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Die Corona-Krise war das einschneidendste gesellschaftliche Ereignis der Zweiten Republik. Nie zuvor wurden in Österreich Grund- und Freiheitsrechte derart massiv eingeschränkt und so viele verfassungswidrige Normen verabschiedet. Die evidenzresistente Krisenpolitik der Regierung verursachte enorme Kollateralschäden und hinterließ eine gespaltene Gesellschaft. Nach dem offiziellen Ende der Corona-Politik wurden zahlreiche Stimmen laut, die eine Aufarbeitung der Krise forderten – doch die Regierung versuchte, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Deshalb beschloss der "Grüne Verein für Grundrechte und Informationsfreiheit" (GGI), selbst für die Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen Sorge zu tragen. Das vorliegende Buch ist das Resultat dieser Arbeit und der zweite dazu erschienene Band.
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Seitenzahl: 258
Veröffentlichungsjahr: 2024
Grüner Verein für Grundrechte und InformationsfreiheitDie große Aufarbeitung
Gesellschaftspolitische, rechtliche und gesundheitliche Aspekte der österreichischen Corona-Politik – Band 2
Covergrafik : Eva Ruth
Lektorat : Vivianne Pärli
ISBN: 978-3-85371-926-8(ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-85371-541-3)
Der Promedia Verlag im Internet: www.mediashop.atwww.verlag-promedia.de
Das Schreckgespenst des Covid-19 Virus scheint Regierende weltweit, auch in Österreich, dazu getrieben zu haben – in unkoordinierten und weitgehend intransparenten mutmaßlichen Panikreaktionen durch die von ihnen gegen die in ihrem jeweiligen Machtbereich lebenden Menschen verhängten Zwangsmaßnahmen – schwerste Schäden an ihren Volkswirtschaften, ebenso wie an der Physis und Psyche der ihnen Machtunterworfenen, verursacht zu haben. Es besteht guter Grund zur Annahme, dass diese Zwangsmaßnahmen weit größere Schäden angerichtet haben dürften, als das Virus selbst es je vermocht hätte. Die entwickeltesten und modernsten Staaten der Welt haben in meiner Wahrnehmung mit wenigen Ausnahmen seit Beginn des Jahres 2020 auf eine verhältnismäßig harmlose Seuche kaum eine andere Reaktion als die Anwendung der Mittel der Diktatur gekannt, vermutlich auch bedingt durch sachliche Inkompetenz und die Einseitigkeit einiger weniger in der Krise von diesen Regierenden bevorzugter Wissenschaftsdisziplinen. Der österreichische Kabarettist Düringer dazu: »Dass die ganze Welt jetzt gleich deppert ist, das erschreckt mich!«
Für mich entstand der Eindruck, diese Regierenden hätten sich in einem »Match« befunden und ähnlich einer Massenpsychose einander immer weiter spiralförmig dahingehend getrieben, wer im jeweiligen Land zuerst und härtere Maßnahmen gegen die Menschen und die Wirtschaft verhängen könnte. Die Mittel der Diktatur zeigten sich aber als nur sehr kurzfristig effektiv, letztlich als unwirksam, die von den Regierenden behauptete und für mich aus demokratiepolitischer Sicht bedrohlich anmutende Behauptung der »Alternativlosigkeit« stellte sich bald als absurd dar. Dazu zerfiel ganz Europa sehr schnell wieder in seine Nationalstaaten, die nur mehr das jeweils nationale Wohl im Auge hatten und sogar teils feindselig gegeneinander agierten.
Als gefährlich erschien mir in dieser Zeit besonders der Ausfall der innerstaatlichen »checks and balances«. Die Dreiteilung der »Mächte« Exekutive – Legislative – Judikative, die einander gegenseitig kontrollieren sollten, gibt es ohnehin real nur sehr beschränkt, da die Exekutive in Österreich wie in fast allen westlichen Staaten immer über eine parlamentarische Mehrheit verfügt. In der Krise bedeutete dies aber ein weitgehend uneingeschränktes »Durchregieren« der Exekutive mit Hilfe der parlamentarischen Mehrheit. Ebenso gefährlich wirkte die meiner Wahrnehmung zufolge ausgeprägte Missachtung der Verfassung seitens Regierender, der »Hausverstand« schien mir aus ihrer Sicht an der Spitze des Stufenbaus der Rechtsordnung zu stehen.
Politisch Verantwortliche wären gerade in Krisensituationen gefordert, nicht nur Leidenschaft, sondern auch Verantwortungsgefühl und Augenmaß zu leben, um Unsicherheit und Angst zu reduzieren, Vertrauen und Zuversicht sowie einen breiten nationalen Konsens zur Krisenbewältigung zu fördern. Die Regierenden gingen aber in Österreich wie in vielen anderen Staaten einen komplett anderen Weg: gezielt Angst zu generieren, sogar über unsere Kinder, um die Regierten auf Linie zu zwingen. Maßgeblich auch dadurch bedingt, bildete sich bald eine Angstmasse der Regierten, die sich unbewusst und irrational vor ihrem Feind von außen, dem Virus, genauso wie vor ihrem Zerfallen fürchtete und leicht dazu gebracht werden konnte, Sündenböcke aller Art zu verfolgen und zu vernichten.
Dazu schienen sowohl »die Medien« als auch »die Wissenschaft« oft nur zu geneigt gewesen zu sein, als Steigbügelhalter dieser Politik fungieren zu wollen. Die Regierenden wandten dazu bewusst oder unbewusst eine Taktik der Spaltung an, regierungskritische oder ungehorsame Menschen wurden z. B. zu »Gefährdern«, »Schwurblern«, »Verschwörungstheoretikern«, »Leugnern« oder »Extremisten« erklärt, zu einer Bedrohung der breiten Masse der Gehorsamen. Die in allen Gesellschaften üblicherweise nur dünne Schicht der Kultur und Zivilisation war so bald zerbröselt und archaische Mechanismen und Dynamiken der Massen gewannen die Oberhand, wie etwa eine lange überwunden geglaubte Unkultur der Denunziation. In diesem Zusammenhang sei aus fachlicher Sicht aber auch angemerkt, dass, wer glaubt, andere Menschen nur durch Angst gefügig machen zu können, möglicherweise selbst in einem frühen Entwicklungsstadium gelernt hat, dass nicht soziale Bezug- und Rücksichtnahme und liebevolle Fürsorge, sondern nur Angst Wirkung zeigt. Wir können mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass diese Menschen auch selbst von Ängsten Getriebene sein könnten. Die Zwangsmaßnahmen der Regierung und die Ängste der davon geplagten Menschen in Österreich scheinen insgesamt den Boden für ein weiteres Phänomen bereitet zu haben: die Schaffung einer gesellschaftlichen Situation, die an ein »neues Biedermeier« (die »neue Normalität«) denken lässt, einen Kulturschock, möglicherweise die Grundlage für die Entstehung einer toxischen Gesellschaft.
Die erwähnten Zwangsmaßnahmen gegen die Menschen in Österreich griffen erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs tief in wesentliche Grundrechte der Machtunterworfenen ein, Regierende missinterpretierten ihre persönlichen Meinungen und Interpretationen als geltendes Recht und ein gnadenlos anmutendes System des Überwachens und Strafens, exekutiert durch die Polizei, wurde implementiert. Öffentlicher Protest oder Demonstrationen gegen die Zwangsmaßnahmen bzw. die Regierungspolitik wurden eingeschränkt oder sogar niedergeschlagen. Die Verfolgungshandlungen der Polizei überschritten oft deren rechtliche Befugnisse. Ihrem Treiben und den Versuchen, tief auch ins private Leben der Menschen einzugreifen, konnte nur mehr die Justiz Einhalt gebieten. Grundsätzlich zeigte das Verhalten der Polizei gegenüber den Menschen in Österreich insgesamt ein gefährliches und grundsätzliches Problem auf: in einem modernen liberalen Rechtsstaat ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Es gibt Indizien dafür, dass die österreichische Polizei im Rahmen der Überwachung der Einhaltung von Beschränkungen der Grund- und Freiheitsrechte der Menschen in Österreich dies missachtet und vielmehr vieles, das nicht ausdrücklich erlaubt war, als verboten betrachtet hat.
Soweit mir bekannt ist, war es einzigartig in der Geschichte der Zweiten Republik, dass die Regierenden versuchten, über Impf- und Testpflicht sogar die Gewalt über die Körper aller Regierten zu erringen. Regierungsmitglieder gingen so weit, hinsichtlich einer Impfpflicht nicht nur hohe Strafen und ein »Strafferziehen der Zügel« (sind die Regierten Zugtiere?) zu fordern, um Covid-Impfunwillige in die Knie zu zwingen, sondern stellten auch in den Raum, dass es nach Einführung einer Impfpflicht rechtswidrig sein könnte, in Österreich zu leben, man bei Impfverweigerung gekündigt werden könnte etc. Ungeimpfte wurden ausgegrenzt und diskriminiert, ein eigener »Lockdown für Ungeimpfte« kreiert und ein frohes Weihnachtsfest sollte nur mehr für Geimpfte und »Geschützte« gesichert sein, für Ungeimpfte würde es »ungemütlich«. Ich kann daher im Lichte des Geschriebenen letztlich jenen, die für die Zeit der Krise seit Beginn 2020 nicht nur das Erstarken autokratischer und autoritärer Tendenzen diagnostizieren, sondern in ihr auch ein Experiment für die Implementierung eines Überwachungs- und Polizeistaates sehen, nichts entgegensetzen.
Der vorliegende Sammelband zeigt ein breites Spektrum kritischer Beiträge, die das Handeln der Regierungsverantwortlichen und ihrer Helfer von Beginn der Covid-Krise bis heute vertiefend analysieren/beleuchten. Der Themenbogen spannt sich ausgehend von der Bedrohung des Rechtsstaates und unserer Grund- und Freiheitsrechte über »schwarze Propaganda«, die Herausforderung an journalistische Werte, die Bedrohung durch »Wahrheiten« und totalitären Kollektivismus, das »Gaslighting« von Kritikern, die durch Zwangsmaßnahmen verursachten Schäden, die »intellektuelle Bequemlichkeit« und den »selbstgefälligen Mangel an Einsicht« handelnder Organe, die Problematik bzw. Gefahr, die Covid-Impfungen innewohnt bzw. von ihnen ausgehen kann u. v. m., hin bis zur Gefahr der Schaffung neuer Feindbilder durch »Aufarbeitungsstrategien«.
Die Verfasserinnen und Verfasser dieser Beiträge zeigen unisono eine Haltung, die sie vollkommen über die üblicherweise gegenüber Kritikerinnen und Kritikern des »mainstreams« erhobenen oben bereits erwähnten Abwertungen erhebt:
einen tiefen Respekt vor der Verfassung als Grundlage allen staatlichen Handelns;einen ebenso tiefen Respekt vor den Menschen und der Gesellschaftsordnung dieses Landes;die ehrliche Sorge um die Gefährdung staatlicher wie gesellschaftlicher Ordnung;eine spürbare Hingewandtheit zur Biophilie, dem Lebendigen, sich weiter Entwickelnden;Sie vermeiden in ihrer kritischen Argumentation Vorurteile, Stereotype und Plattitüden, ihre Analysen vermitteln den Eindruck seriöser Recherche und der Hinwendung zu Fakten statt Meinungen. Ebenso vermeiden sie es, sich auf das Niveau derer, die sie kritisch hinterfragen, hinab zu begeben. Sie verwenden weder »argumenta ad hominem« (Angriffe auf die Person durch willkürliche Unterstellungen und Kampfbegriffe), noch »argumenta ad verecundiam« (Appelle an die Experten-Autorität), sondern bleiben bei allem Engagement »sine ira et studio« – der sachlichen Aufarbeitung ihrer Themen verpflichtet.
Diese Publikation wirft auch Fragen auf, z. B., wie sich eine zukünftige Gestaltung unserer Gesellschaft gestalten soll? Wie sehr wird ein möglicher hinkünftiger Polizeistaat verhindert, die Polizei nachhaltig wieder in ihre unbedingt notwendigen rechtsstaatlichen Schranken gewiesen oder werden gar polizeistaatliche Befugnisse ausgeweitet? Polizei- und Bürgerrechte sind kommunizierende Gefäße, ein moderner liberaler Rechtsstaat zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass seine Bürger- und Freiheitsrechte jene der Sicherheitskräfte bei weitem überragen. Haben Regierende ihre Lehren aus den vergangenen Monaten gezogen und bauen Rechts- und Sozialstaat und die Gesundheitsversorgung weiter aus, um in Zukunft besser gewappnet zu sein?
Im Science-Fiction Film »Sie leben« aus dem Jahr 1988 gelingt es einigen Menschen auf einer von als Menschen maskierten Aliens kontrollierten Erde durch eine spezielle Brille die Machenschaften der Aliens, die u. a. über unterschwellige Botschaften in öffentlichen Medien die Menschen zu willenlosen Konsumgetriebenen machen, zu durchschauen und sie selbst zu entlarven. Ich hoffe, dass diese Publikation auch als eine Art von Brille wirken wird, die unterstützend dazu beiträgt, unsere demokratische, pluralistische und liberale Rechts-, Staats- und Gesellschaftsordnung zu unterstützen und zu fördern, im Sinne von »per aspera ad astra« (Über raue Pfade gelangt man zu den Sternen).
Wien, im September 2024Harald Haas
Mitte 2022 will eine Studie erkannt haben, dass die Covid-Impfstoffe zwischen 14 und 20 Millionen Leben gerettet haben. Dabei haben die Impfstoffe in den klinischen Studien auf die Sterblichkeit insgesamt wenig bis gar nicht gewirkt. Die genannte Modellstudie trifft unhaltbare Annahmen. Die Varianten aus 2021 wären demnach erheblich tödlicher geworden; Immunität nach Infektion wurde als schwindend angenommen, nach Impfung dagegen als permanent; erhöhte Erkrankungsneigung kurz nach Impfung wurde ignoriert; Einfluss nicht-pharmakologischer Maßnahmen wurde nicht beachtet. Wir fordern die Rückkehr zu Objektivität und kritischer Berichterstattung. Unplausible Ergebnisse dürfen nicht kritiklos als Grundlage für politische Entscheidungen herangezogen werden.
Im Juni 2022 erschien eine Studie, die nach Ansicht der Impfbefürworter jede weitere Diskussion um den Nutzen der Covid-Impfstoffe beenden würde. Demnach hätte die Impfung vom 8. 12. 2020 bis zum 8. 12. 2021 zwischen 14 und 20 Millionen Leben gerettet. Diese Zahl wurde anhand eines mathematischen Modells ermittelt.1
Das Prinzip hinter dieser und ähnlichen Untersuchungen ist die Bildung der Differenz zwischen zwei Szenarien. Zunächst hat man die tatsächlichen Beobachtungen; diese verwendet man direkt oder man passt ein Modell (Funktion bzw. Kurve) an diese an. Von allfälligen Problemen mit Klassifikationen – z. B. die Frage ob an oder mit Corona verstorben – einmal abgesehen, ist das der einfache Teil. Dann hat man den counterfactual bzw. Kontrafakt, der eine Art alternative Welt darstellt. Dessen Erstellung hängt u. a. von den Annahmen ab, welche sich die Modellierer für die alternative Welt vorstellen. Wie tödlich ein Erreger angenommen wird, welche Wirkung allfällig weiteren Maßnahmen neben der fraglichen Intervention zugestanden wird, welche Sekundäreffekte der Intervention zugeschrieben werden (z. B. Reduktion der Übertragung bei Geimpften) etc. – all das beeinflusst das counterfactual und somit die Differenz zwischen beobachteten und errechneten Daten. Man merkt schon, dass es hier einigen Spielraum in der alternativen Welt gibt.
Das Team um die dänische Gesundheitswissenschaftlerin Christine Benn hat alle klinischen Studien zu Covid-Impfstoffen analysiert, zu denen es bis Jänner 2022 Daten gab. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die mRNA-basierten Impfstoffe haben insgesamt weder bezüglich Covid noch überhaupt Todesfälle signifikant reduziert. Die Vektor-Impfstoffe (z. B. gegen Ebola oder Dengue-Fieber, bei Corona von AstraZeneca oder Johnson & Johnson) haben insgesamt zwar beides signifikant reduziert, die VE (vaccine efficacy = Impfstoffwirksamkeit) ist mit etwa 60 Prozent aber auch hier nicht spektakulär.2
Dass auch die Studien zu den Vektor-Impfstoffen nicht astrein sind, lassen wir hier einmal außen vor. Unter der Annahme eines Netto-Nutzens insgesamt stellt sich die Frage, wie hoch man diesen einschätzen kann. Laut dem COVID-19 Data Explorer von Our World In Data (OWID) verstarben zwischen 5. 1. 2020 und 7. 12. 2020 weltweit 1,66 Millionen Menschen an Covid.3 Diese Einmeldungen können als Überschätzung angenommen werden, da in vielen Ländern ein positiver Test innerhalb eines Zeitraums rund um den Todeszeitpunkt schon genügt hat, um als Covid-Todesfall zu zählen. Zusätzlich kann man annehmen, dass durch steigende Immunität und verbesserte Behandlung diese Zahl in den Folgejahren eher sinken würde. Ebenso steht infrage, ob der enorme Altersgradient bei der Covid-Sterblichkeit ausreichend berücksichtigt worden ist.4
Um auf 14 oder gar 20 Millionen gerettete Leben zu kommen, hätte das Corona-Virus eine geradezu absurde Wende nehmen und praktisch über Nacht mindestens 8,5 bis 12 Mal tödlicher werden müssen. Alleine an diesem – bezüglich Klassifikation als Covid-Todesfall sehr entgegenkommenden – reality check merkt man schon, dass der im ersten Abschnitt angesprochene Spielraum für Beliebigkeit umfassend ausgenutzt wurde.
Zuletzt weisen wir noch auf den relativ kurzen Studienzeitraum von einem Jahr hin. Was bedeutet in diesem Rahmen ein gerettetes Leben? Im besten Fall kann die Studie dahingehend interpretiert werden, dass besonders alte und gebrechliche Menschen einige Wochen bis Monate mehr Lebenszeit übrig hätten. Auf Bevölkerungsebene ist dies insbesondere schwierig, da der Gewinn an Lebenszeit jenseits der durchschnittlichen Lebenserwartung kaum zu ermitteln ist. Das Medianalter für Covid-Todesfälle war bekanntlich über 82 Jahre. Ernsthafte epidemiologische Untersuchungen müssen aber auch die Anzahl gewonnener Lebensjahre für ein gerettetes Leben berücksichtigen.5
Es stellt sich unweigerlich die Frage, welche unhaltbaren Annahmen die Autoren der Lancet-Studie getroffen haben, um zu einer derart katastrophal verlaufenden Parallelwelt zu gelangen. Dieser Frage haben sich mehrere sachkundige Leute angenommen. Die wesentlichen Fehler beschreiben wir in den folgenden Absätzen.
Die Wirkung der Impfstoffe wurde weit überschätzt. Daten aus den klinischen Studien zu den Impfstoffen und nachfolgenden Beobachtungsstudien werden ohne Berücksichtigung von Verzerrungen und systematischen Fehlern übernommen; zusätzlich wurde deren Wirkung über den Studienzeitraum als unbegrenzt andauernd angenommen. Dies hat sich lange vor der Modellierung schon klar als falsch erwiesen. Die Schutzwirkung jedes Impfstoffes lässt im Zeitverlauf nach, jene gegen SARS-CoV-2 noch rascher als andere. Gleiches gilt für die Wirkung gegen das Übertragungsgeschehen; diese wurde mit 50 Prozent angenommen, dabei hat es diesen hohen Schutz vor Übertragung überhaupt nie gegeben.67
Natürliche Immunität wird dagegen als schwindend angenommen. Grundsätzlich wurde aufgrund einer falsch interpretierten Studie eine Immunflucht von 27 Prozent angegeben, d. h. durch Mutationen kann der Erreger der Immunantwort aus der Infektion mit einer vorangegangenen Variante entkommen. Im Zuge einer Sensitivitätsanalyse wurde eine Immunflucht von 0 bis 80 Prozent speziell für die Delta-Variante angenommen.8 Das sind zwei grundlegende Schwächen der Studie. Sowohl wurde das Immunflucht-Potenzial der Delta-Variante deutlich überschätzt als auch die plausiblere Immunflucht gegen die Impf-Wirkung ignoriert; sollte diese vorhanden sein, würde sie nur das Spike-Protein betreffen, welches besonders für Mutationen anfällig ist.
Die sonst in praktisch allen Studien übliche – wenn auch nicht zweckmäßige – Auslassung oder Klassifizierung als ungeimpft für Menschen, deren Impfung erst 1−3 Wochen zurückliegt, wird hier ganz ignoriert. Dabei war zum Zeitpunkt der Publikation bereits bekannt, dass die Gefahr eines Krankheitsausbruchs gerade in dieser Zeitspanne besonders hoch ist. Derartige Auswirkungen wurden ignoriert.
Die Infektionssterblichkeit der Delta-Variante wird mit einem Faktor 1 bis 1,45 höher als bei der Wuhan-Variante zu Beginn der Krise 2020 angenommen. Das ist viel zu hoch gegriffen. Im Gegenteil geht man bei der Delta-Variante von einer Verringerung der Sterblichkeit aus.
Der Einfluss nicht-pharmakologischer Maßnahmen (Lockdowns, Masken etc.) bleibt gänzlich unberücksichtigt. Deren schädliche Wirkung sowie Todesfälle und Schäden durch die Impfung selbst werden bestritten. Im Gegenteil, die ganze weltweite Übersterblichkeit wird Covid zugeschrieben. Alle diese teils absurden Annahmen zeichnen in Summe dafür verantwortlich, dass die Impfung angeblich 20 Millionen zusätzliche Tote bzw. 63 Prozent der Übersterblichkeit aus der counterfactual Welt verhindert hätte.9
Die fragliche Studie zur lebensrettenden Impfung stammt aus dem gleichen Umfeld wie jene, die mittels fragwürdiger Modellierungen bereits Anfang 2020 die Covid-Sterblichkeit dramatisch überschätzt hat. Ebenso fällt auf, dass die (ehemals) wissenschaftliche Fachzeitschrift The Lancet seit 2020 regelmäßig Artikel publiziert, die mit seriöser Wissenschaft nichts mehr zu tun haben. Der Arzt und Gesundheitsexperte David Bell zerpflückt in einem Beitrag die jüngsten Propaganda-Auswüchse dieser Zeitschrift.10
Wir fordern an dieser Stelle die Medien dazu auf, zu Objektivität und kritischer Beurteilung zurückzukehren. Derart irrwitzige Modellierungsergebnisse dürfen nicht unreflektiert übernommen werden, sondern gehören auf Plausibilität geprüft. Insbesondere die vorliegende Modellierung besteht solche Prüfungen nicht einmal oberflächlich. Qualitätsmedien dürfen nicht zum Sprachrohr zweifelhafter Wissenschaft werden, welche in erster Linie den Interessen ihrer Geldgeber den Anschein fachlicher Legitimität zu verleihen gedenkt.
1 Watson O. et al. Global impact of the first year of COVID-19 vaccination: a mathematical modelling study. The Lancet, Vol 22(9), pp 1293−1302, 2022. DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(22)00320-6
2 Benn C. et al. Randomised Clinical Trials of COVID-19 Vaccines: Do Adenovirus-Vector Vaccines Have Beneficial Non-Specific Effects? SSRN, 2022. online: https://tinyurl.com/2u7bvdnp
3 Rosner M. et al. COVID-19 Data Explorer. Our World In Data, 2023. online: https://tinyurl.com/a4cxrahf
4 Koops R. Did Covid Vaccines Save Tens of Millions of Lives? Brownstone Institute, 2022. online: https://tinyurl.com/ncpccyuh
5 Horst M. A Common Sense Look at 20 million Saved Lives. Brownstone Institute, 2022. online: https://tinyurl.com/4ftez6sb
6 Pantazatos S., Seligmann H. Commentary on “Global impact of the first year of COVID-19 vaccination: a mathematical modelling study. The Lancet Infectious Diseases. 2022, Jun 23”. ResearchGate, 2022. online: https://tinyurl.com/22npdeeh
7 Raman B. More Flaws in the Vaccine Model Claiming20 Million Lives Saved. Brownstone Institute, 2022. online: https://tinyurl.com/86z62yzj
8 Ebd.
9 Bell D. How To Model Fallacy, According to the Lancet. Brownstone Institute, 2022. online: https://tinyurl.com/mvn4zpum
10 Ebd.
Obwohl kaum noch gegen Corona geimpft wird, sind die diesbezüglichen Impfstoffe und deren Nebenwirkungen nach wie vor Thema vieler Studien und Publikationen. Immer wieder ist zu lesen, dass womöglich manche Chargen von Impfstoffen keinen Wirkstoff enthielten, also nur sog. Placebos wären. Diese Interpretation scheint wenig schlüssig, viel eher könnten unterschiedliche Wirksamkeiten die Folge von Mängeln im Produktionsprozess sein. Weiterführende Studien, um mehr Klarheit zu erlangen, sind unbedingt anzustreben.
Der Ursprung der Debatte geht auf die Publikation von Schmeling et al. vom März 2023 zurück. In dieser wurden drei Gruppen von Chargen ermittelt, wobei eine davon ein besonders hohes Aufkommen an gemeldeten Nebenwirkungen gezeigt hat (blau), während bei einer anderen so gut wie gar keine vorgekommen sind (gelb).11
Dass es sich dabei um absichtlich hergestellte Placebos handelt, wurde im Beitrag von Jessica Rose (US-Virologin und Medizindaten-Analystin mit Schwerpunkt auf der VAERS-Datenbank) überzeugend widerlegt. Das Problem scheint im Wesentlichen, dass die gelben Chargen die zuletzt produzierten und in Umlauf gebrachten sind; entsprechend wenig Zeit war jedenfalls für allfällige Einträge in das Meldesystem. Da die Chargen zum Teil auch in die USA geliefert worden sind, können Meldungen zu diesen im VAERS (Vaccine Adverse Event Reporting System = amerikanisches Meldesystem für Impfnebenwirkungen) gefunden werden. Und dabei zeigt sich, dass es zwischen den einzelnen Chargen keine nennenswerten Unterschiede gibt.12
Diese Tatsache thematisiert auch Vibeke Manniche, Zweitautorin des o. g. Papiers, im Interview mit John Campbell. Laut ihr waren keine Datumsangaben zu den Chargen verfügbar, als das Papier zur Veröffentlichung angenommen worden ist. Kurz darauf hat die zuständige dänische Behörde diese jedoch hergegeben und es hat sich tatsächlich bestätigt, dass es jüngere Chargen sind. Ebenso weist Manniche darauf hin, dass die ersten Chargen zum einen an die Älteren, zum anderen an Personal im Gesundheitswesen gegangen sind.13
An dieser Stelle relevant sind noch einige problematische Aspekte rund um die Qualitätskontrolle. Diese scheint von der EU-Kommission und manchen Behörden 2020 de facto abgeschafft worden zu sein, um Zulassungsverfahren zu beschleunigen. Dies haben wir in einer vergangenen Aussendung bereits thematisiert.14 Hier liegt vermutlich der Ursprung von den Impfstoff-Verunreinigungen durch Plasmide. Diese hat zuerst der Molekularbiologe Kevin McKernan entdeckt.15
Aus den obigen Schilderungen ergeben sich drei Interpretationsmöglichkeiten. Alle beruhen auf der überhasteten Umgestaltung des Produktionsverfahrens des BioNTech-Impfstoffes (biochemisch -> biotechnisch), um die Skalierung auf Massenproduktion zu schaffen.
Die ersten Chargen waren besonders kontaminiert mit Rückständen aus dem Produktionsverfahren, die Aufreinigung hat wohl nicht so recht funktioniert. Deswegen hat es am Anfang viele Meldungen gegeben, mit der Zeit hat sich die Produktion eingespielt, das Verfahren ist sauberer geworden.Das Verfahren ist nicht sauberer geworden, die häufigen und starken Nebenwirkungen können auf der mRNA-Technologie an sich basieren oder auf einer Kombination aus Technologie und Produktionsprozess. Die ersten Impfungen sind noch gewöhnlich abgelaufen, Meldungen von Nebenwirkungen und Schäden sind wie zuvor gemeldet und erfasst worden. Das hat eigentlich ein enorm auffälliges Sicherheitssignal ergeben. Man wollte die Impfkampagne (insbesondere nach den Verwerfungen rund um Johnson & Johnson in den USA und AstraZeneca in Europa) aber nicht weiter gefährden und hat Gaslighting und Zensur eingesetzt, um die Meldung von Nebenwirkungen und Schäden weitgehend zu unterdrücken. Demnach wären die Chargen nicht sicherer geworden, sondern die Untererfassung hätte sich verstärkt.Rund um die Verwirrungen um Herstellung, Reinigung, Lagerung und Transport ist es theoretisch denkbar, dass der Inhalt einzelner Fläschchen (oder auch ganzer Chargen) so gering und/oder zerfallen und/oder schlecht emulgiert war, dass bestimmte Dosen keine Biowirksamkeit entfalten konnten. Andere Dosen könnten dagegen weit überdosiert gewesen sein. Das ist freilich spekulativ, darf aber als Option im Hinterkopf behalten werden. Eine ähnliche Sicht hat auch Dr. Ryan Cole auf der Better Way Conference (September 2022, Vösendorf) vertreten. Eine bewusste Produktion von Placebos scheint aber sehr unwahrscheinlich.Viele Publikationen und Studien zur Herstellung und Wirksamkeit der Covid-Impfstoffe wie auch zu ihren Nebenwirkungen existieren bereits, laufend kommen neue hinzu. Immer wieder gibt es Berichte zu alarmierenden Nebenwirkungsraten bestimmter Impfstoffchargen, wie zuletzt aus Dänemark.16 Es darf jedenfalls keine Denk- und Forschungsverbote geben, Daten müssen zugänglich gemacht und abgeglichen werden dürfen. Ergebnisoffene Untersuchungen müssen erwünscht sein sowie ausreichend finanziert und veröffentlicht werden.
11 Schmeling M. et al. Batch-dependent safety of the BNT162b2 mRNA COVID-19 vaccine. Eur J Clin Invest, 2023. DOI: https://doi.org/10.1111/eci. 13998
12 Rose J. Debunking the yellow dot lot placebo theory. Substack, 2023. online: https://tinyurl.com/4vap5rxb
13 Campbell J. Viral vaccine paper, Dr Vibeke Manniche. Youtube, 2023. online: https://tinyurl.com/emxurd8y
14 Anonym. EU-Lockerung von GVO und guter Praxis – Auftakt zum Impfdesaster. Grüner Verein für Grundrechte und Informationsfreiheit, 2023. online: https://tinyurl.com/2 × 8497az
15 McKernan K. Nepetalactone Newsletter. Substack, 2023. online: https://tinyurl.com/bdkf79dk
16 Klapproth K. Impfskandal am Fließband. Achgut Media GmbH, 2023. online: https://tinyurl.com/yvpjs48z
Clemens Arvay wurde posthum für »Das Goldene Brett« (Schmähpreis der szientistischen »Wiener Skeptiker«) nominiert. Zwar wurde diese Nominierung nach Protesten zurückgezogen, aber der Verstorbene trotzdem weiter diffamiert, mit Bezug auf einen Beitrag des Propaganda-Portals Psiram. Ein Blick auf die Seite über Arvay offenbart die Arbeitsweise von Psiram. Zur Anwendung kommen Kampfbegriffe und Berufung auf fadenscheinige Experten und Journalisten. Wissenschaftliche Literatur wird nur zum Schein zitiert. Eine Durchsicht der Publikationen lässt erkennen, dass angeblich widerlegende Argumente in diesen gar nicht enthalten sind. Psiram, »Wiener Skeptiker« und »Das Goldene Brett« erweisen sich abermals als allein zur Diffamierung geschaffen – ohne seriöse wissenschaftliche Grundlage.
2023 wird wieder »Das Goldene Brett« verliehen. Der Schmähpreis stammt von den »Wiener Skeptikern«, einem voreingenommenen Klub, der sich Wissenschaftlichkeit auf die Fahnen heftet, ohne den Anspruch auf Sachlichkeit und Objektivität zu erfüllen.
Die bisherigen Nominierungen beschreiben das Niveau recht aussagekräftig.17 Fachliche Begründungen, warum jemand Nominiertes besonders unwissenschaftlich gehandelt haben soll, beginnen bei »Scheidenherpes« und kommen über Kampfbegriffe wie »Schwurbler« und »Leugner« kaum hinaus.
Auch Clemens Arvay, der im Februar dieses Jahres verstorbene Absolvent der Universität für Bodenkultur, Autor und Naturfreund, wurde posthum nominiert. Daraufhin hat sich in den Sozialen Medien Protest ob der offenkundigen Pietätlosigkeit formiert und die Nominierung wurde zurückgezogen. Nicht allerdings, ohne nochmals gegen den Verstorbenen nachzutreten und dessen treffsicheren Behauptungen, insbesondere zur Covid-Impfung einen Beitrag von Psiram entgegenzuhalten.18
Psiram (früher EsoWatch) ist nach eigener Aussage ein Portal zur kritischen Betrachtung von Themen aus der Esoterik, den Grenzwissenschaften und der alternativen Medizin. Ein Naheverhältnis zu den Skeptikern wird auf der Webseite erwähnt. Bei Analyse des zitierten Beitrags über Clemens Arvay wird allerdings schnell erkenntlich, dass es sich um ein Propaganda-Portal handelt, dessen Autorinnen und Autoren mit wissenschaftlicher Literatur und fachlichen Informationen nicht seriös umgehen.
In der Einleitung wird auffällig viel Raum aufgewandt, um zu zeigen, dass Arvay eigentlich kein Biologe sein könne, weil er dieses Fach ja nicht direkt studiert habe. Psiram schreibt: »Er war Diplomingenieur in Angewandten Pflanzenwissenschaften der Universität für Bodenkultur Wien, die seit längerem einen Eintrag im Psiram-Wiki hat.«19 und wirft damit der Universität für Bodenkultur Wien indirekt Pseudowissenschaftlichkeit vor. Der Studienplan zum Diplomstudium Angewandte Pflanzenwissenschaften liegt uns nicht vor; es darf aber davon ausgegangen werden, dass Grundwissen zu Biologie hinreichend gelehrt wurde, sodass sich Absolventinnen und Absolventen als kundig in Biologie bezeichnen dürfen.
Der Beitrag ist besonders von zwei leicht durchschaubaren Rhetorik-Methoden gekennzeichnet: »argumenta ad hominem« (Angriffe auf die Person – nicht das Argument – durch willkürliche Unterstellungen und Kampfbegriffe) und »argumenta ad verecundiam« (Appelle an die Experten-Autorität). Erstere sind grundsätzlich einfach zu identifizieren. Es handelt sich um die Unterstellungen wie »verbreitet Verschwörungstheorien«, »Corona-Skeptiker«, »Impf-Skeptiker«, »Popularität in der rechten QAnon-Szene«, u. a. Diese sollen Arvay auf abwertende Weise als jemand etikettieren, der prinzipiell gegen alles ist, was mit Corona zu tun hat und dadurch auf einfache Weise an Popularität gewinnen will. Auf die eigentlichen Aussagen von Arvay wird argumentativ nicht eingegangen.
Was die Methode »Appelle an die Experten-Autorität« betrifft, wird im Abschnitt »Fachliche Einschätzungen« zuerst die Falter-Journalistin Barbara Tóth, die weder eine naturwissenschaftliche Ausbildung noch Erfahrung im Wissenschaftsjournalismus aufweist, zitiert. Sie unterstellt Arvay Profitstreben mit Corona-Kritik als Geschäftsmodell. Einen Nachweis für nennenswerten Profit – jenseits von ein paar mehr verkauften Büchern – bringt sie nicht. Die Milliardenprofite der Pharmabranche, der Maskenhersteller und der neu entstandenen Test-Entrepreneure, gegen welche sich Arvay gewandt hat, ignoriert sie bequem.20
Standard-Redakteur Klaus Taschwer zeigt besondere Chuzpe.21 Er wirft Arvay selektive Auswahl von verzerrten Studien vor, wenn es um die Impfung geht. Inwiefern die Aussagen Arvays ungenau oder fehlerhaft sein sollen, arbeitet er nicht aus. Daneben ignoriert auch Taschwer bequem, dass die angeblichen Segnungen der Impfung und die Gefährlichkeit bzw. langfristige Folgen von SARS-CoV-2 auf einer Kanonade an publication bias, confirmation bias, sampling bias, misclassification bias, confounding bias und der weitgehenden Entwertung der evidenzbasierten Medizin beruhen – bias bedeutet übrigens Verzerrung eines Ergebnisses weg vom wahren Wert; die Vorbegriffe deuten die Quelle des Fehlers an.22
Auch die sonst zur Rate gezogenen »Experten« widerlegen nicht die Aussagen bzw. Argumente Arvays als solche, sondern reagieren nur mit Aussagen wie »Unsinn«, »Falschinformation« oder »Laienwissen«.
Besonders interessant wird es, wenn im Beitrag zwei Publikationen zitiert werden, welche Arvays Aussage, dass sich die Inhalte der mRNA-Impfstoffe in das Genom einer Zelle einschreiben können, angeblich widerlegen:
»Tatsache ist, dass es sich bei den mRNA-Impfstoffen einerseits um nicht infektiöse, und andererseits nicht um ins Genom integrierende Vakzine handelt. Die mRNA gelangt nicht in den Zellkern. Es besteht weder ein Risiko für eine Infektion noch für eine Insertion […]«23
Für diese Aussage wird ein Review von Verbeke & al zitiert.24 Bei Durchsicht des Reviews ist allerdings festzustellen, dass die Begriffe Zellkern (nucleus) und Insertion (insertion) gar nicht vorkommen. Genom (genome) wird in einer unspezifischen und theoretischen Aussage erwähnt, wonach gewöhnliche mRNA nur das Zellinnere (cytosol) erreichen muss, somit also kein Risiko einer Integration ins Genom bestünde. Dies bezieht sich auf normal vorkommende mRNA, von modifizierten Nukleotiden oder Lipidpartikeln als Transportverpackung ist hier keine Rede. Der Begriff Infektion (infection) kommt sechsmal vor, allerdings ohne dass ausdrücklich eine Entwarnung formuliert wird; im Gegenteil wird erklärt, dass mRNA-Impfungen die Wirkungsweise eines Virus besonders gut nachstellen können.
Wegen der kurzen Halbwertszeit besteht auch nicht die Gefahr einer Persistenz (dauerhafter Verbleib) im Zytoplasma (Zellinneren).
Diese Aussage wird mit einem Review von Poveda & al begründet.25 Die Aussage kommt ähnlich wie im vorigen Zitat zwar in der Publikation vor, allerdings allgemein und ohne Zusammenhang mit modifizierten Nukleotiden oder Lipidpartikeln als Transportverpackung.
