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In Maons zweitem Abenteuer geht es um den Magie-Unterricht und Maons ersten echten Auftrag. Was könnte schon schiefgehen? "Die Ehrengilde" ist eine Reihe von Fantasy-Kurzgeschichten. Es geht um Maon, einen jungen, aufstrebenden Kämpfer, dessen Beitritt in der Gilde "Die Ehrengilde" Pech und Segen zugleich ist. Humoristisch verpackte High-Fantasy-Abenteuer warten darauf von Genre-Fans, aber auch Gamern gleichermaßen gelesen zu werden.
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Seitenzahl: 67
Veröffentlichungsjahr: 2021
Mannomann. Das wurde auch Zeit! Wo warst du so lange? Du hast in letzter Zeit ziemlich was verpasst. Junge, Junge, wenn du wüsstest. Wo soll ich denn bloß anfangen? Hmmm… Ah! Vielleicht bei meinem zweiten Kampf gegen den Eber! Das ist doch mal eine gute Idee. Also, pass auf. Ein paar Wochen nach meiner Aufnahme kam Weixer an und meinte, wir sollten uns langsam mal unbedingt um den Eber kümmern. Der würde immer noch dort herumwüten. Das geht ja so nicht! Dann fragte er mich nach meinem Feuerball und ob ich den denn nun endlich beherrschen würde. Ach Mist. Du weißt noch nichts davon, oder? Stimmt ja. Davon hatte ich dir noch gar nicht erzählt. Ja gut. Dann fangen wir am besten da an. An dem Tag, an dem ich ein Magier wurde. Fast.
Mein Tag begann, wie jeder in den letzten Wochen: mit einem Frühstück. Es waren bereits ein paar Tage vergangen seit meiner Aufnahme und so langsam lebte ich mich tatsächlich ein. Ich fühlte einfach, dass ich "angekommen" war. Weixer war immer noch ein ziemlich schräger Kautz wenn du mich fragst, aber ich kam mit ihm klar. Ragran war auch nicht mehr so ein Creep und ich fing an ihn zu mögen. Nachdem ich mich also in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett geschält hatte, die Zahnbürste mehr Alibi-mäßig ein paar Mal rein und raus und links und rechts schob, zog ich meine neuerworbene Lederrüstung, auch Arbeitskleidung genannt, an und ging den langen, steinernen Flur entlang, bis ich zur großen Wendeltreppe kam. Ich schlurfte sie also nach oben, mit Augen noch so schmal wie ein Streichholz und Augenringen so groß wie der Rettungsring meiner Ex. Ich kam an den ersten Mitgliedern vorbei, denen ich müde ein "Mhn", das so viel wie ein "Moin!" bedeutete, entgegen nuschelte bevor ich mich in der großen Gildenhalle an einen der Tische setzte. An einen Tisch, an dem noch keiner saß, wohlgemerkt. Wenn ich eines noch mehr hasse früh morgens, als früh aufstehen zu müssen, dann direkt nach dem Aufstehen vollgesabbelt zu werden, oder selber reden zu müssen. ICH. HASSE. ES. Punkt! Ich setzte mich also an einen schön einsamen Tisch und überlegte mir eine Ausrede, wie ich wieder zurück ins Bett konnte. Krank? Nee, das würde auffallen. Und außerdem war ich ja nicht mehr in der Schule. Ich war ein Mitglied. Ein ehrliches, ehrenhaftes Mitglied der Ehrengilde. Vielleicht sollte ich einfach wieder ins Bett gehen und so tun, als hätte ich die nächste Unterrichtsstunde verpennt. So konnte ich noch ein bisschen schlafen, würde noch zum Unterricht kommen und alle wären zufrieden. Aber nee. Das konnte ich nicht machen. Und während ich einen inneren Krieg mit mir führte wie ich am schnellsten wieder ins Bett käme, kam Bäckchen auch schon an. Wer hätte das gedacht? Der zahnlose Backpfeifen-Weltmeister war eigentlich der Verpflegungsmeister der Gilde. Und er war nicht nur Verpflegungsmeister, er war auch ein guter Kerl. Nach ein paar Tagen hatte er es bereits verstanden und verinnerlicht, dass ich morgens kein Bock auf Reden hatte. Er gewöhnte sich an, mir ein paar Scheiben Brot, Wurst und einen warmen Kakao zu bringen und ging einfach wieder. Ein kurzes "Moin!", ein kurzes "Gude!" und ein kurzes "Tschö!" war alles, was man morgens von ihm hörte. Ein klasse Kerl. Und er war immer aufmerksam. Nie musste man nach ihm rufen oder so. Er bekam immer mit, wer neu in die Halle kam, wer ging und so weiter. Besser als in jedem 5-Sterne Restaurant, sag ich dir. Mein erster Eindruck vom guten Bäckchen war wirklich falsch. Er war ein richtig lieber Kerl. Auch wenn man sich erstmal an sein Genuschel und an seine sehr feuchte Art zu reden gewöhnen musste. Der Titel des Backpfeifen-Weltmeisters forderte seinen Tribut. Ein Preis, den Bäckchen irgendwie sehr gewillt war zu zahlen. Doch eines fragte ich mich immer wieder. Wie konnte man so aus dem Mund stinken, wenn man keine Zähne mehr hatte? Ich traute mich nicht zu fragen und außerdem mochte ich ihn ja. Warum also sollte ich ihn bloßstellen? Ja gut, ok. Irgendwann würde ich ihn fragen. Jedenfalls kaute ich grad auf der Wurst rum, nuckelte an meinem warmen Kakao (ohne Haut! Darauf achtete Bäckchen penibel) und träumte vor mich hin, als Weixer in die Halle kam, mich sah, winkte als sei er ein schüchternes, verliebtes Schulmädchen und zu mir an den Tisch kam.
»Guten Morgen, Maon. Na, fit für den Tag?«
»Mhn.«,
knurrte ich nur heraus, doch Weixer verstand den Wink nicht. Wie immer.
»Heute ist der große Tag. Freust du dich schon?«
»Darfichwiederinsbett?«,
nuschelte ich noch müde kauend mit kaum geöffnetem Mund.
»Nee, ich möchte grad kein Mett. Danke. Egal. Pass auf. Heute wird es richtig gut. Das wird dir gefallen.«
»Ichhabfreiunddarfweiterschlafen?«,
konnte ich so gerade eben mit all meiner Kraft und meinen Nerven rausbringen.
»Nee, nix da du gehst zu den Schafen. Heute fängt dein Unterricht in Magiekunde an!«
Es traf mich wie eine Backpfeife mit Anlauf von Bäckchen. MAGIE?! Es gibt MAGIE?! Sagte er wirklich MAGIE?! Damit hatte er definitiv meine Aufmerksamkeit. So viel Aufmerksamkeit von mir kriegt sonst nur der Braumeister, wenn er eine neue Sorte Bier gebraut hat und "FREIBIER!" ruft. Ich blieb nach außen hin aber cool und fragte nur ganz lässig
»HAFT DU FRADE MAFIE GEFAFT?!«
Ein paar Wurststücke und Brotkrümel schossen auf Weixer nieder wie Mörserangriffe.
»Iff werd befeuert! Mafie. If flaub if hör nifft riftif. Da brat mir doff einer nen Ftorff!«
»Ich hab keine Ahnung, was du da genau redest, aber hör mal bitte auf mich anzuspucken, setz dich wieder hin und iss in Ruhe.«
Ich tat wie mir geheißen, auch wenn ich es einfach nicht glauben konnte. Es gab Magie wirklich. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hatte ich es mir innerlich immer gewünscht. War wohl das Kind in mir. Und an diesem Tag sollte ich also in Magiekunde ausgebildet werden. Oh Mann, oh Mann! Erst wurde ich bei der Ehrengilde aufgenommen, hatte ein paar Kameraden gefunden, hatte meine erste Aufgabe erledigt, hatte ein paar Taler verdient und jetzt das. Magie. Meine Fresse. Mein Leben war geil! Und so fühlte ich mich auch.
»Ich kann dir allerdings nicht sagen, ob du genug Konzentration und Ruhe in dir hast. Du wirkst auf mich eher wie jemand, dem man eine Stahlwaffe in die Hand drückt und man dann nur noch zuschauen braucht.«
»If zeif dir fleif Fonzenfrafion, Freundfen! Fenn siff jemand hief fonzenfiefen fann, dann iff!«
Ich glaube, mich machte nicht sein unterschwelliges Behaupten, ich sei doof sauer. Das wusste ich selbst. Ich glaube, mich machte der Umstand so sauer, dass er an mir zweifelte. Er hatte in den Wochen, in denen ich bereits in der Gilde war, nicht einmal an mir gezweifelt. Er hatte immer ein gutes Wort für mich. Er fand immer irgendwo einen Funken Hoffnung für mich, wenn ich keinen mehr hatte. Vielleicht machte es mich einfach sauer, weil ich Angst hatte. Angst, dass ich es nicht schaffen könnte. Und diese Angst ließ ich, leider, an ihm aus.
»Weift du waf? Wiefo fehft du nifft wen anderf neffen? Iff effe frade!«
»Maon. Das war doch gar nicht böse gemeint. Es gibt nun einmal Menschen, die sind für Magie anfällig und es gibt Menschen, die sind es nicht. Ich habe das weder wertend gemeint, noch negativ. Es war einfach nur…«
»Iff fürde dann jetft ferne feiter effen. Futen Taf!«
»Maon. Sei keine Drama-Queen.«
»Futen Taf!«
