Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Das Buch Inselhüpfen besteht aus drei Kurzkrimis. Der Erste, Urian, handelt von einem Kriminalfall auf der Insel Trischen. Beim zweiten Krimi, Biikebrennen geht es um ein Verbrechen auf der Hallig Süderoog und im dritten Krimi geht es um sechs Freunde auf der Insel Pellworm. Die drei Kurzkrimis, die ich hier zu einem Buch zusammengefasst habe sind durch einen Schreibwettbewerb in Schleswig-Holstein entstanden. Bedingung hiefür war, dass diese in Schleswig-Holstein stattfinden und nicht mehr als 19.000 Zeichen inklusive Leerzeichen zu verwenden waren. Der Kurzkrimi Biikebrennen war im Original etwas länger, der für den Wettbewerb gekürzt wurde. Hier wurde er in Originallänge eingefasst. Den Jurymitgliedern hatten diese Krimis nicht zugesagt, sodass sie nicht veröffentlicht wurden. Ich hoffe das ich dennoch Leser finden werde, denen diese Kurzkrimis gefallen könnten.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 47
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Marc Rosenfeldt
Inselhüpfen
Urian, Biikebrennen und Friesisch Roulette
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1 Urian - Ungebetener Gast
Kapitel 2 Biikebrennen
Kapitel 3 Friesisch Roulette
Impressum neobooks
„Moin Hinnerk, na was kannst du mir zu dem Fall berichten?“ Fragte Klaas Petersen. Hinnerk Knutsen stand in seinem blauen Kittel vor ihm und reichte ihm die Unterlagen in einer Umlaufmappe. „Tja, Klaas“, sagte Hinnerk etwas verwirrt, „die Spuren an ihrem Körper, die auf einen Kampf schließen lassen könnten, sind alle von ihr selbst verursacht worden. Alle Indizien weisen auf einen Suizid hin. Es sind keine Hinweise auf Fremdeinwirkung zu finden. Aufgrund des hohen Blutverlustes setzte der Tod nach nur wenigen Minuten ein. Ihr Körper weist an den Armen und Beinen zahlreiche Hämatome und Schnittverletzungen auf, die für die Todesursache jedoch unerheblich sind. Erst die Schnitte in den Hals sorgten dafür, dass ihr Leben sehr rasch beendet wurde. Die Rasierklinge, die ihr mir beigefügt habt, ist definitiv für den Tod verantwortlich. Ein sogenannter Ladyshaver, der, so wie es aussieht, zur Intim und Beinrasur benutzt wurde. Anders jedoch als übliche Rasierer, deren Klingen aus mehreren übereinandergestellten kleinen Klingen besteht, hat dieser eine ganze Klinge, die zum Nachschleifen hätte heraus genommen werden können. Sie muss die Klinge jedoch regelrecht aus dem Rasierer herausgebrochen haben, darauf weisen diverse, teils tiefe Schnitte an den Fingern der rechten Hand hin. Durch die zahlreichen Schnitte an den Fingern konnte es ihr anscheinend nicht schnell genug gegangen sein. Als hätte sie es eilig gehabt, sich vor jemandem zu verteidigen. Alle Wunden am Körper muss sie sich zum gleichen Zeitpunkt zugefügt haben. Selbst die Hämatome sind auf das Einschlagen ihrer Fäuste zurückzuführen.
Also auch keine psychosomatische Ritzerin, wie ich zunächst geglaubt habe. Es waren keinerlei Narbenbildungen, von älteren Wunden, auf ihrem Körper festzustellen. Warum sie erst an ihren Extremitäten herum schnippelte und einschlug, um sich dann den Rest zu geben, bleibt mir schleierhaft. Eine Analyse der Blutwerte steht noch aus.“
Klaas sah an Hinnerk vorbei in den Pathologiesaal. Der leblose Körper der jungen Studentin war bereits wieder mit dem Leichentuch bedeckt, nur ihre Zehenspitzen lugten hervor, an denen ein Zettel hing, worauf ihr Name zu lesen war. Jessica Gerber.
„Guten Morgen Herr Rucholdt, mein Name ist Klaas Petersen, von der Kripo Heide. Sie müssten mir einen Gefallen tun und den Eltern, eines hier bei uns verstorbenen Mädchens, die traurige Nachricht überbringen“, sagte er zum Polizeipsychologen in Heidelberg. „Jessica Gerber, 23 Jahre, Wohnhaft in Eberbach, Biologiestudentin in Heidelberg, während des Todeszeitpunktes Praktikantin auf der Insel Trischen, vor Dithmarschen. Todesursache, Suizid. Die genauen Adressdaten und Geschehnisse, die zum Tod der jungen Frau führten, schicke ich ihnen per E-Mail.“
Kurz und knapp, so wie immer, dachte er, nur keine Emotionen zulassen. Er legte den Hörer auf und nahm sich die Umlaufmappe, die er von Hinnerk bekommen hatte vor, um einen abschließenden Bericht zu verfassen.
Dazu sah er sich auch die Fotos des Tatortes, die er auf seinem Schreibtisch ausgebreitet hatte, an. Erschrocken von den Bildern und der Situation, wie sich der Selbstmord zugetragen haben soll, fragte er sich, was sie bloß dazu getrieben hat, so aus dem Leben zu scheiden?
Ob es die Einsamkeit war, die bei ihr der Auslöser für diese Tat war? Aber, diverse Berichte von bisherigen Praktikanten, die auf der Insel ihr 7-monatiges Praktikum absolviert hatten, waren nur positive Bemerkungen im Internet zu lesen.
Er startete die Internetverbindung und rief eine Seite auf, die etwas über Trischen berichtete.
Trischen ist eine unbewohnte Insel, in Form eines Halbmondes, vor der Meldorfer Bucht, etwa 14 Km vor der Dithmarscher Nordseeküste. Diese ist nur von Mitte März bis Mitte Oktober, von einem Vogelwärter/in, des NABU bewohnt. Diesen dient eine Hütte, welche auf Pfählen, fünf Meter über dem Boden, errichtet wurde, als Unterkunft. Einmal in der Woche kommt jemand vom Festland und bringt Lebensmittel, Trinkwasser und Post, wobei diese jedoch überflüssig sei, da sich ein Computer (Laptop) in der Hütte befindet und den Vogelwärter/in mit der Außenwelt verbindet.
Klaas schloss die Seite und starrte erneut auf die Fotos. Sämtliche Einrichtungsgegenstände, teils zertrümmert, lagen in der kleinen Hütte verstreut. Auch der Computer war völlig demoliert. Durch die fehlende Kommunikation mit Jessica, ist jemand etwas früher als sonst zur Insel gefahren und musste dann diese grausige Entdeckung machen. Jessicas Körper lag völlig blutverschmiert in der Nähe des Bettes. Schon der Anblick um die Hütte herum, ließ den Ankömmling erschaudern. Genau 143 tote Tiere zählten die Männer von der Spurensicherung vom Weg des Anlegesteges, bis zur Hütte. Sechs Kegelrobben mit Würgemalen und eingeschlagenem Schädel. Den 137 übrigen Tieren, Vögel, waren teils die Flügel heraus gerissen und die Köpfe abgebissen. Gut die Hälfte der Kadaver, lag an der Hütte.
Das Klingeln, des Telefons, riss ihn aus den Gedanken. „Thies hier, moin Klaas.“ „Moin, Thies, na was hat mir die Spurensicherung Neues zu berichten?“ „Leider nichts Neues, Klaas, wir konnten keine Spuren von Fremdeinwirkung feststellen. Diverse Fingerabdrücke, die sich in der Hütte befanden, werden mit den Personen, die vorher als Vogelwärter/in auf der Insel waren, abgeglichen.“ „Das habe ich mir schon fast gedacht, auch Hinnerk war der gleichen Ansicht“, sagte Klaas. „Trotz allem ein schönes Wochenende“, sagte Thies. „Ja dir auch.“ Er legte den Hörer auf und rief ein Programm im Computer auf.
Abschlussbericht.
