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Hagen Thomas ist Philosoph, seine von ihm geschiedene Frau stark religiös. Er verfechtet die Suche nach der Wahrheit mit der Wissenschaft, sie glaubt, die Wahrheit nur in der Religion zu finden. Ein Streit führt zu Hagens letzter Konsequenz.
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Seitenzahl: 16
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Markus Mann
Der tote Philosoph
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Der tote Philosoph
Impressum neobooks
Ich eile durch die finstere abendliche Straße der kleinen Stadt am Meer. In dichten Wasserströmen entladen sich die Wolken, Blitze und krachender Donner sind ihre Begleiter. Der Sturm, der sich mir entgegendrückt, erschwert es mir, mein Ziel zu erreichen. Als ob eine unsichtbare starke Hand mich davon abhalten möchte, mein altes Zuhause zu besuchen. Doch ich stemme mich dem Sturm entgegen, setze Fuß vor Fuß. Ich keuche schon. Mir ist kalt, ich habe meine Hände in meinen Manteltaschen vergraben, kein Mensch ist draußen, nur ich. Den Regenschirm habe ich zuhause vergessen. Bei diesem Wetter würde er auch nichts nützen.
Endlich erreiche ich das Haus, in dem ich noch vor zwei Jahren mit meiner Frau und meinen Kindern gewohnt habe. Ich klingele an der Haustür. Von innen höre ich Kinderstimmen, Kinderschritte die sich nähern. Jochen, mein Ältester – er ist zwölf Jahre alt –, öffnet die Tür und strahlt mich an.
„Papa!“
Ich zwinge mich dazu, zu lachen, versuche, mich ehrlich zu freuen. Ich trete ein. Jochen umarmt mich stürmisch, ich umarme ihn auch, wortlos. Ich halte ihn fest. Ganz fest.
„Papa, du erdrückst mich.“
„Entschuldige.“
„Mama! Papa ist da!“
Jochen rennt in die Küche, wo meine ehemalige Frau das Essen zubereitet.
Hanna und Elisabeth stellen sich in den Türrahmen und schauen mich mit ihren großen Augen schelmisch an. Nun muss ich ehrlich lachen.
„Na, kommt her, meine Kleinen.“
Ich breite meine Arme aus.
„Nee, Papa, dein Mantel ist ganz nass.“ Hanna, die ältere meiner Töchter, ist schon etwas kleinlich. „Außerdem bin ich nicht klein.“
Das stimmt. Hanna ist für ihre zehn Jahre sehr groß, sie wirkt wie eine Vierzehnjährige. Lächelnd ziehe ich meinen feinen Wollmantel aus und hänge ihn sorgfältig auf einen Bügel an der Garderobe. Der Schal kommt darüber. Die Kleidungsstücke triefen wirklich vom Regenwasser.
„
