Verlag: neobooks Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

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E-Book-Beschreibung Die Erdmännlein - Heinz Gellert

Der neunjährige Tim verbringt in den Sommerferien zwei Wochen bei seinen Großeltern, Onkel Bernhard und Tante Silke auf dem Lande. Der Onkel hat eine Rinderzucht mit Ställen und Weide. Die Großeltern kümmern sich um Haus und Hof. Tim geht jeden Tag zur Kuhweide zu seiner Lieblingskuh Elsa. Eines Tages verschwindet Elsa von der umzäunten Koppel, und Tim entdeckt sie auf einer Insel im See, der an die Weide grenzt. Ensprechend einer Sage, die sich die alten Menschen im Dorf erzählen, müssen Erdmännlein - kleine Zwerge, die in einer unterirdischen Höhle leben - die Kuhdiebe sein. Da dieses Ereignis schon einmal vor Jahren geschah, als Tims Großvater als Junge Kuhhirte war, ist Tim davon überzeugt, dass es diese Erdmännlein wirklich gibt. Wie ein kleiner Kriminalkommissar versucht Tim, den Kuhdieben auf die Spur zu kommen und entdeckt das Geheimnis der Erdmännlein ...

Meinungen über das E-Book Die Erdmännlein - Heinz Gellert

E-Book-Leseprobe Die Erdmännlein - Heinz Gellert

Heinz Gellert

Die Erdmännlein

Fantastische Geschichte

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

1. Tim fährt aufs Land

2. Können Kühe schwimmen?

3. Die Erdmännlein und der Tischlergeselle

4. Die Kuh Elsa

5. Elsa in Not

6. Elsas Rettung

7. Nachts auf der Weide

8. Der Plan

9. Eine Taschenlampe muss her!

10. Die Jagd auf die Erdmännlein

11. Die Not der Erdmännlein

12. Auf der Insel

13. Der Kampf mit dem Sumpfgnomen

14. Der Tag des Abschieds

Anmerkung:

Impressum neobooks

1. Tim fährt aufs Land

„Wir sind gleich da!“, hörte Tim seinen Vater sagen. „Mach dich fertig! Der Zug wird gleich im Bahnhof ankommen.“

Tim wandte sich vom Fenster ab, ließ für einen Moment seinen Blick durchs Abteil schweifen und schaute dann dem Vater zu, wie der die Reisetasche von der Gepäckablage herunterhob und auf den Sitz stellte. Es war seine Reisetasche. Tim Kramzow stand auf dem Anhänger geschrieben. Er würde sie auch mit an die Ostsee nehmen, wenn er zusammen mit den Eltern in Urlaub fährt, nachdem der Besuch bei den Großeltern auf dem Dorf vorüber wäre.

Wie wird es sein?, fragte sich Tim. Allein bei den Großeltern, ohne Vater und Mutter? Bisher waren sie immer zusammen zu Besuch gewesen und immer nur übers Wochenende. Jetzt sollte er zwei ganze Ferienwochen mit Oma, Opa, Onkel Bernhard und Tante Silke verbringen. Der Vater würde am Nachmittag wieder zurückfahren, weil er am nächsten Tag, genauso wie die Mutter, zur Arbeit gehen musste.

„Vergiss deinen Rucksack nicht!“, ermahnte ihn der Vater und zog seine Jacke an.

Es gab einen leichten Ruck. Der Vater schwankte und musste sich an der Rückenlehne der Sitzbank festhalten. Das waren die Bremsen, dachte Tim. Er spürte, wie der Zug die Fahrt verlangsamte. Neugierig blickte Tim wieder aus dem Fenster - den Rucksack hatte er auf dem Schoß zu liegen. Die ersten Häuser der Stadt waren zu sehen, die Kirchturmspitze mit der Uhr, der Rest der alten Stadtmauer.

Es hat sich nichts verändert, dachte Tim. So schnell verändert sich auch keine Stadt. Noch nicht einmal ein Jahr war es her, seit er das letzte Mal hier mit dem Zug ankam. Das war zu Onkel Bernhards und Tante Silkes Hochzeit. An die Feier konnte er sich noch gut erinnern. Das halbe Dorf war zu Gast gewesen. Eine große Festtagstafel gab es im Garten, und Musiker spielten zum Tanz. An diesem Tag hatte der Großvater auch verkündet, dass er von nun an nur noch Rentner sein wollte und Onkel Bernhard den Hof und die Rinderzucht überlassen würde. Sonst könnte er, Tim, jetzt wohl kaum zwei Ferienwochen bei ihm verbringen.

Als der Großvater sich noch um die Rinderställe kümmerte, hatte auch die Großmutter als Rentnerin ab und zu noch ausgeholfen. Tim wusste, dass es im Sommer immer viel zu tun gab auf dem Lande.

„He, Junge, träum´ nicht!", sagte der Vater und zog ihn vom Fenster weg. „Wir sind da!“

„Wir sind da!“, jubelte Tim, warf den Rucksack über die Schulter und drängte sich am Vater vorbei zwischen die Reisenden, die ebenfalls aussteigen wollten, um so nahe wie möglich an die Wagentür zu kommen.

Auf dem Bahnsteig warteten sein Großvater und der Onkel. Sie suchten noch nach ihm, als er sie längst entdeckt hatte.

Sie waren mit dem Auto gekommen, um ihn und den Vater abzuholen - bis zum Dorf waren fünf Kilometer zu fahren.

Ohne auf seinen Vater zu warten, lief Tim auf die beiden zu.

„Na, da bist du ja, Tim“, sagte der Großvater und fuhr ihm mit seiner kräftigen Hand durch die blonden Haare. „Und groß bist du geworden!“

Tim stellte den Rucksack neben sich und drückte seinen Opa herzlich.

„Mir willst du wohl nicht die Hand geben?“, scherzte der Onkel.

„Klar“, antwortete Tim und streckte ihm die Hand entgegen. „Guten Tag, Onkel Bernhard!“

Der Onkel erwiderte den Gruß mit einem festen Handschlag.

Tim drückte die Hand des Onkels so kräftig, wie er konnte.

„So ist´s richtig“, bemerkte der Onkel und legte ihm seine linke Hand auf die Schulter. „Ein fester Handschlag unter Männern.“

Dann war auch Tims Vater mit der Reisetasche bei ihnen angekommen. Er begrüßte seinen alten Herrn, wie er den Großvater zu nennen pflegte, und den Kleinen, seinen jüngeren Bruder Bernhard. Darauf verließen sie gemeinsam den Bahnsteig, gingen durch die Bahnhofshalle zum Ausgang, in dessen Nähe der Onkel sein Auto geparkt hatte.

Während sich die Männer bei der Autofahrt über dieses und jenes unterhielten, der Vater von seiner Arbeit als Programmierer und der Großvater und der Onkel von den letzten Ereignissen im Dorf berichteten, schaute Tim sich die Gegend an.

Rechts und links der Landstraße breiteten sich weite Felder aus. Gelbe Getreidefelder wechselten mit grünen Mais-, Rüben- und Kartoffeläckern. Manchmal verlor sich der Horizont hinter flachen Hügeln, manchmal war auch in weiter Ferne ein Streifen Wald wie eine schmale, dunkelgrüne Linie zu sehen. Und über allem stand ein strahlend blauer Himmel. Schwalben segelten durch die Luft. Oft flogen sie so hoch, dass Tim sie nur als schwarze Häkchen erkennen konnte. Auch einen Greifvogel sah er hoch über einem Kartoffelfeld in der Luft seine Kreise ziehen - vielleicht ein Habicht oder Bussard. Tim kannte sich darin nicht so genau aus.

Dann kündigte sich das Dorf an: Zuerst eine einzelne Scheune auf einer sich weit ausdehnenden, grünen Wiese, danach die ersten Ställe, Koppeln mit weidenden, weißschwarzfleckigen Rindern.

Das Auto erreichte den ersten Bauernhof hinter dem Ortsschild und bog in die Dorfstraße ein. Zu beiden Seiten der Straße reihten sich die niedrigen Häuser mit den spitzen, roten Ziegeldächern. Vor jedem dieser Häuser befand sich ein eingezäunter, bunt blühender Vorgarten. Eine Toreinfahrt war offen. Tim konnte kurz einen Blick auf den Hof und das Stallgebäude werfen. Sie fuhren an einem Pferdegespann vorbei. Ein schwarzer Hund bellte ihnen am Straßenrand nach.

Das Haus der Großeltern stand fast am Ende der Straße. Die beiden Torflügel des Zauns waren weit geöffnet. Onkel Bernhard fuhr auf den Hof und hielt vorm Hauseingang.

Die Großmutter hatte das Motorengeräusch des Autos gehört und streckte den Kopf aus dem Küchenfenster. Kurz darauf öffnete sich die Haustür, und sie kam die Stufen der kleinen Steintreppe herunter gelaufen.

„Tim … mein Junge!“, rief sie und breitete die Arme aus, um ihn an sich zu drücken.

„Oma!“, mehr brachte Tim vor Freude nicht heraus. Er lief zu ihr und gab ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Dann bekam sie noch einen zweiten Kuss zur Begrüßung von seinem Vater.

Während sie Tim und den Vater ins Haus führte, rief die Großmutter, an den Großvater und Onkel Bernhard gerichtet: „Beeilt euch, das Essen ist fertig! Silke kommt auch gleich.“

Beim Mittagessen saß Tim neben seiner Tante am Tisch. Sie arbeitete als Verkäuferin und weil der Laden über die Mittagszeit geschlossen hatte, kam sie immer zum Essen nach Hause. Sie würde bald ein Baby bekommen. Darum schaute er hin und wieder verstohlen nach ihrem dicken, runden Bauch. Dabei wünschte er sich, dass das Baby schon da sein würde, damit er mit ihm spielen könnte.

2. Können Kühe schwimmen?

Am Nachmittag, als Onkel Bernhard den Vater zurück zum Bahnhof fuhr und Tante Silke wieder in ihrer Verkaufsstelle arbeitete, gingen Tim und der Großvater im Dorf spazieren. Sie schauten sich auch die Tierställe an. Besonders der Kälberstall gefiel Tim, weil er die Kälbchen streicheln durfte und die gar keine Scheu vor ihm hatten. Eines sogar so keck war und an seinem Finger saugen wollte.

Eine Stunde später saß er mit dem Großvater in der Nähe der Weidekoppel am Seeufer und blickte zur Insel, die nicht weit vom Ufer entfernt vor ihnen lag. Dabei erinnerte er sich an eine Geschichte, die der Großvater ihm auf Onkel Bernhards Hochzeit erzählt hatte, und er bat ihn, sie doch noch einmal zu erzählen.

Der Großvater wollte erst nicht und meinte: „Ach, die alte Geschichte.“ Aber weil Tim nicht aufhörte zu betteln, ließ er sich überreden und begann mit seiner Erzählung:

„Damals, als sich die Geschichte zugetragen hatte, war ich zwölf Jahre alt. Und wie schon den Sommer zuvor, musste ich auch in jenem Sommer als Kuhhirte beim Großbauern arbeiten. Wir waren vier Kinder zu Hause. Weil unser Vater nur wenig Land besaß, mussten auch wir Kinder mithelfen, etwas Geld zu verdienen. Der Älteste von uns, Franz, half unsrem Vater auf dem Hof. Meine Schwester, die Edeltraud, arbeitete als Magd im Nachbardorf. Ich war der Dritte. Und dann war da noch unsre kleine Schwester Anna.

Als Kuhhirte trieb ich morgens, nach dem Melken, die Kühe aus dem Stall des Bauern auf die Weide und abends wieder zurück. Tagsüber lag ich im Gras, sah nach den Kühen, schaute auch mal bei den anderen Hirten vorbei. Alles Jungs aus dem Dorf, die auf eine mehr oder minder große Herde von Rindern oder Schafen aufpassten. Manchmal, wenn es sehr warm war, bin ich eingeschlafen. Wenn mich der Bauer dabei erwischte, gab es Ohrfeigen.“

„Ohrfeigen?“, fragte Tim entsetzt. „Durfte der denn das?“

„Ach, wenn´s nur Ohrfeigen waren“, antwortete der Großvater, „daran war ich gewöhnt. Die gab es auch in der Schule.“

„In der Schule auch?“, Tim blickte ihn betroffen an.

„Na, was denkst du! Unser Lehrer war darin nicht zimperlich.“ Der Großvater lachte dabei.

Tim konnte das gar nicht fassen. Er fand es nicht zum Lachen.

„Aber lassen wir das“, fuhr der Großvater fort. „Obwohl“, bemerkte er noch, „manchmal würde euch eine Ohrfeige auch nicht schaden, so wie ihr mit euren Lehrern umspringt.“

Tim schwieg und dachte an seine Lehrerin. Er wusste, sie würde so etwas nicht tun.

Der Großvater kramte in der Jackentasche nach Pfeife und Tabaksbeutel, stopfte sich gemächlich seine Pfeife und zündete sie mit dem Streichholz an. Während er die ersten Züge paffte, erzählte er weiter:

„So hatte ich doch eines Abends tatsächlich den Rücktrieb der Kühe verschlafen. Als ich wach wurde, stand die Sonne fast am Horizont. Natürlich trieb ich meine Tiere rasch zusammen, beeilte mich, um so schnell wie möglich auf den Hof des Bauern zu kommen. Der wartete schon wütend auf mich, denn es war Zeit fürs Melken. Wie jeden Abend zählte er die Kühe. So genau weiß ich es nicht mehr, ob es nun zehn, fünfzehn oder noch mehr waren. Jedenfalls … er zählte, und es fehlte eine Kuh. In der Eile hatte ich auf der Weide ganz das Zählen vor dem Rücktrieb vergessen, was ich sonst immer tat. Es war zwar nicht nötig, denn bisher hatte nie eine Kuh gefehlt. Die Kühe liefen auch nicht weit weg, standen meistens beieinander und fraßen oder lagen im Gras und kauten dösend vor sich hin.

Du kannst es dir ja vorstellen, Tim, der Bauer tobte wie ein Verrückter. Eine Ohrfeige gab´s natürlich auch. Und die war nicht von Pappe! Nachdem ich so meinen Teil wegbekommen hatte, jagte er mich auf die Weide zurück und schickte noch zwei Knechte mit, die mir beim Suchen helfen sollten. Obwohl es inzwischen schon ziemlich dunkel war, war es doch noch hell genug, um die Kuh sehen zu können, falls sie irgendwo im Gras liegen und vielleicht krank sein würde. Aber wir sahen keine.

Nun konnte sie entweder in den Wald gelaufen sein.“ Der Großvater wies mit der Hand zum Wald und erklärte: „Das ist aber ein ganz schönes Stück Weg bis dahin, wie du, Tim, ja selbst erkennen kannst. Oder sie war aus Versehen von einem anderen Jungen mit seiner Herde zurückgetrieben worden. Die beiden Knechte und ich, wir suchten selbstverständlich auch im Wald nach der Kuh. Ergebnislos! Darauf gingen wir einzeln bei den Bauern im Dorf vorbei. Aber es war nirgends eine Kuh zu viel. Kurzum … die Kuh war weg!“

„Und am nächsten Morgen“, bemerkte Tim und zeigte mit der Hand auf den See, „am nächsten Morgen hast du sie dann auf der Insel dort entdeckt.“

„Ja“, bestätigte der Großvater, „am nächsten Morgen.“ Er paffte ein paar Wölkchen aus der Pfeife in die Luft und erzählte weiter:

„Ich wollte am liebsten gar nicht mehr beim Bauern arbeiten. Aber mein Vater … dein Urgroßvater, Tim … war damit nicht einverstanden. Ich musste also zu ihm hingehen. Mein Bruder Franz kam mit mir. Mein Vater wollte, dass er den Wald nach der Kuh durchkämmen sollte. Auch der Bauer schickte nochmals einen Knecht los.

Glaub mir, Tim, mein Vater war trotzdem gut zu mir; er machte sich aber große Sorgen. Denn wäre die Kuh nicht wieder aufgetaucht, hätte er eine von unsren sechs Kühen, die wir nur besaßen, dem Bauern als Ersatz geben müssen.

Also die Insel …" Der Großvater paffte wieder an der Pfeife und überlegte einen Moment. „Ja“, sagte er danach, „so war es an dem Tag!

Es war Vormittag. Ich war noch nicht lange mit den Kühen auf der Weide, und mein Bruder und der Knecht hatten fast den Wald erreicht. Da sah ich die Kuh dort zwischen den beiden knorrigen Weiden“ - er zeigte mit der Hand zur Insel – „seelenruhig Gras fressen. Ich konnte es erst gar nicht fassen, dachte, ich träume, aber sie war es wirklich. Ich lief zum Ufer, schrie nach meinem Bruder und zeigte immer wieder zur Insel. ‚Da ist sie! Die Kuh ist auf der Insel’, rief ich. ‚Franz, komm zurück!’ Mein Bruder hatte mich zuerst wohl nicht richtig verstanden, kam dann aber mit dem Knecht angerannt. Und beide staunten nicht wenig, als sie das sahen, was ich sah … die Kuh nämlich. Die ließ sich überhaupt nicht von meinem Geschrei stören, fraß seelenruhig weiter.

Tim, glaub´ mir, hätte ich sie nicht entdeckt, keiner von uns wäre auf die Idee gekommen, dort nach der Kuh zu suchen. Noch nie zuvor war eines der Tiere ins Wasser gelaufen … nicht mal zum Saufen. Das taten sie aus einem Wassergraben, der sich quer durch die Weide hinzog. Wir überlegten, was wir machen sollten. Franz vermutete, dass irgendwo im Wasser eine flache Stelle war, durch die die Kuh zur Insel gelangt sein konnte. Er zog sich darum bis auf die Unterhose aus, stieg ins Wasser und tastete mit den Füßen den Grund am Seeufer ab. Dabei ging er immer tiefer in den See hinein.“

Der Großvater sammelte einen Stein vom Uferrand auf und warf ihn in Richtung der Insel. „Du siehst ja selbst, Tim“, sagte er, „es ist nicht weit. Man kann fast hinüberwerfen. Vielleicht dreißig Meter.“

Tim versuchte es auch, kam aber mit seinem Stein nicht mal bis zur Hälfte der Strecke.

„Ja“, meinte der Großvater, „etwa so weit, wie du geworfen hast, ist Franz damals gekommen, dann konnte er an keiner Stelle mehr stehen. Er kehrte deshalb um und fragte mich nach einem Strick. Damit wollte er zur Insel schwimmen und ihn der Kuh um den Hals binden. Weil er glaubte, dass sie rüber geschwommen sei, wollte er sie so ins Wasser ziehen …“

„Können denn Kühe schwimmen?“, unterbrach Tim ihn.