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Nachdem sie schon überall auf der Welt Zeugenaussagen und diversen Funden gefolgt waren, jedoch ohne nennenswerten Erfolg, scheint es dieses mal etwas anderes zu sein. Jedoch kommt alles anders als erwartet.
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Seitenzahl: 267
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Marc Rosenfeldt
Der Tau
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
KAPITEL V
KAPITEL VI
KAPITEL VII
KAPITEL VIII
KAPITEL IX
KAPITEL X
KAPITEL XI
KAPITEL XII
KAPITEL XIII
KAPITEL XIV
KAPITEL XV
KAPITEL XVI
KAPITEL XVII
KAPITEL XVIII
KAPITEL XIX
KAPITEL XX
KAPITEL XXI
KAPITEL XXII
KAPITEL XXIII
KAPITEL XXIV
KAPITEL XXV
KAPITEL XXVI
KAPITEL XXVII
KAPITEL XXVIII
KAPITEL XXIX
KAPITEL XXX
Impressum neobooks
Richard Goldman saß nachdenklich in seinem Büro in einem kleinen Vorort von Denver. Er hatte gerade mit seiner Schwester telefoniert und sich ein paar Notizen über das gemacht, was sie ihm in kurzen, hastigen Sätzen versucht hatte mitzuteilen. Tina hatte schon seit Tagen versucht ihren Bruder zu erreichen und klang geradezu erleichtert, als er sich am Telefon gemeldet hatte. Sie hatten sich eine ganze Weile nicht gesehen und Richard freute sich, als er ihre Stimme hörte, doch Tina hatte offensichtlich nicht die Absicht „Smalltalk“ mit ihm zu halten.
Nach einer kurzen Begrüßung berichtete sie ihm von einer eigenartigen Entdeckung, die sie mit ihrer Schulklasse in der letzten Woche bei einem Ausflug in die Berge gemacht hatte. Die Grundschule hat dort vor einigen Jahren ein Feriencamp bzw. auch für Wanderer aus der Stadt oder näherer Umgebung drei Holzhütten an einem kleinen See errichtet. Genug Platz um 20 Kinder und mindestens 4 Erwachsene unterzubringen und mit dem einfachsten Komfort auszustatten. Jede Hütte hatte ein Plumpsklo, eine Waschstelle, einen Ofen, welcher auch als Kochstelle genutzt werden konnte, und einen Vorratsraum. Von dieser Einrichtung aus gab es mehrere Ausflugsziele sowie Wanderwege, die zu Erlebnispfaden für die Kinder ausgerichtet waren. Bei einem dieser Ausflüge hatten sich ein paar Kinder etwas vom Weg entfernt und dann aufgeregt nach der Lehrerin gerufen. Tina dachte zunächst, dass einem ihrer Schützlinge etwas zugestoßen sei und lief sofort den Kindern nach. Sie stellte erleichtert fest, dass ihre Vermutung nicht zutraf, sondern dass die Kinder etwas im Unterholz liegend entdeckt hatten, das wie der große Oberschenkelknochen eines Tieres aussah.
Bis dahin konnte sich Richard die Aufregung seiner Schwester nicht erklären, schließlich kannte sie sich als Biologielehrerin mit solchen Dingen aus. Doch nachdem sie ihm berichtete, dass der Knochen keinesfalls von einem der dort lebenden Tiere stammen konnte, machte er sich interessiert ein paar Notizen und versprach noch in den nächsten Tagen in Redfield vorbeizuschauen, um sich selber ein Bild von dem Fund zu machen. Er war schon lange nicht mehr in Redfield gewesen, und dies war eine schöne Gelegenheit, nicht nur seine Schwester sondern auch seinen langjährigen Freund Marc wiederzusehen. Marc Webster ist 34 Jahre alt, ein sportlicher, gutaussehender Typ und in Redfield der Sheriff. Er hatte sich liebevoll um seine Schwester gekümmert als Richard zum Studieren nach Denver ging.
Richard hatte Tina am Telefon versprechen müssen, nicht ohne seine Freundin Kathrin nach Redfield zu kommen. Tina und Kathrin hatten sich über die Jahre angefreundet und mochten sich sehr. Kathrin freute sich immer über einen Besuch bei ihrer Schwägerin in Spe und sie schaffte es meistens Richard dazu zu überreden ein oder zwei Tage länger zu bleiben als geplant.
Richard schaute zur Uhr. Es war spät am Nachmittag. Es dämmerte schon, und Kathrin würde bald von ihrer letzten Lesung von der Uni nach Hause kommen.
Er würde sich einen Tee machen und dann eine Runde um den Eden Lake joggen. Beim Laufen konnte Richard sich am besten entspannen, um sich so danach wieder mit freiem Kopf auf seine Arbeit zu stürzen. Er war noch recht aufgewühlt nach dem Telefongespräch. Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass der Fund von Tina und ihrer Schulklasse von besonderer Bedeutung war, würde er sich sofort mit den anderen Teammitgliedern in Verbindung setzen und mit ihnen besprechen, wie man weiter zu verfahren hatte. Der Wasserkocher riss Richard mit seinem schrillen Pfeifton aus den Gedanken. Er schaltete den Herd aus, nahm den Kessel hoch und stellte ihn sofort wieder beiseite. Komisch, dachte er. Er lebte im 2o. Jahrhundert und kochte das Wasser immer noch auf dem Herd, obwohl es doch schon jede Menge fortschrittlicher Dinge auf dem Gebiet der Wassererwärmung gab. Zu seinen Forschungszwecken würde er niemals auf so altes Gerät zurückgreifen. „Nein, jetzt noch keinen Tee, ich werde erst mal entspannen.“ Die Tür fiel ins Schloss. „Mist, jetzt habe ich den Schlüssel vergessen, na gut, dann muss ich eben so lange laufen, bis Kathrin wieder da ist.“
„Hallo Schatz, warst du schon wieder joggen?“ „Hallo mein süßer Engel“, prustete Richard Kathrin entgegen. „Lass uns reingehen und einen Tee trinken. Ich habe dir etwas Interessantes zu erzählen.“
Kathrin legte ihre Sachen ab und begab sich in die Küche, während Richard erst einmal unter die Dusche sprang. Als Richard aus der Dusche kam und sich den Bademantel umschnürte, hatte Kathrin den Tee bereits fertig und bot Richard eine Tasse an.
„Sommernachtstraum oder Frühlingsgewitter?“ fragte Kathrin. „Äh, wie bitte, was?“ antwortete Richard erschreckt, der gerade wieder in tiefe Gedanken versunken schien. „Den Tee, welche Sorte möchtest du trinken?“ fragte Kathrin.
„Ich habe eben noch bei Mr. Jones gehalten und zwei neue Teesorten zum Probieren mitbekommen“. „Hm, sehr interessante Namen für Teesorten“, antwortete Richard. „Frühlingsgewitter, bitte.“
„Nun, was hast Du mir denn so Interessantes zu erzählen?“ fragte sie und reichte Richard den Tee.
Nachdem Richard Kathrin von dem Telefongespräch mit seiner Schwester erzählt hatte, erschien ein Lächeln auf Kathrins Lippen. „Ja, das hört sich wirklich interessant an, und wann gedenkst du zu deiner Schwester zu fahren? Du hast hoffentlich nicht vergessen, dass meine Mutter am Freitag Geburtstag hat“, sagte Kathrin. „Oh nein, das habe ich natürlich nicht vergessen. Ich habe an Samstag den 29.März gedacht, wenn Du es irgendwie noch einrichten kannst“,
versuchte Richard sich zu retten. Natürlich, der Geburtstag, wie konnte ich das nur vergessen, dachte er und wunderte sich über sein Geschick, so schnell auch noch das Datum vom angeblich geplanten Abreisetag genannt zu haben.
„Wenn ich es einrichten kann? Du möchtest mich tatsächlich mitnehmen?“ bemerkte Kathrin mit einem leichten ironischen Ausdruck in der Stimme.
Richard war entzückt von seiner Freundin, als er die Ironie bemerkte. Sie sah so wundervoll aus. Ihre polangen dunkelblonden Haare schimmerten in der Nachmittagssonne, die durch das Stubenfenster fiel. Er war immer wieder glücklich, diese tolle Frau gefunden zu haben. Dabei war es nicht leicht gewesen eine Frau wie sie zu finden, intelligent und zugleich sehr attraktiv. Die Beiden hatten sich durch das Studium von Kathrin kennengelernt. Er hatte sie an der Uni in Biologie und Anthropologie unterrichtet. Anfangs hielt er sich zu alt für sie, was sie Glücklicherweise im Nachhinein nicht davon abhielt sich näher zu kommen. Jetzt ist er 39. Sie ist 31 Jahre und hat Geologie, Biologie und Phänologie -Fachgebiet Blumen und Sträucher- studiert. Durch das gemeinsame Interesse, Hinweisen zu folgen, die die Existenz von Bigfoot beweisen könnten und durch den Aufbau einer Gruppe mit mehreren Interessenten, erweiterte sich ihre Freundschaft zu einer Beziehung.
Er nahm sie in den Arm und drückte Sie fest an sich. „Ich liebe dich du wundervollstes Wesen in allen nur denkbaren Universen.
Ach übrigens“, fügte Richard noch hinzu, „der Tee schmeckt grauenvoll. Was ist da bloß alles drin?“ „Diverse Kräuter und ein paar Tropfen Menthol. Deswegen ist er genau richtig um eine kommende Erkältung zu verhindern.“
Richard schüttelte sich, um seine Abneigung gegen den Tee kundzutun.
„Ich werde gleich am Morgen in der Uni nachfragen, ob ich noch ein paar Tage frei bekomme. So können wir noch etwas länger bei Deiner Schwester bleiben“, sagte Kathrin.
„Das ist eine gute Idee. Das werde ich auch versuchen. Außerdem werde ich gleich noch Eileen und Marcel anrufen und ihnen von der Neuigkeit erzählen. Wer weiß, vielleicht sind wir diesmal auf einer ganz heißen Spur. Ich habe da so ein Gefühl, dass wir vielleicht noch ein oder zwei Wochen hinten dranhängen müssen.“
„Gut Richie, mach das, ich werde erst einmal ein schönes Bad nehmen“, sagte Kathrin, gab ihm einen Kuss auf den Mund und verschwand im Badezimmer.
Richard brauchte das Telefon am anderen Ende nicht lange klingeln zu lassen, bis ihm eine euphorisch laute Stimme entgegen fuhr. „Es hat geklappt, Marcel, es hat geklappt.“ „Nun“, antwortete Richard, „es ist schön, was immer auch geklappt hat, so freue ich mich mit dir.“ Stille herrschte einen Moment. „Richard“, fuhr es durch den Telefonhörer, „ich dachte du bist Marcel, entschuldige bitte“, sagte Eileen.
„Das macht doch nichts“, erwiderte Richard. „Na, was hat denn geklappt?“ fragte er neugierig. „Oh, das erzähle ich dir, wenn ich Marcel davon erzählt habe. Sei mir bitte nicht böse, ja?“ sagte Eileen. „Okay Eileen, versprochen, weswegen ich anrufe. Ich habe gerade mit meiner Schwester telefoniert und…“
So erzählte Richard Eileen von dem Anruf.
Eileen Crawford ist 35 Jahre alt, und studierte Paläontologie und Biologie. Ihr Fachgebiet lag bei den Landsäugetieren. Richard war es, der in ihr die Leidenschaft weckte, sich auf die gemeinsame Suche des noch immer nicht aufgefundenen Waldmenschen zu machen. Schließlich konnte sie auch ihren Mann Marcel, 40 Jahre, davon überzeugen sich ihnen anzuschließen. Er ist studierter Archäologe und Anthropologe. Mittlerweile sind sie seit drei Jahren verheiratet und leben und arbeiten in Albuquerque.
„Das hört sich wirklich sehr interessant an, Richard. Ich werde Marcel sofort wenn er nach Hause kommt davon unterrichten. Hast du es schon den anderen mitgeteilt?“
„Nein, du bist die erste und es wäre sehr schön, wenn du es anhand der Telefonliste an die anderen weiterleiten würdest. Ich habe bis Samstag noch einige Vorbereitungen für unsere Reise zu treffen.“ „Das werde ich machen“, sagte Eileen „und du meldest dich dann bei mir wieder, wenn du näheres bei deiner Schwester herausbekommen hast?“ „Selbstverständlich“, sagte Richard. „Das werde ich machen, und ich denke ihr könnt schon mal anfangen unser Equipment zusammen zu packen. Ich habe bei der ganzen Sache, ich weiß nicht wieso, ein sehr positives Gefühl.“ „ Okay Richard, ich werde es den anderen erzählen und sage Kathrin einen ganz lieben Gruß, und gib ihr einen dicken Kuss von mir.“ „Das mache ich, bis bald.“ Richard legte mit einem strahlenden Gesichtsausdruck den Hörer auf.
Er hatte es, dieses merkwürdige Gefühl, als wäre es dieses Mal nicht nur eine Spur, sondern es könnte sich um die wahre Entdeckung handeln. Es konnte mehrere Gründe dafür geben, dass dieses Gefühl in ihm war. Waren es die Jahre, die er vergeblich gesucht hatte, ohne einen tatsächlichen Beweis in der Hand gehalten zu haben, dass es Bigfoot wirklich gab? Es war nie etwas Handfestes, was auf Bigfoot hinwies. Dass es sich um eine unbekannte Lebensform handelte, war der einzige Hinweis. Aber dieses Mal war es vielleicht ein Teil von Bigfoot. All die Bemühungen der letzten Jahre, die er und sein Team damit verbracht hatten, anhand von Fotos, Videomaterial, Gipsabdrücken, Fellresten, etc., zu beweisen, dass es ihn gab. Oft waren sie Hinweisen hinterhergereist. Selbst in ferne Länder, wie Nepal oder Sibirien, um im Nachhinein festzustellen, dass diese nichts mit Bigfoot zu tun hatten. Die vielen Vorlesungen, die er gehalten hatte. Der Austausch mit Kollegen anderer Universitäten oder Museen. Sicher, es gab Fälschungen. Es gab aber auch Hinweise, denen man keine Fälschung nachweisen konnte. Die Zweifel blieben. Oder war es seine Schwester, die in ihm das Gefühl entfachte. Immerhin war sie Biologin und hätte wissen müssen, wenn es sich um einen bekannten Tierknochen oder gar einen Menschenknochen gehandelt hätte. Sie konnte den Knochen keinem ihr bekannten Tier zuweisen. Zweifel mochten jetzt versuchen in ihm aufzusteigen. Seine Schwester ist mit ihren 27 Jahren vielleicht noch etwas unerfahren. Ist sie doch nie aus Redfield rausgekommen und hat Erfahrungen im Umgang mit Hinweisen von Bigfoot sammeln können, wie er. Doch je länger er darüber nachdachte, desto mehr war er der Überzeugung, dass eine große Entdeckung auf ihn und sein Team wartete. Er ging zu seinem Schreibtisch, auf dem der Zettel mit den Notizen lag, die er während des Telefongespräches mit Tina aufgeschrieben hatte. Nicht zuzuordnen, ungewöhnlich in Form und Größe, seltsame Haut und weder von einem Menschen, noch von einem der dort lebenden Tiere bzw. den mir auf der Erde bekannten vorkommenden Tieren.
Samstag, den 29.03.2003. Im Bundesstaat Colorado, nahe der Rocky Mountains, nahe des Mount Elbert, am Fuße der Gebirgskette liegt Redfield. Die Roosevelt Street führt einmal durch ganz Redfield, und wer sie hinauf- und hinabfährt, erhält dabei alle Sehenswürdigkeiten des Ortes. Am westlichen Ende befindet sich die Polizeistation. Redfield liegt etwa 360 km südwestlich von Denver entfernt. Da jedoch viele Bergstraßen und nur Landstraßen und kein Highway dorthin führen, braucht man für diese Strecke gut 5-6 Std. Richard und Kathrin waren schon in den Morgenstunden aufgebrochen, um dem allmorgendlichen Verkehrschaos auf den Straßen ihrer Route zu entgehen. Und so waren sie sehr zügig vorangekommen.
„Sieh nur, da vorne ist das Krugerhaus. Jetzt dauert es nicht mehr lange, und du kannst deine Schwester wieder in die Arme schließen“, sagte Kathrin.
„Ja, ja das Krugerhaus. Erinnerst du dich eigentlich noch an die Geschichte, die ich dir mal erzählt habe? Die alte Dame Ann Kruger erzählte sie uns immer, wenn wir Kinder bei ihr zu Besuch waren.“
Das Haus war in einem jämmerlichen Zustand. Die Fensterläden waren marode und hingen teilweise nur schief an einer oder vielleicht zwei Schrauben am Haus. Überhaupt hätte das Haus einen dicken Anstrich nötig gehabt, falls nicht nur die noch vorhandene Farbe das Haus am Zusammenfallen hinderte. Seitdem Frau Kruger im letzten Winter verstorben war, hatte sich niemand mehr um das Haus gekümmert. Frau Kruger selbst hatte auch nicht mehr viel getan. Sie war schon weit über 80 gewesen.
Unten rechts auf der Veranda neben dem Haupteingang hatten die Kinder, die sie zu sich eingeladen hatte, immer gesessen, leckere, selbst gemachte Limonade getrunken und selbstgebackene Kekse gegessen. Dort hatte sie uns immer abenteuerliche Geschichten rund um Redfield erzählt, dachte er, als Kathrin ihn ansah und fragte: „Du meinst die Geschichte mit dem fremdartigen Wesen, welches hier in der Nähe in den Bergen leben soll?“ „Ja, genau die Geschichte meine ich. Ich glaube, die alte Dame ist daran schuld, dass ich jetzt wie ein Irrer einem Wesen hinterherjage, welches sich Bigfoot nennt, aber…“
In dem Moment fielen ihm die Worte seiner Schwester wieder ein…
„Vielleicht hatte die alte Dame immer recht, und wir hätten niemals in die Ferne schweifen müssen…,“ „weil die Wahrheit liegt so nah?!?“ ergänzte Kathrin den Satz.
„Du hast Recht, …weil die Wahrheit liegt so nah.“
Sie bogen von der Hauptstraße ab. Jetzt war es wirklich nicht mehr weit bis zum Haus seiner Schwester.
Eigentlich war es ja das Haus der Eltern. Doch die waren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Danach hatte es Richard geerbt, der es seiner Schwester überließ, da er in Denver sein Studium begann.
Er stellte den Wagen an der Buchsbaumhecke vor der Gartenpforte ab. „Lass uns unsere Sachen später aus dem Auto holen Richie, ich will erst mal Hallo sagen.“
„Okay“, antwortete Richard und öffnete die Gartenpforte. Wie ein Kavalier der alten Garde hielt er sie offen, so dass Kathrin das Grundstück betreten konnte.
Richard war gerade dabei das Tor zu schließen, das quietschte und knarrte. Er dachte noch, wann es wohl das letzte Mal geölt worden war, als er ein Schnaufen und nebenbei die Stimme seiner Schwester hinter sich hörte. Das Schnaufen war niemandem zuzuordnen, und seine Schwester rief einen Namen, den er auch noch in keinem Zusammenhang mit einem der hier lebenden Bewohner gehört hatte.
„Merle, bleib stehen, Merle, …Aus!“
„Aus“, das war das letzte, was er hörte, bevor er zu Boden ging. Jetzt befand er sich rücklings auf dem Boden liegend und über ihn ein schwarzes zotteliges Wesen, welches mit seiner schlabberigen Zunge dabei war, ihn von oben bis unten und noch mal quer über das Gesicht zu sabbern. „Aus!“ folgte es diesmal etwas energischer.
„Hallo Richie“, sagte seine Schwester, die nun seitlich neben ihm stand und das Zottelwesen an die Leine genommen hatte. Richard nahm seine Hände und wischte sich über das Gesicht. „Das ist Merle“, sagte Tina und deutete auf den Hund an ihrer Seite. Merle war ein Neufundländer und ca. 11 Monate alt. Aber schon jetzt war sie fast ausgewachsen. Die sabbernde Zunge hing ihr noch aus dem hechelnden Maul, aus dem der warme Atem an der noch kühlen Umgebungsluft kondensierte. Sie mochte gut und gerne 50 Kilo wiegen, dachte Richard, als er sie ansah. Etwas anderes von weniger Gewicht hätte Richard auch nicht so leicht von den Beinen holen können. Immerhin war er mit seinem 190 cm und fast 90 Kilo durchtrainiertem Körper kein Leichtgewicht, aber der Überraschungsangriff von Merle hatte ihn dann doch umgehauen. „Hallo Schwesterchen, hallo Merle“, sagte Richard, als er sich wieder aufrichtete. Er klopfte sich den Sand von seinen Hosenbeinen ab, gab seiner Schwester einen Kuss auf die Wange und drückte sie an sich, während Merle an seinem Bein schnüffelte.
„Schön, dass du da bist“, sagte Tina grinsend. Sie sah sich Richard genauer an. „Ist alles in Ordnung?“ fragte sie und ging dabei ein paar Schritte zum Haus, um die noch immer leicht kichernde Kathrin in den Arm zu nehmen und zu begrüßen. „Schön, dass ihr da seid.“ „Ja, alles in Ordnung“, rief Richard ihr nach. „Kommt erst mal rein“, sagte Tina „die Koffer holen wir später.“
Marc kam ihnen am Eingang entgegen. Er hatte auf der Veranda die Sitzkissen ausgerichtet und Kaffee serviert. Er nahm seinen Freund in den Arm und begrüßte auch Kathrin sehr herzlich. „Kommt, lasst uns erst mal einen Kaffee trinken. Ihr seid bestimmt gestresst von der langen Fahrt.“ Das herrliche Wetter und der bereitgestellte Gasofen, der seine Wärme konstant in die Richtung der Sitzecke abgab, machten es möglich, gemütlich auf der Veranda zu verweilen.
Nach den üblichen Geschichten, die man sich so erzählte, wenn man sich länger nicht gesehen hatte, kam Richard gleich aufs Thema, weswegen sie ja eigentlich da seien.
„Komm, Tina zeig mir mal den Knochen, den ihr gefunden habt“, sagte er. „Ja, komm Richard, ich habe ihn im Büro liegen.“ Sie gingen ins Haus. Es war das Haus seiner Eltern. Es war, als wäre er nie fortgegangen. Es strömte Ruhe und Geborgenheit auf ihn aus. Er war wieder zu Hause. „Welches Zimmer hast du diesmal zu deinem Büro umgestaltet?“ Fragte Richard Tina. Tina konnte das Haus nicht lange Haus sein lassen. Sie musste immer nach kurzer Zeit umräumen. Deswegen änderten sich dementsprechend auch die Räumlichkeiten. Was vorher Gästezimmer war, war jetzt Schlafzimmer, das Schlafzimmer war jetzt Esszimmer, das Esszimmer Büro und so weiter und so weiter. „Diesmal ist es Mum`s und Daddy`s altes Schlafzimmer. Schau, wie schön ich es eingerichtet habe.
Das große Zimmer hatte noch das alte Ehebett an der rechten Wand stehen. Die linke Hälfte des Zimmers war als Büro eingerichtet, ein Sekretär, ein Stuhl, eine Schreibtischlampe und eine Gefriertruhe. „Äh, eine Gefriertruhe mitten in einem Schlaf-Büroraum? Wie bist du denn darauf gekommen?“ fragte Richard. „Na ja“, entgegnete Tina, „ich bin noch nicht ganz fertig mit dem Umräumen, aber so konnte ich das noch Unfertige mit dem Praktischen verbinden. In der Kühltruhe liegt der Knochen zum besseren konservieren. Er sah ohnehin schon sehr mitgenommen aus.“
Auf der Bettseite hingen die Bilder der Eltern und diverse Fotos aus ihren Kinder- und Jugendtagen. „Du weißt ja, dass ich mich von den alten Dingen nur schwer bis gar nicht trennen kann.“ Und so sah dann auch die rechte Hälfte des Raumes wie bei Hempels hinterm Sofa aus. Alles, was die Eltern so angesammelt hatten in den letzten Jahren, hatte Tina im Zimmer neben dem Bett und darunter gestapelt und aufgeschichtet.
„Aber komm, lass uns in mein Büro gehen“, scherzte sie und ging am Schreibtisch vorbei zur Kühltruhe hinüber. Sie öffnete sie. Ein leises zischen ertönte beim Anheben des Deckels, der durch den Unterdruck im Inneren verursacht wurde. Sie zog sich die Einmalhandschuhe an und legte eine saubere weiße Tischdecke auf den Tisch, der in der Zimmermitte als Raumteiler zwischen Büro und Schlafstädte zu dienen schien. Nun hob sie den Knochen, der gut einen halben Meter lang sein mochte, und legte ihn auf den Tisch.
Richard, der sich mittlerweile auch ein Paar der Einmalhandschuhe angezogen hatte, stellte sich an die gegenüberliegende Seite.
Tina holte einen Zettel aus ihrer Gesäßtasche, auf dem ein paar Zahlen geschrieben standen.
„Länge 51,3 cm“, las sie vor. „Umfang 28,2cm, Gewicht 3.4 kg. Der Knochen ist mit einer Art Leder umspannt.“ „Nun, das sind nicht unbedingt Maße, die es so noch nie auf Erden gab für einen Oberschenkelknochen“, sagte Richard. „Das ist richtig“, erwiderte Tina, „aber sieh dir nur mal die hautähnliche Ummantelung des Knochens an.“ Sie drehte den Knochen um 180 Grad. Auch hier war die Bespannung vorhanden. „Das Fleisch, die Muskeln und Sehnen sind verrottet, was vermuten lässt, dass der Knochen schon sehr lange dort gelegen haben muss. Durch die regelmäßige Kälte in der Höhe des Fundortes wurde der Rest des Knochens jedoch regelrecht konserviert“, sagte Richard. „Das ist wirklich sehr interessant. Aber der Knochen ähnelt doch sehr einem menschlichen, zwar sehr großen aber menschlichen Knochen. Es könnte ein Menschenknochen sein“, unterstrich Richard seine Aussage. „Nun es gab auch schon früher große Menschen“, sagte Tina. „Aber Bigfoot hat doch von seiner Statur auch etwas Menschliches oder zumindest etwas Affenähnliches. Das Skelett von Affen und Menschen ähnelt sich zu 99%, und das könnte auch der Knochen eines großen Affens sein.“ „Ja, da hast du recht“, sagte er. Von einigen Videoaufzeichnungen, so erinnerte sich Richard, wusste er, dass es Bigfoots gab, die sehr groß und schwer aussahen. Und dann diese lederartige Haut. „Sieh nur“, bemerkte Tina, „vereinzelt sind noch Haare vorhanden. Fühl einmal drüber und sag mir, an was du denkst.“ „Hm.“ sagte er skeptisch, zog seine Handschuhe aus und führte seine linke Hand über den Knochen. „Die Haut fühlt sich tatsächlich wie Leder an, sehr feines Leder, wie Nappa so zart. Wenn man über die Haar- bzw. Fellstellen geht, fühlt es sich an wie….“ Er stockte. „Wie“, er stockte wieder, „wie ein Teddybär“, sagte er. „Wie der, den ich früher als Kind besessen habe“, sprach Tina dazwischen. „Ja“, sagte er. „Tina, weißt du, was das heißt?“ Sie war im Moment sehr überrascht über seine Frage und suchte nach einer Antwort, fand sie aber nicht so schnell. Richard sah ihre verzweifelte Suche nach einer Antwort und wiederholte: „Tina, weißt du, was das heißt?“ Ihr wollte keine Antwort einfallen, und so zuckte sie nur mit den Schultern. „Das heißt“, antwortete er, „wir haben soeben einen Teil des größten jemals lebenden Teddybären der Welt gefunden.“ Er grinste weit über beide Ohren und ein schallendes Gelächter fuhr aus ihm heraus, als er den Gesichtsausdruck von Tina sah. „Hahaha. Sehr witzig“, sagte sie. Aber auch sie konnte nun nicht mehr an sich halten und musste laut mitlachen.
Als sie sich wieder beruhigt hatten, gingen sie sofort wieder sachlich an die Situation ran.
„Es fühlt sich samtig weich an. Man könnte auch fast meinen, man streichelt einen Puma.“ „Ja“, antwortete er. „Ich will mal sehen, wie widerstandsfähig die Haut ist.“ Immerhin war sie noch vorhanden und der Rest von Fleisch, Muskeln und Sehnen waren nicht mehr andeutungsweise zu erkennen. Er holte ein Messer aus der Tasche, kein gewöhnliches Messer, nein, ein Schweizer Messer. Das hatte er einmal zum Kennenlerntag von Kathrin geschenkt bekommen. Er öffnete das Messer, holte die Kombizange heraus und begann, an einer Ecke des Leders die Zange anzusetzen und zuzudrücken. „Also, dem Druck der Zange hält es schon mal stand. Schon interessant, denn auch Leder was in die Jahre gekommen ist, kann schon bei solch geringem Druck nachgeben und zerbröseln.“ Er fing an den Druck zu verstärken und zog an der Zange. Das Leder begann sich ein wenig zu dehnen. Er zog noch etwas fester. Richards linke Hand, in der er die Zange hielt, machte eine abrupte Linksbewegung. „Es ist abgerissen.“ Er hielt einen Lederfetzen in der Hand und bemerkte eine kleine Veränderung. Er schaute etwas genauer hin und begann die Zange samt Inhalt im Licht der Deckenlampe zu drehen. „Die Farbe der Haut scheint sich je nach Lichteinfall zu ändern. Sieh nur“, sagte Richard erstaunt und zeigte Tina den Lederhautfetzen.
„Wenn er hier auf dem Tisch liegt“, sagte Tina „ist er dunkelbraun. Auch das Fell ist bräunlich. Wenn man es hier ins Licht hält, scheint es silbrig grün zu wirken, vielleicht ein Tarneffekt. Ich könnte mir vorstellen, dass das in den Wäldern kaum zu erkennen wäre oder kaum von anderen Farben im Wald zu unterscheiden wäre.“
„Lass uns Kathrin und Marc dazu holen“, sagte Richard.
Tina nahm den Knochen vom Tisch, öffnete die Kühltruhe und legte ihn hinein. Sie schloss sie und ging mit Richard zu den anderen beiden.
Marc und Kathrin saßen immer noch auf der Veranda. Kathrin war gespannt auf Richards Meinung zum Knochenfund. Normalerweise war sie auch sehr interessiert an der Sache. Aber es war ihr lieber, dass sich Richard erst einmal alleine einen Eindruck verschaffen konnte.
„Und?“ fragte Kathrin, nachdem sie Richard erblickte. Richard machte einen sehr entspannten Eindruck. „Es ist noch besser als ich vermutet habe. Wir wissen zwar noch nicht, um was für einen Fund es sich handelt, aber er hinterlässt einen sehr guten Eindruck auf mich.“ Kathrin strahlte ihm entgegen, legte die Hände um seinen Nacken und gab ihm einen Kuss. „Komm“, sagte sie, „zeig mir mal, was es so Erstaunliches zu sehen gibt.“
Auf dem Weg durchs Haus erzählte Richard: „Der Oberschenkelknochen ähnelt sehr dem eines Menschen oder affenähnlichen Menschen. Ich würde sogar sagen, es ist der eines Menschen, wenn da nicht diese lederfellartige Haut wäre.“
Richard führte Kathrin ins Büroschlafgemach. Tina öffnete bereits die Kühltruhe und hob den Knochen erneut auf den Tisch. Kathrin ging zu Tina an den Tisch und schaute sich den Knochen an. Richard erklärte ihr, was sie bereits herausgefunden hatten - Größe und Gewicht und dass die Haut sehr widerstandsfähig sei. Nach längerem Betrachten fragte Kathrin:„ Was sind das für Spuren oberhalb am Knochen unter dem Leder?“ Sie deutete mit dem Zeigefinger auf die Stelle. „Oh, das könnten Bissspuren von Merle sein“, sagte Tina.
Ich hatte sie auf dem Ausflug dabei, und sie war als einer der ersten bei den Kindern, als diese geschrien haben. Dadurch hatte sie auch als erster den Knochen im Maul.“ „Das mag schon stimmen, Tina“, sagte Kathrin, „aber die Spuren scheinen nicht von deinem Hund zu sein. Sie scheinen tiefer zu liegen. Es ähnelt eher einer alten Wunde, die der oder dasjenige noch zu Lebzeiten erfahren haben muss. Seht nur, es sind drei längliche Vertiefungen.“ „Ja, du hast Recht“, sagte Tina. „Das ist uns vorher nicht aufgefallen. Es muss unter der Haut versteckt gewesen sein und hat sich erst freigelegt, nachdem Richard wie ein Berserker daran rumgerissen hat.“ Richard schaute Tina an. „Wie ein Berserker also“, sagte er und grinste ein bisschen über diesen Ausdruck.
Er sah die beiden an, spürte ihre Neugierde
und sagte dann: „Ich schlage folgendes vor. Wir gehen runter zu David Brendon. Ihm gehört die Autowerkstatt mit dazugehöriger Tankstelle in Redfield. Er ist ein wortkarger Mann von Mitte 50, der seit dem Tod seiner Frau sehr still und in sich gekehrt ist. David hält nicht viel von einem Schwätzchen mit seinen Kunden und seine Antworten sind oft nicht mehr als ein missmutiges Brummen, aber er ist ein echtes Genie auf seinem Gebiet. Wer immer etwas zu reparieren hat kommt zu ihm.
Ich weiß noch von früher, dass er einen Geigerzähler bei sich hat. Dad hat mir mal erzählt, dass Brendon damals in den 80ern so viel Angst vor einem dritten Weltkrieg hatte. Aus dieser Besorgnis heraus hatte er sich einen Geigerzähler zugelegt. In meiner Studienzeit hatte ich mit Hilfe des Gerätes, einer Stoppuhr und einer Rechenformel das Alter eines Knochens bestimmen können. Ich habe so etwas zwar lange nicht mehr gemacht, aber einen Versuch ist es wert. Aufgrund der uns dann vorliegenden Daten können wir abschätzen, ob sich eine Suche nach einem lebenden unbekannten Wesen lohnt, oder ob man sich Zeit lassen kann, und das Team noch nicht so schnell dazu holt.“
Bei David Brendon angekommen begrüßten sich Richard und David sehr herzlich, hatten sie sich doch auch lange nicht mehr gesehen. „Den Geigerzähler? Ja, den habe ich noch und er funktioniert auch noch. Ich habe ihn letzte Woche noch getestet. Man weiß ja nie. Warte Richard, ich hole ihn.“ Richard holte währenddessen den Knochen aus einer mitgenommenen Kühlbox, die sonst zum Kühlen von Softgetränken diente.
David kam wieder und legte das Gerät auf die Werkbank. Richard nahm den Knochen. Er holte sein Taschenmesser aus der Hose, öffnete die Klinge mit der Säge und begann am Ende des Knochens etwas Knochensplitter abzukratzen. Er gab den Geigerzähler Kathrin und sagte: „Halt ihn jetzt mal bitte über die Knochensplitter.“ Unterdessen hielt er eine Stoppuhr in der linken Hand. In der Rechten hielt er einen Stift, mit dem er Striche auf einen zuvor hingelegten Zettel machte. Nach etwa einer Minute wiederholte er den Vorgang, und nach einer weiteren Minute sagte er: „Das müsste jetzt reichen. Danke Kathrin.“ Sie legte den Geigerzähler aus der Hand und schaute auf den Zettel vor Richard. Er schrieb eine Formel auf und begann zu rechnen. Nach kurzer Zeit zog er zwei Striche unter den ermittelten Wert. „So etwa 400 Jahre würde ich sagen“, meinte Richard. „Genauer kann ich es jetzt mit der Methode leider nicht sagen.“ „Das ist wirklich sehr alt“, sagte Kathrin.
„Ja das ist sehr, sehr alt“, sagte Tina etwas enttäuscht.
„Was ist das denn für ein Knochen“, fragte David. „Das wissen wir eigentlich auch nicht“, sagte Richard. „Deswegen wollten wir vorher eine Kurzanalyse durchführen.“
„Wir vermuten, dass es sich um einen Oberschenkelknochen von Bigfoot handeln könnte“, sagte er. „Nur dann wäre dieser schon seit etwa 400 Jahren tot.“ „Bigfoot?“ fragte Brendon. „Oh, verzeih mir bitte“, sagte Richard. „Du weißt ja, dass wir hin und wieder einmal auf der Suche nach Bigfoot sind. Tina hat den Knochen oben in den Bergen gefunden, und wir konnten ihn bis jetzt keiner bekannten Lebensform zuordnen. Deshalb wollten wir mal sehen, ob wir das ungefähre Alter des Knochens herausbekommen können.“ „Außergewöhnlich ist der Knochen trotzdem allein durch das Leder, welches ihn umhüllt.“ „Ja“ bemerkte David. „Als du ihn im Licht gedreht hast, spiegelte seine Oberfläche in seltsamen Farben.“
„Hm.“ Richard überlegte kurz.
„Ich glaube wir sollten, auch wenn der Knochen schon älter ist, der Sache auf den Grund gehen. Irgendetwas Merkwürdiges scheint der Knochen verbergen zu wollen. Ich habe da nach wie vor so ein Gefühl, dass es sehr interessant werden könnte.
Wir sollten den Knochen zur weiteren Analyse zu David Duncan schicken. Er ist in Denver der Museumsleiter. Er kann mit Tony Baxter den Knochen etwas näher unter die Lupe nehmen. So können wir vielleicht noch etwas über diese lederartige Haut erfahren. Vielleicht haben wir Glück. Zu dieser Jahreszeit sind immer sehr viele Wissenschaftler in den umliegenden Museen vertreten, die uns bei den weiteren Erkenntnissen hilfreich sein könnten. Deswegen werde ich auch Tony anrufen, der durch seine berufliche Arbeit immer einen guten Kontakt zu diversen Leuten hat. Wir hingegen sollten den Fundort aufsuchen, um weitere Hinweise zu erhalten. Wo ein Knochen ist, da sollte es auch noch mehrere geben.“
Er drehte sich zu Tina und sagte: „Du darfst dich ab heute zu einer der glücklichsten Personen des Landes zählen, denn du wirst durch den Fund ein Teil meines Teams werden.“ Er hatte nicht ganz Unrecht, mit dem was er sagte. Durch zahlreiche Expeditionen, die bereits stattgefunden hatten, waren sie in der Fachwelt zu einer Art Popularität aufgestiegen. Manch einer hatte schon einmal eine Anfrage an das Team gestellt, dabei sein zu wollen. Richard jedoch bestand darauf, es bei den jetzigen 8 Personen zu belassen. Es war natürlich auch eine Kostenfrage, wenn sie in entlegenere Orte reisen mussten. Er nahm das Angebot anderer auf Hilfe gerne an, aber nur wenn sie ihn bei Untersuchungen von der Heimat aus behilflich sein konnten.
„Und wenn ich mit meiner Vermutung nun völlig falsch liegen sollte, dann nehme ich den Ärger und die Pöbeleien der anderen auf meine Kappe“, sagte er schmunzelnd.
„Heißt das, wir haben eine neue Expedition?“ fragte Kathrin freudestrahlend auch im Hinblick, dass sie noch ein Weilchen mit ihrer Freundin Tina verbringen konnte.
