Die Canellas-Tapes - Andreas Lampert - E-Book

Die Canellas-Tapes E-Book

Andreas Lampert

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Beschreibung

Am 6. Juni 1971 löst der Präsident der Tags zuvor abgestiegenen Offenbacher Kickers den größten Skandal der Bundesligageschichte aus: Horst-Gregorio Canellas spielt öffentlich Tonbandaufnahmen vor. Es sind Mitschnitte von Telefonaten, in denen er mit Spielern und Funktionären Spielmanipulationen bespricht und verabredet. Autor Andreas Lampert präsentiert in diesem Buch auch weiteres, bis dato öffentlich nicht zugängliches Material – jene Bänder, auf denen Canellas im Alleingang seine verloren gegangene Ehre wieder herzustellen versucht und dabei erst den ganzen Korruptionssumpf offenlegt.

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Seitenzahl: 450

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet uber http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Copyright © 2021 Verlag Die Werkstatt GmbH

Siekerwall 21, D-33602 Bielefeld

www.werkstatt-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten.

Satz und Gestaltung: Die Werkstatt Medien-Produktion GmbH

ISBN 978-3-7307-0587-2

Inhalt

Vorwort – Die dunkle Seite

Tapes I – Die vier Klassiker

Horst-Gregorio Canellas spricht mit Bernd Patzke, Tasso Wild, Manfred Manglitz und Ulrich „Utz“ Lammers.

Tapes II – Der Alleingang

Wie Canellas versucht, seine Ehre wiederherzustellen – und dabei die Ausmaße des Bundesligaskandals an die Öffentlichkeit bringt.

Epilog

„Ich war der Gegenstrom“

1991 trifft der Autor Horst-Gregorio Canellas zu einem Gespräch in dessen Wahlheimat Mallorca.

Autor und Danksagung

Die dunkle Seite

Der Bundesligaskandal von 1971 erschutterte die brave bundesrepublikanische Fußballwelt in ihren Grundfesten. Mindestens 18 Bundesligapartien im Endspurt der Erstliga-Saison 1970/71 standen unter Verdacht, mit Schmiergeldern beeinflusst gewesen zu sein. Über funf Jahre zogen sich die Ermittlungen vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und vor ordentlichen Gerichten hin. In diesem Zeitraum wurden 53 Spieler, zwei Trainer und sechs Funktionäre bestraft, zwei Bundesligaklubs verloren ihre Lizenz, ehe eine umfassende Amnestie seitens des DFB einsetzte.

Als zentrale Figur des Skandals gilt bis heute Horst-Gregorio Canellas, Sudfruchte-Großhändler und Präsident der Offenbacher Kickers. Hätte Canellas die Schiebereien am 6. Juni 1971 nicht ans Licht gebracht, wer weiß, welchen Weg der deutsche Profifußball genommen hätte. Die Aufdeckung des Skandals durch Canellas verhinderte, dass der Fußball in Deutschland dauerhaft zu einer abgesprochenen Veranstaltung à la Catchen geriet – fast eine Million Mark Schmiergeld (!) war zum Finale der Saison 1970/71 im Umlauf. Daruber hinaus leiteten die Canellas-Enthullungen zentrale Weichenstellungen ein: die Einfuhrung der 2. Bundesliga, die Festschreibung des Berufsbilds „Profifußballer“, die Reform der DFB-Sportgerichtsbarkeit.

Noch heute wird Horst-Gregorio Canellas in Ruckblicken als „betrogener Betruger“ (Kicker) beschrieben, der die Manipulationen aus Enttäuschung daruber ans Licht brachte, dass seine Offenbacher Kickers im Sommer 1971 aus der Bundesliga absteigen mussten. Tatsache ist: Canellas hat kein Spiel gekauft. Er zahlte lediglich eine 25.000-Mark-„Siegprämie“ an Kölns Torhuter Manfred Manglitz, der Canellas fur den Fall des Nicht-Zahlens angekundigt hatte, in der Partie gegen Offenbachs Abstiegskonkurrenten Rot-Weiss Essen „nicht richtig“ zu halten. Das Interessante dabei ist: Die Zahlung an Manglitz hatte sich Canellas zuvor vom DFB genehmigen lassen; damals stellten Siegprämien von dritter Seite noch keinen Verstoß gegen die Verbandsstatuten dar.

Der dreiste Erpressungsversuch seitens Manglitz’ hatte Canellas misstrauisch gemacht. Vor dem letzten Spieltag der Saison 1970/71 telefonierte der Offenbacher Präsident im Beisein des Frankfurter Bild-Sportredakteurs Werner Bremser mit Manglitz (1. FC Köln) sowie dessen Bundesligakollegen Tasso Wild, Bernd Patzke (beide Hertha BSC) und dem Mannschaftsbetreuer von Eintracht Braunschweig, Ulrich „Utz“ Lammers1. Die Gespräche, in denen völlig offen uber Spielmanipulationen gesprochen wurde (und die sich auch in diesem Buch finden), nahm Canellas auf Tonband auf und präsentierte sie spektakulär einen Tag nach dem Saisonende auf der Feier zu seinem 50. Geburtstag der Öffentlichkeit.

Canellas sah sich als Aufklärer in einer Sache, die aus dem Ruder gelaufen war. Er war ein temperamentvoller und cleverer Mann, der seinen Willen durchzusetzen wusste und schnelle Entscheidungen traf.

Er kannte die Tricks des noch jungen Fußballgeschäfts, spielte in seinen Augen mit offenen Karten und hatte begriffen, dass Informationsvorsprung – auch abseits des Sudfruchte-Imports – eine wichtige Währung war. Dem DFB war er im Herbst 1971 stets einen Schritt voraus, und weil Canellas sich dabei so nah wie möglich an die Wahrheit hielt, war er im Vorteil gegenuber seinen Gegnern, wie den Vorständen von Arminia Bielefeld, Schalke 04, Hertha BSC, Rot-Weiß Oberhausen und Eintracht Braunschweig, oder auch gegenuber den bloßgestellten Verbandsfunktionären, die sich furs „Zuschutten“ des Skandals entschieden hatten.

Besonders die passive Haltung des DFB, der in seinen Augen die Aufsichtspflicht als Verband völlig vernachlässigte, kritisierte Canellas. Die Funktionäre wollten den Bundesligaskandal als Taten von wenigen Einzeltätern deklarieren. „Es gibt keinen ‚Fall Bundesliga’, sondern nur einen Fall in der Bundesliga“, beschrieb DFB-Sprecher Wilfried Gerhardt den Zustand des Profifußballs im Herbst 1971. Und dass Canellas die Rolle des Alleinschuldigen im Bundesligaskandal einnehmen sollte, wollte der Unternehmer nicht auf sich sitzen lassen. Die ungerechte Behandlung seitens des DFB und der Medien löste bei Canellas eine Trotzreaktion aus, die ihn zu eigenen Ermittlungen motivierte und das Ausmaß des Skandals erst offenbarte.

Im Kapitel „Der Alleingang“ dieses Buchs finden sich bisher unveröffentlichte Abschriften von Telefonaten, die Canellas im Zeitraum zwischen Oktober 1971 und Februar 1972 gefuhrt hat. Canellas spricht mit Zeugen, Journalisten, Anwälten, Gegenspielern, Ehefrauen, sammelt Informationen, dirigiert aus dem Hintergrund und versucht die Gesprächspartner bisweilen vor sich herzutreiben. Dabei sind wichtige Meilensteine in Canellas’ Aufklärungsarbeit auszumachen, wie etwa das Zusammenkommen mit dem Zeugen und Bielefelder Gönner Rupert Schreiner, dem Auslöser der „zweiten Lawine“ im Bundesligaskandal. Der geradezu filmreife „Lamker-Eklat“ wird beschrieben, genauso wie Canellas’ Zusammenarbeit mit vertrauten Journalisten offenbar wird oder die zwielichtige Rolle von in den Skandal verwickelten Juristen. Das Material gibt einen faszinierenden Einblick hinter die Kulissen der deutschen Fußballwirklichkeit in den fruhen 1970er Jahren.

Die Tonbandaufnahmen, die zu diesem Buch gefuhrt haben, verdanke ich dem 2016 verstorbenen Sportjournalisten Jo Viellvoye, mit dem ich vor 30 Jahren an einer Story uber den Bundesligaskandal gearbeitet habe. Viellvoye hatte die Bänder von Canellas mit den Worten uberreicht bekommen: „Herr Viellvoye, machen Sie etwas daraus!“

Erstaunlicherweise gibt es zum Bundesligaskandal nur eine Buchveröffentlichung: Weder hat Canellas sein bereits 1971 angekundigtes Buch zum Bundesligaskandal geschrieben, noch hat DFB-Chefankläger Hans Kindermann seine 1981 in Aussicht gestellte Aufarbeitung veröffentlicht. So bleibt allein die Dokumentensammlung „Bundesliga-Skandal“, herausgegeben 1972 von Dr. Reinhard Rauball im De-Gruyter-Verlag. Diesem Buch habe ich viel Wissen uber diesen einzigartigen Vorgang deutscher Fußballgeschichte zu verdanken.

Herbst 2021,

Andreas Lampert

1In verschiedenen Veröffentlichungen wird Ulrich „Utz“ Lammers auch als „Lamers“ oder gar „Lutz Lamers“ bezeichnet.

TAPES I

DIE VIER KLASSIKER

Am 6. Juni 1971 wird Horst-Gregorio Canellas, der Präsident der tags zuvor aus der Fußball-Bundesliga in die Regionalliga abgestiegenen Offenbacher Kickers, 50 Jahre alt. Zur Feier in sein Haus in Hausen (Landkreis Offenbach) hat er zahlreiche Gäste eingeladen. Neben Bundestrainer Helmut Schön und dem jungen DFB-Funktionär Wilfried Straub sind auch zahlreiche Journalisten zugegen – denn: Canellas will öffentlich machen, dass in der Bundesligasaison 1970/71 nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Mithilfe von auf Tonband mitgeschnittenen Telefonaten, die er seinen Geburtstagsgästen vorspielt, enthüllt Canellas, dass Spieler wie Bernd Patzke, Tasso Wild (beide Hertha BSC), Manfred Manglitz (1. FC Köln) und der Teambetreuer von Eintracht Braunschweig, Ulrich „Utz“ Lammers, bereit waren, gegen Geldzahlungen Bundesligaspiele zu manipulieren. Es sind Scheinverhandlungen, die Canellas hier führt. Weder er noch sein Klub, die Offenbacher Kickers, haben auch nur einen der verhandelten Geldbeträge jemals gezahlt.

Das Vorspielen der Tonbänder auf der Geburtstagsparty ist ein Paukenschlag, der die deutsche Fußballwelt erschüttert und den nicht jeder hören will. Viel ist in den vergangenen Jahrzehnten über diese Bänder, die den Bundesligaskandal ins Rollen brachten, geschrieben worden. Doch die wenigsten dürften die genauen Inhalte kennen. Hier also noch mal zum Nachlesen.

„Ich werde alles machen: Wir spielen auf Sieg!“

CANELLAS UND BERND PATZKE1

Der 2. Juni 1971 ist der Tag des Aufstiegsspiels zur Fußball-Bundesliga zwischen Wacker 04 Berlin und dem 1. FC Nürnberg, das am Nachmittag im Berliner Poststadion ausgetragen wird. Am Mittag erreicht Horst-Gregorio Canellas den Hertha-BSC-Spieler Bernd Patzke telefonisch. Mit Patzke und dessen Mitspieler Tasso Wild steht Canellas in diesen Tagen in engem Kontakt. Die hinter Meister Mönchengladbach und Vize Bayern München bereits als Tabellendritter feststehenden Berliner empfangen am letzten Saisonspieltag Offenbachs punktgleichen Mitabstiegskonkurrenten Arminia Bielefeld. Die Ostwestfalen haben gegenüber den Offenbachern das schlechtere Torverhältnis und benötigen die für einen Sieg ausgelobten zwei Punkte also dringend, um in der Tabelle überhaupt noch an den Hessen vorbeiziehen zu können. Canellas wiederum ist verständlicherweise sehr an einem Berliner Heimsieg interessiert, den er sich – vorgeblich – auch etwas kosten lassen möchte.

Patzke: Hallo?

Canellas: Ja, Canellas.

Patzke: Tag, Herr Canellas.

Canellas: Herr Patzke, sagen Sie, Sie wollten doch anrufen.

Patzke: Ja, der Wild hat zu mir gesagt, dass er das ubernimmt. Er wollte Sie um zwei Uhr anrufen.

Canellas: Könnten Sie ihn nicht einmal anrufen. Dass er mich anruft.

Patzke: Ja. Ich kann Ihnen aber erst sagen, dass ich ihn erst um sechs Uhr sehe.

Canellas: Um sechs Uhr sehen Sie ihn erst?

Patzke: Er ist doch zum Bundesliga-Aufstiegsspiel.

Canellas: So?

Patzke: Und dann wird er Sie anschließend anrufen, ne?

Canellas: Nach dem Spiel? Also vorher ruft er mich nicht an?

Patzke: Ja, ich kann ja versuchen …

Canellas: Sagen Sie, der hat doch gestern gesagt zu mir, Ihnen war das doch ein bissel heiß. Er hat zu mir gesagt, er wollte es schon haben. Ich habe doch gesagt, bis Donnerstag fruh. Dann hat er gesagt: Nein, Sie mussen sich zwischen halb und zwei entscheiden. Weil nachmittags die Bielefelder kommen.

Patzke: Ich weiß, dass gestern Abend der eine von Bielefeld schon da w a r.

Canellas: Da war schon einer da?

Patzke: Ich kann Ihnen aber eins versichern, da bin ich ganz ehrlich mit Ihnen.

Canellas: Ja, ich weiß. Sie sind ja ehrlich.

Patzke: Ich sage Ihnen das. Sie können mir glauben. Ich werde alles machen: Wir spielen auf Sieg! Das können Sie mir glauben.

Canellas: So?

Patzke: Egal wie die sich da einig werden. Ob die sich einig werden? Das spielt fur mich uberhaupt keine Rolle.

Canellas: Fur Sie nicht. Herr Patzke, ich kenne Sie doch. Ich habe doch gestern Abend gemerkt, dass Ihnen das peinlich war.

Patzke: Ich sage Ihnen, mir ist das peinlich, so was. Das wollte ich Ihnen ehrlich sagen.

Canellas: Aber schauen Sie, der Tasso Wild war doch sehr entschlossen. Ich habe es gemerkt, dass Sie da …

Patzke: Da war einer da gewesen. Und ich habe darauf ein paar ernste Worte gesprochen. Ich habe gesagt, dass das nicht geht und so weiter. Sie können mir glauben, die hören auch auf mich. Naturlich will jeder ein paar Mark verdienen. Kann ich verstehen.

Canellas: Aber sagen Sie mal, dem Tasso mussen die Bielefelder doch die 1202 geboten haben. Sonst hätte er sie doch von mir nicht verlangt.

Patzke: Da war schon einer da mit hundert Mille.

Canellas: Mit hundert Mille war schon einer da?

Patzke: Das andere kommt noch. Der läuft Ihnen die Bude ein. Ich bin ja bei mir in der Bude. Da läuft den ganzen Tag das Telefon. Ich geh schon gar nicht mehr ran.

Canellas: Gehen Sie gar nicht ran?

Patzke: Ich gehe gar nicht ran! Ich bin durch Zufall vorhin …

Canellas: Aber Herr Patzke, da passiert doch eines: Sie haben es doch gesehen. Der Tasso Wild will das doch ausreizen. Sie waren doch gestern etwas verärgert. Sie wollten es doch nicht ausreizen.

Patzke: Ich habe es aus der Hand gegeben, weil ich gesehen habe …

Canellas: Aber sagen Sie mal, mir kann doch eines jetzt passieren: Wenn ich am Freitag jemanden schicke mit einer Summe, die doch uber 120 liegt, und die Bielefelder hauen noch einmal 50 drauf, dann bin ich doch draußen?

Patzke: Nee, nee, Sie sind nicht draußen. Ich sage Ihnen auch, wenn Sie das Geld schicken …

Canellas: Ja?

Patzke: Und das wird vorausgesetzt, was naturlich so sein wird, und wir gewinnen nicht und haben das Geld …

Canellas: Ja?

Patzke: Dann geht das auf jeden Fall todsicher zuruck. Dafur verwende ich mich aber!

Canellas: Aber Herr Patzke, es ist doch so, der Tasso Wild, zumindest hatte ich das Gefuhl gestern Abend gehabt, bei dem Telefongespräch, als er mit mir gesprochen hat, da habe ich das Gefuhl gehabt, wenn da kurzfristig noch mehr geboten wird, dann bin ich draußen.

Patzke: Wenn da eine Entscheidung vorliegt, von denen, dann wird das eingehalten. Das können Sie mir glauben. Sie können mir glauben, dass sich die Mannschaft das gar nicht gefallen lässt, auf Niederlage zu spielen. Das gibt es gar nicht.

Canellas: Aber die waren doch gestern dabei, die Kameraden? Bei dem Gespräch?

Patzke: Ja, die sind von der Summe geblendet. So was muss man auch alles uberschlafen.

Canellas: Sie waren gestern doch mit der ganzen Mannschaft da?

Patzke: Ja, aber Herr … Da haben ja nicht viele was zu sagen.

Canellas: So. Also ich habe gestern gemerkt, dass Ihnen das alles zu heiß war. Ich meine, das weiß ich.

Patzke: Was heißt „zu heiß“? Ich sage Ihnen, es ist mir ein bisschen unangenehm, sie untereinander auszuspielen. Wir spielen ja fur eine sportlich gerechte Sache.

Canellas: Ich weiß.

Patzke: Und wenn wir verdienen können, warum nicht? Warum sollen wir verlieren? Wir werden gewinnen! Das können Sie glauben. Wir werden auch.

Canellas: Aber Herr Patzke, wir können doch, wir zwei … Ich meine, Sie haben mir mal gesagt, ich wäre Ihnen sympathisch. Sie sind es mir auch. Das wissen Sie ganz genau. Ich hätte Sie am liebsten mal nach Offenbach geholt. Aber ich glaube, ich werde doch bezahlen mussen! Denn wenn ich dem Tasso Wild sage: Ich bezahle nix – dann schneide ich mir doch den Ast ab, auf dem ich sitze!

Patzke: Ja, das glaube ich auch.

Canellas: Ich muss doch bezahlen! Das sehen Sie doch.

Patzke: Ja.

Canellas: Ja, ich will ja auch, dann.

Patzke: Ja.

Canellas: Denn der Tasso Wild hat mir doch das eiskalt gestern gesagt. Er hat gesagt: „Ich verhandle am Mittwochnachmittag mit Bielefeld.“ Patzke: Ja.

Canellas: Ich meine, Sie wollen mir helfen. Das weiß ich, Bernd Patzke, das weiß ich. Was raten Sie mir denn? Sagen Sie doch dem Tasso Wild, dass er mich anruft.

Patzke: Ich sage ihm, er soll anrufen. Und dann werden wir sehen, ja?

Canellas: Bloß, wenn er mich nimmer anruft, dann rufen Sie mich doch noch einmal zuruck.

Patzke: Ich veranlasse das. Ich stehe ja dabei.

Canellas: Sie stehen dabei?

Patzke: Ich werde dabeistehen. Ist es egal, ob es um sechs Uhr ist oder nach der Aufstiegsrunde?

Canellas: Das spielt doch keine Rolle. Ich bin den ganzen Abend zu Hause.

Herr Patzke, und machen Sie eines: Wenn die Summe dann zu klein ist und die Bielefelder uberbieten, verstehen Sie? Wenn Sie sagen, die rufen bei Ihnen laufend an, dann mussen Sie mich noch einmal anrufen.

Patzke: Ja. Ich sage Ihnen, bei mir geht dauernd das Telefon. Ich habe gesagt, ich bin nicht zu sprechen und so. Es ist auch so, wenn da jemand anruft und mein Mädel ist zu Hause, dann gibt die auch keine Auskunft.

Canellas: Gibt keine Auskunft?

Patzke: Nein.

Canellas: Herr Patzke, Sie wissen ja, alles klar.

Patzke: Sonntag werden Sie 50?

Canellas: Ich werde 50 am Sonntag.

Patzke: Dann alles Gute! Und dass Sie drinbleiben.

Canellas: Na ja, ich meine, ich kann Ihnen sagen, es macht keinen Spaß mehr, Herr Patzke. Aber bitte, ich meine, die Bielefelder, wir haben die hier 5:0 geputzt, Herr Patzke! Alles klar.

Patzke: Ich sage Ihnen, ich habe sie schon heiß gemacht. Wir haben mit denen ja noch eine Rechnung zu begleichen. Denn die haben uns ja so furchtbar auf die Fuße gehauen da. Das muss ja mal einen retour geben, nicht?

Canellas: Gut.

Patzke: Na ja. Wir beiden werden uns schon einig werden, nicht?

Canellas: Gut, lieber Herr Patzke.

Patzke: Also, bis heute Abend.

Canellas: Wiedersehen.

Patzke: Gut. Wiedersehen.

1Alles, was in den transkribierten Textteilen steht, wurde tatsächlich so gesagt, auch wenn es sich bisweilen etwas wild liest und nicht immer den gängigen grammatikalisch-stilistischen Gepflogenheiten der deutschen Standardsprache entspricht. Aus Authentizitätsgrunden wurde auf eine stilistische Glättung verzichtet, in Fällen allzu eklatanter sprachlicher Verwerfungen jedoch mittels „Sic!“ auf die tatsächliche Korrektheit der Transkription hingewiesen.

2Canellas meint 120.000 Mark.

„140.000, und die Sache ist für Sie in Ordnung“

TASSO WILD UND CANELLAS

Ein paar Stunden nach dem Gespräch mit Bernd Patzke erhält Horst-Gregorio Canellas am Abend des 2. Juni 1971 einen Anruf, auf den er gewartet hat. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Patzkes Hertha-Mannschaftskollege Tasso Wild, der aufseiten der Berliner die Bestechungsgeld-Verhandlungen mit dem Offenbacher Präsidenten führt. Wie Canellas erfahren muss, haben auch Vertreter von Arminia Bielefeld bei Wild ein „Angebot“ abgegeben. Doch der Berliner Abwehrspieler macht Canellas einen Vorschlag.

(Haus von Canellas. Fernsehgeräusche im Hintergrund.)

Canellas: Ja, Canellas.

Wild: Wild.

Canellas: Herr Wild, guten Abend! Ich verstehe Sie so schlecht.

Wild: Ja.

Canellas: Gut, jetzt ist es besser.

Wild: Ich kann schlecht schreien, ja?

Canellas: Herr Wild, bitte, ich habe mit Herrn Patzke gesprochen heute Mittag.

Wild: Er hat mir Bescheid gesagt.

Canellas: Er hat mir gesagt, er hätte es in Ihre Hand gegeben.

Wild: Ja.

Canellas: Wie sieht es denn aus, Herr Wild?

Wild: Wir sind jetzt dort mit den anderen zusammen.

Canellas: Was? Sind Sie mit der Mannschaft zusammen?

Wild: Nein. Mit den anderen vom anderen Verein.

Canellas: Ach, von Bielefeld?

Wild: Ja.

Canellas: Sie sagten mir gestern: 120. Sie sagten mir gestern: 120.000.

Wild: Also, horchen S ’, ich habe einen ganz duften Vorschlag. Weil’s Offenbach ist.

Canellas: Ja?

Wild: Und ohne Kuhhandel hin und her.

Canellas: Ja?

Wild: 140.000, und die Sache ist fur Sie in Ordnung.

Canellas: 140?

Wild: Ja.

Canellas: Und wie musste die Übergabe vonstattengehen, Herr Wild?

Wild: So schnell wie möglich.

Canellas: Herr Wild, ja wo denn?

Wild: Können Sie jemanden raufschicken, oder was?

Canellas: Ja, ich muss ja einen schicken! Oder wollten Sie … Sie können ja nicht runterkommen?

Wild: Nein, wir machen das so aus: Der bringt das Geld mit. Wir wollen es sehen. Verstehen Sie?

Canellas: Das Geld sehen, ja.

Wild: Dann stellt der sich mit irgendeinem Verbindungsmann mit mir auf die Stehränge oder sonst wo hin, ja?

Canellas: Jawoll!

Wild: Ist das Spiel gewonnen, wechselt die Tasche den Mann.

Canellas: Ja.

Wild: In der Tasche ist das Geld, und die geht leer wieder zuruck. Ist das fair?

Canellas: Ja, das ist fair.

Wild: Gut.

Canellas: Ja.

Wild: Jetzt mussen wir nur noch einen Treffpunkt ausmachen.

Canellas: Sagen Sie, Sie wollen also … Der musste einen Tag eher kommen, damit Sie das Geld sehen?

Wild: Genau.

Canellas: Und, Herr Wild, Sie wurden dann den Bielefeldern absagen?

Wild: Ich sagen Ihnen, wenn Sie mir das jetzt zusagen, dann sage ich heute Abend denen ab.

Canellas: Sagen Sie den Bielefeldern ab?

Wild: Ich muss sagen, die ganze Mannschaft, auch der Berni3, die waren alle dafur, dass Offenbach drinbleibt.

Canellas: Dass Offenbach drinbleibt?

Wild: Weil sie sagen, wir fahren doch lieber in den Suden runter als wie in den verdammten Westen rein. Und auch fur uns ist das so uberhaupt kein Risiko.

Canellas: Fur euch kein Risiko, ja?

Wild: Sie kennen’s ja: Wenn uns ein Gönner Geld schenkt? Na und! Und, und Sieg? Ja, das ist doch das Beste!

Canellas: Ja?

Wild: Da wird keiner betrogen. Gar nichts. Das ist ganz einfach.

Canellas: Meinen Sie nicht, dass die Bielefelder noch einmal uberbieten und Sie dann umfallen?

Wild: Nein! Ich sage Ihnen das jetzt ganz offen. Aber wehe, wenn da was rauskommt, gell?

Canellas: Da kommt doch nichts raus!

Wild: 220 bezahlen die.

Canellas: 220.000?

Wild: Ja.

Canellas: Um Gottes willen!

Wild: Aber da gibt es bei Ihnen praktisch kein Risiko.

Canellas: Ja?

Wild: Wenn wir da einsteigen, dann ist unsere ganze Karriere gefährdet und alles.

Canellas: Ja, ja. Aber Herr Tasso, die gehen ganz schön ran, was?

Wild: Ja. Die haben angefangen mit 120, nä?

Canellas: Ja.

Wild: Und wollten nur einige kaufen. Aber das ist Quatsch. Das kann nicht, das spricht sich rum. Dann sagt der eine mal was. Dann sagt der Zweite, das ist schlecht. So sind alle zwölf oder 13 Mann ruhig beteiligt. Sie wissen Bescheid. Dann hat jeder ein paar Mark.

Canellas: Ja.

Wild: Jawohl, so ist es in Ordnung. Ich muss sagen, der Trainer weiß nichts. Aber ich habe mal mit ihm gesprochen und gesagt: „Da ist ein Gönner da. Der setzt auf Sieg.“ Da sagt er: „Auf Sieg, jawoll, das ist eure Sache! Nur nicht verlieren“, sagt er.

Canellas: So? Ach so ist das. Gut. Wo soll der Mann, der am Freitag ankommt, sich melden?

Wild: Moment einmal, am Freitag sind wir im Training.

Canellas: Ja. Ich verstehe Sie so schlecht.

Wild: Freitag sind wir im Training.

Canellas: Jetzt verstehe ich Sie besser.

Wild: Am Freitag kommt er?

Canellas: Ja.

Wild: Wann kann er ungefähr kommen?

Canellas: Ja, das mussen Sie sagen, wann er kommen soll.

Wild: Dann wurde ich sagen, um ein Uhr.

Canellas: Um ein Uhr?

Wild: Ja.

Canellas: Ja.

Wild: Irgendwo, wo ist es am gunstigsten? Wo ist wenig los? Hmm, hmm, im Hotel ist es zu bekannt, nä?

Canellas: Das spielt doch keine Rolle.

Wild: Spielt keine Rolle?

Canellas: Nee!

Wild: Dann wurde ich sagen, so um ein Uhr im Empfangsraum vom Hotel „Berlin“.

Canellas: Im Hotel „Berlin“ im Empfangsraum, Freitag, ein Uhr?

Wild: Am Mittag, Freitag, um ein Uhr.

Canellas: Aber da braucht er Ihnen die 140 nur zu zeigen? Die Übergabe erfolgt am Samstag?

Wild: Ja.

Canellas: Alles klar.

Wild: Sie wissen ja, das ist jetzt von mir ein reines Vertrauen.

Canellas: Ja.

Wild: Nicht, dass wir gewinnen, und auf einmal sagen Sie: Horchen Sie …

Canellas: Nein, das gibt es nicht!

Wild: Dann kann ich absagen?

Canellas: Ja, sagen Sie ab. Aber wenn nun die Bielefelder am Freitag kommen und bieten Ihnen 300.000?

Wild: Nein, nichts zu wollen!

Canellas: Nichts zu wollen.

Wild: Nein. Die ganze Mannschaft will das nicht. Wir spielen voll auf Sieg.

Canellas: Gut, alles klar, Herr Wild.

Wild: Okay.

Canellas: Ich bedanke mich.

Wild: Am Freitag um ein Uhr. Alles klar.

Canellas: Alles klar!

Wild: Okay, Tschusschen.

Canellas: Wiedersehen.

3Spitzname von Bernd Patzke.

„Die quatschen mir zu viel“

CANELLAS UND MANFRED MANGLITZ

Die Offenbacher Kickers sind am letzten Spieltag der Saison 1970/71 beim 1. FC Köln zu Gast und brauchen zum Erstligaklassenerhalt idealerweise einen Sieg. Canellas steht bereits länger mit Kölns Torwart Manfred Manglitz in Kontakt, der im Mai 1971 schon 25.000 Mark von Offenbachs Präsidenten gefordert hat – andernfalls würde er im Kölner Spiel gegen Rot-Weiss Essen, den Mitabstiegskonkurrenten der Kickers, absichtlich Tore kassieren. Der Keeper, bei der Weltmeisterschaft im Jahr zuvor noch Deutschlands Nummer drei, wird sich am letzten Spieltag von seinem Ersatzmann Milutin Soskic vertreten lassen – und natürlich fordert Manglitz auch dafür wieder Geld. Andernfalls …

Das folgende Telefonat zwischen Canellas und Manglitz hat am 2. Juni 1971 stattgefunden, der Bild-Redakteur Werner Bremser und Offenbachs Geschäftsführer Willi Konrad hören das Gespräch an der Seite von Canellas heimlich mit.

Manglitz: Manglitz.

Canellas: Canellas. Guten Abend, Herr Manglitz. Herr Manglitz, der Herr Konrad hat gesagt, ich sollte noch einmal anrufen.

Manglitz: Ja, ja, richtig. Er wollte heute Mittag mit mir sprechen. Da hatte ich aber Besuch, da konnte ich nichts sagen.

Canellas: Ja?

Manglitz:(Lacht.) Jetzt bin ich alleine, jetzt kann ich sprechen. Wie geht es Ihnen?

Canellas: Herr Manglitz, danke, gesundheitlich etwas besser.

Manglitz: Ja, was besser.

Canellas: Ich habe heute gehört, Sie wurden Samstag gar nicht mitspielen?

Manglitz: Ja, was Besseres kann Ihnen doch gar nicht passieren.

Canellas: So? Ja, ich weiß nicht.

Manglitz: Ja. Das sage ich Ihnen aber.

Canellas: So?

Manglitz: Sonst ist so weit schon fast alles geregelt. Aber passen Sie auf, der Herr Konrad hat mir was gesagt, mit dem Jupp Kapellmann4 da, nicht?

Canellas: Ja, der hatte bei dem Krämers5 angerufen. Ich weiß nicht, was er wollte.

Manglitz: Ja. Ja, ja. Der ist mir was zu grun fur die Sache.

Canellas: Zu grun, ja?

Manglitz: Der ist 20 Jahre. Ich habe nit gern in so ’ner Sache so grune Jungs, nicht?

Canellas: Jawoll!

Manglitz: Die quatschen mir zu viel.

Canellas: Jawoll!

Manglitz: Verstehen Sie das?

Canellas: Jawoll!

Manglitz: Das ist doch auch Ihre Meinung, oder?

Canellas: Jawoll! Richtig. Ja.

Manglitz: Ich meine, man muss wissen, mit wem man was macht. Und was man mit dem macht, und so weiter. Da kann ich keine 20-Jährigen, die uberall mit dem Mund drinhängen und erzählen und machen und tun. Nicht? Übrigens, dass ich nicht spiele, ist noch nicht hundertprozentig. Aber ich sage Ihnen: Normal kann Ihnen nichts Besseres passieren.

Canellas: Ja.

Manglitz: Glauben Sie mir.

Canellas: So?

Manglitz: Der Soskic hat in den letzten zwei Jahren zweimal gespielt.

Canellas: Und wie sieht’s nun im Detail aus, Herr …?

Manglitz: Im Detail sieht es aus, dass ich also funf Mann habe, die mitmachen. Ja?

Canellas: Ja.

Manglitz: Ich werde auch noch einmal mit dem Soskic sprechen. Selbst mal. Der macht doch sowieso sein letztes Spiel fur Köln. Der geht ja zuruck nach Jugoslawien.

Canellas: Ja.

Manglitz: Das konnte ich aber heute nicht. Ich möchte ihn nicht einweihen, bevor ich nicht weiß, ob er spielt oder ob ich spiele.

Canellas: Ja, richtig, richtig.

Manglitz: Ich kann ihm ja nicht sagen: „Pass auf, so und so ist die Sache.“ Und dann spielt der nicht und weiß dann davon. Das kann ich noch nicht. Aber ich weiß nur, der macht sein letztes Spiel, und dat is ’nen Jugoslawe. Und Sie kennen die Jugoslawen, und so.

Canellas: Ja, ja, ja. Und wer sind die funf, Herr Manglitz?

Manglitz: Herr Canellas, sind Sie mir bitte nicht böse, aber ich möchte es bitte nicht sagen. In Ihrem Interesse als auch in meinem Interesse.

Canellas: Richtig.

Manglitz: Ja? Haben Sie bitte dafur Verständnis. Ich kann jetzt nicht sagen: Das ist der, das ist der, das ist der. Ich kenne se, die funf wissen unabhängig voneinander. Der eine weiß nichts vom anderen. Das ist in dieser Sache besser. Wenn mal irgendwie etwas kommt oder was, dann ist es nit gut, dass zu viele Namen genannt werden.

Canellas: Ist in Ordnung.

Manglitz: Ja? Sie können sich drauf verlassen, es sind funf Mann. Und es gibt uberhaupt nichts, dass da was schiefgeht. Glauben Sie’s mir.

Canellas: Ja, ich glaube es Ihnen.

Manglitz: Glauben Sie es mir selbst.

Canellas: Jawoll, ich glaub’s.

Manglitz: Sie werden es sehen am Samstag.

Canellas: Ja.

Manglitz: Ja? Jetzt ist nur die Sache: Wann treffen wir uns mal?

Canellas: Ja, am liebsten wäre mir Freitag.

Manglitz: Am Freitag? Gut, können wir machen. Wann?

Canellas: Ja. Sagen Sie es mir.

Manglitz: Freitagabend?

Canellas: Ja.

Manglitz: Ich wurde sagen, so gegen sechs.

Canellas: Ja. Und wo?

Manglitz: Ich wurde sagen, am besten ist es im Wagen. Nicht irgendwo in einem Lokal, oder?

Canellas: Ich uberlasse das Ihnen.

Manglitz: Ich wurde sagen, wir treffen uns irgendwo mit dem Wagen.

Canellas: Sagen Sie es mir.

Manglitz: Und besprechen die ganze Sache im Wagen. Denn wir beide in einem Lokal? Ich weiß nicht.

Canellas: Wir sind in Schloss Auel.

Manglitz: In Schloss Auel? Schloss Auel, das ist wo?

Canellas: Abfahrt Siegburg-Troisdorf.6

Manglitz: Ja … Hören Sie mal, waren Sie bei dem Wolfgang Overath7?

Canellas: Nein!

Manglitz: Was?

Canellas: Nein.

Manglitz: Nicht?

Canellas: Nein.

Manglitz: Der quatscht nämlich doof.

Canellas: Was hat er denn gesagt?

Manglitz: „Ah, was hier passiert?“ Und so weiter. „Und mich hat ein Spielervermittler angerufen.“ Der wusste Zahlen. Und dies und jenes. Und war deswegen auf der Palme, und so. Und dass er davon nie erfahre, und so. Der hat geschimpft und was weiß ich. Da habe ich vielleicht gedacht, dass Sie bei ihm waren und hätten ihm was gesagt.

Canellas: Ich bin ja von Offenbach gar nicht weggekommen. Ich kann ja doch gar nicht weg!

Manglitz: Kennen Sie irgendeinen Spielervermittler in Deutschland, der irgendwie daruber was weiß?

Canellas: Also, ich habe nur gehört, dass der Alt8 verschiedene Sachen schon gedreht hätte. Der Alt, ja.

Manglitz: Das könnte sein. Ja, das könnte sein.

Canellas: Ja. Und der Overath? Wie hat der denn reagiert?

Manglitz: Ja, der war böse, der Overath. „Ja, wenn ich das mal höre“, und so. Ich habe ihn ja damals schon … Wir sind ubereingekommen, dass man den Overath so nicht einweihen soll, sondern auf eine andere Tour.

Canellas: Ja.

Manglitz: Ja? Dass das besser ist bei ihm. Das ist wirklich noch immer meine Meinung, und da bleibe ich bei. Das hat nämlich keinen Zweck.

Canellas: Ja, das ist richtig. Also, am Freitag um sechs. Und wo?

Manglitz: Freitag um sechs? Lassen Sie mich mal uberlegen: Kennen Sie den Bonner Verteiler?

Canellas: Jawohl.

Manglitz: Ja? Also nicht den Bonner Verteiler in Bonn, sondern in Köln.

Canellas: Den Bonner Verteiler in Köln. Das ist doch …

Manglitz: Das ist, wenn Sie von Siegburg kommen, fahren Sie Autobahn, dann Abfahrt Köln. Das ist Köln, warten Sie mal, weiter dann, wo man auch gleichzeitig nach Bonn abfahren kann.

Canellas: Bonner Verteiler.

Manglitz: Anstatt dann links nach Bonn, rechts nach Köln. Das ist ein Verteilerkreis.

Canellas: Abfahrt Bonn, aber rechts nach Köln?

Manglitz: Ja, nach Köln. Und zwar sind da so zwei ganz große Tankstellen. Und wenn Sie von der Autobahn kommen, ist auf der rechten Seite eine Tankstelle und auch ein Hotel. Und auf diesem Parkplatz …

Canellas: Autobahn rechts, Tankstelle.

Manglitz: Ein Restaurant und Tankstelle. Ich glaube, es ist so gelblich.

Canellas: Und Hotel.

Manglitz: Irgend so eine Marke, ich glaube, SVG, ich weiß es nicht.

Canellas: Gelblich.

Manglitz: Die Tankstelle, wenn Sie von der Autobahn kommen, auf der rechten Seite, auf dem Parkplatz. Sagen Sie mir nur, was Sie fur ein Auto haben. Dann gucke ich danach.

Canellas: Einen 250 SE, mit der Nummer F-CA 70.

Manglitz: Also mit Offenbacher Nummer?

Canellas: Nein! F-CA, Frankfurter, also Canellas, ja?

Manglitz: Ja, also, einen Moment.

Canellas: Frankfurt, F.

Manglitz: Sagen Sie mir noch die Nummer.

Canellas: F-CA, Nummer 70.

Manglitz: Nummer 70. Und ich habe einen Mercedes 250 CE. Falls wir uns verpassen sollten. Dunkelblau, mittelblau, mit einer Grevenbroicher Nummer, GV.

Canellas: GV, Gevelsburg. Ja?

Manglitz: Nein, Grevenbroich.

Canellas: Ja, Grevenbroich.

Manglitz: Ja, und um sechs Uhr dann auf dem Parkplatz von dem Hotel.

Canellas: Ja.

Manglitz: Einverstanden?

Canellas: Ja. Jetzt noch eine Frage, Herr Manglitz. Wenn das mit den Hunderttausend … Nehmen Sie mal an, es klappt nicht. Wie verbleiben wir dann?

Manglitz: Ja, ich sehe nicht, warum es nicht klappen soll. Wie meinen Sie das jetzt?

Canellas: Na ja, wenn wir trotzdem verlieren.

Manglitz: Dann kriegen Sie es selbstverständlich zuruck.

Canellas: Dann kriege ich es zuruck … Bitte, ich frage Sie nur.

Manglitz: Also, Herr Canellas.

Canellas: Also, Sie garantieren dafur. Mit einem Wort.

Manglitz: Ja.

Canellas: Gut. Herr Manglitz.

Manglitz: Ja, passen Sie auf. Auf der anderen Seite ist Ihnen ja, wie man weiß, könnte Ihnen mit einem Unentschieden geholfen sein. Oder? Also, wir spielen auf jeden Fall auf Sieg. Auf Sieg, das ist klar. Aber es könnte ja unter Umständen möglich sein, dass Ihnen mit einem Unentschieden auch schon geholfen ist.

Canellas: Das ist ein Risiko.

Manglitz: Was?

Canellas: Das ist ein Risiko.

Manglitz: Das ist naturlich ein Risiko. Aber wir unterhalten uns daruber im Wagen.

Canellas: Ist in Ordnung.

Manglitz: Wir unterhalten uns im Wagen am Freitagabend um sechs.

Canellas: Herr Manglitz, ich bedanke mich.

Manglitz: Herr Canellas, und sonst Stillschweigen, nicht wahr?

Canellas: Stillschweigen, absolutes Stillschweigen!

Manglitz: Der Einzige, der bei Ihnen eingeweiht ist, ist der Herr Konrad, hoffe ich?

Canellas: Weiter kein Mensch.

Manglitz: Bitte?

Canellas: Weiter kein Mensch!

Manglitz: Und gar nichts der Mannschaft sagen.

Canellas: Um Gottes willen!

Manglitz: Und nicht so was sagen wie: „Ihr habt es leicht“, und dies und jenes.

Canellas: Um Gottes willen! Wir wissen, dass es ein ganz schweres Spiel ist.

Manglitz: Alles klar?

Canellas: Ich bedanke mich, Herr Manglitz.

Manglitz: Gut, Herr Canellas, wir sehen uns am Freitagabend.

Canellas: Freitagabend.

Manglitz: Sie bringen das mit?9

Canellas: Ich bringe das mit.

Manglitz: Alles klar, Herr Canellas. Ja?

Canellas: Wiedersehen.

Manglitz: Tschuss, vielen Dank, Herr Canellas.

Canellas: Tschuss, tschuss.

4Jupp Kapellmann war Mitspieler von Manglitz beim 1. FC Köln.

5Die Schreibweise folgt der im 1972 erschienenen Buch „Bundesliga-Skandal. Aktuelle Dokumente“ von Reinhard Rauball. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist aber auch die Schreibweise „Kremers“ zu finden. Es könnte sich bei dem genannten Mann um einen Spielerberater handeln – oder aber um einen der beiden Kremers-Zwillinge (Erwin und Helmut), die zu dieser Zeit fur die Offenbacher Kickers spielen.

6Gut 30 Autominuten von Köln in östlicher Richtung entfernt.

7Kölns Star, Mannschaftskapitän und Nationalspieler.

8Der Vorname von „Alt“ war nicht zu ermitteln.

9Vermutlich geht es um das Geld, das mitgebracht werden soll.

„Die wollen das Geld natürlich vorher sehen“

CANELLAS UND ULRICH „UTZ“ LAMMERS

Eintracht Braunschweig trifft am letzten Spieltag der Saison 1970/71 auf das abstiegsbedrohte Rot-Weiß Oberhausen. Und auch in diesem Spiel will Canellas nichts unversucht lassen. Sein Ziel ist, dass der Favorit aus Braunschweig auch in den letzten 90 Minuten der Saison alles gibt, um die „Kleeblätter“ aus Oberhausen zu schlagen, die einen Punkt hinter den Offenbachern auf dem vorletzten Tabellenplatz liegen. Canellas spricht mit Ulrich „Utz“ Lammers, seines Zeichens Teambetreuer von Eintracht Braunschweig. Der genaue Zeitpunkt des Gesprächs lässt sich nicht ermitteln. Die Vermutung liegt nahe, dass es am 3. oder 4. Juni 1971 stattgefunden hat.

(Radiomusik im Hintergrund. Die Telefonverbindung ist nicht optimal.)

Canellas: Ich kann Sie nicht verstehen!

Lammers: Lammers.

Canellas: Herr Lammers, guten Tag!

Lammers: Ich begruße Sie.

Canellas: Bitte?

Lammers: Ja, ich begruße Sie!

Canellas: Herr Lammers, wie sieht’s denn aus bei euch?

Lammers: Ich habe mich mit denen getroffen. Er sagte, ich sollte Sie noch einmal anrufen.

Canellas: Wie sieht es denn aus? Habt ihr denn ein Angebot von denen?

Lammers: Ich sage Ihnen: Nein!

Canellas: Nein?

Lammers: Ich habe dem Willi10 schon gestern gesagt, dass ich gestern Abend mit dem Lothar11 in Dings war, ne?

Canellas: Wo?

Lammers: Ja, in Bie…

Canellas: Ich verstehe Sie nicht.

Lammers: In Bielefeld.

Canellas: In Bielefeld waren Sie mit dem Lothar. Und?

Lammers: Die machen auch was.

Canellas: Ach, die machen was?

Lammers: Ja.

Canellas: Und in welcher Höhe musste was gemacht werden?

Lammers: Genau wie hier.

Canellas: Also, wie Sie sagten: 20.000?

Lammers: Genau.

Canellas: Und wie viele Leute wurden da auf Sieg spielen?

Lammers: Alle!

Canellas: Alle?

Lammers: Es spielt Erler12. Es spielt Gerwien13. Die ganze Mannschaft ist unheimlich verschworen.

Canellas: Verschworen?

Lammers: Ja.

Canellas: Und sie wurde dann auf Oberhausen nicht hören?

Lammers: Nein, das sind alles Geruchte. Das ist alles nicht wahr, was hier geredet wird.

Canellas: Das ist nicht wahr.

Lammers: Die wollen das Geld naturlich vorher sehen.

Canellas: Vorher sehen. Vorher sehen. Na, ist gut. Herr Lammers, ich rufe wieder an. Und bis wann musste das da sein?

Lammers: Bis Freitag.

Canellas: Bis Freitag.

Lammers: Ich wäre gerne bereit. Wir können uns auf halber Strecke treffen.

Canellas: Also, ich könnte ja nicht kommen. Ich bin ja mit meiner Mannschaft …

Lammers: Deshalb sage ich ja: Wir könnten uns auf halber Strecke treffen.

Canellas: Ja, ach so. Sie wurden dann eventuell …

Lammers: Ich könnte heute Abend nach Rimberg14 fahren, und der andere fährt auch nach Rimberg.

Canellas: Ginge das nicht morgen besser?

Lammers: Morgen auch. Ich bringe dann Dings mit.

Canellas: Wen?

Lammers: Den Lothar.

Canellas: Den Lothar?

Lammers: Ja.

Canellas: Gut. Ich melde mich noch einmal. Ist das richtig?

Lammers: Das ist klar. Ich rufe aber nicht mehr an.

Canellas: Nein, wir melden uns. Wiedersehen.

Lammers: Okay.

10Willi Konrad, Geschäftsfuhrer der Offenbacher Kickers.

11Lothar Ulsaß, Spielmacher und Mannschaftskapitän von Eintracht Braunschweig.

12Dietmar Erler, Mittelfeldspieler von Eintracht Braunschweig.

13Klaus Gerwien, Rechtsaußen von Eintracht Braunschweig.

14Eine Autobahnraststätte auf der A5 unweit von Bad Hersfeld.

TAPES II

DER ALLEINGANG

„Vierzehn Tage habe ich noch Zeit, um im Bundesligaskandal weiter zu ermitteln. Dann kommen meine Apfelsinen, und ich muss mich wieder mehr um mein Geschäft kümmern.“

Horst-Gregorio Canellas im Oktober 1971

Die hier folgenden 58 Mitschnitte von Telefonaten sind allesamt zwischen Oktober 1971 und Februar 1972 entstanden. Sie dokumentieren den Versuch von Horst-Gregorio Canellas, sich aus der Rolle des Alleinschuldigen im Bundesligaskandal zu befreien. In diese Rolle war der Präsident der Offenbacher Kickers insbesondere vom Deutschen FußballBund (DFB) gedrängt worden, nachdem er auf der Gartenparty zu seinem 50. Geburtstag am 6. Juni 1971 den Gästen Telefonmitschnitte vorspielte, die Manipulationen in der gerade abgelaufenen Bundesligasaison nachwiesen. Bei den hier transkribierten Mitschnitten handelt es sich um bis dato unveröffentlichtes Originalmaterial. Die Basis sind Kopien von Tonbändern, die Canellas damals an ihn vertraute Journalisten weitergegeben hat, wie etwa Jo Viellvoye, den Chefreporter der Sport-Illustrierte aus dem Burda-Verlag.

Anfang September 1971 haben sich die von Horst-Gregorio Canellas gehegten Hoffnungen, als Aufklärer der Manipulationen in der Bundesliga anerkannt zu werden und seinen Verein Kickers Offenbach vor dem Abstieg in die Regionalliga Sud zu bewahren, nicht erfullt. Im Gegenteil.

Im Urteil der ersten Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht ist ihm auf Lebenszeit die Fähigkeit aberkannt worden, in einem Verein, Verband oder gar beim DFB ein Amt zu fuhren. Seinem Klub wird die Lizenz entzogen, in der Öffentlichkeit gilt Canellas als der „große Verfuhrer“, der bei krummen Geschäften selbst ubers Ohr gehauen worden ist und nun die Rolle des verbitterten Verlierers einnimmt. Besonders in der lokalen

Presse der einzelnen vom Skandal betroffenen Bundesligastädte – wie Bielefeld, Berlin, Gelsenkirchen, Oberhausen, Braunschweig oder Stuttgart –, die ihre des Betrugs beschuldigten Klubs aufs Schärfste verteidigen, gilt Canellas als der Nestbeschmutzer der heilen Fußballwelt. Sein Amt als OFC-Präsident hat der 50-jährige, geschäftlich erfolgreiche Sudfruchtegroßhändler bereits Ende Juli zur Verfugung gestellt, seine privaten Ermittlungen im Bundesligaskandal fuhrt er unbeirrt fort.

Regelmäßig nutzt er Zeitungsinterviews oder Auftritte im Fernsehen, wie etwa in der ARD-„Sportschau“, um weitere Enthullungen im Bundesligaskandal zu verkunden, die die scheinbar heile deutsche Fußballwelt stets aufs Neue erschuttern.

Oktober 1971

Der Oktober 1971 beginnt voller Emotionen und Turbulenzen. In der Nacht zum 1. Oktober findet in der Offenbacher Stadthalle die Jahreshauptversammlung des OFC statt. Canellas darf seine Abschiedsrede halten. „Fur den Abstieg in diesem Jahr kann ich keine Verantwortung ubernehmen“, sagt er. „Denn diesmal wurden wir aus der Bundesliga unter den Augen des DFB – allerdings mit zugekniffenen und leblosen Augen – hinausgespielt, nicht auf dem grunen Rasen, sondern durch viel, viel Geld.“ Canellas richtet scharfe Angriffe gegen Rudi Gramlich (Eintracht Frankfurt) und Alfred Strothe (Hannover 96), die als Vorsitzende des DFB-Bundesliga-Ausschusses versagt hätten. Seinen Nachfolgern bei den Offenbacher Kickers wirft Canellas „feige Kapitulation vor dem DFB“ vor. Die Kickers-Fans sind in zwei Lager gespalten. Es wird getrunken, gebrullt und Vereinsliedgut gesungen, um fur zwischenzeitlichen Frieden zu sorgen. Erst weit nach Mitternacht wird Hans-Leo Böhm als einzig aufgestellter Kandidat zum Nachfolger von Canellas ins Präsidentenamt des Vereins gewählt.

Zwei Wochen zuvor hatte der DFB in einer Berufungsverhandlung das Urteil gegen Canellas bestätigt: lebenslängliche Sperre. Im Gerichtssaal in der DFB-Zentrale in Frankfurt kommt es zu tumultartigen Szenen. Canellas’ zweiter Anwalt, der prominente Dr. Josef Augstein aus Hannover, beantragt, das Verfahren so lange auszusetzen, bis alle im Vor-wurf der Manipulationen stehenden Fälle zu den Klubs aus Oberhausen, Bielefeld und Stuttgart geklärt seien. Zudem sei Canellas nicht als Angeklagter, sondern als Kronzeuge im Bundesligaskandal zu betrachten. Der DFB ignoriert den Antrag und verweist Dr. Augstein des Saals mit der Begrundung, er sei kein Mitglied im DFB und durfe deshalb die Verteidigung von Canellas nicht ubernehmen. Vergleichbares war dem angesehenen Juristen in seiner 35-jährigen Berufslaufbahn bis dahin noch nie passiert. Beim erzwungenen Ruckzug aus der „Versammlung“, wie Augstein das Sportgericht geringschätzig nennt, kundigt er neue Beweise und Zeugen zu den Vorgängen im Spiel Hertha BSC gegen Bielefeld an und belastet dabei neben Bielefelds Liga-Obmann Wilhelm „Willi“ Pieper auch Hertha-Trainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein schwer – die nächste „Bombe“ im Skandal.

Dass Canellas den DFB-Richtern nicht trauen kann, merkt er spätestens am 10. Oktober, als Rot-Weiß Oberhausen mangels Beweisen freigesprochen wird und der beantragte Lizenzentzug sowie die lebenslänglichen Sperren gegen RWO-Präsident Peter Maaßen und dessen Trainer Alfred „Adi“ Preißler aufgehoben werden. Die geladenen Zeugen waren einfach nicht zur Verhandlung erschienen – so willkurlich ging es zu vor dem DFBSportgericht. Höchste Zeit fur Canellas, das Heft in die eigene Hand zu nehmen.

Rudi Adams – Canellas

Der Kölner Spielervermittler Rudi Adams meldet sich Anfang Oktober 1971 bei Canellas. Zwar ist die Vermittlung von Spielern im Jahr 1971 noch verboten, aber viele der „Berater“ stecken mit dem DFB unter einer Decke, um die illegalen Transfers einzufädeln und abzuschließen. Adams soll nun nachträglich für die letzten drei Jahre Mehrwehrsteuer bezahlen. In seiner Wut auf die „Strolche“ vom DFB hält er Canellas für einen Geistesverwandten im Kampf gegen den Fußballverband.

Adams: Ja, hier Adams. Guten Tach, Herr Canellas.

Canellas: Herr Adams?

Adams: Sie kennen mich doch sicher noch. Der Manager damals, der mit Gramlich15 jahrelang zusammengearbeitet hat.

Canellas: Fur wen?

Adams: Herrn Gramlich. Wir haben uns doch ein paarmal gesehen.

Adams, Rudi Adams.

Canellas: Ahhh, ja, Herr Adams.

Adams: Der Seelenverkäufer. Ganz recht.

Canellas: Na, was gibt’s denn, Herr Adams?

Adams: Ich bin gerade in Portugal gewesen. Ich habe ernstlich mit dem DFB jetzt Schwierigkeiten. Ich habe Ihre Sache da verfolgt erst vor Kurzem. Weil ich noch nicht lange wieder hier bin, ne?

Canellas: Ja?

Adams: Ich habe da was gehört, Sie wollten unter anderem auch etwas schreiben und so weiter.16

Canellas: Ja?

Adams: Vielleicht wäre es gut, wir könnten uns einmal treffen. Ich könnte nämlich den DFB unglaubwurdig machen. Die Strolche!

Canellas: Wann kommen Sie denn mal runter?

Adams: Gramlich und die anderen! Und Dr. Claessen17! Die haben doch selbst diese Sachen gemacht! Die können doch keine Leute verurteilen, wenn sie selbst unglaubwurdig sind! Die haben doch selbst mit mir Spieler verkauft!

Canellas: Herr Adams, was meinen Sie, wann …?

Adams:(Sehr erregt.) Was meinen Sie, wenn ich mal auspacken wurde! Dann gehen die alle hoch!

Canellas: Na ja, ich bin auch schon sehr weit.

Adams: Ja, nun, Herr Canellas. Sie wissen ja nicht, was los ist. Die haben mich doch verklagt! Und den Schwab18, ne? Wir mussen jetzt fur die letzten drei Jahre Umsatzsteuer zahlen. Die Strolche, da!

Canellas: Aber Herr Adams, sie haben die DFB-Leute doch bis jetzt geschont. Ich war der Einzige, der dagegen angegangen ist. Ich bin inzwischen schon sehr weit mit dem DFB. Kommen Sie mal zu mir. Dann unterhalten wir uns. Hallo?

(Das Gespräch bricht ab. Kurz danach ruft Adams aus einer Telefonzelle an. Er klingt immer noch sehr aufgebracht.)

Adams: Hallo, hier noch einmal Adams. Ich musste Geld nachschmeißen.

Canellas: Regen Sie sich doch nicht so auf. Kommen Sie mal hierher.

Adams: Ja, nee, ich rege mich ja nicht auf, nicht?

Canellas: Ich habe auch schon ein paar Kameraden vom DFB angesprochen. Die sitzen alle mit am Tisch. Da bleibt keiner außerhalb der Arena.

Adams: Ich will die auch fertigmachen! Die haben uns unter anderem auch fertiggemacht, die Strolche!

Canellas:(Beruhigend.) Herr Adams, wann haben Sie mal Zeit und kommen her?

Adams: Ich weiß selbst, wie die Sie belangt haben. Herr Canellas, ich kenn die von diesem Verein! Ich weiß, dass die solche Geschichten haben! Ich weiß, wer hier alles mitgemacht hat! Der Siebert19 ist doch der größte Strolch!

Canellas: Ja, ja, der Siebert. Der ist aber auch mit dabei, jetzt.

Adams:(Sehr erregt.) Der ist doch zu mir gekommen und hat mir die Kremers-Zwillinge20 angeboten! Der hat zu mir gesagt und so weiter: Ich möchte Sie reinlegen.21 Das sind doch Strolche!

Canellas: Ich weiß.

Adams: Mich haben sie doch reingelegt. Und ich kann jetzt mit dem DFB Ärger haben.

Canellas: Herr Adams, wollen wir uns treffen irgendwann?

Adams: Ja, nun. Ich wohne ja in Köln, ne? Das ist ja zu weit. Ich könnte Sie ja morgen mal anrufen, und dann können wir uns irgendwann dann treffen, oder was weiß ich.

Canellas: Ich komme auch nach Köln, wenn Sie wollen. Wann haben Sie denn Zeit?

Adams: Ja, ich bin ja immer da. Ich tue ja im Moment nichts. Ich bin ja aus dem Verkehr gezogen, nicht? Aber das wissen Sie ja. Diese Strolche, ne? Jetzt wollen ja einige Bundesligisten auch an mich herantreten. So etwas Schmutziges mache ich nicht, ne? Den Claessen lasse ich sowieso noch hochgehen! Den Schatzmeister vom DFB! Der ist hier durch die Lande gefahren und hat seine Spieler verkauft.

Canellas: Ja, ja, ja.

Adams: Ne?

Canellas: Herr Adams, vielleicht können wir uns morgen sehen?

Adams: Ja, weiß ich nicht. Sind Sie denn morgen hier in der Nähe, oder was?

Canellas: Ja, ich komme, und dann unterhalten wir uns.

Adams: Passen Sie auf, Herr Canellas. Wir können ja Folgendes machen: Ich rufe Sie morgen an, und dann machen wir einen Termin aus, wann wir uns treffen.

Canellas: Wann wollen Sie denn anrufen?

Adams: Wann sind Sie denn da? Von wann bis wann sind Sie zu erreichen?

Canellas: Also ich bin zu erreichen morgen von …

Adams: Ich kann jetzt nicht lange nachschmeißen.

Canellas: Bitte?

Adams: Ich kann hier nicht lange nachschmeißen, hier. Ich muss hier in der Telefonzelle nachschmeißen.

Canellas: Passen Sie auf, ich muss morgen um neun Uhr zum DFB. Rufen Sie mich doch an hier so gegen eins?

(Die Verbindung bricht ab.)

15Rudolf „Rudi“ Gramlich, geburtiger Offenbacher, der seine größte Zeit als Spieler bei Eintracht Frankfurt erlebte. Von 1955 bis 1970 Eintracht-Präsident und von 1967 bis 1974 Vorsitzender des Bundesliga-Ausschusses beim DFB. Wegen seiner SS-Vergangenheit erkannte Eintracht Frankfurt Gramlich im Jahr 2018 die Ehrenpräsidentschaft ab.

16Canellas plant zu diesem Zeitpunkt tatsächlich, ein Buch uber den Bundesligaskandal zu schreiben, wie es ihm sein Rechtsanwalt Dr. Augstein geraten hat. Doch das Projekt wird nie realisiert.

17Dr. Hubert Claessen, Schatzmeister des DFB.

18Raymond Schwab, Boxer, Artist und Spielervermittler aus Essen.

19Gunter „Oskar“ Siebert, Präsident des FC Schalke 04.

20Erwin und Helmut Kremers, Bundesligaspieler bei Kickers Offenbach, die im Sommer 1971 zu Schalke 04 wechselten.

21Siebert durfte zu Adams wohl eher gesagt haben: „Ich möchte Canellas reinlegen“, und Adams passt das Zitat hier im Gespräch mit Canellas (falsch) an.

Rudi Adams – Maria Canellas

Ein paar Tage nach seinem Telefonat mit Horst-Gregorio Canellas meldet sich Adams erneut. Ans Telefon geht Canellas’ Ehefrau.

Maria Canellas: Canellas.

Adams: Hallo?

Maria Canellas: Canellas.

Adams: Ja, Adams.

Maria Canellas: Ahhh, Herr Adams. Guten Tag.

Adams: Guten Tag, Frau Canellas.

Maria Canellas: Mein Mann hat mich beauftragt, Ihnen zu sagen, dass er Sie unbedingt sprechen will.

Adams: Ja, ja. Die Frage ist nur, wie und wann? Ich habe letztens leider zu spät angerufen. Ich konnte nicht eher. Ich hatte mich ein bisschen hingelegt. Ich war nicht gut dabei, ne?

Maria Canellas: Ja.

Adams: Dann hab ich mir gesagt, ich rufe dann noch einmal an. Und dann war es auch wieder zu spät. Ich bin ja alleine und muss hier immer einen Kilometer laufen, jetzt zum Telefon. Na ja, da ist das schon ein bisschen schwierig.

Maria Canellas: Ja. Mein Mann ist beim DFB, Herr Adams.

Adams: Ja. Ja. Übrigens, mit Journalisten will ich nix zu tun haben. Weder mit Bremser noch mit Palmert.22

Maria Canellas: Nee, nee, nee.

Adams: Wenigstens vorher nicht. Ich möchte mit Ihrem Mann das alleine absprechen. Ich glaube schon, dass ich mit ihm da was machen kann, ne?

Maria Canellas: Soll er zu Ihnen kommen? Oder wie?

Adams: Ja, ich weiß nicht, wie wir das machen, ne?

Maria Canellas: Sagen Sie es doch.

Adams: Ja, weiß ich nicht, ne? Vor allem ist das ja immer eins: Man muss ja da vor allem da einen Ort angeben, wo man nicht bekannt ist. Mich kennt ja genauso gut jeder hier in der Gegend wie Ihren Mann da oben. Das wissen Sie ja.

Maria Canellas: Ja. Sie sind in der Nähe von Köln?

Adams: Ich wohne in Köln!

Maria Canellas: Ach, Sie wohnen in Köln. Soll mein Mann nach Köln kommen? Oder wollen Sie runterfahren?

Adams: Ja, ich weiß es nicht. Wie er will, ne?

Maria Canellas: Ja. Ich weiß net. Eigentlich musste er schon längst da sein, aber es dauert wahrscheinlich doch ein bisschen länger.

Adams: Ich wurde vorschlagen, wenn ihm das nichts ausmacht, hier in Köln. Sonst muss ich ja extra nach Frankfurt fahren. Weil ich ja nicht mehr motorisiert bin, ne?

Maria Canellas: Ja, gut. Und wo wohnen Sie denn?

Adams: Nein, dann lieber in einem neutralen Hotel, wo es nicht so bekannt ist. Ich kann ja nicht ins „Dom Hotel“ oder „Excelsior“ gehen, denn da, äh …

(Die Verbindung bricht ab. Kurz darauf klingelt im Hause Canellas das Telefon erneut.)

Maria Canellas: Canellas.

Adams: Ja, ich musste wieder nachschmeißen. Das ist ja grausam hier!

Maria Canellas: Ja, das geht schnell, nicht?

Adams: Ja.

Maria Canellas: Herr Adams, was wollen wir denn ausmachen?

Adams: Ja, „Rhein Hotel“. Das ist ein kleines Hotel am Rhein.

Maria Canellas: Ja, wie heißt das?

Adams: „Rhein Hotel“.

Maria Canellas: „Rhein Hotel“.

Adams: Kann mir denn Ihr Mann sagen, wann und wo? Ich weiß es ja nicht.

Maria Canellas: Ja. Sind Sie jetzt dort in dem Hotel?

Adams: Nein! Ich bin jetzt bei mir zu Hause. Ich wohne ja hier am Ubierring23. Aber heute geht das ja sowieso nicht mehr. Da sind wir zu spät.

Maria Canellas: Nee, heute nicht. Aber dann morgen, Herr Adams?

Adams: Ja, wann?

Maria Canellas: Ah, ja, wann? Die Zeit?

Adams: Ja, oder können Sie mir Bescheid geben, vielleicht am späten Nachmittag morgen?

Maria Canellas: Morgen, am späten Nachmittag.

Adams: Dass Sie mir dann sagen, wann. Dazu rufe ich Sie später noch einmal an.

Maria Canellas: Wann denn, Herr Adams?

Adams: Soll ich Sie heute Abend noch einmal anrufen?

Maria Canellas: Heute Abend, ja.

Adams: Welche Zeit?

Maria Canellas: Ich wurde dann sagen, so um acht, halb neun, gell?

Adams: Dann gebe ich Ihnen auch die Nummer vom Hotel inzwischen.

Die suche ich mir noch raus.

Maria Canellas: Ja.

Adams: Dann sagen Sie Ihrem Mann, ob er das genehmigt. Sonst kann er ja einen Vorschlag machen.

Maria Canellas: Gut. Ja.

Adams: Er kann mir ja auch sagen, wo. Dann komme ich da hin.

Maria Canellas: Ja. Gut.

Adams: Ja? Frau Canellas, ich rufe Sie so gegen 17 Uhr …

(Die Verbindung bricht ab.)

22Werner Bremser und Paul Palmert, Redakteure der Bild-Zeitung in Frankfurt.

23Straße in der Kölner Sudstadt unweit des Rheins.

Rudi Adams – Canellas

Später am Abend meldet sich Adams erneut bei Canellas, diesmal geht der Hausherr selbst ans Telefon.

Canellas: Canellas.

Adams: Ja, Adams.

Canellas: Herr Adams!

Adams: Herr Canellas, ich kann nicht lange. Ich muss immer nachschmeißen. Ich kann nicht mehr so lange sprechen, hier.

Canellas: Wann können wir uns treffen?

Adams: Ja, wann?

Canellas: Ja, sagen Sie mir.

Adams: Ja, wann? Morgen? Oder wann?

Canellas: Können Sie morgen nicht herkommen?

Adams: Och, das ist nun schwierig. Ich meine …

Canellas: Ja, wo wollen wir uns treffen, morgen?

Adams: Können Sie nicht nach Köln kommen?

Canellas: Ja. Wo denn da?

Adams: Kommen Sie denn runter? Ich will nicht in ein großes Ding, wo man mich kennt. Und man kennt Sie ja genauso gut.

Canellas: Ich komme mit dem Auto. Sagen Sie es mir?

Adams: Kennen Sie die Rheinuferstraße?

Canellas: Ja.

Adams: Da ist die Deutzer Brucke, kennen Sie das da?

Canellas: Bitte?

Adams: Kennen Sie die Deutzer Brucke an der Rheinuferstraße?

Canellas: Nein. Aber sagen Sie mir, wo ich Sie da treffen kann.

Adams: Da bin ich am „Rhein Hotel“. So heißt das. Da stehe ich dann vor der Tur und fahre dann mit Ihnen irgendwo hin, wo uns keiner sieht.

Canellas: Ja, aber ich kann mich noch nicht genau mit der Zeit festlegen.

Adams: Nein, das ist schon gut. Da warte ich da und komme dann raus.

Da kennt Sie keiner, ne? Das ist an der Deutzer Brucke. Das heißt „Rhein Hotel“. Gleich am Rheinufer, wo die Schiffe sind.

Canellas: Moment einmal. Das muss ich mir mal aufschreiben. „Rhein Hotel“?

Adams: Am Rheinufer. An der Deutzer Brucke.

Canellas: Deutzer Brucke, „Rhein Hotel“?

Adams: Ja, „Rhein Hotel“. Falls Sie nicht kommen, da gibt’s ’ne Bar. Ich gebe Ihnen dazu mal die Telefonnummer, dann können Sie mich dort erreichen.

Canellas: Wie lautet die Telefonnummer?

Adams: 21 …

Canellas: Moment. Eine Sekunde, ich schreibe mit. 21 …?

Adams: 21 …

Canellas: Ja?

Adams: … 43 …

Canellas: 21, 43 …

Adams: … 16.

Canellas: 16.

Adams: Oder … 21 … Das hat zwei Nummern. 21 …

Canellas: 21 …

Adams: … 25 …

Canellas: 25 …

Adams: … 33.

Canellas: 21 25 33. Welche Zeit?

Adams: Das liegt an Ihnen. Ich sitz dann in der Bar. Von dann bis dann warte ich dort auf Sie, ne?

Canellas: Wollen wir sagen, um vier?

Adams: Gut, Herr Canellas. Ich meine, das passt meinerseits gut. Ich bin auf jeden Fall da, da können Sie sich drauf verlassen. Und vor allen Dingen: Keine Journalisten, Herr Canellas!

Canellas: Nein, nein, nein, nein.

Adams: Tun Sie mir den Gefallen. Sonst mache ich das nicht.

Canellas: In Ordnung.

Adams: Herr Canellas, Sie kommen dann von der Autobahn runter.

Canellas: Ja?

Adams: Wenn Sie runterfahren, nehmen Sie „Stadtmitte“ in Köln. Sie mussen „Stadtmitte Köln“ abfahren.

Canellas: Autobahn …

Adams: Das Hotel ist in der Nähe vom Dom. Das sind vom Dom aus ungefähr …

Canellas: Ahh!

Adams: Am Rhein, das „Rhein Hotel“. Unten, wo die großen Schiffe sind.

Canellas: Ahh, ich glaube, ich kenne das. Am Dom.

Adams: Da ist auch das Hotel „St. Martins“. Das ist ein Franzose, ist das.

Da kann ich mit Ihnen von da aus losgehen. Dann gehen wir zu Fuß irgendwo in eine kleine Kneipe rein, wo uns keiner kennt.

Canellas: Das heißt „Hotel Stadt Martin“?

Adams: Nee. Direkt daneben. „Rhein Hotel“ heißt das. Das können Sie gar nicht verfehlen. Da ist auch ein Parkplatz. Das kennt jeder da.

Canellas: Gut.

Adams: Gleich am Rheinufer, ne?

Canellas: In Ordnung, Herr Adams.

Adams: Vor der Deutzer Brucke. Oder haben Sie einen anderen Vorschlag?

Canellas: Nein, nein.

Adams: Gut. Also, ich bin dann ab halb vier da, ne?

Canellas: Gut.

Adams: Wenn Sie nicht kommen, dann rufen Sie wenigstens an, nicht?

Canellas: Ja, das ist doch ganz klar.

Adams: Tschuss, Herr Canellas. Bis morgen, ne?

Canellas: Ja, Tschuss.

Canellas – Rudi Adams

Das zwischen Rudi Adams und Canellas in Köln verabredete Treffen ist geplatzt, nachdem Canellas an jenem Tag zu Hause den Reporter HansJoachim Nesslinger vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel empfangen und sich das Gespräch bis nachmittags hingezogen hat. Nesslinger recherchiert gemeinsam mit seinem Kollegen Walter Gloede zu den Spielmanipulationen in der Bundesliga. Im Frühjahr 1972 wird ihre Titelstory „Boss, wir müssen Spiele kaufen“ erscheinen, in der auch Rudi Adams erwähnt wird: Dem Spielervermittler sei, so das Nachrichtenmagazin, seitens des Präsidenten von Rot-Weiß Oberhausen, Peter Maaßen, Geld geboten worden, um Beweise für illegale Spielervermitlungen führender DFB-Funktionäre zu liefern.24

Am Abend nach dem ausgefallenen Treffen ruft Canellas unter einer der ihm von Adams genannten Nummern in Köln an.

Canellas: Hallo?

Frauenstimme: Einen Moment, bitte. Legen Sie nicht auf. Momento, momento.

Canellas: Ich bedanke mich, Fräulein.

Adams: Ja?

Canellas: