Diamanttränen - Yelena Martin - E-Book

Diamanttränen E-Book

Yelena Martin

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Beschreibung

Die Geschichte vom Autor erzählte, geschah im 18 Jahrhundert in England lehrt uns, die oft von uns gewünscht wird eine unerträgliche Belastung für uns, und wir haben die Belastung bis zum Ende tragen.

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Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 1

Der süße Geruch des Fleisches ist euch bestens bekannt, Verliebt in seine Sünde, die aus Leidenschaft kommt.

Das Blut, welches nur in Träumen kocht

Und Wirklichkeit im Wunsch nach Macht wird,

Von diesen Himmeln, glitzernd Höhen,

Die uns zu sich herziehen und verführen.

Vergiss sie, beim herabsteigen in das Abwasser ihrer Schönheit.

Denn sie sind – ein Trugbild, ein Spiel, der Himmelschlüssel zu einem großen Geheimnis, Nur falsche, krummverzehrte Spiegel.

Er machte den Mund auf und schrie, so laut er nur könnte.

Dadurch wollte er der Welt seine Erscheinung verkünden.

Aber die große, weite Welt war so sehr mit anderen wichtigen Dingen beschäftigt, dass sie die Geburt eines neuen Menschen nicht bemerkt hatte. Nach dem er noch eine Weile geweint hatte, sah er ein, dass es aussichtslos war.

„Wenn alle so beschäftigt sind, wäre es vielleicht besser zurück zu kehren?“ – dachte der Kleine.

Beim Versuch die dafür nötige Prozedur durchzuführen, erlebte er ein Fiasko. Und so musste er unfreiwillig hier bleiben und sich dem Gesetz des Lebens unterwerfen, welches besagt:

„... Jeder muss von Zeit zu Zeit auf die Erde kommen, als ihr Bewohner.“

Alles, was danach geschah, amüsierte ihn sehr. Es war sehr interessant zu beobachten, wie eine genaue Kopie von ihm, direkt vor ihm erschienen ist. Allerdings reagierte sie auf den kalten Empfang – äußerst demütig, sogar irgendwie fatalistisch.

- Na, warum schweigst du? Schreie! Oder willst du, dass ich alleine für uns beide die ganze Arbeit machen soll, während du selber die vollkommene Ruhe genießen kannst?

- Sie haben leider Zwillinge bekommen, - schallte es von irgendwoher so laut, dass das Kind sich zusammenkrümmte vor Angst.

Die Stimme gehörte einer Frau, die ihrer Mutter bei der Geburt half. Es waren ihre groben Hände, welche die sanften Kinderleiber zum Tageslicht empor hoben.

- Leider? Ich bedauere es auch sehr! Und du, bist du etwa zufrieden, mit deiner Geburt? Glaubst du etwa, man ist hier froh über unser Erscheinen? Du hast es ja selber gehört – leider.

Das was danach geschah, bestätigte absolut seine Vermutungen. Sie beide wurden in irgendwelche Lumpen gehüllt und in einen großen Korb hineingelegt. Bald wanderte der Korb in eine Kutsche, die sich, nachdem die Hebamme auch Platz genommen hatte, sofort in Bewegung setzte. Nachdem sie ungefähr drei Meilen gefahren sind, blieb die Kutsche neben den Klostertoren stehen.

- Lass uns noch etwas schreien, vielleicht überlegt sie sich es dann doch noch anders? – einer der Zwillinge begann laut zu schreien, weil er sah, wie sein Zwillingsbruder auf einem Heuhaufen im Hof des Klosters liegen gelassen wurde. So wie es aussah, musste er dort noch eine ganze Weile liegen bleiben. Aber diese Tatsache schien den Kleinen nicht besonders zu erschrecken. Der Zwilling nahm sein Schicksal ziemlich gleichgültig hin, oder wusste er etwa im Voraus darüber Bescheid?

- Na dann – schweige weiter! Und wohin bringt man mich jetzt? Werde ich etwa nicht das Schicksal meines Bruders teilen und auch hier bleiben? Nein?.. Hey, komm zurück! Oder willst du mich etwa alleine im Wald zurücklassen?

Was sind das nur für Menschen! Es wehte ein kalter Herbstwind, der die Baumblätter vor sich hertrug und umherwirbelte. Viele von ihnen fielen direkt in den Korb, der ziemlich bald voll wurde.

- Ich habe keine Lust zu sterben...

Bald bedeckten die Blätter die ganze Erde, wie ein Teppich.

Eine gelb-rote Decke versteckte auch den Korb, der im Wald stand.

Kapitel 1

- Wessen Korb ist denn das?

- Und was liegt darin?

- Irgendwelche Früchte, Honig...

- Warum wühlt Ihr in meinem Korb? Ihr solltet euch was schämen! – ein Mädchen drohte mit dem Zeigefinger in Richtung von zwei Jungen, dann schnappte sie sich ihren Korb und presste ihn fest an sich.

Seit zwanzig Jahren schon lebte sie alleine, ohne Verwandte und Freunde. Zuerst lebte sie in einem Waisenhaus, später mietete sie sich eine Ecke in einem Zimmer einer Frau, die ebenfalls alleine lebte. Als sie nicht weit von ihr entfernt einen Gentleman erblickte, kam sie zu ihm und fragte:

- Entschuldigen Sie, Mister! Hätten Sie Interesse am frischen Obst? – als sie sah, dass er mit dem Kopf schüttelte, antwortete sie ihm: Na dann eben nicht, ich werde es selber aufessen.

Die Händlerin ging weiter, um die Ware mit der ihr Korb vollgefüllt war, weiter zu verkaufen.

Im Korb waren ihr ganzer Besitz und gleichzeitig ihr ganzer Lebensunterhalt. Leider glitt ihr das Leben wie Wasser durch die Finger.

Das Städtchen St. Albans, in dem das uns bereits bekannte Mädchen, namens Sophie lebte, lag nördlich von London.

Wenn wir uns ein bisschen mit der Geschichte dieses Städtchens beschäftigen, dann werden wir sehen, dass dieses gesegnete Stückchen Erde noch in den Schriften von Julius Caesar erwähnt wird. Zu seiner Zeit waren die Römer sehr von den malerischen Plätzen, dem milden Klima und vom reichhaltigen Erdboden, auf dem man Obstbäume pflanzen kann, beeindruckt. Genau in dieser Zeit sind die ersten Plantagen entstanden, auf denen noch bis zum heutigen Tag Äpfel und Birnen wachsen. Und die Farbe der Blütenblätter von blühenden Kirschen brachte durch ihre Schönheit die Menschen fast um ihren Verstand. Deshalb hat man den Anbau der Kirschenbäume nicht wegen ihrer Früchte vorangetrieben, sondern wegen der blühenden Prächtigkeit, welche das Auge erfreut. „Wir würden uns auch gerne an dieser Schönheit erfreuen“, werdet ihr sagen. Na dann, was hindert euch daran, ihr müsst dafür nur einen schmalen Wasserstreifen überqueren... und schon steht ihr auf dem selben Boden, auf dem die Römer vor langer Zeit gestanden sind, sich dabei zum ersten Mal umgesehen und die Schönheit des Landes Britannien genossen hatten.

Natürlich wusste Sophie nichts über die Römer, die fast vierhundert Jahren über dieses Land herrschten. Für die Römer war es nur eine Provinz, ein Stück des Festlandes im See Raum. Sophie wusste auch nichts von den unendlichen Kriegen, die in ihrer Heimat geführt wurden. Sie wusste auch nichts davon, dass die zahlreichen Legionäre ihr wunderschönes „Britannien“ in ein Netz von römischen Bädern, prächtigen Villen und Amphitheater gehüllt hatten. Außerdem brachten sie der „schönen Fremden“ die lateinische Sprache und anständige Manieren bei. Dabei haben sie nicht vergessen den Einwohnern Angst vor der auf dem Thron sitzenden Gottheit zu vermitteln.

Aber, so ist nun mal der Lauf des Lebens: Alles hat irgendwann ein Ende. Die Armee der Eroberer von fremdem Hab und Gut ereilte das gleiche Schicksal. Sie gingen nach Hause und auf der Insel ist ein anders, - diesmal ein skandinavisches Imperium entstanden. Auf dem leeren Thron haben andere Götter Platz genommen: Wotan, Thor und Frey.

- Das werde ich nicht mehr länger dulden! – erzürnte sich einmal der römische Papst, als er vom Wohlstand in Britannien erfahren hatte. Sogleich sandte der Papst einen engen Vertrauten, den Mönch Augustinus mit einer wichtigen Mission, nämlich: Unverzüglich die Macht Roms auf dem englischen Thron wiederherzustellen. Entweder waren die skandinavischen Götter schwächer, oder Augustinus war schlauer, wie auch immer wird dieser im Jahre 601 n.Chr.

zum ersten Erzbischof von Canterbury gewählt. Nach diesem bedeutenden Ereignis, welches vom Papst in Rom mit viel Pomp gefeiert wurde, tauchten auf der Insel überall Klöster auf, welche die „wahre“ Religion in die wilden Menschenmassen brachte. Es war schwierig vorherzusagen, was daraus wird, aber es hatte den Anschein, als ob alle notwendigen Maßnahmen getroffen worden sind und dass die wunderschöne aber auch widerspenstige Sklavin endlich gezähmt werden könnte. In Wirklichkeit wird sie sich noch lange dem fremden Willen widersetzen und die Leidenschaften auf diesem Fleckchen Erde werden noch lange nicht nachlassen. Denn diese Insel wird noch lange von blutigen Wellen der menschlichen Wünsche umwogen werden.

601 n.Chr. – Augustinus wird zum Erzbischof von Canterbury gewählt.

897 n.Chr. – Alfred besiegt die Wikinger.

980 – 1016 n.Chr. – Rückkehr der Wikinger.

1066 – 1212 n.Chr. – Eroberung Englands durch Wilhelm, Herzog der Normandie.

1314 n.Chr. - Der schottische König Robert erkämpft die Unabhängigkeit Schottlands.

1337 – 1453 n.Chr. – Der Hundertjährige Krieg mit Frankreich.

1399 – 1485 n.Chr. – Das Haus Lancashire und das Haus York.

1455 – 1485 n. Chr. – Rosenkriege.

1485 – 1558 n.Chr. – Das Haus Tudor.

1588 n.Chr. – Sieg über Spanien. England manifestiert seine Weltherrschaft auf dem Meer.

1603 – 1714 n.Chr. – Das Haus Stuart.

1642 – 1649 n.Chr. – Der Bürgerkrieg.

1707 n.Chr. – Vereinigung Englands mit Schottland.

1714 – Das Haus Hannover.

Nach dem Tod der Königin Anna, ging die englische Krone an den Kurfürsten von Hannover. Die Herrscherzeit der vier Heinriche brach an. Diese herrschten auf dem englischen Thron zusammengezählt 120 Jahre lang, obwohl sie aus Deutschland stammen. Heinrich I. konnte während seiner gesamten Herrscherzeit kein Englisch und überhaupt hielt er sich nicht allzu lange in der Fremde auf. Erst Heinrich III. wurde in England geboren. Im Unterschied zu seinen Vorgängern sprach er natürlich hervorragend Englisch. Unser Interesse aber gilt eher Heinrich II. Denn während seiner Herrschaft (1727 – 1760 n.Chr.) erreichte England den Höhepunkt seiner Macht und unsere Protagonistin, Miss Sophie ereilte die Bettelarmut und eine vollkommene Enttäuschung über das gesamte schäbige Leben.

Kapitel 2

Reife Äpfel und Birnen. Es gibt nichts leckeres, nur für ein paar Groschen! – sie könnte so noch lange schreien, wenn da nicht ein Lord wäre, der gleich fünf Pfund diese Früchte kaufte.

- Komm irgendwann einmal wieder, - sagte er, und biss ein Stück von einer riesigen Birne ab.

Der durchsichtige Saft floss auf seinen Lippen, welche der alte Mann sogar nicht abputzte. Er wollte nur zu gerne auch vom Fleisch des jungen Mädchens eine Kostprobe erhalten und nicht nur von den Früchten, mit denen sie handelte. Natürlich wusste Sophie nichts von seinen heimtückischen Plänen. Sie bedankte sich herzlich beim großzügigen Käufer und verschwand mit ihrem halbleeren Korb.

Die Georgia Nische Epoche wurde zu einem Goldenen Zeitalter für Britannien. In dieser Zeit gab es keine Kriege, die Leute konnten sich endlich in Ruhe erholen, Wohlstand und Reichtum verbreitete sich überall. Sogar die Kinder wurden, wie von alleine geboren, dadurch wuchs die Bevölkerungsanzahl, die während der Bürgerkriege stark gesunken war.

Die neuen kleinen Engländer wurden aber nicht gebraucht.

Neunundfünfzig Prozent der Kinder starben, noch bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht hatten. Die übrigen konnten nur mit viel Mühe das Zehnte Lebensjahr erleben. Auf die Überlebenden wartete ein schweres Sklavenleben, denn sie wurden von ihren eigenen Eltern an zahlreiche Fabriken und Betriebe verkauft. Die industrielle Revolution stand kurz bevor. Dank ihr hatte England die Möglichkeit zu einem gewaltigen Imperium zu werden, welches mit Verstand und Kraft ihre Macht aufrechterhalten konnte. Die Händlerschicht im Land stieg sofort an, die buchstäblich vor den Augen der anderen sogleich reich wurden. Leider traf ihre Freude nicht auf alle Bewohner des großen Imperiums zu.

Die Bettler wanderten immer noch umher, auf der Suche nach Essen. Frauen und Kinder mussten nach wie vor ihren Lebensunterhalt mit sehr schwerer, kaum bezahlter körperlicher Arbeit verdienen. Es kümmerte sich keiner um sie, in dem Land, wo man nach großartigen Leistungen strebte.

- Reife Äpfel und Birnen. Es gibt nichts leckeres, nur für ein paar Groschen! – schrie die Händlerin zum wiederholten Mal.

- Äpfelchen!...

- Ja, Sir, aber sie hatten doch erst vor kurzem welche gekauft...

- Halt deinen Mund und steige in die Kutsche ein.

- Wie viel wollen Sie denn?

- Ich werde gleich für alles bezahlen... – gierige Hände zerrten an der weiblichen Kleidung, um das Objekt der Begierde zu befreien. Schon bald kam das zum Vorschein, was den männlichen Blick erfreute. Beim Betrachten der „Delikatesse“ und der „reifen Frucht“, suchte der alte Lüstling nach einer Stelle, wo er sich festbeißen könnte. Der Körper der Vergewaltigers machte dabei schamlose und obszöne Bewegungen, er versuchte so schnell wie möglich den diebischen Geschlechtsakt durchzuführen. Das Ende des Geschlechtsaktes zwang den Lord dazu die Zähne fester aneinander zupressen, um vor Lust nicht stöhnen zu müssen.

Nachdem er befriedigt war, schubste er das halbnackte Mädchen aus der Kutsche und zusammen mit ihr auch ihren Korb. Die Äpfel wurden auf der Erde verstreut...

Nachdem sie die Reste ihrer zerrissenen Kleidung aufgesammelt hatte, ging Sophie mit ihrem Korb im Schlepptau von dannen. Sie wollte so gerne sich von der Schwere und der ewigen Gegenwart des Korbes befreien.

Am allerliebsten würde sie gleich sterben. Die Tränen hinderten sie am Gehen. Sie liefen ihre Wangen herunter und kitzelten die Haut. Eine kleine Waldlichtung erregte aus irgendeinem Grund Sophies Aufmerksamkeit.

Sie fand dieses Fleckchen Erde sehr abgeschieden und schön, deshalb entschied sie: „Ich werde nicht weitergehen, werde mich hier hinsetzen“.

Ein schwebender Vogel im Himmel rief bei ihr ein großes Entzücken aus. Sie würde auch so gerne, viel höher und weit weg von der schrecklichen Gegenwart entfernt sein. Plötzlich erschallten ein Schuss und der Vogel viel, wie ein Stein auf die Erde.

- Und du bist auch unglücklich. Armer Vogel! – rief Sophie voller Verzweiflung. „Anscheinend ist es aussichtslos nach der Wahrheit in dieser Welt zu suchen, es gibt sie einfach nicht.“

Schneeweiße Wolken segelten durch den Himmel, sie füllten ihn immer mehr mit ihren üppigen Körpern. Allmählich flößen sie zu einer großen Wolke zusammen, dabei verdeckten sie die durchsichtige Bläue. Ihre Augenlieder wurden schwer... Außer dem Licht, welches man auch bei geschlossenen Augen sehen konnte, tauchten andere sehr grelle Farben auf, deren Vielfalt faszinierend war. Dabei handelte es sich bereits um irgendeine andere Welt. Eine Welt des alles durchdringenden Lichtes und Farben, in dieser Welt brauchte man nicht länger über seine eigene Schande weiter nachzudenken.

Kapitel 3

- Sophie, lass uns gehen! Der Fisch wird verrotten.

- Siehst du? Wenn man genauer hinschaut, kann man sehen, wie die Flügel schimmern. Diese Libelle ist einfach wunderschön...

- Ich weiß gar nicht, von wem du das hast? Warum musstest du auch, als ein so törichtes Mädchen geboren werden. Was gibt es denn an der Libelle besonderes? Ein gewöhnliches Insekt, mit gewöhnlichen Flügeln, - Maria versuchte die Libelle für ihre Freundin zu fangen.

Die Libelle flog von einem Birkenlaub in die Luft und stieg immer höher. Die Mädchen gingen langsam auf einer Allee, die im Zentrum der Stadt lag. Das frische Grün der Bäume erfreute das Auge. Die Farbe der Reife hat sie noch nicht erreicht. Der Glanz der Sonnenstrahlen, der dadurch auch grün wurde, fiel auf die Gesichter der Mädchen und gab ihnen dabei eine modische aristokratische Bleiche.

- Zwei Blaustrümpfe gehen entlang. Ha-ha!

- Wenn es nach mir geht, dann bevorzuge ich lieber eine gefallene, sündige Frau, als eine Gelehrte, - hörte Sophie irgendwo hinter ihren Rücken.

Sie wollte sich sogleich umdrehen, aber der schwere Korb schränkte ihre Beweglichkeit stark ein. Heute hatten Maria und sie kein Glück. Der Tag erwies sich, als verbraucht, die Ware blieb fast vollkommen unverkauft. Bei den Früchten hatten sie nichts zu befürchten, aber der Fisch und die Meeresfrüchte, mit denen Maria handelte, hatten eine besondere Prozedur nötig.

Für das Schicksal der Vertreterinnen des schwachen Geschlechts waren große Veränderungen vorprogrammiert, in einem sich rasant entwickelnden Land, welches immer stärker nach Vollendung strebt. Man könnte aus dem Sklavinnen- und Dienerin Zustand aufsteigen und zu einer Frau werden, die sich nicht nur für die Küche mit ihren zahlreichen Töpfen und dem Herd interessiert. Jetzt hatte eine Frau auch die Möglichkeit mit der Wortkunst in Verbindung zu kommen, oder mit der Spitze eines Pinsels eine Leinwand zu berühren, was sich später als ein großartiges Bild erweisen wird. Das alles war jetzt unter einer Bedingung möglich.

So eine Frau musste über einen starken Charakter verfügen und außerdem durfte sie sich nicht von verschiedenen Schicksalsschlägen vom ausgewählten Ziel abbringen zu lassen.

- Frische Äpfel und Birnen, - konnte Sophie noch herausschreien, im nächsten Augenblick wurde sie von einem Pferdepaar umgerannt, welches auf dem Weg galoppierte.

Alles ging so rasant und schnell, dass Maria, die bei Seite springen konnte, es nicht schaffte ihre Freundin vor der Gefahr rechtzeitig zu warnen. Die reifen Früchte wurden überall verstreut. Die Hälfte von ihnen wurde von den Pferdehufen sogleich zertrampelt. Der Rest könnte zum Glück wieder aufgesammelt werden. Es war ungefähr nur ein Drittel des Korbinhaltes erhalten geblieben.

Als die Stadtvögel das Früchtepüree auf dem Weg sahen, ließen sie natürlich nicht so ein leckeres Dessert außer Acht, welches ihnen quasi „vom Himmel runter fiel“. „Der Tisch war gedeckt“ und sie setzten sich, natürlich ohne jegliche Einladung umher und begannen von verschiedenen Lebensmitteln zu kosten. Allerdings wurde die raue Fruchtschale von gefiederten Gourmets nicht besonders begrüßt.

Sie steckte in ihren Kellen fest und letztendlich wurde sie nach langem Schütteln zurück auf den Weg geworfen. Das saftige Früchtefleisch wurde von ihnen aufgesammelt und wurde schon längst in ihren übervollen Mägen verdaut.

- Du bist mutig! – Sophie wurde von einer Lady geholfen, die sofort zur Hilfe eilte. Anscheinend wurde sie von Passanten als „Blaustrumpf“ gehänselt.

- Sie hatte Glück! – fügte Maria in die Unterhaltung hinzu. – Aber jetzt werden wir neue Früchte kaufen müssen. Der Korb ist fast leer.

- Uns bleibt nichts anderes übrig, - seufzte Sophie.

- Kannst du lesen? – fragte dieselbe Lady, irgendwie mit einer besonderen Anteilnahme, dabei umarmte sie das Mädchen.

- Ja, - antwortete sie.

Ihre Freundin wurde im selben Augenblick rot vor Scham und drehte ihren Kopf zur Seite, damit niemand ihre roten Wangen sehen konnte.

- Wenn du es ganz schwer haben wirst, darfst du kommen, sagte die Fremde und reichte ihr ein Papierfetzen, auf dem sie die Adresse geschrieben hatte, unter der sie im Notfall gefunden werden konnte.

Sophie sagte die Wahrheit. Sie konnte lesen und tat es auch sehr gerne. Die Eigentümerin der Wohnung, in der sie mit Maria lebte, brachte Sophie Lesen und Schreiben bei. Wenn man bedenkt, dass sie bereits sieben Jahre in dieser Wohnung lebten, wird es einem nicht schwer fallen, die „Lehrjahre“ zusammen zu zählen. Sophie las alles, was sie nur kriegen konnte: Alte Zeitungsfetzen; Zeitschriften, die extra für Frauen gedruckt wurden. Die Verfasser legten dabei ein besonderes Augenmerk auf das nicht allzu gut entwickelte weibliche Gehirn, deshalb wollten sie es mit ihrer Zeitschrift in einem bestimmten engen Focus entwickeln.

Kapitel 4

Adam hatte es endlich geschafft mit dem Löffel ein Stück Fisch aus der gemeinsamen Suppenschüssel zu ergattern. Er führte den Löffel zum Mund, hat es aber danach nicht geschafft das Stück runterzuschlucken, es flog unzerkaut aus seinem Mund und landete auf dem Boden. Adam schüttelte sich vor Lachen.

Die Mönche unterhielten sich auf verschiedene Art und Weise. So wie auch jetzt, als einer von ihnen sich einen Rock übergestülpt hatte und in ihm eine Schauspielerin darstellte. Bei dieser Situation blieb praktisch niemand von den Versammelten gleichgültig. Die anderen Mönche verwandelten sich sogleich aus einfachen Zuschauern in Schauspieler. Sie waren sozusagen sofort in ihrer Rolle drin und versuchten nun die weibliche Person zu verführen. Diese stellte sich als ziemlich offen für alles heraus. „Sie“ hob ihren Rock hoch und demonstrierte ihre „weiblichen Reize“...

Plötzlich sagte eine strenge Stimme:

„Du musst fasten, mein Sohn, dann wird sich deine Seele von sündigen Gedanken reinigen“.

Im Esszimmer wurde es sofort still, man begann lautes Kauen zu hören und zum neuen vergnüglichen Zeitvertreib wurde wieder die Jagd nach Fischstücken in der Suppe.

Übrigens war diese Tätigkeit nicht für Schwache geeignet.

Zu dem Zeitpunkt, als der ernsthafte Kampf den Höhepunkt an Intensität der Emotionen erreicht hatte, war Adam bereits satt. Er saß und schaute in Ruhe zu, wie die Löffel mit großer Geschwindigkeit an ihm vorbeihuschen. In den meisten Fällen flogen sie so schnell, dass sie den Mund nicht erreichen könnten. Völlig unerwartet war das erst noch vor kurzem mit Essen gefülltes Geschirr ganz leer. Die noch immer hungrigen Mönche waren gezwungen ihre „Waffen“ niederzulegen und den Kampf zu beenden. Sie schauten sich um, und betrachteten mit Bedauern die Essensreste, welche auf dem Schlachtfeld überall verstreut liegengeblieben sind.

Adams Nachbar versuchte zuerst ein Fischstückchen zu erreichen, das auf eine komische Art und Weise an einer Tischkante hängen geblieben war. Er hielt seine knochige Handfläche darunter und hatte es bereits fast berührt, aber er war nicht alleine. Der Nachbar von der linken Seite war schneller und geschickter. Er schaffte es sogar den Fisch bereits runterzuschlucken.

- Du sollst daran ersticken, - wünschte ihm der Nachbar von rechts in einem Wutanfall.

Adams Nachbar von links zückte zu seiner Rechtfertigung nur mir den Schultern. Er fühlte sich nicht als schuldig.

Das ist doch nur ein Spiel, - kicherte er und ging zum Ausgang.

Nach ein paar Minuten war der Raum ganz leer. Der Glockenschlag rief zur Arbeit.

Heute wurde es Adam aufgetragen, eine Gartenschere aufzutreiben, welche er bald für seine Arbeit nötig haben wird.

Der Mönch, der für die Verpflegung zuständig war, setzte sich gerade in eine Kutsche, in die ein alter Gaul eingespannt war. Der Name des Gauls war „Schilling“. Praktisch jeder, der hörte, wie der Kutscher sich an sein Pferd wendet, sagte voller Verwunderung:

- Welcher Depp hat denn dem Pferd so einen Namen gegeben?

Der Stallknecht, der dem Pferd einen so sonderbaren Namen gab, antwortete:

- Das Geld und weibliche Geschöpfe sind uns von Gott als Strafe gegeben worden. Sowohl die einen, als auch die anderen muss man mit Verstand behandeln. Weil sie leicht herkommen und genauso leicht und schnell gehen sie wieder weg.

Die nichts verstehenden Spießer gingen daraufhin in einer noch größeren Verwirrung weg. Was den Stallknecht angeht, so sagte er die pure Wahrheit. Seine Binkel liebte die Freiheit über alles. Auf eine rätselhafte Art und Weise gelang es dem Pferd immer wieder sich loszureisen und alleine auf Abenteuerjagd zu gehen. Man suchte oft praktisch mit dem ganzen Kloster nach ihm. Dabei geizte man nicht mit Versprechungen, es zu bestrafen. In den meisten Fällen erübrigte sich aber die Sache von alleine, weil der Gaul von alleine zur nötigen Zeit auftauchte, als über die Bestrafung bereits alle vergessen hatten.

Adam brauchte nicht lange, um sich eine gute Gartenschere kaufen zu können.

Es erwies sich, als ganz leicht an, ein Qualitätswerkzeug auszusuchen, dafür brauchte er ungefähr eine halbe Stunde.

Jetzt brauchte er nur noch auf die Wiederkehr des Mönches zu warten, der zur Mühle gefahren war, um Mehl zu kaufen.

Adam beschloss ein wenig in der Stadt spazieren zu gehen und nicht bewegungslos, wie eine Statue neben der Schmiede zu verharren. Er folgte einer Gruppe junger Männer, die ein wenig vor ihm gingen. Dadurch fühlte er sich sicherer, weil er sich im Großstadttrubel sehr unwohl fühlte. Plötzlich waren Getrampel und Schreie zu hören. Irgendein Landstreicher fegte vorbei. In seinen Händen hielt der Lausbube rote Äpfel.

„Er hat sie wahrscheinlich gestohlen“ – dachte Adam. Seine Vermutungen wurden bestätigt, weil sogleich ein schriller weiblicher Schrei ertönte: „Dieb!“ Adam musste noch etwas bei Seite treten. Eine wütende junge Frau lief mit einem riesigen Korb mitten auf ihn zu. Das Mädchen schubste mit den Ellenbogen die vor Adam gehenden Männer auseinander und machte sich auf die Verfolgung des Übeltäters. Dieser hatte sich hinter einem Baum versteckt, der am Straßenrand wuchs. Und als das Mädchen gerade daran vorbeilief, stellte er ihr geschickt ein Bein. Natürlich könnte die junge Frau ihr Gleichgewicht nicht halten, sie fiel sofort hin und ihr Korb flog etwa sechs Fuß nach vorne. Jetzt könnte man die Äpfel ohne Gefahr aufsammeln, was der berechnende Dieb auch sogleich tat.

Adam erwartete Tränen auf dem Gesicht des Mädchens zu sehen, aber da hatte er sich geirrt.

Sie erhob sich, entledigte sich demonstrativ eines trockenen Baumblattes, welches an ihrem Rock haftete und warf mit einem Apfel nach dem Jungen mit den Worten:

„Lass es dir schmecken! Wohl bekommt es!“

Den Herumstehenden, welche die Szene des Raubs beobachtet hatten, war vollkommen klar, dass in diesem Fall das Wohl des Jungen nur in der Schnelligkeit seiner Beine lag.

Nun ging die junge Person, welche die Passanten mit ihrer Unverfrorenheit beeindruckt hatte, praktisch in einer Entfernung von bloß zwei Yards von Adam und sie schwang ihren leeren Kopf im Takt mit ihren Schritten. Der Gärtner war vom Geschehen so fasziniert, dass er nicht merkte, wie die Männer, hinter denen er herging in eine Gasse eingebogen sind, und als das Mädchens sich im Grün der üppigen Bäume „auflöste“, folgte er ihr wie durch Trägheit.

Eine angenehme Kühle wehte in diesem grünen Pflanzenreich. Die Fremde blieb neben einem hohen Baum stehen und begann von ihm rote Beeren zu sammeln. Adam blieb zuerst voller Unentschlossenheit auf einem Fleck stehen, danach ging er zum Baum von der anderen Seite. Adam wusste selber nicht, warum er das tat. Der Gärtner ließ sich nun vom Impuls seines Herzens leiten. Danach wollte sich Adam vorstellen, aber dazu kam er nicht mehr, weil er sogleich einen schweren Stockschlag auf seinen Kopf bekam.

Ohne ein Begrüßungswort sagen zu können, sank der Gärtner zu Boden.

- Na, hast du diesen Schlag gespürt? In Zukunft werdet Ihr wissen, dass man mich nicht einfach so beleidigen kann! – schrie das Mädchen laut und fuchtelte dabei mit dem Stock vor dem Gesicht des Jungen. Adam wollte gerade ein paar Wörter zu seiner Rechtfertigung sagen, aber dazu kam er nicht mehr. Die wütende Person war bereits verschwunden.

Am Abend des gleichen Tages saß der Gärtner unter freiem Himmel im Klostergarten.

Sein Bauch war voll und verdaute die Nahrung, die er vorher beim Abendessen gegessen hatte. Was seinen Kopf anging, so tat er immer noch weh. Weniger wegen dem Schlag, aber viel mehr wegen den Gedanken, die ihn quälten. Leider könnte er seine Sorgen mit niemand teilen.

Adam hatte keine Freunde, das Schicksal hatte ihm keine geschenkt.

Eine ungewöhnliche gelbe Sonne war vom rosa Himmel plötzlich verschwunden, bald kam der Mond zum Vorschein, er hatte auch eine außergewöhnliche gelbe Färbung.

Der Mond schaute mit Neugierde auf die Erde herunter. Es schien, als würde er fragen: „Bin ich nicht wunderschön?“

Als er den entzückten Blick des einsam sitzenden Gärtners bemerkt hatte, entfachte der Mond eine tiefe Leidenschaft für ihn. Im gleichen Blick entfachte auch das Herz des Gärtners mit voller Liebe zum Mond. Von nun an und bis in alle Ewigkeit wird sein Herz im Einklang mit dem Himmelrhythmus schlagen.

Adam begegnete in dieser Nacht im Traum seinem Bruder, wie schon öfters.

Eine seltsame Begegnung, werdet ihr sagen, aber es war tatsächlich so. Ausgerechnet in der nächtlichen Traumwelt hatte er einen Bruder – eine genaue Kopie von ihm selber.

Adam wollte sehr diese verwandte Seele auch im wahren Leben neben sich haben, aber sobald er die Augen aufmachte, verschwand sein Zwillingsbruder sofort. Also im heutigen Traum sammelte Adam Beeren zusammen mit seinem Bruder, außerdem leistete ihnen das uns bereits bestens bekanntes Mädchen, Namens Sophie, Gesellschaft. Ja, ja, ihr solltet euch darüber nicht wundern, im Traum ist alles möglich.

Kapitel 5

Ein gewöhnlicher sorgenreicher Morgen fing an. Die Mönche tummelten sich auf dem Klosterterritorium, wie Ameisen umher: der ganze Müll wurde aus dem Hof rausgefegt; die Klosterzellen strahlten vor Sauberkeit, und das Küchengeschirr wurde bis zum Hochglanz poliert. Alle warteten voller Ungeduld auf das Mittagsessen, aber dieses fing erst dann an, nachdem die sündigen Seelen das Gebet beenden.

Jeder murmelte die auswendig gelernten Strophen vor sich hin, dabei dachte jeder an etwas anderes: einer dachte über das Seelenheil nach; der andere über ein großes Stück Fleisch; der dritte über einen süßen Kuss, und manch einer träumte sogar, so schnell wie möglich aus dem Kloster weglaufen zu können.

Nach dem Ende des Gebetes blieben einige noch Gedankenversunken sitzen. Es war nämlich gar nicht so leicht die Grenzen der Welten zu überqueren. Sogar das auf den Tischen stehende Essen könnte die Meditation nicht unterbrechen. Die weniger Rechtschaffenden stützten sich auf das Mittagsessen und versuchten dabei so schnell wie möglich die besten Stücke aus der allgemeinen Speisemasse für sich zu ergattern. Man könnte mit diesem elenden Einsiedler von sich selbst nur Mitleid haben. Ihr Leben endete genau zwischen diesen, von ihnen verhassten Mauern und ihre Körper wurden auf dem Klosterfriedhof beigesetzt.

Während sie ihren alten Weggefährten das letzte Geleit gewährleisteten, dachten sie mit Grauen an ihr eigenes Ende.

Die wahren Klosterbewohner riefen bei ihnen nur Verwunderung und Unverständnis beim schwierigen Weg des Menschen zum Gott heraus. Ein Leben, welches voller Charme für die Einsamkeit und der Vorherbestimmung in die Welt Liebe für den Gott hinein zu tragen, war ihnen verhasst. Um ehrlich zu sein, hielten sie ihre Kollegen für Dummköpfe, die ihr Leben unsinnig verschwenden. Nicht so, wie sie selber, die es geschafft hatten die Situation auszunützen. Denn jetzt hatten sie eine tägliche warme Mahlzeit und ein Dach über dem Kopf. Nun, was die anderen angeht, so trugen sie ihr Kreuz mit Würde und waren glücklich darüber, dass sie es geschafft hatten sich der Tierleidenschaft zu entsagen.

Jetzt beteten sie jeden Tag zum Herrgott und baten ihn in sein schillerndes Himmelreich Einlass zu bekommen. So saßen sie auch jetzt schweigend und führten gemächlich die Löffel zum Mund. Die Ewigkeit wartete auf sie und für Eile war kein Platz mehr in ihren gesegneten Seelen.

Das Tagesleben von Adam war erstaunlich einfach. Er war kein Mönch. Der Gärtner flehte nicht um „Ruhe“, aber er gehörte auch nicht zu der Gruppe, die von einem Stück Fleisch träumte. Der Junge liebte dafür seinen Garten sehr.

Adams Garten hatte eine große Ähnlichkeit mit einem Paradies auf Erden. Ein Fleckchen Schönheit und Stille, wo eine himmlische Musik ertönte. Er wusste nicht, wer seine Eltern waren. Im Kloster erzählte man, dass er irgendwann als ein neugeborenes Kind direkt hier – in einem Heuhaufen gefunden wurde. Das Kind wurde im Kloster gelassen, man erlaubte es ihm hier frei zu leben – aber nur nach Gottes Gesetzen.

Adam

Außerdem gab es im Kloster eine Legende. Vor langer Zeit lebte hier ein alter Mann, der Hl. Leon. Er wurde immer den Mönchen, die vom rechten Weg abgekommen waren, als Beispiel für die wahre Tugend genannt. Man sagte, er befand sich in einem ständigen Gebet und dass es ihm gelungen war, das Gesetz der Sterne zu durchbrechen. An einem Sonnentag war er gestorben und seine Gebeine blieben einfach wie ein Heiligtum in einer dafür extra erbauten Kapelle liegen. Die Mönche hielten sich gerne dort auf. Der Heilige wirkte auch nach seinem Tod viele Wunder.

Wenn man über die Entstehung des Klosters zu erzählen beginnt, so muss man zuerst festhalten, dass es eine unglaubliche Geschichte war. Sie kann als ein Musterbeispiel des Sieges des menschlichen Heroismus über die Furcht von der eigenen Überlebensexistenz erzählt werden. Das Kloster trug den Namen des römischen Legionärs Alban, der zum Tode verurteilt wurde, nachdem er einem Priester die Zuflucht gewährt hatte. Dieser Priester musste den regierenden Mächten ausgeliefert werden. Der tapfere Alban wurde in die Folge dessen später zum ersten Märtyrer auf englischem Boden propagiert und heilig gesprochen.

Bei dem Priester, den er gerettet hatte, handelte es sich um Leon, der später zum alten weisen Mann wurde.

Einmal wurde Adam Zeuge, als etwas sehr merkwürdiges und ungewöhnliches in der Kapelle passiert war. Einmal könnte der Gärtner nicht schlafen, er wurde von der Schlaflosigkeit gequält. Sogar die Tatsache, dass er am Morgen mit dem Sonnenaufgang aufstehen musste, könnte ihn nicht zum Einschlafen bringen. Der Junge beschloss im Klosterhof ein bisschen spazieren zu gehen. Anschließend warf er einen kurzen Blick in die Kapelle mit dem Grab des Heiligen. Obwohl es ihm ziemlich mulmig zu Mute war, betrat Adam dennoch die Kapelle. Er begrüßte den Leon laut und verbeugte sich vor ihm tief, um ihm die Ehre zu erweisen.

Danach stellte er sich im Türrahmen auf und stützte sich dabei auf die alte Tür. Der Himmel mit den schimmernden Sternen erregte, warum auch immer den aufmerksamen Blick unseres Betrachters der Schönheit. Auch damals schaute er, wie schon so oft zum Himmel, in diesem Augenblick waren aber die Sterne plötzlich verschwunden und das himmlische Blau wurde wie in ein schwarzes Tuch gehüllt.

Plötzlich kam ein starker Wind auf. Er begann die auf der Erde liegende Baumblätter zu umherwirbeln. Ein Spatz, der im Sturzflug angeflogen war, erschreckte Adam. Der zerzauste Vogel saß in verwelkten Blumen zusammengekauert auf der Erde. Der Wind wurde immer stärker, bald wurde er zu einem richtigen Sturm, der sehr leicht sogar die Bäume mit ihren Wurzeln aus der Erde reißen könnte. Er schüttelte die flexiblen Baumstämme und versuchte sie zu beugen.

Mächtige Wurzeln versuchten sich mit ihrer ganzen Kraft an einander festzuhalten und dadurch in der heimischen Erde zu bleiben. Adam bekam es mit der Angst zu tun, weil die riesigen Bäume, die in großer Anzahl neben dem Kloster wuchsen quietschendes Stöhnen produzierten und um Erbarmen flehten.

„Wenn es noch ein bisschen so weiter geht, wird ein großes Unglück geschehen“, - dachte der Gärtner. In diesem Augenblick begannen in der Kapelle die Kerzen nacheinander zu leuchten. Adam drehte sich zum Licht und sah einen Schatten, welches sich am Kopf des Grabsteins erhob. Der Schatten faltete seine Hände zum Gebet...