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1705 - Es heißt, wo die See besonders aufgewühlt ist, da seien sie. Sirenen. Einst Menschen, so sagt man, sind sie nun dank eines Fluches ans Meer gebunden. Während Europa in den Auswirkungen des spanischen Erbfolgekrieges versinkt, werden die Wellen um die Kolonien in der Neuen Welt von Piraten aufgewühlt. Mitten in diesem Getümmel befindet sich Piratencaptain David Callahan, der mehr in seinem dunklen Herzen zu verbergen hat, als man erkennen mag. Denn er ist nur zur Hälfte ein Mensch und die andere Seite in ihm giert nach dem Ozean und nach Schätzen. Sein durchtriebener Instinkt sagt ihm, wann ein Risiko zu hoch ist und wann er gewinnen wird. Bis er sich eines Tages verleiten lässt und auf die falsche Kaperfahrt geht. Der Wahnsinn und der Tod klopfen in der Gestalt der gefährlichsten Männer der Navy an seine Tür. Dieses Buch beinhaltet sowohl Band 1 "The Ocean Wind's Desire" als auch die Fortsetzung.
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Seitenzahl: 757
Veröffentlichungsjahr: 2021
Judith L. Bestgen, Roberta Altmann
Die Fehde der Gezeiten
Above All Else
Historischer Fantasy-Roman
© 2021 Judith L. Bestgen & Roberta Altmann (Das Bambusblatt)
Lektorat: Roberta Altmann, Judith L. Bestgen
Korrektorat: Roberta Altmann, Alice Faymorgan
Cover: Dorothee Altmann von altmanns-art
Illustrationen: Dorothee Altmann von altmanns-art
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die
Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
gesetzt mit SPBuchsatz
ISBN: Paperback: 978-3-347-38265-7
Hardcover: 978-3-347-38266-4
eBook: 978-3-347-38267-1
Dieses Buch enthält Inhaltswarnungen / Content Notes auf der letzten Seite gegenüber der Deckel-Innenseite.
Vorwort
Träume. Ein Traum bedeutet Leben. Er ist wie die Luft in den Lungen, das Blut in den Adern, das Licht am Tag und die Ruhe in der Nacht. Ein Traum ist eine Vision, ein Wunsch, ein Kompass.
Hier in Deiner Hand hältst Du einen Teil unseres Traumes. Wir sind Geschichtenerzähler. Schmiede von Wörtern. Wir lieben Geschichten, wir lieben Bücher, wir lieben es, andere aus dem grauen Alltag befreien zu können. Man kann unser erstes gemeinsames Buch mit Fug und Recht als großen Splitter eines großen Traumes bezeichnen. Danke, dass Du Teil dieses Traumes bist. Danke, dass wir Dich in unsere Worte entführen dürfen. Danke, dass Du der Wind in unseren Segeln bist.
In diesem Buch finden sich zwei Geschichten derselben Reihe. Die allererste Geschichte davon ist noch recht kurz und erschien im Jahr 2020 als eBook. Unser beider erste Veröffentlichung. Wir, das sind wir beiden Autoren natürlich. Wir haben ein Schreibprojekt zusammen, das wir »Das Bambusblatt« getauft haben, einschließlich eines dicken Pandas, der nach Keith Richards benannt wurde. Und wir beim Bambusblatt wollten eigentlich hauptsächlich nur unsere kurzen Geschichten herausgeben.
Dafür haben wir David und Gabriel erschaffen (zusammen mit vielen anderen Reihen). Nur haben die beiden immerzu ihre eigenen Vorstellungen. Wie unverschämt! Während Menschen auf den zweiten Teil gewartet haben, und wir mit einigen Problemen zu kämpfen hatten, wurde der zweite Band immer länger und wir beschlossen, Band 1 und Band 2 nicht als getrennte eBooks zu veröffentlichen, sondern Teil 1 gleich nochmal mit zu überarbeiten und einen Gesamtband daraus zu machen. Ab Band 3 wird es nur noch eine einheitliche Version geben, versprochen! Vielleicht dürfen wir Dich dazu ja wieder begrüßen. Aber um das herauszufinden, musst Du natürlich erst einmal anfangen zu lesen.
Also viel Spaß!
(Und solltest Du dabei Musik hören wollen und Spotify haben, so kannst Du dort unsere Schreibplaylist zu dieser Reihe finden: »Above All Else – #DavidUndGabriel«. Verlinkt ist sie ebenfalls auf unserer Website www.das-bambusblatt.de)
Für all jene, die ebenso wie David und wir das Meer im Herzen tragen
The Ocean Wind’s Desire
Above All Else I
Prolog
David Callahan seufzte. Er musste zugeben, er war nicht sonderlich angetan von dem Plan des anderen Captains. Es war ein gefährliches Unterfangen. Langsam schüttelte er den Kopf.
Niemand achtete auf ihn.
Lacroix hieb seinen Humpen auf den Tisch und lachte laut auf. »Verrückter Hund!«
David hätte ihm zugestimmt, doch er war sich sicher, der Mann meinte es positiver, als er selbst es täte. Seine Augen funkelten verräterisch und David sah die Gier darin.
Erneut stieß er die Luft aus und dieses Mal hatte er die Aufmerksamkeit der Anwesenden.
»Natürlich«, spottete der Vierte im Bunde, »Callahan hat wieder was auszusetzen, was?«
David musterte den Mann, ohne sich von dessen Alter beeindrucken zu lassen. Er war selbst nicht mehr der Jüngste, wenn man nach Piratenmaßstäben urteilte, und er ließ sich von dem anderen ungern als Bursche abstempeln und wie jemand behandeln, der noch nicht wusste, was er tat.
»Ich habe durchaus Bedenken, Captain Hadley, aye.«
»Was kann da schon schiefgehen?«Lacroix lachte abermals in einem für ihn untypischen Anflug von Euphorie auf. »Wir haben eine Flotte, sie nur ein Kriegsschiff.«
»Davon können wir nicht sicher ausgehen. Und auch das Handelsschiff wird bewaffnet sein und die Männer vermutlich gut ausgebildet, der Wert ist zu hoch, als dass die Engländer einfach so ein solches Risiko eingingen.«
»Selbst zwei Kriegsschiffe …«
David maß Lacroix. »Bevor Ihr Pläne schmiedet, solltet Ihr weniger trinken.«
Ein schiefes Grinsen war die Antwort. Lacroix war ein fähiger Seemann, das hatte er oft genug unter Beweis gestellt, doch er ließ sich auch zu leicht verlocken. So war es schon immer gewesen und nun, da er sein eigenes Kommando führte, war das keinen Deut besser geworden.
»Stellt Euch den Reichtum vor.«Die Schwärmerei stammte von Waylon Colins, dem Mann, der den Plan erst auf den Tisch gebracht hatte.
David warf Lacroix einen misstrauischen Blick zu. So viel überschwängliche Begeisterung war er von seinem ehemaligen Bootsmann nicht gewohnt. Als sei er ein Kind, konnte er es kaum erwarten, seine vorlaute Klappe aufzureißen. »Aye! Nicht nur das Gold. All die funkelnden Edelsteine! Und den Ruhm.«
David verdrehte die Augen.
»O bitte, Callahan! Ihr könnt mir nicht weismachen, dass Ihr daran nicht interessiert seid.«
»Nun, Callahan«, brummte Hadley, »ich denke, Euer ehemaliger Bootsmann kennt Euch gut genug.«
David war drauf und dran, aufzustehen und die Taverne zu verlassen. Leider hatten Lacroix’ Worte wirklich sein Interesse an dieser Prise geweckt und das konnte er nicht leugnen. Es mochte verschiedene Gründe geben, warum er Pirat geworden war, doch Ruhm und Reichtum waren mit Sicherheit zwei davon.
»Ich halte es für zu riskant.«Nachdenklich blickte er auf die Karte der Bahamas, die Colins vor ihnen ausgebreitet und auf der er die Route des Schatzschiffes mit einem Faden markiert hatte. Die Prise ließ ihn nicht los.
»Ah«, machte Lacroix und David sah aus dem Augenwinkel, wie er sich auf dem Stuhl zurücklehnte, ehe er einen kräftigen Schluck aus seinem Humpen nahm.
David tat es ihm gleich. Ein wenig Rum beflügelte vielleicht seine Überlegungen.
»Sie ist nur ein kleines Schatzschiff«, gab Colins nicht auf. »Nicht die spanische Schatzflotte.«
»Aye, und dennoch reich beladen und demnach gut bewacht.«Vermutlich bekämen sie es wirklich nur mit einem Begleitschiff zu tun. Davids Erfahrung hatte ihn gelehrt, besser von zweien auszugehen.
»Was glaubt Ihr, wie groß das Kriegsschiff sein wird?«
»Wenn sie mit Schätzen und nicht nur Handelswaren beladen ist, werden wir es nicht mit einer einfachen Brigg zu tun haben, die mit zwölf Neunpfündern ausgestattet ist.«
»Aber doch nicht etwa eine Fregatte?«
David schüttelte den Kopf. Andererseits … »Wir sollten von einer ausgehen.«
Er hätte mehr Informationen bevorzugt, nur blieb ihnen die Zeit nicht. Verdammt, dachte er wirklich schon so darüber nach, als hätte er diesem Plan zugestimmt?
Er musste sich wohl eingestehen, dass ihn die Schätze mehr lockten, als er zugeben wollte. Und Lacroix hatte das genauestens gewusst, als er sie erwähnte.
»Also schön«, murrte er. »Wenn wir in zwei Tagen bei Sonnenaufgang in See stechen, könnten wir sie hier abfangen.«Er tippte mit dem Finger auf eine nahegelegene Insel, die ihnen gute Deckung bieten würde. Von Nassau aus würden sie keine Woche dorthin benötigen.
»Ha!«Ein weiteres Mal landete Lacroix’ Humpen schwungvoll auf dem Tisch. »Wusst’ ich’s doch! Den alten Callahan hat bisher noch jeder Schatz voller Edelsteine gelockt.«Er lachte rau.
David ignorierte diesen Kommentar. Er enthielt zu viel Wahrheit, als dass er sich dazu äußern wollte. Stattdessen konzentrierte er sich wieder auf den Plan. Bei Bondye, mit einem schwer bewaffneten Kriegsschiff könnten sie es nicht aufnehmen. »Unser Vorteil ist nicht unsere Feuerkraft, sondern die Anzahl unserer Schiffe. Captain Hadley mit seiner Brigg und ihren Zwölfpfünderkanonen sollte sich das Schatzschiff vornehmen. Wir anderen kümmern uns um das Begleitschiff.«
»Eine Schonerbrigg und zwei Schoner gegen ein Kriegsschiff der Navy«, verfiel Lacroix in seine übliche Laune.
David nickte. »Unsere Schiffe sind schnell genug, um sie in die Mangel und von drei Seiten unter Beschuss zu nehmen. Sie können sich nur auf einer wehren.«
»Damit opfern wir unter Umständen eines unserer Schiffe.«
»Nun«, David lehnte sich zurück und verschränkte die Arme locker vor der Brust, »meine Idee war diese Prise nicht.«
»Wir müssen nur schnell genug sein.«Ehe sich die Debatte ausweiten konnte, mischte sich Colins ein.
»Aye.«David deutete wieder auf die Karte. »Wir setzen Späher an Land und verstecken uns hinter der Landzunge. Das Kriegsschiff wird sich wohl nicht in unmittelbarer Nähe befinden, wir müssen also nur das abfangen und zusehen, dass uns das Schatzschiff dabei nicht entwischt. Die werden einem Kampf aus dem Weg gehen.«
Zu seiner Linken erklang ein Schnauben. »Wer hat Euch eigentlich zum Anführer dieser Sache gemacht?«
David unterdrückte einen Fluch. Hadley hatte ihn von Anfang an nicht respektiert, dabei hatte er sich oft genug bewiesen. »Wenn Ihr einen besseren Vorschlag habt, nur zu.«
Das schien dem alten Piraten den Wind aus den Segeln zu nehmen, denn er klappte seinen Mund wieder zu und begnügte sich damit, ihm düstere Blicke zuzuwerfen. Die konnte David getrost ignorieren. Er wusste, dass er besser war als Hadley. Dieser verfluchte Hund wollte das nur nicht akzeptieren.
»Mir ist einerlei, von wem der Plan stammt«, warf Lacroix dazwischen, obwohl David nicht glaubte, dass er es tat, um ihn zu unterstützen. »Solange er funktioniert. Und für mich klingt er sinnvoll.«Vielleicht hatte er auch nur die Schnauze voll von einem alternden Mann, der ihm sagen wollte, was er als Pirat von Nassau zu tun und zu lassen hatte.
»Aye«, fügte Colins an. Damit war Hadley überstimmt.
David nahm einen Schluck von seinem Rum. »Dann schlage ich vor, jeder hier anwesende Captain bereitet morgen sein Schiff vor. Wir können es uns nicht leisten, zu lange zu warten. Und dass wir am Abend die letzten Details besprechen.«
Alle drei kamen überein. Hadley hatte keine andere Möglichkeit mehr, wenn er etwas von dem Schatz sein Eigen nennen wollte. Obwohl es David ein Dorn im Auge war, dass Hadley sie begleiten würde, konnte er die Erleichterung darüber vor sich selbst nicht verbergen. Vielleicht hätten sie es auch zu dritt geschafft, doch die Journey war nun mal das Größte ihrer vier Schiffe und damit am stärksten bewaffnet.
Er trank seinen Humpen leer und erhob sich. Wenn alles reibungslos vonstattengehen sollte, musste er noch heute Abend mit seinem Quartiermeister sprechen. Möglicher Unmut in der Mannschaft ließ sich im Keim ersticken, wenn die Crew von der Prise erfuhr. Sollte der Plan sich als fehlerfrei erweisen, würden sie reichlich dafür entlohnt. Es gab noch eine Menge zu erledigen, da er das Auslaufen der Ocean Trail erst für einige Tage später angesetzt hatte. Noch dazu hatte er keine Lust, sich nach dieser Diskussion für den Rest des Abends mit Lacroix, Hadley und Colins in der Taverne herumzuärgern.
Die Segel der Ocean Trail entrollten sich mit einem mächtigen Rauschen und beinahe augenblicklich nahm die kleine Schonerbrigg an Fahrt auf. Hadleys Journey, die im Gegensatz dazu an beiden Masten rahgetakelt war, hatte deutlich größere Probleme, bei diesen Windverhältnissen aus der Bucht zu kommen.
David beobachtete die Bemühungen der anderen Crew amüsiert, während die Ocean durch die sanften Wellen glitt. Es war nicht immer von Vorteil, das größte Schiff zu haben, doch Hadley würde nicht umrüsten und wieder auf einen kleineren Segler zurückgreifen. Das ließ sein Stolz nicht zu. So war es für die Ocean kein Problem, die Journey zu überholen, die aufgrund ihres Tiefgangs nicht bis in die seichten Gewässer der Bucht hatte vordringen können.
David schüttelte den Kopf. Eine verdammte Brigg eignete sich kaum für die Karibik. Er traute Lacroix in seinem angeberischen Leichtsinn zu, sich das größte Schiff anzueignen, aber von Hadley hätte er mehr Verstand erwartet.
Nun, er würde sich nicht beschweren. Bei dem, was sie vorhatten, konnte die Journey nur hilfreich sein. Sie hatten ihren Plan am Abend noch überarbeitet. Sie konnten nicht wissen, welches ihrer Zielschiffe ihrem Versteck hinter der Insel am nächsten wäre, doch welches auch immer es war, Hadley würde als Erster auf den Feind treffen. So konnten sie die Langsamkeit der Brigg ausgleichen, sollte der Wind aus der falschen Richtung kommen.
Aktuell hatten die Schoner von Lacroix und Colins die besten Karten. Sie hatten als Letzte Segel gesetzt, doch kaum, dass die Ocean die Bucht verlassen hatte, wurde sie bereits von den beiden kleineren Schiffen eingeholt.
Vor ihnen lag eine Reise von gut fünf Tagen, bis sie ihr Ziel erreicht hätten. Die Zeit war zwangsmäßig äußerst knapp bemessen. Colins hatte die Informationen über das Schatzschiff zu spät erhalten. Vorbereitung brauchte Zeit.
»Captain, wir haben den Kurs aufgenommen und liegen gut im Wind«, erklärte Barnton, sein Steuermann, neben ihm. Er hatte seine Hand locker um einen Griff des Ruders gelegt und sah ihn an.
David nickte, ehe er einen Blick in die Takelage warf. Er hatte nichts auszusetzen. Seine Männer erledigten ihre Arbeit in einer Perfektion, dass es selbst ihn, der es doch gewohnt sein sollte, immer wieder erstaunte. Und da er somit keine Befehle für sie hatte, reckte er die Nase in den Wind und genoss die frische Brise.
Es mochte einige Tage hin sein, doch die Aussicht auf eine Prise voller Edelsteine ließ ihn grinsen. Der Großteil ihrer Beute bestand aus Zucker, Rum und Stoffen und all das mussten sie in Nassau umschlagen. Die Geschäftsleute dort und die Händler, die es an die Kolonien verteilten, verlangten ihren Teil vom Kuchen. Ein richtiger Schatz jedoch … der war ihrer. Und bei einem ganzen Schatzschiff störte es ihn kaum, ihn mit drei anderen Crews teilen zu müssen. Für jeden Mann fiele genug ab, damit diese Fahrt sich gelohnt hätte.
Nun mussten sie nur noch auf guten Wind und wenig Gegenwehr vertrauen. Wie auch auf ihr Können, die Beute zu erlegen.
David hatte sich gerade im Sand niedergelassen, als ein aufgeregter Ruf erklang und dabei kaum das Kreischen der Möwen übertönte. Er hallte über die Hügel der Insel zu ihnen hinunter an den Strand, noch zu weit entfernt, um die Worte zu verstehen. Aber es gab keinen Zweifel daran, was der Mann ihnen sagen wollte. Segel in Sicht.
»Das wurde ja auch mal Zeit!«, schimpfte Lacroix einige Meter neben ihm. Beinahe zwei Tage hatten sie hier verbracht und gewartet. Sie hatten guten Wind gehabt und ihre Prise sich offenbar verspätet.
David selbst brauchte nicht viel sagen. Der Wachposten kam brüllend und gestikulierend den Hügel hinab. Die Männer um ihn her setzten sich in Bewegung und das galt nicht nur für seine Mannschaft. Er hörte, wie Hadley seine Crew zusammenrief. An ihnen lag es nun, als Erstes auf See zu kommen und die Beute abzufangen.
»Mr. Anderson.«David richtete sich an seinen Quartiermeister, als dieser herbeigeeilt kam. »Ich nehme an, die Ocean ist zum Auslaufen und Kämpfen bereit?«
»Aye, Sir, natürlich. Der Großteil der Mannschaft hält sich stets auf dem Schiff auf und sorgt dafür, dass alles in bester Vorbereitung ist.«
»Sehr gut, schickt den Bootsmann mit den Übrigen bereits an Deck.
Und am besten geht Ihr auch schon. Ich kümmere mich um den Rest hier.«
»Aye, Captain!«Anderson hastete davon, obwohl ihnen noch Zeit blieb. Das schätzte David an ihm. Der Mann ging kein Risiko ein.
Um ihn herum rafften die Piraten die Gegenstände zusammen, die sie an den Strand mitgebracht hatten, und schleppten sie zu den Beibooten.
Viele riefen aufgeregt durcheinander, freuten sich schon jetzt auf die Beute, waren vielleicht auch nervös wegen des bevorstehenden Kampfes. Noch wusste niemand von ihnen, um wie viele Schiffe es sich handelte. Dennoch gingen sie alle gewissenhaft ihren Aufgaben nach, als der Wachposten endlich bei David ankam.
»Sir!«Er schnappte nach Luft. Vor lauter Aufregung hatte er seinen Atem nicht gespart. »Segel in Sicht, Sir! Zwei Schiffe sind bisher zu sehen. Sie sind schon um die Insel einige Meilen entfernt herum.«
»So nah?«
Lacroix trat neben ihn. »Dann waren Colins’ Informationen falsch.«
»Aye, entweder das oder sie haben ihre Route geändert.«
»Das eine Schiff, Sir, es sieht recht mitgenommen aus. Es scheint das Kriegsschiff zu sein.«
»Ha!«Lacroix schien seinen Übermut zurückzugewinnen, denn er schlug David eine Hand auf die Schulter.
Deswegen hatten sie sich verspätet und deswegen nahmen sie den Weg an den Inseln entlang. Es war riskant, doch nötig, um diesen Schutz ebenso zu nutzen, wie die Piraten es täten, die ihnen auflauerten.
David rieb sich, einen Entschluss fassend, über die Stirn. Allein durch Herumstehen kämen sie nicht weiter.
»Kommt mit«, wandte er sich an Lacroix und der Pirat folgte ihm ohne ein Wort, als David sich auf den Weg die hohen Dünen hinauf begab. Der Wachposten gehörte nicht zu seiner Mannschaft und David wollte sich die beiden Schiffe selbst ansehen.
Bis die Prise an dieser Insel, geschweige denn der Landzunge, war, hätten sie reichlich Zeit.
Als sie auf dem Hügel ankamen, brauchte David das Fernrohr nur für einen noch genaueren Blick auf ihr Ziel. Das erste Schiff segelte unbeschädigt vorneweg und wäre somit schneller bei ihnen. Das Hintere …
»Sie ist tatsächlich deutlich beschädigt. Sie muss in einen Kampf verwickelt gewesen sein, vor nicht allzu langer Zeit.«
»Eine Fregatte«, kam es von Lacroix. »Das Navyschiff.«
»Aye.«Es war zum Verzweifeln, wie oft sich seine Befürchtungen bestätigten.
David ließ das Fernrohr sinken und sah Lacroix an. Der Mann hatte die Brauen zusammengezogen und musterte die Schiffe, die sich in der Ferne um die Insel herum schoben. In Momenten wie diesen erkannte man Lacroix besser als in den Optimistischen.
»Damit ist sie machbar, wenn wir sie von drei Seiten angreifen. Wir könnten schnell genug sein, sodass sie selbst keine Breitseite abfeuern kann.«David bemühte sich um einen ebenso leisen Tonfall wie sein Freund.
»Glaubt Ihr, ein drittes Schiff lauert hinter der Insel?«
»Nein. Eine Fregatte sollte reichen als Begleitung. Es sei denn, unsere Informationen sind gänzlich falsch und dieses Schatzschiff hat mehr geladen, als wir erwarten.«
»Aber wie wahrscheinlich ist das, aye? Solch falsche Informationen zu streuen, um sie zu einer angeblich leichteren Beute zu machen.«
David hoffte, dass er recht hatte. Nur ein Idiot hätte sein Schiff Rich Man’s Tail genannt und damit alle Seeräuber in der Karibik angelockt, wäre das Schiff so reich beladen. »Wir sollten zum Strand zurückgehen und uns auf den Kampf vorbereiten.«
Lacroix neigte den Kopf und ging voraus. Festen Schrittes, ohne jede Hast. Er hatte viel gelernt. Er wollte einen ruhigen und entschlossenen Eindruck vermitteln, um seine Mannschaft nicht in Aufruhr zu versetzen. Vermutlich da sein Platz als Captain in ihrer Hierarchie noch nicht allzu sehr gefestigt war.
Als David die Ocean betrat, hatten die Männer alles vorbereitet. Anderson empfing ihn am Schanzkleid. »Wir sind bereit, Segel zu setzen.«
»Zunächst ist die Journey dran«, erinnerte David, bevor er sich auf den Weg zum Achterdeck machte. Von dort wandte er sich an die Crew und schöpfte Atem.
»Männer, die wertvolle Prise kommt direkt auf uns zu. Es läuft wie geplant. Das Schatzschiff segelt voraus und die Journey wird es abfangen. In der Zwischenzeit werden wir uns gemeinsam mit der Adventure und der Queen’s Heart das Schiff der Navy vornehmen. Eine Fregatte.«Stimmengewirr wurde laut und David schnitt ihnen das Wort ab. »Aye, eine Fregatte, doch eine beschädigte.«
Noch während er sprach, nahm er im Augenwinkel wahr, wie die Journey Segel setzte, und sein Blick wanderte dorthin. Das war also der Anfang. Es würde nicht lange dauern, bis die Beute ihren Jäger entdeckt hatte. Wahrscheinlich würde sie versuchen, abzudrehen und zu ihrem Begleitschiff zurückzugelangen, und dann kämen die kleineren und leichter beladenen Schiffe der Piraten ins Spiel, die deutlich wendiger und schneller waren. Der Wind stand günstig für sie.
David schwieg, bis die Journey sich um den Ausläufer der Landzunge gekämpft hatte. Auf der Ocean Trail war gespannte Ruhe eingekehrt, jeder erwartete seinen Befehl. Und David wusste, dass er sich auf seine Männer verlassen konnte.
»Segel setzen!«
Kapitel I
Es war, wie David vermutet hatte. Das Schatzschiff vollführte eine Wende, sobald die Mannschaft die Journey entdeckt hatte. Die Männer auf dem englischen Schiff waren schlau genug, zu wissen, dass es nur ein Pirat, Spanier oder Franzose sein konnte, der so plötzlich hinter der Landzunge auftauchte. Ihr Manöver fand zu spät statt. Für die Wende mussten sie ihren Bug in den Wind drehen und das nahm ihnen jenen aus den Segeln. Zeit genug für die Journey, sich ihrer Beute zu nähern.
Und als ihr die drei kleineren Schiffe folgten, begannen die Segel auf dem Schatzschiff im Wind zu flattern und es beinahe zum Stillstand zu bringen. War sie zuvor doch beschädigt worden und er hatte es auf die Entfernung nur übersehen?
Das Kriegsschiff, das ihren Begleitschutz mimte, befand sich wie zu erwarten in einiger Distanz. Mit seiner Takelage hatte es keine Möglichkeit, zu Hilfe zu kommen. Die Journey erreichte das Schatzschiff, lange bevor die Fregatte nah genug wäre, eine Salve Kanonenschüsse abzufeuern.
Hadley unterdessen setzte dem Beuteschiff einen Warnschuss neben den Rumpf. Eine letzte Gelegenheit, die Flagge zu streichen.
David war sich sicher, nicht der Einzige zu sein, der die Szene angespannt beobachtete. Am Fahnenmast des Engländers wehten stolz die heimatlichen Farben und trotz der Überzahl der Piraten schienen die Männer nicht gewillt, die Schätze kampflos aufzugeben.
David schüttelte den Kopf über so viel Leichtsinn. Es war bekannt, dass viele Kommandanten harte Strafen zu erwarten hatten, wenn sie die Fracht verloren. Sich aber einem Kampf mit Piraten zu stellen, der noch dazu meistens äußerst blutig verlief, wäre in seinen Augen keine sinnvolle Alternative.
Auch Hadley sah wohl ein, dass die Engländer nicht mehr kapitulieren würden. Sobald die Journey längsseits lag, feuerte sie eine Breitseite auf das Prisenschiff ab. Unter dem Donnern waren die Alarmglocken kaum zu vernehmen.
David grub die Zähne in die Unterlippe. Das war ihr Schatz, auf den sie feuerten. Es beruhigte ihn, dass Hadley ein erfahrener Pirat war, doch eine gewisse Sorge blieb. Nur ein Funke musste sich verirren und das Pulvermagazin in Brand stecken. Alleine deswegen hätte er es lieber gesehen, wenn sie die Flagge strichen. Es gab in einem Kampf schlicht zu viele Risiken, die sie die Prise kosten konnten.
Ihm blieb nicht viel Zeit, sich weiter auf das Gefecht zu konzentrieren. Die Fregatte mühte sich näher und die drei Schiffe lagen so gut im Wind, dass sie ihr regelrecht entgegen rauschten.
Das Kriegsschiff hielt auf sie zu, in der korrekten Annahme, die Piraten würden sich aufteilen.
Ihr Plan war gut abgesprochen und sie waren ihn ein Dutzend Mal durchgegangen.
Lacroix hielt sich mit seiner Adventure auf der Backbordseite der Fregatte, während David und Colins auf ihre Steuerbordseite drehten. Die Ocean war schneller als der kleine Schoner, der sie begleitete, und würde deshalb versuchen, hinter das Heck der Fregatte zu kommen. Dort war diese am verwundbarsten. Wenn sie ihr an dieser Stelle eine Breitseite verpassen könnten, zerfetzte das mit Glück ihr halbes Geschützdeck.
David lächelte bei dem Gedanken. Seine größte Sorge lag darin, dass sie gar nicht erst an ihrer Steuerbordseite vorbeikämen. Die Fregatte würde sich auf diese beiden Schiffe konzentrieren müssen.
Ein unerfahrener Mann würde von einem einfachen Sieg ausgehen. Er würde glauben, bereits gewonnen zu haben. Wie sollte eine beschädigte Fregatte gegen drei Schiffe bestehen, wenn diese sich aufteilten? Sie konnte nur auf einer Seite feuern.
Aber David wusste es besser.
Alles konnte schiefgehen. Die Männer der Royal Navy waren dazu ausgebildet, mit Situationen wie dieser umzugehen. Sie wussten, was die Piraten vorhatten, daran bestand kein Zweifel.
Seine Finger gruben sich in das Holz der Reling, die Achterdeck vom Hauptdeck trennte. Nur einige Schritte hinter ihm stand Mr. Barnton am Ruder und steuerte die Ocean mit ruhiger Hand an die Seite der Fregatte. In ihren möglichen Untergang.
Weit hinter ihnen erklangen das Donnern der Kanonen und das Geschrei der Mannschaften, als das Gefecht zwischen der Journey und dem Schatzschiff entbrannte. David musste das Verlangen unterdrücken, sich umzublicken. Er musste sich konzentrieren.
Unruhig hob er den Blick, um den Wind und die Stellung der Segel zu überprüfen, ehe er wie schon ein halbes Dutzend Male zuvor durch das Fernrohr sah. Von ihrer jetzigen Position aus erkannte er mehr. Achtzehn schwarze Stückpforten, die den weißen Streifen des Geschützdecks zierten. Und die wohl kaum als Tarnung oder aus ästhetischen Gründen aufgemalt waren, wie es bei den Schiffen der Marine oft der Fall war. David bezweifelte, dass dem letzten Kampf viele Kanonen zum Opfer gefallen waren. Und sicherlich mussten sie mit einem anderen Kaliber als den Neunpfündern rechnen, die von der Ocean und den Schonern genutzt wurden.
Auf ihrer anderen Seite näherte sich die Adventure, legte sich längsseits zu der Fregatte und feuerte.
Die Kugeln schlugen im Schanzkleid ein, zerrissen es und schossen über das Deck. Schreie ertönten vom Kriegsschiff.
David suchte das Achterdeck ab und fand den Captain mit seinem Ersten Offizier. Beide waren nicht mehr die Jüngsten, mochten in seinem Alter sein. Und damit erfahren. Verbissen beobachteten sie den Schaden, den die Breitseite der Adventure angerichtet hatte, doch sie machten keine Anstalten, das Feuer zu erwidern. So wie er vermutet hatte. Sie warteten.
Verdammt.
»Captain?«, erklang Barntons Stimme hinter ihm. »Sollen wir anluven? «
David ließ das Fernrohr sinken und musterte die Fregatte. Sie waren nahe genug. Er nickte. »Aye.«
Seine Kanoniere waren bereit und es juckte ihm in den Fingern, ihnen den Befehl zum Feuern zu geben, sobald sie längs lagen. Nähme nur das Nachladen nicht so viel Zeit in Anspruch. Wenige Sekunden konnten in einem solchen Gefecht entscheidend sein. Diesen Teil musste Colins mit seiner Queen übernehmen.
Davids Anspannung wuchs, als die Ocean anluvte, und die Mannschaft wurde immer leiser, bis kein Wort mehr zu vernehmen war. Er maß den Captain und seinen Ersten Offizier. Beide hatten die Aufmerksamkeit der Ocean und der Queen zugewandt. Die Ocean würde als Erstes in ihre Schusslinie geraten und der Erste Offizier verfolgte jede Bewegung an Deck genauestens. David schluckte. Der Mann stand dort in seiner Navy-Uniform, die Hände auf dem Rücken verschränkt, und hielt den Blick unverwandt auf ihn und seine Schonerbrigg gerichtet.
»Hisst die Flagge!«, gab David den Befehl. Hadley und Lacroix hatten das längst getan, die Engländer wussten also, dass sie es mit Piraten zu tun hatten. Nur ging es ihm nicht darum, sie würden seine Flagge erkennen und er wollte ihre Reaktion sehen.
Er ließ den Ersten Offizier keine Sekunde aus den Augen, während seine Männer dem Befehl nachkamen. Der Engländer folgte dem schwarzen Stoff mit dem Blick und als dieser sich komplett entrollte und die Sicht auf das Symbol freigab, schob der Mann die Brauen zusammen.
Stolz überkam David, doch das Gefühl verschwand ebenso schnell, wie es in ihm aufgestiegen war. Er ließ das Fernrohr sinken und trat an die Steuerbordreling. Sie lagen nun beinahe auf gleicher Höhe mit der Fregatte, deren Stückpforten sich öffneten und den Blick auf ihre achtzehn Geschütze freigaben. Nur Sekunden blieben ihnen.
Aus dem Augenwinkel sah er, wie seine Männer hinter dem Schanzkleid Schutz suchten.
Das Manöver war äußerst riskant. Sie hätten einen Bogen um das Kriegsschiff segeln können, doch dann wären sie gegen den Wind an höchstwahrscheinlich nicht mehr zur rechten Zeit an ihr Heck gekommen. Ihm war bewusst, was er aufs Spiel setzte. Er konnte nur auf sein Glück hoffen.
Für einen Moment war alles still. Die Pause, in der die anderen Mannschaften ihre Kanonen nachluden, schien sich endlos zu dehnen. Die Ocean schob sich genau in das perfekte Schussfeld der Fregatte. Niemand gab auch nur einen Ton von sich.
Die Zeit stand beinahe still und Davids Herzschlag setzte aus.
Dann war der Moment vorüber, der perfekte Winkel verpasst. David wagte es nicht, zu atmen, suchte mit dem Blick den Ersten Offizier, der nun so nahe war, dass er kein Fernrohr mehr brauchte. Er stand wie erstarrt auf dem Achterdeck und sah zur Ocean hinüber, dann trat er einen Schritt nach vorne und brüllte den Befehl.
»Feuer!«
Die Kanonen krachten mit einem ohrenbetäubenden Donnern, Rauch vernebelte ihnen die Sicht und der Wind trug den Geruch des Schießpulvers bis zu den Piraten hinüber.
David schloss die Augen und stieß langsam die Luft aus. Er hörte das Splittern des Holzes, spürte die Erschütterung, die sein Schiff durchlief. Vernahm das Rufen seiner Mannschaft, besonders seines Quartiermeisters. Und erst dann die Schreie von der Queen’s Heart.
Colins’ kleiner Schoner musste so nahe bei ihnen gewesen sein, dass er von der Breitseite getroffen worden war.
»Captain!«
David öffnete die Augen und blickte auf seine zitternde Hand hinab. Eine feine Blutspur zog sich darüber.
»Captain, seid Ihr verletzt?« Anderson griff nach seinem linken Arm und zog ihn halb zu sich herum. »Ihr blutet.«
David sah über die Schulter. Eine der Kanonenkugeln der Fregatte hatte ein Loch in das Schanzkleid des Achterdecks gerissen. Die Splitter lagen über die Planken verteilt oder waren an mehreren Stellen in seinen Körper eingedrungen. Seine rechte Wange brannte, ebenso wie sein Arm und sein Oberschenkel, doch er ignorierte es. Er hatte keine Zeit, sich um Verletzungen zu kümmern. Sie hatten beinahe das Heck der Fregatte passiert.
»Mr. Barnton«, wandte er sich an seinen Steuermann, »hart Steuerbord.«
Barnton kurbelte das Ruder herum, während Mr. Anderson, der Quartiermeister, die entsprechenden Befehle an die Mannschaft gab. Zwei Sekunden zuvor mochten die Männer noch unter Schock gestanden haben, nun kamen sie ihrer Aufgabe unverzüglich nach.
»Bereitmachen zum Feuern«, setzte David hinzu.
Als die Ocean anluvte, um hinter dem Heck der Fregatte in den Wind zu gehen, bot sich ihm eine gute Sicht auf die Queen’s Heart. Der Schoner war nicht einmal mehr zur Gegenwehr gekommen.
Die Salve des Kriegsschiffes hatte Mannschaft und Geschütze mit einem Schlag auf ein Minimum reduziert und ein Leck in den Rumpf gerissen, direkt auf Höhe der Wasserlinie. Die Überlebenden brüllten durcheinander, während der Bauch des Schoners langsam volllief.
Im Namen von Agwe … Sie konnten nichts für Colins und seine Männer tun. Sie selbst waren aus der Schusslinie, abgesehen von den beiden Heckgeschützen auf dem Achterdeck der Fregatte.
Lacroix’ Adventure hatte das Kriegsschiff ebenfalls bereits passiert und konnte ihr Heck nur noch umhalsen, um sie abermals anzugreifen, dieses Mal von Steuerbord. Und ebenda käme ihr die sinkende Queen in die Quere. Verflucht!
Der Fregatte blieben zwei Möglichkeiten. Beidrehen und auf die Ocean feuern oder, was wahrscheinlicher wäre, versuchen, zum Schatzschiff zu gelangen. David hörte keine Kanonenschüsse mehr und er hatte keine Sicht auf Hadley und ihre Beute.
Widerwillig wandte er sich von seiner Umgebung ab und fasste die Fregatte ins Auge. Sie lagen nun direkt hinter ihr und als er »Feuer!« in die Stille hinein brüllte, erklang der Ruf auch vom Ersten Offizier der Engländer.
Die Heckkanonen verschonten ihn auf dem Achterdeck, sie zielten auf die Mitte. Die Geschütze der Ocean waren so ausgerichtet, dass die Kugeln das Kanonendeck der Fregatte einmal längs durchschlugen.
Als ein Rucken durch beide Schiffe lief, schwankte David. Er hielt sich am Schanzkleid fest. Sein Blick richtete sich auf den Ersten Offizier, der neben seinem Captain ebenfalls Mühe hatte, auf den Füßen zu bleiben. Streng rief er nach einem Scharfschützen und David beschlich das Gefühl, dass dieser Schuss ihm gelten sollte.
Die Ocean lag im Wind, aber die Fregatte bewegte sich unaufhörlich vorwärts und entfernte sich damit immer weiter.
David fluchte. Er musste sich entscheiden. Der Plan war es gewesen, das Kriegsschiff zu versenken, doch alles in ihm sträubte sich dagegen.
»Klarmachen zum Entern!«, rief er, während er sich hinter das Schanzkleid duckte, um dem Scharfschützengewehr des Offiziers zu entgehen.
»Aber Captain?« Anderson klang skeptisch. Dennoch …
»Wir haben eines unserer Schiffe verloren. Wenn wir uns dafür die Fregatte holen …«
Sein Quartiermeister wirkte nicht überzeugt, trotzdem gab er den Befehl weiter.
Ihnen blieb nicht viel Zeit, wenn sie die Fregatte in ihre Gewalt bringen wollten.
»Mr. Barnton! Fallt nach Steuerbord ab, wir versuchen, an ihre Seite zu kommen.«
»Captain, ihre Kanonen –«
»Aye. Das ist unsere einzige Möglichkeit. Und passt verdammt nochmal auf, dass ihr keine Gewehrkugel abbekommt.« Das wäre ein schlauer Schachzug der Engländer gewesen, sobald sie bemerkten, was die Piraten vorhatten.
Barnton rief der Mannschaft zu, was zu tun war. Derweil kroch David hinter dem Schanzkleid näher ans Heck und erhob sich.
Der Erste Offizier stand an der Heckreling, das Scharfschützengewehr im Anschlag. Er zielte auf ihn und David rührte sich nicht. Worauf wartete der Offizier? Worauf hatte er eben gewartet, als er den Befehl zum Feuern hätte geben sollen? Auch jetzt ließen sie sich lediglich nicht aus den Augen.
Davids Herz schlug ihm bis zum Hals. Sein Plan ging auf. Der Kerl achtete nicht auf Barnton, nur auf ihn. Und David hatte das Gefühl, den Blick selbst dann nicht abwenden zu können, wenn er gewollt hätte. Wenn nicht ein Gewehrlauf auf ihn gerichtet gewesen wäre, den er unmöglich aus den Augen lassen konnte.
Unter ihm schlingerte die Ocean im Wind, doch als die Segel richtig standen, ging ein Rucken durch das Schiff. Es neigte sich nach Steuerbord und nahm dann den neuen Kurs auf.
Der Erste Offizier ließ die Waffe ein Stück sinken und blickte sich über die Schulter zu seinem Captain um. David hatte dessen Worte nicht mitbekommen. Sicher waren es eine Rüge und ein Befehl gewesen. Der Offizier nickte knapp, sah zurück, legte erneut an.
Und zögerte dieses Mal nicht den Bruchteil einer Sekunde.
Die Kugel streifte David und riss eine brennende Wunde in seinen linken Oberarm. Ausgerechnet der Arm, mit dem er kämpfte.
Befehle wurden über das Deck der Fregatte gebrüllt und auch David wies seine Leute an, sich für die nächste Breitseite bereit zu machen.
Gabriel fluchte innerlich, reichte dem Mann neben sich allerdings ohne ein weiteres Wort das Gewehr zurück. Ein Streifschuss. Das war unter seiner Würde, aber es schien sich eine unsichtbare Macht über seine Sinne gelegt zu haben, die ihn förmlich unfähig dastehen ließ. Eine solche Situation hatte er noch nie in seinem gesamten Leben erfahren. Vorhin hatte er den Befehl zum Schuss nicht geben können, als sei seine Kehle mit Sand vollgestopft. Nun, entschlossen, diesen Fehler wieder auszumerzen, hatte er sogar den Schuss verhunzt, obwohl er sein Ziel immer traf. Er hätte diesem elenden Piraten das Auge durch den Hinterkopf entfernen müssen, statt ihn nur leicht am Oberarm zu verwunden.
Jetzt wurde es gefährlich.
Gabriel beobachtete, wie das Feindesschiff auf die Backbordseite der Scales of the Thousand Seas zusteuerte. Und sein Augenmerk huschte nochmals zu der Flagge, die im Wind flatterte. Eine Sirene auf schwarzem Grund. Captain David Callahan. Wenn es sich nicht um Betrüger handelte. Es wären nicht die ersten Piraten, die sich mit fremden Federn schmückten, um eindrucksvoller zu wirken. Andererseits, so wie die kleine Schonerbrigg kämpfte … Gabriel knirschte mit den Zähnen, als das hässliche Gesicht des feigen Captains zum wiederholten Male auftauchte. Nein, die Beschreibung passte vollends. Ein Blick, der sich ins Mark bohrte, dunkle Haut und wallendes schwarzes Haar, das die Sonne auffing und ihn zu blenden schien. »Sir«, brachte er hervor und wandte sich seinem zerknautschten Leftenant zu, »Callahan.«
»Ihr habt ihn erkannt?« Der Leftenant war älter als Gabriel. Dem ersten Urteil zufolge ein stattlicher, doch üblicher Seemann in diesem Rang. Erst wenn man näher kam, sah man die Augen, die einen bis tief in die Seele ergründen konnten.
»Der Verfluchte?«
»Jawohl, Sir.«
Der Leftenant rieb sich den Nacken. Seine Augen zuckten hin und her, als er fieberhaft nachdachte. Erst waren sie mit einem Spanier in den Kampf geraten, der die Fracht den Engländern unter der Nase wegklauen wollte und eines ihrer Schiffe versenkte. Dann hatten sie an einer Insel anlegen und einen Sturm abwarten müssen und nun das. Als würde das Schicksal mit allen Maßen verhindern wollen, dass sie je wieder das Land Ihrer Majestät betreten konnten.
Ein schwacher Trost war es gewesen, dass sie in einem Hafen anlegen konnten. Sie hatten ein paar grobe Reparaturen vornehmen können und Gabriel hatte seinem Zwillingsbruder eine Nachricht zukommen lassen. Es war selbstredend nur Wunschdenken, dass Tobias sie bereits erhalten hatte und herkäme. Er klammerte sich nicht einmal an einen solchen Strohhalm. Er hatte es getan, damit sein Bruder wusste, wo Gabriel war. Ganz gleich, was geschehen würde. »Er lässt sich nach Steuerbord abfallen. Hat er etwa vor, auf unser Schiff zu kommen?«
Der Leftenant nickte verdrossen. »Piraten bekommen ihren Hals nicht voll. Sie wollen unser Schiff. Lieber versenke ich es selbst.« Das war das einzig Vernünftige. Der Leftenant fuhr fort: »Wir werden ihnen den Weg abschneiden und nochmals auf sie schießen.«
»Anluven«, schrie Gabriel auf das Hauptdeck hinab. Diesen Kampf würden sie nicht mehr gewinnen können. Aber sie würden so viele von den dreckigen Ratten mit zum Meeresgrund nehmen, wie es ihnen möglich war.
Schwerfällig riss er sich von dem einfältigen Gesicht auf dem anderen Schiff los. Von den dunklen Haaren, die merkwürdig in ihrem Zopf schimmerten. Immerhin war der Captain verletzt, wirkte wie ein Rachegeist. Und bewies damit nur, dass er zwar ein wertloser Mensch war, doch immer noch ein Mensch. Er blutete. »Scharfschützen auf die Plätze. Männer, achtet auf die Küste!«
Das Schiff drehte bei, riss sich selbst aus dem Wind. Die Segel flackerten ein letztes Mal hilflos auf, als wüssten sie, dass sie ihn nie mehr in sich spüren würden. »Bereit machen!« Die Spannung an Deck war zum Zerreißen, aber Gabriel kannte sie alle. Auf der Scales dienten nur die besten Männer. Männer, denen Ehre und Pflichtgefühl über ihr Leben gingen.
Auch auf dem anderen Schiff wurden Befehle laut, als die Scales ihnen den Kurs abschnitt, sie ebenfalls aus dem Wind riss und damit verhinderte, so schnell längs an längs zu liegen.
Gabriel war nie ein Mann vieler Worte gewesen. Und es änderte sich auch jetzt nicht, da der Tod ein weiteres Mal an seine Tür klopfte. Er besaß genügend Narben, die davon zeugten, dass ein Leben auf See nicht so entspannt wie das eines Bibliothekars war. Und genau das war der Punkt. Der Kampf lag ihm tief verwurzelt im Blut und er schützte in seiner Heimat jene, die nicht kämpfen konnten, sodass die Ordnung dort aufrechterhalten blieb.
Piraten dagegen labten sich nur an den Mühen anderer, brachten Tod und Verzweiflung. Sie hatten keinen Respekt verdient. Oder Gnade. Vor allem nicht ein solcher Schandfleck wie Callahan.
Gabriel verfluchte sich für sein plötzliches Unvermögen, das Richtige zu tun, verdrängte allerdings schnell jeden Gedanken. Er konzentrierte sich. Zählte innerlich sich wiederholend von Zehn hinunter zur Eins.
Als der Winkel dieses Mal der Passende war, zögerte er keinesfalls. »Feuer! «, schrie er, sodass auch der letzte Mann es hören mochte.
Ein ohrenbetäubender Lärm und die vom Schießpulver geraubte Sicht verkündeten die zeitgleiche Gegenwehr der Piraten. Der Ruck, der das Schiff zum Wackeln brachte, riss Gabriel beinahe von den Füßen. Nur in letzter Sekunde klammerte er sich an das Schanzkleid neben sich und bedeckte seine Augen mit dem Arm.
So schnell, wie der Angriff passiert war, so schnell war es wieder vorbei. Die Piraten hatten eingesteckt.
Sie jedoch noch mehr. Gabriel knirschte mit den Zähnen. Schreie und Stöhnen waren zu vernehmen. Die Männer auf dem Schiff waren schlagartig reduziert worden. Viele tot oder verletzt. Wer noch eine Waffe halten konnte, machte sich bereit. Manch einer klammerte sich an seine, obwohl er nicht einmal mehr stehen konnte.
»Zum Schanzkleid, Männer! Scharfschützen, bleibt auf euren Plätzen! Schießt auf Sicht.« Die Scharfschützen über ihm hatten ein wesentlich besseres Sichtfeld als er und so war es Gabriel unmöglich, aus seiner Position heraus zu entscheiden, wann ein Pirat ihnen vor die Flinte lief. Auch wenn die andere Seite mit den Gewehren gerechnet zu haben schien, denn sie verkroch sich wie die Hasen. Nur hin und wieder erklang ein Schuss.
Gabriel nahm sich selbst eine frisch geladene Waffe. Wenn die Piraten entern wollten, mussten diese irgendwann unweigerlich aus ihrer Deckung treten.
Er atmete tief durch. Seine Hände zitterten nicht, sein Kopf war ruhig. Und dennoch fühlte er sich danach entspannter. Mochte sein, dass er starb, doch er tat es in Ausübung seiner Pflichten. Und einen Rosswell-Bruder würde es nach wie vor geben.
Gabriel legte an. Als ein Pirat über das Deck huschte und sich zu weit zeigte, schoss der Erste Offizier der Scales ihm ein weiteres Loch in den Kopf. Der Mann strauchelte durch die Wucht des Treffers und landete Gesicht voran auf den Planken seines Schiffes.
Gabriel wechselte die Waffe aus. Es würde nicht mehr lange dauern und das feindliche Schiff wäre nahe genug herangekommen, um die Enterhaken zu werfen. Er verachtete diese Momente, in denen es in seinem Blut zu kochen begann. Wenn alles nur darauf ausgelegt war, zu kämpfen. Ja, der Kampf lag in seinem Blut. Und doch verachtete er es. Er schluckte.
Zum ersten Mal fühlte er sich unruhig. Es war keine Angst, die ihn beschlich. Es war etwas anderes. Etwas, das er nicht erklären konnte. Es fühlte sich merkwürdig an.
Der erste Enterhaken landete an ihrer Reling und das Metallstück biss sich am Holz fest. Das Gefühl in ihm schien zu bersten und verging.
Er musste den Männern nicht sagen, wie sie zu reagieren hatten. Sie warteten, schossen und zerstückelten die Seile mithilfe der Äxte, die alle am Gürtel trugen. Es war ein eingespieltes Erlebnis, an dem Gabriel sich beteiligte. Und das sie hätten gewinnen können, wären durch alle Katastrophen nicht so viele ihrer Männer verschieden.
Die Piraten setzten wie eine Rattenplage über und kurzerhand konnte Gabriel die leere Schusswaffe nur zur Seite werfen. Die kleine Axt schob er sich unsauber in den Gürtel und zog sein Schwert hervor, um den ersten Piraten abzuwehren.
Der Feind ergoss sich über die Scales wie ein umgeworfener Krug Wasser. Und er brachte Chaos, Lärm, Kampf und Tod mit sich.
Schon bald kämpfte Gabriel eher darum, die Übersicht zu behalten, als Gegner niederzustrecken. Der ein oder andere Pirat starb durch seine Klinge und doch schienen unendlich mehr zu kommen. Der Strom ließ nicht nach. Nur den feigen Captain konnte er nicht ausmachen. Aber wozu sollte dieser sich die Hände schmutzig machen? Es war allen bewusst, dass die Royal Navy verlieren würde.
Neben ihm fiel der Leftenant zu Boden. Seine Uniform sog gierig das Blut auf, das aus der Brustverletzung strömte. Und Gabriel war einen Augenblick zu lang abgelenkt, denn seinen ehemaligen Mentor am Boden zu sehen, riss ihn aus der Konzentration. Nur kurz. Nur sehr kurz.
Doch es reichte. Der Schuss selbst war unter all dem Lärm nicht einmal besonders herauszuhören. Gabriel bemerkte es erst, als die Wucht ihn nach hinten taumeln ließ. Die Pein, als er sich in all der Hektik auf die Zunge biss, machte ihn kurzzeitig blind vor Tränen, während er von der Brustwunde nur das heiße Blut bemerkte, das an seinem Hemd klebte.
Geschockt wandte er den verschwommenen Blick hinab.
Sein Gegner nutzte diese Gelegenheit geschickt aus und Gabriel konnte den Angriff nur halbwegs abfangen.
Tobias wäre bestürzt über sein heutiges Verhalten. Gabriel wollte das Husten noch unterdrücken, doch als aus der Wunde an seiner Zunge immer mehr Blut floss und sich in seinem Mund sammelte, ihm gar das Atmen erschwerte, konnte er nicht mehr an sich halten.
Zu sterben, war die eine Sache, dachte er bei sich, als er seine Waffe hob. Sie schien Tonnen zu wiegen. Zu sterben, das war sein Schicksal. Hier und jetzt, auf dem Schiff, auf dem er gedient hatte. Das Schatzschiff war verloren. Sie hatten die Begleitschiffe eliminieren wollen, ehe sie das Schatzschiff gerettet hätten. Darum hatten sie sich auf Callahan konzentriert. Ansonsten hätte keiner von ihnen eine Chance gehabt.
Nun waren sie niemandem eine Hilfe mehr.
Sterben … Sterben, ja. Aber nicht klein beigeben. Mit seinem Gewicht warf er sich nach vorne, tötete seinen Gegner, indem er ihm die Klinge ins Herz stieß. Unter dem Metall spürte er Rippen knacken. Brechen. Es bereitete ihm kein Vergnügen. Er wollte diese Pest vom Antlitz der Erde tilgen, doch war es nie einfach, ein Leben zu nehmen. Und es sollte einem auch niemals leicht fallen. Denn ansonsten war man keinen Deut besser als diese verräterischen Männer, denen es nur nach Blut und Vernichtung gelüstete.
Ein Körper drückte sich auf seinen, Arme umschlangen ihn, zerrten ihn nach hinten. Er wehrte sich, aber es wurden immer mehr Arme und er verlor viel Blut.
Sie nahmen ihm die Möglichkeit, ehrenvoll im Kampf zu sterben, indem sie ihn festhielten und fesselten, um ihn zu den anderen aufs Hauptdeck zu setzen. Gleich neben seinen Leftenant.
Die geringe Anzahl der übriggebliebenen Männer war erschreckend.
»Ihr seid besiegt, das Schiff ist unser.« Gabriel blickte auf, genau in die verstörend grünen Augen Callahans. Selbstredend musste er sie noch verspotten. Lief humpelnd vor ihnen, grinsend, auf und ab, blutbesudelt und doch bester Laune, eine Pistole locker in den Händen.
Sie waren so ehrlos. Sie gewährten Kämpfern kein würdevolles Ende. »Eine Fregatte habe ich mir ja schon lange gewünscht, aye Jungs?« Seine Mannschaft antwortete. Dann kniete sich Callahan vor den Leftenant der Scales, machte sich jedoch nicht einmal die Mühe, die Waffe auf den sterbenden Mann zu richten. »Captain … Wie ist Euer Name? Ich denke vielleicht an ihn, wenn ich auf Eurem hübschen Schiff in den Sonnenuntergang segle.«
»Leftenant, du ungebildeter Hund«, knurrte Gabriel.
Der spöttische Blick traf ihn und die Miene Callahans gefror. Etwas anderes zeigte sich dort. Für die Dauer eines Herzschlages, dann schüttelte der Mann den Kopf und pustete sich eine neckisch freche Strähne aus dem Gesicht. »Leftenant«, meinte er, so zuckersüß, dass es beinahe den Sarkasmus übertönte. »Wie ist Euer Name?«
»Barnton«, stieß der Leftenant aus und gönnte sich sogar ein Lächeln, als ein Raunen durch die Piraten ging und sie sich gegenseitig Blicke zuwarfen, »aber Ihr werdet mein Schiff nicht bekommen.«
»Nun, Leftenant Barnton«, dieser Tonfall war so klebrig, dass Gabriel das Gefühl überkam, sein Magen drehe sich um, »ich stehe nun auf diesem schönen Schiff und habe das Kommando oder etwa nicht?«
Der Leftenant lachte nur. »Wie konnte jemand so Naives, wie Ihr es seid, berüchtigt werden? Doch nur wieder ein falscher Callahan, wie es uns bereits öfters unterkam?«
Gabriel wusste genau, was sein Vorgesetzter versuchte. Er stimmte mit ein. »Ihr wart immerhin eindrucksvoller als die letzten drei.« Es gab keine anderen. Nicht bei Callahan. Aber das musste der Pirat nicht wissen. Flaggenklau war zurzeit ein beliebtes Spiel.
Callahan verzog die Miene und sah zu seinen Männern. Dann, ohne Vorwarnung, trat er dem Leftenant ins Gesicht, dass dieser nach hinten umfiel. Ein rascher Schuss folgte und Gabriel wusste, sein Mentor weilte nicht länger unter den Lebenden. Er sollte nicht mehr sehen, dass sein Notfallplan funktioniert hatte. Einer der Männer hatte sich bereit gehalten, sobald der Angriff begann. Und er hatte nur auf einen solchen Augenblick gewartet.
Ein Knall ertönte und ließ alle zusammenschrecken. Es war nur eine kleine Explosion, nicht mehr viel, das ein Einzelner hatte machen können, ohne bei den Pulverlagern zu verweilen. Und doch genug, damit die Scales ihren Frieden auf dem Meeresgrund fand und nicht unter der Flagge eines Piraten segeln musste.
»Ihr sprengt verdammt nochmal euer eigenes Schiff?«, entfuhr es dem Captain überrascht und barsch. »Wie verrückt seid ihr?«
»Ehre«, wisperte Gabriel. »Na los, bring uns um. Wir sterben im Wissen, das Richtige getan zu haben.« Es blieb keine Zeit mehr, Informationen vom Schiff zu holen, und das wussten auch die Piraten.
Gabriel reckte das Kinn, als die feindlichen Männer wie von selbst reagierten. Die Explosion hatte sie aufgescheucht, die Mannschaft würde fürchten, es müsste noch mehr passieren. Ein Pirat heulte hasserfüllt auf. »Ihr elenden …« Sie gingen auf die Navyleute los und der Captain hielt sie nicht auf.
Stattdessen bannte er erneut Gabriels Blick. Jetzt, da keiner sie mehr ablenkte, war es wie ein Sog, in den sie beide geraten zu sein schienen. Der eine überfordert, der andere im Angesicht des nahen Todes trotzig.
Je länger sie sich anblickten, umso mehr rückte die Außenwelt von ihnen ab. Nicht mehr existent für sie. Lärm und Bewegungen verschwammen um sie herum. Einzig Gabriels durch den Blutverlust gestörte Sicht unterbrach die Szenerie. Er schwankte. Das Blut in seinem Mund hatte aufgehört, sich zu sammeln. Die letzten Fäden flossen seine Mundwinkel hinab.
Wie aus dem Nichts legte sich ein Arm von hinten um ihn und eine kalte Klinge drückte sich an seinen Hals. »Dir gewähre ich nicht einmal mehr letzte Worte.« Der Satz klang wie ein Wispern in Gabriels Ohren. Dennoch weigerte er sich, den Kopf nach vorn fallen zu lassen.
Mit seinen letzten Gedanken verweilte er bei Tobias. Er war sich sicher, dass sein Bruder die Verletzung spürte, so wie er den Tod des Älteren wahrnehmen würde. Es war ein Gedanke, wie ein Schriftsteller ihn sich erdacht haben konnte, doch Tobias und Gabriel hatten wirklich diese besondere Verbindung von eineiigen Zwillingen. Die Verbindung, die tief in der Seele und dem Herzen wurzelte. Und als könnten sie die Gedanken des anderen hören, dachte Gabriel: Ich werde dich vermissen. Aber mach nichts Unüberlegtes …
Ein leichtes Ächzen drang über seine Lippen, als die Klinge seine Haut ritzte. Der Pirat wollte ihm langsam die Kehle aufschneiden und es förmlich genießen. Schmutzige Tiere.
Dass ihn der Tod gerade so ereilen musste …
»Lasst ihn am Leben!«, entfuhr es David, ehe er selbst darüber nachdenken konnte, was diese Worte bedeuteten. Oder weshalb es ihm auf einmal so wichtig war.
Sowohl der Erste Offizier als auch der Pirat sahen ihn an. »Captain?«
»Wir nehmen ihn mit. Er könnte uns noch nützliche Informationen verraten.« Keine besondere Vorgehensweise bei einem solchen Überfall und so verzog der Pirat zwar das Gesicht, senkte jedoch die Klinge.
Der Erste Offizier starrte David an. »Ich werde Euch gar nichts verraten «, brachte er hervor.
David glaubte ihm jedes Wort. Dieser Mann würde eher sterben, als einem Piraten die Geheimnisse zu verraten, die er vielleicht wissen mochte. Doch er hatte Davids Neugier geweckt. Er hatte etwas an sich, dass … David schüttelte den Kopf. Dafür hatte er jetzt keine Zeit. Das verdammte Schiff konnte ihnen jederzeit um die Ohren fliegen.
»Schafft ihn auf die Ocean, versorgt seine Wunde und sperrt ihn weg. Und seht zu, dass ihr selber hinüber kommt!« In die Mannschaft kam Bewegung. Der Mann, der den Offizier hatte töten wollen, zerrte ihn auf die Füße und in Richtung einer der Planken, die auf die Ocean hinüber führten. David konnte sich auf seine Crew verlassen. Niemand würde sich seinem Befehl widersetzen. Zudem hatten sie ihren Frust schon an den restlichen Engländern ausgelassen. Das Deck der Fregatte war ein Schlachtfeld, von Holzsplittern, Waffen, Leichen und Blut überströmt. Der Erste Offizier war der einzige Überlebende der Navy und zwischen ihnen erkannte David zu viele seiner eigenen Mannschaft.
Er biss die Zähne aufeinander, ballte die unverletzte Hand zur Faust. Er würde dafür sorgen, dass das Schatzschiff seiner Wege ziehen konnte, wenn sie die Beute auf die Piratenschiffe verteilt hatten. Sie sollten jedem erzählen, dass Captain Callahan hierfür verantwortlich war.
Aber zunächst mussten sie auf die Ocean zurück. Die Fregatte würde untergehen, daran konnte er nichts ändern. Als er den Kopf hob und sein Blick auf sein Schiff fiel, erstarrte er.
»Captain?«, erklang es fragend von einem Crewmitglied.
»Wir sitzen in der Falle …« Sein Augenmerk wanderte zum Bug der Fregatte. Dort breitete sich langsam Feuer aus. Es wäre nicht die letzte Explosion. Die Fregatte hatte ihnen den Fluchtweg abgeschnitten, als sie sich in den Wind drehte. Sie befanden sich zu nahe an der Insel, als dass sie um ihren Bug herum kämen, ohne aufzulaufen.
Dieser verdammte Leftenant. Er hatte das geplant und David war auf ihn hereingefallen.
Wo zum Teufel war er mit seiner Konzentration gewesen? Lag das wirklich an dem Ersten Offizier? Der Mann hatte ihn in den Bann gezogen, auf aberwitzige Weise von Anfang an, und … Nein. Das hatte nichts damit zu tun.
»Captain?«
David blinzelte. Wandte sich zu Anderson um.
»Was tun wir jetzt?«
Wieder sah David zum brennenden Bug der Fregatte. »Wir müssen von ihr weg, bevor sie uns mit sich in die Tiefe reißt oder uns in Brand steckt.« Bei Bondye, sie saßen in der Falle. »Wir müssen … Ihr geht auf die Ocean, übernehmt das Kommando! Mr. Barnton?«
Der Steuermann kam an seine Seite geeilt, als hätte er nur auf Befehle gewartet. »Aye, Sir?«
»Bringt die Ocean von hier fort. Ich werde versuchen, Euch den Weg zu ebnen und die Fregatte aus dem Wind zu bekommen. Und Ihr nehmt den Kurs um ihren Bug herum, aber achtet auf die Küste und vor allem achtet auf die Sandbänke!«
»Captain, Ihr könnt unmöglich alleine –«
»Wen sollte ich sonst dazu auffordern? Dieses Schiff wird explodieren, sobald sich der Rest des Pulvers entzündet, und der Sog, wenn es sinkt, wird jeden Mann ertrinken lassen.«
Barnton sah ihn an, einige Sekunden lang, ehe er nickte und David ihm seinen Degen und seine Schusswaffe aushändigte.
»Ihr seid verrückt«, murrte Anderson, verschwendete jedoch keine weitere Zeit darauf, zu widersprechen. Sie mussten alle drei der Tatsache ins Auge blicken, dass es keine andere Möglichkeit für sie gab.
David wandte sich von den beiden Männern ab, die sich beeilen würden, die Ocean von der Fregatte zu lösen und aus ihrer unmittelbaren Nähe zu entkommen. Er selbst eilte zum Steuerrad, packte es und sah in die Takelage hinauf. Die Segel flatterten hilflos im Wind und doch hatte er vielleicht noch eine Chance. Die Ocean war schnell und ließ sich auch in seichtem Gewässer bestens manövrieren. Vielleicht, nur vielleicht, würde der Platz reichen, den David ihr eventuell verschaffen konnte. Die Fregatte hatte einen deutlich größeren Tiefgang.
Er biss die Zähne zusammen, als er das Steuerrad mit aller Kraft herumkurbelte. Niemals konnte man eine Fregatte alleine segeln, doch wenn die noch intakten Stagsegel am Bugspriet nur ein bisschen den Wind einfingen, könnten sie das Schiff ein Stückchen herumdrücken. Das wäre alles, was die Ocean brauchte.
Eine weitere kleine Explosion erschütterte das Kriegsschiff.
David wankte, verlor dabei beinahe den festen Griff um das Steuerrad und musste abermals mit aller Kraft dagegenhalten. Musste gegen seine Furcht und die Schusswunde kämpfen, die sich durch seinen ganzen Arm zu fressen schien. Dennoch ließ er nicht los, warf nur einen bangen Blick in die Segel.
»Komm schon«, knurrte er, »lass mein Mädchen ziehen.«
Die Ocean hatte sich von der Fregatte gelöst und drehte sich in den Wind. Barnton wollte einem Zusammenstoß mit dem brennenden Bug entgehen. Die Flammen leckten über die Reling und den Fockmast der Fregatte und David fürchtete sich vor dem Moment, in dem sie die Stagsegel erreichten.
Aufs Neue schien sich die Zeit endlos auszudehnen. Jeden Augenblick erwartete er, das Feuer würde auf das Pulvermagazin übergehen und die letzte Explosion verursachen. Während die verdammte Fregatte sich weigerte, den Wind einzufangen. Er konnte nicht sagen, ob sie sich überhaupt schon von der Stelle bewegt hatte. Vermutlich würde sie vorher sinken oder in die Luft fliegen.
David schloss die Augen. Was hatten die Engländer gedacht, als sie heute dem Tod gegenüber gestanden hatten? Wissend, dass sie diesen Kampf nicht mehr gewinnen konnten. Und warum kümmerte es ihn nun? Wieso verschwendete er auch nur einen Gedanken daran? Im Grunde kannte er die Antwort. Sie saß verwundet auf seinem eigenen Schiff.
Ein Zittern schlich sich über seinen Körper. Das durfte nicht wahr sein.
Ein Rucken ging durch die Fregatte und David riss die Augen auf. In der ersten Sekunde glaubte er, es sei eine weitere Explosion gewesen, dann wurde er sich bewusst, dass die Stagsegel endlich vom Wind erfasst worden waren. Es war nicht viel, ihre Fläche war zu klein, und dennoch war es mehr, als er hatte erhoffen können. Nur ein wenig fiel die Fregatte ab und David sah zu seiner Ocean.
Es würde nicht reichen. Sie war bereits zu nahe an der Küste.
Mit zusammengebissenen Zähnen und darum bemüht, das Steuerrad nicht loszulassen, griff David nach einem Stück Holz in seiner Nähe, das stabil genug aussah. Er schob es zwischen den Speichen hindurch, verkeilte das Steuerrad an seiner Aufhängung, damit sich das Ruderblatt nicht mehr längs zur Schiffsachse ausrichten konnte. Mehr konnte er nicht tun.
Kurz blieb er an Ort und Stelle stehen und betrachtete seine improvisierte Lösung. Betete darum, dass sie hielt. Und entschloss sich, ein stärkeres Stück Holz auf der anderen Seite des Steuerrads hindurch zu schieben und es so oben zu fixieren. Er musste eine Weile suchen, humpelte und stolperte dabei über die Leichen und zwischen ihnen entlang. Er hatte es nicht gewagt, den großen Splitter, der in seinem Oberschenkel steckte, zu entfernen. Auch so machte der Blutverlust ihm allmählich zu schaffen. Mit jedem Schritt fiel es ihm schwerer, auf den Beinen zu bleiben.
Wenn das Holz zwischen den Speichen unter dem großen Druck brach, würde die Fregatte sich augenblicklich in den Wind drehen und mit dem Bug die Ocean rammen. Er wollte sich nicht vorstellen, wie sich dieser Zusammenstoß auf das empfindliche Pulver auswirken mochte.
Endlich fand er ein Teil der Reling, das er benutzen konnte. Damit eilte er zum Steuerrad zurück und nahm sich wieder die Zeit, die Konstruktion zu mustern. Sicherzugehen, dass sie hielt, war wichtiger, als rechtzeitig von diesem Schiff zu verschwinden.
Das Holz ächzte unter dem Druck, doch es schien standzuhalten.
Und schließlich wandte David sich ab.
Er war auf halbem Wege zum Schanzkleid auf der Backbordseite, als ein Krachen ertönte und die erneute Explosion den Rumpf der Fregatte erschütterte. Er strauchelte und stürzte, ignorierte den Schmerz und achtete nicht darauf, dass er sich die Handflächen am gesplitterten Holz aufriss, während er eilig versuchte, wieder auf die Füße zu kommen. Ein weiteres Beben folgte und hektisch blickte er sich zum Bug um. Die Detonation hatte ein Loch hinein gerissen und unter seinen Füßen spürte er, wie der Rumpf zum Bug hin absackte.
Mit wenigen Sätzen war er am Schanzkleid, kletterte auf die Reling und sprang ins Wasser. Angenehme Kühle umhüllte ihn, als er eintauchte, und beinahe im selben Herzschlag lief eine Druckwelle durch die See. David ignorierte den Impuls, sich umzuschauen. Das Pulvermagazin musste sich endgültig entzündet haben.
In diesem Moment dankte er seiner Mutter für das Sirenenblut in seinen Adern. Eine Explosion hätte ihn getötet, doch ertrinken konnte er nicht so schnell. Dennoch wollte er dem Sog, den das Kriegsschiff verursachte, lieber entkommen.
In ausreichender Entfernung tauchte er an die Oberfläche und schnappte nach Luft. Er konnte unter Wasser nicht atmen, nur sehr lange die Luft anhalten, doch es fühlte sich stets seltsam an. Und als wäre der menschliche Teil in ihm stärker, lechzte sein Körper danach jedes Mal nach frischer Atemluft.
Als er sich ein wenig beruhigt hatte, wandte er sich um und sah zu dem Schiff der Navy zurück. Den Bug der Fregatte hatte es zerrissen, brennende Trümmer trieben auf der See. Der Rest würde langsam zwischen den seichten Wellen untergehen.
Davids Aufmerksamkeit wanderte an ihrem Rumpf entlang, oder an dem, was davon übrig war, bis hin zur Ocean. Es war das passiert, was er vermutet hatte. Sie war auf Grund gelaufen.
Sein Inneres zog sich bei dem Anblick zusammen. Die Küste war flach und bestand an vielen Stellen aus scharfkantigen Felsen.
Er nahm das Rufen und Fluchen regen Treibens auf ihrem Deck wahr. Hass kochte in ihm hoch und ließ ihn einen knurrenden Laut ausstoßen. Diese verdammte Fregatte hatte sie nicht nur die Queen gekostet, sondern womöglich auch die Ocean. Die Schonerbrigg, die seit Jahren unter seinem Kommando stand. Mit der er sich einen Namen gemacht hatte. Nicht nur unter Piraten. Unter all den großen Nationen der Alten Welt, die sich in den karibischen Gewässern herumtrieben.
Er war froh, gerade nicht den Ersten Offizier des Navyschiffes vor der Nase zu haben. Und er wünschte sich, der Leftenant wäre noch am Leben.
Mit zusammengebissenen Zähnen schwamm er Richtung Land. Kein Mensch wäre mit den Verletzungen so weit gekommen, doch das Sirenenblut half ihm, solange er sich im Wasser befand. Wunden heilten so schneller, auch wenn das Salz zumindest bei ihm höllisch brannte.
Der Weg erschöpfte ihn, dennoch schaffte er es ins flache Gewässer.
Die Piraten hatten die Ocean inzwischen verlassen und versammelten sich am Strand. Als er sich zu ihnen kämpfte und einknickte, kam jemand auf ihn zugeeilt und zog ihn auf die Füße. Schwer atmend blickte er in Barntons Gesicht auf.
Der Steuermann musterte ihn und verzog die Lippen. »Ich konnte nichts tun.« Sein Augenmerk glitt zur Ocean.
David nickte. Straffte die Schultern und hoffte, aus eigener Kraft aufrecht stehen zu können. Barnton verstand und ließ ihn los, blieb jedoch in seiner unmittelbaren Nähe, während David seine dezimierte Crew begutachtete und dann zu seinem Schiff sah. Ihre Backbordseite sah beinahe unbeschädigt aus. Von Steuerbord … Er schluckte. Trotzdem trat er um den Bug der Schonerbrigg herum, Barnton dicht bei sich.
Auf der anderen Seite blieb er stehen. Sie sah furchtbar aus. Nicht nur hatten die Zwölfpfund-Kanonen der englischen Fregatte große Löcher in ihren Rumpf und ihr Schanzkleid gerissen, die Felsen hatten ihren Bauch an einer Stelle auch regelrecht aufgeschlitzt.
»Ich weiß nicht, wie wir sie da wieder herausbekommen sollen«, seufzte Barnton.
