Die Dresdner Sagen - Timo Wildt - E-Book

Die Dresdner Sagen E-Book

Timo Wildt

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Beschreibung

Das Gespenst auf der Brühlschen Terrasse, spukende Mönche und verborgene Schätze… Nach “Die Leipziger Sagen” hat Timo Wildt in dieser Sagensammlung nun erstmalig spannende Geschichten der Kurfürsten- und Königsstadt Dresden in einem Band zusammengefasst. Nicht nur vom Namen und Ursprung der Stadt und ihren Wahrzeichen ist zu lesen, auch von Nixen, Geistern und Hexen wurde in Dresden immer wieder gemunkelt. Der Herausgeber Timo Wildt durchsuchte die sächsischen Sagensammlungen des 19. Jahrhunderts nach Geschichten aus Dresden. Mit über 100 Sagen entstand so diese umfangreichste Kollektion ihrer Art. Sie soll als kleiner Beitrag der Bereicherung unserer kulturellen Vielfalt dienen und interessierten Lesern helfen, etwas mehr über die überlieferten und dennoch fast in Vergessenheit geratenen landschaftlichen und kulturellen Eigentümlichkeiten verschiedener Epochen der Stadt zu erfahren. Gewinnen Sie einen Einblick in die Vorstellungswelt der Bewohner Dresdens vergangener Zeiten und besuchen Sie die geschichtsträchtigen Orte des sagenhaften Dresden!

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Die Dresdner Sagen

zusammengetragen und herausgegeben von Timo Wildt

Vorwort

Der klassische deutsche und insbesondere sächsische Sagenschatz war bereits im vergangenen Jahr Anreiz und Quelle für die Veröffentlichung meines Buches „Die Leipziger Sagen“. Da ich im Rahmen meiner Recherchen zwangsläufig auch mit den Sagen der Kurfürsten- und Königsstadt Dresden in Berührung kam, war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis ich mich auch diesen widmen und einer breiten, interessierten Leserschaft zugänglich machen würde. Neben dem Überlieferungsgut von Ludwig Bechstein, Friedrich Sieber und den Brüdern Grimm war es vor allem Alfred Meiche, welcher vorrangig unter Verwendung der bis dahin größten sächsischen Sagensammlung von Johann Georg Theodor Gräße, die mit 1288 sächsischen Erzählungen größte Sammlung im Jahre 1903 veröffentlichte. Während der Sichtung von insgesamt rund 6000 Sagen stellte ich schließlich fest, dass letzterer in Bezug auf die Stadt Dresden seiner Zeit ganze Arbeit leistete. Dennoch wurde ich auch andernorts fündig und somit entstand mit letztendlich 105 gesammelten Werken die bislang umfangreichste Sammlung Dresdner Sagen.

Um den Charme dieser Erzählungen möglichst unverfälscht wiederzugeben, wurde die Ausdrucksform des 19. und frühen 20. Jahrhunderts weitestgehend übernommen. Interpunktion und Orthografie entsprechen jedoch dem aktuellen Stand. Eigennamen wurden im Allgemeinen in der heute gebräuchlichen Form wiedergegeben, mundartlich bedingte Eigentümlichkeiten aber beibehalten.

Diese Sammlung soll dabei helfen, die Geschichte und Entwicklung der Stadt nachzuvollziehen und diese aus einer ganz anderen Perspektive wahrzunehmen. Sie soll einen Einblick in die Vorstellungswelt ihrer früheren Bewohner ermöglichen und einen kleinen Beitrag zur Bereicherung unserer kulturellen Vielfalt leisten.

Leipzig, 2014

Timo Wildt

1 Name und Ursprung der Stadt Dresden

Dresden soll von einer römischen Kolonie herrühren, die Drusus Germanicus auf dem Taschenberg, damals einem durch Kunst gemachten Hügel, von dem noch jetzt das von der Schlossgasse nach dem Zwinger führende Gässchen den Namen hat, angelegt habe. Sein Name soll entweder aus den Worten „Tropaea Drusi“1 oder den drei Seen, welche früher hier waren, nämlich dem Jüdenteich, der Entenpfütze und dem eigentlich so genannten, später völlig ausgeschütteten See, der sich in einen Ober- und Untersee teilte und von dem noch die Seegasse, die große und kleine Oberseergasse und die sogenannte Gasse am See ihren Namen haben, benannt worden sein.

2 Die Sage von der bretternen Saloppe zu Dresden

Zur Zeit Heinrich des Erlauchten (1221-1288) lebte im Meißnischen der Ritter Fust von Scharffenberg, ein reicher und verschwenderischer Herr, der nicht nur sein ererbtes Besitztum, sondern auch das Vermögen seiner Gemahlin Agathe von Birkrose in kurzer Zeit durchbrachte, dann auf Reisen ging, auf den Schlössern anderer Ritter sein üppiges Leben fortzusetzen. Als sich dies nicht mehr tun ließ, kehrte er nach Hause zurück, und schon im Begriff stehend, als Raubritter seiner erschöpften Kasse wieder Zuschuss zu verschaffen, berief ihn ein Befehl des Markgrafen Heinrich 1278 als Beisitzer des abzuhaltenden Landesgerichts nach Dresden.

Während des Aufenthaltes in hiesiger Stadt wuchsen die Schulden des Scharffenbergers gewaltig und er geriet nach Beendigung des Gerichts in die peinlichste Lage. Einer seiner Gesinnungsgenossen, an den er sich in seiner Not gewandt hatte, gab ihm, da sein Weib Agathe schon im dritten Jahre der Ehe, in Folge fortgesetzter Quälereien gestorben war, den Rat: „Wirb um eine reiche Dirne und bezahle mit dem Brautschatze deine Schulden“, worauf der Schaffenberger erwiderte: „Überall schon habe ich angepocht, aber nirgends wurde aufgetan“. Darauf gab ihm sein Freund zur Antwort: „Nun so freie um die Schmutzurschel, die ist reich und auf einen Ritter erpicht!“ – Dieses Mädchen war die Tochter des 1234 aus Bayern in Dresden eingewanderten Brauers Kalberla, der sich durch ausgezeichnetes Bier, welches er gebraut, zum reichen Manne gemacht hatte. Ursula, seine einzige Tochter, zeigte nicht bloß einen hässlichen Körper, sondern auch Eigenschften, welche jeden bessern Menschen von ihr trieben. Ganz besonders war es ihre Unreinlichkeit, die anderen zum Ziele des Spottes diente und der reichen Brauerstochter den hier allgemein bekannten Namen „Schmutzurschel“ eintrug.

Trotz dieser schlimmen Eigenschaften machte Ursula sehr hohe Ansprüche, sie wollte nur einen Ritter heiraten. Ihr Wunsch sollte in Erfüllung gehen, denn war auch Fust von Scharffenberg zuerst vor ihrer Hässlichkeit erschrocken, so sagte er sich doch, dass Geld ihm dringend nötig sei und man schließlich auch die größte Schönheit gewohnt werde; er warb also um die Brauerstochter und diese heiratete den Ritter. Bei Hofe und in den höheren Adelskreisen durfte allerdings die neubackene Rittersfrau nicht erscheinen, nur der niedere Adel gestattete ihr in seinen Zirkeln Zutritt, vermochte sie aber in keiner Weise zu bessern, so dass man sie, da schon damals die Unsitte herrschte, alles französisch zu benennen, Madame Saloppe nannte, unter welchem Namen sie auch in ganz Dresden bekannt blieb. – Bei ihrer Verheiratung hatte sie sich klugerweise zwei Drittteile ihres großen Vermögens gesichert, von welchen sie auch nichts herausgab, als des Gatten Drittel vergeudet war. Dieser Umstand veranlasste Fust, ungeachtet der Einsprüche Ursulas, eine Scheidung von Tisch und Bett durchzusetzen.

Die gekränkte Frau fand nirgends Hilfe und zerfiel ganz mit der Welt, nur noch den Gedanken lebend, den durch ihren treulosen Gatten vergeudeten Teil ihres Vermögen mit Hilfe eines Alchimisten wieder zu erlangen. Sie nahm bei einem solchen Unterricht, kaufte sich auf dem rechten Elbufer einen Weinberg, auf dessen Höhe sie von alten Brettern eine Hütte errichtete, da das bereits vorhandene Häuschen für ihre Zwecke zu kostbar schien. Tag und Nacht kochte Madame Saloppe, bis man sie eines Tags, nachdem sie den größten Teil ihres Vermögens zwecklos verwendet hatte, in ihrem Laboratorium vom Rauch erstickt auffand. Da Ursulas Gatte, Fust von Scharffenberg, bereits einige Jahre vor diesem Ereignisse in tiefem Elende gestorben war, fiel der Weinberg an die bayerischen Verwandten der Goldmacherin und wenn auch seit jener Zeit die Besitzer oft wechselten, so ist doch ihm und insbesondere dem darauf stehenden Hause, nach jener Madame Saloppe, der Name „die bretterne Saloppe“ bis auf die neueste Zeit geblieben.

3 Die Sage von der Mordgrundbrücke

Auf der königlichen Bibliothek zu Dresden befindet sich eine Handschrift aus dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts, welche über die Entstehung und Benennung des sogenannten Mordgrundes zwischen Dresden und dem Dorfe Loschwitz aus einem alten bei einem Winzer der Loschwitzer Gegend vorgefundenen, fast unleserlichen Geschichtsbuche folgendes berichtet:

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts, als Markgraf Friedrich der Kleine die Stadt Dresden noch sein nannte, blüheten in dieser Gegend die Geschlechter von Clohmen und von Birken; sie besaßen nicht bloß Ritterburgen in den nahe gelegenen gebirgigen Gegenden (z.B. die Clohmen, das von ihnen benannte Lohmen), sondern auch Häuser in der Stadt und Besitzungen auf den Bergen in der vorgenannten Flur zwischen Loschwitz und Dresden. Beide Geschlechter waren sowohl mit ihren übrigen Gütern in der Gebirgsgegend als in der Loschwitzer Flur Grenznachbarn, und nur der dortige tiefe Grund trennte sie von einander, indem die von Clohmen die nach ihrem Besitzer sogenannten früher Seebeschen jetzt Souchayschen, und die von Birken die dermalen zu dem Baron Müllerschen Grundstück gehörigen Fluren besaßen. Der alte reiche Hans von Clohmen war Witwer und besaß nur ein einziges 19jähriges Töchterlein von wunderbarer Schönheit, Elsbeth geheißen. Sein Nachbar Benno von Birken, ein schöner Mann, war eben erst aus fernen Landen zurückgekehrt, wo er sich durch seine Tapferkeit den Namen des Kühnen erworben hatte. Kaum hatte er seine schöne Nachbarin gesehen, so liebte er sie auch und hielt bei ihrem Vater um ihre Hand an, die ihm auch ohne Weiteres mit der Bedingung gewährt ward, dass sich das Fräulein vorerst ein Jahr am Hofe Friedrichs aufhalten und dort ausbilden solle. Natürlich folgte ihr ihr Bräutigam, und da derselbe an dem prunkliebenden Hofe des Fürsten fast täglich Gelegenheit fand, mit ihr zusammen zu kommen, so lernte sich das junge Paar bald so lieben, dass ihnen das Jahr zu einem Jahrzehent ward. Indes hatte im Jahre 1289 Friedrich der Kleine Dresden und die umliegenden Gegenden an den böhmischen König Wenzel, später sogar an Friedrich Tutta verkauft, von dem er zwar dasselbe zurückerbte (1291), sich aber doch wieder von Wenzel (1294) mit diesen Ländern belehnen ließ. Da jedoch die Herzen der Dresdner immer noch an ihrem rechtmäßigen Landesherrn hingen, so konnte Wenzel selbst noch 1299, wo es zum Kriege kam, nie recht zum wirklichen Besitz des verkauften Landes gelangen, er dachte also auf Mittel, sich die Gemüter der Mächtigen und Reichen zu gewinnen, und sendete einen gewissen Grafen Lodomar Kinsky nach Dresden, der durch Verheißung von Gütern und Ehrenstellen den Adel auf seine Seite bringen sollte. Gelang diesem dies unter andern auch bei Hans von Clohmen, so blieb der von Birken dafür mit desto größerer Treue seinem alten Herrn zugetan.

Da nun aber der böhmische Graf, der noch unbeweibt war, die Hoffnung hegte, dass er als Schwiegersohn eines der mächtigsten Ritter im Sachsenland desto besser für König Wenzel wirken könne, so bat er um die Hand der schönen Elsbeth von Clohmen und erhielt sie auch sofort zugesagt, und als ihr Bräutigam ihren Vater an sein gegebenes Wort mahnte, so erklärte dieser, er halte sich desselben für entbunden, weil nur ein Freund König Wenzels seine Tochter zum Altare führen solle. Indes fanden die Liebenden noch einmal Gelegenheit, sich zu sehen und sich ewige Treue zu schwören. Der Ritter von Birken hatte unterdes seine Besitzung an der Elbe bezogen und schickte täglich seinen alten Diener auf Kundschaft aus, um zu erspähen, was bei seinem Nachbar vorgehe, konnte aber fast nichts erfahren.

Mitten in einer stürmischen Nacht erstieg er einst von einer unerklärlichen Angst getrieben, die Höhe des Waldes und sah das Schloss seines Feindes hell erleuchtet, hörte auch Trompeten- und Paukenschall in einzelnen Absätzen erklingen. Ohne sich zu besinnen stieg er den tiefen Grund herab und erklomm die steile Anhöhe jenseits, sowie die hohe das Clohmensche Schloss umgebende Mauer, nachdem er zuvor mit seinem Schwerte alle Hindernisse des dicken Gestrüppes beseitigt hatte. Siehe, wie er noch sinnend dastand, was er nun weiter beginnen solle, da öffnete sich ein Pförtchen und seine Elsbeth, weiß gekleidet wie ein Engel, stürzte in seine Arme. Schnell entschlossen, nahm er die holde Bürde auf seine Arme, stieg mit ihr über die Mauer und den Berg hinab, musste aber im Grunde vor Anstrengung ermattet eine kurze Zeit rasten. Während dem erzählte ihm seine Elsbeth, wie sie ans Altar geschleppt und mit dem ungeliebten Böhmen trotz ihres laut ausgesprochenen Nein vermählt worden sei, und darauf sogleich den Entschluss gefasst habe, bei der ersten günstigen Gelegenheit zu entfliehen. Wild tobte der Sturm, sie hatten den Weg verfehlt und Fackelschein verkündete die sie Suchenden von allen Seiten, da gaben sich beide das Versprechen, dass nur der Tod sie trennen, und Elsbeth, ehe sie sich zu dem ihr aufgedrungenen Gemahle zurückschleppen ließe, sich mit dem Dolche, den sie bei sich trug, selbst den Tod geben wolle. Da stand plötzlich Graf Lodomar vor ihnen und sprach: „Wer wagt es, sich an meinem Eigentum zu vergreifen?“ Benno aber erwiderte hohnlachend: „So wenig dieses Land je das Eigentum deines Königs werden wird, ebenso wenig wirst du diese Jungfrau je dein nennen!“ Mit diesen Worten drang er wütend auf den Böhmen ein, der notgedrungen sein Schwert zog, aber nach kurzer Verteidigung tödlich verwundet zu Boden sank.

Da rief die Jungfrau: „Heil dir, du hast keinen Mord begangen, sondern nur dein Vaterland von einem fremden Wüterich befreit, lass uns aber jetzt eilen, die Reise in ein Land anzutreten, wo uns keine Verfolgung mehr drohen kann, von Deiner Hand, mein Benno, will ich sterben.“ Mit diesen Worten reichte Elsbeth dem Ritter den scharfen Dolch, er setzte die Spitze desselben auf die Brust des geliebten Mädchens; doch seine Hand zitterte, da erfasste die schöne Schwärmerin mit beiden Händen krampfhaft Bennos Hand und stieß sich den Dolch tief in ihre reine Brust. Sie schwankte, doch hatte sie noch soviel Kraft, den Stahl aus der blutenden Wunde zu ziehen, und matt lächelnd reichte sie denselben ihrem Benno mit den Worten: „Es hat nicht geschmerzt, hier, mein Geliebter, nimm ihn und folge mir.“ Ungestüm durchbohrte sich nun auch Benno und sank sterbend auf sie hin, und so hauchten sie Arm in Arm ihr Leben aus. Auf dieser Stelle nun, wo sie geendet hatten, wurden sie auf Befehl Clohmens, der jetzt seine Härte tief bereuete, beerdigt, der Leichnam Lodomars auf seine Güter nach Böhmen geführt, und von dieser Stunde an die Felsenschlucht, wo sich diese traurige Begebenheit ereignet hatte, der Mordgrund genannt. In jener alten Schrift war die Stelle, wo der Mord geschehen war, so genau angegeben, dass derjenige, welcher diese Sage abgeschrieben hatte, dieselbe leicht wiederfand, und für die Nachwelt sie durch folgende in einen Baum, der freilich jetzt wohl schwerlich aufzufinden sein dürfte, eingeschnittene Worte, wie er sagt, bezeichnete:

Vereint lasst uns sterben, es schließt ein Grab uns ein, wir werden noch verbunden in bessern Welten sein.

4 Die Entstehung der Kreuzkapelle zu Dresden

Im Jahre 1236, als Markgraf Heinrich von Meißen die Herzogin Constanze von Österreich heiratete, brachte diese ein Stück des heiligen Kreuzes mit gen Dresden, wodurch Dresdens Volksmenge bedeutend wuchs und dasselbe, da auch bei der Marienkirche ein wächsernes wundertätiges Marienbild viel Zulauf verursachte, ganz in den Geruch der Heiligkeit kam. Endlich ist 1299 ein hölzernes Kreuz auf der Elbe geschwommen gekommen und, als es hier gelandet, in jubelreicher Prozession in die Kreuzkirche getragen worden. Später hat die Jungfrau Maria hier unzählige Wunder getan und deshalb ist derselben vom Papst Bonifatius IX. ein 100tägiger Ablass (1400) gewährt worden.

5 Ein Priester zu Dresden hat ein Gesicht

Ein gewisser Presbyter zu Dresden, wahrscheinlich Albert, Pleban der früher auf der Elbbrücke befindlichen Alexiuskapelle, sah in der Christnacht am Himmel den Mond wunderbar schön glänzen, und wie er ihn nun so bewunderte, da ward derselbe zu einem Fische, fiel vom Himmel herunter und verschwand. Darauf kam von Abend her ein neuer weit größerer Mond, der stand über Böhmen und Meißen und schien so herrlich und glänzend, dass die Bauern auf's Feld zum Ackern und Pflügen hinaus fuhren. Dies bedeutete, dass das folgende Jahr Friede zwischen Wenzel III. von Böhmen und Kaiser Albrecht werden sollte (1305).

6 Der wohltätige Brunnen bei der heiligen Bartholomäuskapelle

Auf dem Freiberger Platze befand sich früher ein Hospital für alte Weiber, genannt zum heiligen Geist oder h. Bartholomäus (neben dem Findelhaus), welches schon um 1337 bestanden haben muss. In dem dazu gehörigen Garten war ein Quell, der die Gicht heilen konnte: Wenigstens soll ein gewisser Nicolaus (Plate), Titularbischoff von Konstanz, früher Abt zu Zinna bei Jüterbog, sich hier niedergelassen und den vollkommenen Gebrauch seiner Glieder, welchen er verloren hatte, bloß durch den Gebrauch dieses Wassers wieder erlangt haben. Er ist hier 1391 begraben worden, ist jedoch nicht der Stifter des Hospitals gewesen, wie die Sage berichtet.

Über dem steinernen Portale stand früher die Figur des heiligen Bartholomäus aus Sandstein, die, von den Hussiten herabgestürzt (1429), lange in einem Winkel der Kirche am Altare lehnte, von dort aber sich nicht wegbringen ließ, sondern immer wieder zurückkehrte. Es war dieses das sogenannte „Geestmännel“.

Ein anderes Wahrzeichen hier war die ander Straßenmauer links vom Kirchlein stehende bedeckte Stein- oder Pestkanzel, auf der 1539 Luthergepredigt haben soll.

7 Die Zerstörung von Helfenstein

Wenn man bei Tolkewitz in der Nähe von Pillnitz über die Elbe setzt, so kommt man in das Dorf Niederpoiritz und wendet sich dann rechts den Grund hinauf nach dem Rittergute Helfenberg, in dessen Nähe auf einem Hügel die Ruinen der alten Burg Helfenstein, die auch Rothfels (von ihren ehemaligen Besitzern den Dehn-Rothfelsern) oder die Hilfenburg hieß, liegen, die früher unter dem Volke den wendischen Spottnamen Babariky, die Burg des Weiberkerls (Barbar) führte, weil die Schlossherrn wegen Entführung von Wendenmädchen berüchtigt waren. Wann die Zerstörung dieser Burg fällt, weiß man nicht, als Ursache derselben aber erzählt man folgende Begebenheit.

Der letzte Besitzer der alten Burg hat eines Tags als Vasall von seinem Lehnsherrn den Befehl erhalten, mit in den Krieg zu ziehen, und also schweren Herzens von seiner jungen wunderschönen Gemahlin davonziehen müssen, seinem Bruder aber, der in der Nähe eine andere Burg besaß, sein Schloss und Habe, natürlich auch seine Gemahlin zur Beschützung empfohlen. Dieser ist aber ein böser Ritter gewesen, der allen Lastern gefrönt hat, und der schlimmsten Raubritter einer im Lande; der ist gar oft in die Burg seines Bruders geritten und hat die schöne Schwägerin so lange getröstet, bis er sich sterblich in sie verliebt hat, hat auch weder seiner Verpflichtung gegen den entfernten Bruder, noch der Achtung, die er seiner frommen Schwägerin schuldig war, gedacht, sondern derselben frech seine Liebe entdeckt und verlangt, sie solle ihm zu Willen und ihrem Gatten untreu sein. Die hat ihn aber kurz abgewiesen und gedroht, es ihrem Manne, wenn er heimgekehrt sei, zu entdecken. Da hat er ihr die erdichtete Märe vom Tode ihres geliebten Gatten in ferner Schlacht zugehen lassen und nach einiger Zeit seine schändlichen Anträge erneuert, ist aber abermals zurückgewiesen worden und es hat ihm die fromme Burgfrau für immer den Besuch von Helfenstein untersagt. Unter schweren Drohungen ist er davon geritten, allein nicht lange hat es gedauert, da hat er eine furchtbare Gewitternacht benutzt, ist mit seinen Raubgesellen unbemerkt gen Helfenstein gezogen und hat die Burg erstiegen und, nachdem die wenigen Getreuen, die sich zur Wehre gesetzt, gefallen waren, seine Schwägerin trotz ihres Sträubens ergriffen, sie mit aufs Ross genommen und ist eilig davon gejagt; diese aber, weil sie keine Hilfe und Rettung mehr gehofft, hat die Gelegenheit ersehen und ist in der Nähe eines bei Helfenstein gelegenen Brunnens vom Rosse heruntergeglitten und eilig entflohen, wie sie sich aber umgeschaut und jenen ihr schon so nahe gesehen, dass kein Entkommen mehr möglich gewesen, hat sie ihre Seele dem Herrn empfohlen und sich in den Brunnen gestürzt. Der böse Schwager aber, wütend, dass sein Bubenstück misslungen, und den Zorn seines Bruders fürchtend, ist umgekehrt und hat das Schloss von seinen Raubgesellen in Brand stecken lassen, dann aber ist er, wie von den Furien der Rache gejagt, davongeritten.

---ENDE DER LESEPROBE---