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Detectiv Maier ist ein fast ganz normaler kleiner Privatdetektiv vom Typ „einsamer Wolf“. So zumindest sieht er sich in seiner Gedankenwelt, an der die Leserin/der Leser reichlich teil haben kann. Auch, wenn die Schreibweise von „Detectiv“, auf die er viel Wert legt, anderes vermuten lässt, arbeitet er irgendwo in Deutschland. Wo genau ist ziemlich egal. Nicht ganz so egal ist die klitzekleine Kleinigkeit, die ihn von anderen Menschen seiner Profession unterscheidet. Er kann sich nämlich – Fantasyanteil! - frei in Raum und Zeit bewegen. Also ganz frei dann auch wieder nicht. Weil er in seiner Jugend mit dieser Fähigkeit viel Mist gebaut hat, unterliegt er einigen Reisebeschränkungen. In dieser Geschichte, wird er zufällig in die Machenschaften eines mafiaähnlichen Clans hineingezogen. Der Clan droht bald die ganze Stadt in Angst und Schrecken zu versetzen. Obwohl der Detectiv eigentlich nur seine Ruhe haben will, muss er sich der Aufgabe stellen, die Mitglieder des Clans davon zu überzeugen, dass es besser wäre, wenn sie ihre Tätigkeiten einstellen würden. Mit Rat und Tat an seiner Seite steht der Computerfreak Mr. Clean. Auf den ersten Blick können die beiden unterschiedlicher kaum sein. Der Detectiv neigt eher dazu Aufräumen und Putzen als Tätigkeiten anzusehen, die man auch morgen noch machen kann, während Mr. Clean – na was wohl? – der Ordnung einen hohen Stellenwert gibt. Trotzdem klappt es ganz gut mit den beiden. So als Team. Beim Schreiben und Korrekturlesen der Geschichte hatte ich viel Spaß. Irgendwo draußen in der weiten Welt gibt es sicher Leserinnen/Leser, die meinen Humor teilen. Viel Spaß dabei Gab Robe
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Seitenzahl: 270
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Detectiv Maier ist ein fast ganz normaler kleiner Privatdetektiv vom Typ „einsamer Wolf“. So zumindest sieht er sich in seiner Gedankenwelt, an der die Leserin/der Leser reichlich teil haben kann. Auch, wenn die Schreibweise von „Detectiv“, auf die er viel Wert legt, anderes vermuten lässt, arbeitet er irgendwo in Deutschland. Wo genau ist ziemlich egal.
Nicht ganz so egal ist die klitzekleine Kleinigkeit, die ihn von anderen Menschen seiner Profession unterscheidet. Er kann sich nämlich – Fantasyanteil! - frei in Raum und Zeit bewegen. Also ganz frei dann auch wieder nicht. Weil er in seiner Jugend mit dieser Fähigkeit viel Mist gebaut hat, unterliegt er einigen Reisebeschränkungen.
In dieser Geschichte, wird er zufällig in die Machenschaften eines mafiaähnlichen Clans hineingezogen. Der Clan droht bald die ganze Stadt in Angst und Schrecken zu versetzen. Obwohl der Detectiv eigentlich nur seine Ruhe haben will, muss er sich der Aufgabe stellen, die Mitglieder des Clans davon zu überzeugen, dass es besser wäre, wenn sie ihre Tätigkeiten einstellen würden.
Mit Rat und Tat an seiner Seite steht der Computerfreak Mr. Clean. Auf den ersten Blick können die beiden unterschiedlicher kaum sein. Der Detectiv neigt eher dazu Aufräumen und Putzen als Tätigkeiten anzusehen, die man auch morgen noch machen kann, während Mr. Clean – na was wohl? – der Ordnung einen hohen Stellenwert gibt. Trotzdem klappt es ganz gut mit den beiden. So als Team.
Beim Schreiben und Korrekturlesen der Geschichte hatte ich viel Spaß. Irgendwo draußen in der weiten Welt gibt es sicher Leserinnen/Leser, die meinen Humor teilen.
Viel Spaß dabei
Gab Robe
Banküberfall
Der Park und ein Stück Käsekuchen
Home, sweet home
Audienz beim Onkel (Teil 1)
Abschiede
Im Hauptquartier
Detectiv Maier macht Stress
Kaffee
Krankenbesuch
Mr. Clean, the genius hacker
Ein Balkongespräch
Audienz beim Onkel (Teil 2)
Vorbereitungen
Detectiv Maier, das Bewegungstalent
Audienz beim Onkel (Teil 3)
Mr. Clean hat Spaß
Detectiv Maier, der Alleinunterhalter
So langsam nervt es
Audienz beim Onkel (Teil 5)
Aufräumen
Finale
Epilog
Und sonst so?
Ein Blick aus dem Fenster reichte Detectiv Maier um festzustellen, dass wieder einmal ein ganz normaler Tag vor ihm lag. Seine müden Augen sahen statt Regen oder Sonnenschein nur eine lückenlose Decke aus grauen Wolken, die faul am Himmel herumhingen und nicht den Eindruck machten, sich in naher Zukunft vom Fleck bewegen zu wollen. Er erledigte all diese langweiligen Dinge, die man morgens erledigt, wenn man zum arbeitenden Teil der Bevölkerung gehört. Genaugenommen waren es eigentlich nur zwei Dinge. Eine Erkenntnis zu der er auch schon an den vielen vergangenen Tagen gekommen war. Rasieren und Anziehen, was einem gerade so in die Finger kommt.
Danach setzte er sich ins Auto und fuhr los. Ein ganz normaler Tag. Sein Chef würde ihn gleich wieder mit seiner unzerstörbar guten Laune zu der Observation schicken, die schon seit zwei Wochen nichts als die pure Langeweile versprach.
Wie immer hielt Detectiv Maier ungefähr auf der Hälfte der Strecke an, um in der Bäckerei zwei belegte Brötchen und einen ‚Coffee to go’ zu kaufen. Damit würde er sich dann, wie immer, den Rest der Fahrt beschäftigen und sich, ebenfalls wie immer, beim Aussteigen vornehmen, ab dem nächsten Morgen zuhause zu frühstücken. Einfach, um nicht immer den ganzen Müll und die Brötchenkrümel im Auto zu haben.
Als er aus der Bäckerei kam, fiel sein Blick auf eine junge Frau, die auf der anderen Straßenseite in einem alten Escort saß und wie gebannt durch das Beifahrerfenster nach draußen starrte. Eigentlich nichts besonderes, wenn da nicht dieses Geldinstitut wäre und wenn die Fläche, auf der sie stand nicht schraffiert wäre. Trotzdem kein Grund gleich Schlechtes zu denken, beruhigte sich der Detectiv. Vermutlich wartete die nur auf ihren Freund, um dann zusammen mit ihm in Urlaub oder sonst irgendwohin zu fahren.
Er startete den Motor und warf einen Blick über die Schulter, um sich eine Lücke zum Einfädeln auszusuchen. Ziemlich weit hinten flackerten ein paar Blaulichter. Als seine Lücke da war, scherte er ein und konnte durch eine abrupte Vollbremsung gerade noch einen Unfall vermeiden. Die Frau mit dem Escort hatte auf der Fahrbahn gewendet und sich dafür genau die gleiche Lücke ausgesucht.
Seine Gesten, mit denen er der Fahrerin klar machen wollte, dass sie eindeutig nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte, kamen bei ihr nicht an. Die blickte schon in Fahrtrichtung und der junge Mann neben ihr, der sich gerade seine Mütze absetzte, war irgendwie mit sich selber beschäftigt.
Da Detectiv Maier ohnehin schon halb auf der Straße stand, wartete er nicht erst, bis hinter ihm alles zum Stehen gekommen war, sondern gab Gas. Sein Blick in den Rückspiegel zeigte ihm, dass die Blaulichter zwar näher gekommen waren, aber noch keinen Anlass gaben, Platz zu machen. Er konnte sich also seinem Frühstück zuwenden. Routiniert griff er zu der Tüte, die auf dem Beifahrersitz stand und wollte sich als erstes den Kaffee rausholen. Leider ging der Griff ins Leere.
Bei dem überhasteten Bremsmanöver war die Tüte nicht nur umgefallen, sondern hatte ihren Inhalt auch noch über das Polster des Beifahrersitzes verteilt. Detectiv Maier hatte schon in der Bäckerei den Verdacht gehegt, dass der Deckel auf dem Kaffeebecher nicht richtig gesessen hatte. Hätte er doch bloß schon die Kiste mit den alten Aktenordnern rausgeschmissen, die er wegen Überfüllung des Kofferraumes vor ein paar Tagen mal eben vor den Beifahrersitz gestellt hatte. Dann wäre die Tüte wenigstens in den Fußraum gefallen. So aber hatte sie keine andere Chance, als auf dem Sitz zu liegen zu bleiben.
Und das alles nur wegen diesem dämlichen Pärchen vor ihm. Die Blaulichter, die eigentlich so langsam in Reichweite sein sollten, hatten ein Stück hinter ihm auf Höhe der Bäckerei angehalten. Vermutlich hatte da einer richtig Hunger auf ein schönes kleines Frühstück im Auto. Warum auch nicht? Der Streifendienst ist größtenteils die reine Langeweile.
Mit dem nächsten Blick nach hinten musste Detectiv Maier seine ‚Bäckereivermutung’ fallen lassen. Die Streife hatte sich vor die Bank gestellt. Damit fielen in seinem müden Gehirn endlich die Puzzlesteine an die richtige Stelle. Er verfolgte, ohne es bis dahin gemerkt zu haben, zwei Bankräuber. Der Beinaheunfall hatte ihn wohl doch mehr abgelenkt, als er geglaubt hatte.
Der erste Griff ging in die Innentasche seiner Jacke. Als das Handy in seiner Hand lag, fiel ihm ein, dass er das Teil eigentlich über Nacht hatte laden wollen. Erwartungsgemäß machte das Gerät schlicht und ergreifend nichts. Es war damit nicht mehr und nicht weniger als ein altes, nutzloses Stück Hightech. Er war zurückversetzt in die Achtziger Jahre, dem Zeitalter in dem ein schnurloses Telefon innerhalb der Wohnung schon sensationell war. Aber auch dem Zeitalter, in dem er seinen Beruf gelernt hatte. Er riss sich zusammen, nicht in ein selbstgefälliges Grinsen zu verfallen. Schließlich jagte er gerade ein Bankräuberpärchen. Andererseits, diesen einen Gedanken wollte er sich dann doch noch zugestehen: Was hatte er damals noch für Erfolge als privater Ermittler erzielt…
Widerstrebend brachte Detectiv Maier sich wieder in die Gegenwart zurück. Da die Streife nicht begriffen hatte, dass die Bankräuber schon weg waren, blieb ihm für den Moment nichts anderes übrig, als dem Escort möglichst unauffällig zu folgen. Dazu brauchte er allerdings dringend eine Tarnung. Wie konnte er das am besten regeln? Bei der Antwort auf die Frage verzog er automatisch das Gesicht.
Der erste Bissen in das kaffeegetränkte, weiche Käsebrötchen mit dem ehemals knackigen Stück Salat bestätigte seine Befürchtung. Trotzdem musste er sein Gesicht kontrollieren und verhaltene Freude an dem Brötchen zeigen. Die beiden beobachteten mit Sicherheit den hinter ihnen liegenden Verkehr. Also beobachteten sie auch ihn. Er durfte nicht auffallen. Den Kaffee, der ihm bei dem Bissen auf den Bauch getropft war, hatte er leider nicht mehr abfangen können. Egal. Das Hemd musste ohnehin irgendwann mal in die Wäsche. Es hatte schon zu viel Frühstücke, Mittagessen und Abendessen im Auto erlebt. Vermutlich war es auch schon durchgeschwitzt. Er beschloss, am Abend mal an den Achselhöhlen zu riechen.
Je länger die Fahrt dauerte, umso besser fand er sich in seine Aufgabe hinein. Der Ellenbogen lag lässig auf der schmalen… seine Gedanken gerieten ins Stocken. Wie heißt dieses Ding eigentlich? Fensterbank? Sideboard? Türinnenverkleidung? Türboard?. Ja, warum nicht? Sein Ellenbogen lag also lässig auf dem Türboard auf, sein Blick war gelangweilt nach vorne gerichtet. Nichts in seinem Gesicht verriet, dass er mit höchster Konzentration zwei Bankräubern folgte.
Glücklicherweise waren die beiden so nervenstark, keine roten Ampeln zu ignorieren und keine gewagten Überholmanöver vorzunehmen. Das ideale Objekt für eine gemütliche unauffällige Verfolgung. Vielleicht wäre es glaubhaft, wenn er sich den Rest des Frühstücks für später aufheben würde? Das müsste definitiv gehen. Außerdem achteten die beiden vermutlich ohnehin nicht auf ihn. Die Gedanken, die ihn zu dem Bissen in das weiche Brötchen genötigt hatten, waren mit Sicherheit nur das Ergebnis eines übersteigerten Geltungsbedürfnisses. Erleichtert, eine Begründung gefunden zu haben, beförderte er das Brötchen mitsamt Kaffeebecher auf die Rücksitzbank.
Inzwischen ging die Fahrt durch eines der Edelwohngebiete der Stadt. Er stellte den lokalen Radiosender ein. Vielleicht würde der ja einen Hinweis liefern. Ansonsten konnte Detectiv Maier nur noch versuchen, sich das Auto - 81’ziger Escort - und das Nummernschild zu merken. Das Auto war nicht wirklich das Problem. Das Nummernschild umso mehr. Noch nie in seinem Leben hatte er verstanden, wie man sich wild durcheinander gewürfelte Buchstaben und Zahlen merken konnte. Irgendwann hatte er dann aufgegeben, sich dieses Kunststück anzueignen und sich stattdessen immer direkt ein Stück Papier und einen Kugelschreiber gegriffen.
Genauso machte er das diesmal auch. Beides war zusammen mit dem nutzlosen Handy in der Innentasche seiner Jacke. Normalerweise diente ihm das geräumige Lenkrad als Schreibunterlage. Das schied diesmal aus, da sonst seine Tarnung in Gefahr gewesen wäre. Also drückte er die Knie hoch, um damit lenken zu können und hielt das Papier auf seinen Oberschenkel fest, um dann mit der freien Hand schreiben zu können.
Gerade, als er den ersten Buchstaben erledigt hatte, stieg die Fahrerin des Escort voll in die Eisen. Da die Detectiv-Maier-Füße nicht in der optimalen Ausgangsposition für ein Bremsmanöver waren, brauchte er den Sicherheitsabstand zum größten Teil auf, bis sein Wagen dann endlich stand. Vermutlich hätte jetzt kein Blatt mehr zwischen die beiden Autos gepasst. Glücklicherweise war er schon vor einiger Zeit von der Hauptverkehrsstraße abgebogen. Es bestand als keine Gefahr, noch einen Schubser von hinten zu bekommen.
Trotzdem entsprach die Situation natürlich nicht unbedingt einer Bilderbuchobservation. Da er keine andere Idee hatte, beschloss er einfach abzuwarten, bis etwas passieren würde oder bis ihm doch noch eine Idee kommen würde.
Durch das Heckfenster konnte er erkennen, dass die beiden sich offenbar stritten. Für den Fall, dass sie sich zu ihm umdrehen würden, machte er ein paar aufgebrachte Gesten, legte dann den Rückwärtsgang ein und setze ein Stück zurück. Als er wieder nach vorne schaute, ging die Fahrertüre auf und die junge Frau stieg wutentbrannt aus.
Sie gehörte zu der Sorte, die mit kaputter Kleidung und massenweise Nieten herumliefen. Auf den ersten Blick sah er Nietenarmbänder, Nietengürtel, Nietenhundehalsband und Unmengen an Metall in den Ohren. Selbst um eines der Fußgelenke trug sie ein Nietenband.
Sie schien wohl zuerst nach hinten gehen zu wollen, entschied sich dann aber doch dagegen und lief in Fahrtrichtung weg. Gleich danach ging die Beifahrertüre auf und der junge Mann, der sich kleidungsmäßig kaum von ihr unterschied, lief ihr mit einer über die Schulter geworfenen Sporttasche hinterher. Das Auto schien die beiden nicht weiter zu interessieren.
Für Detectiv Maier stellte die neue Situation ein erhebliches Problem dar. In einem Auto kann man keine Fußgänger verfolgen. Zumindest nicht unbemerkt. Er musste sich entscheiden: Entweder das Auto parken und zu Fuß hinterher oder entgegen allen Regeln doch mit dem Auto folgen. So langsam geriet Detectiv Maier in echten Stress. Ein Zustand, den er seit einigen Jahren erfolgreich vermieden hatte. Immer diese schnellen Entscheidungen. Das nervte ihn gigantisch. Als er noch das Für und Wider abwog, wurde ihm die Entscheidung abgenommen, da der junge Mann zum Auto zurücklief und seiner Freundin hinterherfuhr.
Gut gemacht mein Junge, ging es Detectiv Maier durch den Kopf. Wer weiß schon wie lange so ein unbewachtes Auto in der heutigen Zeit ohne neuen Besitzer bleibt.
Der Junge hatte seine Freundin schon nach wenigen Sekunden eingeholt. Ohne große Diskussion ließ er sie einsteigen und fuhr langsam weiter. Allerdings so langsam, dass Detectiv Maier unmöglich folgen konnte. Soweit er die beiden durch die Heckscheibe erkennen konnte, suchte der Junge eine Hausnummer. Ein typischer Vertreter der Sorte, die dabei alles um sich herum vergaßen.
Detectiv Maier beschloss, rechts ran zu fahren. Die sollten erstmal in Ruhe sortieren, was sie eigentlich wollten. Kaum hatte er ein schönes Plätzchen gefunden, als er auch schon für seine weise Entscheidung belohnt wurde. Der Wagen blieb wieder stehen. Diesmal auf dem Parkstreifen. Er konnte noch erkennen, dass die beiden ausstiegen und an einem großen Einfahrtstor klingelten. Nachdem sie eingelassen worden waren, fing für Detectiv Maier die Wartezeit an.
Eigentlich hätte er jetzt mal sein Auto aufräumen können. Wenn da nur nicht das Problem mit der Tarnung gewesen wäre. Wie sieht das denn aus, wenn eine wildfremde Person ihr Auto aufräumt und danach einfach im Auto sitzen bleibt? Und das auch noch in einer Gegend, in der die Person noch nie gesehen worden ist. Also beschloss er, einfach sitzen zu bleiben und abzuwarten, was passieren würde.
Okay, den angefangenen Zettel mit dem Kfz-Kennzeichnen konnte er auch im Sitzen wieder wegräumen. Zumindest, nachdem er die Nummer vervollständigt hätte. Nur konnte er die von seinem Platz aus nicht sehen. Also beschloss er langsam an dem Auto vorbeizufahren und dann einen neuen Parkplatz zu suchen. Das würde dann eben eine Observation über den Rückspiegel.
Als er die Nummer gerade in seinem Kurzzeitgedächtnis geparkt hatte und zur Erinnerung in Endlosschleife laut wiederholte, sah er im Rückspiegel, wie die Frau ziemlich hektisch zu ihrem alten Escort zurück lief. Vielleicht sollte er doch nicht zu weit wegfahren. Vielleicht würden die beiden wenden. Besser, er nahm den nächsten freien Platz. Also fuhr er langsam weiter.
Ohne jede Vorwarnung wurde auf einmal seine Beifahrertüre aufgerissen und die junge Frau machte den Versuch, bei ihm einzusteigen. Während sie sich, wegen des vollgestellten Fußraumes mit angewinkelten Beinen, auf den Beifahrersitz faltete, schrie sie ihn an:
„Du musst sofort losfahren, sonst knallt der uns ab!“
Ein Blick in den Rückspiegel zeigte ihm, dass sie vermutlich nicht ganz unrecht hatte. Immerhin spurtete da gerade so eine Person auf die Straße, die alles ausstrahlte, nur nicht den Traumschwiegersohn. Der Blick von dem Typen ging kurz die Strasse entlang, dann hatte er das Auto von Detectiv Maier erfasst, setzte zum Spurt an und schob dabei eine Hand nach hinten Richtung Hosenbund. Das war nun wirklich ein schlechtes Zeichen. Während Detectiv Maier von seiner neuen Beifahrerin mit immenser Lautstärke unentwegt zugetextet wurde, legte er den Gang ein und holte aus seiner Kiste alles raus, was ging. Was nicht wirklich viel war. Wieder war einer der Momente gekommen, in denen er darüber nachdachte, ob der alte Polo wirklich das ideale Fahrzeug für ihn war. Andererseits war er am Morgen natürlich auch nicht losgefahren, um möglichst schnell einem schießwütigen Schwachkopf zu entkommen.
Der erneute Kontrollblick in den Rückspiegel brachte ihm die Information, dass der Mann tatsächlich in eine stabile Schussposition gegangen war und die Waffe bereits im Anschlag hatte. Detectiv Maier blieb nichts anderes übrig, als weiter auf dem Gas zu bleiben und unregelmäßige Schlangenlinien zu fahren, bis er außerhalb der Reichweite sein würde. Seine Beifahrerin hatte inzwischen ihre Texte beendet und saß während des Manövers mit starr nach vorne gerichtetem Blick auf den Resten des umgekippten Frühstücks. Ihre Finger waren in den Sitz gekrallt, um das Schwanken des Autos ausgleichen zu können.
Als Detectiv Maier kurz danach wieder normal fahren konnte, war nach seinem Geschmack der Moment für ein paar erklärende Worte gekommen. Also eröffnete er das Gespräch.
„Wer bist du und was ist das hier für eine Nummer?“
Statt vernünftig zu antworten, schaute sich die Frau in dem Wagen um.
„Bist du so nen Messi oder was? So was hab’ ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Und was ist das für ein feuchter Mist, in dem ich hier hocke?“
Sie zog ihre Finger über das Polster und roch mit angewiderter Miene daran.
„Kaffee? Hast du dir hier Kaffee über den Sitz gekippt?“, wollte sie mit hoher, fast überschnappender Stimme wissen. „So ein Glück, dass ich mich nicht normal hinsetzen konnte. Dann wäre jetzt meine komplette Hose nass.“
„Das war eigentlich nicht die Antwort auf meine Frage“, versuchte Detectiv Maier sie wieder zum Thema zurückzubringen. Das Gute an seiner permanenten Grundmüdigkeit war, dass man ihn nicht so schnell von einem einmal in Angriff genommenen Thema abbringen konnte.
„Weshalb ich in diesem Müllhaufen hier sitze hab ich doch schon gesagt! Der Typ wollte mich gerade abknallen! Was gibt es denn da noch weiter zu erzählen? Ich stehe unter Schock oder so! Da kriegst du ohnehin nichts aus mir raus!“
„Und weil du so unter Schock stehst, ist das Erste, das du in meinem Auto mitbekommst ein frischer Kaffeefleck und die momentane Unordnung?“
„Übersprungshandlung oder so. Im Moment bin ich einfach unter Schock.“
„Übersprungshandlung“, wiederholte Detectiv Maier mit ruhiger Stimme, „wäre eine mögliche Erklärung. Immer sehr angenehm, wenn einem gebildete Leute über den Weg laufen. Auch wenn in diesem Fall die Umstände angenehmer sein könnten. Wie lange wird dein Schock denn jetzt noch anhalten?“
„Woher soll ich das denn wissen? Das ist bei Schocks immer schwer zu sagen. Jedenfalls habe ich jetzt einen und demzufolge kannst du mich nicht als vollwertige, objektive Gesprächspartnerin ansehen.“
Irgendwie hatte sie etwas an sich, das ihn interessierte. Jedenfalls versprach der Tag richtig abwechselungsreich zu werden. Ganz anders, als er ihn sich noch vor einer Stunde vorgestellt hatte. Allerdings konnte die Abwechselung auch ziemlich viel Stress mit sich bringen. Vielleicht sollte er es einfach mal auf sich zukommen lassen. Andererseits konnten ein paar zusätzliche Informationen auch nicht falsch sein.
„Okay, ich habe Verständnis dafür, dass du im Moment nicht voll zu gebrauchen bist, aber es wäre für mich trotzdem ganz hilfreich, wenn du mir ein paar Hintergrundinformationen liefern könntest. Schließlich muss der Rest des Tages geplant werden. Ich wüsste auch ganz gerne, ob der Typ, der auf mein Auto geschossen hat, jetzt gerade versucht, uns zu verfolgen oder so.“
Sie sah ihn verständnislos an und erklärte ihm dann - zum ersten Mal in normalem Tonfall - wie er das feststellen konnte: „Wenn du im Rückspiegel ein Auto siehst, dann könnte er das sein. Wenn du keins siehst, dann ist er es nicht. Ist doch eigentlich ganz einfach.“
„Schon mal was von Nummernschildern gehört?“
„Du meinst, der schaut jetzt irgendwo nach, wer du bist und wo du wohnst? Und dann kommt er wenn du schläfst und überfällt dich?“
„Na, ganz so schlimm muss es nun auch nicht kommen, aber so in die Richtung hatte ich gedacht.“
Damit brach das Gespräch schon wieder ab.
Also kurvte er noch ein bisschen durch die verschiedenen Vorstadtviertel und dachte darüber nach, was jetzt als nächstes getan werden konnte. Als sein Blick auf einen der selten gewordenen öffentlichen Fernsprecher fiel, fuhr er rechts ran, zog eine der alten Telefonkarten und informierte seinen Chef darüber, dass er heute mal einen freien Tag nehmen würde. Da er ohnehin nur auf Provisionsbasis arbeitete, konnte sein Chef nicht viele Gegenargumente bringen und beendete das Gespräch sehr schnell mit einem extrem fröhlichen „Dann bis morgen in alter Frische.“
Zurück im Auto war die Beifahrerin wieder zum Leben erwacht. Sie hatte den Karton mit den Aktenordnern auf der Rücksitzbank entleert und nutzte ihn jetzt als Sitzkissen.
„Was ist das eigentlich für ein dämliches Auto? Der kleine Verschlag dahinten kann doch wohl unmöglich als Kofferraum bezeichnet werden.“
„Ein Polo der zweiten Generation.“
„Aha. Und? Ist das irgendwie was Besonderes?“
Der Blick, mit dem sie bei der Frage das Auto musterte, ließ eigentlich keine andere Antwort, als „Nein“ zu.
„Bevor wir jetzt über dieses Auto reden, sollten wir es vielleicht mal mit der gegenseitigen Vorstellung versuchen. Wie ist dein Name und wo kommst du her?“
„Oho, sind wir jetzt hier in einem Verhör gelandet?“
Er beschloss abzuwarten.
„Okay, mein Name ist Fran. Abkürzung von Francis. Ein in vielen Sprachen verwendeter Vorname. Komm nie auf die Idee den Namen anders als englisch auszusprechen.“
„Und wo kommst du her?“ erinnerte er sie an die zweite Frage.
„Geht dich nichts an. Such dir eines der Länder aus, in dem man die Kinder unter anderem Francis nennt, dann landest du vielleicht einen Treffer. Ich werde dir hier nicht meine ganze Lebensgeschichte erzählen, nur weil du gerade zufällig zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort warst. Und jetzt du.“
„Ich bin Detectiv Maier.“
Sie stockte einen kleinen Moment und fing dann an zu lachen.
„Hei Alter. Wir sind hier in Deutschland. Hast du dich irgendwie verlaufen und kommst eigentlich aus England oder den Staaten?“
„Nein, komme ich nicht.“
„Dann heißt das aber Detektiv. Zumindest, wenn du so ein Privatschnüffler bist. Oder du bist bei der Polizei, was ich eigentlich nicht richtig glauben kann. Dann wärest du Wachtmeister oder irgend so was. Keine Ahnung, wie die alle heißen.“
„Pass auf“, antwortete er ihr gelangweilt, „du bist nicht die Erste, die sich darüber amüsiert. Ich schlage vor, dass ich deinen Namen nicht deutsch ausspreche und du dich nicht über meinen Namen amüsierst.“
„Sonst?“
„Was sonst? Sonst nehme ich für die Fahrt hier den üblichen Taxitarif. Schließlich habe ich keinen wirklichen Grund, dich hier in der Gegend herumzufahren. Du kannst dich auch gerne ohne mein Beisein abknallen lassen. Das belastet mich nicht wirklich. Hauptsache, ich habe meine Ruhe.“
Sie dachte einen Moment nach und sah ihn dabei abschätzend von der Seite an.
„Okay, Detectiv Maier. Dann wollen wir mal unsere Zusammenarbeit beginnen. Ganz wichtig ist mir erstmal folgendes: Wie kann man sein Auto so zumüllen? Du musst doch immer mal damit rechnen, dass du einen Beifahrer bekommst. So wie jetzt.“
Was sollte er ihr schon darauf antworten? Er war eben ein extrem entspannter, einsamer Wolf. Nur wie sagt man das, ohne wie ein billiges Klischee zu klingen? Vor allem, wo er gerade den üblichen Angriff auf seinen Namen abgewehrt hatte. Auch wenn letzteres eigentlich gar nicht in die Argumentationskette passte. Egal. Er sagte einfach nichts. Mit lässig am Seitenfenster abgelegtem Arm wartete er einfach ab.
„Wieso telefonierst du eigentlich an so einer alten Telefonzelle? Schon mal was von Handys gehört? Diese kleinen Plastikdinger, mit denen die jungen Leute alle rumlaufen?“
„Hab’ ich. Aber es gibt Momente, in denen man nicht darauf zurückgreifen kann.“
„Aha“, nickte sie mit einer Spur Mitleid und einer ganzen Breitseite Unverständnis.
Irgendwie hatte er keine Lust mehr, noch lange in der Gegend herumzufahren, ohne zu wissen, was wirklich passiert war. Also beschloss er, ein bisschen Druck ausüben.
„Nicht weit von hier ist eine Polizeistation. Ich bringe dich jetzt da hin. Du musst denen erzählen, was passiert ist. Immerhin hat der geschossen. Das ist kein Kinderkram.“
„Keine gute Idee. Ich muss mir erstmal überlegen, wie ich denen das alles erzählen soll.“
„Ist doch eigentlich ganz einfach: dein Leben wurde bedroht“, schlug er vor, „ich habe dir dann zufällig bei deiner Flucht geholfen. Der Rest ist Ermittlungsarbeit.“
„Naja. Man weiß nie so richtig, was dabei rauskommt oder?“
„Du meinst, wenn du zur Polizei gehst?“
„Genau“, nickte sie.
„Was ist mit deinem Freund?“
„Keine Ahnung. Die werden ihn schon nicht umbringen.“
„Pass auf“, gab er ihr zur Antwort, während er in die nächste beste Parklücke fuhr. „Eigentlich ist mir das ziemlich egal was du machst. Zumindest so lange, wie du es ohne mich machst. Also schlage ich vor, dass du jetzt aussteigst und das tust, was du für richtig hältst.“
Sie schaute ihn einen Moment fragend an.
„Und was ist, wenn ich sitzen bleibe?“
„Dann erzählst du mir, was da wirklich passiert ist. Und zwar alles. Danach entscheide ich dann, ob ich bereit bin, dir zu helfen und mein gemütliches, geruhsames Leben dafür aufzugeben.“
„Alles? Dir? Einem wildfremden Mann?“
Als er - wie er glaubte - sehr verständnisvoll nickte, öffnete sie die Türe und stieg aus. Er schaute ihr noch einen Moment hinterher, was relativ einfach war, da sie in Fahrtrichtung wegging. Dabei überlegte er, ob er wirklich zur Polizei wollte, um den Vorfall zu melden. Das versprach in jedem Fall eine Menge lästigen Papierkram. Vielleicht hatte er auch, beim Banküberfall angefangen, alles aus einem völlig falschen Blickwinkel betrachtet. In dem Fall würde er sich sogar der Lächerlichkeit preisgeben, wenn er Informationen zu einem Bankraub geben wollte, der gar nicht stattgefunden hatte. Besser, er nutzte den Tag, um sich und sein Auto mal einer gründlichen Reinigung zu unterziehen.
Er war kaum ein paar Meter gefahren, als er ein Stück weiter vorne sah, wie Fran quer über die Straße spurtete. Ein LKW konnte gerade noch einen Unfall verhindern. Kurz hinter ihr lief in gleichem Tempo ein schwarz gekleideter Mann, der in ziemlich bescheuerter Manier um den LKW herumtänzelte und dann wieder Tempo aufnahm. Für Detectiv Maier war schlagartig klar, dass Fran in erheblicher Gefahr schwebte. Ohne groß nachzudenken, zog er auf die von dem LKW blockierte Gegenspur und stellte seinen Wagen halb auf den Bürgersteig. Fran und ihr Verfolger waren in einem kleinen Weg verschwunden, der als Verbindung zu einem Park diente. Der Detectiv musste also zu Fuß folgen. Als er seinen wohlgenährten Körper in Bewegung setzte, wurde ihm schnell klar, dass er erstens nicht davon ausgehen konnte, den beiden lange folgen zu können und dass er zweitens einen besseren Tag gehabt hätte, wenn er nur dieses eine Mal auf sein morgendliches Brötchen und den ‚coffee to go’ verzichtet hätte.
Sie wusste, dass sie das Tempo nicht lange durchhalten konnte. Dass sie dem Häscher überhaupt entkommen war, war purer Zufall. Nachdem sie bei dem stinkenden, dreckigen Langeweiler ausgestiegen war, fühlte sie sich komplett unbeobachtet. Eigentlich hatte sie vor, sich erstmal bei einer Freundin einen Unterschlupf für ein paar Tage zu suchen. Wenn ihr nicht die alte Frau entgegengekommen wäre, die erschrocken auf einen Punkt hinter Frans Kopf geschaut hätte, hätte sie sich nicht umgedreht und hätte damit auch nicht gesehen, dass er nur noch ein paar Schritte hinter ihr war.
Jetzt brannten ihr die Lungen und sie war zudem noch in die Einsamkeit eines Parks gelaufen. Sie konzentrierte sich wieder voll auf ihre Schritte. Sie musste die nächste Kreuzung erreichen und dann abbiegen. Vielleicht gelang es ihr ja, für ein paar Momente den Sichtkontakt abreißen zu lassen. Das war für die Psyche des Verfolgers immer schlecht. Sie musste es einfach schaffen. Wenn er sie bekommen würde, wäre das Spiel endgültig verloren.
An der Wegkreuzung schwenkte sie nach rechts und warf dabei einen Blick nach hinten. Der Verfolger war ein gutes Stück hinter ihr. Mehr, als sie befürchtet hatte. Dem LKW sei Dank. Vor sich sah sie einen Parkausgang, der scheinbar in ein Wohnviertel führte. Sollte sie oder sollte sie nicht? Welchen Vorteil konnte ihr das Viertel geben? Leute auf der Straße. Oftmals dann doch nicht der Schutz, den man erwartet. Autos auf der Straße. Nachdem sie nur mit viel Glück dem Unfall mit dem LKW entgangen war, sah sie die Autos eher als ein Problem an.
Kurz vor dem Ausgang schwenkte sie nach links. Wieder warf sie einen Blick nach hinten. Der Verfolger war noch nicht zu sehen. Unbestreitbar ein Vorteil. Zumindest, wenn sie es schaffte, möglichst schnell um die nächst Kurve zu kommen. Mit etwas Glück würde er sich dafür entscheiden, dass sie den Park verlassen hätte. Sie lief jetzt in etwas langsamerem Tempo weiter. Hauptsache Abstand gewinnen und nicht an der nächsten Ecke zusammenbrechen. Da sie sich überhaupt nicht auskannte, versuchte sie einigermaßen die Orientierung „weg von dem Verfolger“ beizubehalten. Der Rest des Planes war: So lange wie möglich laufen. Jeder Meter, den sie zwischen sich und ihn brachte, war ein Stück Sicherheit.
Das einzige Problem, das sie hatte war, dass sie keinen Orientierungspunkt fand. Die Sonne hing, wie schon am Morgen, noch immer hinter einem dichten Wolkenteppich fest und sonst gab es nichts. Der Weg schlängelte sich mal nach links, mal nach rechts. Ab und zu kamen neue Wege oder Parkausgänge dazu. Sie warf einen letzten Blick nach hinten. Niemand war zu sehen. Also beschloss sie, den Park bei nächster Gelegenheit zu verlassen und sich in der Stadt zu orientieren, wo sie inzwischen gelandet war.
Im gleichen Moment, in dem sie das beschloss, trat der dicke stinkende „Detectiv“ nur ein paar Schritte vor ihr aus einem kleinen Pfad heraus und blieb, als er sie sah, ohne sichtbare Reaktion auf das überraschende Wiedersehen, stehen. Er schüttelte fast väterlich den Kopf. Gerade so, als ob er sein Kind mal wieder bei irgendeiner Dummheit erwischt hätte.
„Man oh man, bist du dämlich. Der Park hier ist fast wie ein großer Teller angelegt. Wem willst du hier eigentlich entkommen, wenn du immer im Kreis läufst? Dein Glück, dass dein Verfolger noch dämlicher ist und den Park am ersten besten Ausgang wieder verlassen hat, obwohl er gar nicht gesehen hat, was du gemacht hast. Oder vielleicht war er auch nur der Meinung, dass du nicht so dämlich bist in diesem Hamsterrad hier zu bleiben. Man weiß es nicht. Jedenfalls würde ich dir empfehlen mit diesem Rumgelaufe jetzt erstmal aufzuhören.“
Sie stützte sich auf ihren Knien ab und konnte den Detectiv Maier nur nach Luft hechelnd anstarren.
„Kreis?“ japste sie schließlich.
„Kreis“, bestätigte der dicke Mann, der zu ihrem Ärger nicht die Spur von Atemproblemen hatte.
Er ließ noch einen kleinen Moment verstreichen, bevor er auf den Pfad zeigte, über den er gekommen war.
„Ich schlage vor, dass ich mal für einen Moment den Fremdenführer mache und dich hier möglichst unbeschadet herausführe.“
Ohne ihre Antwort abzuwarten, schlurfte er gemütlich los. Sie vergewisserte sich mit einem Blick, dass niemand in ihrer Nähe war und folgte ihm dann vorsichtig. Nach wenigen Minuten standen sie an einem Ausgang direkt neben dem alten Auto mit dem Kaffeefleck. Sie wusste nicht wirklich, ob sie einsteigen wollte.
„Was passiert, wenn ich wieder in diese Müllhalde einsteige?“
Der dicke Mann verdrehte genervt de Augen.
„Mehrere Sachen werden passieren. Zum einen kann ich dich aus dieser Gegend hier wegbringen, die zumindest für dich ein bisschen gefährlich ist. Dann kannst du mir endlich in Ruhe erzählen, was hier eigentlich los ist. Und schließlich rettest du mich davor, doch noch mit einer saumäßig langweiligen Observation zu beginnen. Reicht das an Argumenten?“
Sie dachte einen Moment nach.
„Wegbringen ist okay, Erzählen ist nicht okay. Deine Observation ist mir egal.“
Er atmete einmal tief durch und stieg dann mit den Worten „Entweder alles oder nichts“, in sein Auto ein. Nachdem er den Motor gestartet hatte und ohne sie losfahren wollte, riss sie die Beifahrertüre auf und sprang auf den Beifahrersitz.
„Bilde dir jetzt bloß nicht ein, dass du mir in Zukunft immer sagen kannst, was ich zu machen habe. Im Moment deckt sich ein wesentlicher Teil deines Vorschlages einfach mit dem, was für mich wichtig ist.“
„Ja, ja. Alles klar“, nickte der Detectiv. „Ich höre.“
„Ich habe dir eben schon gesagt, dass ich nicht die Absicht habe, dir meine ganze Geschichte zu erzählen.“
„Warum bist du dann eingestiegen? Weil du mich so sexy findest?“
„Nein“, meinte sie mit einem verächtlichen Lachen, „wohl eher nicht. Ich musste da weg. Das weißt du ganz genau.“
„Und ich habe keine Lust deinen Bediensteten zu spielen. Also erzähl jetzt endlich, was los ist.“
„Wieso ‚Bediensteter’?“ wollte sie empört wissen. „Hab ich dich etwa in der Gegend rumgeschickt? Du bist ja wohl ganz alleine hinter mir her gefahren. Genaugenommen schon ab der Bank.“
Sie schaute ihn einen Moment lang an und wollte dann genervt wissen:
„Du bist jetzt nicht der Meinung, dass ich dich nicht bemerkt habe oder?“
„Okay, ich hatte die Hoffnung. Wie bist du mir drauf gekommen?“
„Hast du schon mal jemanden gesehen, der in ein triefend nasses Brötchen beißt und dann auch noch so tut, als ob es das Normalste von der Welt wäre? Ich jedenfalls habe das heute das erste Mal gesehen. Und dann diese aufgebrachten Gesten, nachdem du mir fast hinten rein gerauscht wärest. Also ehrlich. Spätestens dann musste doch sogar der größte Trottel merken, dass da etwas nicht stimmt. Aber du musstest ja vor der Villa auch noch ‚Bäumchen-wechsel-dich’ spielen. Ne ehrlich. Warst du echt der Meinung, dass ich das nicht merke?“
„Das ist jetzt nicht die Frage. Von dir will ich jetzt endlich wissen, was hier läuft. Ich nehme mal an, du wirst nicht alle Tage mit einer Waffe bedroht und dann durch einen Park gehetzt?“
