WARUM DIE FRAU SENATOR IHREN VERLOBUNGSTAG VERGESSEN HAT
Dieses ist die aufsehenerregende Geschichte von Dickie Dick Dickens, der weltweit für den raffiniertesten Betrüger ‚dieser unserer Welt’ seit Cagliostro und Dr. Faust gehalten wird, Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann in der gefährlichsten Stadt des gefährlichsten Landes des Erdballs, der USA. Schlank ist er, rank ist er, dunkle Haare nennt er sein eigen und blaue Augen, mit denen er furchtlos in die Ferne späht und Gefahren wahrnimmt, ehe sie noch auftauchen.
Er ist etwas reifer geworden, seit wir ihn das letzte Mal begleiteten, reifer und abgeklärter, doch nach wie vor der Heißsporn mit der quirligen Jungens-Seele, der Gentleman mit der schnellen Hand.
Heimgekehrt ist er aus dem fernen, unwirtlichen Canastericana, wo er nur mit Mühe dem (fast) sicheren Tode entronnen war, um nun im vertrauten Chicago ein geruhsames Leben durchzustehen, gemeinsam mit seinen treuen Weggefährten, seiner blondgeschopften Frau und Braut Effie Marconi, seinem väterlichen Freund Opa Crackle, dem rastlosen Draufgänger, sowie dem rosigen Schloh, dem dünnen, abergläubischen Bonco.
Wie wir wissen, flochten sich auch freundschaftliche Bande zu dem Chicagoer Juwelier und Hehlerfürst Josua Benedikt Streubenguß, der in Dickies Abwesenheit ab und zu in dessen Blockhaus am Rande der Stadt nach dem Rechten gesehen und die Katze gefüttert hatte.
Das Haus war zwar enorm verwahrlost und von Staubmassen bedeckt wie die Zugspitze vom Novemberschnee. Aber Effie und der wie stets hilfsbereite Bonco schufen in weniger als drei Tagen Ordnung. Ein Klavierstimmer war rasch bestellt, so dass Dickie seine Gefährten alsbald mit entzückenden Walzermelodien erfreuen konnte.
Nachdem nun das Haus bestellt war, betrachtete Dickens seine Freunde. Nun ja, an der bezaubernden, glutäugigen Effie war nichts auszusetzen. Dickie hatte ihr ein neues Kleidchen gekauft, ihr Make up und die Frisur waren perfekt, sie war, wie in alten Tagen, hinreißend. Auch mit Bonco konnte man zufrieden sein. Er sah zwar ein wenig mickrig aus, aber das gehörte gewissermaßen zu seiner Persönlichkeit. Aber Opa Crackle? Oh weia! An seinen zahnlosen Mund war man zwar gewöhnt, aber er bedurfte nach Dickies Meinung dringend der Abhilfe.
Bonco hatte schon einen Wahlspruch parat:
„Was immer mir am Herzen lag ist eine gute Tat am Tag.“
Also packten Dickens und Bonco den sich mäßig sträubenden Opa Crackle ins Auto und fuhren mit ihm zum besten Zahnarzt der Stadt. Der setzte den sich nun heftiger sträubenden Opa auf seinen Behandlungsstuhl, fuhrwerkte in dessen Mund herum und nahm Maß.
Schon eine Woche später war ein blendend weißes, hervorragend passendes Gebiss geschaffen, und Opa Crackle sah jetzt um Wochen jünger aus.
Dickie Dick Dickens war zufrieden, Bonco war zufrieden, Effie Marconi war zufrieden, und sogar Opa Crackle war zufrieden.
Das geregelte Leben in dem alten Blockhaus am Rande der Stadt konnte seinen Lauf nehmen.
Weit draußen, am Weichbild der Stadt, ereignete sich indessen ein Vorfall, der für Dickie Dick Dickens einige Bedeutung gewinnen sollte, ohne dass er zunächst davon etwas ahnen konnte.
Auf einer wenig befahrenen Landstraße, landesüblich auch Highway genannt, begegnen wir dem Senator Wilbor M. Hickombottom, welcher mit seinem 12-Zylinder-Cadillac voranzukommen sich bemühte. Doch nützten ihm die 12 Zylinder wenig, er hatte eine Panne. Das Fahrzeug stand und rührte sich weder durch verzweifeltes Drehen des Zündschlüssels noch durch gutes Zureden. Der Senator verfluchte sich selbst, dass er seinem Chauffeur für diesen Tag Ausgang gegeben hatte, weil der auf dem Hühnerhof seiner Kusine den Zaun reparieren wollte.
Da stand er nun, der Senator, und war ratlos. Weit und breit keine Telefonzelle, aus der er Hilfe hätte herbeiholen können.
Was sollte er tun?
Der klapprige Ford, der eine Weile hinter ihm hergefahren war, hatte ihn infam überholt, als er so hilflos am Straßenrand stand, ohne Anstalten zu machen, ihm zu helfen.
Doch siehe da, jetzt machte das Fahrzeug kehrt und kam zum Senator zurück. Ein kräftig gebauter Mann stieg aus, wischte sich die Hände am Hosenboden ab und grinste Hickombottom an.
„Irgendwas kaputt?“ fragte er.
Der Senator gab seiner Erleichterung durch einen Seufzer kund. „Oh ja, mein Herr, sehr liebenswürdig. Mein Wagen hat einen Motordefekt, scheint mir.“
„Ja, so was passiert schon mal“ erwiderte der Mann und wischte sich mit einer fahrigen Bewegung der rechten Hand über den Hosenboden.
„Aber ich kann mit diesen Dingen überhaupt nicht umgehen“, klagte der Senator. „Ich bin ein gänzlich untechnischer Mensch. Und mein Chauffeur hat heute Ausgang.“
„Machen Sie sich mal keine Sorgen, Herr Senator, ich helfe Ihnen.“
Senator Hickombottom zeigte sich gerührt. Das war wirklich Hilfe in höchster Not. Dennoch wunderte ihn etwas. Es machte ihn nicht stutzig – das war ein Fehler – aber es wunderte ihn. Woher kannte ihn dieser Mensch?
„Oh, Sie kennen mich?“ fragte er erstaunt.
Der Mann grinste schief. „Aber Herr Senator, wer kennt Sie nicht. Übrigens, mein Name ist Manza, Ambrosio Manza, sehr angenehm!“ Er streckte dem Senator eine klobige Rechte entgegen.
Der schlug zögernd ein. Wischte sich aber dann selbst die Hand am Hosenboden ab.
„Also Motordefekt?“
Der Senator nickte. „Der Wagen ist einfach stehen geblieben. Einfach so. Ich bin auf so etwas nicht vorbereitet. Mir fehlt der technische Verstand. Und das Fingerspitzengefühl, nicht wahr?“
„Macht doch nichts. Der Mensch kann nicht alles können, geht nicht.“
„Ich weiß nicht einmal, ob ich einen Werkzeugkasten dabei habe!“
Der Mann, der sich Ambrosio Manza nannte, grinste wiederum wie eine Kuh beim Melken. „Kein Problem, Herr Senator, überhaupt kein Problem, nicht das geringste! Ich habe Werkzeug.“
„Oh, das ist aber wirklich ein glücklicher Zufall, der Sie, mein Herr, des Weges geführt hat.“
Manza wiegte den Kopf und grinste weiter. „Na ja, ein Zufall war das gerade nicht“ sagte er, wischte sich die Hand, diesmal war es die linke, am Hosenboden ab, ging breitbeinig zu seinem Wagen. Doch was er herausholte, war, wie der Senator auf der Stelle feststellte, kein Werkzeugkasten sondern eine Maschinenpistole.
Er lud die Waffe einmal durch und richtete den Lauf auf die angstbebende Brust des Senators. Dann forderte er ihn unmissverständlich auf, in seinem alten Auto Platz zu nehmen, schlug die Wagentür hinter ihm ins Schloss, setzte sich ans Steuer und fuhr, die amerikanische Nationalhymne vor sich hinpfeifend, davon.
Dickie Dick Dickens und seine Getreuen hatten sich in der neuen und sogleich alten Umgebung eingelebt. Nach einem Dutzend ruhiger Tage, die er damit verbrachte, im stillen Heimstudium seine kriminellen Fähigkeiten zu höchster Meisterschaft fortzuentwickeln, drängte es ihn nach neuen Taten, ‚hinaus ins feindliche Leben’, wie der Dichter sagt, hinaus aus dem behaglichen Blockhaus am Rande der Stadt ins Zentrum der herrlichen Millionenmetropole.
Sein sonst so stahlhartes Herz wurde ein wenig weich, als er gemächlich durch die altvertrauten Straßen fuhr, mit nostalgischem Behagen das Bananenverkäuferviertel umrundete, in dem er so manch fröhlichen Fischzug gemacht hatte, und das ihn nun zu neuem biederen Tun anregte, und weiter durch die winkligen Straßen zum Juweliergeschäft seines alten Vertrauten Josua Benedikt Streubenguß.
Der begrüßte ihn mit geradezu emphatischer Freude, umarmte ihn sogar und gab ihm einen feuchten Kuss auf die Wange.
„Schön, dass Sie wieder da sind, Mr. Dickens!“ purzelte es aus seinen schmalen Lippen heraus. „Sie scheinen ja in blendender Verfassung zu sein, stattlich, drahtig, elastisch wie in der guten alten Zeit!“
„Na, na, na!“ wehrte Dickie ab. „Sie hingegen scheinen sich in ziemlicher Verlegenheit zu befinden, sonst würden Sie mir nicht derart plumpe Komplimente machen.“
Damit hatte er offenbar den Nagel auf den Kopf getroffen. Streubenguß wiegte den Kopf hin und her und lächelte verbindlich. „Nicht in Verlegenheit, mein Bester, das wäre schlimm. Ich glaube jedoch, dass mich eine Situation erwartet, in der nicht nur meine Geistesgaben sondern auch Ihre sprichwörtliche Geschicklichkeit dienlich sein könnte.“
Es verwunderte Dickens nicht übermäßig. Der gute alte Streubenguß hatte immer mal wieder mit verzwickten Situationen zu tun. Trotzdem fragte er: „Ach?“
„Hören Sie“, erklärte Streubenguß, „Mrs. Hickombottom hat mich angerufen – Theresa Hickombottom, die Ehefrau von Senator Hickombottom.“
„Dem Möbelfabrikanten?“
„Richtig. Er ist der größte Möbelfabrikant des Kontinents. Seine Frau möchte ein Geschäft mit mir machen.“
Dickens lachte. „Und das bringt Sie so in Wallung? Streubenguß, Sie werden alt. Die liebe Dame wird ein Schmuckstück kaufen wollen.“
„Eben nicht!“ wendete Streubenguß ein. „Eben nicht!!“ Er atmete tief. „Sie will v er kaufen! Und zwar ihren eigenen Schmuck!“ Seine sonst eher trüben Augen leuchteten verschmitzt. „Nun habe ich mir Folgendes gedacht: Mrs. Hickombottom wird mir den Schmuck vorlegen. Ich werde ihn begutachten und umständlich den Preis aushandeln. Sie kommen wie zufällig dazu, tauschen mit Ihrer phänomenalen Geschicklichkeit einige der Schmuckstücke gegen Kopien aus, die ich stets in reichhaltiger Auswahl auf Lager habe. Ich kann mich dann doch nicht zum Kauf entschließen. Sie nimmt ihren Schmuck, das heißt die Kopien, und geht nach Hause. Ich aber behalte die echten Steine. Na, ist das was?“ Er kicherte vergnügt.
Dickens konnte seine Fröhlichkeit nicht teilen. „Josua, Josua“, sagte er vorwurfsvoll, „Sie sind mir schon ein rechter Spitzbub!“
„Im Ernst, Mr. Dickens, das ist doch ein reeller Vorschlag.“
„Ihre sprichwörtlichen Geistesgaben lassen nach, Streubenguß! Sie wird den Handel doch sofort mit dem nächsten Juwelier abschließen wollen. Der merkt, dass der Schmuck gefälscht ist, und Sie sitzen in der Tinte.“
„Ich würde mich natürlich herausreden, ich würde...“
„Debattieren Sie nicht!“ unterbrach Dickie. „Denken Sie nach!“
„Was gäbe es da nachzudenken?“
„Da steckt doch was dahinter!“
Streubenguß versuchte zu begreifen. Es gelang ihm nicht. „Wohinter steckt, bitte, was?“
Dickie erklärte langsam, zum Mitdenken: „Die Hickombottoms gehören zu den reichsten Leuten der Stadt. Der Senator ist absolut liquide. Außer seinen Einnahmen aus der Fabrik hat er die höchste Bestechungsrate im Senat. Warum sollte seine Frau plötzlich genötigt sein, ihren Schmuck zu veräußern?“
„Das frage ich mich auch.“
Dickie schlug sich mit der Faust vor die Stirne. „Mein Gott, Streubenguß, fragen Sie nicht sich, fragen Sie Mrs. Hickombottom!“
„Wie meinen Sie?“
„Sie wird ja wohl bald kommen.“
Streubenguß nickte heftig. „Jeden Moment.“
„Na also!“
In Dickens’ Gehirn stand der Plan bereits fest. Es war ein Plan, der in den unabhängigen Amsterdamer Gerichtsannalen des Jahres 1958 als ‚schlichtweg genial’ bezeichnet wurde. Schnell weihte er Streubenguß in sein Vorhaben ein und gab ihm exakte Anweisungen, wie er sich zu verhalten habe. Josua Benedikt Streubenguß begriff mit Mühe und versprach, gewissenhaft nach Dickies Direktive zu handeln.
„Natürlich, wie Sie meinen, Verehrtester“, beteuerte er.
Dickie Dick Dickens ging in den Nebenraum, zündete sich eine Pfeife an und wartete.
Es dauerte nicht lange, bis Frau Theresa Hickombottom in dem Juweliergeschäft auftauchte. Eine schmale, grazile Dame, Mitte sechzig, geschmackvoll gekleidet und ihrer Wesensart nach gewohnt, nach eigenem Gutdünken zu handeln. Heute aber wirkte sie verschüchtert und sichtlich kleinmütig.
Wortlos legte sie dem Juwelier den Schmuck vor, den sie ihm verkaufen wollte.
Streubenguß verneigte sich mit mehreren Dienern und beteuerte: „Ich bin überwältigt, gnädige Frau, geblendet von so viel Schönheit!“
Sie missverstand. „Oh, Sie Schmeichler!“ hauchte sie.
„Ich meine doch – Sie verzeihen gütigst – den Schmuck. Als Juwelier bekomme ich gewiss manch schönes Stück zu sehen, aber Ihre Sammlung, verehrte gnädige Frau, ist von erhabener Exquisite!“
Sie nickte bekümmert. „Ich trenne mich auch sehr ungern.“
„Und weswegen, meine Verehrteste, wollen Sie sich von Ihren Kostbarkeiten trennen?“
Sie seufzte ein wenig vor sich hin, ehe sie antwortete: „Ich habe leider einen sehr triftigen Grund, Mr. Streubenguß. Könnte ich darüber sprechen, hätte ich mich bestimmt nicht an Sie gewandt. Sie wurden mir als verschwiegen und diskret empfohlen.“
„Ja, freilich, ja, das trifft zu. Von wem haben Sie diese Empfehlung?“
„Auch darüber kann ich nicht sprechen. Wie viel, denken Sie, können Sie für den Schmuck zahlen?“
Er zuckte die Achseln. „Wie viel wollen Sie denn anlegen...?“ Er verbesserte sich schnell: „An wie viel hatten Sie gedacht?“
„Ich brauche 100.000 Dollar. Und zwar noch heute Abend.“
Josua tat, als verschlage es ihm den Atem. „100.000“, stöhnte er.
„Ich hatte Ihnen schon am Telefon erläutert, dass ich Bargeld benötige.“
Streubenguß tat nun genau, was ihm Dickens aufgetragen hatte. Bei einer so hohen Summe müsse er sich erst mal mit seinem Kompagnon beraten, sagte er und verschwand mit dem Versprechen, alsbald zurück zu kehren, im Nebenzimmer, wo Dickie Dick Dickens wartete.
Er wieselte heran und sagte mit gedämpfter Stimme: „Sie will mir nicht verraten, wofür sie das Geld braucht.“
Das war für Dickens nichts Neues, denn er hatte alles mit angehört. „Eine seltsame Frau, he?“ meinte er.
Das war nun eine Bemerkung, die Streubenguß so nicht gelten lassen wollte. „Seltsam wäre, glaube ich, nicht der richtige Ausdruck. Sie wirkt eher deprimiert. Sie muss in arger Bedrängnis sein. Sie verlangt 100.000 Dollar, obwohl der Schmuck mindestens 150 Mille wert ist.“
„Ein gutes Geschäft, wie?“
Streubenguß rieb sich vor Vergnügen die Hände. „Es ist das Geschäft meines Lebens! Da muss man zugreifen! Ich gebe eine große Party! Sie und ihre Freunde sind herzlich eingeladen. Sie werden sich freuen!“
Dickens freute sich nicht. „Was für ein Jammer, dass daraus nichts wird.“
Streubenguß riss die Augen auf. „Bitte, wie?“
„Josua, Sie werden den Schmuck nicht kaufen.“
„Aber hören Sie mal...“
„Nein, jetzt hören Sie! “ unterbrach ihn Dickens. „Sie werden Mrs. Hickombottom eine Weile hinhalten. Eine halbe Stunde, denke ich, wird genügen. Sie wohnt im selben Stadtteil wie ich, da geht es schnell.“
„Was, um Himmels Willen, haben Sie vor?“
„Ich möchte gerne das Geld haben.“
Streubenguß schüttelte seinen graumelierten Kopf. „Aber das verstehe ich nicht!“
Dickie tätschelte ihm die Schulter. „Brauchen Sie auch nicht. Beschäftigen Sie Mrs. Hickombottom, feilschen Sie mit ihr um den Preis und nach dreißig Minuten schicken Sie die Dame unverrichteter Dinge nach Hause, verstanden?“
„Kein einziges Wort.“
Dickens erklärte es ihm noch ein paar Mal, dann setzte er sich in seinen Wagen und fuhr nach Hause. Er musste sich beeilen, denn es blieb ihm nicht viel Zeit. Aber Dickens war, wie wir wissen, kein ungestümer Mensch, er vollbrachte
seine bedeutenden Taten mit Vorbedacht, und so steuerte er seinen Wagen, sich strikt an die Verkehrsregeln haltend, behutsam durch die Straßen.
Zu Hause aber erwartete ihn nervliches Desaster. Bonco, Effie und Opa Crackle befanden sich in heftiger Aufgeregtheit.
„Gut, dass du da bist“, empfing ihn seine liebe Braut und Frau.
„Das ist immer gut“, erwiderte Dickie, ohne zu wissen, worum es ging.
Er sollte es sofort erfahren. „Der Kater hat wieder eine Maus ins Haus geschleppt“, erklärte Effie zapplig. „Er spielt jetzt mit ihr in der Speisekammer, und Bonco weigert sich, sie ihm fortzunehmen!“
Der rosige Bonco verdrehte die Augen und rief in seiner hellen Singsang-Stimme: „Ha, dumm wird’ ich sein“, um darauf einen seiner dümmlichen Wahlspr üche abzusondern:
„Hast du eine Maus im Haus,
weicht das Glück dir nicht hinaus.“
Effie wäre ihm fast an die Gurgel gesprungen. „Hör mit deinem abergläubischen Blödsinn auf! Die Katze wird die Maus sowieso fressen, und dann...“
„Nichts ‚und dann’!“ mischte sich Dickie energisch ein. „Lasst die beiden Tierchen machen, was sie wollen! Wir haben Wichtigeres zu tun!“
Effie wich verdattert zurück, Opa Crackle aber strahlte vor Erwartungsfreude. „Tatsächlich, Jungchen?“ schnaufte er. „Geht’s endlich wieder los?“
„Es geht los, Opa Crackle!“
Der alte Mann klatschte vor Freude in die Hände und rief: „Jaswes windes gores gares geiduleh!“
„Um Gottes Willen, was ist denn das?“
„Ein serbokroatischer Freudenschrei, mein Jungchen. Wart’ einen Moment, ich hole nur schnell meine Pistolen, dann kann’s los gehen.“
Dickens hielt ihn am Ärmel fest. „Lass die Waffen im Schrank, Alterchen! Setz dich!“
Auch den anderen beiden bedeutete er, sich hinzusetzen.
Dann zündete er sich eine Pfeife an, setzte sich neben Bonco und fragte ihn: „Du verstehst doch etwas von Elektrizität?“
„Das will ich meinen, Mr. Dickens!“
„Auch von Telefonleitungen?“
Bonco ließ seine Augen rollen. „Meine Spezialität. Ich habe doch mal in einer Fernmeldezentrale gearbeitet, als ich noch ehrlich war.“
„Gut.“ Dickie entfaltete einen Stadtplan und zeigte mit der Pfeifenspitze auf die Gegend am Rande der Stadt. „Siehst du, das ist unser Viertel. Hier ist unser Blockhaus, und hier steht die Villa von Senator Hickombottom. Ich möchte, dass du seine Telefonleitung anzapfst. Ich muss die Gespräche abhören. Wirst du das schaffen?“
„Wie viel Zeit habe ich?“
„Eine halbe Stunde.“
„Ei du Donnerdaus! Da muss ich mich aber sputen!“
Dickie klopfte ihm auf die Schulter. „Keiner hält dich zurück. Los, mein Junge, krieg Beine!“
Ein raffiniert ausgeklügelter Plan begann sich nun in dem verträumten Chicagoer Vorort abzuspulen. Wir wissen noch nicht, was Dickie Dick Dickens vorhatte, doch trösten wir uns mit Effie, Bonco und Opa Crackle. Auch sie wussten es nicht.