Die Enthüllung - Viola Maybach - E-Book

Die Enthüllung E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. Baron Friedrich öffnete die ­Augen und lauschte. Was waren das für unheimliche Geräusche? ­Dieses Heulen und Brausen? Er war doch zu Hause, im Sternberger Schloss, und nicht am Meer. Oder irrte er sich? Er versuchte, im Halbdunkel des Zimmers etwas zu sehen. Auf einem Tischchen brannte eine kleine Lampe, die Vorhänge waren zugezogen. Ihm fiel auf, dass seine Sicht nicht klar war, alles wirkte verschwommen, als hätte er eine falsche Brille auf. Dann meinte er, als das Heulen sich für einen Moment abschwächte, Schritte im Zimmer zu hören. Und sah er nicht auch einen Schatten, der sich auf die Tür zu bewegte? »Sofia?«, fragte er oder vielmehr, er wollte es fragen, aber er brachte nur einen Krächzlaut heraus, und da fiel es ihm wieder ein: Er war krank, deshalb lag er im Bett. Dr. Brocks war bei ihm gewesen und hatte strikte Bettruhe angeordnet. Er war so unglaublich müde! »Sofia?«, fragte er wieder, dieses Mal gelang es ihm, den Namen auszusprechen. »Nein, Herr Baron«, antwortete Eberhard Hagedorn, »ich bin es nur. Es tut mir leid, dass ich Sie geweckt habe, das war nicht meine Absicht.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Der kleine Fürst – 276 –Die Enthüllung

In Natalias jungen Leben überschlagen sich die Ereignisse

Viola Maybach

Baron Friedrich öffnete die ­Augen und lauschte. Was waren das für unheimliche Geräusche? ­Dieses Heulen und Brausen? Er war doch zu Hause, im Sternberger Schloss, und nicht am Meer. Oder irrte er sich? Er versuchte, im Halbdunkel des Zimmers etwas zu sehen. Auf einem Tischchen brannte eine kleine Lampe, die Vorhänge waren zugezogen. Ihm fiel auf, dass seine Sicht nicht klar war, alles wirkte verschwommen, als hätte er eine falsche Brille auf.

Dann meinte er, als das Heulen sich für einen Moment abschwächte, Schritte im Zimmer zu hören. Und sah er nicht auch einen Schatten, der sich auf die Tür zu bewegte?

»Sofia?«, fragte er oder vielmehr, er wollte es fragen, aber er brachte nur einen Krächzlaut heraus, und da fiel es ihm wieder ein: Er war krank, deshalb lag er im Bett. Dr. Brocks war bei ihm gewesen und hatte strikte Bettruhe angeordnet. Er war so unglaublich müde! »Sofia?«, fragte er wieder, dieses Mal gelang es ihm, den Namen auszusprechen.

»Nein, Herr Baron«, antwortete Eberhard Hagedorn, »ich bin es nur. Es tut mir leid, dass ich Sie geweckt habe, das war nicht meine Absicht. Ich wollte nur sehen, ob Sie etwas brauchen.«

»Nichts, danke«, murmelte Friedrich.

»Meinen Sie, Sie könnten jetzt ein wenig Suppe essen? Frau Falkners Hühnersuppe?«

Er erinnerte sich, dass ihm der Gedanke daran vor einer halben Ewigkeit verlockend vorgekommen war, jetzt jedoch verursachte er ihm Übelkeit. Aber er wusste natürlich, dass er essen musste, wenn er zumindest einigermaßen bei Kräften bleiben wollte, und so erwiderte er: »Ich kann es versuchen.«

»Gut, dann komme ich gleich mit einer Tasse Suppe wieder. Haben Sie sonst noch Wünsche?«

»Was …, was ist das für ein Geheul?«

»Ein starker Sturm, Herr Baron, er tobt schon seit einiger Zeit, und es sieht nicht so aus, als wäre er bald vorbei.«

»Die …, die Kinder?«

»Sind nach der Schule wohlbehalten im Schloss angelangt, Herr Wiedemann hat sie abgeholt, die Nachmittagsstunden sind wegen des Sturms ausgefallen.«

»Gut«, murmelte Friedrich. »Ich bin …, sehr müde.«

»Die Frau Baronin war vor einer Viertelstunde bei Ihnen, da haben Sie fest geschlafen. Ich sage ihr, dass ich mit Ihnen sprechen konnte. Und jetzt hole ich Ihre Suppe.«

Friedrich schloss die Augen, aber er schlief nicht wieder ein, das Toben des Sturms war zu laut, er fand es direkt unheimlich. Es musste ein schlimmes Unwetter sein da draußen, er konnte froh sein, ein so stabiles Gemäuer um sich herum zu haben. Andere Leute hatten das nicht. So, wie es sich anhörte, wurden bestimmt etliche Dächer abgedeckt oder von umstürzenden Bäumen eingedrückt. Und dann gab es ja immer auch Leute, die draußen unterwegs waren. Er mochte nicht einmal daran denken.

»Fritz?«

Er öffnete die Augen. Seine Frau stand neben ihm. Wo war sie jetzt plötzlich hergekommen? »Da …, bist du ja«, sagte er.

»Ich war jede halbe Stunde hier, aber du hast geschlafen – und zwischendurch auch geträumt. Immerhin ist dein Fieber gesunken.«

»Besser …, fühle ich mich nicht. Und dieser Sturm …, der ist ja direkt zum Fürchten. Gut, dass die Kinder in Sicherheit sind.«

Sie nickte nur, ohne etwas zu erwidern.

Es klopfte leise, daraufhin betrat Eberhard Hagedorn mit einem ­Tablett das Zimmer. »Ihre Suppe, Herr Baron«, sagte er. »Frau Falkner hat sie mit etwas Fleisch und Gemüse angereichert, aber nur wenig. Sie lässt ausrichten, dass Sie noch einen großen Vorrat hat, den Sie jederzeit bei ihr bestellen können.«

»Ich schaffe …, wahrscheinlich nicht mal diese Tasse«, murmelte Friedrich.

Sofia musste ihm helfen, die Suppe zu essen, denn er konnte kaum den Löffel halten, was ihn mehr als alles andere erschreckte. War er so schwach? So krank? So zittrig?

»Du hattest hohes Fieber«, sagte sie, als wüsste sie, was ihn beunruhigte. »Das strengt den Körper an, man wird schnell kraftlos. Aber du wirst dich auch schnell erholen, wenn die Entzündung erst einmal abgeklungen ist.«

»Die Suppe schmeckt mir sogar«, sagte er, und das war die Wahrheit. Er war selbst überrascht.

»Willst du noch mehr davon?«

»Später vielleicht. Schick doch die Kinder mal zu mir, ich …, ich glaube, ich könnte etwas Ablenkung gebrauchen.«

»Es ist zu früh, du darfst dich nicht überanstrengen. Schlaf lieber noch ein bisschen. Herr Dr. Brocks hat gesagt, Schlaf ist für dich die beste Medizin.«

Sie hatte offenbar Recht, denn kaum hatte er den letzten Löffel Suppe zu sich genommen, als ihm die Augen auch schon wieder zufielen. Er merkte nicht einmal mehr, dass Sofia das Tablett nahm und leise das Zimmer verließ.

Auf der Treppe kam ihr Eberhard Hagedorn entgegen, der ihr das Tablett abnahm. »Noch nichts Neues, Herr Hagedorn?«, fragte sie leise.

»Nein, leider nicht, Frau Baronin.«

»Wenn ihnen etwas zustößt – ich weiß nicht, was ich dann tue«, sagte sie. »Mein Mann hat nach den Kindern gefragt, er wollte sie sehen. Ich habe ihn ablenken können, aber beim nächsten Mal gelingt das vielleicht nicht mehr. Wie soll ich ihm denn erklären, wo die Jungs sind?«

»Wenn er das nächste Mal nach den jungen Herrschaften fragt, sind sie wahrscheinlich schon wohlbehalten im Schloss zurück, Frau Baronin.«

Diesen Worten hätte sie nur zu gern Glauben geschenkt, aber gerade in diesem Moment wurde des Geheul des Sturms besonders laut, und sie hörten ein Krachen, als sei der Berg, auf dem das Schloss erbaut worden war, dabei, unter ihnen zusammenzubrechen. Als sie zu einem Fenster liefen, sahen sie, dass eine alte Buche am Rande des Schlossparks entwurzelt am Boden lag.

Anna kam aus der Bibliothek. Sie war blass und sah verängstigt aus. Ganz automatisch breitete die Baronin die Arme aus und zog ihre Tochter an sich.

»Ich habe Angst, Mama.«

»Ich auch, Kind.«

Eberhard Hagedorn zog sich still zurück.

*

»Wenn sie da drin sitzt, lebt sie nicht mehr«, sagte Konrad tonlos.

»Sie sitzt da nicht drin«, behauptete Christian mit mehr Überzeugung, als er empfand.

Moritz, der vorne auf dem Beifahrersitz des Geländewagens saß, machte Anstalten, die Tür zu öffnen. »Wir sehen nach«, sagte er, nachdem er sich durch einen Blick mit Robert Wenger verständigt hatte. Der Stallmeister war kalkweiß im Gesicht. Er gab sich die Schuld daran, dass Natalia in Not geraten war, schließlich hatte er zugelassen, dass sie trotz Sturmwarnung zur Tierklinik gefahren war.

»Sie bleiben bitte im Wagen«, sagte Robert Wenger zu den beiden Jugendlichen. »Ich will nicht dafür verantwortlich sein, dass Ihnen auch noch etwas passiert.«

»Wir steigen auf jeden Fall auch aus«, widersprach Konrad. »Im Wagen ist es wahrscheinlich noch gefährlicher als draußen, Herr Wenger.«

»Los jetzt!«, kommandierte Moritz. Er musste sich mit aller Macht gegen die Tür stemmen, um sie zu öffnen, den anderen erging es nicht besser. Schließlich aber standen sie alle vier auf der Straße. Trotz der noch recht frühen Stunde war es beinahe dunkel. Die Straße wurde nur noch von einer entfernten Laterne beleuchtet.

Moritz und Robert Wenger versuchten, den Wagen unter dem umgestürzten Baum freizulegen, mussten aber schnell erkennen, dass sie ohne Säge und großes Gerät nichts würden ausrichten können. Sie rissen sich nur die Hände blutig, kamen aber kaum voran.

Christian und Konrad verlegten sich unterdessen auf Rufen und Schreien. Sie umrundeten die Unfallstelle, um zu sehen, ob es woanders leichter sein würde, an den Wagen zu gelangen, es sah jedoch nicht danach aus.

»Natalia!«, schrie Christian ein ums andere Mal, um den Sturm zu übertönen, was ihm in Abständen auch gelang, ebenso wie Konrad.

Und dann hörten sie eine dünne Stimme rufen: »Hier! Ich bin hier!«

Die beiden Männer hatten es auch gehört. »Wo sind Sie?«, schrie Robert Wenger zurück. »Wo genau?«

»Hier, hier, am Straßenrand! Wo keine Bäume stehen. Ich kann mich nicht bewegen, etwas ist auf mich gefallen.«

Es schien beinahe so zu sein, als nähme der Sturm noch einmal Fahrt auf, um sie mit aller Macht an der Rettung Natalias zu hindern. Er zerrte an ihnen und sorgte dafür, dass sie die Füße fest in den Boden stemmen mussten, um nicht umgeblasen zu werden. Moritz und Robert Wenger waren bis auf die Haut durchnässt, Christian und Konrad hatten zumindest Regenjacken übergezogen. Aber viel halfen auch die nicht, dafür war das Unwetter einfach zu stark.

Sie rannten in die Richtung, aus der sie Natalia gehört hatten. Dort lag ein mächtiger Ast des umgestürzten Baums, mit vielen Zweigen. Robert Wenger richtete seine Taschenlampe darauf, die bald etwas Rotes erfasste: Natalias Jacke.

»Hier ist sie!«, rief Moritz. »Natalia, wir sehen dich, wir holen dich da raus!«

Aber er bekam keine Antwort mehr. Das Gewicht, das Natalia zu Boden drückte, war offenbar so groß war, dass sie sich aus eigener Kraft nicht befreien konnte. Sie lag zudem auf dem Bauch, in eigentümlich verdrehter Lage, und war so eingeklemmt, dass sie ihre Arme nicht bewegen konnte. Als Robert Wengers Taschenlampe ihr Gesicht streifte, sah Moritz, dass ihre Augen geschlossen waren und dass ihre Stirn blutverschmiert war. Der Anblick machte ihm Angst, er musste sich zusammenreißen, um nicht panisch zu reagieren. Gut, dass Wolf seine neue ›beste Freundin‹ so nicht sehen konnte!

Obwohl sie zu viert waren, hatten sie große Mühe, die Äste beiseite zu ziehen, zumal sie Natalia keine weiteren Verletzungen zufügen wollten. Erschwert wurden ihre Bemühungen auch dadurch, dass sie sich immer wieder selbst in Sicherheit bringen mussten, wenn sie es auf der anderen Straßenseite bedrohlich knacken hörten. Schließlich aber hatten sie es mit vereinten Kräften geschafft, alle Äste beiseite zu ziehen und zu zerren. Natalia gab keinen Laut mehr von sich, sie hatte über ihren Bemühungen offenbar das Bewusstsein verloren. Sie sahen, dass sie nicht nur bis auf die Knochen durchnässt war, sondern auch, dass sie schwerer verletzt sein musste, als zunächst gehofft, denn nicht nur ihr Gesicht war blutverschmiert, auch ihre Kleidung war es. Das merkten sie, als sie sie vorsichtig hochhoben.

Sie waren noch mehrere Meter vom Geländewagen entfernt, als ein lang gezogener Blitz die Szenerie erhellte und sie unwillkürlich innehalten ließ. Voller Entsetzen sahen sie, wie der Blitz in einen der Bäume fuhr, die die Straße säumten. Es war ein zugleich furchtbares und faszinierendes Schauspiel.

»Weg hier!«, brüllte Robert Wenger. »Vorwärts, wir müssen von dieser Straße weg, bevor der nächste umgestürzte Baum uns den Weg abschneidet!«

Sie betteten Natalia auf die Rückbank, Christian und Konrad quetschten sich links und rechts neben sie. Es war unbequem, aber es würde gehen – jedenfalls, wenn sich die Rückfahrt nicht allzu lange hinzog, was man zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht wissen konnte.

Da sich Robert Wenger bei der Rettungsaktion ziemlich böse die Hand verletzt hatte, setzte sich Moritz ans Steuer. Er wendete und schickte ein kurzes Stoßgebet zum Himmel, dass sie es bis ins Schloss schafften.

*

»Es war eine Höllenfahrt hierher«, sagte Falk von Beedt, als er zu Hause eintraf. »Ich habe kurz überlegt, ob ich nicht im Büro bleiben und dort das Ende des Sturms abwarten sollte. Viele Straßen sind schon unpassierbar, überall sind Feuerwehr und Polizei im Einsatz.«

Seine Frau Sabrina umarmte ihn. »Ich bin froh, dass wenigstens du jetzt in Sicherheit bist«, sagte sie. »Ich …, ich warte auf Nachricht aus dem Schloss.«

Er schob sie von sich. »Aus dem Schloss, wieso?«, fragte er alarmiert.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen. »Natalia war in der Tierklinik, von dort ist sie noch nicht zurück. Ich habe sie nicht erreichen können, deshalb wollte ich im Schloss nachfragen, ob sie dort ist …, und …«

»Sie ist noch unterwegs?«, rief er. »Aber wer ist denn so verantwortungslos, sie in die Klinik zu schicken, während ein Sturm aufs Sternberger Land zurast?«

»Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände«, sagte sie. »Sie wäre normalerweise gut und sicher zurückgekommen, aber in der Klinik hatten sie die Sachen nicht fertig, die sie abholen sollte, deshalb hat sich alles verzögert, und so ist sie in das Unwetter geraten. Ich habe nur kurz mit Herrn Hagedorn gesprochen, er hat gesagt, ich soll mir keine Sorgen machen.«

»Keine Sorgen? Wie soll man sich denn in einem solchen Fall keine Sorgen machen? Kannst du mir das mal sagen?« Falk hatte das Telefon bereits in der Hand. »Ich will sofort wissen, was da los ist«, sagte er erregt.

Aber etwas Ungewöhnliches geschah: Im Schloss nahm niemand das Gespräch entgegen.

»Ich fahre sofort ins Schloss«, sagte Falk, aber Sabrina hielt ihn fest.

»Das tust du nicht«, erklärte sie. »Ich lasse dich nicht da rausfahren, Falk. Es würde Natalia nichts nützen, dich also nur unnötig in Gefahr bringen.«

»Aber wir können doch nicht untätig hier herumsitzen, während Natalia vielleicht …«

»Wenn Sie noch unterwegs ist und liegen geblieben sein sollte, werden sie vom Schloss aus schon Hilfe geschickt haben, sei sicher. Du wüsstest doch nicht einmal, wo du sie suchen solltest. Und wahrscheinlich kämst du gar nicht bis zum Schloss. Du hast doch eben selbst gesagt, dass viele Straßen schon unpassierbar sind.«

Er wusste, dass sie Recht hatte, aber er konnte es nicht zugeben. Erneut rief er im Schloss an, wieder bekam er kein Gehör. »Ich rufe so lange dort an, bis jemand abnimmt!« Er schimpfte, aber aus seinen Augen sprach nackte Angst um seine Tochter.

Sabrina verstand ihn, ihr ging es ja nicht anders. Also schlang sie beide Arme um ihn, um nicht nur ihm Halt zu geben, sondern auch sich selbst.

*

»Ich bin jetzt doch froh, dass ich hier geblieben bin«, sagte Belinda.

Wolfgang hatte ihr kurzerhand verboten, die Schreinerei zu verlassen, denn als sie gemerkt hatten, was sich da für ein gewaltiges Unwetter zusammenbraute, war es bereits zu spät gewesen für eine sichere Heimkehr. Die Gesellen waren frühzeitig gegangen, aber Belinda und Wolfgang hatten die Stücke, an denen sie arbeiteten, noch fertig machen wollen. Jetzt saßen sie deshalb in der Werkstatt fest.

»Ich bin auch froh«, erklärte Wolfgang.

»Aber allmählich habe ich Hunger«, gestand Belinda.