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Der Autor hat von 2001 - 2008 in dem kleinen Dorf Overwarfe, südlich von Bremerhaven gelebt. Beim Blick aus dem Fenster des 1-ten Stocks erkannte er, bedingt durch seine Erfahrungen als ausgebildeter Feng-Shui-Berater und Rutengänger, einen Landschaftsdrachen, der in Form von Büschen und hohen Bäumen die Dorfstraße säumte und dessen Schwanz das Haus nach Norden hin umschloss. Irgendwann begann er mit seinem feinstofflichen Wegbegleiter Gespräche zu führen, die er anschließend aufzeichnete. So entstanden die "Gespräche mit dem Drachen", die "Neuen Gespräche mit dem Drachen" und "Die Gespräche gehen weiter ..."
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Seitenzahl: 319
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Dieses Buch ist all denjenigen gewidmet, die mehr wissen wollen.
Ganz besonderen Dank sage ich meiner Elke und Heinz Glaasker, ohne ihre wäre Hilfe dieses Buch nicht erschienen.
Hallo, Drache! 14. September 2O13
Ich grüße Dich, Drache! 15. September 2O13
Sei gegrüßt, Drache! 14. Oktober 2O13
Hallo, Drache! 16. Oktober 2O13
Sei gegrüßt, altes Schlachtenross 23. Oktober 2O13
Hallo, Drache! Irgendwann danach
Hallo, Drache! 3 O. Oktober 2O13
Sei gegrüßt, Alterchen! 2. November 2O13
Hallo, Drache! 3 Tage später
Salve, Drache! Keine Zeit
Hallo, Drache! 8. November 2O13
Ich grüße Dich, Drache. 12. November 2O13
Hallo, alter Freund! 19. November 2O13
Hallo, alter Freund! 29. November 2O13
Hallo, alter Freund! Auf anderen Ebenen gibt es kein Datum.
Hallo, Drache! 15. Dezember 2O13
Sei mir gegrüßt, Drache! 19. Dezember 2O13
Hallo, Drache! 28. Dezember 2O13
Hallo, alter Gesell! 8. Januar 2O14
Hallo, Drache! 12. Januar 2O14
Hallo, Drache! 24. Januar 2O14
Sei mir gegrüßt, Drache! 9. März 2O14
Hallo Drache! 24. April 2O14
Hallo, alter Freund! 5. Juni 2O14
Sei gegrüßt, Drache! 3. Juli 2O14
Hallo, alter Freund! 3. August 2O14
Sei gegrüßt, altes Haus! 17. August 2O14
Hallo, alter Haudegen! Husby, Dänemark, den 7. September 2O14
Hallo, „Jungbrunnen“! Irgendwann
Ich grüße Dich, Drache! 16. Oktober 2O14
Hallo, Drache! 17. Oktober 2O14
Sei mir gegrüßt, Drache! 24. November 2O14
Sei mir herzlich gegrüßt. 1. Dezember 2O14
Sei mir gegrüßt, Drache! 17. Dezember 2O14
Hallo, Drache! Das Weihnachtsfest ist vorbei.
Hallo, mein Alter! 3. Februar 2O15
Hallo, Drache! 5. März 2O15
Hallo, Drache! Tag der Sonnenfinsternis
„Frohe Ostern“ gehabt zu haben, Drache! Ein Tag danach
Ich grüße Dich, Drache! 16. April 2O15
Hallo, alter Junge! 8. Mai 2O15
Sei mir gegrüßt ,Drache! Pfingsten 2O15
Hallo, Drache! 3. Juli 2O15
Hallo, alter Freund! 8. August 2O15
Ich grüße Dich, mein Freund! 17. August 2O15
Sei mir gegrüßt, alter Freund! Wester Husby, Dänemerk
Hallo, alter Freund! Wann immer es ist, es ist! (Michael Schwädke)
Hallo, Alterchen! 1O. Januar 2O16
Sei mir gegrüßt, altes Haus! An einem Regentag
Ich grüße Dich, alter Freund! 15. September 2O16
Quellenhinweise
Ob Du es glaubst oder nicht, Drache, ich spreche wieder mit Dir. Ich sitze doch tatsächlich erneut an der Wurster Nordseeküste in dem kleinen Fischerdorf Wremen, das wieder fast vollständig zum Urlaubsziel der Berliner, Nordrheinwestfalen, Hessen und sonstigen mutiert ist. Ich blicke, auf einer Holzbank sitzend, gegen eine difuse Sonne, direkt auf den Kutterhafen. Vor mir knabbert ein Sperling an Grashalmen herum. Links neben mir schlürft ein Pärchen Cappuccino. Die gegenüberliegende Seite der Wesermündung liegt verschleiert hinter dem silbrigen Band des Flusses. Es ist sommerlich warm, trotz des nahenden Herbstes.
Über den Ort und seine Verwandlung haben wir ja bereits ausgiebig gesprochen, aber ich habe vor einigen Wochen festgestellt, dass mir das Schreiben hier leicht fällt, ja, ich geradezu dazu getrieben werde, zum Kugelschreiber zu greifen. Ich habe mich entschieden, Drache, ich werde unsere Gespräche weiter aufzeichnen. Und weißt Du warum, Drache? Meines Geistes wegen! Ich sauge weiterhin Wissen auf, und somit verändere ich mich ständig. Was auch sonst, wenn man Wissen sammelt? Da bröckelt auf dem einsamen Pfad, den der Pilger wandelt, so manches vormals Gedachtes ab, weil es unwichtig geworden ist, weil man nichts mehr damit anfangen kann, weil man Extrakte gefunden hat, so sieht es aus. Was unsere Gespräche betrifft, so dienen sie eigentlich mehr mir als Dir. Dennoch bis Du der Einzige, der mir still zuhört, wenn ich das Bedürfnis habe zu sprechen. Richtig, alter Freund, mein Geist hört ebenfalls zu, mehr noch, ich kann ihn tatsächlich für Momente erreichen, und obwohl er immer bei uns ist, der Geist, ist er doch für die Menschen noch weit, weit entfernt. Wer ihn finden will, der muss ihn suchen auf einsamen staubigen Wegen.
Jetzt habe ich Dir doch tatsächlich gerade erklärt, dass ich mit meinem Wissen immer noch nicht in der Herberge angekommen bin, wenn Du weißt, was ich damit meine. Nun hat mir Elke vor einigen Wochen ein Buch auf den Tisch gelegt mit dem Titel: „Ein Messias aus Galiläa“. Mit diesem Buch hat mich die Pseudoweisheit der Kirche wieder mit voller Wucht getroffen. Das Buch ist geschrieben worden von einem Mann namens Paul Weiland, einem Schweizer. Paul Weiland wurde streng katholisch erzogen, und er verbrachte Jahrzehnte mit dem Studium der Bibel und den jüdischen Lehren, die im Sohar, Talmud und Mischna u. a. verankert sind. Das Buch ist 1989 erschienen, und es muss jedem Katholiken und all den anderen christlichen Vereinigungen gegraust haben, so beweisträchtig legt dieser Mensch all die Phantastereien, die um den Jesus aus Nazareth gesponnen wurden, knallhart auf den Tisch. Im Einzelnen, kann ich Dir die Fülle des Inhaltes nicht erklären, denn es ist so unendlich viel darin enthalten, dass ich außerstande bin, es in Worte zu fassen. Und, Drache, was sollte es auch? Ich habe Dir vor Jahren schon erklärt, dass ich Jesus als einen wiedergeborenen Bodhisattwa sehe, einen Erleuchteten, der einmal der Buddha sein wird. Natürlich kann man sagen, dass er ein Religionsstifter gewesen ist, aber das ist nicht ganz richtig, da der eigentliche Religionsstifter Paulus war, da er die Lehre auch den sogenannten Heiden verkündigte. Für ihn war es nicht unbedingt notwendig, dass man das jüdische Gesetz der Thora vollständig zu erfüllen hatte. Dazu gehörte insbesondere die Beschneidung und die rituellen Feiern. Also missionierte er und zog kreuz und quer durch Kleinasien und Griechenland. Nun will ich mich aber momentan nicht eingehender mit der Entwicklung befassen, die der Paulus ins Rollen gebracht hat, Drache, aber ich werde Dir einmal erzählen, was der Autor des Buches über das „Damaskus-Ereignis“ zu sagen hat. Er behauptet nämlich, und beweist dies auch anhand der Briefe in der Apostelgeschichte, dass Paulus an der sogenannten Fallsucht gelitten habe. Zunächst ein grausamer Christenverfolger, der sogar für die Steinigung des Stephanus verantwortlich war, wurde er durch eine Vision, die er auf dem Weg nach Damaskus hatte, zum - man muss jetzt sagen: damaligen Christentum - bekehrt. Es erschien ihm Jesus, der ihn fragte: „Saul, (so sein vorheriger Name) warum verfolgst du mich?“ Nun komme ich zu der Erklärung, die der Autor des Buches über die Fallsucht abgibt. Er tut dies anhand von Dostojewski, der ebenfalls an der Fallsucht litt und der das Erlebnis des Fallens in seinem Roman „Der Idiot“ geschildert hat, Drache. Er schreibt: „Plötzlich, mitten in der Melancholie, der seelischen Umnebelung, der Niedergeschlagenheit, entbrennt für Augenblicke das Gehirn des Epileptikers, und in einem ungewöhnlichen Ausbruch spannen sich auf einmal alle seine Anstrengungen seiner vitalen Kräfte an. Lebensgefühl, Ichbewusstsein sind in solchen Augenblicken, die wie Blitze dahinjagen, gleichsam zehnfach verstärkt. Auf Herz und Hirn strahlt ein außergewöhnliches Licht.“ Im Augenblick vor dem Fallen habe Dostojewski eine Empfindung gehabt, als stürze der Himmel auf ihn ein und verschlinge ihn. Er habe in diesem Moment Gott in völliger Wirklichkeit empfunden und sei von ihm erfüllt gewesen. Hier hat man den Schlüssel zur Vision des Paulus zu suchen; das himmlische Licht, das plötzlich um ihn erstrahlt, das Hinfallen zur Erde und die Hingerissenheit in den dritten Himmel. Nun ist darin ja nichts Verwerfliches zu sehen, aber es wird dabei wieder der Allmächtige zum Auslöser der Bekehrung. Vielleicht sollte man besser das Karma des Paulus dafür verantwortlich machen. Bis hier hin, und nicht weiter, Saul, sonst taucht der Kopf auch noch in den Morast ein. Also, Saul, zieh Dich selbst am Schopf aus dem Sumpf und steige von unten wieder hinauf. Auf der anderen Seite hat er natürlich durch sein Wirken, das Christentum überhaupt erst in die Welt gebracht.
Was wir an dieser Stelle kurz beleuchten könnten, ist das Mysterium der Auferstehung. Daran beißt sich so mancher „Christ“ fest. Nun bitte ich Dich, Drache, worin besteht denn der Unterschied zwischen Paradies und Nirwana? Das Eintreten ins Nirwana ist doch ebenfalls als Auferstehung zu verstehen, oder nicht? Der Unterschied besteht nur darin, dass die Kirche die Lehre der leiblichen Wiedergeburt verneint. Eigentlich überhaupt nicht zu verstehen, denn die Jünger waren der Meinung, dass Johannes der Täufer der wiedererschienene Eliah gewesen sei, und das haben die Herren „Korrektoren“ auch nicht aus der Bibel herausgestrichen. Die Antwort des Jesus hätte doch lauten müssen: „Es gibt kein Wiedererscheinen!“. Das wäre dann auch wieder ein Paradoxon, denn ein Messias erscheint ja auch wieder. Wo kommt er denn zum x-ten Male her?
Ich denke, wenn die Kirche die leibliche Wiedergeburt als Folge von Karma angenommen hätte, sie nicht diese Macht entwickelt haben könnte, weil Drohungen, Verurteilungen und „Freikaufen können“, in einer solchen Lehre keinen Platz gehabt hätten. Dadurch, dass Paulus Jesus auf die geistige Ebene hob, war für Spekulationen aller Art Tür und Tor weit geöffnet, als da sind: Zu-Dichtungen, Verherrlichungen, Wunderglaube, Gefühlsduselei und Tatsachenumdeutungen, verklebt mit diesem Mischmasch entwickelte sich unsere heutige christliche Kirche.
Nun werden in diesem Buch ja nicht nur Aussagen über Paulus gemacht, sondern es werden viele, viele Information vor allen Dingen über das Judentum gegeben. Dinge, die ich bis heute nicht wusste, und die ich erst einmal sacken lassen muss. Ich wäre momentan auch gar nicht in der Lage, und sehe auch keinen Sinn darin, alles bereits Geschriebene nachzuplappern. Dennoch ist es möglich, dass ich Dich irgendwann wieder darauf ansprechen werde.
Da fällt mir doch tatsächlich in diesem Moment eine Vision ein, die ich vor einiger Zeit gehabt habe, und wenn Du willst, dann erzähle ich sie Dir jetzt. Also gut.
Ich sah ein großes Schiff im Meer treiben. Es standen Menschen an der Reling und sahen ins Wasser. Unter ihnen auch der ehemalige Bischof von Rom, Josef Ratzinger. Urplötzlich zog der Josef ein großes Netz voller Menschen aus dem Wasser, schnitt mit einem Messer das Netz entzwei, so dass alle wieder zurück ins Meer fielen, sprang dann selbst, mit einem großen Tau in der Hand, über Bord und rief den schwimmenden Menschen zu: „Haltet euch daran fest!“ Dann schwamm er mit allen Menschen im Schlepptau an Land. Das nächste Bild war ein großer Saal, der links und rechts zwei große Türen aufwies. Aus der linken Tür trat der Josef Ratzinger heraus und aus der rechten der Dalai Lama. Beide gingen auf einander zu. Der Josef nahm seine Kette mit dem Kreuz ab und legte sie dem Tenzin um den Hals. Im Gegenzug erhielt er vom Tenzin dessen gelben Seidenschal. Beide umarmten sich dann. Plötzlich gingen viele Türen auf, die zuvor nicht sichtbar waren, und heraus traten die Oberhäupter der verschiedensten Konfessionen. Alle bekannten dann einmütig ihre Verfehlungen und baten die Menschheit um Verzeihung.
Was sagst Du nun wieder zu dieser Vision, Drache? Schön wäre es, ist ja wieder genial. Ja, schön wäre es, aber momentan sieht es nicht danach aus. Nun muss ich noch etwas erwähnen, etwas, dass sich real abgespielt hat. Wenige Wochen nach meiner Vision hat der Josef Ratzinger sein Papst-Amt hingeschmissen, weil er sich nicht mehr stark genug für dieses Amt gefühlt habe. Hat das etwas mit meiner Schauung zu tun? Ich wünschte mir, der Josef schriebe ein neues Buch, in dem er die Sünden der katholischen Kirche bekennt, und träte anschließend aus ihr aus. Ich weiß, ich weiß, im Mittelalter hätten sie mich auf den Scheiterhaufen geschleppt. Was ich denn predigen würde, fragst Du? Ich würde sagen: Leute, reißt euch doch mal zusammen und überlegt, wer eigentlich euer wahrer Herr ist. Kommt ihr denn nicht darauf, dass ihr es selbst seid? Ihr sagt: Ich, aber wisst ihr denn, was euer Ich ist? Glaubt ihr wirklich, dass es nur euer Körper ist? Glaubt ihr wirklich, dass es im Kopf zu finden ist? Ihr sagt: meine Seele, und meint damit etwas, was außerhalb ist. Ihr selbst seid diese Seele, nicht euer Körper. Schenkt nicht allem Glauben, nur weil ihr es von angeblich Besserwissenden gehört habt. Denkt selbst über euch und die Welt nach und verankert das Erkannte in eurem Bewusstsein. Spürt ihr nicht, dass ihr euch eigentlich immer gefangen gefühlt habt? Wollt ihr wirklich alles das, was um euch herum geschieht? Entspricht das Bild von euch und der Welt noch euren Vorstellungen? Wenn nicht, warum tut ihr nichts dagegen?
Ach, Drache, hören wir jetzt auf damit, es war ohnehin ein sehr, sehr langes Gespräch, und wenn ich jetzt so weiter mache, dann kommt am Ende tatsächlich doch noch eine Predigt heraus. Auf bald!
Ich habe Dir in der Vergangenheit bereits Einiges über meine Großmutter mütterlicherseits berichtet, dass sie Jesus sehr verehrte, ja, dass sie ihn auf ihre Weise liebte und dass sie heilende Hände hatte. Als ich nun gestern Abend an sie dachte, weil sie heute der Tag ihres Geburtstags ist. wobei ich nicht einmal mehr weiß wie alt sie eigentlich geworden wäre, da tauchte eine Begebenheit auf, die mit diesen heilenden Händen etwas zu tun hat. Höre selbst, Drache!
In meiner Kindheit hatte ich häufig eine Angina, begleitet von sehr hohem Fieber. Ich fand mich urplötzlich in einem unserer Zimmer in der Bleßmannstrasse in Bremerhaven wieder. Dort lag ich im Bett, denn ich war wieder einmal von der Angina erwischt worden. Ich hatte 41 Grad Fieber und fantasierte bereits. Es ist mir heute noch bewusst, um was es dabei ging, Drache. Zunächst sah ich einen Sack voller Kartoffeln, dann einen schwarzen Schäferhund, und dann sah ich eine riesige schwarze Kugel auf mich zukommen. Das Zimmer war in diffuses Licht getaucht, in dem sich meine Mutter mit dem Arzt unterhielt. Beide standen genau in dem Durchbruch zum dahinter liegenden Zimmer. Der Arzt sagte zu meiner Mutter, dass er nichts mehr tun könne. Dann erschien meine Großmutter an meinem Bett. Sie streichelte mich und sagte in etwa: „Es wird schon wieder, mein kleiner Junge, der liebe Gott wird es schon machen. Schlafe jetzt ruhig ein.“ Dann schlief ich ein. Am nächsten Morgen hatte ich weder Halsschmerzen, noch hohes Fieber. Meine Temperatur betrug 36,7 Grad. Ich fühlte mich völlig gesund, und verlangte sogar danach sofort aufzustehen. Dass meine Großmutter es war, die hinter dieser Heilung gesteckt hat, ist mir erst viel später bewusst geworden. Auch noch nicht zu dem Zeitpunkt, als meine Mutter sie in einem Streit, Hexe nannte. Da war ich vielleicht 1O Jahre alt. Einige Zeit später habe ich dann begriffen, was es heißt, heilende Hände zu haben. Ich hatte mich an der Hand verbrannt. Meine Großmutter nahm meine Hand und sagte einen Spruch auf, den sie mit dreimaligem Pusten beendete, wobei sie etwas in ihren Bart murmelte. Ob Du es glaubst oder nicht, Drache, innerhalb weniger Minuten war die Hand geheilt.
Heute kenne ich diesen Spruch, denn sie hat ihn an mich weitergegeben, wobei sie sagte, dass dieser Spruch nur immer dem anderen Geschlecht übermittelt werden darf. Ich habe übrigens diesen Spruch „meiner Inge“ anvertraut, damit er „weiterleben“ kann.
Jetzt fragst Du mich, was denn in der Menschenwelt geschieht, Drache? Die Frage ist leicht zu beantworten, es geht stetig voran. Allerdings fährt der Zug, mit erhöhtem Tempo, steil nach unten, geradeso, wie in meinem Traum. Erinnerst Du Dich? Erinnerst Du Dich auch an die Katastrophe von Fukushima? Dieses Fukushima sorgt momentan, nach fast 2 Jahren, wieder für Aufsehen. Es gibt jetzt bereits Lecks in den Tanks, in denen das hochradioaktive Wasser gelagert wird, das nach dem Supergau ausgelaufen war. Man hat sehr hohe Radioaktivität an diesen Stellen gemessen, so hoch, dass jeder Mensch dort bereits nach einer Stunde eine tödliche Dosis abbekommt. Das finde ich großartig, hat doch die Betreiberfirma vor einiger Zeit verkündet, im Jahre 2O64 würden alle Arbeiten an den zerstörten Reaktoren abgeschlossen sein. Auch darüber habe ich Dir ja schon berichtet. 3OO.OOO Liter von dem tödlichen Gebräu sind bereits nach wenigen Tagen ausgelaufen und ins Meer geflossen. Toll, Drache, da bekommen die Fischer aber Probleme, und nicht nur die Fischer, ganz Japan wird Probleme bekommen, wenn es so weitergeht wie bisher. Räuspere Dich nicht, du hast mich gefragt und ich antworte, jedenfalls so gut ich kann, denn man sagt uns sowieso nicht die Wahrheit über das wirkliche Ausmaß dieser Katastrophe. Alle paar Monate läßt man die Bürger wissen, dass da was nicht in „Ordnung“ sei. Hier ein Bröckchen, da ein Bröckchen, und schon vergisst man den großen „Klumpen“, Drache. Ebenso geht es mit den Bürgerkriegen, die von Algerien bis nach Syrien reichen. Syrien steht momentan dabei an der Spitze der Horrormeldungen, hat man dort doch über 1.OOO unschuldige Kinder, Frauen und Männer durch den Einsatz von Giftgas getötet. Darüber regt sich natürlich die Weltöffentlichkeit auf. Da sitzt das Volk um 2O Uhr vor der Glotze und sagt: „Grausig!“, dann greift man zum nächsten Glas Rotwein und in die Chips-Tüte hinein und zappt sich durch den Abend. Hat die Weltöffentlichkeit schon vergessen, dass viele Staaten, allen voran die USA, Russland und China, mit biochemischen Kampfstoffen herum-experimentieren? Oder, dass in ihren Arsenalen die Neutronenbomben lagern? Da macht es „Bumm“, alles bleibt stehen, nur die Tiere und Menschen werden dabei ausgelöscht. Auch nicht schlecht, was?
Du siehst also, wie ich Deine Fragen nach der Menschenwelt wieder und wieder beantworten muss. Und doch, es bleibt noch etwas anderes über die Menschenwelt zu berichten, etwas, was Du ja bereits vor den Menschen gespürt haben dürftest: Der Herbst ist im Sausetempo erschienen. Die Tage sind merklich kürzer geworden, ein Umstand, der mich zu den Büchern greifen lässt, wie Du Dir ja vorstellen kannst. Nun sind es nicht nur die kürzer werdenden Tage, die zum Lesen drängen, sondern es kommt noch ein leichterer Bandscheibenvorfall hinzu, der mich aus dem Rennen genommen hat, denn ein Rennen war es wohl in meinem Fall. Kurzum, Drache, ich habe mir wieder einmal zuviel zugemutet und das mit achtundsechzig Jahren. Schadet Dir gar nichts, Schwädke, wer nicht hören will, der muss fühlen! So einfach lautet die Erklärung, alter Freund. Viele Menschen wissen, was das bedeutet, wenn man einen Hexenschuss hat, oder gar einen Bandscheibenvorfall. Vor etwa 2O Jahren habe ich einen schwerwiegenden Vorfall gehabt. Mein rechtes Bein war von oben bis unten taub, noch dazu hatte sich die gesamte Muskulatur total verhärtet. Ich muss es jetzt wirklich nicht weiter beschreiben, denn momentan würde es zu sehr auf meine Psyche drücken. Jedenfalls bin ich damals knallhart durch die Geschichte durchgegangen. Ich habe mich nicht operieren lassen, sondern habe die physiotherapeutische Behandlung vorgezogen. Nach etwa einem halben Jahr hatte ich die Sache im Griff, aber das war damals, da war ich etwa Fünfzig. Heute? Heute muss mehr als der alte Wille her. Sei´s drum, Drache, die gute Seite dabei ist, dass ich automatisch zu mir komme, rekapituliere, erkenne und lerne. Du sagst, hoffentlich? Du hast recht, die Dinge vermehren und verselbstständigen sich eben dabei sehr schnell. Dann ist man plötzlich in einem Strudel, der vollgestopft ist mit persönlichen Vorgaben, die man zu erfüllen gedenkt. Ich jedenfalls, habe mich von dem ersten Schock erholt, und aktiviere, so gut ich kann, meine Selbstheilungskräfte. Außerdem ist mir die Tatsache, dass ich es ein Leben lang immer wieder einmal mit meinem Rücken zu tun bekommen werde, bekannt. Ich werde Dir, wenn Du gestattest, einmal erklären, warum mir diese Tatsache bekannt ist. Also gut. Vor Jahren haben Elke und ich meine letzte Verwandte, die Tochter einer Cousine meiner Mutter, in Eberswalde besucht. Zusammen mit ihrem Mann sind wir nach Berlin gefahren, wo ich bis zu jenem Zeitpunkt noch nie gewesen bin. Die Route unserer Besichtigung führte u. a. die Havel entlang, an deren Ufer sich etliche Flohmarktstände aneinander reihten. Ich ging ohne Überlegung schnurstracks auf einen der Stände zu, der von einigen Personen umlagert war.
Dann sah ich, dass es sich um eine Frau handelte, die aus den Händen lesen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich schwören können, dass ich mich auf so etwas nie einlassen würde. Aber es kam anders. Ich wurde von einem inneren Drang zu dieser Wahrsagerin geführt. Ich werde Dir jetzt schildern, Drache, was von ihrem Gesagten noch haften geblieben ist, weiß aber selbst nicht, was sie eigentlich damit gemeint hat. Ich muss noch hinzufügen, dass sie eine Vielzahl von farbigen Linien und Kreisen auf meine beiden Hände zeichnete. Zum Einen sagte sie beim Blick auf meine linke Hand: „Was ist denn das? Das habe ich noch nie gesehen.“ Dabei malte sie eine liegende 8 etwas unterhalb meines linken Zeigefingers auf. Dann sagte sie, indem sie meine rechte Hand besah: „Was haben sie bloß aus ihrer linken Hand gemacht, ich wollte, ich hätte eine solche rechte Hand.“ Und dann erklärte sie mir, dass ich es immer wieder einmal mit meinem Rücken zu tun haben werde. Zum Schluss bat sie mich, meine Hände fotografieren zu dürfen. So, nun weißt auch Du, warum ich wiederum weiß, dass ich es immer wieder einmal mit meinem Rücken zu tun haben werde.
Elke hat anschließen ebenfalls meine bunt bemalten Hände fotografiert. Das Bild liegt irgendwo bei meinen Unterlagen, und ich denke tatsächlich gerade in diesem Augenblick, da ich Dir die „Berliner Geschichte“ erzähle, daran. Beenden wir fürs Erste unser Gespräch. Auf bald, Drache.
Der Herbst hat das Land mit seiner Farbenpracht überzogen, und obwohl ich Dich mit meinen Augen jetzt nicht wirklich sehen kann, stehst Du jetzt in Deinem Herbstgewand vor mir. Meine unfreiwillige Ruhestellung hat zur Folge, dass ich mich abrupt Dingen widmen muss, die ich mir eigentlich für die Winterzeit aufgespart habe. Eigenartigerweise hat sich, nach einigem Nachdenken, das Wort „aufräumen“ in meinem Kopf festgesetzt. „Aufräumen“ ist ohnehin, vor allen Dingen bei den Frauen, so scheint mir, ein Schlagwort, das gleichsam Mülleimer, Papierkorb, Staubsauger, Feudel und Wischtücher vereinigt. Hinzu kommt noch eine optische Veränderung des Wohnbereichs. Man sieht plötzlich ein Bild an falscher Stelle hängen, ein „Zuviel“ auf der Fensterbank, Pflanzen, die unbedingt umgetopft werden müssen. Zudem stellt man fest, dass man sich die Couchgarnitur, auf der man nunmehr bereits zwölf Jahre lang herumsitzt, übergesehen hat. Außerdem wäre eigentlich ein neuer Wandanstrich hier und da auch fällig. Als kleine Beigabe warten dann noch Dutzende von Fotografien darauf, endlich in einem Album ihren Platz zu erhalten. Dann geschieht das, was immer geschieht, wenn die Liste immer länger wird, man kann sich nicht entscheiden, wo man beginnen soll. Da kann es tatsächlich sein, dass man gar nichts mehr von alledem macht, was man sich vorgenommen hat, sondern man setzt sich ins Auto und fährt konsumieren. Wenn es auch nur eine Kleinigkeit ist, die man anschließend mit nach Hause nimmt, immerhin hat man etwas getan und den Tag nicht „verschwendet“. Alles andere verschiebt man auf den nächsten Tag. Nein, Drache, gar so schlimm ist es bei mir nicht, aber ich gestehe, dass sich derartige Situationen auch bei mir schon eingeschlichen haben. Das liegt natürlich daran, dass man zu hohes Tempo gehen muss, weil immer neue Anforderungen an uns Menschen gestellt werden. In diesem Zusammenhang habe ich etwas für Dich, alter Junge, und wenn Du willst, lese ich es Dir einmal vor. Es handelt vom 9O°- Winkel – aber höre selbst:
Der 9O°- Winkel
Wenn man im Urlaub angekommen ist, so wie wir in diesem Jahr an Dänemarks Nordseeküste, wenn man ausgepackt hat, sich orientiert hat, wo man denn nun eigentlich wirklich ist, wenn man das alles hinter sich gebracht hat, taucht plötzlich im Gehirn ein großes Fragezeichen auf – in Worten ausgedrückt heißt es „Was nun?“ Vor allen Dingen dann, wenn die Sonne nicht scheint, oder es gar regnet. Gerade so, als wäre man gar nicht im Urlaub, als müsste man morgens zum Briefkasten, zum Supermarkt, zur Arbeit, zur Bank oder sonst wo hin. Hier nun angekommen, weiß ich ganz genau, dass mein „Robby“ mich nicht zufrieden lassen wird. „Robby“, das ist nämlich mein persönlicher Freund im Kopf. „Robby“ wird schnell unruhig, vor allen Dingen dann, wenn er zur Untätigkeit verdammt ist, und im Urlaub hat er sehr, sehr wenig zu tun, so dass er einem mit seinem sich ständig Wiederholenden „Was nun?“ auf den Geist geht. Den kennt er natürlich nicht, sonst würde er sich nicht so in den Vordergrund drängeln.
„Ha, Robby“, sage ich zu mir, „das wollen wir doch mal sehen. Ich werde mich jetzt einfach hier hinsetzen und vor mich hin sehen, wobei ich versuchen werde, alles Wahrgenommene aus einem 9O°-Blickwinkel zu betrachten. Mehr geht auch nicht, denn mehr lassen beide Augen nicht zu. Also setze ich mich hin und beginne. Kaum, dass drei Minuten vergangen sind, schweifen meine Gedanken ab, weil „Robby“ zu quengeln beginnt. Aber irgendwann habe ich es dann endlich so weit geschafft, dass ich den 9O°- Winkel wenigstens für ein Weilchen aufrecht halten kann.
Ich sehe zu meiner Linken einen ca. 12O cm hohen blauen, senkrecht verlatteten Holzzaun, der an einer Pforte übergeht in einen ebenso blauen Schuppen mit weißer Tür und einem eben solchen First. Rechts des Schuppens blühen rote Geranien in zwei Terrakottatöpfen, und dahinter ragt eine hölzerne Sitzbank ins Bild. Weiter zur Rechten läuft der Zaun an der Grundstücksgrenze entlang, darüber wiegen sich die Gräser auf der angrenzenden Dünenkante im Wind. Als ich gerade tiefer in meinen 9O°-Winkel eingetaucht bin, geht plötzlich die Tür auf, und Elke tritt heraus, sieht sofort in den Himmel, ob sich nicht wider Erwarten heute doch noch die Sonne zeigt, wendet sich dann zu mir und sagt: „Was machst Du denn jetzt hier?“ Aber, eigentlich war es gar kein „Sagen“, es war mehr ein Schallen, das meine Ohren erreicht. Ja, denke ich, was mache ich eigentlich hier? Was zur Folge hat, dass ich augenblicklich tief im Sinn des Lebens stecke, wissend, dass ich ihn in diesem Moment nicht finden würde. Da Elke nicht sofort ihre gewünschte Antwort erhielt, setzt sie noch ein provokatives „Hä?“ hinten an.
Meinem Sinnen entsprechend sage ich: „Nichts. Ich mache nichts.“ „Wie nichts?“ „Eben nichts, ich versuche lediglich einen Blickwinkel von 9O Grad aufrecht zu erhalten, mehr nicht.“ „Den 9O°- Winkel? Was ist denn das?“ „Na, eben vom linken Augenwinkel über die Mitte bis um rechten Augenwinkel gleichzeitig sehen.“ „Ach, aber da sind doch nur der Zaun und der Schuppen, dahinten die Bäume und die paar Häuser.
Mach´ doch mal was anderes. Geh´ in die Dünen fotografieren oder bring die Mülltüte in den Mülleimer.“ „Ich habe aber eben wesentlich mehr Dinge gesehen!“ „Ach ja, was denn?“ „Die Wolken ziehen sehr langsam, und auch die dänische Fahne da hinten hängt schlaff herunter, zwei Girlitze haben gerade den Weg überflogen, die Lampe am Schuppen, den Sonnenschirmständer nebst Sonnenschirm, der links an den Zaun gelehnt ist, das Astloch in der Pforte und den weißen Klecks am Schuppen, ferner kreuzten 4 Ameisen die Terrasse, wobei eine von ihnen direkt auf den Breitwegerich zulief, der sich zwischen den Terrassenplatten herausquält, den Eulensticker, der rechts in dem Terrakottatopf steckt, die Autos und Radfahrer, die hinten die Strasse entlang fuhren, ebenso wie etwa 5O Jugendliche, deren Köpfe ich im Hintergrund von rechts nach links wandern sah.“ „Na und?“ „Wie, na und?“ „Und was hast du nun davon?“ „Ob ich was davon habe? Was sollte ich davon haben – eben nichts!“ „So ein Quatsch! Mit nichts kann man doch auch nichts anfangen.“ „Eben, deswegen mache ich es ja auch, des Nichts wegen.“ „ Ich habe noch nie davon gehört, dass einer mit einem 9O°-Winkel etwas anfangen kann, niemals!“ „Erstens gibt es auch nicht viele, die damit etwas anfangen können, und zweitens hast du ja auch nie jemanden danach gefragt.“ „Ich werde mich hüten, die denken ja, ich sei nicht ganz richtig im Kopf.“ „Diejenigen, die das denken, brauchst du ja auch gar nicht zu fragen, die haben es ja selbst auch niemals versucht,“ „Was versucht?“ „Mein Gott, den 9O°- Winkel aufrecht zu erhalten, davon rede ich doch jetzt die ganze Zeit!“ „Du kannst jetzt auch Fischfrikadellen holen, der Kartoffelsalat ist gleich fertig.“
Ich hätte das Gespräch durchaus noch in die Länge ziehen können, aber ich hatte zwangsläufig den 9O°-Winkel ohnehin bereits auf höchstens 45 Grad reduziert. Außerdem war mein „Robby“ bei den Worten „Fischfrikadellen“ und „Elke´s Kartoffelsalat“ derart ins Schleudern geraten, dass ich vorerst absolut keine Chance mehr auf den 9O°- Winkel hatte.
Es freut mich, Drache, dass es Dich erheitert hat. Ich habe den „9O°-Winkel“ am zweiten Urlaubstag nach unserer Ankunft in Dänemark geschrieben. So ungefähr hat es sich tatsächlich zugetragen. Du sagst, der eine so, der andere so? Richtig, Drache, in keinem Kopf auf der Welt geht Gleiches vor.
Bis zum nächsten Mal.
Meine unfreiwillige Ruhestellung hat nun ebenfalls zur Folge, dass mein Schädel nach mehr über Sinn und Zweck des Erdenlebens verlangt. So hat es mich auf meinem „Kreisbogen“, wie aus heiterem Himmel, wieder einmal zu den alten Ägyptern geführt. Genauer gesagt zu einigen Autoren, die abseits der herkömmlichen Ägyptologie einzuordnen sind, versuchen sie doch dem Lesern nahe zu bringen, dass die Ägypter ihr Land als Blaupause des Himmels ansahen, da vieles aus den bisher entschlüsselten Hieroglyphen darauf hindeutet. Ebenso auch die Ausrichtung der Pyramiden nach den Himmelsrichtungen, oder die Tempelanlagen, die in Richtung bestimmter Sterne wiesen, und die in der Zeit des Pyramidenbaus oder des Tempelbaus scheinbar eine, wenn nicht die größte, Bedeutung gehabt haben. Nun wäre es ja nur ein Nachplappern von mir, würde ich Dir jetzt all das erklären, was bis zum heutigen Zeitpunkt darüber in meinem Kopf steckt, aber ein paar Dinge sollte ich Dir vielleicht anmerken, Drache, wenn auch zu vermuten ist, dass Du wahrscheinlich kundiger bist, als ich es bin. Dennoch führe ich einmal einige Beispiele für das eben Gesagte an. Durch die große Pyramide, die der Pharao Cheops, auch Chufu genannt, gebaut haben soll, führen vier ca. 2Ox2O cm große Schächte in einem bestimmten Winkel in Richtung des Himmels. Nun hat man herausgefunden, dass der Schacht in der Königinnenkammer zur damaligen Zeit genau auf den Stern Sirius ausgerichtet war, den die alten Ägypter mit der Göttin „Isis“ verbanden. Der Schacht in der Königskammer hingegen zeigt unzweifelhaft auf die Gürtelsterne im Sternbild „Orion“. „Orion“ wurde mit „Osiris“, dem Gott der Unterwelt, gleichgesetzt, und es war der Ort am Himmel, zu dem der Pharao nach seinem Tod reiste, um dort wieder aufzuerstehen. Es gibt des weiteren zwei nördlich ausgerichtete Schächte, einer davon ausgerichtet auf den Stern Kochab im Sternbild des Kleinen Bären, der andere, und nun staune, Drache, ist ausgerichtet auf Alpha Draconis im – Sternbild des Drachen! Aber wem erzähle ich das eigentlich?
Vielleicht sollte ich Dir jetzt einmal etwas über den Sirius erzählen. Der Sirius ist von uns etwa 8,6 Lichtjahre entfernt. Sein Licht, das mit ca. 3OO.OOO km/Sek. den Raum durcheilt, braucht also 8,6 Jahre, bis es hier bei uns auf der Erde angekommen ist. Ganz richtig, Drache, vielleicht hat sich der Sirius bereits innerhalb der vergangenen Jahre erheblich verändert, wer weiß es? Jedenfalls ist der Sirius annähernd zweimal so schwer wie die Sonne, und sein Durchmesser ist um das 1,7-fache größer. Sirius´ Leuchtkraft ist 25mal so hoch wie die unserer Sonne. Damit ist er der hellste Fixstern, der an unserem Nachthimmel zu sehen ist. Ein anderer Name für ihn ist „Hundsstern“, weil er zum Sternbild „Großer Hund“ gehört, der dem Jäger „Orion“ nachfolgt. Unabhängig von der Göttin Isis, mit der er gleichgesetzt wurde, kündigte sein sogenannter heliaktischer Aufgang die kommende Nilflut an, die den Ägyptern ihre enormen Ernteerträge brachte, und somit ihren Reichtum begründete. Du weißt nicht, was ein heliaktischer Aufgang bedeutet, alter Freund, ich sehe es Dir an der Nasenspitze an. Das bedeutet den Zeitpunkt, da der Sirius kurz vor Sonnenaufgang am Horizont sichtbar wird, dann aber von der an der selben Stelle aufgehenden Sonne überstrahlt, ja, geradezu verschluckt wird. Übrigens nähert sich das gesamte Sirius-System mit einer Geschwindigkeit von etwa 3O.OOO km/Std. unserem Sonnensystem. In 64.OOO Jahren wird Sirius die größte Annäherung erreicht haben und sichtbar heller am Himmel leuchten. So, das reicht jetzt erst mal über den Sirius. Aber weiter!
Einige Autoren, allen voran Robert Bauval, versuchen zu beweisen, dass die Stellung der drei Gürtelsterne des Orion, al-Nitak, al-Ninam und al-Mintaka, am Himmel in der selben Formation wie die drei Pyramiden auf dem Plateau von Gizeh stehen. Es sind dies die Pyramiden, die Cheops (Chufu), sein Sohn Chefren (Chefre) und der Pharao Mykerinos (Menkaure) erbaut haben sollen, was nicht nur ich bezweifle. Bauval erklärt ebenfalls, da sich die Position der Milchstraße aufgrund der Pendelbewegung der Erde innerhalb eines Zyklus von etwa 26.OOO Jahren ständig verändert, sie zu einem bestimmten Zeitpunkt etwa mit dem Verlauf des Nils übereinstimmte. Die alten Ägypter sahen also, von einer bestimmten Position aus, wie Nil und Milchstraße am Horizont geradezu verschmolzen, und sie sahen auch, dass die drei Pyramiden ihr Abbild oben am Himmel hatten, Drache. Allerdings, und jetzt kommt das Merkwürdige daran, fand diese Übereinstimmung etwa 1O.5OO v. Chr. statt. Also in einer Zeit, die von den orthodoxen Ägyptologen beiseite getan wird, weil sie überzeugt davon sind, dass der Beginn der ägyptischen Kultur bestenfalls 3.2OO v. Chr. anzusetzen sei, nämlich zu der Zeit, da ein Pharao mit Namen Menes erstmalig erwähnt wird.
Die Ausrichtungen der zahlreichen Tempelanlagen nach Winter- und Sommersonnenwende oder nach den Tagundnachtgleichen, die eine große Bedeutung für den ägyptischen Kalender hatten, da sie die rituellen Feste bestimmten, tun ein Übriges, um anzunehmen, dass die Ägypter eine reine Sternenreligion besaßen, die sehr viel älter ist als angenommen. In der ägyptischen Stadt Alexandria wurde in den ersten Jahrhunderten n. Chr. eine Sammlung von Schriften in griechischer Sprache zusammengestellt, die sich auf den Dualismus von Himmel und Erde beziehen, und die sich mit der Frage der Auferstehung und der Wiedergeburt der Seele befassen. Diese sogenannten hermetischen Schriften galten als das Werk des ägyptischen ibisköpfigen Thot, des Gottes der Schreibkunst und der Wissenschaft, der bei den Griechen Hermes Trismegistos hieß, der zu seinem Schüler Asklepios sagt: „Wusstest Du denn nicht, Asklepios, dass Ägypten dem Himmel nachgebildet ist? Oder, um es genauer zu sagen, dass in Ägypten alles Tun und Treiben, von den Mächten, die im Himmel herrschen und walten, auf die Erde hinunter übertragen wurde?“ Aber, Drache, die orthodoxen Ägyptologen sehen stur daran vorbei.
Die alten Ägypter wussten auch sehr wohl, Drache, dass die Erde keine Scheibe ist, und dass sie nicht der Mittelpunkt unseres Sonnensystems ist, geschweige denn der Mittelpunkt des Kosmos, wie es die Kirche den Menschen weismachen wollte. Sie wussten ebenfalls, dass wir Menschen nicht alleine unter Billionen von Sternen sind, und dass ein jeder Mensch nach seinem physischen Tod dorthin reisen würde, um erneuert und wiedergeboren zu werden. Nun frage ich mich doch, was denn der Mose, der ja im Haus des Pharao heranwuchs und dort bis zu seinem 4O. Lebensjahr blieb, bevor die Geschichte mit dem von ihm erschlagenen Ägypter passierte, eigentlich dort gemacht und gelernt hat? Hat er seine Augen verschlossen, wenn man die Sterne beobachtet hat? Nie und nimmer! War er nicht zwangsläufig als Adoptivsohn des Pharao in die ägyptischen Mysterien eingeweiht worden? Und, wenn dem so war, hat er anschließend die Orientierung nach den Sternen total verworfen? Viel Spaß, Mose, bei deiner 4Ojährigen Wanderung durch die Wüste (was natürlich unsinnig ist, denn Mose ist niemals mit dem ganzen Volk durch die Wüste geirrt). Aus der Bibel erfahren wir, dass es ausschließlich „der Herr“ war, der ihm sagte, wohin er wann zu ziehen hatte. Muss ja auch, Drache, denn wenn es die Sterne waren, die ihm Zeit und Weg gewiesen haben, dann könnte man den Gott nicht mehr in den Vordergrund stellen, dann könnte ja jeder Mensch das Gleiche tun. So etwas durfte in der Bibel natürlich überhaupt nicht auftauchen, weil man ansonsten niemals ein geozentrisches System, das die Erde als Scheibe zum Mittelpunkt des gesamten Weltalls erklärt, hätte verbreiten können. Wer sich dem widersetzte, wurde verbrannt, geköpft, gevierteilt, geteert und gefedert oder auf andere grausame Weise umgebracht. Sonne, Planeten und alle Sterne am Himmel hatten sich gefälligst um die Erde zu drehen, basta aus. Dabei hatte der Grieche Erastothenes (284-2O2 v. Chr.) bereits den Erdumfang errechnet. Er kam auf 4O.OOO km. Er wusste, dass die Sonne zur Mitsommerzeit in Assuan keinen Schatten warf, in Alexandria dagegen einen Schattenwinkel von 7,1 Grad aufwies. Das ist ein Fünfzigstel eines Kreises, und da die Entfernung von Assuan bis Alexandria bekannt war, nämlich 8OO km, musste der Erdumfang das Fünfzigfache dieser Strecke betragen, also 4O.OOO km. Nun, Drache, wie kommt man auf eine derartige Berechnung, wenn man davon ausgeht, dass die Erde eine Schreibe ist? Es war der Alexandriner Ptolemäus, der etwa 1OO n. Chr. eine Weltkarte gezeichnet hatte, welche die Erde als eine Scheibe darstellt. Diese Aussage war eigentlich bereits 3OO Jahre zuvor durch Erastothenes widerlegt, aber der Kirche war die Scheibe wesentlich lieber, konnte man doch dadurch auf einfache Art und Weise Angst schüren. Dahinten ist das Ende der Welt, und wenn man sich auf den Weg dorthin macht, fällt man irgendwann ins Bodenlose und wird gar gekocht. Oh, Kirche, was hast du damit alles angerichtet, nur um der Macht Willen. Verworfen haben all die Kirchenväter das, was bereits lange vor ihnen die Chaldäer, Ägypter und Griechen wussten, dass die Erde und alle anderen Gestirne eine kugelförmige Gestalt haben. Und sie wussten eben auch, dass die Erde eine Pendelbewegung vollführt, die etwa 26.OOO Jahre lang dauert, bevor sie wieder ihren Ausgangspunkt erreicht. Der Fachausdruck dafür heißt Präzession, Drache, das bedeutet, dass, wenn man nachts zu einem bestimmten Zeitpunkt den Sternenhimmel betrachtet, man in der nächsten Nacht zur selben Zeit feststellen könnte, dass sich die Position der Sterne um eine Winzigkeit verschoben hat. Mit den Augen ist das allerdings innerhalb von 24 Stunden nicht auszumachen, dafür muss man wahrscheinlich schon einige hundert Jahre beobachtet haben, aber mit den heutigen Rechnern gesteuerten Teleskopen ist das kein Problem.
Nun haben wir gerade von dem Sternbild des Orion, dem Jäger am Himmel, und über den Sirius im Sternbild des Großen Hundes gesprochen, die Du natürlich beide kennst, tauchen sie doch als Wintersternbilder am nächtlichen Himmel vor Deiner Nase auf, und dazu werde ich Dir jetzt eine merkwürdige Geschichte erzählen, die unmittelbar damit zusammenhängt.
