in seinen Händen und bereit, in eine neue, größere Welt einzutreten.

Während er rückwärtstaumelte, hielt die Meute respektvollen Abstand.

Wie zum Teufel heißt du?, fragte ein älterer Junge.

Dorrigo Evans.

Das war sensationell, Dorrigo. Du bist dran.

Der Duft der Eukalyptusborke, das unverfroren fahle Licht der tasmanischen Mittagsstunde, so gleißend hell, dass er die Augen zukneifen musste; die warme Sonne auf der gespannten Haut, die schwarzen, kurzen Schatten der anderen, das Gefühl, auf einer Schwelle zu stehen, frohlockend in ein neues Universum hinüberzugleiten, während das alte bekannt und greifbar blieb und noch nicht ganz verloren ging– all dessen wurde er sich bewusst. Der heiße Staub, der Schweiß seiner Mitspieler, das Gelächter, das unbekannte, reine Glück, in Gesellschaft von anderen zu sein.

Dein Kick!, hörte er jemanden rufen. Tritt das Ei, bevor es klingelt und alles vorbei ist!

Und in den abgelegensten Winkeln seines Wesens wusste Dorrigo Evans, dass sein ganzes bisheriges Leben eine Reise zu diesem Moment gewesen war, als er in die Sonne flog, und von nun an würde die Reise ihn von hier fortführen. Nichts würde ihm je wieder so real erscheinen, nie wieder würde das Leben so bedeutungsvoll sein.

4

Du bist ein cleverer Schlingel, was?, sagte Amy. Sie lag auf dem Hotelbett neben ihm, achtzehn Jahre nachdem er Jackie Maguire am Küchentisch der Mutter hatte weinen sehen, und sie drehte seine kurz geschnittenen Locken mit dem Finger auf, während er »Ulysses« für sie rezitierte. Das Zimmer lag im dritten Stock eines heruntergekommenen Hotels und ging auf eine weite Veranda hinaus, die ihnen, indem sie jede Sicht auf die Straße unten und den Strand gegenüber versperrte, die Illusion vermittelte, auf dem Indischen Ozean zu treiben. Pausenlos krachten und schäumten die Wellen unter ihnen.

Es ist eine Finte, sagte Dorrigo. Wie wenn man jemandem eine Münze aus dem Ohr zieht.

Nein, das stimmt nicht.

Nein, sagte Dorrigo. Es stimmt nicht.

Was ist es dann?

Dorrigo war unschlüssig.

Und die Griechen, die Trojaner… was soll das? Wo ist der Unterschied?

Die Trojaner waren eine Familie. Sie sind die Verlierer.

Und die Griechen?

Die Griechen?

Nein, die Spieler der Port Adelaide Magpies. Natürlich die Griechen. Wofür stehen sie?

Für die Gewalt. Aber die Griechen sind für uns die Helden. Sie gewinnen.

Warum?

Er wusste es nicht genau.

Zunächst einmal hatten sie dieses Pferd, sagte er. Das Trojanische Pferd, ein Geschenk der Götter, in dem sich der Tod der Menschen verbarg, das eine im anderen.

Warum verabscheuen wir sie nicht dafür, diese Griechen?

Das wusste er nicht genau. Je länger er darüber nachdachte, desto weniger konnte er sagen, warum eigentlich Troja dem Untergang geweiht war. Er ahnte, dass die Götter und das Schicksal einfach nur eine andere Bezeichnung für die Zeit waren, aber das auszusprechen wäre töricht gewesen, hätte es doch bedeutet, dass gegen die Götter niemand bestehen konnte. Doch bereits im Alter von siebenundzwanzig, fast achtundzwanzig Jahren war er so etwas wie ein Fatalist, wenn es um sein Schicksal ging (nicht unbedingt um das der anderen). Als hätte man das Leben einander zeigen, aber niemals erklären können, und als wären Worte – alle Worte, die nichts direkt benannten– für ihn das Wahrhaftigste gewesen.

Er schaute über Amys nackten Körper hinweg, über die sichelförmige Einbuchtung zwischen Brustkorb und Hüftknochen, über die winzigen Härchen darauf, und sah durch die verwitterten Balkontüren mit der abgeplatzten weißen Farbe. Draußen zeichnete das Mondlicht einen schmalen Pfad auf das Meer, der vor seinem Blick zu fliehen schien und in ausgebreiteten Wolken endete.

Denn meine Bestimmung ist es,

hinter den Sonnenuntergang zu segeln und das Bad

aller Sterne des Westens, bis zu meinem Tod.

Warum liebst du die Wörter so?, hörte er Amy sagen.

Seine Mutter starb an Tuberkulose, als er neunzehn war. Er war nicht dabei. Er war nicht einmal in Tasmanien, sondern auf dem Kontinent, denn er hatte ein Stipendium bekommen und studierte Medizin an der Universität von Melbourne. In Wahrheit trennte ihn noch weit mehr als ein Meer von seiner Mutter. Am Ormond College hatte er Studenten aus bedeutenden Familien kennengelernt, die sich großer Taten rühmten und eines Stammbaumes, der weit über die Entdeckung Australiens hinaus bis ins noble England reichte. Über Generationen war die Geschichte ihrer Ahnen beurkundet, welche politischen Ämter sie bekleidet und welche Unternehmen sie besessen, welche Eheschließungen die Dynastie gestärkt hatten, welche Herrenhäuser und Schaffarmen ihnen gehört hatten. Erst im hohen Alter wurde Dorrigo klar, dass vieles davon reine Fiktion gewesen war, gewagter als alles, was Trollope je versucht hatte.

Einerseits fand er diese Leute phänomenal öde, andererseits faszinierend. Nie zuvor waren ihm so selbstsichere Menschen begegnet. Juden und Katholiken waren minderwertig und Iren hässlich, Chinesen und Aborigines durften nicht einmal als menschlich gelten. Das sagten sie nicht, das wussten sie. Ihre skurrilen Gewohnheiten verwunderten ihn. Ihre Häuser aus Stein. Das Gewicht ihres Tafelbestecks. Ihr Unwissen über das Leben der anderen. Ihre Blindheit für die Schönheit der Natur. Er liebte seine Familie, aber stolz war er nicht. Die größte Leistung seiner Familie war es gewesen, dass sie überlebt hatte. Er sollte ein ganzes Leben brauchen, um anzuerkennen, wie groß diese Leistung war. Damals jedoch – im Vergleich zu den Würden, dem Wohlstand, dem Besitz und Ruhm, mit dem er sich zum ersten Mal im Leben konfrontiert sah– erschien ihm das reine Überleben wie ein Versagen. Und anstatt sich zu schämen, hielt er sich von seiner Familie fern, bis zum Tod seiner Mutter. Bei der Beerdigung hatte er nicht geweint.

Komm schon, Dorry, sagte Amy. Warum? Sie strich ihm mit dem Finger über den Oberschenkel.

Später fürchtete er sich vor beengten Räumen, Menschenmengen, Straßenbahnen, Zügen und Tanzveranstaltungen, vor allem, was ihn einwärtsdrängte und ihm das Licht abschnitt. Er bekam Atemnot. Im Traum hörte er sie rufen.

Junge, rief sie, komm her, Junge.

Doch er kam nicht. Er fiel beinahe durch die Prüfungen. Er las »Ulysses« und las es dann noch einmal. Er spielte wieder Football, immer auf der Suche nach dem Licht, nach der Welt, die er in der hölzernen Kirche kurz erahnt hatte, er stieg höher und höher der Sonne entgegen, bis er Captain war, bis er Arzt war, bis er Chirurg war, bis er dort im Hotelbett neben Amy lag und der Mond über dem Tal ihres Unterleibs aufging. Er las »Ulysses«, und dann las er es noch einmal.

Der lange Tag flieht. Langsam steigt der Mond, die Tiefe

Rings klagt mit vielen Stimmen. Kommt, ihr meine Freunde!

’s ist nicht zu spät, eine neure Welt zu suchen.

Er suchte das Licht, das am Anfang war.

Er las »Ulysses«, wieder und wieder.

Er sah Amy an.

Worte waren das erste Schöne auf der Welt, dem ich begegnet bin, sagte Dorrigo Evans.

5

Als er eine Stunde später aufwachte, hatte sie sich die Lippen kirschrot geschminkt, die Gasflammenaugen getuscht und das Haar hochgesteckt, sodass ihr Gesicht herzförmig war.

Amy?

Ich muss los.

Amy…

Außerdem…

Bleib.

Wozu?

Ich…

Wozu? Ich habe das schon…

Ich will dich. Ich will jeden Moment mit dir, den ich bekommen kann.

… zu oft gehört. Wirst du Ella verlassen?

Wirst du Keith verlassen?

Ich muss los, sagte Amy. Ich habe gesagt, ich wäre in einer Stunde dort. Zum Kartenspielen. Ich kann es selbst kaum glauben.

Ich komme wieder.

Wirklich?

Ja.

Und dann?

Eigentlich ist es geheim.

Das mit uns?

Nein. Ja. Nein, der Krieg. Es ist ein Militärgeheimnis.

Was?

Wir schiffen aus. Am Mittwoch.

Wie bitte?

In drei Tagen…

Ich weiß, wann Mittwoch ist. Wohin?

In den Krieg.

Wohin?

Woher sollen wir das wissen?

Was ist euer Ziel?

Der Krieg. Und der Krieg ist überall, oder?

Und wir? Was ist mit uns?

Amy…

Dorry, werde ich dich wiedersehen?

6

Im entfernten Ächzen einer Kühlanlage meinte Dorrigo Evans fünfzig Jahre verstreichen zu hören. Die Anginatablette zeigte bereits Wirkung, die Beklemmung in seiner Brust löste sich, und das Kribbeln verschwand aus den Armen, und obwohl in seiner bebenden Seele immer noch ein wildes Chaos herrschte, unerreichbar für alle Medizin, fühlte er sich stark genug, um vom Badezimmer des Hotels ins Schlafzimmer zurückzugehen.

Er trat ans Bett und betrachtete das weiche Fleisch und die Rundung ihrer nackten Schulter, die ihn immer noch faszinierte. Sie hob das Gesicht, vom Schlaf zerdrückt wie Damast, leicht an und fragte–

Was hast du gesagt?

Während er sich ausstreckte und von hinten an sie schmiegte, wurde ihm klar, dass sie an das Gespräch anknüpfte, das sie vor dem Einschlafen geführt hatten. Wie den melancholischen, frühmorgendlichen Geräuschen zum Trotz, die in ihr Stadthotelzimmer hereinwehten, heulte irgendwo in der Ferne ein Automotor auf.

Darky, flüsterte er in ihren Rücken, als wäre es selbstverständlich, und als er merkte, dass es das nicht war, fügte er hinzu: Gardiner. Beim Sprechen streifte seine Unterlippe ihre Haut. Ich kann sein Gesicht nicht mehr sehen, sagte er.

Anders als deins, sagte sie.

Es war sinnlos, dachte Dorrigo Evans, denn Darky Gardiner war gestorben und es war vollkommen sinnlos. Er fragte sich, warum er das Einfache, Offenkundige nicht in Worte fassen, warum er sich nicht an Darky Gardiners Gesicht erinnern konnte.

Deins ist überall, verflixt, sagte sie.

Er lächelte. Er hatte sich bis heute nicht daran gewöhnen können, dass sie Worte wie verflixt benutzte. Obwohl er wusste, dass sie ihrer Herkunft einige kuriose sprachliche Eigentümlichkeiten zu verdanken hatte. Er presste seine alten, trockenen Lippen an ihre Schulter. Was hatten die Frauen, das ihn zittern ließ wie einen Fisch, selbst heute noch?

Ich kann kaum die Glotze einschalten oder eine Zeitung aufschlagen, sagte sie voller Vorfreude auf den eigenen Witz, ohne dass mir diese Nase entgegenkommt.

Und tatsächlich schien Dorrigo Evans’ Gesicht, von dem er selbst nie viel gehalten hatte, allgegenwärtig zu sein. Seit die Öffentlichkeit vor zwei Jahrzehnten durch eine Fernsehsendung auf seine Vergangenheit aufmerksam geworden war, starrte es ihm überall entgegen, von den Briefköpfen der Spendenorganisationen und von den Gedenkmünzen. Hakennasig, stutzig, leicht verwirrt, die vormals schwarzen Locken auf eine schüttere, weiße Welle reduziert. Zu einem Zeitpunkt, an dem die meisten Menschen seines Alters abbauten, war er abermals zum Licht emporgestiegen.

Unerklärlicherweise war er im Laufe der vergangenen Jahre zum Kriegshelden geworden, er war ein berühmter und gefeierter Chirurg und das öffentliche Gesicht einer tragischen Epoche, Objekt von Biografien, Dramen und Dokumentationen. Das Objekt von Verehrung, Heiligenkult und Lobhudelei. Er sah ein, dass er gewisse Charakterzüge, Gewohnheiten und Erlebnisse mit einem Kriegshelden teilte. Doch er war nicht dieser Held. Er hatte einfach nur erfolgreicher gelebt, als ihm zu sterben gelungen war, außerdem gab es nicht mehr so viele Überlebende, welche die Fackel der Kriegsgefangenen hätten hochhalten können. Die Ehrungen abzulehnen wäre einer Schmähung all jener gleichgekommen, die ihr Leben gelassen hatten. Das konnte er nicht tun. Abgesehen davon hätte er nicht mehr die nötige Kraft gehabt.

Wie sie ihn auch nannten – Held, Feigling, Blender–, es schien immer weniger mit ihm selbst zu tun zu haben. Es gehörte in eine Welt, die ihm immer ferner und vernebelter erschien. Er wusste, er wurde von einer ganzen Nation bewundert, wenn auch jene, die mit ihm, dem alternden Chirurgen, zusammenarbeiten mussten, des Öfteren an ihm verzweifelten. Wieder andere begegneten ihm mit milder Verachtung oder sogar Neid, besonders die vielen anderen Ärzte, die in den Gefangenenlagern Ähnliches geleistet hatten und zu ihrem Unglück spürten, dass er etwas hatte, das ihnen fehlte, das ihn weit über sie erhob und zum Liebling der Nation machte.

Diese verdammte Doku, sagte er.

Seinerzeit hatte es ihn nicht gestört, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Insgeheim hatte er es vielleicht sogar ein bisschen genossen. Aber jetzt nicht mehr. Er war sich seiner Kritiker durchaus bewusst. Meistens musste er ihnen beipflichten. Seine Berühmtheit schien auf der verzerrten Wahrnehmung der anderen zu gründen. Er hatte alles vermieden, was er als offensichtlichen Lebensirrtum betrachtete, darunter auch Politik und Golf. Doch seine Versuche, eine neue Operationsmethode zur Entfernung von Darmkrebstumoren zu entwickeln, waren gescheitert, schlimmer noch, sie hatten möglicherweise indirekt zum Tod mehrerer Patienten geführt. Er hatte gehört, wie Maison ihn hinter seinem Rücken einen Schlachter nannte. Im Nachhinein war er manchmal vielleicht zu rücksichtslos vorgegangen. Dabei hätte man ihn im Erfolgsfall, das wusste er genau, als einen mutigen Visionär gelobt. Seine unablässige Schürzenjägerei und der damit einhergehende Betrug waren private Skandale und wurden öffentlich ignoriert. Manchmal war er immer noch von sich selbst schockiert – wie mühelos, wie leichtfertig er log, manipulierte und betrog–, seine Wertschätzung für sich selbst war entsprechend niedrig.

Noch in seinem Alter – er war vor einer Woche siebenundsiebzig geworden– verwirrte ihn, wie sein Leben von seinem Charakter geformt worden war. Immerhin verstand er, dass dieselbe Furchtlosigkeit, dieselbe Verweigerung der Konventionen, dieselbe Lust am Spiel und Risikobereitschaft, die ihn im Lager dazu angetrieben hatten, anderen zu helfen, ihn in die Arme von Lynette Maison getrieben hatten, der Ehefrau von Rick Maison, einem engen Kollegen, der ebenso wie Dorrigo im Vorstand des Chirurgencollege saß, ein brillanter, bedeutender und sterbenslangweiliger Mann. Und nicht nur in die ihren. In dem Vorwort, das er an diesem Tag verfasst hatte, hoffentlich ohne es mit unnötigen Enthüllungen zu überfrachten, wollte er mit ehrlicher Demut ein paar Dinge geraderücken und seine Rolle beschränken auf das, was er war, ein Arzt, nicht mehr und nicht weniger. Er wollte das würdige Andenken an die vielen Vergessenen erneuern und sie in den Mittelpunkt stellen, nicht sich. Es war ein überfälliger Akt der Reue. Und zugleich fürchtete er, eine derartige Selbsterniedrigung und Demutsbezeugung könnte in der Zukunft in Form weiteren Lobes auf ihn zurückfallen. Er saß in der Falle. Sein Gesicht war überall, während er die Gesichter der anderen nicht mehr sehen konnte.

Ich bin ein Name geworden, sagte er.

Wer sagt das?

Tennyson.

Habe ich nie gehört.

»Ulysses«.

Niemand liest den heutzutage noch.

Heutzutage liest überhaupt niemand mehr. Und Browning halten die Leute für einen Revolver.

Ich dachte, für dich gibt es nur Lawson.

Stimmt. Oder Kipling oder Browning.

Oder Tennyson.

Ich bin Teil von allem, was ich sah.

Das hast du dir ausgedacht, sagte sie.

Nein. Es ist nur sehr… wie sagt man?

Passend?

Ja.

Du kannst Gedichte auswendig und alles, sagte Lynette Maison und fuhr mit der Hand über seinen welken Oberschenkel. Und noch viel mehr. Aber an das Gesicht eines Mannes kannst du dich nicht erinnern?

Nein.

Beim Thema Tod fiel ihm Shelley ein, und Shakespeare. Sie meldeten sich ungefragt zu Wort und waren inzwischen genauso ein Teil seines Lebens wie sein Leben selbst. Als könnte man ein Leben zwischen zwei Buchdeckel pressen, in einen Satz, in ein paar Worte. Simple Worte. Zu einem Fest des Todes kommst du nun. Das blasse, das kalte, das mondene Lächeln. Ach, die Vorfahren!

Der Tod ist unser Arzt, sagte er. Ihre Brustwarzen fand er wunderlich. Beim Abendessen hatte ein Journalist an seinem Tisch gesessen und ihn zur Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki befragt.

Einmal, nun ja, sagte der Journalist. Aber zweimal? Warum?

Die Japaner waren Monster, sagte Dorrigo Evans. Sie haben ja keine Vorstellung.

Der Journalist wollte wissen, ob auch die Frauen und Kinder Monster gewesen seien? Und die Ungeborenen?

Die Strahlung, antwortete Dorrigo Evans, schädigt nachfolgende Generationen nicht.

Aber das war nicht die Frage gewesen, und er wusste es, abgesehen davon hatte er keine Ahnung, ob Strahlungsschäden vererblich waren. Irgendjemand hatte ihm vor langer Zeit erzählt, sie seien es nicht. Oder doch? Er konnte sich nicht erinnern. Dieser Tage verließ er sich auf die brüchige Annahme, dass alles, was er sagte, richtig war und dass, was richtig war, von ihm gesagt wurde.

Der Journalist sagte, er habe über die Überlebenden berichtet, er habe sie getroffen und gefilmt. Ihr Leid, sagte er, war furchtbar und dauerte ein Leben lang.

Es ist ja nicht so, als wüssten Sie nichts über den Krieg, junger Mann, sagte Dorrigo Evans. Sie haben eben nur eines seiner Gesichter gesehen. Doch der Krieg hat viele Gesichter.

Er hatte sich abgewandt. Und dann hatte er sich dem Journalisten wieder zugewandt.

Übrigens, singen Sie?

Jetzt versuchte Dorrigo, die Erinnerung an jene traurige, betretene und offen gestanden peinliche Unterhaltung wie üblich zu verdrängen, er legte eine Hand auf Lynettes Brust und klemmte die Brustwarze zwischen zwei Fingern ein. Doch in Gedanken blieb er woanders. Keine Frage, der Journalist würde bis in alle Ewigkeit mit dieser Story prahlen, mit seiner Begegnung mit dem Helden, der in Wahrheit ein Kriegstreiber, Bombenliebhaber und seniler alter Narr war, der ihn zuletzt sogar gefragt hatte, ob er singe!

Doch irgendwie hatte dieser Journalist ihn an Darky Gardiner erinnert, auch wenn er nicht sagen konnte, warum. Es war weder sein Gesicht noch seine Art. Sein Lächeln? Seine Dreistigkeit? Sein Mut? Dorrigo hatte sich über ihn geärgert, und gleichzeitig bewunderte er ihn für seine Weigerung, sich der Autorität von Dorrigos Ruhm zu beugen. Da war eine innere Stimmigkeit– Integrität, wenn man so wollte. Ein Beharren auf Wahrheit? Er konnte es nicht benennen. Ihm war kein ähnlicher Tick aufgefallen, keine Geste, keine Gewohnheit, die an Darky erinnert hätte. Eine seltsame Scham stieg in ihm auf. Vielleicht hatte er sich zum Narren gemacht. Und geirrt. Er hatte keine Gewissheit mehr. Vielleicht hatte er am Tag von Darkys Bestrafung alle Gewissheit verloren.

Ich will ein grauser Leichnam sein, flüsterte er in die Korallenmuschel ihres Ohres, ein weiblicher Körperteil, den er unsagbar rührend fand und dessen weich gewundener Wirbel ihm immer wie eine Einladung zum Abenteuer vorgekommen war. Sehr sanft küsste er ihr Ohrläppchen.

Du solltest mit deinen eigenen Worten sagen, was du zu sagen hast, sagte Lynette Maison. Mit Dorrigo Evans’ Worten.

Sie war zweiundfünfzig, zu alt für Kinder, aber nicht zu alt für Dummheiten, und sie verachtete sich selbst für die Macht, die der alte Mann über sie hatte. Sie wusste, er hatte nicht nur eine Ehefrau, sondern zudem eine andere Geliebte. Oder zwei oder drei, wie sie vermutete. Nicht einmal die zweifelhafte Ehre, seine einzige Mätresse zu sein, war ihr vergönnt. Sie verstand sich selbst nicht. Er verströmte den Sauerteiggeruch des Alters. Seine abgesackte Brust mündete in verkümmerte Warzen; seine Standfestigkeit war unzuverlässig, und dennoch fand sie es seltsam wohltuend, auf eine Weise, die jeder Logik entbehrte. In seiner Gegenwart fühlte sie die unerschütterliche Gewissheit, geliebt zu werden. Und zugleich wusste sie, dass ein Teil von ihm – der Teil, den sie am heftigsten begehrte, das Licht in ihm– schwer zu fassen war. In ihren Träumen schwebte Dorrigo immer ein paar Zentimeter über ihr. Am hellen Tag ließ sie sich oft zu Wut, Vorwürfen, Drohungen und Gefühlskälte hinreißen, doch spätnachts, wenn sie neben ihm lag, wünschte sie sich keinen anderen.

Da war ein schmutziger Himmel, sagte er, und sie spürte, wie er sich abermals bereit machte aufzusteigen. Der Himmel entfernte sich immer weiter, fuhr er fort, als könnte er es selbst nicht ertragen.

7

Als sie zu Beginn des Jahres 1943 in Siam ankamen, war es anders gewesen. Zunächst einmal war der Himmel klar und weit. Ein vertrauter Himmel, oder wenigstens dachte er das. Es war Trockenzeit, die Bäume waren kahl, der Dschungel licht, die Erde staubig. Außerdem gab es etwas zu essen. Nicht viel, nicht genug, doch die Entkräftung hatte noch nicht um sich gegriffen, und der Hunger hatte sich noch nicht in den Köpfen und Bäuchen der Männer festgesetzt wie ein tollwütiges Tier. Und auch die Arbeit für die Japaner war noch nicht der Irrsinn, der sie später sterben lassen würde wie die Fliegen. Es war anstrengend, doch der Wahnwitz hatte noch nicht begonnen.

Als Dorrigo Evans den Blick senkte, entdeckte er eine gerade Reihe von Pflöcken, in den Boden gerammt von den Ingenieuren der Kaiserlich Japanischen Armee. Die Reihe markierte den Verlauf der geplanten Eisenbahnlinie und fing genau dort an, wo Dorrigo an der Spitze einer Gruppe von stummen Kriegsgefangenen stand. Von den japanischen Ingenieuren erfuhren sie, dass die Pflöcke vom Norden Bangkoks bis nach Burma reichten, über eine Strecke von vierhundertfünfzehn Kilometern.

Sie gaben die Route für die große Eisenbahn vor, die bislang kaum mehr war als eine Sammlung von vorläufigen Plänen, eine Serie von scheinbar unmöglichen Befehlen und großen Durchhalteparolen des japanischen Oberkommandos. Die sagenhafte Bahnlinie schürte Verzweiflung und Fanatismus und bestand so sehr aus Mythen und Trugbildern, wie sie später aus Holz und Eisen bestehen würde und aus den Tausenden und Abertausenden Leben, die ihr während des Baujahres geopfert wurden. Doch welche Realität wird je von Realisten gemacht?

Man gab ihnen stumpfe Äxte und morsche Hanfseile und dazu den ersten Auftrag: auf einer Strecke von einem Kilometer gigantische Bäume zu fällen, zu entwurzeln und beiseitezuschaffen.

Mein Dad hat immer gesagt, ihr jungen Leute seid nicht belastbar, sagte Jimmy Bigelow und fuhr mit dem Zeigefinger über die stumpfe, verbeulte Schneide seiner Axt. Ich wünschte, der Dreckskerl könnte mich jetzt sehen.

8

Und später wird niemand sich je erinnern. Wie nach allen großen Verbrechen wird es sein, als wäre nichts geschehen. Die Qualen, die Toten, der Kummer, die erbärmliche, jämmerliche Sinnlosigkeit des ungeheuerlichen Leids; möglicherweise existiert es nur noch auf diesen wenigen Seiten und in ein paar anderen Büchern. Das Entsetzen lässt sich in ein Buch fassen, gewinnt an Form und Bedeutung. Doch im Leben hat das Entsetzen genauso wenig Form, wie es Bedeutung hat. Das Entsetzen existiert einfach nur.

Die Vorgeschichte dieses Buches beginnt am 15.Februar 1942, als mit der Schlacht um Singapur ein Imperium untergeht und ein neues aufsteigt. Doch schon im Jahr 1943 droht das überstrapazierte und unterversorgte Japan den Krieg zu verlieren. Über Burma versorgen die Alliierten Chiang Kai-sheks chinesische Nationalistenarmee mit Waffen, die Amerikaner kontrollieren die Meere. Um die wichtigen Versorgungslinien des chinesischen Feindes abzuschneiden und Indien über Burma zu erobern – zügelloser Traum der japanischen Führung–, muss Japan seine Streitkräfte in Burma auf dem Landweg mit Männern und Ausrüstung verstärken. Es hat weder die Mittel noch die Maschinen, um die dringend benötigte Eisenbahn zu bauen.

Leider folgt der Krieg einer eigenen Logik. Das Japanische Kaiserreich glaubt fest an den Sieg– der unbeugsame japanische Kampfgeist, jener Kampfgeist, der dem Westen abgeht, der Kampfgeist, den die Japaner als den Willen und Ruf des Kaisers verstehen; jener Kampfgeist wird, in ihrem Glauben, bis zum Endsieg walten. Und neben dem unbeugsamen Willen und dem festen Glauben ist das Kaiserreich mit Sklaven gesegnet, Hunderttausenden von Sklaven aus Asien und Europa, darunter auch zweiundzwanzigtausend australische Kriegsgefangene. Die meisten von ihnen kapitulierten nach der Schlacht um Singapur, eine strategische Notwendigkeit noch vor Beginn der eigentlichen Kampfhandlungen. Neuntausend von ihnen werden als Zwangsarbeiter zum Bau der Eisenbahnlinie eingesetzt. Als am 25.Oktober 1943 die Dampflokomotive C5631 den fertiggestellten Abschnitt der Death Railway befährt, der erste Zug auf der Strecke, und drei Waggons mit japanischen und thailändischen Würdenträgern hinter sich herzieht, rollt er an endlosen Reihen von Gruben voller Menschenknochen vorbei; hier liegen die Überreste von jedem dritten jener Australier.

Heute wird die Dampflokomotive C5631 stolz in einem Museum ausgestellt, das zum inoffiziellen japanischen Kriegerdenkmal gehört, dem Tokioter Yasukuni-Schrein. Neben der Dampflokomotive C5631 findet sich hier auch das »Buch der Seelen«, darin die Namen von über zwei Millionen Menschen, die zwischen 1867 und 1951 im Dienst des japanischen Kaisers gestorben sind. Die Verehrung im »Buch der Seelen« an diesem geheiligten Ort kommt einer Absolution von allen bösen Taten gleich. Unter den vielen Namen finden sich auch die jener 1068 Männer, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsverbrecher hingerichtet wurden. Und unter jenen 1068 exekutierten Kriegsverbrechern finden sich auch manche, die den Bau der Death Railway überwachten und sich der Misshandlung von Kriegsgefangenen schuldig machten.

All das wird auf der Gedenktafel vor der Dampflokomotive C5631 nicht erwähnt. Und auch nicht das Grauen, das der Bau der Linie bedeutete. Nirgendwo sind die Namen der Hunderttausende zu lesen, die bei der Arbeit umkamen. Dann wiederum steht nicht einmal fest, wie viele Menschenleben die Death Railway eigentlich gekostet hat. Die sechzigtausend alliierten Kriegsgefangenen bildeten nur einen kleinen Teil der Sklaven des Pharaonenprojektes. An ihrer Seite litten eine Viertelmillion Tamilen, Chinesen, Javaner, Malaien, Thais und Burmesen. Oder noch mehr. Manche Historiker behaupten, fünfzigtausend Zwangsarbeiter seien umgekommen, andere sprechen von hundert- oder zweihunderttausend. Niemand weiß es genau.

Und niemand wird es je wissen. Die Namen der Toten sind vergessen. Für ihre verlorenen Seelen gibt es kein Buch. Die folgenden Seiten sind ihnen gewidmet.

So lautete Dorrigo Evans’ Vorwort zu Guy Hendricks’ Illustrationen aus dem Kriegsgefangenenlager. Er hatte seine Sekretärin angewiesen, ihn drei Stunden lang abzuschirmen, damit er die Aufgabe, die er seit Monaten vor sich herschob und mit der er beträchtlich im Verzug war, zu Ende bringen konnte. Doch als er fertig wurde, meinte er, einen weiteren Fehlschlag erlitten und wieder nicht durchschaut zu haben, was das alles eigentlich zu bedeuten hatte, ein Fehlschlag, der eine Vorlage war für andere Autoren, die das Phänomen der Death Railway möglicherweise besser erklären konnten.

Sein Ton, fand er, war zu unverbindlich und zu persönlich zugleich; und irgendwie fühlte Dorrigo sich abermals auf Fragen zurückgeworfen, die zu beantworten ihm sein ganzes Leben nicht gelungen war. Sein Kopf war voller Gedanken, doch aus unerfindlichem Grund war es ihm nicht gelungen, auch nur einen davon zu Papier zu bringen. So viele Ereignisse, so viele Namen, so viele Tote, und der eine Name, den er nicht aufschreiben konnte. Zu Beginn seines Vorwortes hatte er sich an einer Beschreibung von Guy Hendricks versucht, von den Ereignissen, die zu seinem Tod geführt hatten. Dazu gehörte auch die Geschichte von Darky Gardiner.

9

Aus gutem Grund bezeichnen die Kriegsgefangenen den nun folgenden langsamen Abstieg in den Wahnsinn mit zwei einfachen Worten: die Strecke. Von nun an gab es nur noch zwei Sorten von Menschen: jene, die auf der Strecke gearbeitet hatten, und den ganzen Rest. Oder vielleicht auch nur eine: Männer, die die Strecke überlebt hatten. Und am Ende traf vielleicht nicht einmal das zu: Dorrigo Evans war zunehmend besessen von dem Gedanken, dass es nur auf jene ankam, die auf der Strecke gestorben waren. Er fürchtete, dass sich nur in ihnen die furchtbare Vollendung von Leid und Erfahrung vollzog, die einen erst ganz zum Menschen werden ließ.

Als er den Blick wieder auf die Eisenbahnpflöcke senkte, erschien Dorrigo Evans alles um ihn herum unbegreiflich, unaussprechlich, unverständlich, unvorhersehbar, unbeschreiblich. Die Pflöcke selbst ließen sich durch schlichte Fakten erklären. Doch sie vermittelten ihm nichts. Was ist eine Strecke, fragte er sich, die Strecke? Eine Strecke verläuft von einem Punkt zum anderen – von der Realität in die Unwirklichkeit, vom Leben in die Hölle–, »breitenlose Länge«, erinnerte er sich an die euklidische Geometrie seiner Schulzeit. Eine Linie ohne Breite, ein Leben ohne Bedeutung, eine Prozession vom Leben in den Tod. Eine Reise in die Hölle.

Ein halbes Jahrhundert später döste Dorrigo Evans in seiner Hälfte des Hotelzimmers in Parramatta, er warf sich hin und her und träumte von Charon, dem grässlich schmutzigen Fährmann, der die Toten über den Styx in die Unterwelt bringt gegen einen Obolus, den sie unter der Zunge tragen. Im Traum sprach er Vergils Beschreibung des schaurigen Charon nach: Dicht wuchert der graue Bart und verworren ums Kinn; es starrt in Flammen sein Auge. Schmutzig, im Knoten geschürzt, hängt schlaff von den Schultern der Mantel.

Während der Nacht, in der er mit Lynette Maison das Bett teilte, lag auf seinem Nachttisch – wie immer, egal wo er gerade war– ein Buch, denn im mittleren Alter hatte er wieder mit dem Lesen angefangen. Ein gutes Buch, zu diesem Schluss war er gekommen, lässt den Leser mit dem Wunsch zurück, es noch einmal zu lesen. Ein wirklich großes Buch zwingt ihn, in seiner eigenen Seele zu lesen. Doch solchen Büchern begegnete er nur selten, und umso seltener, je älter er wurde. Er gab die Suche dennoch nicht auf; ein weiteres Ithaka, auf das er ewig zusegelte. Er las am späten Nachmittag. Am Abend war ihm fast egal, welches Buch er las, denn für ihn war es in jedem Fall ein Talisman oder Glücksbringer– ein vertrauter Gott, der über ihn wachte und ihn sicher durch die Welt der Träume leitete.

Das Buch jenes Abends war ihm von einer Delegation japanischer Frauen überreicht worden, sie waren gekommen, um sich für die japanischen Kriegsverbrechen zu entschuldigen. Sie kamen in aller Feierlichkeit und mit ihren Videokameras, sie brachten Geschenke mit, und eines davon war sonderbar: ein Buch mit Übersetzungen japanischer Todesgedichte, Ergebnis einer Tradition, die vorsieht, dass jeder Dichter ein letztes Gedicht verfasst. Er hatte es auf den Nachttisch aus dunklem Holz gelegt, gleich neben sein Kissen, sorgsam parallel zu seinem Kopf. Er glaubte, dass die Aura eines Buches ihn beschützen konnte, dass er, falls kein Buch neben ihm lag, sterben würde. Er war damit zufrieden, ohne eine Frau zu schlafen. Ohne Buch schlief er nie.

10

Als er früher am Tag in dem Buch geblättert hatte, war Dorrigo Evans auf ein besonderes Gedicht gestoßen. Im achtzehnten Jahrhundert hatte der Haiku-Dichter Shisui auf dem Sterbebett schließlich den Anfragen nach einem Todesgedicht entsprochen und zum Pinsel gegriffen, er hatte das Gedicht gemalt und war gestorben. Auf dem Papier entdeckten Shisuis entgeisterte Anhänger: einen Kreis.

Shisuis Gedicht trieb durch Dorrigo Evans’ Unterbewusstsein, eine umrandete Leere, ein endloses Rätsel, breitenlose Länge, das große Rad, ewige Wiederkehr: der Kreis– Gegenspieler der Linie.

Der Obolus im Mund des Toten, den Fährmann zu bezahlen.

11

Dorrigo Evans gelangte über ein Kriegsgefangenenlager im javanischen Hochland zur . Als Colonel war er zum stellvertretenden Kommandeur von tausend Kriegsgefangenen gemacht worden, die meisten davon Australier. Das schier endlose Warten verkürzten sie sich mit Sport, Weiterbildung und Konzerten, sie sangen Loblieder auf die Heimat und versuchten sich zum ersten Mal an der nun lebenslang währenden Aufgabe, an ihren Kriegsanekdoten aus dem Nahen Osten zu feilen– Geschichten von Kamelkarawanen, die Sandstein durch die Dämmerung schleppten, von römischen Ruinen und Kreuzfahrerburgen, von tscherkessischen Söldnern mit langen, schwarzen, silberfarben gesäumten Umhängen und hohen schwarzen Persianerkappen; von senegalesischen Soldaten, großen, muskulösen Männern, die mit um den Hals gehängten Stiefeln vorbeimarschierten. Wehmütig erinnerten sie sich an die Französinnen in Damaskus, und wie sie in Palästina den Arabern von der Ladefläche der Lastwagen so lange zugerufen hatten, bis sie den arabischen Prostituierten in Jerusalem begegneten; wie sie von der Ladefläche derselben Lastwagen den Juden so lange zugerufen hatten, bis sie die jüdischen Mädchen im Kibbuz sahen, in blauen Shorts und weißen Blusen, Mädchen, die ihnen Säcke mit Orangen aufdrängten. Sie lachten über die Geschichte von Yabby Burrows – seine Haare sahen aus wie von einem Ameisenigel geborgt–, als er einmal rund um die Uhr in einem Hotel in Kairo verschwand, sich danach heftig im Schritt kratzte, an sich hinuntersah und fragte: Was sind das für Kameltreiberkrebse? Muss ich mir wohl auf dem verdammten Zigeunerklo geholt haben, was?

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