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Beschreibung

Statt eines Klappentextes, der zwangsläufig zu kurz ausfallen muss, das Inhaltsverzeichnis: Karla Weigand À Bientôt! 9 · Jörg Weigand Monika 16 · Gerald Bosch Naturverwunderliches 18 · Alexander Röder Duell der Schlemmersekten 28 · Kai Riedemann Das Kreuz mit den Neuroparasiten bei der Bundestagswahl 2025 38 · Frank G. Gerigk Der Drachenkrug des Po-Tse 40 · Rainer Schorm Essen und wohin so etwas führen kann … 44 · Gisbert Haefs Die Zwerge von Zülpich 48 · Bernd Schuh Candy and Sugar 58 · Hans Jürgen Kugler Gefressen! 64 · Jan Osterloh Besuch bei den Waldmännchen 84 · Claudia Ratering Brocken im Weltall 90 · Sabine Frambach Der Kristallkönig 94 · Tim Piepenburg Der Arm aus dem Meer und dem Kochtopf 101 · Michael Wink Gigot chez Monique 107 · Maike Braun Der Reiher und der Froschkönig 113 · Kai Focke Ärger mit der "Neuen" 120 · Kim Skott Ein neuer Schnitt 128 · Andreas Schäfer Yersinia Fogg 134 · Barbara Büchner Die Mittagsfrau 135 · Ernst-Eberhard Manski P oder: Die WurmlochPassage kurz vor der MittagsPause 146 · Frank Strickstrock Digitale Demenz 150 · Alexander Röder Wie Monika erfolgreich kriminell wurde (aber ich leider nicht) 152 · Claudia Ratering Laika 156 · Ruben Wickenhäuser Kindergeburtstag 162 · Anja Stürzer Wie die Ragni das Zaubern verlernten 175 · Karl-Ulrich Burgdorf Neue Abenteuer im Dschungel des Gehirns 181 · Esther Geißlinger Ich bin schon einmal dort gewesen, wissen Sie 193 Jörg Weigand Geheimnisvolle Gäste 201 · Karl-Ulrich Burgdorf Der Stammgast 206 · Diane Dirt Wettsaufen 218 · Karla Weigand Das Geheimnis der alten Tasche 223 · Hans-Dieter Furrer Kleiner Kneipenbummel durch mein Bücherregal 235 · Marianne Labisch Wer ist Donna oder Monika Niehaus? 240 · Thomas Le Blanc Ein Abend mit Monika 243 · Ellen Norten Experten unter sich 248 · Friedhelm Schneidewind Rückwirkung 254 · Kai Focke Donnas Kaschemme: Die fantastische Kneipenwelt der Monika Niehaus 259

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Seitenzahl: 389

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Die Autorin am Rande des Universums

Monika Niehaus zum 70. Geburtstag

Herausgegeben von

Rainer Schorm, Jörg Weigand, Karla Weigand

AndroSF 147

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© dieser Ausgabe: 05. September 2021

p.machinery Michael Haitel

Titelbild: Rainer Schorm

Layout & Umschlaggestaltung: global:epropaganda

Lektorat & Korrektorat: Michael Haitel

Herstellung: global:epropaganda

Verlag: p.machinery Michael Haitel

Norderweg 31, 25887 Winnert

www.pmachinery.de

für den Science Fiction Club Deutschland e. V., www.sfcd.eu

ISBN der Printausgabe: 978 3 95765 255 3

ISBN dieses E-Books: 978 3 95765 842 5

I

Karla Weigand – À Bientôt! – Ein eher persönliches Vorwort

Ein, zwei Mal pro Jahr (ausgenommen während der verdammten Corona-Pandemie), wenn Jörg und ich uns aus dem sonnigen Breisgau in den wunderschönen Norden in Richtung unserer nordfriesischen Trauminsel Föhr aufmachen, freuen wir uns immer ganz besonders auf eine mehrtägige Reiseunterbrechung in Düsseldorf. Dort wohnen nämlich zwei ganz besondere Menschen, die wir glücklicherweise seit Langem zu unseren guten Freunden zählen dürfen: Monika Niehaus-Osterloh und ihr Mann Jan Osterloh.

Jeder Besuch bei den beiden fühlt sich jeweils an wie ein Nachhausekommen; ganz entspannt, irgendwie selbstverständlich und vor allem sehr herzlich.

Liebe Monika, heute geht es um dich, denn am 5. September feierst du deinen 70. Geburtstag! Dein Lebensweg hat in Hinsbeck am Niederrhein begonnen und schon deine Taufe war ein bisschen ungewöhnlich. Immerhin war dein Pate kein Geringerer als Josef Beuys! (Wer kann schon mit so einem Taufpaten aufwarten?) Der Künstler war mit deinem Vater, einem Arzt, befreundet und lebte zeitweise wegen des gemeinsamen Interesses an Rudolf Steiner im Haus deiner Großmutter Elisabeth. Als ganz kleines Kind hast du dann in Unkel am Rhein gewohnt, einer Stadt, die mir bisher nur als letzter Wohnort von Exkanzler Willy Brandt ein Begriff gewesen ist.

Nach der Grundschule auf dem Land, in Birkesdorf, besuchtest du das von Nonnen geführte Gymnasium »Unserer Lieben Frau« in Bonn. Das verbindet uns schon mal, liebe Monika. Bei mir war’s das Gymnasium »Unserer Lieben Frau am Anger« in München. Wir sind sozusagen beide »kloster-« bzw. »kirchengeschädigt« …

Gemeinsam ist uns ein Elternhaus mit vielen Büchern, die auch gelesen wurden und nicht nur die Regale füllten. Dass wir das mit Begeisterung in unser späteres Leben übernommen haben, sieht man in unseren Häusern: Überall Bücher, Bücher, Bücher! Die euren habt ihr noch gesichert mittels einer zähnefletschenden Hyäne … Irgendwann könnte mal eure (oder unsere) »Hütte« unter der horrenden Papierlast zusammenkrachen – was soll’s?

Dass du nach dem Abitur 1969 in der Kunstakademie bei Beuys angenommen wurdest, hat mir Jan verraten. Ich habe übrigens ein Bild von dir über meinem Bett hängen, das ich oft mit Vergnügen betrachte … Zweifellos hast du das zeichnerische Talent von deiner Mutter, einer Modezeichnerin und Malerin, geerbt …

Im Zweitfach hast du Biologie belegt – (dank guter Zensuren gab’s ein Stipendium der Cusanus-Stiftung) – und bist dann dabei hängen geblieben. Was, nebenbei bemerkt, Jörg und ich sehr begrüßen! Sooft eine Frage bezüglich irgendeines »Viechs« auftaucht, benutzt einer von uns die bereits stereotype Redewendung »Frag’ doch mal die Monika!« Von deinem Wissensschatz zu zehren ist sehr praktisch und auch viel effektiver, als irgendwelche Schwarten zu wälzen oder Wikipedia-Einträge zu Rate zu ziehen!

In der Bretagne hast du dann deinen späteren lieben Mann Jan, einen Diplombiologen, kennen- und beim Jakobsmuschelessen und beim Skatspielen (wo du immer gewonnen hast!) auch lieben gelernt. Daher rührt wohl deine (und eure) bis heute andauernde Frankophilie. Etwas, das dich auch mit Jörg verbindet, der Jahre seines Studiums in Paris verbracht hat. Auch ich mag Frankreich, die Franzosen und ihre Lebensart sehr gerne. Leider beherrsche ich ihre wunderschöne Sprache nur noch arg rudimentär …

1974 war ein besonderes Jahr für dich: Du bist nicht nur mit Jan zusammengezogen, du hast auch deine Diplomarbeit über »die Konstruktion der Antennen des Kleinen Fuchses« geschrieben. Die zarten Flattertierchen haben dich anscheinend nicht mehr losgelassen und so hast du im Jahr 1979 mit einer Dissertation über »Das Flugverhalten und die Aerodynamik von Schmetterlingen im Windkanal« auch noch den Doktortitel erworben. Chapeau!

Vier Jahre später, 1983, haben Jan, der als Gymnasiallehrer arbeitete, und du geheiratet. Ihr bekamt im Lauf der Jahre zwei großartige Söhne (und inzwischen zwei ganz zauberhafte Schwiegertöchter) sowie vier wunderbare Enkelkinder.

Neben zig Beiträgen in Fachzeitschriften hast du auch jede Menge populärwissenschaftliche Artikel über interessante Phänomene in der Tier- und Pflanzenwelt sowie ganze Serien für den Hörfunk zu medizinischen, ökologischen und sonstigen Problemen aus der Naturwissenschaft verfasst. 1991 hast du mit zwei Koautoren das Fachbuch »Bunte Terrarienwelt: Amphibien und Reptilien« geschrieben. Erwähnen muss ich noch deine fruchtbare Zusammenarbeit mit Udo Pollmer. Dazu kamen noch zahlreiche Fachkompendien für das Fernstudium naturwissenschaftlicher, vor allem biologischer Fachbereiche.

Der Erste, der deine schriftstellerisch-belletristische Begabung erkannt hat, war dein Institutsdirektor, der Neurobiologe Professor Dr. Gerd Schneider. So hast du dich 1983 auch am Kurzgeschichtenwettbewerb des Bastei-Verlages beteiligt. Da wurde nämlich der »Robert-Sheckley-Preis« ausgeschrieben und du, als Anfängerin, hast gleich den 2. Preis für deine Erzählung »Heimweh nach Tau Ceti« gewonnen. Gratulation nachträglich!

Du merkst, liebe Monika, ich habe Jan ordentlich ausgequetscht, um etwas über deine Vergangenheit herauszubekommen. Kennengelernt habe ich dich ja erst viele Jahre später.

Stets in Erinnerung werden mir die obligaten spannenden Zoobesuche mit dir und Jan bleiben (die meisten im Krefelder Zoo, weil Jan dort jahrelang Schulklassen als Zoopädagoge unterrichtet hat), aber auch in verschiedenen anderen Tierparks. Ich kann es kaum erwarten, dass wir diesen schönen Brauch bald wieder aufleben lassen können. Irgendwann ist hoffentlich auch die abscheulichste Pandemie zu Ende.

Unvergesslich die bizarren »Aufführungen« von Schimpansenmännchen »Charlie« im Krefelder Zoo! Ab 1991 warst du oft dort, weil Jan ja Lehrer in der dortigen Zooschule gewesen ist. Charlie, der Dussel, konnte dich absolut nicht leiden, womit er meines Erachtens bewies, wie komisch er gestrickt war. Man muss dich doch einfach mögen, oder? Kaum bekam der Bursche dich zu Gesicht, fing er an, wie verrückt zu kreischen und wie ein Irrer gegen die gläserne Trennwand zum Zuschauerraum zu springen! Was er wohl mit dir gemacht hätte, wenn er dich tatsächlich erwischt hätte? Gut, dass wir’s nicht rausgefunden haben …

In den letzten Jahren war er allerdings abgeklärt (oder altersmüde?) und ließ das »Affentheater« bleiben. Du hast Charlie immerhin in einem Zookrimi verewigt … Jedenfalls hat er das schreckliche Ende, das ihm und etlichen anderen »Kollegen« letztendlich beschieden war (Brand im Affenhaus), nicht verdient.

Ein anderes Erlebnis, wenn ich mich richtig erinnere im Zoo von Wuppertal, war auch sehr speziell und sagt zudem eine Menge über dich aus. Wir vier spazierten ganz entspannt dahin (Jörg hatte gerade Bekanntschaft mit einem überraschend zutraulichen Pfauenhahn gemacht); ich marschierte hinter euch dreien her, als mir urplötzlich ein ziemlich großer Gegenstand vor die Füße knallte, dem ich grade noch ausweichen konnte. Im nächsten Moment sah ich, wie du auf einmal davongerannt bist, als wäre ein Schwarm Hornissen hinter dir her! Unsere Männer, perplex wie ich, blieben auch verdattert stehen und schauten dir hinterher. Was, in drei Teufels Namen, war denn auf einmal los? Ich hätte übrigens nicht gedacht, dass du so schnell rennen kannst …

Inzwischen hatte ich den ominösen Gegenstand als deine ziemlich umfangreiche und schwere Umhängetasche identifiziert, bückte mich danach und hob sie auf. Ich war mir sicher, dass du das gute Stück nicht für immer loswerden wolltest …

Aber was sollte die ganze Aktion? Alles spielte sich in Sekundenschnelle ab und im nächsten Moment wussten wir Bescheid: Du hattest neben dem Weg ein Streifenhörnchen entdeckt, welches mit einer höchst seltsamen »Kopfbedeckung« auf der Flucht war! Das arme Tier hatte sein Köpfchen in ein im Gras liegendes, von dummen Menschen achtlos weggeworfenes Glasfläschchen gesteckt und war nicht mehr imstande, das schreckliche Ding loszuwerden, weil sein Kopf drin stecken blieb. In Panik schoss das Hörnchen kreuz und quer über den Weg und wäre zweifellos erstickt oder verhungert.

Das hattest du richtig erkannt, hast »Ballast« abgeworfen und bist hinterher gesaust, um das neugierige Streifenhörnchen einzufangen, um es von seinem »Taucherhelm« zu befreien und so vor dem sicheren Tod zu bewahren. Eine ebenso großartige wie spektakuläre Aktion!

Als ich dir nach erfolgreicher Befreiung deine Tasche wieder aushändigte, hast du ganz erstaunt dreingeschaut; du hattest überhaupt nicht registriert, dass du sie weggeschmissen hattest. Da war der kleine Nager, glücklich befreit, längst wieder in einem Gebüsch verschwunden.

Dass du und Jan große Tierliebhaber seid, sieht man auch daran, wie ihr mit euren Katzen umgeht! Egal, ob es sich um eine sehr »spezielle«, kapriziöse Mieze handelt, wie es etwa »Kätzchen« gewesen ist, die ebenfalls dir ihr Leben verdankte, oder ob es, wie derzeit, »Don Camillo« und »Peppone« sind, auch zwei ganz besondere »Früchtchen«… Wir lieben Katzen genauso wie ihr und trauern mit euch, falls eines der Samtpfötchen mal wieder den Weg alles Irdischen gegangen ist.

Was man besonders an dir schätzen muss, ist dein »savoir vivre«, liebe Monika, deine Vorliebe für gutes Essen und Trinken und fürs Kochen! Letztere Leidenschaft teilst du ganz besonders mit Jörg. Außer in meinem Küchenschrank kenne ich niemand in unserem Bekanntenkreis, der solche Mengen und vor allem so eine Auswahl sowohl an einheimischen wie an exotischen Gewürzen hat!

Die Besuche mit dir auf dem wunderschönen Düsseldorfer Markt und die Einkäufe, die wir dort tätigen, werden mir immer im Gedächtnis bleiben! Ich selbst bin ja nicht so die geniale Köchin. Aber, was du, meine Liebe, und Jörg dann jeweils für Köstlichkeiten auf den Tisch bringen, kann sich regelmäßig »von« schreiben. Ich bin eher so der akribische Gemüseputzer, Rüben- und Kartoffel- oder Spargelschäler, »Ausklauber« und Kleinschnippler. Ich habe auch, wie du, keine Scheu, Fleisch bratfertig herzurichten und Geflügel auszunehmen (uns graust’s vor gar nix, gelle? Oder, wie du zu sagen pflegst: »Mir sin’ vor nix fies!«).

Was ich auch ganz besonders an dir schätze, ist dein Gespür, wann es Zeit ist, das passende Getränk zu offerieren! So wird jede Mahlzeit bei euch zu einem (auf neudeutsch) »Event«.

Liebe Monika, ich weiß, dass ich immer mit dir reden kann (mit Jan natürlich auch). Aber manches bespricht sich halt leichter mit einer Frau. Jede Diskussion im Hause Niehaus-Osterloh macht großen Spaß und ist ein Gewinn; egal, ob es was Politisches oder Medizinisch-Naturwissenschaftliches ist, ob es sich um Philosophie, Soziologie, Literatur oder sonst etwas »Kluges« handelt.

Genauso kann man mit dir (euch) wunderbar »blödeln« und jede Menge Spaß haben. Deine Art von schrägem Humor und gerade die oft treffend bissigen Kommentare kommen meinem sehr ähnlich gestrickten Naturell sehr entgegen: Was gibt’s Schöneres, als hin und wieder mal so richtig über jemanden zu lästern?

Weder du noch Jan haben irgendwelche ideologischen Scheuklappen – eine Wohltat gerade hier und jetzt, wo alle so tun, als wären sie komplett frei im Denken. (Und am Ende kommt dann so was Jämmerliches wie die »Querdenken-Kacke« heraus …) Du, liebe Monika, bist grundsätzlich offen für alles, denkst liberal und bist auf keinen Fall ideologisch-religiös vorgeprägt, sprich verbildet oder verdorben – trotz der »Nonnenschule« …

Um es kurz zu machen: Gerade dich zur Freundin zu haben, macht mich sehr glücklich. Das Allerwichtigste zu deinem Geburtstag (auch wenn’s banal klingt): Bleib’ gesund, achte auf dich, übertreib’ nichts, damit es die nächsten dreißig Jahre noch so bleibt und vor allem: Mach’ mit der Schreiberei so weiter wie bisher und sei weiter produktiv. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Band mit »Donnas Kaschemmen-Geschichten« – ein kleiner Geniestreich, wenn du mich fragst!

Und nicht zu vergessen, wenn wir wieder mal was wissen wollen, sei es über Tiere oder irgendwelche körperlichen Malaisen (du kennst dich ja auch in Medizin sehr gut aus!), dann sei so gut und hilf’ uns wie bisher auf die Sprünge. (Du weißt ja: »Frag’ doch mal die Monika!«).

Noch ein weiterer Wunsch an dich: Überrede Jan und lasst euch endlich mal wieder in Grunern sehen! Corona wird ja wohl nicht ewig dauern! Ihr seid jederzeitherzlich willkommen. Das obere Stockwerk steht zu eurer Verfügung, so lange ihr wollt. Ausflüge nach Frankreich oder in die Schweiz sind hoffentlich auch bald kein Problem mehr.

Und dass ich (wir) mich (uns) darauf freue(n), mit dir, meine Liebe, wieder in der Düsseldorfer Altstadt in Buchläden oder Antiquariaten zu stöbern, über den Markt zu flanieren und in einem der zahlreichen tollen Wirtshäuser in der Düsseldorfer Altstadt einzukehren, muss ich nicht extra betonen, oder?

À bientôt, ma Chère!

Deine Karla

Jörg Weigand – Monika

Man könnte sich ganz einfach damit bescheiden: Monika ist eben Monika. Das wäre gewiss nicht falsch, aber eben auch nicht genug richtig.

Denn Monika ist eben mehr als nur Monika.

Monika ist eine Frau – zweifellos.

Sie ist eine zielgerichtete Frau; will sagen: Sie weiß genau, was sie will und was nicht.

Monika ist intelligent. Und klug (was nicht identisch ist). Und clever.

Und vor allem: Sie ist informiert. Informiert auf vielen Gebieten, die für »normale« Menschen voller Rätsel stecken, ja – sozusagen – »böhmische Dörfer« sind.

Monika ist Biologin von der Ausbildung her.

Sie ist Übersetzerin aus praktischen Erwägungen (Brotberuf) und weil es ihr Spaß macht: wenigstens die meisten der Titel, die ihr als Aufträge ins Haus flattern.

Sie ist Autorin von Science-Fiction und Fantastik mit Abschweifungen in die Fantasy aus Passion und Ehrgeiz. Ihr Liebe gehört der kurzen, der gedrängten Form. Und um diese kurzen Texte herzustellen, ist sie bienenfleißig.

Sie könnte durchaus, das hat sie bereits hinreichend bewiesen, den langen belletristischen Text zu Papier bringen. Aber … (das lassen wir offen).

Monika ist eine gute Sachdarstellerin komplizierter, oft verschachtelter Zusammenhänge. Und das mit einem Hang zum Skurrilen, Unwahrscheinlichen und Absonderlichen. In der Darstellung solcher Fakten kann sie spannend erzählen.

Monika ist aber auch – das sei betont – eine Frau, die zu leben weiß. Sie liebt das Reisen, liebt gutes Essen und weiß den passenden Wein zu schätzen. Und einen Verdauungsschluck vor oder nach dem Essen im Kreise der Familie oder von Freunden weist sie auch nicht ab.

Monika liebt Frankreich und hätte ebenso gut eine Französin hergegeben, so man es ihr bei der Geburt möglich gemacht hätte; etwa eine gebildete und dabei menschlich wie sozial anspruchsvolle Pariserin aus einem der anspruchsvolleren Arrondissements.

Sie ist eine gute Köchin und steht Neuem in der Küche (persönlich wie sachlich) immer offen und neugierig gegenüber. Und sie ist eine gute Beiköchin, auch das nicht selbstverständlich.

Alles in allem: Monika ist anspruchsvoll und ehrgeizig, ohne den in Deutschland fast üblichen Neid vor sich her zu tragen.

Monika ist liebenswert, sie hat Charme und kann zuhören. Sie nimmt Anteil, ohne in Versuchung zu geraten, unaufgefordert »gute Ratschläge« zu erteilen. Monika hat Wärme für diejenigen, die sie mag. Und sie ist hilfsbereit, wo gefordert.

Kurz: Wer Monika zur Freundin hat, hat Glück im Leben.

Monika ist eben Monika.

Gerald Bosch – Naturverwunderliches – Eine etwas andere Biologie

Die nachfolgenden, nicht ganz ernst zu nehmenden Beschreibungen wurden durch häufige frühkindliche Beobachtungen eines seinerzeit sehr bekannten und sehr narrativen deutschen Fernsehzoologen (†) inspiriert. Meine Doku beginnt mit (Pseudo-) Säugern und führt über weitere fiktive Wirbeltiere und Wirbellose zu Scheinpflanzen und Fantasypilzen. Enjoy!

1 Der majestätische Baulöwe (Leo dywidax) ist unumstrittener Beherrscher der offenen Liegenschaften, doch jagt er mitunter auch in den angrenzenden Zementwüsten und Asphaltsteppen, vereinzelt sogar in abgelegenen Straßenschluchten. Entgegen landläufigen Gerüchten ernährt er sich nicht von Erdnüssen, sondern ist und bleibt ein blutrünstiges Raubtier. Gegen Einbruch der Dämmerung, wenn die Mitglieder von Bauausschüssen nach langatmigen Komiteesitzungen und Ortsbegehungen ermattet nach Hause ziehen, geht er auf die Pirsch. Schnell und lautlos werden kleine, effektiv verzinste Rudel gebildet, die nun ein geeignetes Objekt, etwa ein geschwächtes Bauherren-Gnu (Unibos lucrativus), auf einer offenen Gemarkung zielsicher einkreisen und schlussendlich dem Boden gleichmachen. In der Wahl seiner Beute ist der Baulöwe recht anspruchslos, zumeist werden große Herdentiere bevorzugt – flinke, in der Regel langweilige Schreberparzellen (Domaena quadratica), verwilderte Amtsschimmel (Equus paragraphissimus) oder auch einzelne, behäbige Grundbuchbüffel (Bison cataster). Aber selbst Bewohner der unteren Einkommensschichten, wie Kleiner Krauter (Simplicius tucholskii), Bausparschwein (Porcus leonbergi) oder die verwandte Arme Sau (Sus lamentabilis), sind für ihn durchaus schmackhafte Häppchen, die er keineswegs verschmäht. Zielsicher durchquert er jede Lücke im Paragrafendschungel, wobei provisorische Schutzwälle wie Bauverordnungen, Flächennutzungspläne oder einstweilige Verfügungen keine ernst zu nehmenden Hindernisse darstellen. Hat er erst einmal den Angstschweiß seiner prospektiven Beute gerochen, dann ist es um diese geschehen. Natürliche Feinde besitzt die Großkatze kaum. Mitunter fallen junge, unerfahrene Exemplare dem Pleitegeier (Gyps concursus) zum Opfer, ansonsten sind es vor allem alte, vom Erfolg geblendete Männchen, die von eifrigen Steuerpanthern (Fiscus inspector) erlegt werden, wenn sie z. B. nach einem großen Beutezug durstig zu den Quellen steuern.

2 Der Wischmops (Canis domesticus var. vileda), regional – vor allem im Norden seines Verbreitungsgebietes – auch Feudel genannt, ist ein anspruchsloser Hausgenosse des Menschen und absolut standorttreu. Leider wird das friedliebende Kerlchen oftmals mit dem aggressiven Menschenmops (Canis massendemos) verwechselt. Von diesem unterscheidet ihn nicht nur sein schlichtes, graues, leicht verfilzendes Haarkleid, sondern auch seine Vorliebe für Wasser. (C. massendemos hingegen hasst beispielsweise Wasserwerfer wie die Pest.) In freier Wildbahn nimmt er gerne kurze Bäder in Putzeimern; zu langes Verweilen führt zur Ausdünstung eines unangenehmen Revierdufts. Ansonsten hält er sich oft wochenlang in Trockenstarre in wasserlosen Lebensräumen auf. Diese Hunderasse wurde speziell zur Jagd auf die nervtötende Wollmaus (Mus sublectulus var. vorwerkii) gezüchtet.

3 Beim Daxhund (Canis domesticus var. dividendus) wiederum handelt es sich um eine alte Jagdhundrasse, die früher vor allem zur Hatz auf Bullen und Bären eingesetzt wurde, heute jedoch eher als sportlicher Szenehund in Mode gekommen ist und sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Zu den besonderen Eigenschaften des Daxhundes zählen in jungen Jahren seine enorme Zuwachsrate und Agilität, speziell in den Gemarkungen des E-Commerce; allerdings ist er bereits dann schon – wie auch mit zunehmendem Alter – nicht vor plötzlichem Verfall gefeit, der ohne erkennbare Ursachen aus heiterem Himmel eintreten kann. Dieser von gewieften Analysten auch als »Talfahrt« bezeichnete Zustand lässt die Beliebtheit des kleinen Kerlchens so abrupt sinken, dass er unbarmherzig von seinen Besitzern verstoßen wird. Im Umland der Frankfurter Börse, das als ursprüngliches Zuchtgebiet dieser Rasse gilt, wird das betroffene Tier mit den altüberlieferten Worten »Sofort verkaufen!« in die Verbannung – oder »abgestoßen«, so der Fachterminus – geschickt; diese Formel muss der Tradition entsprechend via Mobiltelefon ausgesprochen werden. Ungeachtet seiner hohen Sprungkraft im Tagesgeschäft kann man sich C. dividendus aufgrund seiner Tendenz zu Kursverlusten daher kaum als beständigen, treuen Hausgenossen vorstellen, der sein Herrchen bis ins hohe Alter stützt und ernährt. (Zu diesem Behufe besser geeignete Rassen sind Golden Pension Retriever oder Mixed Fund Mastiff, die von Natur aus einfach eine größere Sicherheit bieten.) Global wurde der Daxhund immer wieder weitergezüchtet – so entstanden in Europa der Baissett und der Hausseky Dog, in den USA der Dow-Jones-Terrier und in Japan der Nikkainese.

4 Der Osterházy (Lepus dacapo) ist der einzige Vertreter der Hasenartigen (Lagomorpha), der sich bevorzugt im Orchestergraben aufhält. Stets erkennbar ist dieser Hase an einem weißen, schalartigen Halsstreifen, der sich auch über den Rücken zieht, sowie an einer ausgeprägten, schwarzen Hautfalte, die ihm wie ein Cape in den Nacken fällt. Neben seiner ausgeprägten Vorliebe für Champagner wird aber auch leichte Kost wie rote Rosen oder Tulpen (bevorzugt aus Amsterdam) von diesem Mümmelmann nicht verschmäht. Sein Nachtlager baut der Osterházy aus verlorenen Akkorden, alten Notenblättern und unvollendeten Symphonien. Aber ach, wie die meisten Langohren besitzt auch L. dacapo viele natürliche Feinde, darunter vor allem den Freischütz (Andrewia lloydweberi), doch auch Vogelhändler (Adamo pseudonobilis), Milchmänner (Anatevka galicia) und Bettelstudenten (Academicus milloeckeri) stellen ihm nach. Einen Vorteil hat die Evolution ihm jedoch in die Wiege gelegt: Dank seiner langen Ohren nimmt er schon frühzeitig gefährliche Zwischentöne wahr, sodass er sich vor einem hereinbrechenden Crescendo oder Andante furioso ziemlich allegro in Sicherheit bringen kann (s. a.  Falscher Hase, Lepus fricadellus).

5 Der Halsabschneider (Lanius guillotinus), ein unscheinbarer Singvogel mit schmutzig grauem Gefieder (»Nadelstreifen«), gleicht in seiner Biologie dem Neuntöter (Lanius collurio) oder Rotrückenwürger, der seine noch lebende Beute – teilweise sogar größere Kleintiere – an langen Dornen im Gebüsch aufspießt. Ursprünglich bis Mitte des 19. Jahrhunderts weltweit verbreitet, saß der Halsabschneider nicht wie andere Raubvögel auf einer hohen Warte, sondern lauerte gut getarnt in dunklen Mauerecken oder Hauseingängen, um sich im Schutze der Dämmerung auf seine Beute zu stürzen. Bevorzugte Opfer waren Lebewesen, die genervt, gestresst, geschwächt oder anderweitig in Not geraten waren. Aufgrund starker Verfolgung durch die jeweiligen Rechtssysteme schrumpfte der ursprüngliche Bestand beträchtlich. Vom unmittelbaren Aussterben bedroht, gelang es dem Halsabschneider jedoch, durch einen bravourösen Zug (man kann nahezu von einem Paradebeispiel für die Anpassungsfähigkeit der Natur sprechen) zum echten Kulturfolger zu mutieren, der seine Ernährungs- und Lebensweise völlig umgestellt hat. Anstelle von Blut lebt er heute von Zinsen (z. B. aus Wett- und Spielschulden), deren Niveau ähnlich wie beim Kredithai (Targocarcharias multidebitorius syn. Catarhinus monetarius progressivus) jenseits von Gut und Böse liegen. Andere Nahrungsquellen sind Mieteinnahmen, Personalkredite oder Aktienfonds. Das Nest des Halsabschneiders enthält zahlreichen Haken, an denen er seine Kontrakte aufhängt. In einem nicht nur für Ornithologen interessanten Beispiel von Mimikry imitiert der Halsabschneider smarte Vermögensberater oder adrette Sachbearbeiter von Kreditinstituten, wobei er sich geschickt durch ein charakteristisches Nadelstreifengefieder und sein angeborenes einschmeichelndes Verhalten tarnt. Aber auch Kleininserate zu Direktkrediten, die über kostenlos verteilte Wochenendblättchen in Umlauf gelangen, helfen dem gefiederten Monster immer wieder, neue ahnungslose Opfer zu finden und in den finanziellen Ruin zu treiben. Auf Anfragen der Schufa beim Vogelschutzbund NaBU wurde bei dessen letzter Jahreshauptversammlung in Erwägung gezogen, angesichts der mittlerweile drastischen Bestandszunahme eine Abschussquote (im dreistelligen Bereich) zu befürworten.

6 Der giftspritzende Talkmaster (Vipera annewilla) aus der Familie der Viperidae (Vipern und Ottern) ähnelt von Biologie und Verhalten dem Australischen Buschmeister oder Bushmaster (Lachesis muta). Die stets nach dem letzten Schrei beschuppte Schlange stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde bei uns über die Niederlande eingebürgert; sie bevorzugt kleine, quadratische Wohnhöhlen, deren Vorderseiten verglast sind. Nach Betätigung der Fernbedienung werden Talkmaster zu jeder Tageszeit putzmunter und plappern, was das Zeug hält. Als Nahrung dienen ausschließlich sogenannte Einschaltquoten; sobald diese einen bestimmten Level unterschreiten, geht die Schlange unweigerlich ein – ein großes Problem besonders bei Exemplaren, die unter Knebelverträgen in Gefangenschaft gehalten werden. Mithilfe eines Langzeitgifts, dem Quototoxin, werden die Opfer scharenweise gelähmt; dessen chemische Analyse ergab einen hohen Anteil Schwafelsäure (47,4 %), Gamma-Egozentrin (21,8 %), Beta-1,4-Bloedsin (14,89 %), Hissssstamin (0,66 %) sowie zahlreiche, nicht näher untersuchte Laberstoffe und Weichmacher (darunter u. a. polymere Frustrane, etliche Knalldehyde und Telegen-Derivate) – kurzum, ein recht spritziger Cocktail. Talkmaster kann man gefahrlos anfassen, weil das Gift nur über die Netzhaut in den menschlichen Körper eindringt; dort führt es jedoch nach mehrstündigem Kontakt zu Stumpfsinn, Willenlosigkeit und Hirnerweichung, auch bekannt als MIS (Maybrit-Illner-Syndrom). Der Artenschutz von Talkmastern fällt übrigens – wie auch beim Ergrauten Star (Megadiva heestersi) – in den Zuständigkeitsbereich der GEZ und wird durch eine bundesweite Gebührenordnung finanziert.

7 Die gewaltige Riesenbo-äh (Pytton bochum), auch unter den Namen Gemeine Revierschlange oder Großer Püttwurm bekannt, hat sich vortrefflich an das Leben im Großstadtdschungel adaptiert. Als Lebensräume nutzt dieses Riesenreptil ausschließlich rußreiche, versmogte Reviere, wo es vorzugsweise dunkle Förderschächte besiedelt; mitunter trifft man dieses Kriechtier aber auch in kleinen, ergrauten Reihenhäuschen (den sogenannten »Kumpelhäusken«) an. Einer Riesenbo-äh sollte man niemals von der Seite kommen, da sie den vermeintlichen Angreifer sofort unter bösartigen Zischlauten (»Gezz iss shluuusss«) attackiert. Die Nahrungsaufnahme der streng vegetarisch lebenden Schlangen erfolgt nie unter Tage, sondern stets oberirdisch. Zwar hat man in jüngster Zeit auch einzelne Exemplare gesichtet, die sich über Essensabfälle, wie Pommes frites, Pils und Currywurst, hermachten, normalerweise ernährt sich P. bochum jedoch ausschließlich vom Kohlepfennigkraut (Obulus carbonicus), einer Zivilisationspflanze aus der Familie Verwaltungskräuter (Politicaceae; vormals: Administrales). Hier steht P. bochum in direkten Nahrungskonkurrenz zum nahe verwandten Riesenrheinwurm (Pytton gartzweileri), auch Tagesbo-äh genannt, einer weiter südwestlich lebenden, meist reinbraun, oft aber auch rot-grün gezeichneten Riesenschlange. Aufgrund des hohen Nahrungsbedarfs der Tiere, der nur unzureichend aus der öffentlichen Hand gedeckt werden kann, und dem gleichzeitigen drastischen Rückgang von O. carbonicus müssen wir mit dem baldigen Aussterben dieser Riesenschlangen rechnen. Erschwerend kommt in solch einer fatalen Situation noch hinzu, dass das standorttreue Tier aufgrund seiner ausgeprägten Revierverbundenheit selbst dann, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht, lieber im Kohleschacht ersäuft, als ihn freiwillig verlässt.

8 Die Gruppe der Amphibien ist besonders stark von Klimawandel und Umweltverschmutzung betroffen, da sich nur wenige Vertreter erfolgreich an die anthropogenen Veränderungen ihrer Lebensräume adaptieren konnten. Darüber hinaus kennt das Gros der Bevölkerung nur wenige oder überhaupt keine dieser schlüpfrigen Überlebenskünstler – entweder, weil die Tiere nur zu manchen Jahreszeiten auftauchen, wie beispielsweise der Knallfrosch (Rana sylvester), der immer in den letzten Dezemberwochen unüberhörbar in Erscheinung tritt, oder aber wie die Falsche Wechselkröte (Bufo nonindossabilis) in völliger Abgeschiedenheit leben. (B. nonindossabilis hält sich knapp oberhalb der Deckungsgrenze von Bankkonten auf und wird nur dann vom Laien wahrgenommen, wenn sie gerade mit lautem Knall geplatzt ist.) Andere amphibische Kulturfolger wie Lustmolch (Triturus nymphomanes) und Salamikröte (Bufo beefi) sind nur Personen mit bestimmten beziehungsweise ausgefallenen Geschmacksrichtungen bekannt. Umso erfreulicher ist, dass der Wetterfrosch (Rana kachelman), ein Vertreter der Anuren (Froschlurche), nicht nur als treuer Hausgenosse akzeptiert wurde, sondern auch nutzbringend zur Schönwetterprognose im Alltag eingesetzt werden kann. Allerdings hat die vermehrte Verwendung von KI-Software in der TV-Meteorologie in den letzten Jahren dazu geführt, dass dieses kleine grüne Kerlchen immer seltener zur Wettervorhersage in Nachrichtensendungen gebraucht wird.

9 Viele Menschen ekeln sich vor Spinnen, aber nicht vor dieser – die ebenso zeit- wie geschmacklose Wäschespinne (Arachne lenor) ist aus dem Leben vieler Hausfrauen einfach nicht wegzudenken. Sicherlich mag es daran liegen, dass sie weder gruselerregende Härchen besitzt, noch zottige Spinnweben hinterlässt und sich obendrein auch nicht unverhofft von der Zimmerdecke herabfallen lässt. Ihren langen, oft schlicht weiß lackierten Metallbeinen kann man sogar eine gewisse Ästhetik nicht absprechen. In Sachen Pflege, Wartung und Bedienung verschlingt sie mehr Zeit als ihre moderne Konkurrenz, der Spinn-Dryer (Turbosecator dyson), ein ursprünglich aus Nordamerika stammender, von Werbefuzzis und Austauschstudenten eingeschleppter Arachniden-Exot. Dafür punktet A. lenor in den Bereichen Nachhaltigkeit und Energieverbrauch – einmal für wenig Geld angeschafft, überlebt sie mehrere Spinn-Dryer-Generationen, die in der Regel nach zwei bis drei Jahre ihre elektronische Seele aushauchen. Gerade bei jungen Vertretern der Friday-For-Future-Generation feiert die Wäschespinne daher ein durchaus verdientes Comeback.

10 Die Lakritzschnecke (Helix haribo) zählt zu den wenigen Schneckenarten, die sich beim Menschen besonderer Beliebtheit erfreuen. Als eindeutiges Landtier (in Wasser quillt sie zu einer schwarzen, formlosen Masse auf) döst sie oft tagelang träge in hohen gläsernen Wohnhöhlen, die im Halbdunkel von Trinkhallen und Zeitungskiosken stehen. Diesen Lebensraum teilt sich H. haribo mit anderen Schnuckeltieren, wie z. B. Sauren Dropserln (Dropsophila bonbon), Mäusespeckwürmern (Camella marshmallowensis) und Gewöhnlichen Brauserlingen (Fizziphora simplex) – eine heterogene, von Biologen auch als Kiosksphäre bezeichnete Lebensgemeinschaft. Zum Schutz ihres weichen Körpers umgibt sich die Lakritzschnecke beim Verlassen der Wohnhöhle mit einem durchsichtigen, viereckigen tütenförmigen Sack, den sie mit anderen Schnecken gemeinsam nutzt. Dieser »Schneckensack« ist an den Enden so fest verschweißt, dass er selbst unter Anwendung hoher Zug- und Reißkräfte sogar an den dafür vorgesehenen Sollbruchstellen nicht aufplatzt. Lakritzschnecken sondern ein dickflüssiges, klebriges, schwarzes Sekret ab, das nicht nur sehr viel Zucker (85 % Glukose) enthält, sondern auch das euphorisch wirkende Salmiacin, welches in Forscherkreisen sogar als Suchtstoff (»Weiche Droge«) diskutiert wird.

11 Beim heimischen Kurschatten (Solanum badenbadense) aus der Familie der Nachtschattengewächse (s. a.  Treulose Tomate, Solanum perfidum) gibt es weibliche und männliche Pflanzen, von denen letztere besonders interessant sind: Mit ihren prächtig herausgeputzten cremeweißen Blüten (sogenannten »Langbindern«), mattblau-metallic glänzenden Blätter und durchtrainierten, muskulös verzwirbelten Stielen ziehen sie die Aufmerksamkeit anderer Kurpflanzen auf sich. Ähnlich wie das Gemeine Erbschleichkraut (Gigolo pseudamorosus) schmarotzt nämlich auch der Kurschatten als Halbparasit auf anderen Pflanzen. Sein Lebensraum sind die Parks von Heilbädern und Kuranlagen – als Zimmerform findet man ihn aber auch in Vier-Sterne-Hotels, Spielcasinos, Theaterfoyers sowie auf Kreuzfahrtlinern. Charakteristisch sind seine prominenten Außenranken, mit denen die meist weiblichen Wirtspflanzen umgarnt und eingewickelt werden – bevorzugte Spezies sind Reiche Witwe (Multidollaris relicta) und Altstar (Diva obsoleta). Laut einer Hypothese erzeugen die Wirtspflanzen durch Aneinanderreiben der Blätter niederfrequente Klickgeräusche, die wie herabfallende Münzen klingen und S. badenbadense beim Aufspüren seiner Opfer helfen.

12 Ein häufiger Vertreter der heimischen gewässernahen Flora ist das gar nicht so seltene Mauerblümchen (Archaeovirgo desperata), zu dessen charakteristischen Merkmalen ein unscheinbares blassrosa Blütenkleid, ein gedrungener, glanzloser Stängel sowie derbhäutige, grobporige Blätter zählen, die von einem feinen, leicht fettigen Schuppenfilm überzogen sind. Zusammen mit üppig wucherndem Seifenopernkraut (Soaponaria teenimanes), halb erblühten Backfisch-Röschen (Venusilla praeflorescens) und kurzstängeligen Halbsträuchern wie der Tauben Nuss (Corylus merknix) bildet A. desperata einen dichten Ufervegetationsgürtel, der einer vielschichtigen Hydrofauna als gut geschütztes Balz- und Laichrevier dient. Einer der häufigsten Besucher dieses ökologischen Paradieses ist der Tolle Hecht (Esox blendax), der sich bevorzugt von Kleinkrebsen und Wasserinsekten, wie Schaumschläger (Pseudomacho spumantifer), Dünnbrettbohrer (Perforator tabulinarius) oder Zockerbock (Programmatifex nerdoides), ernährt. Dieser gefräßige, abgezockte Raubfisch schnappt sich gerne auch mal einen verirrten, aus der städtischen Kanalisation entwichenen fetten Bachklokrebs (Gammarus sanitarius) und macht selbst vor den flauschigen Küken der Lahmen Ente (Anas blayphus) nicht Halt. Weil Tolle Hechte aber auch viel Mist hinterlassen, haben Mauerblümchen & Co. ein reichliches Nahrungsergänzungsspektrum, welches im Spätsommer und Frühherbst die teilweise schon abgestorbenen Pflanzen zu einem erneuten, intensiven Blütenaustrieb veranlasst, in Fachkreisen auch »Zweiter Frühling« genannt.

13 Der Gemeine Chlorbleichling (Purgatorius domestos) ist ein eher unauffälliger, heute selten gewordener Pilz, oft vergesellschaftet mit anderen Putzschrankbewohnern aus der taxonomischen Sammelgruppe der Ikearegales, z. B. Kleinem Drahtschwammerl (Abrazas borsticus), Scheuermilchstern (Ata vulgaris) oder Grünem Spülicht (Pril liquidus). Extrem lichtscheu bevorzugt er feucht-warme dunkle Standorte (Badezimmerspinde oder Küchenunterschränke), wo er zusammen mit Weichem Wollmoos (Vernellus pseudolenor) und Perligem Saubermann (Persilius megaperlis) angetroffen wird. Früher ein gern gesehener Hausgast symbolisiert der Gemeine Chlorbleichling seit alters her die Reinlichkeit und den Duft des ärztlichen Wartezimmers. So galt er bei den Ureinwohnern Nordamerikas als Lieblingspflanze von Sagro Tan, dem Gott der Keimfreiheit. Die Indianer zerstampften reife Pilze (höchstwahrscheinlich den Amerikanischen Chlorbleichling, P. danclorix), ließen den Brei gären und versprühten den Saft in alle Ecken ihrer Häuser, um böse Geister zu vertreiben. (Relikte dieses sogenannten Sagro-Tan-Kultes werden übrigens auch heute noch in vielen Teilen der USA beobachtet.) Nach seiner Einbürgerung in Europa war der Chlorbleichling trotz seines leicht stechenden, mitunter tränenden Geruchs ziemlich beliebt, da er Schmierstoff-, Tee-, Obst- und andere hartnäckige Flecken im Handumdrehen vertilgte. Als man aber herausfand, dass er den einheimischen Gemeinen Essigreiniger (Acetophilus froschii) mit seinen ätzenden Chlorgasen fast völlig verdrängt hat, wurde er – im Rahmen einer bundesweiten Renaturisierungskampagne zur Rettung des Gemeinen Essigreinigers – gnadenlos aus vielen Putzschränken verbannt.

14Last but not least soll an dieser Stelle ein wohlschmeckender, größtenteils unbekannter heimischer Speisepilz vorgestellt werden. Den erstmals 1912 in Cannstadt bei Stuttgart gefundenen Rittersportling (Laccaria quadratica-practica-bona) kann jedes Kind leicht an seinem viereckigen, in vielen Farben schillernden Schirm sowie am knickfähigen, wiederverschließbaren Lamellensegel (Velum) erkennen. Das Velum umhüllt eine quadratisch angeordnete Ansammlung kakaofarbener Sporen, die mal nach Minze und Marzipan, mal nach Erdbeere und Orange, aber immer intensiv nach Schokolade schmecken. Aber warum ist dieses mykologische Kleinod in Deutschland eigentlich so gut wie kaum bekannt? Ein Hauptgrund könnte sein, dass die exakten Koordinaten der wenigen Standorte als wohlgehütetes Familiengeheimnis nur von Generation zu Generation weitergegeben werden. Somit gibt es so gut wie keinerlei Grundlagenforschung über diese Spezies, insbesondere deren symbiotisches Baumwurzel-Pilzgeflecht (Mykorrhiza), von Experten als Chocorrhiza bezeichnet. Spekuliert wird über eine Symbiose mit Nusszeder (Hanuta simplex) oder Borkenmilchbaum (Vaccalila [syn. Milkoidea] trapezoides). In den Folgejahren verliefen sämtliche Versuche, den Pilz unter Kunstlicht in Tunneln (ähnlich wie Zuchtchampignons) zu ziehen beziehungsweise aus seiner angestammten schwäbischen Heimat nach Norden, Süden, Osten, Westen oder gar ins Ausland zu bringen, kläglich im ariden, nicht-württembergischen Sande.

Alexander Röder – Duell der Schlemmersekten

In einem abgelegenen Gasthaus am Rande einer Pyrenäenschlucht kam es in einer stürmischen Nacht zum Kampf zweier kulinarischer Geheimgesellschaften, um Deutungshoheit, Ehre und nachhallenden Ruhm. Passend zu diesem umwälzenden Ereignis brodelten die Wolken über den schroffen Gipfeln und der Donner rollte blitzgetrieben dahin, dass es die Bäume zauste und die Hänge erbeben ließ. Das Spektakel droben würde sich zweifellos weiter unten fortführen.

Im großen Saal der Speiseherberge hatte der Patron alles herrichten lassen: Auf dem freigeräumten Parkett standen mittig drei Herde, einer elektrisch (die Kabelage sorgfältig und stolpersicher verlegt), einer mit Flaschengas betrieben und einer ganz altmodisch mit Holz geheizt und schon vor Stunden befeuert. An den gegenüberliegenden Seiten des Saales standen, in zwei Lager gespalten, die verhüllten Gestalten, helle Kutten auf der einen Seite, dunkle Kutten auf der anderen, in jeweils unterschiedlichen Farben, die gewiss eine Bedeutung besaßen, aber wer konnte das außerhalb der geheimen Verbindungen schon wissen: wir nicht.

Klar aber war, dass es sich bei diesen Gesellschaften um die Dalísten und die Pomianer handelte. Diese wie jene hatten sich nach ihrem gastrosophischen Idol benannt, respektive Salvador Dalí und Édouard de Pomiane. Da der katalonische Künstler des Surrealismus wegen seiner Exzentrik den meisten Vor-, Während- und Nachgeborenen vermutlich bekannt sein dürfte, sei es als Scharlatan, Faszinateur, Angeber, Paranoiker oder göttlicher Meister, auch und hier besonders von Bedeutung als kulinarisch Kreativer, sei rasch der andere Herr vorgestellt: Édouard de Pomiane war dreißig Jahre älter als Dalí, und statt der Surrealistengottheit nur ein Halbgott in Weiß, sprich Arzt, und vierzig Jahre am Pariser Institute Pasteur beschäftigt, dazu war er Kochkünstler, Kochlehrer und Erdenker der Gastrotechnik, während Dalí, man mag die Analogie anwenden, eher ein Gastromagier war. Und dieser Unterschied im Angang war die Grundlage der beiden Geheimgesellschaften. Beide hatten sich den mit Lust und Freude bereiteten und ebenso genossenen Speisen verschrieben, nur eben mit gänzlich gegensätzlicher Herangehensweise. Wie man sich bei Dalí denken kann, selbst wenn man nicht die einschlägigen Prachtband-Publikationen bestaunt hat, herrschte beim surrealen Grandseigneur eine überbordende Opulenz vor, die sich über Zutaten, Herstellung, Darreichung und Namensgebung der Gerichte erstreckte: Speisen aus Eiern und Fischen fasste er unter dem Begriff der ›Kannibalismen des Herbstes‹ zusammen; kleine Vorgerichte waren ihm ›Liliputaner-Malaisen‹, Schweinernes empfand er als ›Weiche Uhren im Halbschlaf‹ (obgleich eines seiner bekanntesten Bildelemente doch eher auf fließendem Camembert beruhte) und alles Vegetabilische schmähte (?) er als ›Desoxyribonuklein-Atavismen‹. Dass er weiteres Schlachtfleisch als ›Sodomitische Zwischengerichte‹, Wild und Geflügel jedoch als ›Monarchische Fleische‹ empfand, – nun, du bist, was du isst, wie der Volksmund weiß, selbst wenn dieser jenes nur selten zwischen den Zähnen hat.

Ganz anders nun Pomiane: Der schwor jeglicher komplizierten Verkünstlerung ab und propagierte die schnelle Küche, die jedoch keinesfalls minderwertig sein würde. Vielmehr sollte mit guten, wenngleich schlichten Zutaten (im Gegensatz zu Dalís Wachteln, Krammetsvögeln, Seeigeln, Schnecken, Krebsen und dergleichen) die gute, bürgerliche Küche für jene mit knapper Mittagspause (und dennoch Zwang oder Wille zum Selbstbekochen, aus welchen Gründen auch immer) ermöglicht werden: Pomianes Gastrotechnik bestand im Grundsatz aus Gerichten, die mit Geschick dank genauer, doch einfacher Anleitung in zehn Minuten zu bereiten waren, um in einem einstündigen Zeitfenster, am Ende noch Zeit für einen geruhsamem Kaffee samt Träumerei und Entspannung – quasi am realen Fenster – zu finden. Seine schlichten Empfehlungen waren denn oft Kurzgebratenes mit Gemüsen (was ihn nicht daran hinderte, bei der Beschreibung eines in Butter gebratenen Kalbskoteletts an grünen Erbsen poetisch zu werden), rasche Suppen, soßierte Nudeln, auch Frittiertes und Salate, je nach Geschmack und Jahreszeit, wodurch er sich durchaus in den Ruch der nouvelle cuisine setzte, obgleich sein wichtigstes Wirken in den Dreißiger Jahren geschah. Auch widmete er seine Gerichte und Zubereitungen all jenen, die vom Tempo der Moderne getrieben waren, und nicht nur, wie Dalí es tat, dessen Muse Gala.

Es wurde unruhig im Saal. Unter den Dalísten befanden sich mehr Galas als kleine Verkäuferinnen, wenngleich die Pomianer sich keineswegs allein aus Angestellten rekrutierten: Auch und gerade der darbende Künstler konnte sich die feinschmeckerischen Festivitäten des Dalí kaum leisten und suchte seine Erfüllung notgedrungen im Frugalen. Dem aber hatten sich auch Wohlhabende verschworen und suchten ihr Heil im Kargen, in der cucina povera, ohne jedoch einem historisierenden Pauperismus zu verfallen und nur noch Rinden zu nagen, wie die ganz Armen, falls diese überhaupt einen Kanten Brot besaßen. Wiederum tummelten sich unter den Dalísten reichlich Möchtegerne, die ihr bescheidenes Einkommen durch reiches Äußeres zu kaschieren suchten. Einerlei, bei den jeweiligen Treffen waren ohnehin alle maskiert, um Anonymität zu wahren und sich trotz gleicher Interessen nicht allzu sehr der Gleichmacherei zeihen zu lassen. Ab und an ließ man seine wahre Gesinnung ohnehin zu Hause, oder gab sie an der Garderobe ab.

Doch nicht heute, heute wurde es ausgefochten! Enthusiasmiert und ungeduldig harrten die Anwesenden. Die Türflügel zum Saal knarrten und die beiden Zeremonienmeister traten ein, von jeder Partei einer. (Genauer auch eine, denn das Dalístengewand bauschte sich hier und da verdächtig und unter der ans Venezianische gemahnenden Gesichtsmaske klang es hernach recht hell.) Gravitätisch wurde zu den drei Herden geschritten, sich knapp verneigt und dann die Estrade erklommen, auf der zwei Pulte standen, jeweils mit passenden Girlanden geschmückt, recht bunt, aber eher hell oder eher dunkel gehalten, wir erinnern uns. (Die helleren Gesellen waren übrigens die Pomianer, was wohl den Arztkitteln und Kochschürzen Tribut zollen sollte, während die Dalísten sich eher im Stand von Hohepriestern und Würdenträgern sahen. Es blinkerte bei jenen auch etwas mehr, so hier und da, manche trugen gar Epauletten wie die Palastköche. Kochmützen gab es aber nicht, sondern bei allen nur Kapuzen.)

Oh doch, Kochmützen! Die kamen nun in den Saal, denn die beiden kulinarischen Duellanten hatten sich gewissermaßen mit heldischen Helmen versehen. Keck fiel die Haube beim einen zur einen, beim anderen zur anderen Seite. Darunter glänzten die Halbmasken, denn Nasen und Münder mussten beim kämpferischen Kochen ja frei bleiben. Auch trugen sie keine Kutten, sondern reinweiße Kochjacken, mit jeweils hellem oder dunklen Halstuch, zum allbekannten, kompakten Knoten geschlungen. Die Beinkleider bauschten sich passend kariert, man hielt denn doch auf Tradition. Zugegeben, etwas davon abweichend war dem Anlass entsprechend der Uniform ein kleines Detail beigefügt worden: Um beider Schultern, unterhalb des hohen Umklappkragens, schmiegte sich ein kurzer Umhang, ein knappes Cape, das bis zur die Nierengegend reichte, und bei jedem Schritt dekorativ wippte. Die Duellanten schritten auf dem Weg zur dreifachen Herdstatt die Reihen ihrer Getreuen ab, nickten huldvoll und nahmen die Komplimente entgegen, während sie Gegner und Widerstreiter keines Blickes würdigten. Konzentration tat not und kühler Kopf galt zu bewahren, zumal die drei Herde bald gemeinsam ihre Hitze ausstrahlen würden.

Die Kulinarduellisten bauten sich auf, einander gegenüber stehend, die Reihe der Herde zwischen sich. Sie würden sich in die Augen sehen können, außer wenn die beiden Kaminröhren des Holzfeuerherdes in der Mitte den Blickkontakt behinderte. Zu erklären ist noch, dass die drei Herde Sonderkonstruktionen waren, mit je zwei Bratröhren im Korpus und zwei Reihen von Schaltern für die Kochstellen, jeweils am gegenüberliegenden Ende. So konnten die Duellanten gleichzeitig wirken, ohne einander in die Quere zu kommen, gleichzeitig waren Kontrolle und Einschüchterung möglich. Zweifellos, das Duell war höchst durchdacht.

Hinter den Duellanten standen die Tische mit den Rohwaren und den Kochutensilien: Die blanken Töpfe und die glänzenden Gerätschaften, die prangenden Früchte, Gemüse, Fische und Fleische, nebst Flaschen und Schalen mit mannigen Zutaten, zudem reichlich Freiraum zum Herrichten und Vorbereiten. Und dann stand da noch jeweils ein Pult, ein hölzerner Hybrid aus Katheder und Notenständer, verdächtig schlicht, als sollte es nicht ablenken, doch von was? Ah, da traten zwei hochgewachsene Männer in Schwarz heran, jeder trug eine flache, lackierte Schatulle, die eine größer, die andere kleiner. Jetzt wurden zwar keine Waffen verteilt, doch das wichtigste Rüstzeug überhaupt: Die Heiligen Schriften.

Der Dalíst öffnete die breitere Kassette und entnahm unter dem andächtigen Raunen seiner Mitgläubigen den prächtigen, goldglänzenden Folianten mit den Rezepten und hob ihn empor. Gleichzeitig griff der Pomianer in das kleinere Behältnis und zog ein schmales Brevier von schlichtem Äußeren hervor, was die Seinen mit nicht weniger Andacht bedachten als die Gegner das Ihrige. Beide Duellanten schritten zu ihren jeweiligen Buchständern und legten die Werke sachte ab. Dann wandten sie sich der Estrade zu. Die Zeremonienmeister nickten, hoben die Arme und sprachen in einer Art Wechselgesang diverse Mantren, wiederholten den Anlass der Zusammenkunft und einiges mehr, was für uns nicht von Belang ist und zudem arkanes Geschwafel und durchaus befremdlich für Nichteingeweihte. Interessanter für uns ist das Folgende, was den Mund wässern machte, und nicht die trockenen Zeremonielle: Denn endlich schritten die Duellanten zur kulinarischen Tat. Auf der Estrade spielte eine kleine Kapelle dezente, appetitanregende Weisen, die zudem ein rhythmisches Kochen ermöglichten. Zudem würde das sich allmählich steigernde Tempo der Stücke auch der weiter nahenden Klimax der Veranstaltung ankünden: Nach der Verkostung des Gekochten folgte die Verleihung des Preises, die Kür des ewigen Siegers.

Die Pomianer und Dalísten am Rande zogen ihre Programme heraus, hübsch auf Bütten gedruckt, darauf stand die zu erwartende Speisenfolge, gewissermaßen das Libretto der kommenden Koch-Oper.

»Meine Herren, starten Sie die Herde«, sprachen die Zeremoniellen, und das traf nicht allein auf die elektrischen und gasbetriebenen Feuerstellen zu, nein, es wurden auch die Klappen des Holzofens gelüftet, um tüchtig das Feuer zu schüren. Die Hitze im Saal stieg. Es begann.

Unter der Ägide ihrer Schutzheiligen nahmen die Duellanten ihr Werk in Angriff.

Die Vorspeise:

Der Dalíst bereitete ein exquisites Heringspüree, indem er nebst der Fische auch Zwiebeln und Kartoffeln in thymianparfümierter Bouillon sott und die Masse hernach fein zerstampfte. Dazu eine Mayonnaise mit Cayenne und Safran, frisches Meterbrot anbei.

Der Pomianer war gemäß seines Glaubens rascher in der Zubereitung: Austern auf Bordelaiser Art. Die Mollusken wurden in ihren Halbschalen von krossen Bratwürstchen begleitet. Dies war als Eingangsgericht vielleicht etwas mächtig, doch von höherer Kulinarik als das schlichte Käseomelett, welches der Pomianer dennoch parallel bereitete. Auch die schnelle Küche bot ihre Gourmandisen.

Alles wurde den unbewussten Unparteiischen serviert: Einer Riege von Herren und Damen, die in einem Raum nebenan saßen und glaubten, sie wären schlichte Gäste, oder zumindest solche, die es in jener Gewitternacht per Zufall in das abgelegene Lokal verschlagen hatte, weil ihr gemeinsames Gefährt havariert war. Dass dies alles perfide geplant war, ahnten sie wohl nicht. Dennoch würde ihr Urteil über die Gerichte einen Teil der Entscheidung ausmachen. In diesem Augenblick jedoch freuten sie sich darüber, dass ihnen unverhofft in all dem Unglück ein solch exquisites Nachtmahl serviert wurde. Der Patron flunkerte etwas von übrig gebliebenen Übungsgerichten daher.

Währenddessen ging der Dalíst über, das Hauptgericht zu bereiten: speckummantelten, überkrusteten Kalbsschlegel mit Sauerampfer, dazu Lammhirntoast und Anchovishäppchen. Letztere beiden waren eigentlich Zwischengerichte, doch als Beilagen verstärkten sie das Gesamtbild.

Der Pomianer mengte grünen Lattich und schälte bereits Obst für die Brieplatte. Er wusste, dass er mit diesen schlichten, erfrischenden Genüssen gegenüber den überspannten Dalísmen würde punkten können: Denn das Lammhirn wurde von Alligatorbirnen begleitet, die manche ganz unverständlich Avocado hießen, und die Anchovis wurden, obwohl bloß provenzalisch aromatisiert, als auf weihnachtliche Art angepriesen. Derlei verwirrt ehrliche Gaumen, klar, da mochte es noch so sehr munden.

Der Dalíst ließ sich dazu hinreißen, noch weiter zu trumpfen und begann, die hochgerühmten Trüffelwachteln auf Mais mit Kalbsfarce und Rohschinken zu füllen. Der Pomianer briet schlicht Schnitzel naturell und dämpfte grüne Erbsen, in geradezu mönchshafter Ruhe und Konzentration. Der Dalíst hingegen wirbelte exzentrisch in seinen Schuhen aus ausgehöhlten Broten herum, setzte gar die doppelverglaste Brille mit den Ameisen darin auf. Den Pomianer und auch unsereinen hätte das doch sehr gestört.

Das Dessert nahte. Der Pomianer rührte süßes Kastanienpüree und versah Schälchen voller Ziegenrahmkäse mit einem Klecks Schattenmorellenkonfitüre, der Dalíst hingegen kochte Pinienkerntoffee und Aprikosenfruchtcreme. Der Pomianer goss bloß noch den Kaffee auf.

Wer nun nicht in den Prozederes der Dalísten und Pomianer bewandert war, mochte sich fragen, wie es gelang, dass die aufwendigen Gerichte auf der einen und die einfacheren auf der anderen Seite (wortwörtlich auch auf die Herde und Kochstellen bezogen) so zeitnah vervollständigt waren, dass die unwissenden Speisenden der Jury sie dennoch im zeitlichen Rahmen eines schmackhaften Abends genießen konnten. Nun, der Pomianer taktete sich gewissermaßen gastrotechnisch gemäß des Metronoms der Quantenkomputistik und des menschlichen Multitaskings, während der Dalíst schlichtweg surreal schummelte und die Zeit sich dehnen und zäher fließen ließ. Aber das bemerkte niemand, weil er so viel Aufhebens, Brimborium und Schall und Rauch zelebrierte: Er hatte auch eine Schwäche fürs Flambieren und anderes Gefackel, auch wenn es die Gäste im Nebenraum gar nicht sahen, die aßen, was auf den Tisch kam, und all das mit Freude. Was am Ende leider zum Problem wurde. Denn als die fröhlich Gesättigten ihre Grüße in die Küche sandten, konnte auch nach penetrantem Nachhaken nicht ermittelt werden, welche der Gerichte oder welche Kombination denn allen am meisten zugesagt hatten. Es herrschte Gleichstand. Das kommt davon, wenn man Laien fragt. Die Zeremonienmeister – welche sich währenddessen als Kellner und Serviertochter getarnt und selber nachgefragt hatten – kamen nach Beratung in den Saal zurück und wollten das problematische Urteil verkünden, als etwas Unerhörtes geschah.

Hier sei aus Gründen der dramaturgischen Verzögerung, des Spannungsaufbaus und der Vorahnungsbildung eine Anekdote eingestreut: Niemand soll nämlich glauben, die Dalísten und Pomianer seien aus der Luft gegriffen oder passender gesagt aus dem Zwischenrippenstück geschnitten. Derlei Gesellschaften gibt es in der Tat und ihre Zwiste führen oft zu üblem Ende. Etwa hier: Im Dezember 1982 starb in Castelnaudary, welches im französischen Département Languedoc gelegen ist, ein Monsieur Bémer aus Toulouse während eines kulinarischen Zwistes an einer Bohne. Einer blauen, wie man früher sagte, sprich, einem Bleigeschoss. Und das kam so: Seit Langem schon schwelte im Languedoc der Hass unter den Freunden des Cassoulets, also jener traditionellen südfranzösischen Speise, die so viel mehr ist als ein robuster Fleischeintopf mit Bohnen. Es geht nämlich stets auch um die Zubereitung, welche durchaus eine Glaubensfrage ist. Die einen fügen den weißen Bohnen, dem Speck, der Knoblauchwurst, dem Schweinefleisch noch eingemachte Gans bei. Die anderen bestehen auf Ente. Andere lehnen das Geflügel gänzlich ab und bescheiden sich mit Lamm als Dreingabe. Aber was ist nun das Wahre, das erhabenste Cassoulet? Darob gründeten sich im Languedoc zu jener Zeit verschiedene Vereine, die beide ›Freunde des Cassoulet‹ sich nannten, aus Carcassonne und aus Toulouse, welche respektive zur Gans- und Lammfraktion sich zählten, die Ente insgesamt verschmähten, was wiederum einige in Castelnaudary, die nicht vereinsmäßig organisiert waren, gelassen, aber anders sahen. In jenem Dezember nun wollten die Widersacher sich versöhnen, bei einem Essen im ›Maison de Cassoulet‹, wo es besagten Eintopf ohne Gans und ohne Ente gab, dafür vorschriftsmäßig sieben Mal überbacken und die Kruste jeweils untergerührt, für den exquisiten, knusprigen Genuss. Aber trotz des Schmausens brauste der Streit auf, es flogen Fäuste und Geschirr, die Prügelnden strömten auf die dunkle Gasse, es krachte ein Schuss und die Bescherung war da, der Monsieur Bémer war dem Streit ums Cassoulet erlegen. Die Vereine wurden auf Befehl der Präfektur aufgelöst, doch der Hass garte und gärte weiter. Siebenfach überbacken!

Drohte ein Ähnliches bei der Zusammenkunft der Pomianer und Dalísten? Ob nun bei Versöhnungsmahl oder Kulinarduell, ohne Einigung und Sieger war kein friedliches Ende zu erhoffen. Die Luft im Saal war unheilschwanger, unter die köstlichen Düfte der Gerichte mischte sich Bitternis.

Nestelte da schon jemand unter der Kutte nach dem Mordgerät, ballten sich schon Fäuste, wurde nach den Pfannen und Messern geschielt? Unruhe im Saal, die Gewänder bauschten sich, die Kapuzen zitterten!

Und dann geschah das bereits angekündigte Unerwartete – doch für die Anwesenden tatsächlich überraschend: Mitten im Saal (Donner und Blitz draußen hatten kurz zuvor eine Atempause eingelegt und legten hernach umso ärger nach) materialisierten sich drei kuriose Gestalten. Sie trugen keine sektiererischen Kutten, sondern schimmernde Einteiler, mit wulstigen Applikationen an Schultern, Kragen, Ärmelaufschlägen, dazu Schweißerbrillen mit kleinen Antennen daran. Die Leserschaft grübelt noch, die Pomianer und Dalísten jedoch waren nach kurzer Schreckstarre hellwach und erkannten: Das sind Futuristen!