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In "Der Sonne Ohnmacht" geht es um einen Mann, der auf der Suche nach dem Licht ist. Sein Pfad führt ihn auf windige Höhen und dunkle Tiefen. So kommt er in ein kleines Dorf, in welchem ein tyrannischer, mysteriöser Bürgermeister sein Unwesen treibt. Dort versucht er sein Glück, an sein Ziel zu kommen, wobei er mit katastrophalen Hindernissen zu kämpfen hat. Er läuft verschiedensten Menschen über den Weg und führt verwirrende Gespräche. Außerdem stellt sich die Frage in welcher Realität er lebt. Er scheint den festen Griff verloren zu haben und schaut in den Spiegel. Wer ist er überhaupt und wie mächtig ist sein Verstand? Oder ist er schlichtweg ohnmächtig?
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Seitenzahl: 84
Veröffentlichungsjahr: 2021
Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Es war ein guter Plan. Die Räder des Zuges rattern wie besessen, in Windeseile über die Gleise, als würde der Passagier umso schneller an sein Ziel kommen. Im Grunde soll es um einen ganz bestimmten Mann gehen. Er trägt den, vermutlich exotischen, Namen Seitux und ist auf dem Weg in ein fernes Dorf, um dort seiner Arbeit Glück zu finden. „Warum gerade dort?“, hörte er oft von seinen einfältigen Bekannten, sowie Freunden. Dies gänzlich fruchtlose abgelegene Örtchen scheint der Würde dieses Mannes das Wasser nicht reichen zu können, bei Weitem nicht. Nein. Ein Unterfangen, welches nur Erfolglosigkeit mit sich zu ziehen scheint, doch gerade das reizt den Mann. Er fühlt sich wie in Ekstase an diese Gegend herangezogen, er hat sich diese Herausforderung fest in sein Herz, in seinen Geist gebrannt.
Seitux sei ein gestandener Mann, der doch allen Grund für diese Flucht sieht. Sein Zugabteil scheint leer, genau genommen nimmt er keine Seele wahr, die ihm über den Weg läuft. Wie in einer Höhle steht er mit dem Haupte dem hellen Himmel und dem Licht der Sonne zugewandt.
Er blickt von seinem wenig gemütlichen Sitz aus nachdenklich durch die gläserne Scheibe und lässt seinen großen Gedanken freien Lauf. Er bewundert die Schönheit dieses Anblicks, von welcher sich der Schöpfer nur erahnen lässt. Die fließenden Bäche, an denen er förmlich vorbeifliegt. Die Eichen, die sich dem Fahrtwind zu beugen haben und so mancher Tierwelt Schatten bieten. Es erscheinen beeindruckende Berge am Horizont seiner Perspektive, seine Augen versuchen mit der Geschwindigkeit mitzuhalten und fortwährend die neuen Eindrücke der Ordnung gemäß zu verarbeiten. Doch eines ist auffallend, nämlich die Wolken, welche an Ort und Stelle zu verweilen scheinen. Ebenso die Sonne, die an diesem einen Sommertage in ihrer vollen Pracht einem jeden ins Angesicht scheint.
In jenem Moment öffnet er das Fenster und zündete sich eine Zigarette an, diese Angewohnheit sieht er weniger als Sucht, als ein Zeichen seines Sinnes für Stil. Er sieht die ganze Sache als ästhetisch an. Die Zigarette ist für ihn kein lästiger Todesstumpf, sondern eine reine Oberflächlichkeit, kurz mit Kippe im Maul sieht man besser aus! Das ist eines seiner Mottos. Er raucht schon seit geraumer Zeit, jedoch hat sich bei ihm noch keine Art einer Nebenwirkung oder Einschränkung gezeigt. Möge es auch daran liegen, dass er keinen Sport macht, um es auszuprobieren, doch die Treppen kommt er noch ganz gut hoch.
In seinen Ohren stecken Stöpsel, die kabellos von seinem Handy Musik abspielen. Die, die er hört, ist an Diversität kaum zu übertreffen. Von K-Pop über Klassik, bis Hip-Hop ist alles dabei, wobei es von seiner gegenwärtigen Stimmung abhängt, was läuft. Zurzeit erklingen Techno Töne, durch welche er in einen aufgeregten Zustand geführt wird. Die Finger verkrampfen vor überwältigender Arbeitslust. Die lange Fahrt lässt ihn gleichermaßen diese Emotionen in ihrer ganzen Fülle erleben, ohne, dass er eine entspannte Minute Ruhe hatte.
Nach gegenwärtig ungefähr sieben Stunden Fahrt ist es ihm nun doch möglich den Zielort in weiter Ferne zu erblicken. Aber tatsächlich ist dieser Bahnhof noch nicht sein eigentliches Ziel, ihm stehen noch einige Stunden Autofahrt bevor. Allein durch diese lange Reise stellt sich die Frage: Warum nur? So lange? Und die Aussichten sind nicht einmal wirklich vielversprechend!
Nichtsdestotrotz ist der Herr von der Reise nicht sehr ermüdet, vielmehr brennend. Der Anblick der fernen, im abendlichen Sonnenlicht schimmernden Lichter am Horizont führt nicht die erhofften fröhlichen Aufschreie und Jauchzer mit sich, eher gerät der Fremde in eine tiefe Melancholie und er hegt plötzlich Zweifel.
„Was, wenn es nicht funktioniert? Was, wenn ich mir dieses Hirngespinst umsonst in den Kopf gesetzt habe?
Was, wenn meine Bemühungen nicht vom herrlichen golden glänzenden Licht des Erfolgs beschienen werden?
Dann werde ich abermals als der Idiot ausgelacht, der diesen vermeintlich unnötigen Weg auf sich nahm!“
Doch die Möglichkeiten lassen diese Zweifel schnell verfliegen. Nach nur kurzer Zeit hat er sich wieder von der Oberfläche seines Bewusstseins gelöst. Der Glanz ist zu vielversprechend! Er könnte sich nicht nur in den Geschichtsbüchern unsterblich machen.
Er ist nun angekommen, in dem Lande, welches schon lange als verloren galt, ein unmögliches Territorium!
Beim Durchfahren der winzigen Stadt erweckt sie eine aufgehellte leuchtend euphorische Stimmung, es scheint als würden die Hauswände am Straßenrand pulsieren und die Menschen auf dem Bürgersteig stolzieren erheiterten Schrittes ihren Geschäften nach. Es ist egal was genau sie vorhatten. Auf den allerersten Blick fällt einem Anderen sofort verschiedenartige Architektur dieses Örtchens auf, normalerweise würde man diese – wenn auch nur im Stillen – würdigen, aber Seitux benimmt sich, als hätte er diese schon hunderte Male gesehen. Kein Haus scheint einem anderen zu gleichen, nicht einmal ähnlich zu sein. Eines dieser verdunkelt die Straße mit seiner in tiefem schwarz getränkten Fassade. Umringt von einer toten, jedoch hohen Hecke, welche nur begrenzte Blicke zulässt, dadurch erweckt es eine gruselige Atmosphäre. Es besitzt ein flaches Dach, welches den gesamten Bau kubisch anmuten lässt. Zwei recht kleine rechteckige Fenster mit – natürlich –geschlossenen Rollladen schwächt den Eindruck lediglich graduell. Auf dem Eingangstor des Vorgartens sitzt eine kohlrabenschwarze Katze mit grellen gelben Guckern, diese verfolgt die Bewegung des Wagens mit ihren vorwurfsvollen Blicken.
Daraufhin, von dem Tier gänzlich unbeeindruckt, passiert er einige andere Häuser. Das eine gleicht einer Hollywood-Villa, das andere eher einer Hundehütte, eines flach, das andere hoch, ein weiteres breit, gegenteilig ist ebenfalls eines vorhanden, wiederrum ist eins von außergewöhnlicher Architektur, es scheint ausschließlich von kreisförmigen Wänden getragen zu werden, in verschiedenen Gliedern aufgeteilt, wobei der Eingang nicht direkt ersichtlich ist. Gleichzeitig erkennt er eines von geometrisch kantigen Wänden, mit schiefem Balkon! Doch die Gebäude unterscheiden sich auch durch teils lebensfrohe, teils lebensfeindliche Farben. So einerseits eines schwarz, andererseits weiß, einerseits rot, andererseits blau, einerseits vertrocknet dunkelbraun, andererseits helles lebendiges grün, einerseits helles babyblau, andererseits unfreundliches dunkles grau. –
Die Mannigfaltigkeit erstreckt sich vor den Augen dieses Mannes und er war froh. Er ist nicht überrascht von diesem Anblick, trotz dessen, dass ihm nichts von dieser Außergewöhnlichkeit mitgeteilt wurde. Von wem auch?
Man schätzt das ganze Dorf auf so ca. sechsbis siebenhundert, irgendwas in der Mitte ungefähr, Einwohner. An sich ist es verschlossen, in einer eigenen Welt, abgeschnitten vom Rest, von aller konventionellen Zivilisation. Dort wo Menschen verschiedenster Art zusammenkommen und in ihrer Individualität eine recht friedliche Koexistenz führen. Trotz dieser Abgeschnittenheit wird sie auch durch fremde Eindrücke gespeist, also eigentlich ist sie nicht vollkommen abgeschottet, doch durchaus auch offen. Diese Welt ist aus dem Boden gestampft, aus dem Nichts wurde mit der rennenden Zeit eine herrliche Heimat, ein sicherer Hafen. Die Bewohner haben nicht das Interesse oder nicht den nötigen Biss, um aus diesem System auszutreten, denn man fühlt sich wohl, man ist sich bekannt, man glaubt an die Zukunft. Was soll man gegen die Zukunft einwenden? Ist dieser wundervolle Glaube der Einwohner gut? Nun ja…
Der nächste Halt sei das Hotel, in diesem hatte er sich nämlich ein Zimmer für unbestimmte Zeit genommen. Besonders viel ist über diese Einrichtung nicht bekannt, sicher ist aber, dass es kein Luxus- Schuppen der besonderen Art sein wird. Auch erwartet er keine spezielle Bauart. Es sei ein ganz konventionelles Hotel. Das kommt auch der Art des Mannes sehr nahe, da er Prunk oder dergleichen verabscheut. Die einzigen Ansprüche sind, dass er schlafen kann, sowie konzentriert arbeiten bzw. nachdenken. Mehr brauchte er nicht, sogar Essen schien nebensächlich. Ein solches minimalistisches Verhalten ist für Seitux fast eine Selbstverständlichkeit, er will sich dem immer fortwährenden Konsum nicht geschlagen hingeben. Er protestiert im Stillen, da er zur gigantischen Müllhalde so wenig, wie möglich beitragen möchte.
Das Bild eines freien Mannes schwimmt umher. Gleich erinnert er sich an einen Traum, in welchem er an irgendeinem Strand die Sonne genoss, er wurde von ihr gebraten. Lächelnd liegt er in der bequemsten Liege, die er sich nur vorstellen kann, wie in seinem Bett. Die Hitze beginnt zu kitzeln, wobei Seitux nun das dringliche Verlangen nach einer wohlen Abkühlung zum Wasser führte. Langsam marschiert er in die klaren, blauen Fluten, welche sich wohl unendlich in Größe ausbreiten. Ein Ende der Fläche dieses elysischen Elements war nicht in Sicht, scheinbar gab es auch keines. Der tolle Träumer wirft sich wie ein massiver Stein in das lauwarme Nass und beginnt in die Ewigkeit zu gleiten, immer begleitet vom Schein der glühenden Sonne. Irgendwann fand er sich mitten im Nirgendwo wieder. Wo war die Zeit hin? Wo der Anfang? Wo das Ziel? Die plötzliche Panik hielt glücklicherweise nur knapp an und mit einem unbeschreiblichen Wonnegefühl im Magen ließ sich Seitux durch die Strömung tragen.
Dieser Traum, der wohl auswirkungsreichste seiner ganzen menschlichen Laufbahn, dauerte nur spürbar nur einige wenige Minuten an, doch die Gefühle waren von Dauer, er strebt ihnen heute noch nach.
Er kommt dem Hotel mit dem Namen „Zum Mort“ immer näher. Die Betitelung legt den Schluss nahe, dass der Besitzer wohl Mort heiße. Über den Namen lässt sich streiten, besonders einladend ist er aufgrund der aggressiven Aussprache, die vor allem der deutschen Sprache zu schulden ist, nicht. Dennoch ist es ein Name und bevor man sich Ewigkeiten den Kopf mit sogenanntem „Brainstorming“ zumüllt, nimmt man lieber das erste, was einem in den Sinn kommt.
Er parkt seinen Fiat 500 auf dem ausgesprochen kleinen Parkplatz, welcher keine Markierungen für die Wagen vorweist. Man möge fast sagen, dass dieser allein Raum für dies eine Auto lässt, ebenfalls scheint kein anderer Gast in diesem Etablissement zu hausen. Da fragt man sich doch gleich, wie sich ein solches, dann überhaupt über Wasser halten kann, es müsste doch im Schuldensumpf ersaufen. Doch er verschwendet keine weitere Zeit an diesem Gedankengang.
Diese ganze Sache, die Eindrücke, seine Aufregung, sein Temperament neigten nun doch an seiner Energie zu saugen. Also galt es gerade diese wieder aufzuladen. Beim Öffnen der großen altmodischen Holztür, ertönt ein rostiges Knarzen und ein kleines Glöckchen klingelt
zur Ankündigung des neuen Gastes, es rieselt Staub herunter.
Direkt links vom Eingang befanden sich die stillen Örtchen, er ging rechts Richtung Rezeption.
