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Es geht um eine viele Jahrhunderte andauernde Entwicklung und um ein zukunftsorientiertes Verständnis der Forstwirtschaft. Das forstliche Allgemeinwissen bietet viele Weisheiten. In den Gesprächen zwischen den Forstlehrlingen und dem Lehrmeister [Klaus Kehl, "Die Seele des Holzfällers", Verlag am Park] wurde fast alles gesagt. Im Vordergrund stand das Zusammenwirken zweier Generationen vor über einem halben Jahrhundert (1954). Da blieben manche Fachfragen offen, die ich nachfolgend, soweit überhaupt möglich, nicht emotionslos beantworten möchte. Weil ich mehr als Fakten vermitteln und den beruflichen Spürsinn junger Forstwirte und Naturfreunde fördern möchte, habe ich einige Themen in erzählender Form dargeboten ("Erkennungs-Mapping"). Da gibt es auch Inhalte zum Nachdenken. Die Quellennachweise habe ich in den laufenden Text eingefügt, um die jungen Leser zur Arbeit mit den Literaturangaben zu motivieren. Gegenwärtig holen Forstlehrlinge bei einer Frage ihr iPod hervor und zeigen stolz eine Erläuterung bei Google. Auch die Forstlehrlinge haben sich verändert. Klaus Kehl
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Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2016
Klaus Kehl
Die Entwicklung der Forstwirtschaft
Der Wald im Wandel der Zeiten
© 2016, Tredition GmbH
Inhalt
Die Zeit vor der Forstwirtschaft
Ein Blick in die Vergangenheit
Zurück zur Waldgeschichte Europas
Der Beginn der Forstwirtschaft
Förderung der Forstwirtschaft
Nachhaltige Waldwirtschaft
Klassifikation der Fruchtbarkeit von Böden nach der SiO2-Korngröße
Wirtschaftswald, naturnaher Waldbau, Urwald
Was versteht man unter einem ökologischen Waldbau?
CO2-Emission, Treibhauseffekt, Waldwirtschaft
Grundsätze der modernen Forstwirtschaft
Thesen zum Prozessschutzwaldbau
Harvestereinsatz & Holzvollerntemaschinen
Harvestereinsatz: Ja oder nein?
Ökonomie oder Naturschutz
Der Wald ist eine sich selbst regulierende Gemeinschaft!
Die Geschichte der Forstwirtschaft in Bildern
Ein Blick in die Zukunft
Es folgen Bilder ohne Worte
Urheberrecht
Die Zeit vor der Forstwirtschaft
Die Entwicklung von der Brandrodung im Urwald bis zur Holzvollerntemaschine im modernen Forst war ein langer, ereignisreicher Prozess, in dem viele Erfahrungen alter Meister verborgen sind. Ohne dieses alte Wissen gäbe es heute keine hoch entwickelten Technologien in der Forstwirtschaft. Meine Ehrerbietung! Da ist noch etwas wichtig: Wer im Wald erfolgreich sein will, muss mit dem ganzen Herzen dazugehören. Tellinger drückte das in etwa wie folgt aus: „Wir müssen wissen, woher wir kommen, um zu wissen, wohin wir gehen können.“ [Tellinger, M.: „Die Sklavenrasse der Götter“, Kopp Verlag, 2015, Reise in die Vergangenheit, S. 47].Es folgt eine alte Weisheit:
Nur wer die Vergangenheit versteht, kann einen Schritt in die Zukunft wagen.
Zurück zur Waldgeschichte Europas
Der Mensch entwickelte sich in der tropischen Savanne mit ihrer wildreichen und von einzelnen Bäumen durchsetzten Graslandlandschaft [Brockhaus multimedial 2010 wissenmedia GmbH Gütersloh/München]. Das haben wir bislang gelernt. Heute sind es die vielen archäologischen Funde und groß angelegte DNA-Untersuchungen sowie die Entschlüsselung der mit Keilschrift versehenen Tontäfelchen aus Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris, die viele alte Vorstellungen in Frage stellen. Unser bisheriges Wissen über die Entwicklung der Menschen und ihrer Wanderwegen muss neu durchdacht werden [TV, Forschungsergebnisse, Dezember 2014 - Krassa, P, Gott kam von den Sternen‚ Kopp Verlag –Brockhaus multimedial]. Dennoch waren in der Vergangenheit die Steppe und auch der Wald für den Menschen überlebenswichtig. Wo Menschen lebten, wurde gebaut und Feuer gemacht. Zur Erinnerung: Feuerstein und Zunder (in Europa leicht brennbare Mittelschicht der Baumpilze von Birke und Buche), Räuchern von Fisch und Fleisch, Schmiedefeuer und Holzkohle. Die ersten Menschen zeichneten sich durch selbst gefertigte Werkzeuge aus. Die Wiege der Bronzemetallurgie lag im 6. bis 5. Jahrtausend v. Chr. im Nahen Osten sowie in Nordägypten und reichte bis östlich vom Persischen Golf [Atlas zur Geschichte Band1, Verlag H. Haack, Gotha/Leipzig, 1973, s.5]. Kürzlich wurde über Ausgrabungen berichtet, nach denen die Bronzemetallurgie bereits etwas früher im Donaudelta im 7. Jahrtausend v. Chr. praktiziert wurde [TV-Dokumentation, 2014].
Zum Verständnis ein weiterer Vergleich zwischen dem Nahen Osten und Mitteleuropa: In der Zeit der sumerischen Kultur war Mitteleuropa mit Urwald bedeckt. Holz gab es reichlich. Der unterschiedliche Holzbedarf in Mitteleuropa konnte insgesamt ausreichend gedeckt werden. In der Umgebung von mittelalterlichen Großbauten wie der Kölner Dom gab es in der Bauzeit große Kahlschläge. Im Vordergrund stand die Holznutzung. Da wurde Brennholz genauso wie wertvolles Stammholz benötigt. Die Wikinger beispielsweise benötigten zum Bootsbau ausgesucht hochwertiges Holz. (Wikinger: Höhepunkt ihrer Entwicklung um das 11. Jahrhundert n. Chr., s. u.).Schon unsere Vorfahren mussten ihren Energiebedarf decken und ihre Rohstoffe absichern.
Eines ist sicher, dass es ohne das Feuer keine menschliche Gesellschaft gegeben hätte. Feuer, aber womit? Holz, Torf und kleine Pflanzen waren die ersten fossilen Energieträger, denen tierisches Fett als Brennmaterial folgte. Kohle, Erdöl und Erdgas, Wind- und Sonnenenergie, Wasserkraft und Kernenergie wurden erst in der Neuzeit genutzt. Halt! Die Römer verfügten bereits über eine sehr effektive Wasserkraft. Hatten auch die Mitteleuropäer immer genug Energie?
Eines ist sicher, dass in allen Epochen viele Kulturen durch einen Mangel an Bau- und Brennholz zugrunde gingen. Wie sehr sich unsere Welt verändert hat, wird dem bewusst, der bei einer Reise durch die afrikanische Wüste „Sahara“ Überbleibsel von dicken Baumstämmen findet und Felsenzeichnungen mit Rindern bewundern kann (erste Züchtung des Hausrindes in der Sahara im Altertum etwa
im 5. Jahrtausend v. Chr.). In wenigen Jahrtausenden kann ein fruchtbares Land zur Wüste werden. Wüsten können wandern, wenn sich der Ort ihrer maximalen Temperatur verändert (Plattentektonik, Veränderung des Meeresspiegel, Klimawandel u. a.). Nichts ist ewig. Damals gab es weder eine Industrialisierung noch eine Forstwirtschaft. Einen Klimawandel? Den kannte die Menschheit schon. Dennoch konnte man Bäume fällen, bearbeiten und Schiffe bauen. Hut ab!
In grauer Vorzeit wurde der Wald gerodet und abgebrannt, um Gebiete für vorübergehende oder dauerhafte Siedlungen und Land für den Ackerbau zu gewinnen. Oft hinterließen die Nomaden nach ihrem Weiterwandern Ödland.
Anderseits gab es schon in der Urgesellschaft Sippen, die sehr sorgfältig mit allem Brennbaren sowie mit Wasser und Salz umgingen. Selbst eine vorratspflegliche Weidewirtschaft wurde von nomadisierenden Völkerschaften praktiziert. Zum Beispiel konnte man im vergangenen Jahrhundert am Aralsee (Kasachstan, Asien) Nomaden beobachten, die mit ihrem Vieh rechtzeitig weiter zogen, damit sie zu einem späteren Zeitpunkt erneut ihr Vieh auf dieselbe Weide treiben konnten[Andrej Platonow: „In der schönen grimmigen Welt“, Moskau/Berlin, 1975, Verlag Volk u. Welt, & Tschingis Aitmatow: „Der Tag zieht den Jahrhundertweg“, Moskau/Berlin, 1981/86, Verlag Volk und Welt].
Wenn ich das Wort Brandrodung höre, dann denke ich sofort an einen Waldfrevel. Halt! Machten die alten Völkerschaften nicht genau das, was die Natur mit den Steppenbränden erreicht. Grasbrände, beispielsweise durch Blitzschlag entzündet, brennen die leichtbrennbare Strauch-, Kraut- und Graszone ab und schaffen neues Land für die nächste Pflanzengeneration. Die Hitze wirkt nur kurzzeitig und dringt nicht tief in den Erdboden ein. Die Regeneration ist gewährleistet. Halt! Was die Natur darf, ist für die modernen Industrieländer mit ihren Maschinen sowie ihren Stress und Überdruss nicht angemessen. Dennoch wird auch in unserer modernen Welt immer noch die Brandrodung beispielsweise im tropischen Regenwald von Eingeborenen durchgeführt. Die Entwicklung der Waldwirtschaft ist immer abhängig von der gesellschaftlichen Entwicklung und deren Umwelteinwirkung.
Sind die in der Vorzeit gemachten Erfahrungen heute immer noch von Bedeutung? Zweifel kommen auf! Das Altertum gegen unser Heute. Na aber!
Auf einer Reise durch Zypern bewunderte ich einen Olivenhain. Große Hitze, trockener und fester Boden, reife Oliven! Da fragte mich ein Bauer freundlich nach meinem Anliegen. Nach der ersten Verständigung fragte ich den Bauer: “Warum hat man die Olivenbäume hier so weit auseinander gepflanzt?“ Der Bauer schmunzelte: „Nun, wir pflanzen die Olivenplantagen immer noch wie unsere Vorfahren. Ein guter Olivenertrag hängt auch vom Wasserangebot ab. Wo der Boden feucht ist, pflanzen wir die Olivenbäume dichter. Meist jedoch ist der Boden hierzulande trocken, dann pflanzen wir die Bäume auseinander, damit der Baum mit seinen weit ausladenden Wurzeln genügend Wasser aufnehmen kann. Auf trockenem Boden zu eng gepflanzt, würde bedeutet, dass der Olivenertrag abnimmt.“ Lange und viel erzählte mir der Bauer über die Erfahrungen seiner Vorfahren.
Eine Forstwirtschaft, wie wir sie heute kennen, gab es in grauer Vorzeit nicht. Das schrieb ich schon. Dennoch wurden bereits im Altertum Baumplantagen zur Produktion von Olivenöl, Kork und Naturkautschuk (in Amerika) gepflanzt. Plantagen sind überwiegend forst- oder landwirtschaftliche Betriebe, die mit mehrjährigen Nutzpflanzen meist als ‚Monokultur‘(im Forst: Bepflanzung mit nur einer Baumart)die damals gewünschten pflanzlichen Produkte nachhaltig produzierten[frei nach Brockhaus 1998].
