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England, Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Zeitalter der Pferdedroschken und Dampflokomotiven. Der geniale Erfinder Sir Torrington arbeitet an einer revolutionären Form des Telephons. Ein Gerät, das jedermann in der Tasche tragen kann, soll jeden anderen Teilnehmer erreichen können. Der Großindustrielle Lord Craven möchte sich in den Besitz der Pläne bringen, um dieses Marconiphon selbst zu vermarkten - wozu ihm jedes Mittel recht ist. Allein Torringtons Tochter Amber kann ihren Vater und seine Erfindung noch retten. Und dann ist da noch die schöne Lady Isobel, um deren Gunst sich sowohl Craven als auch Torrington bemühen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...
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Seitenzahl: 228
Veröffentlichungsjahr: 2018
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für Brigitte
Konzert
Billard
Landluft
Wölfe
Fenster
Wettlauf
Platin
Vögel
Spieluhr
Sir Finley Torrington faltete die Schutzbrille zusammen und verstaute sie in seiner Manteltasche, während er die Treppe emporstieg, die ihn von der Underground wieder ans Tageslicht brachte. Der vor einiger Zeit verliehene Adelstitel - eine Anerkennung seiner bahnbrechenden Erfindungen im Bereich der Maschinentechnik, die er selbstlos der Allgemeinheit zu überlassen pflegte ohne je ein Patent darauf genommen zu haben - hatte seine finanziellen Verhältnisse nicht nachhaltig verbessert. Er lebte nach wie vor davon, in Fabriken die mechanischen Einrichtungen zu reparieren oder doch zumindest deren Reparatur anzuleiten. So war seine hochgewachsene, schlanke Gestalt mit dem asketischen Gesicht und den dunkelblonden, gewellten und nach hinten gekämmten Haaren in Werkstätten und Maschinenhallen weitaus bekannter und häufiger zu sehen als in Salons oder Konzertsälen.
Dennoch hatte er gerade heute eine Einladung angenommen, die ihn fern von Getrieben und Fliehkraftreglern in die Welt der Musik zu entführen versprach.
Eine eigene Kutsche konnte er sich auch weiterhin nicht leisten, und selbst eine Mietdroschke würde er nur benutzen, wenn er es wirklich eilig hatte. Er hatte erwogen, die Strecke zu Fuß zurückzulegen, aber das naßkalte Wetter war für eine längere Wanderung wirklich ungeeignet.
Folglich hatte er sich wieder einmal der Untergrundbahn anvertrauen müssen. In den Vororten war die Underground wirklich eine feine Sache, wenn man das Warten auf den nächsten Zug an der Station in Kauf zu nehmen bereit war. Hier, innerhalb der Metropole, erforderte die Benutzung einen gewissen Hang zum Masochismus und gesunde Atemwege. Der Qualm der Lokomotive konnte nur durch einzelne Luftschächte abziehen und quälte ansonsten die Augen und Lungen der Reisenden.
In der Werkstatt Torringtons lagen einige halbherzige und halb fertige Entwicklungen verbesserter Augen- und Atemschutzgeräte, aber ihm war klar, daß nur ein grundsätzliches Umdenken im Hinblick auf die Antriebstechnik einen entscheidenden Fortschritt bringen würde. Ihm schwebte so etwas wie die Anwendung von Preßluft vor, allerdings benutzte er die Underground zu selten, als daß sich bislang ein wirklich motivierender Leidensdruck in ihm aufgebaut hatte. Eine andere Erfindung nahm momentan sein Denken viel mehr in Anspruch.
Das Stadthaus der Lansdons, ein dreistöckiger viktorianischer Prachtbau, der sein Ziel war, lag ziemlich zentral.
Die Lansdons besaßen auch - mindestens - einen Landsitz, aber Lady Lansdon pflegte zu betonen, daß sie die naßkalte Jahreszeit, also eigentlich die Hälfte des Jahres, lieber in der Stadt verbrachte; auf dem Land, so behauptete sie, bekomme sie Depressionen.
Mit Lady Lansdon verband ihn eine - nun ja - distanzierte Freundschaft, noch aus der gemeinsamen Zeit auf dem College, auf dem sie sich im Philosophieseminar kennen und zugegebenermaßen auch lieben gelernt hatten.
Damals war sie ein junges Ding gewesen, das wenig auf Standesdünkel gab, später hatte sich das zumindest insofern geändert, als eine Heirat mit dem Bauerntölpel (wie ihre Freunde ihn zu nennen pflegten) nicht in Frage gekommen war. Sie hatten sich den Gegebenheiten gefügt, vielleicht mit etwas Wehmut, dann hatte Torrington sich mit Bethany getröstet, einer Dorfschönheit, deren Liebe zu ihm auf einer naiven Bewunderung seiner Genialität begründet war, die ihm eine Tochter - Amber - geboren hatte, und die dann leider am Kindbettfieber gestorben war.
Der Kontakt zu Isobel Lansdon war nie ganz abgerissen, seine heimliche Liebe war nie ganz gestorben. Seit er mit Amber in einem bescheidenen Haus am Stadtrand untergekommen war - und seit die Königin ihm einen Adelstitel verliehen hatte und man sich seiner Anwesenheit auch öffentlich nicht mehr zu schämen brauchte - bekam er in unregelmäßigen Abständen Einladungen zu gesellschaftlichen Veranstaltungen im Hause der Lansdons. Präziser: Im Hause Lady Lansdons, denn Lord Lansdon war in einem der zahlreichen Kolonialkriege gefallen, die das Imperium zur Wahrung seiner Handelswege und wirtschaftlichen Interessen immer noch führen zu müssen glaubte. Die Lady war also wieder frei, aber Torrington wußte um seinen Status als Emporkömmling und wahrte die gebotene Distanz.
*
Er schritt die Auffahrt hoch, überlegte kurz, daß man ihn wegen des Ausbleibens von Hufschlag möglicherweise für einen Bettler oder Hausierer halten könnte, und zog schließlich den Glockenstrang an der Tür. Es dauerte eine Weile, ehe ein kleines Fenster geöffnet wurde, hinter dem er im Licht einer im Windzug flackernden Laterne das Gesicht des Butlers Stanley erkannte. Leider war das Erkennen nicht wechselseitig.
„Sie wünschen ... Sir?“ näselte Stanley, wobei er das ‚Sir’ offenkundig nicht der korrekten Anrede halber, sondern eher aus einem Vorwurf heraus, der Störung wegen, anhängte.
„Guten Abend, Stanley. Melden Sie bitte Lady Lansdon, Finley Torrington begehre Einlaß. Falls Sie eine Legitimation wünschen, ich habe hier eine schriftliche Einladung zum heutigen Klavierabend mit...“
„Sir Finley“, unterbrach ihn Stanley und beeilte sich, die Tür zu öffnen. „Sie müssen entschuldigen, Sir, aber ich habe Sie wirklich nicht erkannt. Gestatten Sie mir, ehe Sie der Lady gegenübertreten, den Hinweis, daß in Ihrem Gesicht, nun, wie soll ich sagen, etwas Ruß ... wenn Sie erlauben, würde ich vorschlagen, daß ich Sie zunächst zum Waschraum geleite?“
„Sie sind zu gütig Stanley. Das ist wohl wirklich nötig. Sie wissen ja, wenn man mit der Underground fährt...“
„Darf ich Ihnen den Mantel und die Mütze abnehmen, Sir? Die Underground, wenn Sie mir die Bemerkung gestatten, ist für einen Mann von Stand nicht das angemessene Fortbewegungsmittel.“
Finley Torrington öffnete die Schließe seines Umhangs und streifte ihn ab. „Vielleicht nicht für einen Mann von Stand, Stanley. Aber für einen Bauerntölpel wie mich...“
„Ich würde mir niemals herausnehmen, Sir, Sie als einen...“
„Lassen Sie’s gut sein. Ihnen würde ich das auch nicht unterstellen.“
Stanley verstaute Mantel und Reisemütze des Gastes in einem Nebengelaß und geleitete Sir Finley dann zur Waschgelegenheit. Der Kristallspiegel enthüllte, daß sein Gesicht momentan wie das eines Kaminkehrers aussah, abgesehen von den Augen, die dank der Schutzbrille verschont geblieben waren. So hätte er der Lady fürwahr nicht entgegentreten können. Selbst Amber hätte für ihren Vater zweifellos tadelnde Worte gefunden. Er reinigte sich und trat wieder hinaus in die Halle.
Mit einer knappen Verbeugung und einladenden Handbewegung wies Stanley ihn zum Salon. Er öffnete die Tür. „Sir Finley ist eingetroffen, Mylady.“
„Danke, Stanley.“
Obwohl die Zeit seiner glühenden Verehrung dieser Frau knappe zwanzig Jahre zurücklag, stellte Torrington fest, daß sie immer noch von faszinierender Schönheit war. Als Kleid hatte sie für diesen zwanglosen Abend vermutlich eines ihrer schlichteren gewählt, der Mode entsprechend mit geschnürtem Mieder und weitem Rock, die Farbe dezent auf ihre roten Haare abgestimmt, sandfarben, nicht zu blaß und nicht zu kräftig. Sie hatte ihre Sommersprossen übergepudert, aber er wußte natürlich, daß sie da waren und das Kleid hätte auch dazu perfekt gepaßt. Merkwürdig, daß es ihm gerade jetzt auffiel.
Amber hatte auch Sommersprossen. Ihre Mutter hatte ebenfalls welche gehabt. Möglicherweise waren es nur Bethanys Sommersprossen gewesen, die ihn damals darüber hinweggetröstet hatten, daß Isobel für ihn unerreichbar bleiben würde.
„Willkommen, Sir Finley. Hat es Ihnen die Sprache verschlagen?“
Isobel tat einen kleinen Schritt auf ihn zu und lächelte spöttisch.
Torrington fühlte sich ertappt und war sicher, daß sie seine Gedanken zumindest teilweise erraten hatte. So gesehen war die Flucht nach vorn vermutlich die sinnvollste Wahl. „Ich bitte um Vergebung, Lady Isobel. Ich muß von Ihrer Erscheinung geblendet gewesen sein.“
„Sind Sie aus dem Alter zum Süßholzraspeln nicht allmählich raus, Torrington?“ schnarrte eine Stimme, die er nur zu gut kannte, deren Eigentümer oder Urheber er aber beim Eintreten offenbar nicht bemerkt hatte. Wie auch? Geblendet, fürwahr!
Aus dem Halbdunkel trat mit federndem Schritt eine Gestalt ins Licht des Kristallüsters, die hier anzutreffen er sich nicht gewünscht hatte. Eher befürchtet. Earl Steward of Craven, Marquess of Queensbury, graumeliert an Leib und Seele, einschließlich der streng nach hinten frisierten Haarpracht, im Gegensatz zu Sir Finley altes imperiales Adelsgeschlecht. Und dank seines Adelstitels, seiner Actienmehrheit und seines Vorstandsvorsitzes bei der ‚Imperial Steam Propulsion Company’ mit jenem Dünkel gesegnet, der Lady Lansdon in so erfreulicher Weise abging.
Was den Lord nicht davon abhielt, Lady Lansdon seit ihrem bedauerlichen Eintritt in den Witwenstand permanent den Hof zu machen, womit er indessen bisher keinen nennenswerten Erfolg erzielt hatte.
Lord Craven trug wie stets ein Monokel im linken Auge. Weniger, um den eigenen Blick zu schärfen, als um die Blicke anderer zu trüben. Wenn er es einmal herausnehmen mußte, konnte man sehen, daß sein linkes Augenlid hing, angeblich Folge eines Jagdunfalls, aber nicht nur Torrington unterstellte ihm, daß es auch gut eine Degenerationserscheinung seiner - zu alten - Familie sein konnte. Eine Hypothese, die sich weder verifizieren noch falsifizieren ließ, da es keine objektiven Bilder Lord Cravens aus der Zeit vor jenem mysteriösen Jagdunfall gab. Für einen Portraitmaler war es kein Problem, ein Gesicht beliebig zu schönen, und die Daguerrotypie hatte damals noch in den Kinderschuhen gesteckt und war nur zur Ablichtung von Dingen geeignet gewesen, die lange genug stillhielten, also vorzugsweise Gebäude oder Landschaften. Jedenfalls keinen jugendlichen Lord Craven.
Craven und Torrington mochten sich nicht. Einerseits betrachteten sie sich als natürliche Rivalen, die Aufmerksamkeit Lady Lansdons betreffend. Andererseits hatte der Lord einige Male außerordentliches Interesse an Sir Finleys Erfindungen gehegt, aber ehe er einige der hervorragenden Ideen Torringtons für die Imperial Steam Propulsion Company hätte acquirieren können, war schon die Konkurrenz in Kenntnis gewesen; und da Torrington keinen Wert darauf legte, Patente zu verkaufen, konnte die ISPC es auch nicht verhindern, daß automatische Drehzahlregulatoren, Niederdruckkondensatoren oder differenzielle Planetengetriebe in Maschinen der Royal Aether Engine Manufacture oder The Welles And Wollaston Vessel Association ihre Dienste taten.
Torrington wiederum konnte sich mit Cravens profitorientiertem Denken nicht anfreunden und erachtete zum Beispiel Actiengesellschaften für unmoralisch, da sie, im Gegensatz zu einem bodenständigen Handwerksbetrieb, ihren Erfolg auf geborgtem Geld gründeten und dann darauf angewiesen waren, von Jahr zu Jahr immer mehr Gewinn einzufahren, um die Ansprüche ihrer Actionäre zu befriedigen. Da die Expansion aber wiederum Geld kostete, waren sie auf weiteres Borgen angewiesen und so weiter ad infinitum. Da aber nichts in der Welt unendlich war, konnte es eigentlich langfristig nur in eine Katastrophe münden, bei der die Anteilseigner schließlich alles verloren.
Ehe seine erneute Schweigsamkeit Argwohn erregte, entschloß Torrington sich, Seine Lordschaft angemessen zu begrüßen. „Ich bin entzückt, Mylord, zu entdecken, daß wir immer noch gemeinsame Interessen hegen.“
Er verneigte sich leicht in Richtung des Grauen und kostete den Zwiespalt aus, in den er sein Gegenüber jetzt gestürzt hatte. Craven würde weder zugeben noch bestreiten können, daß sein Interesse womöglich Lady Lansdon gelte. Das erstere wäre an dieser Stelle peinlich gewesen, das letztere hätte jene beleidigt. Erst nach längerer Pause fügte er hinzu: „Ich meine unser Interesse für die Musik.“
Lord Craven schenkte Torrington einen eisigen Blick aus eisgrauen Augen und musterte dessen Tweedjacke. „Ich hatte in der Tat eher angenommen, Sie kämen gerade vom Angeln. Aber in Ihren Kreisen...“
„Meine Herren...“ mahnte die Gastgeberin.
„Übrigens scheint unsere Künstlerin sich zu verspäten“, wechselte Craven das Thema.
Isobel lächelte verbindlich. „Es sind ja auch noch nicht alle Gäste eingetroffen. Und was Miss Aylesford betrifft, so habe ich Anweisung gegeben, sie mit einer Droschke abzuholen. Wenn der Kutscher sich verspätet, so ist das nicht ihr anzulasten.“
„Sie müssen die Dame nicht in Schutz nehmen“, meinte Lord Craven.
„Manchmal denke ich, vor Ihnen muß man alles in Schutz nehmen.“
Eine erneute Entgegnung blieb Lord Craven erspart. Stanley trat ein und kündigte die Künstlerin an. „Miss Amelia Aylesford, meine Herrschaften.“
Amelia Aylesford ging zweifellos der Ruf von einem außergewöhnlichen musikalischen Talent voraus, aber was ihren Sinn für Farben betraf, so schien sie das ganze Gegenteil von Lady Lansdon darzustellen, sonst hätte sie nicht zu ihrem bleichen Teint ausgerechnet ein schwarzes Kleid gewählt, vor allem, da die Natur sie bereits mit langen, pechschwarzen Haaren bedacht hatte. Zusammen mit ihrer sehr schlanken, geradezu schwindsüchtig wirkenden Gestalt konnte sie so auf ein zart besaitetes Gemüt den erschreckenden Eindruck einer wandelnden Toten machen.
Torrington jedenfalls zuckte bei ihrem Anblick leicht zusammen und gewann auch nicht den Eindruck, daß die Künstlerin den Salon betrat, eher war es, als ob sie sich herein stahl. Aber mit diesem Eindruck war er wohl allein. Lady Lansdon jedenfalls begrüßte sie herzlich mit einem angedeuteten Wangenkuß und machte sie mit den übrigen Anwesenden bekannt.
Als Lord Craven sich in steifer Haltung zu einem Handkuß hinreißen ließ, kämpfte Torrington sein Schaudern nieder und schloß sich ihm an, wobei ihm jäh aufging, daß er ausgerechnet der verehrten Lady diesen Ausdruck der Wertschätzung vorenthalten hatte. Sie würde ihm nicht zürnen, aber vermutlich würde sie sich innerlich amüsieren, ihn so verwirrt gesehen zu haben. Gut möglich, daß es nicht einmal die Schönheit Isobels, sondern Lord Cravens unerwarteter Auftritt gewesen war, der ihn aus dem Konzept gebracht hatte.
„Ich danke Ihnen für Ihre Einladung, Lady Lansdon“, hauchte Aylesford unterdessen artig und warf dem Klavier einen fragenden Blick zu.
„Legen Sie getrost Ihre Notenblätter auf das Klavier und nehmen Sie einstweilen Platz, Miss Aylesford.“ Isobel Lansdon wies mit einer einladenden Geste auf die bislang verwaiste Sitzgruppe aus schweren Ledersesseln. „Es sind noch nicht alle Gäste anwesend, und ich habe zudem einen kleinen Imbiß vorbereiten lassen, ehe wir uns dem künstlerischen Teil des Abends zuwenden.“ Mit einem Lächeln fügte sie hinzu: „Was nicht heißen soll, daß nicht auch meine Köchin in ihrer Art eine Künstlerin ist. Sie erweisen uns doch die Ehre, mit uns zu speisen?“
So wie sie aussah, dachte Torrington unvermittelt, ernährte sie sich womöglich ausschließlich von ihrer Musik. In seine Überlegung hinein hörte man einen Wagen vorfahren. Lord Craven korrigierte den Sitz seines Monokels und stellte fest: „Ich denke, gleich werden wir vollständig sein.“
Stanley eilte bereits in die Halle, um die letzten Gäste in Empfang zu nehmen. Kurz darauf meldete er Sir Willoughby Affingham mit Gattin.
Verglichen mit der Künstlerin stellte Sir Willoughby gewissermaßen das Kontrastprogramm dar. Seine Wohlbeleibtheit ließ vermuten, daß er die kurz zuvor erwähnte Kunst der Köchin mindestens ebenso zu würdigen wußte wie den geistigen Genuß. Seine Ehefrau, obgleich ebenfalls eine stattliche Erscheinung, mit dunkelrotem Kleid und reichlich Rouge auf den Wangen, das übrigens der Pianistin gut zu Gesicht gestanden hätte, wirkte neben ihm eher künstlich und angemalt wie ihr eigenes Portrait in Öl. Er begrüßte Lady Lansdon mit einer umständlichen Verbeugung.
„Stanley, ist alles angerichtet?“
„Sehr wohl, Mylady.“
Die Gastgeberin wandte sich an ihre Gesellschaft: „Ich darf die Herrschaften dann in den Speisesaal bitten.“
Während sie den Raum wechselten, fiel Torrington endlich ein, woran die Art der Pianistin, sich zu bewegen als sei sie gar nicht da, ihn erinnerte. Wenn man eine Lösung von Kupfervitriol mit klarem Wasser überschichtete, wie er es bei seinen Versuchen mit galvanischen Zellen bisweilen vorgenommen hatte, dann drang das Vitriol im Laufe von Stunden und Tagen allmählich in das Wasser vor, so daß sich die blaue Färbung unmerklich aber unaufhaltsam nach oben ausbreitete, oder mit dem Fachbegriff beschrieben: Diffusion. Das war es: Amelia Aylesford betrat ein Zimmer nicht, sie diffundierte hinein.
Stanley dirigierte die Gäste unauffällig an die Plätze am Eßtisch, die Lady Lansdon ihnen zugedacht hatte, wobei sich Torrington am unteren Ende, neben der diffundierenden Künstlerin, wiederfand. Das überraschte oder enttäuschte ihn nicht; in dieser Gesellschaft stand ihm nicht der Platz zur Rechten der Göttlichen zu. Dort allerdings wiederum Lord Craven zu bemerken, kam ihn dennoch ein wenig hart an.
Es wurde eine kalte Platte zusammen mit einem lauwarmen Rotwein gereicht. In dieser Hinsicht, wußte Torrington, war er ein elender Banause, eben der Bauerntölpel, als den man ihn in gehobenen Kreisen ohnehin sah. Natürlich war der Wein nicht lauwarm. Er war temperiert. Ebenso wie das Bier übrigens, das man im Pub serviert bekam. Hätte er allerdings die Wahl gehabt, so hätte er das eine wie das andere frisch aus dem Keller bevorzugt. Wohlweislich verzichtete er auf eine entsprechende Bemerkung und lächelte höflich, als Stanley ihm einschenkte. Ihm war allerdings, als ob auch Stanley hinter seiner unbewegten Miene ein Grinsen versteckte - weil nämlich Stanley seinen Geschmack kannte und teilte.
Wenn jetzt allerdings das Mädchen ihm ein Stück kalten Braten vorlegen würde, dann würde er - Höflichkeit hin oder her ... Es blieb ihm erspart.
„Florence!“ Isobel, obwohl gerade mit Seiner neben ihr sitzenden Lordschaft Höflichkeiten austauschend, nagelte mit ihrem Blick die Serviererin fest und hob unmerklich den linken Zeigefinger in deren Richtung.
Florence wechselte daraufhin eiligst die Zielrichtung ihres Vorlegebestecks und tat ihm lediglich etwas von den Beilagen auf. Der Bauerntölpel hatte in seiner frühesten Jugend nicht nur einmal mit ansehen - und anhören - müssen, wie geschlachtet wurde, und das hatte seine empfindsame Seele geprägt und ihn für alle Zeiten dem Fleischgenuß abschwören lassen. Isobel war ihm damals nahe genug gekommen um es zu wissen: Torrington war Vegetarier.
Die neben ihm sitzende aetherische Künstlerin schien übrigens ein ähnliches Problem zu haben. Befangen in ihrer Schüchternheit lehnte sie das Fleisch zwar nicht ab, ließ es dann aber unberührt liegen. Was Torrington widersinnig erschien, denn in der Küche würde man es nachher schlimmstenfalls wegwerfen oder bestenfalls als Viehfutter verwenden, was bedeutete, daß das Tier entweder nutzlos gestorben war oder aber als Nahrung für seinesgleichen diente. Obwohl zumindest letzteres von der Natur millionenfach praktiziert wurde, erschien der Gedanke ihm irgendwie grausig.
Craven ließ es sich nicht nehmen, sein Glas zu heben und einen Toast auf die Gastgeberin auszubringen, und Torrington empfand es als ein wenig schmerzlich, daß er die Künstlerin, die heute abend wenigstens in ästhetischer Hinsicht ebenfalls eine Art Gastgeberin sein würde, dabei mit keinem Wort erwähnte. Fast sah er sich genötigt, das Versäumte seinerseits nachzuholen, aber er verpaßte die Gelegenheit; die Lady eröffnete die Tafel und die Gesellschaft begann zu speisen.
In das allgemeine Klappern von Besteck hinein entwickelte sich allmählich ein Tischgespräch. Da Lord Craven und Sir Willoughby in eine hitzige Diskussion über den Vorzug von Actiengesellschaften eingetreten waren und Lady Lansdon sich, hiervon sichtlich gelangweilt, Mrs. Affingham zugewandt hatte, blieb für Torrington als Gesprächspartnerin nur Miss Aylesford übrig, es sei denn, er hätte zu schweigen vorgezogen, was aber zweifellos unhöflich gewirkt hätte. Glücklicherweise war es ihm vorhin im Salon gelungen, die verschlungenen Lettern auf dem Einband der Noten zu entziffern, die jene dort auf dem Klavier abgelegt hatte, und so konnte er mit ihr ein seichtes Gespräch über polnische Komponisten im allgemeinen und Frédéric Chopin im besonderen beginnen, bei dem er selbst nicht viel reden mußte. Die sonst so Schüchterne wurde auf ihrem ureigensten Fachgebiet plötzlich sehr mitteilsam und schien sogar etwas Farbe im Gesicht zu gewinnen, was freilich auch dem Wein geschuldet sein mochte, wenngleich sie von diesem nur genippt hatte.
Mitten in ihren Ausführungen über den Geist der Nocturnes hielt Miss Aylesford plötzlich inne. Ihren - und Torringtons - Ohren war ein Geräusch nicht entgangen, das wie das leise Schlagen einer Tischuhr klang, die auf einer Vitrine in einem Nebenraum stehen mochte und dort die aktuelle Stunde vorzählte. Torrington erstarrte, erbleichte, griff sich an die Brust - in dieser Reihenfolge. Jetzt hätte er sich die Fähigkeit der Pianistin gewünscht, weitgehend unbemerkt aus dem Zimmer zu diffundieren, aber sie war ihm nicht gegeben.
Mit einer hastigen Bewegung erhob er sich, murmelte eine Entschuldigung und eilte hinaus. Und aller Blicke folgten ihm.
Lady Lansdon hatte eine gewisse Perfektion darin entwickelt, ihr Personal mit Blicken und knappen Gesten zu beherrschen. So wie ihr Personal übrigens eine ebensolche Meisterschaft darin ausgebildet hatte, die Blicke und Gesten der Hausherrin richtig zu deuten. Jedenfalls reichte eine Kopfbewegung, um das Mädchen an ihre Seite zu befehlen. „Florence“, raunte sie ihr zu, „haben Sie Sir Finley womöglich etwas von dem Braten auf den Teller gegeben?“
„Auf keinen Fall, Mylady, auf keinen Fall“, versicherte die Verdächtigte flüsternd, woraufhin sie wieder gehen durfte.
„Stanley“, wandte sich die Lady sodann an den in Habachtstellung an der Tür verharrenden Butler. „Sehen Sie bitte nach Sir Finley, ob er etwas benötigt.“
Eine angedeutete Verbeugung. „Sehr wohl, Mylady.“ Damit folgte er Torrington nach draußen.
*
In der Halle bot sich dem guten Stanley eine etwas irritierende Szene. Sir Finley hatte nicht etwa das Haus verlassen, um an der frischen Luft ein plötzliches Unwohlsein zu bekämpfen. Er stand in einem Winkel nahe dem Ausgang, wandte dem Butler den Rücken zu und - unterhielt sich entweder mit einem Unsichtbaren oder mit sich selbst.
„Ich wollte den Probelauf nicht unterbrechen.“ - „Gut, dann mußt du es abstellen.“ - „Das rechte Ventil ganz zudrehen.“ - „Ja, genau.“ - „Nein, laß es einfach abkühlen, es passiert nichts.“ - „Tut mir sehr leid, Liebes.“
In einer Mischung aus Neugier, Furcht und Verwunderung, mit unbestreitbarem Schwergewicht auf Seiten der Neugier, trat Stanley auf Zehenspitzen näher heran. Jetzt bemerkte er, daß Torrington ein handliches, messingbeschlagenes Kästchen ans Ohr hielt, aus dem ein Geräusch drang, das einerseits an das Schaben einer Feder auf Papier, andererseits an das Ablaufen eines Uhrwerks erinnerte, und dem sich ganz schwach so etwas wie eine menschliche Stimme überlagerte. Ein Dschinn? Ein Geist in der Flasche? Aber das war keine Flasche! Außerdem gab es Dschinnen nur in den Märchen aus Tausendundeiner Nacht, und ein ordentlicher schottischer Geist spukte in alten Schlössern herum und ließ sich schon gar nicht in ein Kästchen sperren.
„Nein. Du hast mich nicht beim Konzert gestört. Nur beim Essen.“ - „Na was? Kadaver natürlich. Aber Lady Isobel war so rücksichtsvoll, mir nur Gemüse reichen zu lassen.“ - „Auf wieviel steht das Thermometer denn jetzt?“ - „Sehr gut. Dann kann nichts mehr passieren.“ - „Sie heißt Amelia Aylesford. Wie es scheint, wird sie Chopin spielen.“ - „Ja, auf eine gewisse, spezielle Weise ist sie hübsch.“ - „Gut, dann laß uns Schluß machen, Liebes.“
Die letzten Worte des Gastes machten Stanley klar, daß das Gespräch, mit wem auch immer, jetzt beendet war, und es gelang ihm, sich geräuschlos einige Schritte weit zurückzuziehen, ehe Torrington sich umwandte. Als jener ihn erblickte, zuckte er leicht zusammen und ließ das geheimnisvolle Kästchen hinter dem Rücken verschwinden.
Stanley räusperte sich dezent. „Lady Lansdon machte sich Sorgen um Sie und schickte mich eben, nach Ihnen zu sehen, Sir.“ Das ‚eben’ flocht er ein, um den Eindruck zu zerstreuen, er stehe etwa schon länger hier.
„Es ist alles in Ordnung, Stanley. Es tut mir leid, wenn ich Lady Isobel beunruhigt habe. Ich war nur ... ich hatte ...“
Er druckst herum wie ein Botenjunge, den man mit der Hand in der Portokasse erwischt hat, dachte Stanley. Vielleicht war Sir Finley geistesgestört und bildete sich Personen ein, mit denen er sich unterhielt? Allerdings hätte er selbst, Stanley, dann ebenfalls an seiner geistigen Gesundheit zweifeln müssen, hatte er doch gerade ebenfalls gemeint, aus diesem - Ding - eine Stimme zu vernehmen. Zwar unverständlich für ihn, aber doch zweifelsfrei eine Stimme.
Inzwischen hatte sich Torrington zu einer mannhaften Entscheidung durchgerungen und zur Flucht nach vorn entschlossen. Er zog das hinter dem Rücken verborgene Kästchen hervor. „Sehen Sie, Stanley, ich arbeite da an einer neuen Entwicklung. Da ist ein Uhrwerk drin, und das fing bei Tisch plötzlich an zu schlagen. Das war mir sehr peinlich, und deshalb bin ich hinausgelaufen. Aber sagen Sie bitte den Herrschaften da drin nichts davon. Es ist mir sehr unangenehm. Ich hätte es vorher abstellen müssen.“
„Natürlich Sir.“
„Sagen Sie meinetwegen, mir sei übel geworden, aber es gehe mir wieder gut.“
„Wie Sie befehlen, Sir.“ Stanley knickte in der Wirbelsäule leicht ein, die einmalige Kombination aus Strammstehen und Verbeugen, wie sie nur ein Butler zustande brachte. „Darf ich Ihren Teller dann abdecken lassen?“
Torrington seufzte. „Lassen Sie ihn abdecken.“ Er ergrimmte gegen sich selbst, daß es zu dieser Situation gekommen war. Wenn er dieses Ding abgestellt hätte, wäre ihm die ganze Peinlichkeit erspart geblieben. Andererseits hätte seine Tochter sich dann nicht bei ihm melden können und ihm mitteilen, daß der Autoklav sich überhitzte. Nein, der ursprüngliche Fehler hatte darin bestanden, das Experiment während seiner Abwesenheit einfach weiterlaufen zu lassen und der Mechanik zu vertrauen, die die Temperatur hätte konstant halten sollen, obwohl sie noch nicht ausgereift war.
Mit dem Beginn der Klavierkonzertes fand sich Torrington wieder beim Rest der Gesellschaft ein. Zweifellos hatte Stanley inzwischen die ihm aufgetragene Botschaft überbracht. Außerdem war Lady Isobel viel zu feinfühlig, als daß sie noch einmal nachgefragt hätte. Diese Rolle fiel denn auch Lord Craven zu, der sich im Salon neben ihn gesetzt hatte.
„Schlecht geworden, ja?“ Seine schnarrende Stimme war Torrington selbst im Flüsterton unangenehm. „Der Anblick eines ordentlichen kalten Bratens wirft einen Rohköstler wie Sie wohl aus den Stiefeln?“
„Vielleicht war es das.“ Der Angesprochene neigte seinerseits seinem Nachbarn den Kopf zu. „Wollten wir nicht eigentlich die Musik genießen?“
„Ach wissen Sie, diese russischen Komponisten...“ Er deutete eine wegwerfende Handbewegung an, als sei er besseres gewohnt.
„Chopin war Pole“, stellte Torrington richtig, womit er den Lord vorerst zum Schweigen brachte. Zu einem mißbilligenden Schweigen zwar, jedenfalls aber zum Verstummen.
*
Während sich solchermaßen die Gesellschaft dem Kunstgenuß hingab, klagte eine unglückliche Florence in der Küche ihr Leid dem Butler Stanley, der sich dort zu einem Tee hingesetzt hatte, nachdem die Lady momentan seiner Dienste nicht bedurfte. „Wie sie mich angeschaut hat! Ich wäre fast im Boden versunken.“
„Meinst du, sie hat dich ernsthaft verdächtigt, Sir Finley ‚vergiftet’ zu haben?“ erkundigte sich mit gutmütigem Spott Hollie, die Köchin.
„Ach, ich hatte es ja wirklich fast vergessen. Beim Servieren sagte sie plötzlich ‚Florence!’ und durchbohrte mich mit dem Blick. Da fiel es mir siedend heiß wieder ein, daß ich Sir Finley kein Fleisch geben darf. Aber dann sprang er plötzlich auf und lief nach draußen. Aber ich habe ihm wirklich keins gegeben. Natürlich kriegte ich trotzdem ein schlechtes Gewissen, als sie mich danach zu sich rief.“
„Also, da kann ich dich beruhigen. Mit dir hat das überhaupt nichts zu tun.“
Florence und Hollie blickten den Butler ungläubig an. „Weißt du mehr als wir?“
Stanley hatte zwar Torrington versprochen, der Gesellschaft nichts zu erzählen. Aber eben nur der Gesellschaft. Vom Personal war nicht die Rede gewesen, und wenn dieses arme Ding von Florence sich hier jetzt Gewissensbisse machte, konnte er das schließlich nicht einfach mit ansehen.
„Lady Lansdon schickte mich ihm nach, nachdem er weggegangen war. Ich fand ihn in der Halle, aber er bemerkte mich nicht.“ Stanley senkte die Stimme. „Ihr werdet es nicht glauben, wenn ich euch erzähle, was ich gehört und gesehen habe.“
„Nun sag’s schon“, drängte Hollie.
„Na schön. Also..“ Stanley berichtete in Einzelheiten von dem unglaublichen Vorgang, dessen Zeuge er geworden war. „Als er mich dann bemerkte, zeigte er mir dieses Kästchen und erklärte, darin sei ein Uhrwerk, das geschlagen habe. Aber ich frage euch: Unterhält sich ein vernünftiger erwachsener Mensch mit einem Uhrwerk?“
„Es gibt Leute, die unterhalten sich mit einem Regenschirm“, warf Florence ein.
„Aber Regenschirme antworten nicht. Ich habe die Stimme ja selbst gehört.“
„Es gibt auch Leute, die hören Stimmen“, meinte Florence anzüglich.
„Sag mal, glaubst du mir nicht?“ empörte sich Stanley. „Sir Finley hat es gehört und ich habe es gehört. Da sind wir schon zwei!“
„Wie, sagtest du, nannte er die Stimme in dem Kasten?“ fragte Florence.
„Er sagte keinen Namen.“
„Aber du hast eben erzählt, er sagte ‚Liebes’ zu ihr.“
„Stimmt. Zweimal sagte er ‚Liebes’.“
Florence dachte angestrengt nach. „Erinnert ihr euch? Manchmal war er mit seiner Tochter hier. Wie hieß sie noch?“
„Amber. Sie heißt Amber.“
„Genau: Amber. Und zu der hat er immer ‚Liebes’ gesagt. Da bin ich mir sicher!“
Hollies Augen hatten sich in einem dezenten Erschrecken geweitet. „Amber? In dem Kasten? Sir Finley erfindet merkwürdige Dinge. Er war mir nie geheuer. Wenn er nun...“
„Wenn er was?“
„Wenn er sie ... verhext hat? Ihre Seele in den Kasten gesperrt?“
„Hollie, meine Gute, wir leben nicht mehr im Mittelalter.“
„Das geht nicht mit rechten Dingen zu! Dieser Torrington ist ein Hexenmeister!“ Hollie pochte nachdrücklich mit dem Zeigefinger auf die Tischplatte.
„Für dich immer noch Sir Finley“, mahnte Stanley.
*
Im Salon hatte sich unterdessen die Gesellschaft an einer Auswahl von Chopins Préludes delektiert, beendet mit dem Prélude Nummer fünfzehn in Des-Dur, auch als Regentropfen-Prélude bekannt. Miss Aylesford erhob sich vom Klavierschemel und nahm, sich verneigend, den Applaus entgegen.
