Verlag: Ullstein Ebooks in Ullstein Buchverlage Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2011

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E-Book-Beschreibung Die Amerikanerin - Petra Durst-Benning

Marie und Wanda - zwei Frauen, zwei Schicksale und die alte Erkenntnis, dass Glück und Glas zerbrechlich sind: Inmitten gesellschaftlicher Umbrüche und Neuanfänge versuchen die Glasbläserin Marie aus dem thüringischen Lauscha und ihre junge, reiche, in Amerika aufgewachsene Nichte Wanda, ihr persönliches Glück zu findenund zu behalten. Von der Beschaulichkeit des Thüringer Waldes ins mondäne New York der zwanziger Jahre, auf den magischen Berg Monte Verità am Lago Maggiore und zur alten, prunkvollen Hafenstadt Genua führen die Stationen dieses ungewöhnlichen Romans, in dem der Leser zwei faszinierende Frauen auf ihrem Lebensweg begleitet.

Marie und Wanda - zwei Frauen, zwei Schicksale und die alte Erkenntnis, dass Glück und Glas zerbrechlich sind: Inmitten gesellschaftlicher Umbrüche und Neuanfänge versuchen die Glasbläserin Marie aus dem thüringischen Lauscha und ihre junge, reiche, in Amerika aufgewachsene Nichte Wanda, ihr persönliches Glück zu finden und zu behalten. Von der Beschaulichkeit des Thüringer Waldes ins mondäne New York der zwanziger Jahre, auf den magischen Berg Monte Verità am Lago Maggiore und zur alten, prunkvollen Hafenstadt Genua führen die Stationen dieses ungewöhnlichen Romans, in dem der Leser zwei faszinierende Frauen auf ihrem Lebensweg begleitet.

Meinungen über das E-Book Die Amerikanerin - Petra Durst-Benning

E-Book-Leseprobe Die Amerikanerin - Petra Durst-Benning

Schöne Lesestundenwünscht herzlichst

Petra Durst-Benning

Das Buch

Auf der Suche nach neuen Inspirationen verlässt die Glasbläserin Marie Steinmann mit siebenunddreißig ihr Heimatdorf Lauscha im Thüringer Wald und besucht ihre Schwester Ruth in New York. Durch ihre Nichte Wanda lernt sie das faszinierende Künstlerviertel Greenwich Village kennen – und trifft auf Franco de Lucca, der italienischen Wein nach Amerika exportiert. Mit ihm reist Marie an den Lago Maggiore zum magischen Berg Monte Verità, wo sie Tage des Glücks und der Leidenschaft verbringen. Nach einer Blitzheirat folgt Marie ihm schwanger nach Genua in den elterlichen Palazzo. Doch ihr Glück ist nicht von Dauer, schon bald kommt sie einem düsteren Geheimnis auf die Spur, und der gräfliche Palazzo wird zum Gefängnis …

Maries Nichte Wanda wünscht sich nichts sehnlicher als eine eigene Aufgabe im Leben. Als sie erfährt, dass Ruths Mann Steven gar nicht ihr leiblicher Vater ist, macht sie sich auf die Suche nach ihrer Identität – und steht plötzlich vor der größten Herausforderung ihres Lebens. In Richard, einem jungen thüringischen Glasbläser, findet sie dabei unerwartete Hilfe.

Die Autorin

Petra Durst-Benning, 1965 in Baden-Württemberg geboren, lebt als freie Autorin südlich von Stuttgart auf dem Land. Mit ihren historischen Romanen Die Zuckerbäckerin, Die Glasbläserin und Die Amerikanerin ist sie in die erste Reihe deutscher Bestsellerautorinnen aufgestiegen. Die Gesamtauflage ihrer Bücher liegt inzwischen bei zwei Millionen.

In unserem Hause sind von Petra Durst-Benning bereits erschienen:

Die Glasbläserin · Die Amerikanerin · Das gläserne Paradies ·

Die Samenhändlerin · Floras Traum (Das Blumenorakel) ·

Die Zuckerbäckerin · Die Zarentochter · Die russische Herzogin ·

Solange die Welt noch schläft · Die Champagnerkönigin · Bella Clara ·

Die Silberdistel · Die Liebe des Kartographen · Die Salzbaronin ·

Antonias Wille · Winterwind · Mein Findelhund

Petra Durst-Benning

Die Amerikanerin

Roman

List Taschenbuch

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Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen,

wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung,

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können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Neuausgabe

Ungekürzte Ausgabe im List Taschenbuch

List ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin.

Juli 2017

© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004

© 2003 by Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG

© 2002 by Econ Ullstein List Verlag GmbH & Co. KG München/Ullstein Verlag

Umschlaggestaltung: bürosüd° GmbH, München

Titelabbildung: www.buerosued.de

Satz: Dörlemann Satz, Lemförde

eBook-Konvertierung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm

eBook ISBN 978-3-8437-0149-5

Für Mimi –

this one’s for you!

PROLOG

Lauscha im Thüringer Wald, März 1910

»Glänzender Reigen, gläserne Welt,

gib meiner Sehnsucht Sinn.

Begehrliche Zärtlichkeit,

die süßes Versprechen hält,

zeig den Weg zu mir hin.«

Noch spät am Abend saß Marie an ihrem Arbeitsplatz, dem Bolg. Vor sich hatte sie auf der rechten Seite eine Kiste mit Glasrohlingen und zur Linken das Nagelbrett, auf dem fertig geblasene Kugeln darauf warteten, zu einem der anderen Arbeitsplätze getragen und dort versilbert und bemalt zu werden. Obwohl Marie die Müdigkeit schon in den Knochen steckte, verspürte sie ein leichtes Hochgefühl, während sie sich auf ihre Tätigkeit konzentrierte. Nicht mehr so heftig wie damals, als sie, Marie Steinmann, mit gerade mal siebzehn Jahren den Lauschaer Männern das Privileg des Glasblasens genommen hatte. Aber es war noch da, und es flackerte auch jedes Mal auf, wenn sie beobachtete, mit welcher Selbstverständlichkeit sich inzwischen ihre Nichte Anna an den Bolg setzte und mit sicherem Griff den Gashahn öffnete.

Eine Frau als Glasbläserin? Das war in Lauscha nichts Neues mehr, jetzt hockten sogar in der Kunstglasbläserschule junge Mädchen und Burschen einträchtig nebeneinander. Marie lächelte. Zwanzig Jahre – anderswo nicht mehr als ein mildes Räuspern im belegten Rachen der Zeitschreibung, in Lauscha waren es Lichtjahre.

Zschschsch … – wie altbekannt das Geräusch! »Die Flamme muss singen, wenn das Glas gelingen soll.« Noch heute klangen ihr die Worte ihres Vaters im Ohr. Und wieder einmal fragte sie sich, was wohl Joost zu alldem sagen würde: Sie eine Glasbläserin, Johanna eine Geschäftsfrau, und dazwischen Tausende Kugeln Christbaumschmuck.

Marie reckte sich. Sie drehte die Flamme aus und stand seufzend von ihrem Hocker auf. Es war an der Zeit, zu Bett zu gehen.

Es geschah völlig unvorbereitet. Jemand stülpte ihr plötzlich von hinten etwas über den Kopf. Ihre Nase wurde gestoßen, ihr rechtes Ohr dabei schmerzhaft zusammengedrückt. Sie drehte sich hin und her, doch das Gefühl der Enge blieb.

»Was soll das?«, rief sie erschrocken. Ihre Worte hörten sich seltsam dumpf an, als ob sich ein kleines Kind einen Blechtopf vors Gesicht hielt. Nur, über ihrem Kopf befand sich kein Topf, sondern etwas Gläsernes. Eine riesengroße Käseglocke, durch ihren Atem milchig trübe beschlagen.

Was war das für ein dummer Scherz? Waren die Zwillinge Johannes und Anna mit ihren sechzehn Jahren nicht längst zu erwachsen für solche Neckereien?

Verärgert wollte Marie das Glasding selbst abnehmen, doch ihre Handinnenflächen waren feucht und rutschten immer wieder an der glatten Wandung ab. Sie hatte die perfekte Wölbung einer Kugel und war so warm, als wäre sie eben erst einer Flamme entronnen.

Die Glasfläche warf Maries heißen Atem zurück.

Es war eine Glaskugel! Deren Öffnung, obwohl perfekt abgeschnitten, dort in Maries Fleisch zu schneiden begann, wo ihr Hals in den Oberkörper überging. Vergeblich versuchte sie, zwei Finger in die Öffnung zu bekommen. Wie ein Saugnapf saß die Kugel auf ihr, luftdicht abgeschottet durch die Schwellung der Haut, die sich bereits gegen die eindringende Glaskante zur Wehr setzte.

Panik stieg in Marie auf. Kein Scherz, sondern auf Leben und Tod! Ihr Atem kam nun stoßweise, in kleinen feuchten Wölkchen, die an dem Glas kleben blieben. Die Luft wurde weniger, je mehr sie mit dem Kopf wackelte und die Kugel abzuschütteln versuchte. Ihre Angst schmeckte auf der Zunge metallisch wie ein kupferner Pfennig. Sie wollte ihre Lippen anfeuchten und stellte fest, dass sie keine Spucke mehr hatte.

»Hilfe! Warum helft ihr mir nicht?«, dröhnte ihre Stimme von weit her.

Im nächsten Moment fand sich Marie außerhalb der Glaskugel wieder. Sie wollte schon erleichtert aufatmen, als sie sich hinter dem Glas entdeckte. Drinnen? Draußen? Sie war immer noch gefangen, ihre Augen hinter dem Glas überdimensional groß wie die eines Frosches. Ihre Wangen, die sich aufbliesen wie die Kiemen eines Fisches. Lachhaft. Pathetisch. Armselig. Schweiß rann ihr über die fahle Stirn und hinunter bis zum Hals, ohne dass ein kalter Tropfen den gläsernen Gefängniswänden entrinnen konnte.

Luft! Sie brauchte Luft zum Atmen. Ein lautes Summen schwirrte um ihren Kopf, wurde noch lauter. Sie wollte sich die Ohren zuhalten und hatte doch wieder nur Glas in der Hand.

Plötzlich ahnte sie, dass sie ersticken würde.

Sie schrie und schrie und schrie …

Im nächsten Moment fand sie sich aufrecht sitzend wieder, ihr Nachthemd von Schweiß getränkt, Magnus’ Arm um ihre Schultern, seine beruhigenden Worte im Ohr.

Ein Traum. Alles war nur ein Traum. Dennoch dauerte es lange, bis sich Maries Atem beruhigt hatte und sie ihre Hand von ihrem noch immer engen Hals nehmen konnte.

Es war fünf Uhr morgens.

Matt legte sie sich wieder zurück, nicht sicher, ob sie noch einmal einschlafen wollte.

Magnus schaute sie mit besorgter Miene an.

Um kein Gespräch anfangen zu müssen, schloss Marie die Augen. Was für eine tolle Art, seinen Geburtstag zu beginnen!

*

»Marie! Ich hätte nicht gedacht, Sie heute bei mir begrüßen zu dürfen.« Alois Sawatzkys Verbeugung war vollendet. »Ich wünsche Ihnen von Herzen nur das Beste zu Ihrem Freudentag.« Er half ihr aus dem Mantel und hängte ihn an einem wackligen Haken hinter der Tür auf.

»Dass Sie sich meinen Geburtstag gemerkt haben …« Sie strich ein paar Regentropfen aus ihrer Stirn. Die feuchten Stellen an ihren Ärmeln, wo der Regen durch den Mantel gedrungen war, schienen sie nicht zu stören.

Der Buchhändler hatte noch nie erlebt, dass sie mit einem Regenschirm gekommen wäre. Der Aufwand, diesen zu tragen, war Marie Steinmann scheinbar lästiger, als nass zu werden.

»Bedauerlicherweise ist das Wetter heute alles andere als einem Festtag gemäß. Gibt es etwas Unangenehmeres als diesen beharrlichen Märzregen?«

»Das ist leider nicht das Einzige, was heute wenig an einen Festtag erinnert«, bemerkte Marie seufzend. »Am besten warne ich Sie gleich vor: Meine Laune lässt heute sehr zu wünschen übrig.«

Sawatzky hob fragend die Augenbrauen. Da sie ihre letzte Bemerkung nicht weiter ausführte, sagte er: »Was halten Sie von einem Glas Tee? Ich habe gerade frischen aufgebrüht.«

»Schaden kann er auf keinen Fall.« Ohne Umstände ließ sich Marie in einen der abgewetzten Ledersessel fallen, die er für seine Kunden aufgestellt hatte. Schmunzelnd bemerkte Sawatzky, dass sie selbst an ihrem Geburtstag ihre übliche Arbeitskluft trug. Mit ihren Beinkleidern hätte Marie Steinmann jedem Enfant terrible der Berliner oder Münchner Kunstwelt Konkurrenz gemacht – doch interessanterweise schienen sich die Leute hier an ihrem Aufzug weniger zu stören als an ihrem Beruf. Oder war es einfach so, dass man sich bei Marie Steinmann über nichts mehr wunderte?

Gekonnt balancierte er zwei Gläser Tee durch die schmalen Gänge, ohne auch nur einmal an einem der mannshohen Bücherstapel anzuecken. Nachdem er ein Glas auf dem Tischchen vor Marie abgestellt hatte, setzte er sich ihr aufseufzend gegenüber. Seine Arthrose hatte ihn am Morgen so geplagt, dass er mit dem Gedanken gespielt hatte, seinen Laden heute geschlossen zu lassen. Nun war er froh, seiner Schwäche nicht nachgegeben zu haben. Schon lange war Marie mehr als eine gute Kundin. Im Laufe der neunzehn Jahre, die sie sich nun kannten, war sie für ihn so etwas wie eine jüngere Schwester geworden, die er nie gehabt hatte.

Bedächtig rührte er in seinem Tee, und Marie tat es ihm gleich. Eine Zeitlang war nur das Klirren der kleiner werdenden Kandisbrocken zu hören.

In diesem Teil des Raumes, wo es genauso gemütlich war wie im Rest des Ladens, konnte ein Kunde ein Buch anlesen oder es einfach nur durchblättern. Hier traf man sich außerdem in angeregter Runde, um sich an Goethe und Schiller zu ergötzen, aber auch, um hitzig über die Werke neuer, junger Dichter zu diskutieren. Ja, Alois Sawatzkys Diskussionszirkel hatte in Intellektuellenkreisen weit über Sonneberg hinaus einen guten Ruf. Dasselbe galt für sein Bücherangebot, das in Umfang wie Qualität manche großstädtische Buchhandlung in den Schatten stellen konnte.

»Sie sehen etwas müde aus«, bemerkte er nun über den Rand seines Glases hinweg. »Haben Sie Ihren Geburtstag etwa schon vorgefeiert? Heißt es nicht, das brächte Unglück?«

Marie winkte ab. »Ein bisschen Unglück würde ich gern in Kauf nehmen, wenn es Hand in Hand mit etwas Abwechslung ginge. Davon abgesehen, dass Johanna und die anderen darauf bestanden haben, dass ich mir freinehme, ist heute ein Tag wie jeder andere.«

Wieder einmal wunderte er sich über den Mangel an Leichtigkeit bei der jungen Frau. Wie viel lieber hätte er es gesehen, Marie Steinmann hätte sich heute feiern lassen! Hätte ihre dunkelbraunen Haare zu Locken aufgedreht, ein hübsches Kleid angezogen und sich von einem Herzallerliebsten ausführen lassen, statt hier mit ihm altem Mann zu sitzen!

»Das müssen wir dringend ändern!« Er stand auf und verschwand erneut in den Tiefen seines Ladens. Im nächsten Moment kam er mit einer Flasche und zwei Gläsern zurück. »Es ist zwar erst früher Nachmittag, aber darf ich Sie trotzdem auf einen Sherry einladen?«

Ohne Maries Antwort abzuwarten, schenkte er je zwei Fingerbreit der goldbraunen Flüssigkeit ein. Wo Tee nicht mehr half, hatte Sherry bisher selten versagt.

»Auf Ihr Wohl!«

Immerhin nahm sie ihr Glas auf.

»Und auf Ihres«, prostete sie zurück.

Dann beugte er sich ihr entgegen. »So. Und jetzt erzählen Sie mir, was Sie auf dem Herzen haben. Und kommen Sie mir bloß nicht damit, dass alles in Ordnung wäre!«

Marie verzog den Mund. »Eigentlich ist es das schon. Im Grunde ist es lachhaft, aber …« Sie zögerte noch einen Moment, doch dann erzählte sie ihm ihren Traum.

»Ich habe wirklich geglaubt, ich müsste ersticken«, endete sie. Sie wirkte noch immer erschüttert. »Dem armen Magnus ist der Schrecken durch Mark und Bein gefahren, so laut habe ich geschrien!« Sie stieß die Luft aus. »Gott sei Dank war alles nur ein Traum. Mir ist immer noch ganz unheimlich zumute, wenn ich nur daran denke.«

Sawatzky kratzte sich am Kopf. »Sigmund Freud würde seine wahre Freude an Ihnen haben«, sagte er trocken.

Marie blickte den Buchhändler schräg an. »Kommen Sie mir bitte nicht schon wieder mit diesem Herrn Freud und seinem Unterbewusstsein! Warum, so frage ich mich, kann der Mensch nicht etwas wirklich Sinnvolles entdecken?« Die Ironie triefte nur so aus jedem Wort. Als Sawatzky nicht gleich antwortete, fuhr sie fort: »Dinge, die das Leben der Menschen erleichtern. Maschinen und so …«

Seltsam, dass Marie stets so heftig reagierte, wenn er es wagte, die Rede auf den Psychoanalytiker zu bringen, dachte der Buchhändler nicht zum ersten Mal. Ansonsten war sie Menschen mit neuen Ideen gegenüber doch recht aufgeschlossen!

»Das Unterbewusstsein, so man sich dessen bewusst ist, kann durchaus geeignet sein, das Leben der Menschen zu erleichtern«, erwiderte er etwas schulmeisterlich. »Aber lassen wir das. Wir wollen doch an Ihrem Freudentag nicht streiten. Und wenn, dann nur konstruktiv.«

Er sprang auf.

»Wissen Sie was? Sie suchen sich jetzt ein Buch aus, das Ihnen gefällt, und ich schenke es Ihnen!« Es wäre doch gelacht, wenn es ihm nicht gelänge, auf dieses verkniffene Frauengesicht wenigstens den Hauch eines Lächelns zu bringen! Auf ihr Zögern hin fügte er hinzu: »Es darf auch einer der teuren Bildbände sein, die Sie so lieben. Nein, nein, Proteste lasse ich heute nicht zu!« Abwehrend hob er beide Hände, da Marie prompt widersprechen wollte.

Zögerlich stand sie auf. Doch sie hatte die erste Reihe Bücher noch nicht durchgesehen, als sie sich zu Sawatzky umdrehte. »Es hat keinen Sinn.« Kopfschüttelnd ging sie zu ihrem Sessel zurück und setzte sich, die Tränen mühsam hinter den Lidern zurückhaltend. »Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ihnen so die Freude zu verderben …«

Er schwieg.

Fast mutlos hob Marie schließlich den Kopf. »Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich geglaubt, in diesen Büchern würde ich die Welt entdecken. Jede Zeile habe ich verschlungen, jeden Bildband stundenlang studiert! Manchmal habe ich mich richtig verbunden gefühlt mit all den Malern und Schriftstellern. Aber hat es mir etwas gebracht? Weiterbilden wollte ich mich. Meine künstlerische Entwicklung fördern. Hah!«

Im Grunde genommen hatte er schon seit längerem mit einem solchen Ausbruch gerechnet. Dass Marie Steinmann nicht glücklich war, konnte jeder Trottel erkennen. Trotzdem erschreckte ihn ihre Heftigkeit.

»Von wegen die Welt entdecken! Das tun andere. Ihr Sigmund Freud findet sein Unterbewusstsein, Franz Marc malt blaue Pferde, dieser Alfred Döblin, von dem Sie mir letzte Woche etwas zu lesen gegeben haben, schreibt über den Mord an einer Butterblume – wie kann man nur auf so eine verwegene Idee kommen?« Geradezu vorwurfsvoll starrte sie den Buchhändler an. »Und ich male Sternchen und Girlanden und Weihnachtsglocken auf Christbaumkugeln. Wie eh und je.« Sie schluckte hart. »Und das nicht einmal mehr gut.« Marie starrte vor sich hin.

Marie Steinmann. Die jüngste der drei Steinmann-Schwestern. Die erste Frau, die es gewagt hatte, sich an den Bolg zu setzen und Glas zu blasen. Während andere Lauschaer Frauen damit zufrieden waren, das zu tun, was seit Jahrhunderten in der Glasherstellung als ihre Aufgabe galt, nämlich Glasbläser zu heiraten und deren Glaswaren zu versilbern und zu bemalen, hatte sie sich als junges Mädchen heimlich an den Bolg ihres verstorbenen Vaters gesetzt und so lange in der Verborgenheit der Nacht das Handwerk geübt, bis sie es gemeistert hatte. Und danach hatte sie im Laufe der Zeit den schönsten Christbaumschmuck hergestellt, den Lauscha bis dahin gesehen hatte. Glaskugeln von einer Poesie, von einem Glanz und einer Kunstfertigkeit, dass sie selbst die dunkelste Hütte in der Heiligen Nacht zum Strahlen brachten. Der Neid und die Anfeindungen waren nicht ausgeblieben, der Erfolg jedoch auch nicht: Was als Familienunternehmen im kleinsten Sinne – mit Marie als Glasbläserin und ihren Schwestern Johanna und Ruth als Helferinnen – begonnen hatte, beschäftigte heute mehr als zwanzig Arbeiter. Zehntausende von Kugeln aus der Glasbläserei Steinmann-Maienbaum wurden alljährlich in die ganze Welt verschickt und ließen Kinderaugen glänzen. Während die meisten Lauschaer Glasbläser über die schlechte Wirtschaftslage und über zu wenige Aufträge klagten, konnte die »Weiberwirtschaft«, wie der Betrieb auch genannt wurde, dank Johannas Geschäftstüchtigkeit und Maries stetig sprudelnder Kreativität an Wachstum sogar noch zulegen. Auch Ruth, die mittlere der Schwestern, die der Liebe wegen vor vielen Jahren Lauscha in Richtung Amerika verlassen hatte, kümmerte sich nach wie vor um das Wohl des Glasbläserbetriebes, indem sie seine amerikanischen Geschäftsverbindungen pflegte.

Viele Lauschaer mussten zusehen, wie ihre Kinder in die Stadt zogen, um sich ihren Lebensunterhalt in den wie Pilze aus dem Boden schießenden Fabriken zu verdienen. Für die Zwillinge von Johanna und Peter Maienbaum hingegen gab es keinen Zweifel daran, dass sie bleiben und die Familientradition fortführen würden.

Als hätte sie Sawatzkys Gedankengänge verfolgt, sprach Marie weiter: »Natürlich bin ich froh und glücklich, dass sich unser Christbaumschmuck nach wie vor so gut verkauft. Gerade heutzutage … Aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die anderen merken, dass meine Fantasie aufgebraucht ist. Ständig fühle ich mich so müde, so leer! Finde alles so unsäglich gewöhnlich. Wann immer ich mir etwas Neues ausdenke, habe ich das Gefühl, dasselbe schon einmal gemalt zu haben. Am liebsten würde ich all die banalen Kritzeleien in den Papierkorb werfen, aber unser jährlicher Musterkatalog will schließlich bestückt werden! Und aus Amerika kommen auch ständig Anfragen nach neuen Entwürfen. Vor allem Woolworth drängt und drängt … Kann es sein, dass ich meinen Vorrat an Ideen aufgebraucht habe? All meine Kugeln entworfen?« Ihre Augen weiteten sich plötzlich vor Angst, als traue sie sich gerade zum ersten Mal, diesen Gedanken zu äußern.

Sawatzky schaute auf ihre angespannten Schultern, auf die schmale, trotzige Nase, die dunkelgrauen Augen, in denen tausend Funken unbemerkt verglühten.

Aus dem Nichts tauchte das Bild einer anderen Marie vor ihm auf: Gerade einmal achtzehn Jahre war sie alt gewesen, schlank wie eine Elfe, die Stirn schon damals hoch, die Wangen schmal – und mit Augen, in denen jeder Mann nur allzu gern ertrunken wäre, wenn sie dies zugelassen hätte. Aber Marie hatte nur ihre Handwerkskunst im Kopf gehabt und sich von nichts und niemandem ablenken lassen. Die Erinnerung ließ ihn lächeln. Als er sie damals zum ersten Mal zu den Regalen mit den Büchern über die bildenden Künste geführt hatte, hatte sie nicht glauben wollen, dass so viele andere ihre Leidenschaft teilten.

»Das alles sollen Bücher über die Kunst sein?!«

Wie groß war ihre Gier gewesen! Alles Geld, das sie mit ihrem ersten Glasbläserauftrag verdient hatte, gab sie für seine Schätze aus. Mit einem riesigen Bücherstapel unter dem Arm und einem seligen Lächeln war sie erst nach Stunden von ihm gegangen, gefolgt von Magnus, dessen offene Bewunderung die junge Künstlerin nicht einmal bemerkt hatte.

Rein äußerlich hatte Marie sich kaum verändert, sie besaß immer noch ihre Jungmädchenfigur, ihr Jungmädchengesicht mit den großen Augen und den hohen Wangenknochen. Besorgt kaute Sawatzky auf seiner Unterlippe. Dass ein Künstler in ein unkreatives Loch fiel, war nichts Ungewöhnliches. Aber dass ein Bücherliebhaber seiner großen Liebe frei entsagte, war mehr als bedrohlich.

Plötzlich hatte er nicht übel Lust, aufzustehen und die junge Frau an den Schultern zu schütteln. Stattdessen sagte er:

»Was Ihnen fehlt, ist eine neue Quelle der Inspiration! Sie sind einfach zu lange durch den Wald gelaufen. Haben zu lange das Gefieder der Meisen und Finken studiert. Und dass die Struktur von Tannenzapfen nicht für eine jahrzehntelange Interpretation geeignet ist, wundert mich auch nicht – ich persönlich konnte mit Naturbeobachtungen noch nie sehr viel anfangen!«

Marie runzelte die Stirn. Sie wurde nicht gern kritisiert, aber sie kannten sich lange und gut genug, dass der Buchhändler sich darüber hinwegsetzen konnte.

»Was Ihnen fehlt, liebe Marie, ist die Befruchtung durch andere künstlerische Kräfte! Niemand, auch die große Glasbläserin Marie Steinmann nicht« – er zwinkerte ihr zu, um seinen Worten den Spott zu nehmen –, »kann für alle Zeiten nur aus sich selbst schöpfen.«

Einer Eingebung folgend langte er hinter sich und holte von einem der Bücherberge ein schmales, abgegriffenes Bändchen herunter. Es war das Buch, das die Dichterin Else Lasker-Schüler ihrem verstorbenen Freund Peter Hille gewidmet hatte. Schon seit längerem hatte er vorgehabt, Marie an Elses Lyrik heranzuführen. Die Dichterin tat in ihren Gedichten und Geschichten mit ihrer Sprache nämlich genau das, was Marie mit ihrem Arbeitsmaterial anstrebte: es bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit zu testen und zu verwenden. Nach kurzem Blättern fand er die Stelle, die er gesucht hatte. Dennoch zögerte er. Würde sich Marie – in ihrer verschlossenen Stimmung – die nicht gerade leicht verdauliche, doppeldeutige Symbolik erschließen? In der Vergangenheit hatte sie ihn schon des Öfteren mit ihrem Einfühlungsvermögen für schwierige Texte verblüfft. Also war es einen Versuch wert, beschloss er und reichte ihr das aufgeschlagene Buch.

»Würden Sie so freundlich sein und dies für uns beide vorlesen?«

Unwillig beugte sie sich seinem Wunsch.

»… war ich aus der Stadt geflohen und sank erschöpft vor einem Felsen nieder und rastete einen Tropfen Leben lang, der war tiefer als tausend Jahre …«

Mit geschlossenen Augen lauschte der Buchhändler Maries Stimme, die sich an der eigenwilligen Wortwahl der rebellischen Dichterin rieb.

»… Und eine Stimme riss sich vom Gipfel des Felsens los und rief: ›Was geizt du mit dir!‹ Und ich schlug mein Auge empor und blühte auf, und mich herzte ein Glück, das mich auserlos.«

Maries Sehnsucht und die Poesie der Erzählung begannen von Wort zu Wort zu einem Guss zu verschmelzen. Sawatzkys Herz klopfte heftig und bewegt.

»… Und vom Gestein zur Erde stieg ein Mann mit hartem Bart- und Haupthaar, aber seine Augen waren samtne Hügel …«

Der Buchhändler sah Marie eindringlich an. Würde sie es übertrieben finden, dass Else ihren Freund Peter mit Petrus, dem Felsen verglich? Diese Heroisierung hatte in Intellektuellenkreisen einige Diskussionen ausgelöst, doch Marie las über die Stelle hinweg, ohne einen Kommentar abzugeben.

»… die Nacht hatte meine Wege ausgelöscht, auch konnte ich mich nicht auf meinen Namen besinnen, heulende, hungrige Norde hatten ihn zerrissen. Und der mit dem Felsennamen nannte mich Tino. Und ich küsste den Glanz seiner gemeißelten Hand und ging ihm zur Seite.«

Der Buchhändler hatte seine Augen geschlossen. Als er sie wieder aufschlug, sah er, dass Marie Tränen über die Wangen liefen. Und er wusste, dass er seinen Text richtig gewählt hatte.

»Warum tun Sie mir das an? Warum quälen Sie mich so?« Maries Blick war verzweifelt. Geräuschvoll zog sie die Nase hoch.

»So fühlen zu können! Nicht mehr zu wissen, wo man ist. Wer man ist. … konnte ich mich nicht auf meinen Namenbesinnen, heulende, hungrige Norde hatten ihn zerrissen«, wiederholte sie die bewegenden Worte. »Und dennoch zu wissen, dass man auserkoren ist und seine Zeit nicht verschenken darf!« Ihre Augen glänzten. »Ein Glück, das mich auserlos – diese Frau darf sich wirklich glücklich schätzen.«

Marie schwieg für einen Moment. Dann hob sie erneut an:

»Aber was soll das alles mit mir zu tun haben? Ich habe keinen väterlichen Freund – von Ihnen abgesehen –, der mich dermaßen inspiriert. Und ich lebe auch nicht in einer Großstadt, führe kein aufregendes Leben. Wer oder was sollte mich also ›künstlerisch‹ befruchten? Ich sitze in meinem kleinen Dorf, mit Magnus an meiner Seite und mit meiner Familie, die auf mich und meine Entwürfe angewiesen ist.«

»Aber das liegt doch nur an Ihnen«, sagte Sawatzky mit mehr als einem Hauch Ungeduld. Und er konnte nicht umhin, etwas spröde anzufügen: »Auch Else hat sich erst von ihrem Elternhaus frei machen, hat in die Stadt fliehen müssen, wie Sie gerade eben selbst gelesen haben.«

Marie schaute gereizt auf. »Ich weiß, ich weiß, jeder muss seine eigenen Wege gehen. Jetzt erzählen Sie mir sicher gleich wieder von dieser Malerin, die es vorgezogen hat, als verkannte Malerin zu sterben, statt sich jemals einem Zeitgeist zu unterwerfen. Paula Modersohn-Becker war ihr Name, oder?« Sie hielt ihren Zeigefinger an die Stirn, als denke sie angestrengt nach. »Oder von einer jener Dichterinnen, die zwar nichts zu essen haben, dafür aber kompromisslose Gedichte schreiben.«

»Der Spott steht Ihnen nicht«, sagte der Buchhändler und schaute dabei angestrengt auf seine Schuhspitzen. »Ich …«

Sie ergriff seine Hand, bevor er weitersprechen konnte. »Entschuldigung. Es war nicht so gemeint, und das wissen Sie. Ich bin heute eine ziemlich dumme Kuh, das ist alles. Und eine undankbare noch dazu.« Sie biss sich auf die Lippen.

Halbwegs versöhnt schaute er wieder auf. »Sie hatten noch nie etwas für Vorbilder übrig, nicht wahr?«

Marie zuckte mit den Schultern. »Was würde mir ein Vorbild auch nutzen? In Lauscha habe ich noch keines gefunden. Ich habe mich doch schon längst von dem Leben unserer Väter und Mütter frei gemacht! Darin sehe ich nichts Revolutionäres mehr. Was also sollte ich mit den Frauen von Welt, die Sie so gern anführen, gemeinsam haben?«

»Die Welt, zum Beispiel«, sagte er mit einer lässigen Handbewegung.

Marie lachte. »Wie Sie das sagen! Als ob die Welt ein Stück Kuchen wäre, nach dem man nur greifen muss, um es sich dann gabelweise zu Gemüte zu führen.«

Auch Sawatzky musste lachen. Dieser Vergleich war typisch für Marie. Er seufzte. »Ganz so einfach ist es nicht – Gott sei Dank, möchte ich anfügen! Aber glauben Sie nicht, dass es endlich an der Zeit wäre, Lauscha einmal zu verlassen? Wenigstens ein bisschen von der Welt zu sehen?« Am liebsten hätte er sie an ihren Traum erinnert und auf seine tiefere Bedeutung hingewiesen. Stattdessen sagte er: »Sehen Sie es doch einmal so: Jede von Ihnen geblasene Weihnachtskugel kommt in der Welt weiter als Sie – ist dieser Gedanke nicht ziemlich erschreckend?«

ERSTES BUCH

New York, drei Monate später

»Und als die Nacht zum Tag

und der Tag zum Traume wurde,

zerfielen alle Fragen

zu glitzerndem Staub.«

1

Schraft’s war der beste Delikatessenladen der Stadt. Wem das Geld für einen Eintritt ins Paradies nicht reichte, der ergötzte sich an den ständig wechselnden Schaufensterauslagen, die in ihrer Kunstfertigkeit mit den besten Galerien der Stadt konkurrieren konnten. Mehr als ein Dutzend Mal pro Tag mussten die Reinemachefrauen nach draußen gehen, um Finger- und Nasenabdrücke von den Fensterscheiben zu wischen, so groß war die Sehnsucht der Passanten, dem Schlaraffenland so nahe wie möglich zu kommen. Kaum jemand, der es sich leisten konnte, dort einzukaufen – und manch einer, der es sich eigentlich nicht leisten konnte –, war standhaft genug, an der Drehtür vorbeizugehen und die ausschwärmenden Wohlgerüche zu ignorieren … Nur ein kurzer Rundgang, eine winzige Kleinigkeit kaufen. Musste das nicht nach einem Tag anstrengender Arbeit erlaubt sein? Eine Ecke Käse. Oder drei handgerollte Trüffel. Oder eine Handvoll der dunkellila glänzenden Pflaumen. Meistens scheiterten solche bescheidenen Vorsätze schon wenige Schritte hinter der Drehtür, wo eine Vielfalt, die weltweit ihresgleichen suchte, darauf wartete, zu betören und zu verführen, und am Ende verließen die meisten das Geschäft mit einer prall gefüllten hellblauen Schraft’s-Tüte.

Obst, Gemüse, Wurst, Käse, fertige Speisen – bei Schraft’s gab es nahezu alles. In der Backwarenabteilung standen Körbe mit Ficelles, den dünnen französischen Weißbroten aus Sauerteig, neben süditalienischen Biscotti, daneben türmten sich mit Melasse tiefschwarz gefärbte Pumpernickel-Laibe. In der Käseabteilung hatte der Kunde die Wahl zwischen 80 Sorten, eine Ecke weiter konnte er zwischen Blue-Point-, Chesapeake-Bay- und Pine-Island-Austern wählen. Um sich die Entscheidung leichter zu machen, konnte er sich gleich an Ort und Stelle entweder ein halbes Dutzend Austern – nur mit etwas Salz und Zitrone gewürzt – zu Gemüte führen oder eine Portion von Schraft’s unvergleichlichem Oyster Stew genießen. Während die Sinne des Kunden noch damit beschäftigt waren, das Geschmackserlebnis der in Sahne, Butter und Rosmarin geschmorten Austern zu würdigen, wanderte sein Blick vielleicht schon zur fast zehn Meter langen Theke, hinter der sich kalte Platten mit Häppchen aneinanderdrängten. Ob für ein intimes Dinner für acht Personen oder eine Tafel für dreißig – kaum eine Gastgeberin konnte es sich leisten, nicht wenigstens für einen Gang Schraft’s Häppchen einzuplanen. Die Spezialitäten des Delikatessenladens gehörten zu einem stilvollen Essen wie handgewebte Leinenservietten oder Tafelsilber von Tiffany.

Wer gut genug bei Kasse war, ließ sich sogar die ganze Feierlichkeit von den versierten Schraft’s-Experten ausrichten, für die kein Aufwand zu groß, kein ausgefallener Wunsch des Gastgebers zu verwegen war. Drei Dutzend polnische Piroggen, gefüllt mit russischem Kaviar? Kein Problem, Madam! Ein Bankett für hundertdreißig Personen in fünf Stunden? Nicht unproblematisch, dennoch können Sie sich auf uns verlassen! Die Hektik, die nach solchen Aufträgen ausbrach, fand lediglich hinter den Kulissen statt, wo Köche sich um die Gasflammen stritten, Küchenjungen im Rekord Gemüse putzten und Weintrauben zupften. Die Ware, die nach solchen Schlachten ausgeliefert wurde, war stets von bester Qualität und mit einer Sorgfalt zubereitet, als hätten die Köche die ganze Woche lang nichts anderes getan.

Es war dieser Perfektionismus, der Wanda so faszinierte. Dass sie Teil dieser vollkommenen Maschinerie war, dass ihre Arbeit dazu beitrug, solche Leistungen zu vollbringen, erfüllte sie mit Stolz.

Natürlich hatte ihre Mutter die Nase gerümpft, als Wanda ihren Entschluss, als Servicedame bei Schraft’s anzufangen, kundtat.

»Was ist Unehrenhaftes daran, Lebensmittel zu verkaufen?«, hatte Wanda von ihr wissen wollen, noch bevor Ruth einen Ton sagen konnte. Vielleicht hatte sie aber auch gar nichts sagen wollen. Vielleicht war ihr im tiefsten Herzen sogar gleich, womit Wanda ihre Tage verbrachte. Wanda zog es jedoch vor, sich vorzustellen, dass Ruth unter ihrem Entschluss litt.

»Es ist gar nichts Unehrenhaftes daran, Lebensmittel zu verkaufen. Es ist genauso wenig unehrenhaft wie das Zubereiten von Lebensmitteln«, hatte Ruth erklärt. »Ich frage mich, warum du nicht gleich Köchin wirst.«

»Was nicht ist, kann ja noch werden«, hatte Wanda erwidert. Ein bisschen ärgerte es sie schon, dass ihre Mutter nicht so schockiert über ihre neue Arbeitsstelle war, wie sie es sich vorgestellt hatte.

Sie zog sich ein letztes Mal die blütenweiße, gestärkte Schürze zurecht – demonstrativ hatte sie sie schon zu Hause umgebunden, statt dies wie die anderen Servicedamen erst im Laden zu tun – und schaute erwartungsvoll in Richtung Tür.

Nun arbeitete sie schon seit zweieinhalb Wochen hier. Bisher war jeder Tag wie eine große Wundertüte gewesen – man wusste morgens nie, was einen erwartete. Und was das Beste war: Mason Schraft schien mit ihr zufrieden zu sein. Gesagt hatte er zwar noch nichts, aber wann immer er an ihrer Theke vorbeikam, nickte er ihr freundlich zu, während er manche ihrer Kolleginnen nicht einmal eines Blickes würdigte. Lag das daran, dass sie weniger unter der Hektik litt als die meisten anderen Mädchen? Dass sie im größten Trubel die Übersicht behielt und nicht einmal in ihren ersten Tagen einen Fehler beim Aufnehmen der Bestellungen, beim Bedienen und Kassieren gemacht hatte? Oder besser noch: Hatten sich womöglich Kunden lobend über ihre Beratung geäußert? Davon, dass sie, Wanda Miles, aus einem der elegantesten Haushalte von ganz Manhattan stammte, konnten ihre Kunden nur profitieren, oder etwa nicht? Dass ihre Mutter eine der angesehensten Gastgeberinnen und selbst Kundin von Schraft’s war, legte doch ausreichend Zeugnis von Wandas Gespür für Kundenwünsche ab, oder etwa nicht? Wer konnte besser auf die wählerischen Damen der feinen Gesellschaft eingehen als jemand, der in deren Mitte aufgewachsen war?, hatte Wanda gegenüber Mister Schraft argumentiert, der befürchtet hatte, dass es den feinen Damen der Gesellschaft vielleicht gar nicht recht wäre, von ihr bedient zu werden. Doch letztendlich hatte er sich von Wandas Eifer breitschlagen lassen.

»Die Feste sind ja in dieser Saison so langweilig geworden! Kein Esprit mehr! Keine neuen Ideen! Ständig wird das wiedergekäut, was schon auf anderen Einladungen serviert wurde.« Monique Demoines, Frau von Charles Demoines, einem der einflussreichsten Broker vom Bankhaus Stanley Finch, fächerte sich theatralisch Luft zu. Fast angeekelt wanderte ihr Blick dabei über die Auslagen.

Wanda fuhr mit einem blitzsauberen Lappen über den Rand einer Platte mit gefüllten Eiern, um einen unsichtbaren Fussel zu entfernen. »Aber Gnädigste! Ich bin mir sicher, dass Sie nicht zu diesen Wiederkäuern gehören.«

Monique hielt in der Betrachtung ihrer perfekt lackierten Fingernägel inne. Bildete sie es sich ein, oder war Wandas Lächeln tatsächlich weniger beflissen, als sie es sonst bei Schraft’s gewöhnt war? Entdeckte sie gar einen Hauch Ironie darin?

»Genauso wenig wie deine Mutter«, erwiderte sie mit einem leichten Stirnrunzeln und seufzte. Dass die junge Miles neuerdings bei Schraft’s arbeitete, daran hatte sie sich immer noch nicht gewöhnt. Gott sei Dank würde Minnie, ihre eigene Tochter, eher tot umfallen, als sich hier zehn Stunden am Tag die Füße in den Bauch zu stehen! Aber galt nicht auch Ruth Miles – mochte ihre Gastfreundschaft noch so legendär sein – als ein wenig exzentrisch? Für Monique war jede Frau, die einen Adelstitel mit in die Ehe brachte und dann auf diesen verzichtete, mehr als das! Nun ja, der Apfel fiel bekanntlich nicht weit vom Stamm … Mit einem Seufzen erinnerte sie sich schließlich daran, warum sie eigentlich gekommen war.

»Deine Mutter kann sicher auch ein Lied davon singen: Zu viele Partys, zu viele Gäste, und niemand weiß mehr die Anstrengungen einer wahrhaften Gastgeberin zu schätzen.« Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. »Aber was nutzt das Jammern, sage ich immer. Tun muss man etwas! Tun!«

Wenn du keine anderen Sorgen hast, kannst du dich glücklich schätzen!, schoss es Wanda durch den Kopf. Laut sagte sie: »Es gibt Damen, die sind zur Gastgeberin geboren.« Sie straffte die Schultern. »Kann es sein, dass Sie sich für Ihre nächste Einladung etwas ganz Besonderes haben einfallen lassen? Dass sie womöglich schon einen kompletten Plan im Kopf haben? Sie wissen ja – wir bei Schraft’s sind Ihnen bei der Umsetzung jederzeit behilflich.« Wir bei Schraft’s – wunderbar!

Monique Demoines’ Schultern strafften sich. Die kleine Miles kannte sich aus! Wahrscheinlich hatte Ruth ihrer Tochter von einer ihrer Einladungen vorgeschwärmt. Sie machte sich in Gedanken eine Notiz, die Gästeliste für das bevorstehende Fest um Wandas Eltern zu erweitern, doch dann fiel ihr ein, dass sie vergeblich auf eine Einladung zu Ruths letzter Party gewartet hatte. Mit einem Wisch waren Stevens und Ruths Namen wieder ausradiert.

»Und ob ich einen Plan habe!«, sagte sie triumphierend. »Nicht nur im Kopf, sondern alles längst notiert. En détail, versteht sich.«

Monique begann in den Tiefen ihrer Handtasche zu kramen. Nach einiger Zeit schaute sie mit einem ungeduldigen Seufzer auf, einen Stapel zusammengefalteter Zettel in der Hand.

»Was ich vorhabe, wird ein kleines Beben unter meinen Gästen auslösen. Ja, ich gebe es zu: Ich möchte schockieren!« Sie spitzte ihre Lippen, als erwarte sie Wandas Widerspruch. Da dieser nicht kam, blätterte sie weiter in ihren Zetteln.

Wanda wartete geduldig.

»Natürlich will auch ich meine Gäste verwöhnen, aber in erster Linie möchte ich ihnen klarmachen, wie verwöhnt wir alle sind – nein, nein, ich nehme mich nicht aus! Wer kann sich denn bei all dem Überfluss noch an einer einzelnen Speise erfreuen? Sie als Gottes Gabe wahrnehmen?«

Sie machte eine weit ausholende Handbewegung, die Schraft’s Delikatessentheken einschloss.

»Man kann sagen, ich wage mich an eine allegorische Umsetzung der Vertreibung aus dem Paradies.« Andächtig hob Monique den Blick nach oben, als erwarte sie für diesen Geistesblitz hier und jetzt Gottes Lob.

»Ein kulinarisches Gleichnis sozusagen.« Wanda nickte angestrengt. »Das wird Ihre Gäste sicher aufs Äußerste beeindrucken!« Du liebe Güte – das war selbst für Monique Demoines starker Tobak!

»Hier ist er!« Mit einem Siegerlächeln reichte Monique ein zusammengefaltetes Papier über die Theke. Doch bevor Wanda danach greifen konnte, zog Monique es nochmals zurück.

»Damit wir uns verstehen … Ich erwarte höchste Diskretion. Gerade bei dieser Einladung darf nicht das Geringste nach außen dringen. Wenn du erst siehst, was ich vorhabe, wirst du verstehen, was ich meine …« Hektisch schaute Monique über ihre Schulter, als rechne sie mit einer Schar von Hyänen, die nur darauf lauerten, von ihrem Ideenschatz als Gastgeberin zu stehlen.

Wanda legte ihren Zeigefinger an die Lippen. »Ich werde schweigen wie ein Grab. Und ich werde noch etwas tun: Ein so brisantes Unternehmen verlangt schließlich auch außergewöhnliche Maßnahmen unsererseits.« Sie winkte Monique ein wenig näher heran. »Ich werde Ihre Bestellung gleich bei den Köchen – ohne den Umweg durch unsere Auftragsabteilung – abgeben! Ich werde auch dafür sorgen, dass niemand einen Blick auf die fertigen Speisen erhaschen kann. Spione lauern schließlich überall …«, flüsterte sie. Hah, wenn Mister Schraft wüsste, wie zuvorkommend sie auf eine seiner wichtigsten Kundinnen einging! Als wagte nicht einmal sie es, einen Blick auf Moniques Bestellung zu werfen, steckte sie den zusammengefalteten Zettel unbesehen in ihre Schürzentasche und knöpfte diese dann zu.

»Ihre Gäste werden eine Überraschung erleben, die sie nie wieder vergessen!«

*

Am anderen Ende der Stadt, im Frachthafen, wo täglich Hunderte von Transportkisten aus der ganzen Welt ausgeladen wurden, besiegelten zwei Männer ebenfalls ein Geschäft.

Während der kleinere, gedrungene Mann einen Umschlag in seine Jackentasche schob, schloss der größere der beiden mit einer energischen Bewegung seinen Attachékoffer.

»Ich bin sehr zufrieden mit Ihrer Arbeit, Mister Sojorno«, sagte er. »Ihre Vorbereitungen sind uns eine große Hilfe. Nicht jeder Lagervorsteher würde sich so … kooperativ verhalten. Mein Vater und ich gehen davon aus, dass dies auch zukünftig so bleiben wird.«

Kooperativ – was soll dieser Mist, fragte sich der Angesprochene. Sie hatten ihn in der Tasche, und das wussten sie auch! Das Geld, das er für seine Dienste kassierte – auch wenn es ein erklecklicher Betrag war –, würde ihm hinter Gittern wenig helfen. Sich den Schweiß aus der Stirn wischend, schickte er ein kleines Stoßgebet gen Himmel zu Santa Lucia, auf dass es nie so weit kommen mochte. Dann schaute er sich nervös um.

»Ein Teil der Lieferung war schon …, na sagen wir einmal … ein wenig angeschlagen«, wisperte Sojorno. »Ich frage mich, was wäre, wenn die Luft einmal nicht ausreicht.«

Franco de Lucca runzelte die Stirn. »Nun, gewisse Transporte über so weite Strecken sind ein riskantes Geschäft, das wissen wir alle. Die klimatischen Transportbedingungen sind vor allem bei solchen … Spezialitätenlieferungen von entscheidender Wichtigkeit. Aber seien Sie unbesorgt. Unser Mann in Genua ist ein Meister seines Fachs. Solange sich auf der Überfahrt niemand von außen an den Kisten zu schaffen macht, reicht drinnen die Luft zum Überleben aus.«

Der andere nickte. Was Franco de Lucca sagte, klang beruhigend.

»Wann dürfen wir mit dem nächsten Auftrag rechnen?«

»Anfang kommender Woche«, antwortete sein Gegenüber, während er seinen Kalender nach dem nächsten Termin durchblätterte.

»So bald schon? Ich dachte, Signore würde erst zurück nach Genua …«

»Ich habe Sie nicht zum Denken engagiert, Mister Sojorno! Sollten Sie Schwierigkeiten damit haben, lassen Sie es mich wissen«, unterbrach der Conte de Lucca ihn. Seine eisblauen Augen ließen Sojorno unruhig von einem Bein aufs andere treten. Wie ein Tier, das die Vormachtstellung eines anderen im Rudel akzeptiert, zog er dabei sein Genick ein, als wolle er sich noch kleiner, noch unwichtiger erscheinen lassen. Statt einer Antwort schüttelte er nur den Kopf.

Der Blick des Conte wurde wieder erträglicher. »Ich habe gewusst, dass wir uns auf Sie verlassen können.« Nun lächelte er sogar.

Warum muss der liebe Gott seine Gaben nur so ungerecht verteilen?, fragte sich Sojorno, der sich durch das Lächeln des anderen plötzlich wie ein Auserwählter fühlte. Der junge Graf besaß alles, was er selbst nicht hatte und sich sehnlichst wünschte: einen makellosen Körper, den ein römischer Bildhauer nur unter Aufbietung all seiner Künste hätte schaffen können, eine olivbraune Gesichtshaut, auf der am Morgen frische schwarze Bartstoppeln von Männlichkeit und Unbezähmbarkeit sprachen, und Augen, die glänzen konnten wie glühende Steine – oder so kalt funkeln wie gerade eben. Sein Mund und die Kinnpartie wiesen die Spur von Sensibilität und Weichheit auf, die Frauen dahinschmelzen ließ. Madonna mia!

»Ich werde den ganzen Sommer über in New York bleiben. Mein Vater ist der Ansicht, dass es angesichts der vielen Lieferungen nicht schaden kann, wenn einer von uns persönlich nach dem Rechten sieht«, sagte Conte de Lucca, während er seinen Kalender verstaute.

Sojorno gelang es nur schwer, den Blick von seinem Gesprächspartner zu lösen. Franco de Lucca war ihm gegenüber nicht zu Erklärungen verpflichtet. Dass er dies dennoch tat, adelte Sojorno auf gewisse Weise.

»Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich bei den nächsten Lieferungen vermehrt um ›Spezialitätenlieferungen‹ handelt?« Vertraulich und mit einem Schuss Ironie nahm er das Wort auf, das sein Gegenüber benutzt hatte, als im nächsten Moment eine harte Hand seinen Adamsapfel gegen seine Luftröhre drückte.

»Dass wir uns verstehen, Sojorno – wir liefern italienischen Rotwein – mehr nicht!«

2

Die ersten zwei Tage auf dem Schiff verbrachte Marie in ihrer Kabine. Nicht, weil sie an Seekrankheit litt wie viele andere Passagiere, sondern weil sie stundenlang nichts anderes tat, als in dem englischen Wrterbuch zu lesen, das Sawatzky ihr geschenkt hatte. Lediglich zu den Mahlzeiten ging sie in den Speisesaal, verlie diesen jedoch wieder, bevor der Letzte sein Besteck aus der Hand gelegt hatte. Wenn sie fleiig Vokabeln lernte, wrde sie bei ihrer Ankunft in New York wenigstens ein paar Brocken verstehen, rechtfertigte sie ihr Einsiedlerdasein. Obwohl der Sinn und Zweck ihrer Reise auch oder sogar vor allem darin lag, fremde Menschen kennenzulernen, war ihr im Moment gar nicht danach zumute. Sie musste ehrlich zugeben, dass ihr nach gar nichts zumute war und dass sie ihren Entschluss, ihre Schwester Ruth in Amerika zu besuchen, zutiefst bereute. Was mache ich hier eigentlich?, fragte sie sich, whrend sie mit gesenktem Kopf durch die schmalen Flure in den Unterleib des Schiffes huschte. Wie viel lieber wrde sie stattdessen an ihrem Bolg sitzen und Glas blasen! Oder es zumindest versuchen

Kaum hatte sie den Gedanken, gegebenenfalls einmal nach Amerika fahren zu wollen, Anfang April zum ersten Male ausgesprochen, hatte sie damit einen Stein ins Rollen gebracht, der nicht mehr aufzuhalten war: Statt auf Widerstand seitens ihrer Familie zu stoen, hatten Johanna und Peter sie nmlich spontan zu der Reise ermutigt. Sie htte schon lange eine Belohnung fr ihre harte Arbeit verdient, sagten sie. Und ein bisschen frischer Wind um die Ohren wrde ihr nur guttun. Aber wer soll meine Arbeit machen?, hatte Marie eingeworfen. Johanna hatte nur abgewinkt: Ein paar Wochen wrden sie gut ohne sie zurechtkommen, vor allem, wenn sie ihre Reise in die flauen Sommermonate legte. Es wrde vllig ausreichen, wenn sie irgendwann im Herbst zurckkme, fr die Erstellung des neuen Kataloges hatten sie schlielich bis nchsten Februar Zeit. Als Marie die hohen Kosten einer so langen Reise anfhrte, hatte Peter sie stirnrunzelnd gefragt, ob sie ihr dickes Sparbuch eines Tages mit ins Grab nehmen wolle. Auerdem wrde sie bei Ruth doch freie Kost und Logis haben.

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