3,99 €
Das kleine Städtchen Phygläa könnte in Frieden leben, wäre nicht in der Nähe das Lager der Amazonen. Das kriegerische Volk ist eine ständige Gefahr! Doch nachdem sich eine Räuberbande in einer alten Burg in Stadtnähe eingenistet hat, scheint die Rettung zu kommen. Die Fremden bieten Phygläa ihre Hilfe gegen die Feinde an. Aber sind sie vertrauenswürdig? Oder jagen sie in Wahrheit auch nur hinter den Schätzen der Kaufleute her?
Es kommt zur Schlacht und zu einem schrecklichen Gemetzel, aber dann wirkt Artemis ein Wunder und es stellt sich erneut die Frage: Wer ist Freund, wer Feind …
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2023
Stefan Lochner
Die Amazonen der Artemis
Fantasy-Roman
Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv
Cover: © by Steve Meyer nach Motiven, 2023
Korrektorat: Antje Ippensen
Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang
Alle Rechte vorbehalten
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Das Buch
Die Amazonen der Artemis
Eins
Zwei
Drei
Vier
Fünf
Sechs
Sieben
Acht
Neun
Zehn
Elf
Zwölf
Dreizehn
Vierzehn
Fünfzehn
Sechzehn
Siebzehn
Achtzehn
Von Stefan Lochner sind folgende Titel bereits erhältlich oder befinden sich in Vorbereitung:
Das kleine Städtchen Phygläa könnte in Frieden leben, wäre nicht in der Nähe das Lager der Amazonen. Das kriegerische Volk ist eine ständige Gefahr! Doch nachdem sich eine Räuberbande in einer alten Burg in Stadtnähe eingenistet hat, scheint die Rettung zu kommen. Die Fremden bieten Phygläa ihre Hilfe gegen die Feinde an. Aber sind sie vertrauenswürdig? Oder jagen sie in Wahrheit auch nur hinter den Schätzen der Kaufleute her?
Es kommt zur Schlacht und zu einem schrecklichen Gemetzel, aber dann wirkt Artemis ein Wunder und es stellt sich erneut die Frage: Wer ist Freund, wer Feind …
***
John, der Unbeugsame, nickte den Männern zu, die ihn auf dem Burghof bedrängten. »Ja, wie versprochen, werde ich mit Artus II sprechen. Glaubt ihr, ich habe Lust immer nur die Drecksarbeit zu machen? Wir sind eher zum Kämpfen geboren, denn als jämmerliche Bauern unser Dasein zu fristen!«
»Warum sind wir von der Insel hierhergekommen? Ihr habt uns ein Leben in Saus und Braus versprochen!« Aelfred strich sich durch den struppigen roten Bart, seine Augen verhehlten den Ärger nicht.
Wie so oft knurrte John in gleichem Tonfall zurück. »Hättet ihr Trottel das letzte Scharmützel nicht schmachvoll verloren, gehörten uns schon mehr Schätze und wir bräuchten nicht im Schweiße unseres Angesichts zu schuften. Vergiss das niemals!«
Der Rothaarige wandte sich ab. »Das Dorf ist ja hoffentlich nicht die einzige Schatzkammer in der Gegend!«
In John stieg die Wut auf, weil der Kerl einfach nicht lockerließ. »Natürlich nicht, aber wir müssen aufpassen, dass wir dem Fürsten nicht unangenehm auffallen, gegen dessen Heer sind wir ohne Chancen, aber Artus II hat sicherlich schon einen Plan, um uns reich zu machen.«
»Dann soll er sich gefälligst beeilen, John! Sag ihm das.« Sein Knurren zeigte, dass Aelfred sich nicht mehr lange würde beherrschen können. Solche Gestalten ließen ihre Wut eben an den nächsten aus. Und das waren John und Artus II. Jedoch, auch vor den anderen Gestalten konnte man sich fürchten. Nur nicht John, der beinahe so breit war wie zwei normale Kerle.
Bevor er die schwere Eichentür aufzog, drehte er sich noch einmal um. Die Mannschaft bestand aus ungeschlachten Kriegern, die so manchen Strauß erfolgreich bestanden hatten. Artus II konnte wahrlich stolz auf sie sein. Mut wurde einem jeden mit der Muttermilch eingeflößt. Aber, weder er selbst noch Artus II durfte es sich mit ihnen verscherzen. Jede Form von Gnade war ihnen unbekannt. Sie gehorchten nur, wenn es sich für sie lohnte.
Bedächtig stieg John die grob behauenen Stufen in den Turm hinauf. Ganz oben hielt sich für gewöhnlich Artus II auf. Ob der Anführer tatsächlich mit dem sagenhaften König verwandt war, vermochte niemand zu sagen, der letzte, der ihn gefragt hatten, überlebte die Antwort nicht. Die mit Eisen beschlagene Tür stand offen, Artus II hatte auf seinem breiten Stuhl Platz genommen, der ihm als Thron diente. Der Anführer hob den Kopf, als John hereintrat. »John. Ach du bist es.«
»Wen hast du denn erwartet? Artemis oder gar Aphrodite? Damit kann ich leider nicht dienen.«
John liebte es, den Herrscher mit seinen angeblichen Verbindungen zu den Olympiern aufzuziehen, auch wenn diesem das nicht gefiel.
»Quatsch keinen Müll. Ich hatte eigentlich eine der gefangenen Amazonen geordert, aber die machen sich auch immer rarer.«
Nach einem Rülpser starrte Artus II geradeaus. »Ich habe nicht viel Zeit, was gibt es denn jetzt schon wieder? Ist uns das Met ausgegangen?«
»Das auch. Nein, viel schlimmer, Artus. die Mannschaft wird immer unzufriedener. Die wollen kämpfen, erobern, dazwischen die eine oder andere Frau schänden. Aber nur nicht hier in der Burg solch niederem Gewerbe wie Handwerk nachgehen, oder draußen auf dem Feld stehen, wie dumme Bauern.«
Wie zu erwarten verdrehte Artus II die Augen. »Meinst du, mir macht das Spaß, hier oben zu sitzen und mir die Zeit zu vertreiben?«
John grinste in sich hinein. So schlecht ging es ihm doch nicht. Regelmäßig fressen, saufen und zum Nachtisch eine der Gefangenen vernaschen. Was wollte man denn mehr? Nur ein wahrer Trottel sehnte sich nach einem ausgewachsenen Krieg, bei dem man vielleicht sogar verwundet werden konnte.
»Wollten wir nicht schon längst die Stadt Phygläa überfallen, deren Frauen verschleppen und ihnen die Reichtümer rauben? Es sollen sich ja enorme Mengen an Silber in geheimen Gewölben befinden«, brummte John vor sich hin, dem schon bei diesen Gedanken der Speichel im Mund zusammenlief.
»Das würde ich heute lieber als morgen machen. Aber du weißt, dass uns gerade ein wenig die Hände gebunden sind. Der allerwerteste …«, er machte eine kurze Pause, »König hat leider gerade ein Auge auf uns geworfen. Schon wenn wir vor den Stadtmauern auftauchten, würde man ihn benachrichtigen. Das Heer, das er uns nach einem Überfall auf den Hals hetzen würde, könnte die ganze Ebene füllen. Nicht einmal die starken Mauern unserer Burg würden einer Belagerung standhalten.«
Hm, daran hatten weder John noch die Männer gedacht. »Der Alte ist ein echtes Problem. Der ist so weich, dass er nicht zum König taugt. Er glaubt an den ewigen Frieden und solchen Schwachsinn.«
Die beiden Männer starrten einander an, wussten, dass Raubzüge gerade nicht angebracht waren, wollte es man mit dem Alten nicht verscherzen.
»Wie wäre es denn zur Abwechslung mit den Amazonen? Die sind zwar nicht reich, aber immer für ein Gemetzel und ein paar nette Gefangene bekannt. Die unsrigen werden langweilig. Sie wehren sich nicht einmal mehr, sondern sind nur noch apathisch. Trotz ihres unbändigen Hasses auf uns.«
Der Herrscher winkte ab. »Das bringt uns doch nichts. Wir müssen uns etwas Besseres einfallen lassen. Komm zu mir an den Tisch.«
Die Männer nahmen an der roh geschlagenen Eichenplatte Platz, die John persönlich aus einem Schloss erbeutet hatte.
»Ánthi!«, brüllte Artus II, dass John die Ohren dröhnten. Die kleine Tür im Hintergrund schwang auf und eine hochgewachsene Amazone trat herein. Ihre Kleidung war sehr knapp gehalten und John wunderte sich nicht, dass der Herrscher sie vor den anderen Männern versteckt hielt. »Hübsches Ding. Das muss ich schon sagen. Die habe ich noch nie hier gesehen.«
»Finger weg«, knurrte Artus II. »Das ist mein persönliches Eigentum. Eure liegen im Kerker.«
Das würde man ja sehen, dachte John. Bald wurde er sicherlich der Maid überdrüssig und er würde sie seinen Männern schenken. Oder den Wölfen in den Wäldern. Bei Artus II wusste man nie, was er tun würde.
»Glotz die nicht so an. Deswegen solltest du dich nicht hierher setzen.« Er wandte sich an die Frau mit den langen pechschwarzen Haaren. »Zwei ordentliche Becher Met. Gleich darauf verschwindest du wieder, bis ich dich rufe. Sonst fällt der Kerl noch über dich her. Darauf habe ich keine Lust. Du gehörst ausschließlich mir.«
Den Blick der Amazone vermochte John nicht zu deuten, es war sicher Hass dabei, doch auf ihm ruhten die Blicke gefälliger. Trotzdem wandte er sich dem Herrscher zu.
»Jetzt fang endlich an, dir etwas auszudenken. Die Männer sind kaum zu bändigen.«
Artus II schüttelte das Haupt, seine Augenklappe schien aufzuleuchten. »Einen Moment. So schnell schießen die Griechen nicht, messt ihre Bögen.«
Die Amazone knallte die Becher auf den Tisch, fuhr mit der Hand dem Herrscher über die Schultern und zwinkerte John zu. Der starrte stattdessen ins Bier, wartete, bis die hübsche Frau den Raum verlassen hatte, um ja nicht den Zorn seines Anführers zu erregen.
»Skol!«, brüllte Artus II, die Männer stießen mit den Bechern an und tranken sie mit einem Zug aus. Der Herrscher erhob sich, schritt mit ungewohnt leisen Schritten zu der kleinen Tür und riss sie auf. Die Amazone erstarrte und zuckte zusammen.
»Ich habe dich gewarnt«, brüllte Artus II, schlug Ánthi mehrmals ins Gesicht und trat nach ihr. Mit einem Knall schlug er die Tür zu. »Sie weiß, dass sie nicht lauschen darf! Trotzdem macht sie das regelmäßig.«
»Was wirst du mit ihr machen?« John ließ es betont gleichgültig wirken, nicht dass Artus II sein Interesse an diesem Weib entdeckte.
»Ich werde mir etwas überlegen.« Der Herrscher setzte sich wieder hin. »Also, lass uns mal schauen, was uns dazu einfällt. Ich möchte die Schätze des Dorfes erbeuten und die Amazonen vertreiben, die mir doch mit der Zeit gehörig auf den Geist gehen. Erst kürzlich haben sie einen von uns überfallen und umgebracht. Am liebsten natürlich beides auf einmal. Was meinst du denn?«
John, dem normalerweise das Denken schwerfiel, stützte den Kopf auf seine Fäuste. »Also, abgesehen davon, dass der König sein böses Auge auf uns geworfen hat, sind wir so wenige, dass wir die Burg schwächten, sobald wir das verdammte Dorf angreifen.«
»Genau!«, stimmte Artus II zu. »Die Amazonen bekämen das mit und würden sofort, nach ihren peinlichen Tänzen, unser Quartier überfallen. Sie sind leider so zahlreich, dass sie uns gefährlich werden konnten.«
Das stimmte, zwei Gegner gleichzeitig, das war sehr kritisch. Nun wurde John noch nachdenklicher. »Wir brauchen eine Idee. Mit dem Silber könnten wir uns ein paar Söldner leisten, die für uns die Raubzüge erledigen. Wir könnten uns später den angenehmen Seiten des Lebens hingeben.« Das wäre zu schön, um wahr zu sein.
»Ja, ja. Aber träume nicht so einen Schwachsinn, bevor wir gewonnen haben. Noch einen fatalen Feldzug dürfen wir uns nicht erlauben.« Artus II schlug mit der Faust auf den Tisch.
Von unten klirrten Waffen zu ihnen in den Turm herauf. Artus II und John blicken durch das Fenster von oben dem Training der Männer zu. Stolz sah John, wie hart sie trainierten.
Die beiden setzten sich wieder an den Tisch. Kurz darauf hörten sie Keuchen und weibliches Fluchen. Es rumpelte an der Tür, John sprang auf und öffnete sie. Zwei kräftige Männer, Aldwyn und Ceadda zerrten ein Weib herein, das sich nach Kräften wehrte. Das zerrissene Lederkleid zeigte eine gut durchtrainierte Kämpferin. Als sie versuchte, sich von Ceadda loszureißen, schleuderte dieser sie auf den Boden.
»Eine Amazone. Das ist aber sehr nett. Komm zu mir, Kleine.« Das Weib stand auf, richtete sich die Lederkleidung, maß Artus II mit ihren Blicken. Ihre langen, sehr glatten schwarzen Haare hingen beinahe bis zum Boden. John musterte ihre Augen. Sie kamen weit aus dem Osten, dazu passten auch die hohen Wangenknochen. Aber bei den Amazonen konnte so etwas vorkommen, sie raubten kleine Mädchen aus aller Welt und erzogen sie in ihrem Sinne.
»Wo habt ihr das da denn gefangen?« Artus II griff ihr an das spitze Kinn.
Ceadda grinste. »Sie hatte sich an unsere Burg angeschlichen. Aber wir haben sie erwartet. Das Mädel hatte keine Chance. Eben ein harmloses Weib.«
»Warst du allein?«, erkundigte sich John. »Ihr Feiglinge kommt doch immer in Gruppen. Einem Kampf Mann gegen Frau geht ihr doch aus dem Weg.«
Die Frau zischte trotz ihrer aussichtslosen Lage wütend: »Ich bin immer allein. Ist das klar?«
Ceadda lachte, dass seine blonden Haare flogen. »Du gehörst doch nicht etwa zu den Amazonen, die uns ständig auf die Eier gehen?«
Die Fremde senkte ihren Blick. »Nein. Euch wollte ich besuchen. Aber da haben mich diese beiden Kerle aufgehalten!«
John unterdrückte ein Lachen, auch Artus II hielt sich die Hand vors Gesicht. »Wie dem auch sei. Du bist in unseren Herrschaftsbereich eingedrungen. Das ist ein schweres Verbrechen, das wir normalerweise mit dem Tod bestrafen.«
Die mandeläugige Frau starrte ihn trotzig an, sicherlich hatte sie noch nicht aufgegeben.
»Aber wir sind gerade in guter Stimmung und so werde ich mich einmal mit dir unterhalten. Aber nicht jetzt sofort, ich habe noch etwas anderes zu tun. Die Götter gehen zuerst einmal vor.«
Seine Stimme wurde barsch. »John, bring dieses Weib persönlich in das Verlies. Aber bitte heil. Und keine unnötige Gewalt. Dort wird sie auf mich warten.«
»Ich werde mich zu wehren wissen!«, zischte die Mandeläugige, doch Artus II lächelte milde. »Keine Sorge, es gibt nichts, weswegen du kämpfen musst. Sei unbesorgt. Ich kann auch sehr nett sein.«
Seine Männer lachten laut, aber er winkte sie fort. Murrend ließ John ihr wieder die Fesseln anlegen, gleich darauf stapfte er mit ihr die Treppe hinunter. Artus II brüllte hinterher: »Aber nicht, dass mir Klagen kommen. Sie ist ein Gast, keine Gefangene.«
Wahrscheinlich wollte er dieses sehnige Ding zu seiner Geliebten machen, dachte John. Vielleicht fiel ja diese Ánthi für ihn ab. Das hatte er sich doch redlich verdient.
Die beiden Krieger gingen voran, sodass John den eleganten Gang der Amazone bewundern konnte. Sie war gefährlich, das war ihm in diesem Moment klar. Die durfte man keinen Wimpernschlag ohne Aufsicht lassen, auch wenn Artus II einen Narren an ihr gefressen hatte. Es konnte aber auch sein, dass er etwas mit ihr vorhatte.
Artus II wartete, bis die Männer mit der Gefangenen verschwunden waren, daraufhin betrat er das Zimmerchen, in dem die Amazone ruhte und sofort auffuhr und ihn erschrocken anstarrte. »Mein Herrscher.«
Er griff ihre Hand mit der Linken, schlug mit der Rechten auf sie ein. Die Amazone versuchte ihr Gesicht zu schützen, brutal drehte er ihr den Arm auf den Rücken. Rasch zog er ein paar Lederriemen hervor und fesselte sie damit. Stöhnend fragte die Gefangene: »Was hast du mit mir vor, Artus?«
Doch zu ihrem Leidwesen antwortete er nicht, schubste die Gefangene die Treppe hinunter, dass sie gegen die Steine knallte. Ohne Erbarmen riss er sie hoch. Vor einer schäbigen Tür blieb er stehen, nahm einen riesigen Schlüssel aus dem Hosensack und schloss auf. Muffige Luft schlug ihnen entgegen, als er die Amazone hineinschob. Als er die Tür hinter sich verriegelte, stellte Ánthi mit Erschauern fest, dass sie sich in einem kleinen Tempel befanden. Eine fahle Götterfigur stand auf einem Altar, aber noch mehr erschrak sie über ein Becken aus Marmor, der schon leicht rötlich gefärbt war.
»Du willst mich doch nicht etwa opfern?«
»Schlaues Mädchen. Wir brauchen Schlachtenglück. Und dazu dienst du uns vorzüglich.«
»Doch nicht etwa im Kampf gegen mein Volk!« Dumm war sie nicht, es bereitete Artus II ein diebisches Vergnügen, ihr zu bedeuten, dass sie ausgerechnet deswegen sterben musste, damit er ihr Volk verderben konnte.
»Du bist ein Schwein. Du hast mich gebraucht wie ein Stück Vieh und jetzt schneidest du mir auch noch die Kehle durch.«
Sein Lachen dröhnte durch den kleinen Raum, die Amazone blickte immer noch trotzig. »Komm schon, Süße, du musst verstehen, dass ich nicht anders kann. Ich habe dich gern.«
»Aber warum opferst du mich?« Ánthi versuchte, sich von ihren Fesseln zu befreien, aber die saßen zu fest. Seine Hände fuhren über ihr Gesicht und versanken in ihrem Kleid.
»Schau mal Kleines, ein Opfer muss einen selbst schmerzen, sonst wirkt es doch gar nicht. Wenn ich zum Beispiel eine Amazone einem Gott darbiete, die mir nicht gefällt, wie dieses blonde Teil, das immer so keift, fragt mich der Gott doch zu Recht, ob das nicht einfach eine Entsorgung ist.«
Die Frau verstummte, was hätte sie denn auch sagen sollen? Artus II stieß sie brutal in die Ecke, trat zu der Götterfigur.
»Ehrwürdiger Amtreus.«
Die Statue schien zu glänzen, der Herrscher sprach rasch weiter. »Ich opfere dir mein liebstes Weib. Eine Amazone, die ich mit eigenen Händen gefangengenommen habe.«
»He, das stimmt gar nicht«, brüllte es aus der Ecke, wo sich die Frau mühsam aufrappelte. »Das waren deine Männer!«
»Schnauze. Ich hatte immer viel Spaß mit ihr. Ich hoffe, dass du dieses Opfer annimmst und dich meinen Männern und mir erkenntlich zeigst.«
*
Ein Knall, ein kleiner Lichtblitz und schon stand eine männliche Gestalt, nur mit dem Chiton bekleidet, in dem Tempel. Artus II fiel auf die Knie, der Halbgott grinste, trat zu der verängstigten Amazone und zog sie hoch.
»Tatsächlich, ein schnuckeliges Weib. Deinem Geschmack kann ich zumindest zustimmen«, lachte Amtreus. Der Herrscher schielte zu ihm hoch.
»Steh bitte auf, lass uns normal von Gott zu Mensch sprechen. Diese Förmlichkeiten mag ich gar nicht.«
Artus II nickte und erhob sich. Der Halbgott blickte von Ánthi zu ihm und wieder zurück.
»Warum soll ich die ausnehmend hübsche Kriegerin zum Opfer annehmen und nicht etwa dich?«
Kurz nur musste Artus II schlucken, bis ihm die Antwort einfiel. »Weil ich wohl der Einzige bin, der dir, einem Halbgott, opfert. Und, wenn ich das richtig erfahren habe, steigt die Bedeutung eines Gottes mit der Anzahl der Opfer. Oder irre ich mich da?«
Amtreus lachte schallend. »Da hast du leider nicht ganz Unrecht, du elender Schleimer.«
Nun setzte der Herrscher noch einen drauf. »Ich stelle mir vor, dass dein Ansehen bei den Götterkumpels steigt, wenn wir dir regelmäßig Opfer darbringen.«
»Das mag sein.« Der Halbgott nahm die Amazone in den Arm. Sie wehrte sich nicht. »Wie dem auch sei, Sterblicher. Wenn du mir schon so ein nettes Opfer darbringst, was soll ich denn für dich tun? Eine Hand beschmutzt die andere.«
»Ich weiß, warum ich mich ausgerechnet an dich gewandt habe«, lachte Artus II, dem dieses Gespräch Spaß machte. »Wir sind uns ziemlich ähnlich. Eine Hand wäscht die andere.«
Kurze Pause. Nachdem Amtreus immer noch ruhig blieb, fuhr Artus II fort. »Also. Wir stecken in einem Dilemma. Einerseits wollen wir das Silber der Dorfbewohner und andererseits stören uns die Amazonen gewaltig.«
»Aha. Ich soll also für euch die Kastanien aus dem Feuer holen.« Der Halbgott nickte.
»Zu deinem Glück habe ich gewisse Verbindungen zu den Amazonen. Ihre Königin und ich, wir verstehen uns eigentlich ganz gut. Auch wenn die Weiber ziemlich eigensinnig sind.«
Oh je, das hörte sich nicht gut an. Amtreus schien zu grübeln.
»Ich schaue, was ich machen kann. Falls die Amazonen nun aber das Dorf überfallen, wärt ihr die lachenden Dritten.«
»Eine geniale Idee. Du bist ein echter Gott.« Dem Herrscher stand der Mund offen.
»Danke für die Blumen. Und das Opfer. Ich werde es natürlich gerne annehmen. Ánthi scheint mir wirklich angemessen zu sein, verglichen mit den anderen Weibern, die in deinen Verliesen schmoren.«
Artus II fragte eifrig: »Soll ich ihr die Kehle durchschneiden wie einem Schaf?«
Die Kriegerin schrie auf, drückte sich an den Halbgott.
»Nein, nein. Ich hasse solche Sauereien. Außerdem ist die mir so am Stück viel lieber. Wenn du nichts dagegen hast, entführe ich sie. Keine Sorge, Mädel, dir wird nicht viel geschehen.«
Ein lauter Knall, nur etwas Rauch blieb zurück. Artus II erwachte wie aus einem Traum. »Gut. So ist es das Beste.«
Er öffnete die Tür und brüllte nach John. Als der zu ihm heraufgestiegen war, blickte er sich um. »Wo ist denn die Amazone?«
»Nun, manchmal muss man Opfer bringen.«
John blieb der Mund offen stehen. »Du hast sie doch nicht etwa …«
»Wenn du dich beruhigt hast«, grinste Artus II, »mache dich bereit, wir werden zu der kleinen Stadt reiten.«
»Also doch ein Angriff? Ich werde den Männern Bescheid geben.«
»Halt!« Der Herrscher grinste. »Wir werden den Damen und Herren unsere Hilfe anbieten.«
»Bist du wahnsinnig geworden?« John schnupperte in dem kleinen Tempel und sah auf die Figur. »Dieser Gott war gerade hier, oder?«
Krachend schlug ihm Artus II auf die Schulter. »Pst.«
John lachte laut los. »Alles klar. Wir werden uns ganz verständig zeigen.«
»Herr Bürgermeister!« Ein riesiger Mann der Wache stürmte in das winzige Rathaus, ignorierte das Meckern der Empfangsdame und stand kurz danach vor der massigen Gestalt des Ortsvorstehers, der von seinem einfachen Stuhl auffuhr.
»Was gibt es denn so Schlimmes, das keinerlei Aufschub duldet. Greifen etwa die Amazonen an?«
Der Wächter schüttelte den Kopf, senkte die Hellebarde.
»Nein, hoher Herr. Es warten zwei Mitglieder der Räuberbande vor dem Tor.«
»Nur zwei? Was wollen die denn von uns?« Sofort war der Bürgermeister misstrauisch. Vielleicht war das nur eine Vorhut, hinter der der Rest der Verbrecher hinterher kam, um sie alle zu vernichten.
»Irgendetwas mit den Amazonen, sagten sie. Sie wollten aber nur mit Ihnen sprechen, Herr Bürgermeister.«
Der Ortsvorsteher überlegte, was dies zu bedeuten hatte, beschloss aber, die Männer des Rats zu befragen. Solch eine Entscheidung durfte er keinesfalls über ihre Köpfe hinweg treffen.
»Bringe die beiden Gäste zu mir ins Rathaus. Aber langsam. Ich muss dazu erst den großen Rat zusammenrufen. Wegen einer Kleinigkeit werden sie schließlich nicht vorbeikommen. Sie dürfen sich aber keinesfalls in der Stadt umschauen. Es könnten auch Spione sein.«
Der Mann salutierte. »Zu Befehl!«
»Lass die Wachen verstärken. Es ist etwas im Busch, das spüre ich. Wir müssen doppelt wachsam sein. Zudem sind unsere Soldaten ab sofort in Alarmbereitschaft.«
Der Wächter nickte. »Sollen wir auch die anderen Männer zu den Waffen rufen?«
»Noch nicht. Sie sollen sich bereit machen. Es kann jederzeit zu einem Scharmützel kommen.«
Als der Soldat schon halb aus dem Zimmer war, rief der Bürgermeister ihm nach: »Du kontrollierst persönlich den Zustand der Verteidigungsanlagen. Notwendige Ausbesserungen müssen sofort getätigt werden. Diese Arbeit haben absoluten Vorrang.«
Holger trat zu seiner Empfangsdame. »Lydia. Bitte trommele den großen Rat zusammen. Es eilt sehr! Ich lasse keine Ausnahme gelten. Nicht wie beim letzten Mal, als nicht einmal die Hälfte der Männer aufgetaucht ist.«
»Ja, Herr Bürgermeister.«
Dieser drehte sich um, verschwand in einer kleinen Kammer und warf sich in den Ornat, der leicht muffelte. Wann hatte er das letzte Mal offiziellen Besuch empfangen müssen? Das war schon viele Monde her und bald schon wäre seine Amtsperiode abgelaufen. Ausgerechnet jetzt musste er so etwas erleben.
Kurz darauf nahm er im großen Saal an der Stirnseite des Tisches Platz, die einzelnen Ratsherren erschienen ebenfalls. Doch noch bevor die Runde vollzählig war, trampelten zwei grobschlächtige Männer herein. Einer, das war sicher der Anführer, trug eine Augenklappe. Alle Anwesenden zuckten zusammen, als die Gäste sich umblickten. Eine wilde Kraft ging von den beiden aus. Sie setzten sich lautstark und klopften mit den Fäusten auf den Tisch. Der Bürgermeister erhob sich. »Ich begrüße unsere Gäste recht herzlich.«
Die beiden nickten grinsend, sie spürten, wie die Städter sich fürchteten.
»Was, meine hohen Herren, führt euch denn in unsere beschauliche kleine Stadt?«
Die Ratsherren blickten voller Misstrauen auf die Gäste, die sich ihrer Wirkung bewusst waren und von denen nichts Gutes ausgehen konnte.
»Keine Sorge. Wir werden weder eure Frauen oder Töchter rauben, noch eure Reichtümer«, brummte Artus II, der im ganzen Land als Raufbold bekannt war und dem sicherlich keiner der Bürger über den Weg traute. »Wir haben zufällig die gleichen Feinde wie ihr in Phygläa, das grausame Volk der Amazonen.«
Beifälliges Nicken einiger der Ratsmitglieder. Den Kriegerinnen trauten sie genauso wenig wie diesen Räubern, zu schlecht waren die Erfahrungen im Laufe der Zeit gewesen.
»Wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, befinden sich die Damen mal wieder auf dem Kriegspfad. Diesmal nicht gegen uns, sondern gegen eure kleine Stadt.«
»Woher wisst ihr das so genau?«, wandte sich Jürgen, der Schmächtige, ein älterer Bürger und der Stellvertreter des Bürgermeisters, an die Fremden. Die grinsten weiter. »Wir konnten glücklicherweise eine Kundschafterin überwältigen und die gestand, dass sie auch eure Stadt ausspionierte. Wir gehen davon aus, dass es nicht mehr lange dauert, bis die Weiber wieder auf dem Kriegszug sind.«
Doch Jürgen ließ nicht locker, er wusste sicherlich um die Hinterlist der Raubritter. »Und warum warnt ihr uns überhaupt? Bisher waren wir ja keine Verbündeten.«
Der zweite Besucher, den keiner kannte, räusperte sich, er stand auf, erhob seine mächtige Stimme. »Wir wurden schon mehrmals Ziel der Angriffe der Amazonen und können uns seitdem nicht mehr sicher fühlen. Ganz ehrlich, sind wir ja nur eine kleine Bastion gegen diese Weiber, die ja schließlich das ganze Land unter ihren Einfluss bringen wollen.«
Die Ratsherren starrten die beiden Männer an, der Bürgermeister musste ihnen beipflichten. Diese ausgewanderten Insulaner waren zwar harte brutale Kämpfer, aber zahlreich sicherlich nicht. »Das stimmt wohl. Das heißt, ihr wollt uns sicherlich nicht nur warnen, wenn ich mich nicht irre.«
Der Schwarzhaarige strich sich durch den wilden Bart. »Erraten. Wir würden euch unsere Hilfe anbieten. Dabei könnten wir uns vorstellen, ein paar unserer Kämpfer dazu abzustellen.«
»Warum das denn?«, schrie Jürgen. »Damit ihr uns in den Rücken fallt und die Stadt ausradiert?«
Der Fremde lachte. »Habt ihr etwa Angst vor uns? Nein, wenn wir die Amazonen besiegen, herrscht in dieser Gegend endlich Frieden. Phygläa und wir sind allein zu schwach, um die Amazonen endgültig in ihre Schranken zu weisen. Wenn diese uns gegeneinander ausspielen, sind wir verloren.« Er deutete auf seinen Herrscher. »Was glaubt ihr, wem Artus II diese Verwundung am Auge zu verdanken hat?«
Die Ratsherren nickten, das klang ja ziemlich logisch, außerdem waren sie nicht unglücklich darüber, wenn sie Unterstützung erhielten.
»Was schlagt ihr denn vor?«, hakte der Bürgermeister nach, sehr zum Unmut manch anderer Ratsherren, die teilweise nichts mit den Fremden zu tun haben wollten.
»Wie schon gesagt. Wir schicken ein paar unserer Männer, um den Angriff der Amazonen abzuwehren. Wenn die Weiber erst dezimiert sind, setzen wir nach, bemächtigen uns gemeinsam mit euch des Lagers der Amazonen, das nur noch schwach bewacht wird.
