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Kein anderes Buch hat die Welt religiös, kulturell und politisch so stark geprägt wie die Bibel. Konrad Schmid erklärt im Kontext der altorientalischen und antiken Geschichte, wie Lieder und Erzählungen, Rechtssammlungen und Weisheitslehren, prophetische Verkündigungen, Evangelien und Apostelbriefe entstanden und schließlich von Juden und Christen zu festen Einheiten zusammengefügt wurden. Eine meisterhafte Einführung in die Bibel auf dem neuesten Forschungsstand.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Konrad Schmid
DIE BIBEL
Entstehung, Geschichte, Auslegung
C.H.Beck
Kein anderes Buch ist so intensiv erforscht worden wie die Bibel, und zugleich gibt keines bis heute so viele Rätsel auf. Wann sind die frühesten Texte entstanden? Welche historische Wirklichkeit spiegelt sich in den Überlieferungen? Und warum enthält die Bibel gerade diese und keine anderen Schriften? Konrad Schmid rekonstruiert auf dem neuesten Forschungsstand und im Kontext der altorientalischen und antiken Geschichte, wann und zu welchem Zweck Lieder und Erzählungen, Rechtssammlungen und Weisheitslehren, prophetische Verkündigungen, Evangelien und Apostelbriefe entstanden. Er erläutert, wie diese Texte allmählich zu Büchern komponiert und diese schließlich von Juden und Christen zu festen Einheiten zusammengefügt wurden. Nicht zuletzt zeigt die konzise und klare Einführung, warum das «Buch der Bücher» die Welt religiös, kulturell und politisch so stark geprägt hat wie kein zweites Buch.
Konrad Schmid ist Professor für Alttestamentliche Wissenschaft und Frühjüdische Religionsgeschichte an der Universität Zürich. Er hat u.a. in Heidelberg, Princeton und Jerusalem gelehrt und ist Mitherausgeber international einschlägiger Buchreihen und Zeitschriften. Bei C.H.Beck ist von ihm erschienen: «Die Entstehung der Bibel» (mit Jens Schröter, 3. Auflage 2020).
Karte: Das Nordreich Israel und das Südreich Juda
Karte: Judäa und Galiläa zur Zeit Jesu
1. Was ist die Bibel?
Bibel und Bibeln
Die biblische und die historische Sicht auf die Entstehung der Bibel
2. Die Schriften der Hebräischen Bibel
Kultreligion und Buchreligion
Die Anfänge der Schriftkultur
Frühe Psalmen und Weisheitssprüche
Die prophetische Überlieferung
Ursprungsmythen: Erzeltern- und Exodusüberlieferung
Rechtssammlungen
Der Kern des späteren Kanons: Das Deuteronomium
Die Zerstörung des Jerusalemer Tempels und ihre Folgen
Die Entstehung des Judentums
Das babylonische Exil und seine Literatur
Die Literatur des Zweiten Tempels: Theokratie und Eschatologie
Ein neues Menschenbild
Das Buch Hiob
Die Formierung der Tora
Reaktionen auf die Heilsverzögerung
Die Begegnung mit dem Hellenismus
Das Aufkommen der Apokalyptik
3. Die Schriften des frühen Christentums
Die Jesusbewegung im antiken Judentum
Paulus und seine Briefe
Die Evangelien und die Apostelgeschichte
Die übrigen Briefe
Die Offenbarung des Johannes
Weitere christliche Schriften außerhalb der Bibel
4. Die Formierung der jüdischen und der christlichen Bibel
Der Abschluss der Ketuvim
Die Herausbildung einer abgeschlossenen Bücherliste
Die Entstehung des Neuen Testaments
5. Ausbreitung, Auslegung und Wirkung der Bibel
Übersetzungen der Bibel und ihre Verbreitung
Die Auslegung der Bibel
Die Wirkung der Bibel
Zeittafel
Literatur
Bibelausgaben
Kommentierte Bibeln und Kommentarreihen
Weiterführende Literatur
Bildnachweis
Register
Die Bibel ist das bekannteste und das mit Abstand am weitesten verbreitete Buch der Weltliteratur: Bis in das 21. Jahrhundert hinein sind etwa fünf Milliarden Exemplare produziert worden. Allerdings ist die Bibel eher eine Bibliothek als ein Buch, denn sie ist eine Sammlung von unterschiedlichen Schriften, die über einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren entstanden sind. Das Judentum sowie das Christentum mit seinen unterschiedlichen Konfessionen kennen jeweils ihre eigenen Bibeln, und entsprechend sehen diese Sammlungen unterschiedlich aus.
Die Heilige Schrift des Judentums, die Hebräische Bibel, ist in drei Teile gegliedert. Die «Tora» («Weisung» oder «Gesetz») besteht aus den fünf Büchern des Mose, die «Neviʾim» («Propheten») umfassen die Bücher von Josua bis Maleachi, und die «Ketuvim» («Schriften») sind eine Sammlung verschiedener Literaturgattungen, darin finden sich etwa die Psalmen, die Sprüche, das Hiobbuch, das Hohelied, die Chronik oder das Danielbuch.
Das frühe Christentum, dessen Ursprünge als kleine Sekte im Judentum liegen, kannte und benutzte fraglos diese Bibel, auch wenn diese damals noch nicht abgeschlossen war. Auch Jesus von Nazareth las ihre Bücher (vgl. Lukas 4,16–17), die Schriften des Neuen Testaments gab es damals noch nicht. Erst seit dem 2. Jahrhundert bildete sich eine christliche Schriftensammlung aus Evangelien, der Apostelgeschichte, Briefen sowie der Offenbarung des Johannes als Neues Testament heraus, die die Hebräische Bibel nun innerhalb des Christentums zum Alten Testament werden ließ, das im antiken Christentum vor allem auf Griechisch gelesen wurde. Die Bezeichnung «Altes Testament» für die Schriftensammlung der Hebräischen Bibel findet sich erstmals in einem Brief des Bischofs Melito von Sardes aus dem Jahr 170, der von Eusebius von Caesarea in seiner Kirchengeschichte zitiert wird (4,26,13–14).
Allerdings sind Hebräische Bibeln nicht einfach mit einem christlichen «Alten Testament» identisch, denn in einem «Alten Testament» sind die Schriften anders angeordnet als in jüdischen Bibeln: Die Prophetenbücher finden sich im Alten Testament am Schluss, da man deren Prophezeiungen als Verweise auf das Neue Testament verstand.
Die Bibeln des Judentums und des Christentums
Hebräische Bibel
Griechisch-orthodoxe Bibeln
Römisch-katholische Bibeln
Reformationsbibeln
Altes Testament
Tora («Gesetz»)
Geschichtsbücher
Pentateuch
Geschichtsbücher
Genesis
Genesis
Genesis
Genesis (1. Mose)
Exodus
Exodus
Exodus
Exodus (2. Mose
Leviticus
Leviticus
Leviticus
Leviticus (3. Mose)
Numeri
Numeri
Numeri
Numeri (4. Mose)
Deuteronomium
Deuteronomium
Deuteronomium
Deuteronomium (5. Mose)
Neviʾim («Propheten»)
Geschichtsbücher
Vordere Propheten
Josua
Josua
Josua
Josua
Richter
Richter
Richter
Richter
Ruth
Ruth
Ruth
1.–2. Samuel
1.–2. Samuel
1.–2. Könige
1.–2. Samuel
1.–2. Könige
1.–2. Könige
3.–4. Könige
1.–2. Könige
1.–2. Chronik
1.–2. Chronik [+ Gebet des Manasse]
1.–2. Chronik
[1. Esra (= 3. Esra)]
1. Esra (= Esra)
Esra
2. Esra (= Esra und Nehemia)
2. Esra (= Nehemia)
Nehemia
[3. Esra]
[4. Esra]
Esther (+ Zusätze)
Tobit
Esther
Judith
Judith
Tobit
Esther (+ Zusätze)
1.–2. Makkabäer
[3.–4. Makkabäer]
Hintere Propheten
Lehrbücher
Lehrbücher
Lehrbücher
Jesaja
Psalmen
Hiob
Hiob
Jeremia
[Oden Salomos + Gebet des Manasse]
Psalmen
Psalmen
Ezechiel
Sprüche
Sprüche
Sprüche
Kohelet
Kohelet
Kohelet
Hosea
Hoheslied
Hoheslied
Hoheslied
Joel
Hiob
Weisheit Salomos
Amos
Weisheit Salomos
Jesus Sirach
Obadja
Jesus Sirach
Jona
[Psalmen Salomos]
Micha
Nahum
Habakuk
Zephanja
Haggai
Sacharja
Maleachi
Ketuvim («Schriften»)
Propheten
Propheten
Propheten
Psalmen
Hosea
Jesaja
Jesaja
Hiob
Amos
Jeremia
Jeremia
Sprüche
Micha
Klagelieder
Klagelieder
Ruth
Joel
Baruch
Hoheslied
Obadja
Ezechiel
Ezechiel
Jona
Daniel (+ Zusätze)
Daniel
Kohelet (Prediger)
Nahum
Hosea
Hosea
Klagelieder
Habakuk
Joel
Joel
Esther
Zephanja
Amos
Amos
Daniel
Haggai
Obadja
Obadja
Esra und Nehemia
Sacharja
Jona
Jona
1.–2. Chronik
Maleachi
Micha
Micha
Nahum
Nahum
Jesaja
Habakuk
Habakuk
Jeremia
Zephanja
Zephanja
Baruch 1–5
Haggai
Haggai
Klagelieder
Sacharja
Sacharja
Brief Jeremias (= Baruch 6)
Maleachi
Maleachi
Ezechiel
1.–2. Makkabäer
Susanna (= Daniel 13)
Daniel (+ Zusätze)
Neues Testament
Evangelien
Evangelien
Evangelien
Matthäus
Matthäus
Matthäus
Markus
Markus
Markus
Lukas
Lukas
Lukas
Johannes
Johannes
Johannes
Apostelgeschichte
Apostelgeschichte
Apostelgeschichte
Paulusbriefe
Paulusbriefe
Paulusbriefe
Römer
Römer
Römer
1. Korinther
1. Korinther
1. Korinther
2. Korinther
2. Korinther
2. Korinther
Galater
Galater
Galater
Epheser
Epheser
Epheser
Philipper
Philipper
Philipper
Kolosser
Kolosser
Kolosser
1. Thessalonicher
1. Thessalonicher
1. Thessalonicher
2. Thessalonicher
2. Thessalonicher
2. Thessalonicher
1. Timotheus
1. Timotheus
1. Timotheus
2. Timotheus
2. Timotheus
2. Timotheus
Titus
Titus
Titus
Philemon
Philemon
Philemon
Weitere Briefe
Weitere Briefe
Weitere Briefe
Hebräer
Hebräer
Hebräer
Jakobus
Jakobus
Jakobus*
1. Petrus
1. Petrus
1. Petrus
2. Petrus
2. Petrus
2. Petrus
1. Johannes
1. Johannes
1. Johannes
2. Johannes
2. Johannes
2. Johannes
3. Johannes
3. Johannes
3. Johannes
Judas
Judas
Judas
Offenbarung des Johannes
Offenbarung des Johannes
Offenbarung des Johannes
* In der Lutherbibel stehen der Hebräer- und der Jakobusbrief zwischen dem 3. Johannesbrief und dem Judasbrief.
Innerhalb des Christentums finden sich unterschiedliche Versionen der Bibel. Die bekannteste Differenz betrifft den Umfang des Alten Testaments in protestantischen und katholischen Bibeln. Während protestantische Ausgaben wie etwa die Lutherbibel oder die Zürcher Bibel nur die Bücher der Hebräischen Bibel in ihrem Alten Testament enthalten, finden sich in katholischen Ausgaben zusätzliche Schriften und Textanteile, die auf das hellenistische Judentum zurückgehen, dessen Alltagssprache Griechisch und nicht Hebräisch war. Diese Schriften sind mehrheitlich in den beiden letzten vorchristlichen Jahrhunderten entstanden und umfassen die Bücher Judith, Tobit, Baruch, Jesus Sirach, die Weisheit Salomos sowie die beiden Makkabäerbücher. Hinzu kommen Ergänzungen in den Büchern Esther und Daniel sowie das Gebet Manasses.
In Bibeln des östlichen und afrikanischen Christentums, etwa derjenigen der äthiopischen Kirche, kann das Alte Testament noch erheblich umfangreicher sein. Dort finden sich Schriften wie das Jubiläenbuch oder die Henochbücher, die ebenfalls auf das antike Judentum zurückgehen, ihr langfristiges Überleben jedoch dem orientalischen Christentum verdanken. Die hebräischen und aramäischen Originale mancher dieser Schriften sind teilweise seit 1947 mit den Schriftfunden vom Toten Meer zum Vorschein gekommen.
