Beschreibung

Ein junger Mann Mitte zwanzig findet sich unversehens in einem "Hotel ohne Fenster" wieder - einem Privatsanatorium, in das er nach dem letzten Treffen mit seinen ehemaligen Schulkameraden eingeliefert wurde. Sein bester Freund, den alle nur den Spartaner nennen, hatte bei dieser Zusammenkunft eine Pistole gezogen. Minutiös hält der Protagonist alle Gespräche und Erlebnisse im Sanatorium fest. In täglichen Sitzungen versucht die Ärztin, die ihm zwischenzeitlich gefährlich nahekommt, der Faszination auf den Grund zu gehen, die Der Spartaner auf ihn ausübt. Entspringt sie dessen beharrlicher Weigerung, ein normales Leben zu führen? Tatsächlich kommt nach und nach etwas zum Vorschein, womit niemand gerechnet hat - auch die Ärztin nicht. Mit seinem Roman "Der Spartaner" hat Tom Zürcher ein dichtes, tragikomisches Psychogramm eines Menschen geschaffen, der am Erwachsenwerden gehindert wird und dessen Weltsicht den Leser in ihren Bann zieht.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 240

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Der Autor

Tom Zürcher, geboren 1966, ist in Zürich aufgewachsen, wo er auch heute lebt und als Werbetexter arbeitet. Nach dem erfolgreichen Debüt Högo Sopatis ermittelt ist Der Spartaner sein zweiter Roman.

www.textertom.ch

E-Book-Ausgabe 2016

Copyright ©2016 by Lenos Verlag, Basel

Alle Rechte vorbehalten

Cover: Neeser & Müller, Basel

ISBN 978 3 85787 944 9

www.lenos.ch

Für Isabelle

–Liniert oder kariert?

–Weiss bitte. Kann ich besser fliegen.

–Bleistift oder Kugelschreiber?

–Egal. Aber ich schreibe nicht über den Spartaner.

–Das müssen Sie auch nicht.

–Wirklich nicht?

–Sie müssen nichts, was Sie nicht möchten.

1

Eigentlich wollte ich frei sein, und jetzt sitze ich hier in diesem Hotel ohne Fenster und schreibe. Ich könnte auch malen oder basteln, aber ich habe mich fürs Schreiben entschieden, weil mir das schon im Gymnasium leichtgefallen ist. Der Deutschlehrer hat meine Aufsätze immer der Klasse vorgelesen. Sie waren lang und verrückt, und er sagte, ich solle nicht solche sonderbaren Vergleiche anstellen, aber ich schrieb trotzdem weiter wie vom Affen gebissen, und die Klasse grölte oder weinte.

Ich habe Flügel. Zu grosse, wie sie hier sagen, aber ich bin froh um sie. Dank ihnen können sie mich nicht festhalten, selbst hier nicht, wo sie mich gefangen halten. Nicht richtig gefangen, es ist nur zur Beobachtung, weil der Spartaner durchgedreht ist. Mutter hat das angeordnet oder die Polizei, aber es wäre nicht nötig, ich bin okay. Das findet auch meine Ärztin, auch wenn sie es nicht so direkt sagen darf.

Sie ist viel zu jung, meine Ärztin, kaum älter als ich. Sie versucht, kühl und distanziert zu sein, spielt die Erwachsene, dabei ist sie höchstens dreissig. Aber sie hat eine schöne Stimme, warm und weich und doch leicht kratzig hinten. Karamell. Wenn sie mir zuhört und auf ihrem Block herumkritzelt, macht sie so komische Schmatzlaute, als wolle sie von ihrer Stimme kosten. Man kriegt Hunger davon.

Schreiben Sie einfach drauflos, hat sie gesagt. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen durch den Kopf geht. Mir geht allerhand durch den Kopf, wissen Sie. Gedanken sind wie weisse Kaninchen. Kaum ist mehr als einer da, rammeln sie drauflos, und plopp! sind es hundert, und alle hoppeln durcheinander und knabbern meine Kabel an. Die Flügel entzünden sich, und ich schiesse hoch, sause nieder, und die Welt explodiert in einer fürchterlich goldenen Wanne. Ganz so schlimm ist es nicht. Man zittert zwar, friert aber nicht. Man zittert nicht mal.

Sie wird das hier lesen, denke ich. Sie wird lesen Hotel ohne Fenster und mich in der nächsten Sitzung fragen: Was verstehen Sie darunter? Wenn sie spricht, stellt sie hauptsächlich Fragen. Doofe Fragen. Aber mit einer Karamellstimme kann man sich das leisten. Dann ist das Leben ein Kinderspiel, alle hören einem zu, egal was man sagt.

Ich will auch so eine Stimme. Ich rauche mir eine. In meinem Zimmer darf ich rauchen, so viel ich will. Ich rauche und schreibe. Es ist alles voller Qualm, man müsste das Fenster öffnen, aber das Fenster gibt es nicht mehr, es hat sich in die Mauer zurückgezogen. Es gibt nur noch mich, das Pult und das weisse Papier. Und eine kleine Tischlampe, der ein fröhlich-trauriges Licht entschlüpft.

2

–Wie geht es Ihnen?

–Gut.

–Schlägt Ihnen das Wetter nicht aufs Gemüt?

–Welches Wetter?

–Es regnet in Strömen.

–Ich sehe keinen Regen.

–Ich habe Ihren Text gelesen.

–Ich weiss.

–Sie schreiben gut.

–Danke.

–Hat tatsächlich mal jemand geweint nach Ihrem Aufsatz?

–Zumindest in meiner Vorstellung.

–Und in Wirklichkeit?

–Ist doch egal. Gelacht haben sie jedenfalls, da bin ich mir sicher.

–Der Spartaner auch?

–Nein.

–Wo ist er jetzt?

–Der Spartaner? Sie wissen, wo er ist.

–Können Sie es sagen?

–Klar, wieso nicht?

–Sagen Sie es.

–Er ist tot.

–Was fühlen Sie dabei?

–Wobei?

–Wenn Sie es sagen.

–Dass er tot ist? Nicht viel. Ich habe diese Sitzungen nicht so gern, wissen Sie.

–Sie sind aber wichtig.

–Wieso?

–Wir müssen etwas herausfinden.

–Über den Spartaner?

–Auch.

–Ich weiss, was Sie wissen wollen. Woher er die Pistole hatte. Die Polizei wollte das auch wissen.

–Woher hatte er sie?

–Keine Ahnung.

–Hatte er sie schon während der Schulzeit?

–Nö, erst später, als er in der Dachkammer wohnte.

–Wussten Sie davon?

–Er hat sie mir mal gezeigt.

–Machte Ihnen das nicht Angst, dass er eine Waffe besass?

–Nein. Aber es passte nicht zu ihm. Er besass nichts mehr, weder Stuhl noch Bett, noch Kaffeetasse– und dann plötzlich diese Pistole aus glänzendem Metall.

–Kann es sein, dass er sie von Ihnen hatte?

–Wie kommen Sie darauf?

–Nur so ein Gedanke.

–Ein blöder Gedanke.

–Wann haben Sie den Spartaner das erste Mal gesehen?

–Als er in unsere Klasse kam.

–Vorher hatten Sie sich nie getroffen?

–Nein. Aber wir waren sofort Freunde. Es war, als würden wir uns schon ewig kennen.

–Hatten Sie noch andere Freunde in der Klasse?

–Wir waren damals alle Freunde. Die beste Klasse, die es je gab. Nach der Matura sahen wir uns weiterhin, trafen uns jeden letzten Donnerstag im Monat im Mörder.

–Mörder?

–Eine alte Hotelbar. Heisst wirklich so. Lange Zeit ging alles gut, unsere Klasse existierte einfach weiter. Bis die anderen anfingen, sich zu verändern. Älter wurden, kälter. Erwachsen halt.

–Ihr Freund hat sich doch sicher auch verändert.

–Der war schon erwachsen, als er zu uns stiess. Er kam aus einer höheren Klasse, musste das Schuljahr wiederholen und war schon viel weiter als wir. Er war uns allen überlegen. Klar hat er sich mit den Jahren verändert, aber nicht so stelzbeinig wie die anderen.

–Stelzbeinig?

–Die anderen kamen plötzlich wie Walküren daher, in Strapsen und Containerfarben. Hauptsache, es kübelte.

–Das verstehe ich nicht.

–Egal, ist nicht so wichtig. Ich bin müde.

–Wollen wir eine Pause machen?

–Schon klar, dass Sie es nicht verstehen.

–Wieso meinen Sie?

–Es gibt nicht viele, die mein Zeug verstehen.

–Der Spartaner?

–Der verstand mich. Und ich ihn. Ich verstehe überhaupt jeden. Ich kann verstehen, wieso wer was tut, ist immer alles nachvollziehbar und logisch. Nur mich, mich versteht keiner. Ich mache Knöpfe in die Köpfe.

–Das klingt traurig.

–Ist es aber nicht. Man lernt, damit zu leben. Der Spartaner sagte, meine Gedanken hätten keinen Platz im grossen Bürgertheater, ich sei zu frei im Kopf. Drum dürfe ich nicht mitspielen, nur danebenstehen und zuschauen.

–Er selber, durfte er mitspielen?

–Schon. Aber er wollte keine gewöhnliche Rolle, er wollte etwas Bedeutendes sein. Und dann hat er sich übernommen, und es ist zu dieser Tragödie gekommen. Darf ich auf mein Zimmer?

–In Ordnung. Wir machen nach dem Mittagessen weiter. Ruhen Sie sich ein wenig aus.

–Darf ich schreiben?

–Sie dürfen immer schreiben.

–Ich schreibe unser Gespräch auf.

–Tun Sie das.

3

Der Speisesaal ist schön. Viel gelbes Licht, weiss gedeckte Tische und hinten an der Wand so ein spezieller Glanz. Ich nehme das Gulasch. Andere nehmen auch das Gulasch, und ich sehe ihnen beim Essen zu. Sie kauen das Fleisch und schlürfen die Sauce. Lauter Blödmänner, die sich haben einsperren lassen. So wie ich. Blödmänner unter sich, mit Zwiebeln und Paprika in der schwarzen Sauce.

Einer der Blödmänner hat sich die Backe vollgeschmiert, ein fetter Striemen bis hinters Ohr. Ein anderer pickt mit der Gabel die Fleischstücke raus und jammert, die armen Viecher, die armen Viecher. Nachdem er alles runtergeschluckt hat, steht er auf und leckt dem andern die Sauce von der Backe. Nicht wirklich, das stelle ich mir nur vor, jetzt, da ich wieder in meinem Zimmer hocke und übers weisse Papier fliege. Ich stelle mir vor, wie er ihm das Gesicht abschleckt und dazu so Schmatzlaute macht wie Sie in unseren Sitzungen, Frau Doktor. Wieso machen Sie das?

4

–Sie haben unser Gespräch von heute Morgen ziemlich genau wiedergegeben.

–Ziemlich?

–Es ist erstaunlich.

–Das ist nicht ziemlich genau, das ist wortwörtlich.

–Wohl nicht gerade, aber…

–Wetten?

–Auf jeden Fall ist es erstaunlich.

–Was ist erstaunlich?

–Wie genau Sie die Sitzung aufgeschrieben haben.

–Genau. Wortwörtlich.

–Sie nehmen viel auf, nicht wahr?

–Nur Gespräche. Die saugen sich in meinem Kopf fest. Als ich ein Kind war, glaubte meine Mutter, ich sei ein Genie.

–Weil Sie ein gutes Gedächtnis hatten?

–Weil ich anders war.

–Anders?

–Sie hat mich sogar untersuchen lassen.

–Was kam dabei heraus?

–Dass ich kein Genie bin.

–Wären Sie gern eins gewesen?

–Nö. Aber Mutter hätte gern eins gehabt.

–Denken Sie?

–Dann wäre ich genial gewesen und nicht komisch.

–Ihre Mutter fand Sie komisch?

–Schon. Aber den Spartaner fand sie noch viel komischer, und das war komisch, denn der war ein Genie. Sie hasste ihn regelrecht.

–Wieso?

–Weil er alte Kleider trug. Aber er war genial.

–Wie zeigte sich das?

–Er sah Wahrheiten, die sonst keiner sah.

–Zum Beispiel?

–Er sagte, jeder Mensch habe die Freiheit, sich selber zu erfinden.

–Was meinte er damit?

–Keine Ahnung. Ich bin kein Genie.

–Haben sich seine Worte auch in Ihrem Kopf festgesaugt?

–Alle gesprochenen Worte saugen sich da fest.

–Hören Sie ihn noch reden?

–Nein.

–Hören Sie andere Stimmen reden?

–Ja.

–Was für Stimmen?

–Verschiedene. Eine ist aus Karamell.

–Ich meine, wenn Sie alleine sind. Hören Sie da Stimmen in Ihrem Kopf?

–Ich bin nicht verrückt.

–Sind Sie sicher?

–Dass ich nicht verrückt bin?

–Dass Sie keine Stimmen hören.

–Ja.

–Setzt sich noch anderes in Ihrem Kopf fest ausser Gesprächen?

–Nein.

–Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie zu viel aufnehmen?

–Nein.

–Dass von aussen zu viel in Sie eindringt?

–Es gibt einen Trick.

–Einen Trick?

–Bier.

–Bier?

–Genau.

–Viel Bier?

–Nö.

–Wie viel denn?

–Zehn.

–Das ist eher viel, nicht?

–Aber es hilft.

–Wobei?

–Den Kopf zu löschen.

–Kommt es oft vor, dass Sie den Kopf löschen müssen?

–Nein. Doch.

–Wie fühlen Sie sich nach zehn Bier?

–Nüchtern.

–Nüchtern?

–Ist wahr. Ich werde nüchtern von Alkohol. Dann bin ich voll da. Aber das glaubt mir kein Mensch.

–Der Spartaner?

–Auch nicht. Er trank keinen Alkohol.

–Gar keinen?

–Nur Wasser. Aus einer alten PET-Flasche, die er am Brunnen füllte. Sie war ganz zerknittert.

–Er schien seinem Namen ja alle Ehre gemacht zu haben.

–Den hatte er übrigens von mir.

–Den Namen?

–Ich hatte ihn als Erster so genannt.

–Sie haben den Spartaner erfunden?

–Er hat sich selber erfunden. Aber den Namen hatte er von mir.

–Wie sind Sie darauf gekommen?

–Wieso müssen wir die ganze Zeit über ihn reden?

–Ist Ihnen das unangenehm? Möchten Sie lieber über etwas anderes reden?

–Ich will überhaupt nicht mehr reden. Wieso kann ich nicht einfach alles aufschreiben, und Sie lesen es dann den Blödmännern im Speisesaal vor?

–Das ist eine gute Idee. Schreiben Sie auf, wie Sie auf den Spartaner gekommen sind.

–Und Sie lesen es dann vor?

–Nein. Es bleibt alles unter uns.

–Ich schreibe unser Gespräch auf.

–Auch gut.

–Wort für Wort.

–In Ordnung.

5

Der Spartaner hiess Spartaner, weil er in der Geschichtsstunde zu uns stiess. Wir nahmen gerade den Krieg zwischen Athen und Sparta durch, als er in seiner abgewetzten Lederjacke in der Tür erschien. Er kam vom Rektorat, wo sie ihm gesagt hatten, welches seine neue Klasse war. Er nickte dem Geschichtslehrer zu, strich sich die Haare aus der Stirn und setzte sich neben mich. Der einzige Platz, der frei war.

Der Geschichtslehrer fuhr mit seiner Kriegserklärung fort und zeigte auf, wieso Athener und Spartaner sich nicht vertrugen. Die Athener versuchten das Leben zu geniessen. Sie trugen Gewänder aus kühlem Stoff, tranken dunklen Wein und sassen auf bunten Kissen. Damit ihnen niemand ihr schönes Hab und Gut wegnahm, zogen sie eine dicke Mauer um die Stadt.

Die Spartaner kamen ohne Mauern und Kissen aus. Sie wollten frei sein. Die Lungen voll frischer Luft, ragten sie stolz und nackt in den mediterranen Alltag und spuckten Olivenkerne auf die Athener.

Unser neuer Mitschüler war genauso. Wild und ungekämmt, schraubte er neben mir die zerknitterte PET-Flasche auf, setzte an und trank. Ich spürte sofort, dass hier ein neues Stück Geschichte geschrieben wurde. Dass sich etwas verändern und mir der Neue guttun würde. Er reichte mir die Flasche, und ich nahm einen grossen Schluck.

In der nächsten Geschichtsstunde rupften sich die Spartaner die Brusthaare aus, um noch nackter und freier zu sein, und die Athener stockten ihre Mauern auf, um noch sicherer zu sein. In der Pause sagte mein neuer Freund zu mir, ich sei ein Athener, gefangen hinter einer Mauer.

–Ich sehe keine Mauer, sagte ich.

–Das Material ist die Mauer.

Er selber war ohne Material und Mauer unterwegs. Er war frei von Ballast und Überfluss, und ich fing an, ihn um seine Schwerelosigkeit zu beneiden.

–Du bist ein Spartaner.

–Jeder kann ein Spartaner sein, erwiderte er lächelnd und ging zum Brunnen.

6

–Haben Sie den Spartaner geliebt?

–Ich bin nicht schwul.

–So meine ich es nicht. Ich meine es im Sinne von…

–Sagen Sie, wie funktioniert das hier eigentlich?

–Was?

–Dürfen nur Sie Fragen stellen, oder darf ich auch?

–Sie dürfen mich gerne etwas fragen.

–Haben Sie einen Freund?

–Das sage ich nicht.

–Wieso nicht?

–Ich sage nichts Privates über mich.

–Sie fragen mich doch auch Privates.

–Das ist etwas anderes. Das gehört zu meiner Arbeit.

–Zu wissen, ob ich schwul bin?

–Wie gesagt, so war es nicht gemeint.

–Sie haben keinen Freund, richtig?

–Richtig. Und jetzt beantworten Sie bitte meine Frage.

–Welche?

–Wie nahe standen Sie und Ihr Freund sich?

–Ich liebte ihn. Bis er… haben Sie den Polizeibericht gelesen?

–Ja.

–Dann wissen Sie ja, was er mit mir angestellt hat. Was steht sonst noch drin?

–Das darf ich Ihnen nicht sagen.

–Wieso nicht?

–Sie sind noch nicht so weit.

–Haben Sie ihn wirklich gelesen?

–Natürlich.

–Können Sie es beweisen?

–Wir reden hier nicht über den Polizeibericht.

–Weil Sie ihn nicht gelesen haben.

–Doch, habe ich.

–Nein, haben Sie nicht.

–Ein seltsames Wort kommt drin vor.

–Welches?

–Klunft. Was bedeutet das?

–Die Kurzform von Klassenzusammenkunft. So nannten wir unsere Treffen im Mörder.

–Verstehe.

–Klunft war von mir. Aber nur das Wort. Die Idee dahinter stammte von Drossl.

–Drossl?

–Steht der nicht im Polizeibericht?

–Ich denke, dort kommen alle nur mit richtigem Namen vor.

–Wieso darf ich ihn nicht lesen?

–Wie gesagt…

–Schon gut. Ich kann eh nicht lesen.

–Sie können was nicht?

–Lesen. Ist wahr. Ich kann mich nicht konzentrieren.

–Wie wollen Sie dann das Gymnasium geschafft haben?

–Da ging’s noch. Nachher immer weniger. Heute geht’s gar nicht mehr.

–In Ordnung. Wir machen eine Pause.

–Glauben Sie mir, dass ich nicht lesen kann?

–Ehrlich gesagt…

–Aber es stimmt. So wie es stimmt, dass das Wort Klunft von mir ist.

–Das glaube ich Ihnen.

–Drossl war aber nicht von mir.

–Es muss ja nicht alles von Ihnen sein.

7

Drossl hatte rote Haare und konnte gut pfeifen. Aber deswegen nannten wir ihn nicht Drossl, sondern weil er die ganze Zeit seine Energie drosseln musste. Im Schulzimmer bewegte er sich wie eine gespannte Feder, doch im Sportunterricht löste er alles, und wir sahen, wie viel Kraft in seinem drahtigen Körper steckte. Dasselbe nach einer gelungenen Prüfung, da sprang er zwei Meter in die Luft und trillerte wie eine Amsel. Wir hätten auch Amsl zu ihm sagen können.

Es gab Zeiten, da ihm das Drosseln nicht gelang. Zum Beispiel an der ersten Klunft. Sie fand im Anschluss an die Maturafeier statt und ging voll in die Hose oder besser gesagt auf den Rock.

Wir folgten Drossl quer durch die Stadt, bis wir im Mörder anlangten, wo von nun an unsere monatlichen Treffen stattfinden sollten. Wir tranken zu viel, alle, sogar Johanna, unsere eiserne Jungfrau, und gegen Morgen kotzte Drossl ihr erschöpft auf den Schoss. Eigentlich vertrug er eine Menge, aber an dieser ersten Klunft war er am Ende, die Schule war fertig, und wir alle waren fertig, ich auch.

Während Johanna auf der Toilette ihr Kleid säuberte, zog ich mit ihrer Handtasche in den frischen Tag hinaus und streute Tampons, Geld, Schlüssel und Handy über den nassen Gehsteig und fühlte mich frei und elend. Ich bekomme noch heute einen trockenen Hals, wenn ich daran denke. Als hätte ich nicht ihre Tasche, sondern ihren Schoss ausgeräumt, ihre Jungfräulichkeit geraubt, an der sie so hing. Was dann an einer späteren Klunft auch tatsächlich geschah, aber nicht durch mich und auch nicht durch Drossl und schon gar nicht durch den Spartaner.

8

–Wieso wurde an der ersten Klunft so viel getrunken?

–Die Maturafeier war schuld.

–Was war passiert?

–Unser Deutschlehrer starb auf der Bühne.

–Ist das wahr?

–Nur als Redner.

–Ach so. Waren nachher alle so betrunken im Mörder?

–Ja.

–Der Spartaner auch?

–Der trank nicht, vergessen? Ausserdem war er nicht dabei.

–Wieso nicht?

–Er ging nach der Feier mit seinem Vater essen.

–Kam er oft an die Zusammenkünfte?

–Nicht so oft wie ich. Ich ging zu jeder.

–Aber an der letzten war er dabei, richtig?

–Sonst wär’s ja nicht die letzte gewesen. Und die anderen wären noch da und ich nicht hier.

–Was ist passiert?

–Sie wissen, was passiert ist.

–Können Sie es sagen?

–Die Maturafeier war genauso schlimm.

–Das ist nicht Ihr Ernst.

–Sie war deprimierend.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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