Die Bildungslücke -  - E-Book

Die Bildungslücke E-Book

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Beschreibung

"Vergessen Sie alles, was Sie in der Schule gelernt haben!" Diesen Satz hören viele Berufseinsteiger von ihren Chefs. Denn zwischen dem, was das Bildungssystem liefert und dem, was im Leben zählt, klafft eine riesige Lücke - die Bildungslücke. Die Schule ist oft zu theoretisch und zu akademisch, statt konkret im Wirtschaftsleben anwendbarem Wissen herrscht das Weltbild des öffentlichen Dienstes. Zwangsläufig halten Arbeitgeber von Schulabgängern nicht viel - Haupt- und Realschüler gelten als unprofessionell, Abiturienten und Akademiker als unpraktisch und verkopft. In diesem Buch füllen zwanzig Experten die Bildungslücke, indem sie das Wissen nachliefern, das wir brauchen, um heute und in Zukunft im Berufsleben zu bestehen: Wie bekommen wir heraus, was wir wirklich können? Was bedeuten Professionalität und Respekt? Wie funktioniert ergebnisorientiertes Denken? Wie trifft man Entscheidungen? Wie setzt man Prioritäten? Wie geht man mit Geld um? Wie funktionieren Medien und Öffentlichkeit?Im Alltag vermitteln die Praktiker aus Medien, Seminar und Coaching das fehlende Wissen in Business-Seminaren. Jetzt reichen sie der Schule die Hand - damit alle, die jetzt ins Berufsleben starten (oder dort weiterkommen möchten), sofort wissen, worauf es wirklich ankommt.

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Seitenzahl: 355

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Die Bildungslücke

Der komprimierte Survival-Guide für Berufseinsteiger

Thilo Baum

Martin Laschkolnig

© 2012:

Börsenmedien AG, Kulmbach

Umschlag-Illustration: Timo Wuerz Gestaltung und Herstellung: Johanna Wack, Börsenmedien AG Lektorat: Hildegard Brendel Druck: GGP Media GmbH

9783864700330

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über<http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach Tel: +49 9221 9051-0 • Fax: +49 9221 9051-4444 E-Mail: [email protected] www.books4success.de

Dieses Buch schließt die Lücke zwischen dem Bildungssystem und den Ansprüchen der Arbeitswelt. Ein überaus hilfreiches Werkzeug für alle Berufseinsteiger und Berufstätigen.

Reinhold Würth, Unternehmer

Inhaltsverzeichnis

TitelImpressumVorwort - Welches Wissen im Leben wirklich zähltWeil ich es selbst wert bin - Wie Sie sich das Recht nehmen, glücklich und erfolgreich zu seinRespekt! - Wie Sie zu Anerkennung gelangen und andere anerkennenDie richtige Richtung finden - Was die Schule vom Leben lernen kannDas ist deine Chance! - Wie Sie Gelegenheiten erkennen und die Initiative ergreifenTo be professional - Welche Persönlichkeitsmerkmale das Berufsleben wirklich fordertSie haben Zeit! - Wie Sie Prioritäten setzen und erkennen, was wirklich wichtig istWer will, der macht! - Wie Sie Entscheidungen treffen und Ihre Ziele errreichennGesund in jedem Alter - Wie Sie zu körperlicher Fitness gelangenKein Streit! - Wie Sie Konflikte verstehen, vermeiden und lösenMach das Beste daraus! - Wie Sie mit Rückschlägen umgehen, ohne den Mut zu verlierenEntwickeln Sie Menschen! - Warum Lehrer Führungskräfte sind, die Führung vermittelnBitte mehr Charisma! - Wie Sie Ausstrahlung und Präsenz gewinnenKomm zum Punkt! - Wie Sie pragmatisch kommunizierenUnd Auftritt! - Wie Sie sich und Ihre Ideen vor Publikum präsentierenSehen Sie gut aus! - Wie Sie stilsicher werden und optisch optimal ankommenDer Flirt mit dem Traumjob - Wie Sie (sich) richtig (be)werbenAlles Verhandlungssache! - Wie Sie Ihre Gespräche zu nachhaltigem Erfolg führenMedien verstehen - Wie Sie klug mit Informationen umgehenRegieren Sie das Geld! - Wie Sie mit Finanzen umgehen und unabhängig werdenLernen, ohne zu pauken - Wie Sie Wissen ganz einfach im Gedächtnis verankernNachwort - In neuen Kategorien denken

Vorwort

Welches Wissen im Leben wirklich zählt

„Vergiss alles, was du in der Schule und in der Uni gelernt hast!“ Diesen Satz hören zahlreiche Berufseinsteiger. Ihre künftigen Kollegen und Vorgesetzten stutzen sie erst einmal zurecht: Sie sollen nur nicht denken, sie könnten mit ihrem Wissen punkten, das ihnen das traditionelle Bildungssystem vermittelt hat. Was im Job wirklich zählt, werden sie ohnehin nur durch die Praxis lernen, die die Schule versäumt hat zu vermitteln.

Uns fällt nun einmal kein Arbeitgeber ein, der sagen würde, dass die Schulen hervorragende Arbeit machen würden. Kennen Sie einen Wirtschaftstreibenden, der sich für die Professionalität von Schul- und Hochschulabsolventen begeistert? Eben. Geradezu rituell beschweren sich Arbeitgeber über die mangelnden Qualifikationen junger Menschen. Bei der Kritik geht es meist um „Defizite in der Alltagskompetenz“, wie Thilo Pahl vom Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sagt. Es scheint, als lehre die Schule eine Menge Fachwissen, das jungen Menschen zu einer Spezialisierung verhilft – nicht aber jenes Know-how, welches nötig ist, um dieses Fachwissen in der Arbeitswelt erfolgreich anzuwenden. Was aber fehlt nun genau?

Was fehlt, sind Kompetenzen, die nicht Schulfach sind

74 Prozent von mehr als 14.000 Unternehmen beklagen laut der Ausbildungsumfrage 2010 des DIHK „mangelnde Qualifikation der Schulabgänger“. „Zunehmend beklagen Unternehmen (…) auch eine mangelnde Qualität und Relevanz des Berufsschulunterrichts.“1 Ein leichter Aufwärtstrend zeigt sich bei Deutsch und Mathematik – aber dennoch sehen im Jahr 2010 noch 54 Prozent der Unternehmen bei Schulabgängern Defizite im „mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen“. Fatal ist: „Nur 9 Prozent der Unternehmen sehen keine Mängel bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger.“ Neben den klassischen Schulfächern sehen die DIHK-Forscher vor allem Defizite in den Soft Skills. Diesen liegen Kriterien wie Disziplin, Belastbarkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft und Umgangsformen zugrunde. Zu deren Entwicklung sagt Thilo Pahl: „Das Schulische wird besser, die sozialen und persönlichen Kompetenzen schlechter.“ Der DIHK listet als wünschenswerte soziale Kompetenzen auf: Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein, Team-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit. Auffallend ist, dass kaum eine der aufgeführten Kompetenzen bislang Teil eines Schulfaches ist.

Eine zweite Forderung des DIHK bezieht sich auf die Akademiker: „Hochschulen müssen die Praxisanteile im Studium ausbauen. Vielen Absolventen mangelt es an der Fähigkeit, das im Studium erlernte Wissen anzuwenden.“2 Das bedeutet: Die Konzentration auf reines Fachwissen scheint ein Muster zu sein – das Bildungssystem blendet die Anwendbarkeit und die konkrete Praxis offenbar systematisch aus. Weiter heißt es: „Nur wenn schon während des Studiums die Theorie mit der Praxis verknüpft wird, kann das Bologna-Ziel der Beschäftigungsfähigkeit erreicht werden.“ In Österreich wurde mit dem Fachhochschulwesen bereits ein vielversprechender, vermehrt praxisorientierter Ansatz entwickelt, wenngleich es immer noch vielfach zu wenige Absolventen für die Nachfrage gibt – und ein großer Teil der hier vorgestellten Kompetenzen wird auch dort nicht vermittelt.

Hauptschüler sozial inkompetent, Abiturienten zu verkopft

Die Klagen wiederholen sich regelmäßig. Weder für normale Jobs in abhängigen Beschäftigungen erfahren Schülerinnen und Schüler bisher das Nötige, noch dafür, um sich selbstständig zu machen und unternehmerisch zu arbeiten. Den Absolventen der Haupt- und Realschulen fehlen in der Regel soziale Kompetenz und Umgangsformen, Abiturienten sind für den Alltag meist zu verkopft und theoretisch. Hochschulabsolventen kommen oft mit einem so festgefahrenen Glauben ans Theoretische an ihren ersten Arbeitsplatz, dass es fast unmöglich scheint, ihnen den Sinn fürs Praktische und das Denken in Ergebnissen beizubiegen.

Mit diesem Buch wollen wir zeigen, welches Wissen Berufseinsteiger wirklich brauchen. Denn zwischen dem, was Schule und Universität uns lehren, und dem, was das spätere Leben einfordert, klafft eine tiefe Lücke: die Bildungslücke. Die Schule lehrt korrektes Schreiben, die Universität schult uns in Präzision – aber an den meisten Arbeitsplätzen geht es um treffende, prägnante und schnelle Kommunikation. Die Schule lehrt exaktes und differenziertes Denken, aber nicht souveränes Bewerten. Die Schule lehrt Perfektion in den Abläufen und Rechenwegen, aber nicht den Sinn fürs Ergebnis. Die Schule lehrt die hehren Ideale der Demokratie, aber keine Führung. Die Schule lehrt die Theorie der sozialen Marktwirtschaft, nicht aber, wie man sich mit einem Produkt auf einem Markt positioniert. Am Ende verlassen junge Menschen die Schulen, denen die ersten Tage und Wochen an einem Arbeitsplatz wie eine Parallelwelt erscheinen – obwohl sie sich jetzt, nach der Schule, in der Realität befinden. Doch nun fordert man von ihnen die Dinge, auf die sie niemand vorbereitet hat. Darum brauchen wir eine Liste jener Inhalte, die fürs Arbeitsleben wirklich wichtig sind, damit die Bildungspolitik sie in die Lehrpläne und den schulischen Betrieb integrieren kann.

Warum PISA keine Rolle spielt

Falls Sie sich fragen, weshalb in diesem Buch die sogenannten „PISA-Studien“ keine Rolle spielen – die Antwort ist einfach: Da „PISA“ lediglich Kenntnisse der vorhandenen Inhalte schulischen Lernens evaluiert, sind die Ergebnisse für die berufliche Praxis der meisten jungen Menschen kaum relevant. Die sogenannte Bildungselite – Pädagogen, Politiker, Ministerialbeamte – weigert sich konsequent, ihr Weltbild zu hinterfragen, und darum kreist die Bildungsdebatte um sich selbst. Man diskutiert darüber, ob wir das Abitur in zwölf oder dreizehn Jahren machen sollen – aber solange wir in dieser Zeit nicht lernen, wie man beispielsweise eine Geschäftsidee erkennt, ist es eigentlich egal, ob wir das zwölf oder dreizehn Jahre lang nicht lernen.

Dabei ist es keineswegs neu, dass es nicht gut um unser Bildungssystem steht: Die Debatte läuft seit Jahrzehnten. Man spricht über Erziehung, die richtigen Methoden und die Frage, ob wir die erste und die zweite Klasse zusammenlegen oder nicht. Gesamtschule ja oder nein? Wer das Geschehen von außen betrachtet, fragt sich: Warum sprechen die Bildungsexperten nur über solche formalen Fragen? Warum erfahren wir in dieser Bildungsdebatte so wenig über Inhalte und darüber, was Menschen heute eigentlich wissen sollten? Wer außerhalb des Bildungssystems und außerhalb des öffentlichen Dienstes jemals wirklich gearbeitet hat, weiß: Statt nur über die Form zu sprechen, wäre es an der Zeit, die Inhalte zu thematisieren, damit junge Menschen wirklich fit sind für das, was sie nach der Schule erwartet. An interessanten und vielversprechenden Schulversuchen, die auch seit vielen Jahren konsistent bessere Ergebnisse bringen, mangelt es nicht, wenn wir uns beispielsweise die Europaschule in Bielefeld anschauen. Es gibt also Wege, besser zu lernen. Nur die Inhalte, die wir in diesem Buch zusammengefasst haben, lernt man auch dort größtenteils nicht.

Das Ziel der Schule ist Erfolg nur innerhalb des Systems Schule

Das Ziel der Schule scheint im bisherigen Weltbild des Bildungssystems nicht zu sein, dass junge Menschen erfolgreich werden im Leben. Das Ziel scheint zu sein, dass sie ein Zeugnis bekommen mit guten Noten in den Fächern, die innerhalb des Systems Schule wichtig sind. Dieses Denken und der damit einhergehende Realitätsverlust zeigen sich auch an höchster Stelle: „Die jungen, gut ausgebildeten Absolventen sind für die Unternehmen attraktiv und bekommen vernünftige Perspektiven“, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan am 3. Mai 2011 bei einer Pressekonferenz des Stifterbandes für die Deutsche Wissenschaft zum Thema Bachelor-Abschluss. Es war, als käme sie von einem anderen Stern – was sie erzählte, war schlicht nicht real. Ihren akademischen Blick brachte der Vorsitzende des Stifterverbandes Arend Oetker bei dieser Veranstaltung auf den Boden: „Der großen Mehrheit der Unternehmen kommt es nicht auf die Art des akademischen Abschlusses an, sondern auf die Fähigkeiten des Berufseinsteigers. (…) Jeder neue Mitarbeiter wird entsprechend seines oder ihres individuellen Kompetenzprofils eingesetzt.“

Und das ist die Wahrheit: Unternehmen sind froh, wenn sie Leute bekommen, mit denen sie arbeiten können. Ob diese Leute dem akademischen Bildungsideal entsprechen, von denen Lehrer im öffentlichen Dienst träumen, spielt für Arbeitgeber keine Rolle – und auch nicht zu Beginn einer Selbstständigkeit. Und das ist nur ein Beispiel, in dem das Bildungssystem konsequent an den Belangen des Lebens vorbeiarbeitet. Die Bildungsdebatte unterliegt dem Filter des öffentlichen Dienstes und seiner Denkweisen – einem Filter, der die Realität ignoriert. Der Philosoph Seneca hatte recht mit seinem zynischen Spruch „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“, als er die Philosophenschmieden seiner Zeit kritisierte. Im Grunde hat sich nichts geändert: Der Beruf, auf den die Schule am besten vorbereitet, ist der des Lehrers. Es ist ein geschlossenes System, das bisher so gut wie keine Impulse von außen erlaubt.

Warum „allgemeinbildend“, wenn die wesentlichen Inhalte fehlen?

Wir sollten die Frage stellen, warum sich Gymnasien „allgemeinbildend“ nennen dürfen, obwohl sie weder Professionalität lehren noch die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Nicht einmal die Frage, wie man mit Geld umgeht, steht auf dem Lehrplan. Stattdessen beschäftigen Lehrer ihre Zöglinge mit klassischer Literatur, höherer Mathematik und naturwissenschaftlichem Fachwissen. All das sind schöne Dinge, aber wo bleibt das Wesentliche? Der Begriff der Allgemeinbildung scheint völlig verzerrt zu sein: Nur akademische Bildung gilt demnach als Bildung. Der akademische Betrieb scheint es nicht für nötig zu halten, den verantwortungsvollen Umgang mit Medien zur Allgemeinbildung zu erklären, obwohl diese Dinge unser Leben stärker beeinflussen als Franz Schuberts Vertonung von Goethes „Erlkönig“. Heute gehören Dinge zur Allgemeinbildung wie die Fähigkeit, zu einem stabilen Selbstwert zu finden, jenseits der vorgegebenen Bahnen zu denken, Geschäftsideen zu entwickeln und zu bewerten und vieles mehr.

Es wundert daher niemanden außerhalb dieses Systems, dass die bisherige Debatte am Thema vorbeigeht. Genau darum ist es wichtig, dass dieses Buch nicht von Vertretern des vom öffentlichen Dienst geprägten Bildungssystems kommt, sondern von Vertretern der Seminar- und Coachingszene, die aus der Praxis berichten, in der sie berufstätigen Menschen das fehlende Wissen nachliefern.

Der Weiterbildungsmarkt schließt die Bildungslücke

An einem schönen Sommertag des Jahres 2009 trafen sich die Herausgeber dieses Buches zum ersten Mal. Wir waren bei der „Coaching Convention“ in Wien, auf der es nur um Wissen ging. Die Redner, die dort und bei anderen Kongressen auftreten, vermitteln Wissen in Unternehmen, das die Schule unterschlägt. Nicht umsonst boomt der Weiterbildungsmarkt. Denn Erwachsene müssen, wollen sie beruflich erfolgreich sein, eine ganze Menge Wissen nachholen, das das Bildungssystem ihnen politisch und historisch bedingt vorenthält. Professionalität, Entscheidungsfindung, zielgerichtete Kommunikation, Selbstwert, Stil, Respekt und Verkauf hat ihnen ja bisher niemand beigebracht – also machen wir das, die Speaker- und Trainerszene. Und so buchen Unternehmen „Keynote-Speaker“ (Neudeutsch für Vortragsredner) für Impulsvorträge, manchmal nur einstündige Referate mit oft starker und nachhaltiger Wirkung auf das Unternehmen und seine Mitarbeiter, wenn die Botschaft klar rüberkommt. Oder es geht um tagelange Verhandlungstrainings, Anti-Burnout-Seminare, Zeitmanagement, Erfolgsseminare, emotionale Intelligenz, Mitarbeiterführung und um alles andere, was wichtig ist, um erfolgreich zu sein, ohne sich zu verheizen. Nur im vorurteilsgesteuerten Klischeebild bekommt das Publikum „Tschacka“-Theater, und so mancher Vertreter des klassischen Bildungssystems rümpft über den unakademischen Zugang die Nase. In der Realität aber bekommt das Publikum brauchbares und konkret anwendbares Know-how. Genau das, was das Bildungssystem nicht leistet.

Konkretes Wissen für Berufseinsteiger

Beim Mittagessen unterhielten wir uns über unsere Jobs und darüber, was wir hier eigentlich tun. Wir wussten: Letztlich gibt es unseren Markt nur, weil der öffentliche Dienst und das Bildungsbürgertum seit Jahrzehnten die Menschen von der Wirklichkeit fernhalten. Wie wäre es also, wenn wir dem Bildungssystem konkret zeigen, welches Wissen in die Schule gehört? Wir haben es doch gebündelt und müssen die Kolleginnen und Kollegen nur fragen, ob sie mitmachen! An diesem Tag beschlossen wir, dieses Buch zu schreiben. Wie wäre es, wenn man schon in der Schule von unserem Wissen erführe?

Ob wir mit diesem Buch die Schule oder das Bildungssystem ändern werden, wissen wir nicht. Wir wissen nicht einmal, ob uns die Vertreter des Bildungssystems überhaupt zuhören würden. Aber das macht nichts und es ist letztendlich auch irrelevant für die Menschen, die jetzt ins Berufsleben starten. Was wir leisten können, ist ein konkreter Beitrag für jeden einzelnen Schulabgänger und Berufseinsteiger. Wir bündeln in diesem Buch einen Teil des Wissens, das die Schule verschweigt und das Menschen in so gut wie allen Berufen brauchen. Diesen widmen wir dieses Buch.

Heiligengrabe und Linz/Donau, 1. Januar 2012Thilo Baum und Martin Laschkolnig

Respekt!

Wie Sie zu Anerkennung gelangen und andere anerkennen

VON RENÉ BORBONUS

Ohne Respekt geht gar nichts. Mit Respekt dagegen geht fast alles. Respekt ist der Schlüssel zu (fast) jeder Tür und gehört zu den wichtigsten Soft Skills. Doch Lehrer verwechseln Respekt oft mit Gehorsam, und auch Eltern sind oft genug selbst respektlos und können Respekt nicht vorleben und vermitteln. Respekt bleibt unsichtbar für alle, denen er nie vermittelt wurde – sie handeln respektlos, oft ohne es zu merken. Entsprechend erfolglos sind solche Leute im Job, denn im Beruf ist Respekt unabdingbar. Respekt bedeutet nicht zu schleimen, sondern Kommunikation auf Augenhöhe auf Basis eines gesunden Selbstwerts. Und nur wer Respekt zeigt, bekommt auch welchen zurück.

Klaus M., 47, soll in der 10b einen Kollegen vertreten. Mit versteinertem Gesichtsausdruck marschiert er zum ersten Mal in diese Klasse. Er trägt seinen pädagogischen Kampfanzug: Jackett und Krawatte. Damit will er klarmachen: Ich habe hier das Sagen. Als er das Klassenzimmer betritt, ignoriert er die dreißig Augenpaare und faucht sein „Guten Morgen“ ins gegenüberliegende Fenster. Er schreibt „Test“ an die Tafel und erklärt, dass er sich erst einmal einen Überblick darüber verschaffen will, ob die Schüler überhaupt etwas drauf haben. Aus der letzten Reihe hagelt es Protest. Klaus M. erteilt den entsprechenden Schülern einen Tadel und stellt schwere Zeiten in Aussicht, wenn sie ihm nicht den gebührenden Respekt entgegenbringen.

Werden die Schüler Klaus M. nun respektieren? Sicher nicht. Das Einzige, was sich Klaus M. eingehandelt hat, ist ein zur einen Hälfte verängstigter und zur anderen Hälfte stinkwütender Haufen Jugendlicher. Die erste Hälfte wird künftig selbst dann den Mund halten, wenn sie etwas beizutragen hätte. Die zweite Hälfte wird alles daran setzen, das autoritäre Regime von Klaus M. zu unterlaufen.

Mit allem, was er an diesem Morgen getan hat, wollte Klaus M. das einfordern, was er für Respekt hält. Doch tatsächlich hat er innerhalb von fünf Minuten alles dafür getan, sich den potenziellen Respekt der Schüler zu versagen. Und der Fehler ist simpel: Respekt lässt sich nicht fordern.

Respekt ist die Haltung, anderen einen Wert zuzugestehen

Zunächst ist Respekt eine Haltung. Es ist die Haltung, dass alle Menschen grundsätzlich gleichwertig sind. Wer diese Erkenntnis verinnerlicht hat, wird jeden Menschen mit Achtung behandeln – ob er siebenundvierzig ist oder siebzehn. Zudem kennen wir das Wort „Respekt“ als die Haltung gegenüber jemandem, zu dem wir aufschauen oder dessen Leistungen uns beeindrucken. Und diese Art von Respekt in Form von Anerkennung müssen wir uns verdienen, indem wir anderen einen guten Grund geben, uns ernst zu nehmen und uns mit Achtung zu begegnen.

Respekt ist ein spannendes Phänomen: Er bleibt unsichtbar für die, denen er nie vermittelt wurde. Diejenigen jedoch, die wissen, wie er funktioniert, scheint er überallhin zu begleiten. Denn zunächst einmal beginnt Respekt in uns selbst – mit der Achtung, die wir vor unserer eigenen Persönlichkeit empfinden, vor unseren Wünschen und Zielen, aber auch vor unseren Grenzen. Der Respekt entspringt unserem Selbstwert und unserer Selbstachtung. Wer sie nicht empfindet, begegnet den Herausforderungen des Lebens und seinen Mitmenschen meist wie das Kaninchen der Schlange. Nicht, weil er vor ihnen besonderen Respekt hätte – sondern weil er sich bedroht fühlt. Viele Menschen verwechseln Respekt mit Angst und Unterordnung.

Respekt verschaffen Sie sich nicht, indem Sie auf den Tisch hauen

Wir alle können nur auf eine einzige Art und Weise lernen, wie man sich Respekt verdient: indem man ihn uns vorlebt. Denn Respekt, wenn er aufrichtig ist, bleibt nie einseitig. Wir müssen es erleben, dass sich aus Selbstachtung Respekt ergibt und Menschen gegenüber einander respektvoll werden, wenn man ihnen respektvoll begegnet. Doch viele sogenannte Respektspersonen sehen ihre Aufgabe darin, Respekt einzufordern – und wundern sich, wenn das nicht funktioniert. So geht es zum Beispiel dem Vertretungslehrer Klaus M., der erst einmal kräftig auf den Tisch haut.

Verwechseln Sie Härte also nicht mit Stärke. Härte ist niemals stark. Deshalb respektieren wir Härte nicht unbedingt, sondern reagieren entweder mit Gehorsam oder mit Auflehnung. Wahre Stärke dagegen respektieren wir, wenn wir selbst stark genug sind, um sie schätzen zu können. Wer stark ist, muss nicht hart sein. Und das verschafft Respekt. Das gilt nicht nur für Vertretungslehrer, sondern für alle Berufstätigen. Respekt bekommen wir nur, wenn wir ihn uns jeden Tag neu in der Kommunikation verdienen – als Lehrer mit unseren Schülern und deren Eltern, in anderen Berufen mit Kunden, Chefs und Mitarbeitern.

Verwechseln Sie Respekt nicht mit Gehorsam

So wie dem Vertretungslehrer Klaus M. geht es vielen Erwachsenen, die Respekt sagen und Gehorsam meinen. Auch die ältere Dame, die ihren Sitzplatz im Bus durch böse Blicke und notfalls mithilfe ihres Gehstocks einfordert, statt höflich zu fragen, wird mit wenig Respekt rechnen dürfen. Wenn der Gepeinigte daraufhin tatsächlich den Platz räumt, dann nur, weil er im Unterschied zu der alten Dame weiß, was sich gehört – oder einfach, weil er keine Lust auf blaue Flecken hat. Und wenn Klaus M. es in der wütenden Hälfte der 10b mit Schülern zu tun hat, die von ihren Eltern vermittelt bekommen haben, was Respekt bedeutet und wie er funktioniert, hat er ganz schlechte Karten für seine restliche Zeit mit dieser Klasse – ebenso wie jede Führungskraft, die im Beruf meint, das so gelernte falsche Verständnis von Respekt am Arbeitsplatz anwenden zu können.

Wenn Sie bereits im Arbeitsleben stehen oder sich in der Berufsausbildung befinden, hatten Sie es vielleicht schon mit einem Chef zu tun, der gern seine Autorität zelebriert, um die Unterordnung seiner Angestellten sicherzustellen. Mit Respekt reden die Kollegen sicher nicht von einem solchen Vorgesetzten, vielmehr werden sie jede Gelegenheit nutzen, um hinter seinem Rücken über ihn zu lästern. Stillhalten werden sie nur aus Angst vor Sanktion – oder weil sie sowieso lieber Anweisungen befolgen, als Risiken einzugehen.

Wenn Sie selbst oder Ihre Freunde jüngere Geschwister haben, kennen Sie vielleicht aus eigener Erfahrung die Verlockung, den vermeintlichen Respekt der Jüngeren ohne Anstrengung einfach für sich geltend zu machen. Ihr jüngerer Bruder wird allerdings herzlich wenig davon halten, Ihr Zimmer für Sie aufzuräumen, nur weil Sie ihn dazu auffordern. Aber er wird bewundernd zu Ihnen aufschauen, wenn Sie vor den Eltern Partei für ihn ergreifen, weil sie ihn beispielsweise für etwas bestrafen wollen, was er nicht getan hat. Dafür werden Sie echten Respekt von ihm bekommen, und Ihre Beziehung wird sich schlagartig verbessern. Vielleicht räumt er sogar Ihr Zimmer für Sie auf, wenn Sie mal zu viel zu tun haben. Schließlich wohnen Sie beide im gleichen Haus und sitzen als Geschwister im selben Boot. Warum sollten Sie einander dann nicht auf Augenhöhe begegnen?

Respekt funktioniert nur auf Augenhöhe

Respekt kann ohne Augenhöhe nicht funktionieren. Die Herkunft des Wortes deutet bereits an, dass eine respektvolle Perspektive immer auch etwas mit der Sichtweise des anderen zu tun hat: Das lateinische Verb „respicere“ bedeutet „zurücksehen“. Respekt ist also verwandt mit Begriffen wie „Rücksicht“ und „berücksichtigen“. Wenn wir jemandem unseren Respekt zollen, bedeutet das, dass wir ihn berücksichtigen. Wir schätzen ihn wert, schenken ihm Aufmerksamkeit oder erweisen ihm Ehre. Das können wir nur, wenn wir bereit sind, uns in seine Lage zu versetzen und anzuerkennen, dass seine Bedürfnisse gleichberechtigt sind mit unseren eigenen. Und genau das bedeutet Augenhöhe.

Ein anderes Beispiel, das sich um das Prinzip Augenhöhe dreht, ist der Kinobesuch mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner. Natürlich können Sie darauf beharren, die Ärmste immer wieder in den neuesten Actionfilm zu schleifen, den Sie sich sowieso mit Ihren Kumpels ansehen wollen. Wahrscheinlich ernten Sie dafür auf Dauer Genörgel und schlechte Laune, und das kann ich Ihrer Freundin oder Frau auch nicht verdenken. Sie könnten aber auch einfach mal mit ihr in die romantische Komödie gehen, die sie sich gern mit Ihnen anschauen würde. Dann nämlich wird Ihre Partnerin erkennen, dass Sie ihr zuhören und ihre Wünsche respektieren – und sie wird Ihnen umgekehrt ebenfalls mit mehr Respekt begegnen und nichts dagegen haben, wenn Sie sich beim nächsten Mal wieder einen Actionfilm anschauen. Probieren Sie es einfach aus – das Prinzip Augenhöhe ist ein direkter Weg zu mehr Respekt.