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"Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte". Der Autor lotet das literarische Potential des bekannten Frühlingsgedichts Mörikes aus, indem er es spielerisch variiert und verfremdet und schließlich kleine Geschichten um seine Requisiten herumwebt. So entstehen zum Beispiel ein Haiku, eine Ballade, eine Kriminalstory und vieles mehr. Eine nicht unbedingt ernst zu nehmende Reise durch Epochen und Gattungen, zusammengehalten eben von einem blauen Band.
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Seitenzahl: 34
Veröffentlichungsjahr: 2019
Allen meinen Deutschlehrern gewidmet und auch der einen Deutschlehrerin
Er ist’s – Das Original
Frühling – Ein Elfchen
Er nu wieder – Mit Hämatom
Herr K. begegnet dem Frühling – Tragisch
Frühlingsrap – Sprechgesang
Ahnungsvoll balde – Gnadenlos sortiert
Frühlingsbaukasten – Do it yourself
Frühlingsstatistik – Eine Häufigkeitsanalyse
Eines Helden Opfer – Klassisch
Harfen und Düfte – Ein Haiku
Einst ohne Zeit – Impressionistisch
Du bist’s – Aus dem Morgenland
Niuwez gelücke – Mittelalterlich
Du warst’s – Eine Anklage
Psalm 151 – Zum Lobe des HERRN
!
– Eine Bildergeschichte
Das Geheimnis des blauen Bandes – Ein Krimi
Veilchen – Science Fiction auf Groschenheftniveau
Nachwort
Für Menschen, die sich weder für Astronomie noch für Astrologie interessieren:
ist das Symbol für das Sternzeichen „Widder“, mit dem der Frühling beginnt.
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch! Von Fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!
(Eduard Mörike)
Das Original.
Blaues Band.
Veilchen träumen schon.
Harfenklänge aus der Ferne.
Endlich!
(Aurora vom Lichtwald)
Sehr frei nach Eduard Mörike: „Er ist's“.
Verdichtete Dichtung. 219:73 Zeichen; Kompression 3:1.
Frühling lässt den blauen Lappen
Wieder durch die Lüfte flappen,
Bis wir duhn vom Düfteschnappen
Torkelnd durch die Gegend tappen.
Wenn wir dann an Bäume rennen,
Kann man's wohl ein „Veilchen“ nennen
Untermalt von Harfenklängen!
Bleibt die Schwellung noch zu kühlen!
So kann man den Frühling fühlen!
(Edward von der Notaufnahme)
Sehr frei nach Eduard Mörike: „Er ist's“.
Zeitgemäße Fassung mit integrierter Warnung vor Drogenkonsum.
Es war einer der ersten milden Tage dieses Jahres, und Herr K. hatte beschlossen, einen Spaziergang im Park zu unternehmen. Einige Veilchen steckten an der Mauer ihre Köpfe aus der Erde. Es war eine rote Ziegelmauer, und Herr K. erinnerte sich, dass dort neulich ein Harfenspieler gesessen und in seinem Hut - einem unansehnlichen grünen Filzhut übrigens - von den Passanten etwas Geld erbettelt hatte.
Er selbst hatte auch etwas hineingeworfen, zwanzig Pfennige, er hatte sich hinterher schäbig gefühlt, weil er so wenig gegeben hatte, aber andererseits, bei seinem Gehalt, konnte man ja wohl nicht mehr von ihm erwarten.
Der Duft der Veilchen irritierte Herrn K., weil er so sehr im Widerspruch zu dem Klang der Harfe stand, und Widersprüche konnte man in einem geordneten Park, besonders wenn er durch eine solche Ziegelmauer auf beruhigende Weise begrenzt wurde, schließlich nicht brauchen.
Der Bettler mit der Harfe war heute nicht da, vielleicht hatte die Obrigkeit ihn inzwischen verhaftet, deportiert, schließlich war er selbst Schuld, wenn er sich hier derart der Ordnung widersetzte.
Auf der Bank, letzten Herbst frisch gestrichen, aber der Winter hatte die Farbe schon wieder abblättern lassen, saß ein junger Mann.
Herr K. wunderte sich über die Blumen, die er sich ins Haar gesteckt hatte. Vielleicht sollte er ihn warnen, dass die Obrigkeit so etwas gar nicht gerne sah, jedenfalls blieb er stehen und murmelte einen Gruß und eine Bemerkung über das Wetter, und dass ja nun der Frühling bald kommen müsse.
„Ich bin der Frühling“, antwortete der junge Mann, „Und ich wollte jetzt eigentlich dort in den Park gehen.“
Zweifellos ein Geistesgestörter, dachte Herr K., wagte aber keinen offenen Widerspruch, denn Widersprüche waren ihm, wie er sich eben erst eingestanden hatte, zuwider, und man musste schließlich konsequent sein. Außerdem machte der Mann einen leidenden Eindruck.
„Und warum gehen Sie nicht?“ fragte Herr K. teilnahmsvoll, das war er diesem Menschen immerhin schuldig.
„Sie stehen auf meinem blauen Band“, entgegnete dieser.
„Oh“, machte Herr K., mit einem Gefühl aufrichtigen Bedauerns, das er sich gar nicht erklären konnte und das wohl der milden Luft geschuldet war.
Dann trat er beiseite und ließ den Frühling passieren. Dahinter kam nichts mehr, außer vielleicht diesem unbestimmten Gefühl, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, wie es Herr K. schon so oft in seinem Leben empfunden hatte.
(Fafner Kranz)
