Die Abenteurer - Folge 38 - Marten Veit - E-Book

Die Abenteurer - Folge 38 E-Book

Marten Veit

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1,99 €

Beschreibung

FOLGE 38: DER RINDERBARON: Seit Tagen weilen Tom und Gudrun nun schon als Gäste auf Don Sebastians Hazienda. Zwar ahnen sie inzwischen, dass sie es mit einem rücksichtslosen und gefährlichen Mann zu tun haben, doch sie schätzen ihre eigene Lage falsch ein. Sie genießen weiterhin die Gastfreundschaft und Unterstützung des Rinderbarons, nicht ahnend, dass sie in Wirklichkeit Gefangene Don Sebastians sind, der nur eines will: dass die beiden Forscher den vermeintlichen Maya-Schatz für ihn finden. Riviere, sein "Mann fürs Grobe", lässt sie nicht aus den Augen. Noch folgt der undurchsichtige Ex-Söldner Don Sebastians Befehlen, doch er hat längst eigene Pläne. Pläne, in denen Gudrun eine wichtige, aber nicht sehr heitere Rolle spielt ... Die Abenteurer - Auf den Spuren der Vergangenheit: Ein rasanter Trip an atemberaubende Orte der Menschheitsgeschichte. Ein Wettlauf um nie endenden Ruhm, unermesslichen Reichtum und längst vergessene Geheimnisse. Spring auf und entdecke zusammen mit den Abenteurern die Rätsel der Vergangenheit! Ein Muss für Fans von Indiana Jones, Clive Cussler und Matthew Reilly! *** DIE ABENTEURER - AUF DEN SPUREN DER VERGANGENHEIT: Auch in unserer modernen Welt gibt es unzählige Rätsel. So ist bis heute das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks ungelöst. Auch wurde bisher noch kein Hinweis auf die Existenz von Atlantis gefunden. Und welche Vorgänge verbergen sich hinter der Entstehung von Kornkreisen? Können tatsächlich alle UFO-Sichtungen auf optische Täuschungen zurückgeführt werden? Und gibt es irgendwo nicht doch ein "El Dorado" zu entdecken? Diesen und vielen anderen Rätseln sind die Abenteurer Thomas Ericson und Gudrun Heber auf der Spur. Egal, ob als dynamisches Duo oder in Zusammenarbeit mit ihren Kollegen des A.I.M.-Teams, sie entschlüsseln antike Hinweise, erkunden atemberaubende Orte und bestehen tödliche Gefahren. Doch nicht nur sie haben es auf die vergessenen Geheimnisse abgesehen. Verfolgt vom mysteriösen Professor Karney hetzen die Forscher über den ganzen Globus. Und dabei entpuppt sich ihr größenwahnsinniger Verfolger schnell als intelligenter Gegner: berechnend, eiskalt und immer tödlich ...

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Über diese Serie

Über diese Folge

Über die Autoren

Impressum

Der Rinderbaron

In der nächsten Folge

Die Abenteurer – Auf den Spuren der Vergangenheit

Auch in unserer modernen Welt gibt es unzählige Rätsel. So ist bis heute das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks ungelöst. Auch wurde bisher noch kein Hinweis auf die Existenz von Atlantis gefunden. Und welche Vorgänge verbergen sich hinter der Entstehung von Kornkreisen? Können tatsächlich alle UFO-Sichtungen auf optische Täuschungen zurückgeführt werden? Und gibt es irgendwo nicht doch ein „El Dorado“ zu entdecken?

Diesen und vielen anderen Rätseln sind die Abenteurer Thomas Ericson und Gudrun Heber auf der Spur. Egal, ob als dynamisches Duo oder in Zusammenarbeit mit ihren Kollegen des A.I.M.-Teams, sie entschlüsseln antike Hinweise, erkunden atemberaubende Orte und bestehen tödliche Gefahren.

Doch nicht nur sie haben es auf die vergessenen Geheimnisse abgesehen. Verfolgt vom mysteriösen Professor Karney hetzen die Forscher über den ganzen Globus. Und dabei entpuppt sich ihr größenwahnsinniger Verfolger schnell als intelligenter Gegner: berechnend, eiskalt und immer tödlich …

Über diese Folge

Seit Tagen weilen Tom und Gudrun nun schon als Gäste auf Don Sebastians Hazienda. Zwar ahnen sie inzwischen, dass sie es mit einem rücksichtslosen und gefährlichen Mann zu tun haben, doch sie schätzen ihre eigene Lage falsch ein. Sie genießen weiterhin die Gastfreundschaft und Unterstützung des Rinderbarons, nicht ahnend, dass sie in Wirklichkeit Gefangene Don Sebastians sind, der nur eines will: dass die beiden Forscher den vermeintlichen Maya-Schatz für ihn finden. Riviere, sein »Mann fürs Grobe«, lässt sie nicht aus den Augen. Noch folgt der undurchsichtige Ex-Söldner Don Sebastians Befehlen, doch er hat längst eigene Pläne. Pläne, in denen Gudrun eine wichtige, aber nicht sehr heitere Rolle spielt …

Die Abenteurer - Auf den Spuren der Vergangenheit: Ein rasanter Trip an atemberaubende Orte der Menschheitsgeschichte. Ein Wettlauf um nie endenden Ruhm, unermesslichen Reichtum und längst vergessene Geheimnisse. Spring auf und entdecke zusammen mit den Abenteurern die Rätsel der Vergangenheit!

Über die Autoren

An der Romanserie Die Abenteurer haben die Autoren Robert deVries, Wolfgang Hohlbein, Karl-Heinz Prieß, Hubert H. Simon, Frank Thys und Marten Veit mitgewirkt. Sie alle haben jahrelange Erfahrung im Schreiben von Spannungs-, Fantasy- und Abenteuergeschichten. Durch ihre jeweils besonderen Interessen und Stärken entstand mit Die Abenteurer ein genresprengendes Epos um die größten und ältesten Mysterien der Menschheit.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Für die Originalausgabe: Copyright © 1992-1993 by Bastei Lübbe AG, Köln Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin Verantwortlich für den Inhalt

Für diese Ausgabe: Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Projektmanagement: Stefan Dagge

Covergestaltung: © Guter Punkt, München www.guter-punkt.de unter Verwendung von thinkstock: KovacsAlex djiledesign marcophotos; shutterstock: Javier Garcia

E-Book-Erstellung: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH,

Marten Veit

Der Rinderbaron

DER RINDERBARON

Es war dunkel, und das schwache Licht der Sterne und des Mondes reichte gerade aus, dass sie den gewundenen Weg zwischen Bäumen und Sträuchern als schwarzes Band erkennen konnten.

Den Pferden schien die Dunkelheit weniger auszumachen. Sie preschten dahin, als könnten sie im Infrarotbereich sehen. Die Reiter mussten sich blindlings auf ihre Tiere verlassen, und sie taten es mit der Selbstverständlichkeit von Männern, die von Kindesbeinen an mit Pferden aufgewachsen sind.

Auch Thomas Ericson war mit Pferden vertraut, aber es war das erste Mal, dass er mitten in der Nacht zusammen mit einer Gruppe ihm größtenteils unbekannter Männer durch die Wald- und Buschinseln auf den Weiden einer guatemaltekischen Hazienda galoppierte. Er hatte sich tief über den Hals seines Pferdes gebeugt, um herunterhängenden Zweigen auszuweichen, die ihm ein paarmal beinahe den Hut vom Kopf gepeitscht hatten.

Vor einer knappen Viertelstunde waren sie vom Haupthaus des Don Sebastian Cristobal de Gomorro y los Tordesillas-Avendaño aufgebrochen, acht Männer, angeführt von Jean-Claude Riviere. Er war ein undurchsichtiger hagerer Mann, der Tom und seiner Begleiterin, der deutschen Anthropologin Gudrun Heber, Rätsel aufgab. Irgendetwas ging auf der Hazienda vor sich, und Tom war fest entschlossen, es herauszufinden. Schließlich würden er und Gudrun die nächsten Tage hier verbringen müssen, um einem der geheimnisvollsten Artefakte der Menschheit auf die Spur zu kommen: der legendären Bundeslade der Israeliten, die allem Anschein nach von den Templern irgendwo in den Urwäldern von Nordguatemala versteckt worden war.

Nach einer Weile drosselten die Reiter ihr Tempo und ritten im Schritt weiter. Sie hielten Gewehre in den Händen und folgten wortlos ihrem Anführer. Es schien nicht mehr weit bis zu ihrem Ziel zu sein, der Farm von Campoña. Tom dirigierte sein Pferd näher an seinen Nebenmann heran, einen etwa vierzig Jahre alten Amerikaner namens Phil Biehl, der nicht gerade einen vertrauenerweckenden Eindruck machte.

»Was wissen Sie über diesen Campoña?«, erkundigte er sich leise.

Bisher hatte er nur erfahren, dass Campoña ein Bauer war, den der Großgrundbesitzer Don Sebastian als seinen Freund bezeichnet hatte. Anscheinend war er – wie so viele andere Bauern auch, die allerdings alles andere als Freunde des Hazienderos waren – von Banditen überfallen worden, und Don Sebastian hatte ihm unverzüglich seine Männer zu Hilfe geschickt. Tom hatte darauf bestanden, sie zu begleiten.

In der Dunkelheit konnte er undeutlich erkennen, wie Biehl die Achseln zuckte. »Ich kenne ihn nur flüchtig«, erwiderte der Amerikaner ebenso leise. »Ein Bauer, dessen Familie seit Generationen hier lebt. Don Sebastian hat ihm den größten Teil seines Landes, das ohnehin noch nicht gerodet war, abgekauft. Campoña baut hauptsächlich Mais an. Bisher musste er ihn über größere Entfernungen zu seinen Absatzmärkten transportieren. Jetzt verkauft er ihn direkt an Don Sebastian und spart sich so die Transportkosten. Kein Wunder, dass der Boss sauer ist, wenn sein Hauptlieferant für Mais ausfällt.«

»Und Don Sebastian ist mit diesem Campoña befreundet?«, hakte Tom nach.

Ein verächtliches Zischen von Biehl. »Don Sebastian würde sich nie dazu herablassen, freundschaftliche Beziehungen zu den campesinos hier aufzubauen. Er lebt in einer ganz anderen Welt …« Er verstummte und sah sich schnell um, als hätte er schon zuviel gesagt. »Campoña arbeitet für ihn«, fuhr er schließlich fort. »Dafür genießt er gewisse Privilegien. Sonst würden wir nicht mitten in der Nacht losreiten, um seinen Arsch aus dem Feuer zu holen. Oder das, was noch davon übrig ist.«

Obwohl sich Tom Ericson noch keinen halben Tag auf Don Sebastians Besitz aufhielt, hatte er schon einiges von den Spannungen mitbekommen, die zwischen dem Haziendero und den einfachen Bauern an den Grenzen der Rinderfarm herrschten. Anscheinend betrieb der Rinderbaron eine rücksichtslose Expansion und setzte die Bauern unter Druck, um an ihr Land zu kommen. Über die Methoden, die er dabei anwandte, konnte Tom nur spekulieren, aber es gehörte nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, dass mehr als sanfter Druck auf die Menschen ausgeübt wurde.

Am späten Nachmittag dieses Tages waren Tom und Gudrun Zeugen geworden, wie Don Sebastian mit den einfachen campesinos umsprang. Die Bauern waren zu seinem Herrenhaus marschiert, um ihm ein Angebot zu unterbreiten und ihn um Schutz gegen die sich häufenden Überfälle von umherziehenden Banditen zu bitten. Der Großgrundbesitzer hatte ihre Bitte und ihr Angebot abgelehnt und sie nicht nur mit selbstherrlicher Arroganz, sondern auch mit erschreckender Gewalttätigkeit von seinem Grund und Boden vertrieben. Daraufhin hatten die beiden Wissenschaftler beschlossen, Don Sebastians fragwürdige Gastfreundschaft nicht länger als unbedingt nötig in Anspruch zu nehmen und die Hazienda so schnell wie möglich zu verlassen. Aber noch standen sie ganz am Anfang ihrer Nachforschungen.

Als sie einen weiteren Streifen Grasland überquert hatten und sich einer Waldzunge näherten, brachte Jean-Claude Riviere, der an der Spitze des kleinen Trupps ritt, sein Pferd zum Stehen und glitt aus dem Sattel. Die anderen folgten seinem Beispiel und führten ihre Tiere am Zügel bis zu den ersten Bäumen.

»Suarez, du bleibst bei den Pferden«, befahl Riviere halblaut auf Spanisch. »Ihr anderen kommt mit mir. Verhaltet euch ruhig.«

Toms Spanischkenntnisse waren seit seiner Studienzeit etwas eingerostet, aber es gehörte nicht viel dazu, die Worte von Don Sebastians Sicherheitschef zu verstehen.

»Sie bleiben bei mir«, wandte sich Riviere auf Englisch an den Archäologen. »Ich bin für Ihre Sicherheit verantwortlich. Also befolgen Sie meine Anweisungen. Sollte es zum Kampf kommen, bleiben Sie in Deckung.«

Du kannst mich mal, dachte Tom, nickte aber stumm. Er war nicht mitgekommen, um sich bei der erstbesten Gefahr zu verkriechen, sondern um mit eigenen Augen zu sehen, was hier gespielt wurde.

Von Riviere abgesehen, der nur seine Beretta in der Pistolentasche und ein großes Messer in einer Lederscheide am Gürtel trug, hielten die Männer Gewehre in den Händen. Tom hatte seinen alten .45er Single Action gezogen und folgte Riviere.

Sie durchquerten das Wäldchen im Laufschritt. Mit widerwilliger Bewunderung registrierte Ericson die geschmeidige Lautlosigkeit, mit der sich Riviere bewegte. Er konnte ihn in der Finsternis nur als undeutlichen Schemen erkennen, und wenn er überhaupt irgendwelche Geräusche verursachte, wurden sie von den Fußtritten der anderen Männer und der Hintergrundkulisse der Nachtinsekten übertönt.

Nach einigen Minuten wichen die Bäume vor ihnen zurück und machten einem lang gezogenen Maisfeld Platz. Das Mondlicht schimmerte auf den in einer schwachen Brise leise raschelnden Blättern der Maisstauden. Riviere ging kurz vor der Grenze der diffusen Helligkeit in die Hocke, winkte seine Leute mit einer knappen Handbewegung zu sich heran und erteilte flüsternd Anweisungen. Phil Biehl schlich sich mit drei Männern im Schutz der Bäume nach links, Riviere zusammen mit Tom und einem weiteren Mann nach rechts.

Als sie rund dreihundert Meter zurückgelegt hatten, öffnete sich eine Schneise im Maisfeld, und an ihrem Ende konnte Tom ein Haus erkennen. Riviere kauerte hinter einem Busch und beobachtete das Haus eine endlos erscheinende Zeit lang reglos. Tom hatte Mühe, sich ebenso unauffällig zu verhalten. Das schrille Sirren zahlloser Moskitos dröhnte unnatürlich laut in seinen Ohren, und immer wieder spürte er ein schwaches Kitzeln in seinem Gesicht und auf seinem Hals, wo sich die blutrünstigen Insekten niedergelassen hatten, um ihre spitzen Saugrüssel in seine Haut zu bohren. Obwohl er sich mit den Händen unablässig über die ungeschützten Körperpartien fuhr, begannen mehrere Stellen an seinem Hals und in seinem Gesicht zu jucken. Er war erleichtert, als Riviere sich endlich wieder regte.

»Anscheinend sind die Angreifer nicht mehr da«, flüsterte der hagere Mann. »Wir werden trotzdem vorsichtig bleiben und uns anschleichen. Sie, Ericson, bilden die Nachhut. Und auch, wenn Sie irgendwo irgendetwas hören, Sie schießen erst, wenn ich es sage. Ich möchte nicht, dass Sie versehentlich einen unser eigenen Leute umlegen.«

Tom knirschte mit den Zähnen, verzichtete aber auf eine Antwort. Im Grunde wusste er, dass Riviere mit seiner Anordnung recht hatte; es war nur die Art des anderen, die ihm zu schaffen machte. Riviere gab ihm unmissverständlich zu verstehen, dass Tom für ihn eher ein Hindernis als eine Hilfe darstellte.

Sie huschten geduckt die Schneise in dem Maisfeld entlang und verharrten immer wieder für ein paar Sekunden im Schatten einiger überhängender Stauden. Das Haus vor ihnen lag still und verlassen da, kein Lichtschimmer drang aus den Fenstern oder der Tür, die, wie Tom jetzt bemerkte, schief in ihren Angeln hing. Die mit Fliegendraht bespannten Fensterläden standen offen, die Scheiben dahinter, die sich nach innen öffneten, waren teilweise zersplittert. Von einer Ecke des Hauses stieg ein dünner Rauchfaden auf. Trotz des Zwielichtes konnte Tom erkennen, dass das Holz dort noch dunkler als der Rest der Außenfassade wirkte. Entweder hatten die Banditen versucht, das Haus abzubrennen, oder im Laufe des Kampfes hatte sich versehentlich ein Feuer entzündet, das zum Glück wieder erloschen war. Tom tippte auf die zweite Möglichkeit. Aus welchem Grund sollten die Banditen das Haus abfackeln wollen? Es musste im Gegenteil in ihrem Interesse liegen, dass das Haus wieder von anderen Bauern bewohnt wurde, damit sie dort erneut auf Beutezug gehen konnten.

Nur einen Steinwurf von der Veranda entfernt, direkt am Rande des Maisfeldes, hielten sie zum letzten Mal an. Tom spannte sich unwillkürlich an und hob automatisch den rechten Arm mit dem Revolver, als er eine Bewegung an der linken Seite des Hauses erkannte. Im gleichen Augenblick legte Riviere ihm die Hand auf den Unterarm und drückte ihn nach unten, ohne sich auch nur umzusehen. Er sagte kein Wort, aber Tom spürte seine Missbilligung auch so deutlich, und wieder wuchs seine Abneigung. Mit Riviere zusammen zu sein, bedeutete, ständig auf seine Unzulässigkeiten hingewiesen zu werden, und die Beiläufigkeit, mit er das geschah, war demütigend. Das erstreckte sich selbst auf Nebensächlichkeiten wie die Tatsache, dass Riviere die Moskitoschwärme nicht das geringste auszumachen schienen, oder dass sich seine Handfläche trotz der schwülen Hitze knochentrocken anfühlte, während sich auf Toms gesamtem Körper ein dünner schmieriger Schweißfilm gebildet hatte.

Der Archäologe unterdrückte seinen Ärger, ließ den Arm sinken und konzentrierte sich auf die Bewegung an der linken Ecke des Hauses. Eine dunkle Gestalt schob sich an der Holzfront entlang über die Veranda und verharrte auf halbem Weg kurz vor der offenstehenden Tür. Er hielt ein kurzläufiges Gewehr in den Händen und machte damit eine knappe winkende Geste in Richtung der Schneise durch das Maisfeld. Tom tippte auf Biehl, und er fragte sich, wie der Amerikaner sie in der Dunkelheit unter den Maisstauden sehen konnte. Sein Respekt und der Eindruck, es hier mit Vollprofis im Dschungelkampf zu tun zu haben, zumindest was Riviere und Biehl betraf, wuchs.

Riviere erwiderte die Geste ebenso knapp, öffnete die Pistolentasche, zog die Beretta hervor und wandte sich zu seinen Begleitern um. »Ich untersuche das Haus«, wisperte er, ohne einen der beiden direkt anzusprechen. »Ihr gebt mir gegebenenfalls Feuerschutz.« Er wartete keine Erwiderung ab und lief los.

Tom zögerte nur eine Sekunde, dann huschte ein Grinsen über sein Gesicht, und er folgte Riviere. Ihm war klar, dass das ganz und gar nicht im Sinne des anderen war, aber Riviere würde nichts dagegen unternehmen können, ohne sich selbst oder Tom in Gefahr zu bringen. Der Franzose erreichte die Veranda, eilte die drei Stufen hinauf und drückte sich mit dem Rücken rechts neben die Tür. Die Holzbohlen quietschten und knarrten leise. Zwei Sekunden später war Tom hinter ihm. Es erstaunte ihn kein bisschen, dass die Dielen unter seinen Schritten mindestens doppelt so laut geknarrt hatten.

Riviere drehte sich zu ihm um und starrte ihn ausdruckslos an. Tom starrte herausfordernd zurück und deutete mit dem Kopf auf die offene Tür. Biehl stand gebückt auf der anderen Seite und zielte mit dem Gewehr auf die dunkle Öffnung.

Hinterher war Tom nicht mehr sicher, ob er sich vielleicht getäuscht hatte, aber in diesem Augenblick glaubte er, ein flüchtiges Lächeln auf Rivieres Gesicht zu entdecken, das gleich darauf wieder verschwunden war. Der Franzose nickte kurz, gab Biehl ein Zeichen, sah Tom an, deutete mit dem Daumen erst auf sich, dann nach rechts, und warf sich gleich darauf durch die offene Tür. Tom folgte ihm eine Sekunde später, betete, dass er Rivieres Geste richtig interpretiert hatte, und wandte sich nach links.

Im Haus war es stockfinster. Trotzdem ließ er den Revolver hin und her wandern und tastete sich langsam vorwärts. Seine Füße berührten unsichtbare Gegenstände auf dem Boden. Ein unangenehmer, süßlicher Geruch stieg in seine Nase. Hinter ihm war Riviere kaum zu hören. Tom war sich bewusst, dass er im Gegensatz zu ihm einen Höllenlärm veranstaltete. Sollten sich tatsächlich noch Banditen im Haus aufhalten, würde es ihn mit Garantie zuerst erwischen.

Vorsichtig arbeitete er sich weiter, alle Nerven bis zum Zerreißen angespannt. Jetzt entdeckte er vor sich einen Lichtschimmer, in dem sich ein Türrahmen abzeichnete. Der Raum dahinter wurde vom Mondlicht, das durch zwei Fenster sickerte, spärlich erleuchtet. Tom ließ sich auf die Knie nieder, bevor er sich hineinschob.

Dem Geruch nach schien es sich um eine Küche zu handeln. Aber neben den würzigen Düften nach einer erst kürzlich zubereiteten pikanten Mahlzeit lag noch ein anderer Geruch schwer in der Luft, den Tom kannte: Blut. Gleich darauf ertasteten die Finger seiner linken Hand etwas Klebriges, Schmieriges, und ruckartig zog er die Hand zurück und wischte sie an seiner Hose ab.

Er zuckte ein zweites Mal zusammen, als er Riviere mit lauter Stimme gelassen rufen hörte: »Okay, Biehl! Du kannst reinkommen. Alles sauber.«

Er hat sich nicht einmal erkundigt, ob auch bei mir alles klar ist, dachte Tom wie betäubt. Soll ich das als Beleidigung oder als Kompliment auffassen? Er schüttelte den Gedanken unwillig ab, zog sein Zippo-Feuerzeug hervor und rieb es an. In der bläulich flackernden Flamme erkannte er eine Frauenleiche auf dem Boden, der mit Scherben und allerlei Haushaltsgegenständen übersät war. Die Frau wies einen Einschuss in der linken Schläfe auf. Sie lag mit dem Kopf direkt an der Wand, sodass er den Ausschuss auf der anderen Seite nicht sehen konnte, und er war froh darüber.

Sie fanden eine intakte Petroleumlampe und mehrere Kerzen, mit denen sie das Haus ausreichend ausleuchten konnten, um den Schauplatz des Verbrechens zu untersuchen.

Das Haus war durchwühlt und verwüstet worden. Geld oder Wertgegenstände fehlten. Die Zerstörungen erweckten den Eindruck von übermäßigem und sinnlosem Vandalismus. Wer immer hier gewütet hatte, schien Spaß an der Sache gehabt zu haben.

Es gab drei Tote, zwei Männer und eine Frau. Tom überließ die Untersuchung weitestgehend Riviere und Biehl und beschränkte sich auf die Rolle des Beobachters. Die beiden Männer gingen mit der Kompetenz von kriminalistischen Sachverständigen vor, und da sie sich laut unterhielten, erfuhr er alles, was auch sie wussten.

Demnach war die Frau gleich zu Beginn des Überfalls getötet worden, denn sie wäre kaum während einer Schießerei in der Küche geblieben. Außerdem verrieten der Schusskanal in ihrem Kopf und die Höhe der Einschussstelle in der Wand, dass sie im Stehen getroffen worden war.

Die beiden Männer hatten Zeit gehabt, auf den Überfall zu reagieren. Sie lagen an strategisch günstigen Verteidigungspositionen. Das Fensterglas war größtenteils nach außen gefallen, also hatten sie die Scheiben entweder zerschlagen oder von innen zerschossen. Die Anzahl der Patronenhülsen, die um sie herum lagen, zeigte, dass sie nicht nur kurzfristig das Feuer erwidert, sondern lange genug durchgehalten hatten, um nachzuladen. Aber in ihrer Nähe standen weder Gläser oder Flaschen noch lagen Aschenbecher oder Zigarettenkippen auf dem Boden herum. Dagegen war im Hintergrund des Raumes ein Tisch umgekippt und hatte Bierflaschen, einen vollen Aschenbecher und Spielkarten in der Gegend verstreut. Also schienen die Männer zwar auf einen Überfall vorbereitet gewesen zu sein, waren letztendlich aber doch beim Kartenspielen davon überrascht worden. Bei dem einem handelte es sich um Campoña, bei dem anderen um José Costa, einen Angestellten von Don Sebastian, den er erst an diesem Tag zu Campoñas Schutz abgestellt hatte.