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Wie bekomme ich meinen Traumjob? Wie entsteht Erfolg? Welche Faktoren sind dabei entscheidend? Und wie schmiede ich meine Karriere? Dieses Buch beantwortet alle Fragen rund um den Erfolg im Beruf und ersetzt dabei ein ganzes Regal voller Bücher. Denn es begleitet Sie über die gesamte Berufslaufbahn hinweg – vom Studium zum Chefsessel. 23 Professoren, Bestsellerautoren, Unternehmer, Manager und weitere Experten vermitteln Ihnen alles, was für Ihre Karriere wichtig ist. Aufgelockert werden die Kapitel durch unterhaltsame Illustrationen, praktische Checklisten, Insider-Tipps, Download-Hinweise und spannende Interviews u. a. mit Wolfgang Clement, Prof. Dr. Claus Hipp, Wolfgang Grupp und Dr. Dominique von Matt.
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Seitenzahl: 481
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Michael T. Wurster · Stefan Hagen (Hrsg.)
Karrieren sind kein Zufall – sie werden gemacht
Wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Werner Ziegler
Prof. Dr. Hanns Hub
Prof. Dr. Jörg Knoblauch
Prof. Dr. Cyrus Achouri
Prof. Dr. Michael Hohlstein
Prof. Jörg Mildenberger
Illustrationen von Werner »Tiki« Küstenmacher mit freundlicher Genehmigung von www.simplify.de
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation inder Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografischeInformationen sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Lektorat: Christiane Martin, Köln | www.wortfuchs.deUmschlaggestaltung: Martin Zech Design, Bremen | www.martinzech.de
©2015 GABAL Verlag GmbH, OffenbachDas E-Book basiert auf dem 2013 erschienenen Buchtitel „Die Karriere-Schmiede“ von Michael T. Wurster und Stefan Hagen, ©2013 GABAL Verlag GmbH, Offenbach.ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-480-3ISBN epub: 978-3-86200-975-6
Copyright © 2013 by GABAL Verlag GmbH, OffenbachAlle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise,nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.
www.die-karriereschmiede.dedesigned by Carina Hein, Eschau
www.gabal-verlag.dewww.facebook.com/Gabalbuecherwww.twitter.com/gabalbuecher
Wie bekomme ich meinen Traumjob?
Wie entsteht Erfolg?
Welche Fähigkeiten benötige ich?
Und wie schmiede ich meine Karriere?
Vermutlich jeder setzt sich mit Fragen wie diesen auseinander. Aber haben Sie dabei schon einmal an die Möglichkeit gedacht, einfach die erfolgreichsten Unternehmer, Manager und Consultants um Ratschläge zu bitten? Haben Sie schon einmal führende Experten befragt und mit ihnen darüber gesprochen, welche Faktoren den Erfolg wirklich bestimmen? Nun, wir haben genau das getan.
Das Ergebnis unserer zahlreichen Gespräche und Kooperationen halten Sie jetzt in den Händen. Dieses Buch ersetzt ein ganzes Regal voller Bücher. Es begleitet Sie von nun an über Ihre gesamte Karrierelaufbahn hinweg. Es ist mehr als nur ein Sammelband, es ist ein Buch für Generationen: Egal ob Sie Abiturient, Student, Trainee, Manager, Berater oder bereits erfahrener Unternehmer sind. Dieses Buch ist Ihr neues Standardwerk. Es beinhaltet alles. Alles was Sie schon immer über Karriere wissen wollten.
Die Faktoren, die den beruflichen Erfolg ermöglichen, sind dabei zahlreich. Manche Faktoren sind in der Tat unverzichtbar, andere wiederum sind variabel und können von Karriere zu Karriere unterschiedlich sein. Für dieses Buch haben wir gemeinsam mit unserem wissenschaftlichen Beirat die 23 aus unserer Sicht wichtigsten Erfolgsfaktoren ausgewählt. Jedem Erfolgsfaktor ist ein eigenständiges Kapitel gewidmet. Dabei geht es um Themen wie zum Beispiel das Studium, die eigene Persönlichkeit, Networking, Mut, Führung und zahlreiche weitere Aspekte, die Ihren Erfolg maßgeblich beeinflussen. Die 23 vorliegenden Kapitel werden das Rüstzeug für Ihren Erfolg bilden. Dabei sind diese nicht willkürlich angeordnet. Sie folgen einer inneren Logik und erzählen eine Geschichte. Eine Geschichte, in der Sie sich vielleicht selbst wiederfinden werden. Ergänzt wird diese Geschichte immer wieder gezielt durch »Blaupausen«, die von unserer Redaktion verfasst wurden. Absolut kompakt auf den Punkt gebracht liefern unsere Redakteure Ihnen hier Insidertipps, Checklisten, Tools, tiefer gehende Literaturempfehlungen und jede Menge wertvolle Ratschläge.
Die Herausgeber Stefan Hagen und Michael T. Wurster (Foto: Bianca Hahn)
Eine weitere Besonderheit, mit der wir zugleich ein ganz neues Buchgenre begründen, ist die Vernetzung der Autoren, wie es sie bislang noch nie in Sammelbänden dieses Ausmaßes gab. Die Kapitel greifen wie Zahnräder ineinander und tragen so zu einem besseren Gesamtverständnis bei. Sie werden begreifen, warum Ihre eigene Persönlichkeit Ihren Führungsstil beeinflusst. Sie werden verstehen, inwiefern Sie mit Mut Ihr Netzwerk um ein Vielfaches ausdehnen können, und Sie werden noch viele, viele weitere Verbindungen erkennen. Verbindungen, von denen Sie vielleicht noch nie etwas geahnt haben. Verbindungen, von denen Sie in 40 Jahren fest behaupten werden: Das war der Grundstein meines Erfolges.
Ergänzend dazu haben wir eine ganze Reihe an Kamingesprächen mit inspirierenden Menschen aus Wirtschaft und Politik geführt. Diese Gespräche haben unsere Arbeit an diesem Buch immer wieder aufs Neue geprägt, weshalb wir uns dafür entschieden haben, einen Großteil dieser Kamingespräche in diesem Buch mit zu veröffentlichen.
Nehmen Sie Ihre Zukunft jetzt in die Hand! Ihre Karrierelaufbahn hat soeben begonnen. Wir werden Sie ab sofort begleiten und sind immer für Sie da.
Michael T. Wurster und Stefan Hagen
Kapitel
Die einzelnen Kapitel sind das Herz des Buches. Führende Experten haben hier die Essenz ihres Wissens gebündelt. Sie werden schnell merken, dass jeder Autor dabei seinen ganz eigenen Stil hat. Von stark wissenschaftlich geprägt bis hin zu absolut plakativ. Falls ein Stil Ihnen mal nicht so recht zusagen sollte, blättern Sie einfach auf die letzte Seite des Kapitels. In der »Blackbox« haben wir Herausgeber die Hauptaussagen des Kapitels für Sie noch einmal auf den Punkt gebracht.
Blaupausen
Zur Ergänzung der Kapitel hat unsere Redaktion redaktionelle Beiträge verfasst. Diese beinhalten Ratschläge, Checklisten oder sogar Tools, welche direkt Ihrem aktuellen Level angepasst sind. Hier geht es dann um Themen wie Stipendien, Bewerbungen, Kennzahlen, Apps oder einfach Tipps für das Projektmanagement.
Kamingespräche
Wollten Sie schon immer einmal mit Persönlichkeiten wie zum Beispiel Wolfgang Clement, Prof. Dr. Claus Hipp oder Wolfgang Grupp sprechen? Wollten Sie herausfinden, welche Weisheiten diese Menschen erfolgreich gemacht haben und wie diese Menschen über Erfolg denken? Dieses Buch gibt Ihnen die Chance, von prägenden Persönlichkeiten zu lernen …
Downloads
An zahlreichen Stellen erhalten Sie Hinweise zu wertvollem Bonusmaterial, das direkt auf der Homepage zum Buch (www.die-karriereschmiede.de/ks/downloads) oder den entsprechenden Internetseiten der Autoren kostenlos für Sie zum Download bereitsteht.
Sie stehen am Anfang Ihrer Karrierelaufbahn?Sie überlegen sich, welche Universität oder Hochschule zu Ihnen passt? Oder vielleicht haben Sie bereits einen Traumarbeitgeber im Kopf und benötigen Ratschläge, wie Ihnen der direkte Einstieg gelingt?
Hier sind Sie genau richtig! Ihre persönlichen Karriereberater haben da mal was für Sie vorbereitet. Willkommen in der Karriereschmiede!
Wie viele Chancen werden uns vom Leben zugeteilt? Bekommt jeder gleich viele? Gibt es Pechvögel und Glückskinder? Oder ist es vielmehr so, dass man bereit sein muss, sich bietende Chancen auch zu sehen? Wie weit Sie es in Ihrem Leben bringen werden, wird immer davon abhängig sein, ob Sie es lernen, Chancen zu erkennen und zu nutzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie den richtigen Studienplatz suchen, im Management arbeiten oder als Unternehmer durchstarten. Der Anfang Ihres Erfolges ist der Chancen-Blick – um den wird es in diesem Kapitel gehen.
150 Athleten wippen in ihren Laufschuhen, lockern die Nackenmuskulatur und die Oberschenkel, atmen durch, konzentrieren sich. Kameras surren, Fotoapparate klicken. Gleich geht es los! Gleich startet einer der härtesten Wettkämpfe weltweit. Wir sind in Sydney, das Ziel ist Melbourne. Dazwischen liegen 544 Meilen, 875 Kilometer, das Rennen heißt Ultramarathon 1983. Getrunken und gegessen wird unterwegs. Pausen gibt’s nur für ein paar Stunden Schlaf und zur Massage der steinharten Muskeln.
Doch wer ist das, wer stört hier das Bild? Wer hat sich denn da zu den Sportlern verirrt? Will dieser ältere Herr etwa mitlaufen? Der sieht aus wie ein Bauer! Overall und Arbeitsstiefel.
Was für ein Witzbold! Kann man einen fünftägigen Laufwettbewerb in Gummistiefeln laufen? Natürlich nicht. Kann man mit 61 Jahren innerhalb einer Woche 875 Kilometer lang laufen? Das kann kaum ein 20-Jähriger, also ganz klar: nein. Kann ein Landwirt ernsthaft gegen trainierte Top-Athleten antreten? No way.
Also muss es sich um einen Scherz handeln. So ist das. Wer nicht innerhalb der Norm funktioniert, wird belächelt, keiner nimmt ihn ernst. Aber Cliff Young ist das egal. Ohne zu zögern und offenbar ohne sich der Skurrilität seines Auftritts bewusst zu sein, geht er selbstsicher zur Organisatorenriege und holt sich seine Startnummer. Denn er ist nicht hierhergekommen, um zuzusehen. Cliff will in seinem Alter, in seinem Aufzug tatsächlich mitlaufen.
»Sie sind verrückt. Sie werden bei diesem Rennen niemals bis zum Ende durchhalten!« »Aber sicher doch werde ich das.« Cliff lächelt freundlich – und den Reportern, den Veranstaltern, den Zuschauern bleibt vor Entsetzen der Mund offen stehen.
Startschuss. Die 20- und 30-Jährigen preschen los. Cliff bleibt von Anfang an scheinbar hoffnungslos zurück. »Das ist aber auch kein Wunder! Habt ihr gesehen, was der Kerl für einen ulkigen Schritt draufhat?« »Yeah, das sieht ja aus, als würden ihm ständig seine Gummi-Beine davonrutschen!«
Die belustigten Zaungäste des Superrennens haben gerade einer Weltpremiere beigewohnt. Jene merkwürdige Art sich fortzubewegen, die so viel Heiterkeit auslöst, ist der Cliff-Young-Shuffle. Er wird über Jahrzehnte hinweg die Läufer-Szene beschäftigen, er wird zahllose Nachahmer finden, er wird – wie Cliff Young selbst – zur Legende werden. Denn Cliff läuft mit diesem Schritt wie ein Uhrwerk. »Wir haben 2000 Schafe zuhause, auf 2000 Morgen Land«, erzählt er den Reportern. »Um die Tiere zusammenzutreiben, brauche ich manchmal zwei oder drei Tage.«
Cliff meint das wörtlich. Wann immer ein Sturm aufkommt, setzt er sich in Bewegung. Ohne Unterlass, Tag und Nacht. Dass so etwas nicht geht, hat ihm einfach keiner gesagt. Genauso wenig scheint sich Cliff bewusst zu sein, dass die Läufer des Sydney-Melbourne-Ultramarathons sich dringend nachts von ihren Strapazen erholen müssen. 18 Stunden Schritt für Schritt auf hartem Asphalt, in Staubluft oder Regen – da müssen mindestens sechs Stunden Schlaf einfach sein.
Nicht für Cliff. Er hat draußen auf dem Land keinen Schlaf gebraucht, wenn es um seine geliebten Schafe ging. Warum soll er sich jetzt beim Rennen ausruhen? Donnerhall, Blitzkanonade und tosender Nachtsturm – er stellt sich einfach bildlich vor, dass er beim Rennen nicht gegen Läufer läuft, sondern seine im Unwetter verirrten, verängstigten Schafe zusammentreibt. Und er kann auf seine Technik vertrauen: Der Cliff-Young-Shuffle, so stellt sich später heraus, ist eine enorm schonende Art voranzukommen. Cliff kann es sich leisten zurückzufallen, schließlich holt er immer wieder auf, während die andern pausieren. Bis er an der Spitze steht.
Melbourne, fünf Tage, 15 Stunden, vier Minuten nach dem Startschuss: Cliff Young gewinnt. Dass er 10 000 Dollar Siegesprämie erhält, ist unbedeutend angesichts der Tatsache, dass er weit über den Sport hinaus zu einer Ikone wird. Cliff Young – das ist der Mann, der das Unmögliche geschafft hat.
Um als Läufer erfolgreich zu sein, können Sie einfach auch mehr trainieren und Ihre Laufleistung Jahr für Jahr um 5 Prozent steigern. Auch das kann Sie im Laufe der Jahre enorm erfolgreich machen. Schafe jagen und Gummistiefel anziehen ist bestimmt kein Erfolgsrezept. Und ich empfehle Ihnen nicht, Ihre Firma besser zu führen, indem Sie in Hausschuhen zum Meeting gehen und dort Trillerpfeifen blasen. Auch wenn solche magischen Momente wie der in Melbourne 1983 so faszinierend wie unerklärlich für alle Außenstehenden sind: Es geht nicht darum, einfach nur verrücktzuspielen, einfach nur anders zu sein als alle anderen.
Wer versucht anders zu sein als alle anderen, orientiert sich doch genauso wie all die Mitläufer am Mainstream – nur eben andersherum. Anders zu sein kann eine Alleinstellung verleihen, Aufmerksamkeit generieren, und wenn man es geschickt anstellt, die Grundlage für reichlich Erfolg sein. Keine Frage.
Aber mir geht es hier um etwas anderes: nicht um Erfolg durch lineare Steigerung und nicht um Erfolg durch eine Anti-Gewöhnlichkeits-Strategie. Beides ist gut und richtig, und zu beidem wurden schon genug Bücher geschrieben, auch von mir selbst. Ich meine hier eine andere Spezies: Glückskinder. Wie Cliff Young. Die machen nicht mehr vom Gleichen und die machen nicht alles anders. Denen ist es nämlich völlig egal, wie man das so macht, was Usus ist, wie es geht, wie es gelehrt wird, wie es zu funktionieren hat.
Wer sich wie ich fragt, wie es sein kann, dass manchen Menschen ein Durchbruch gelingt, wo alle anderen nur eine unüberwindbare Mauer sehen, muss näher hinschauen, in die Leute hineinschauen, um zu verstehen, WARUM sie tun, was noch keiner vor ihnen getan hat.
Wieso schert es sie keinen Deut, was die anderen denken? Wie die anderen sie belächeln und vielleicht sogar auslachen, nur weil sie sich nicht an die unausgesprochenen Regeln halten? Solche Menschen sind offensichtlich vor allem eines: fokussiert. Sie leben in diesen magischen Momenten radikal aus dem Inneren heraus. Handeln vollkommen klar nach ihrer inneren Überzeugung und sind völlig frei von äußeren sozialen Zwängen und inneren Bremsen.
Und sie machen sich frei von ihrer eigenen Geschichte, von der Geschichte aller. Hab ich noch nie gemacht? Kein Problem. Hat noch nie irgendjemand gemacht? Okay, na und?
Durch diesen unbeirrbaren Fokus haben diese besonderen Menschen einen naiven kindlich-einfachen Blick für die Lücke in der Mauer, anstatt auf die pure Masse der Steine zu starren. Tests belegen, dass bei einer schier unausweichlichen Kollision diejenigen Autofahrer die höchsten Überlebenschancen haben, die sich gerade nicht auf ein plötzlich entgegenkommendes Fahrzeug konzentrieren, sondern auf die rettende Lücke.
Glückskinder haben diese Fähigkeit entweder in die Wiege gelegt bekommen oder erlernt, auf jeden Fall aber perfektioniert: Sie sind durch und durch lösungsorientiert, weit über die Grenzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung hinaus, weil sie sich nur für die Lösung und für sonst gar nichts interessieren.
»Never change a running system« – wenn sich wirklich alle an diese Binsenweisheit der IT-Welt gehalten hätten, dann wäre der PC gar nicht erst erfunden worden. Der Marktgigant IBM glaubte nämlich lange Jahre nur an den Computer als aufwendige Firmenlösung. Ein preiswerter Heimrechner für den Massengebrauch – so etwas war doch allenfalls die lächerliche Idee einiger Spinner. Apple, ein verschrobenes Start-up mit einem bunten angebissenen Apfel als Markenzeichen, erntete zwar ab 1977 erste kommerzielle Erfolge mit solch einem seltsamen Produkt. Doch davon ließ sich die Chefetage des marktbeherrschenden Giganten noch lange nicht irritieren. Es brauchte schon eine kleine Verschwörung, um 1980 im IBM-Forschungslabor in Boca Raton an der legendären Bürokratie des IT-Riesen vorbei den Personal Computer zu entwickeln. 1981 wurde der IBM 5150 PC vorgestellt. Gerade mal auf 250 000 Exemplare bezifferten die Vertriebsfachleute den möglichen Absatz. Es wurde ein Siegeszug – wider alle Prognosen.
Die Zukunft ist eben niemals die lineare Fortsetzung von Vergangenheit und Gegenwart. Trotzdem: Wir alle lieben doch die Linearität! Ich ja auch. Sie funktioniert einfach. Nicht umsonst sorgen wir dafür, dass unser Lebenslauf glatt und perfekt aussieht beim Bewerbungsgespräch, alle Veränderungen im Leben sollen im Nachhinein so aussehen, als wenn sie ursprünglich geplant gewesen wären. Das Leben läuft zwar nicht so – und jeder weiß es –, aber der Hang zur Linearität ist in uns so mächtig, dass wir sie lieber konstruieren als auf sie zu verzichten. Die Chancen im Leben kommen aber nicht aus dem Linearen! Mehr vom Gleichen ergibt einfach nur mehr vom Gleichen.
Natürlich brauchen wir die Gewohnheit, die stillschweigenden Verabredungen, die Zwänge und Bindungen unserer Geschichte und unserer Gemeinschaft. Keine Frage. Denn wenn es nur noch Durchbrüche gäbe, nur noch nichtlineare Sprünge, dann hätten wir nichts als Chaos. Aber bisweilen müssen wir die Linearität zerstören. Wir sind so. Ein paar Mal im Leben genügt, aber ab und zu brauchen wir einen Durchbruch, sonst schmeckt das Leben fad.
Der Moment des Durchbruchs, der totalen Verwirrung, des dekonstruierten Musters, ist der Moment der totalen Freiheit. Das sind vielleicht die einzigen Momente, die wirklich lebenswert sind. Das soll nicht heißen, dass Sie alles auf den Kopf stellen sollen um des Aufden-Kopf-Stellens wegen! Aber ab und zu ein kleines Chaos, um neue Kraft zu schöpfen, um alle Akkus wieder aufzuladen, um noch mal etwas von vorne zu beginnen … Ist es nicht unsere Pflicht, die lineare Lebenskette vielleicht zehnmal im Leben zu durchbrechen?
Mitte der 1990er-Jahre arbeitete ich mit und für die Management Design Group in Kalifornien. Die Gruppe veranstaltete Seminare für Manager mit durchschnittlich 20 Teilnehmern, die sich insgesamt für zehn Tage trafen, verteilt auf vier Termine, beispielsweise in Frankreich, England, Schweden oder den USA. Der Seminarpreis lag damals bei über 80 000 Dollar pro Person. Zuzüglich Reisekosten.
Ich fragte neugierig, welches Ziel mit den Seminaren verfolgt werden sollte. Die Antwort darauf war kurz und knapp: Wir wollen den Verwirrungsgrad unserer Teilnehmer erhöhen.
Ich entgegnete, dass ich das schon für 79 000 Dollar schaffen würde, war aber voller Anerkennung für dieses Ziel. Denn eines ist goldrichtig: Verwirrung fördert Durchbrüche. Um diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen, lohnt es sich, nacheinander drei Wege in Gedanken zu bereisen.
Der erste Weg ist der Weg der Mittelmäßigen. Der geht so: Eine mittelmäßige Schokolade kommt eines Tages an das Ende Ihres Produktlebenszyklus. Das heißt nichts anderes, als dass die Absatzzahlen nicht mehr so toll sind und der wirtschaftliche Exitus droht. Darum beginnt der Hersteller gerade noch rechtzeitig, das Produkt zu verbessern. In der Fachsprache nennt man das dann Relaunch. Die Schokolade wird noch zarter. Die Verpackung wird auf modern getrimmt. Die Bruchstellen lassen sich noch leichter brechen. Die Nussstückchen sind einen Tick gröber, weil die Marktforschung das nahegelegt hat. Die geliftete, mit Botox unterspritzte und neu eingekleidete Schokolade ist nach ihrem Anti-Aging-Programm dann wieder genau da, wo sie vorher war: im Mittelmaß.
Aber immerhin: Sie hält sich. Auch Menschen agieren so, im Beruf nennt man das Karriereplanung. In der Karriere strebt man nach Verbesserung, auch wenn man selbst keine bringt. Bei Unternehmen verändert man das Portfolio, bei Fußballmannschaften trainiert man fleißig und kauft im Rahmen der Möglichkeiten im Sommer einen neuen Spieler. Man unterzieht alles einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess und bleibt am Ball.
Wenn Sie sich einen Menschen, eine Marke, ein Unternehmen von oben betrachtet vorstellen, sehen Sie einen Zeitstrahl, die Jahre des Lebens, die vergangenen und vielleicht auch die hoffentlich noch vor einem liegenden. Und Sie sehen: den Fortschritt, die jährliche Verbesserung, die Veränderung, den »Zuwachs«.
Nun, wenn wir in den letzten Jahren immer schön kontinuierlich jedes Jahr fünf Prozent Wachstum hatten, dann liegt es nahe, auch für das kommende Jahr die fünf Prozent zu planen, oder? Nein, noch besser: Sie lesen gerade eine gutes Buch, sind motiviert eine Steigerung von sechs, sieben oder gar acht Prozent einzuplanen. Gratuliere!
Ganz egal ob es dabei um Ihre Umsätze, Marktanteile oder persönlichen Fähigkeiten oder Ihr Lebensgefühl geht. Das ist eine ganz typische Entwicklung. Jedes Jahr geht es wieder einen Schritt voran. Mensch, Marke oder Unternehmen wächst und gedeiht. Es ist ein gutes Businessmodell, positiv und seriös. Business as usual. Daran ist nichts Schlechtes – im Gegenteil – viele wären froh, wenn die persönliche oder unternehmerische Entwicklung so wäre. Es ist nur – langweilig!
Der zweite Weg ist der ambitionierte Weg. Dabei geht es darum, mit der Verbesserung des Produkts, der Performance, des Lebens schon zu beginnen, bevor es bereits wieder bergab geht. Am liebsten möchte man schon am Höhepunkt der Entwicklung eingreifen und alles so verbessern, dass ein Kurvenabfall ausgeschlossen ist.
Statt die Schokolade zarter zu machen, wird sie mit einer Zartcreme gefüllt, statt Botox gibt’s Sport oder das Skalpell und für die Karriere besucht man frühzeitig eine dieser zahlreichen Managerlounges und Netzwerktreffen, in denen man sich (un)gezwungen, (un)beschwert, (un)gestört unterhalten und anbiedern kann. Unternehmer machen das, was in der Fachsprache Benchmarking heißt.
Angenommen, Sie würden sich in einem Wettrennen so perfekt am Führenden orientieren, dass Sie es ihm gleichtun könnten und alle anderen im Feld überholten. Auf welchem Platz wären Sie dann, wenn Sie schließlich den Zweitplatzierten überholt hätten? Eben: Zweiter. Und dann? Können Sie auf diese Weise Erster werden?
Man kupfert also heute ab, was die erfolgreichsten vorgestern als »Best Practice« initiiert haben, um gestern an der Spitze zu stehen. Damit schafft man es dann morgen vielleicht an die zweite, dritte oder vierte Position, denn der Marktführer ist ja mittlerweile schon wieder Lichtjahre weiter. Aber immerhin! Zweiter, Dritter oder Vierter ist so lange nicht Letzter, solange es Fünfte, Sechste und Siebte gibt, die es nicht einmal schaffen, die gestrigen Erfolgsstrategien zu kopieren, nicht das Schlechteste. Das Problem ist: Gekauft wird trotzdem beim Ersten.
Das ist nicht nur das Prinzip im Business, sondern auch beim Wettkampf der Spermien um die Eizelle, bei der Eheschließung oder beim Präsidentschaftswahlkampf. Wem der ambitionierte Weg zu aufregend ist, der wählt gar statt »Best Practice« die allgemein anerkannte »Good Practice« – nur um ja keine Verwirrung zu stiften! Mit anderen Worten: Der macht, was man halt macht. Und bekommt, was man halt bekommt: durchschnittliche Erlöse, durchschnittliche Anerkennung, durchschnittliche Aufmerksamkeit. Ein Glückskind wird man so allerdings nicht.
Der dritte Weg ist der unglaubliche Weg – der Weg des Durchbruchs. Er erfordert unwahrscheinlichen Mut. Und totale Verwirrung. Denn diesen Weg zu beschreiten, bedeutet, völlig irrational eine radikale Veränderung zu versuchen, während der Gipfel des Erfolgs aus den Entscheidungen der Vergangenheit noch gar nicht erreicht wurde. Mitten auf dem Erfolgspfad schlägt sich ein solcher Durchbrecher in die Büsche und versucht das Unmögliche. Dazu braucht es mehr als rationale Entscheidungskraft. Dazu braucht es den Mut, mit der eigenen Geschichte zu brechen.
In meiner Arbeit mit der Management Design Group trafen wir Helena. Sie war eine junge, engagierte Trainerin aus Schweden, die den Kurs »Kommunikation und Menschenführung« und den »HIP High Impact Presentation Workshop« anbot. Wie bei vielen Trainern scheiterte es bei Helena weniger an der Dienstleistungsqualität als am Verkauf der Dienstleistung. Der auf 16 Teilnehmer limitierte, dreitägige Wochenendkurs wurde von ihr – wie von den meisten Trainern – zweimal jährlich angeboten. Zwei durchgeführte Veranstaltungen mit je 16 Teilnehmern brachten bei gut 2000 Euro Kursgebühr über 64 000 Euro in Helenas Kasse. Damit befand sich Helena zusammen mit ihren anderen Aktivitäten schon im engagierten Segment der jährlich zelebrierten Umsatz-Ranking-Liste der über 4000 Trainer.
Und Helena war ambitioniert. Sie hatte den Wunsch, ihre Umsätze mit dem HIP-Programm zu steigern. Also fragten wir sie, welche Ziele sie denn mit der Beratung erreichen möchte. Helena wünschte sich statt bisher zwei gleich vier, am liebsten fünf der HIP-Kurse anzubieten! Immerhin eine Umsatzsteigerung von 100 bis 150 Prozent. Ein ehrgeiziges Ziel! Ein ehrgeiziges Ziel?
Mit fünf angebotenen Kursen pro Jahr wäre sie im Feld der Anbieter in der Spitzengruppe gelandet. Zumindest in diesem Segment hätte sie sich damit einen guten Platz in der jährlichen Umsatzstatistik gesichert. Ein guter Plan. Völlig klar und rational, realistisch – und doch ehrgeizig. Ehrgeizig?
Wir schürten die Verwirrung. Wir provozierten Helena: »Das ist doch kein Ziel!« Eine Umsatzsteigerung von 150 Prozent ist kein Ziel – was dann? Helena war verwirrt. Nach einer Reihe von Provokationen kam unsere entscheidende Frage an Helena: »Wie viele Kurse hätten Sie denn am liebsten pro Jahr laufen?«
Helena erwiderte trotzig: »Nun, es ist ein Wochenendkurs, jeweils von Donnerstag bis Samstag, es gibt 52 Wochenenden im Jahr. Wenn wir Weihnachten und Ostern abziehen, dann bleiben 50 Wochenenden frei, das wären 50 Kurse an 50 Wochenenden. Ist das ein Ziel?«
»Ja, das hat noch keiner geschafft. Das ist ein Ziel.«
Ein Jahr später führte Helena tatsächlich 50 ausverkaufte HIP-Kurse pro Jahr in Schweden durch und katapultierte sich mit großem Vorsprung auf Platz 1 der weltweiten Umsatzstatistik mit einem neuen Umsatzweltrekord.
Rosa Louise Parks tat etwas, was man nicht tut: Sie weigerte sich, aufzustehen, als ein Weißer ihren Sitzplatz im Bus für sich beanspruchte. Und das wirkte wie der berühmte Schlag des Schmetterlingsflügels am Amazonas, der das weltweite Wetter ändern kann: Rosa Parks änderte die Geschichte. Ihre eigene Geschichte, die von Martin Luther King, die von Barack Obama und die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.
Der Busfahrer rief damals am 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama, die Polizei und Rosa Parks wurde verhaftet. Sie wurde wegen Störung der öffentlichen Ruhe verurteilt und musste 14 Dollar Strafe zahlen. Das rief Martin Luther King auf den Plan, zu diesem Zeitpunkt ein relativ unbekannter Baptistenprediger. Er organisierte mit seiner Montgomery Improvement Association den Montgomery Bus Boycott. Über ein Jahr lang protestierte die schwarze Bevölkerung von Montgomery gegen die Rassentrennung und weigerte sich, Bus zu fahren. Eine Lawine der Zustimmung und Unterstützung brandete über die Stadt hinweg. Am Ende waren die Behörden gezwungen, die Rassentrennung innerhalb von Bussen und Zügen aufzugeben. Diese Aktion war der Durchbruch für Martin Luther King und die Bürgerrechtsbewegung.
Die Bruchlinie, die damals in den 1950ern in Alabama begann, verläuft quer durch ein halbes Jahrhundert bis zum 20. Januar 2009, dem Tag der Amtseinführung des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten in Washington. Rosa Parks starb 2005. Sie hat den Sieg des ersten Afroamerikaners im Präsidentschaftswahlkampf ihres Landes leider nicht mehr erlebt.
Die Geschichte ist immer eine Geschichte der Brüche. Haben Sie in den 1980ern an den Fall der Berliner Mauer geglaubt? Hielten Sie es damals für wahrscheinlich, dass die KPdSU aus dem Kreml vertrieben wird, ohne einen Atomkrieg anzuzetteln? Hätten Sie damals je vermutet, dass das Apartheidsystem in Südafrika ohne jedes Blutvergießen fällt? All diese Wenden im Lauf der Geschichte rund um das Jahr 1990 haben tiefe Spuren im Alltag der Menschen hinterlassen. Waren sie wahrscheinlich?
Unmöglich schienen sie, keiner hat damals daran geglaubt. Nachträglich lassen sich von einem ganzen Heer von Wissenschaftlern, Beobachtern und Autoren schlüssige Ursachen dafür finden. Aber wer hat vor den entscheidenden Ereignissen erkannt, an welchem Punkt die Menschen eine einzigartige historische Chance auf dem Silbertablett serviert bekommen? Nicht einmal die Akteure selbst.
Das ganze Leben ist ein Marathon und manchmal entscheidet sich einer, ein Cliff Young zu sein. Und dann werden wir alle abgehängt und bleiben mit offenem Mund zurück.
»Das hätte ich auch gekonnt«, sagt ein Betrachter des Bildes. »Aber erst nachdem du es bei mir gesehen hast!«, sagt Picasso.
Wir alle werden von den Glückskindern auf vielen Strecken abgehängt, weil unser Denken denkt, was wir immer denken, und vor allem das, was wir denken, was die anderen denken, was wir denken sollten. Sie wissen schon, was ich meine … Ständig sind wir versucht, uns allzu strikt an unsere Erfahrungen zu halten, wenn wir Neues planen. Erfahrungen, die Resultat unserer Prägung, unserer Ausbildung sind. Erfahrungen, die wir von Eltern, Vorgesetzten und Vorbildern übernommen haben. Wir denken in den meisten Situationen, was schon von anderen gedacht wurde. Wir vertrauen auf Informationen, die längst auf dem Markt sind. Wir lesen Zeitungen, die andere geschrieben haben, mit Inhalten, die andere durchdacht haben – und die vielleicht längst überholt sind. Wir schauen TV-Komödien an, die ein müder Abklatsch von Welterfolgen sind. Wir hängen uns Bilder an die Wand, die vor 100 Jahren vielleicht mal Provokation waren.
Wir sind nicht geübt im Regelbruch, dafür sorgt schon unser Bildungssystem. Eine Szene aus meiner, aus Ihrer Jugend: Sie sitzen in der Schule, der Lehrer stellt Ihnen eine Frage. Auf eine Frage gibt es in der Regel eine richtige Antwort und unzählig viele falsche Antworten. Sie lassen die Frage auf sich wirken. Ihr Gehirn gibt Ihnen die Meldung, dass Sie die Antwort nicht wissen. Der Lehrer ruft Sie auf. Ihr Adrenalinspiegel steigt. Sie können nur schweigen. Kalter Schweiß an den Händen, dicker Kloß im Hals und rot und heiß brennen die Wangen. Wer hat die richtige Antwort? Der Lehrer, immer der Lehrer. Was lernen wir daraus? Der Lehrer ist eine Institution. Nun sind wir konditioniert. Wir wissen, dass Institutionen immer recht haben.
Nicht dass wir uns falsch verstehen: Organisationen, Traditionen, langjährige Erfahrungen sind ein geistiges Korsett. Und ein Korsett stützt. Es dient dazu, den Alltag zu meistern. Wer sich jeden Morgen überlegt, welche Joggingschuhe er anzieht, welche Strecke er wie lange in welchem Tempo wohl läuft, der wird nie losrennen. Wer ohne langes Nachdenken einem Laufritual folgt, das er von anderen übernommen hat, der schafft das spielend. Vor der Herausforderung Ultramarathon lohnt es sich aber offenbar durchaus, den Autopiloten zu deaktivieren und Kurs und Gangwahl selbst in die Hand zu nehmen.
»Das kannst du nicht, das darfst du nicht, das ist nichts für dich!« Ein Kind hört bis zu seiner Volljährigkeit vermutlich über 100 000-mal diese Gebote. Wenn es später mal ein erfülltes Leben haben will, hört es irgendwann mal weg.
Erst vor Kurzem habe ich ein weiteres Studium mit Master Business Administration Executive abgeschlossen. So ganz ohne Frustrationen gelang mir das allerdings nicht. Zwar ist der MBA recht praxisorientiert aufgebaut. Doch in Planspielen schnitten ich oder mein Team häufig als Gruppenschlechteste ab. Konnte das wahr sein?
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber in den Planspielen ging es um Unternehmenssituationen, die ich vielfach schon erlebt und mit großem Erfolg gemeistert hatte. Schließlich entdeckte ich jedoch den Schlüssel meines akademischen Problems: Die Universitäten und Hochschulen zielen mit ihren praktischen Übungen darauf ab, Regeln zu vermitteln. Außergewöhnliche Blickwinkel oder Schlupflöcher zu finden, ist im Lehrplan nicht vorgesehen. Als Unternehmer hatte ich jedoch immer mit dem blanken Gegenteil meine Erfolge gefeiert: Ich hab die Dinge so gemacht, wie sie funktionieren, nicht so, wie sie in den Regeln vorgeschrieben waren. Wie man es tut, ist dann uninteressant, wenn Sie genau wissen, wie Sie es tun wollen.
München, 1910: ein mächtiger Eichenschreibtisch, ein kräftiger Stuhl mit dickem Polster, dunkler Dielenboden. Die Türe knirscht, ein Mann mit schwerer Jacke betritt den Raum. Steifer Kragen, üppige Samtkrawatte. Die Hände ragen aus schneeweißen Leinenärmeln mit edlen Manschettenknöpfen, sie umfassen einen Malkasten, dessen Rost sich mit matten grünen, roten, blauen Klecksen mischt.
Tack, tack. Plötzlich bleiben die schwarzen Lederschuhe wie angewurzelt stehen. Gebannt starrt das Augenpaar des Mannes auf das Schauspiel, das sich dort hinten in der Ecke abspielt. Stunde der Dämmerung, durch das Fenster fließt rauschendes Gold. Es sammelt sich – pulsierend, wirbelnd, vibrierend, in allen Farben schillernd – auf einem Stück Leinwand. Zu sehen ist: nichts. Jedenfalls nichts Herkömmliches, nichts Gegenständliches. Stadt, Land, Fluss – alles fehlt und doch ist plötzlich viel mehr als die ewige Staffage aller Malerei vorhanden. Das Bild brennt, es strahlt, es glüht. Später wird der Maler, es ist Wassily Kandinsky, über diesen magischen Moment seines Lebens, ja der Kunstgeschichte, schreiben: »Ich wusste jetzt genau, dass der Gegenstand meinen Bildern schadet.«
Des Rätsels Lösung war ganz einfach. Kandinsky hatte irgendwann ein Gemälde an die Wand gestellt. Als er es an jenem Abend plötzlich neu entdeckte, stand es, stand seine Welt buchstäblich kopf. Alles Herkömmliche war getilgt, der Maler sah reine Form, reine Farbe. Die abstrakte Malerei war erfunden – weil ein Genie im wahrsten Sinn des Wortes etwas ver-rückt hatte.
Wer Durchbrüche erlebt, bricht mit der Sicherheit. Dazu braucht es Wahnsinn – und deswegen fehlt uns dafür so oft der Mut. Wir limitieren unsere Möglichkeiten, wir unterschätzen unsere geistige Potenz. Denken ist so kreativ, so explosiv, so anarchisch wie die Energie des Lichts, die Kandinskys Leinwand durchglühte. Doch meistens denken wir nicht, wir haben bloß Gedanken. Aus Angst vor der eruptiven Gewalt, die in unserem Kopf toben könnte, wagen wir es nur, dort Bilder, Worte, Meinungen zu verschieben, die wir von anderen ausgeliehen haben.
Auch Kandinsky hatte zunächst so gehandelt. Er ließ sich ausbilden an der Münchner Akademie der bildenden Künste und arbeitete bei Franz von Stuck. Dieser Malerfürst prägte mit seinem Hang zu Mythen und zur lasziven Erotik die Kunst der Jahrhundertwende.
Kandinsky folgte ihm. Auch wenn ihm Stucks Ideale fremd blieben, gewann er unter seiner Anleitung solide handwerkliche Grundlagen. Später wurde der Russe zu einem Vorkämpfer des Jugendstils. Doch dieser war damals bereits Mode. Kandinsky zählte sich zur Avantgarde, doch neben ihm marschierten viele. Schon bald scherte er aber aus dem Gleichschritt aus und irritierte selbst künstlerische Freunde mit stilisierten Anklängen an die Volkskunst seiner Heimat.
Auch im persönlichen Umgang zeigte er nun immer mehr Eigensinn und Unangepasstheit, was mitunter zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Kandinskys Wahnsinn war also Programm. Wäre er seinen Weg aus der Tradition hin zur unverwechselbaren Individualität nicht konsequent gegangen – wir hätten seinen Namen längst vergessen.
Ich habe gelernt: Manchmal muss ich wie Kandinsky meine bekannten Bilder auf den Kopf stellen. Wir müssen ab und zu die Perspektive wechseln. Dazu braucht es Entschlossenheit.
»Manchmal musst du das Glück schon zwingen«, singt Udo Lindenberg. Wobei es das »Manchmal« in sich hat: Es kommt auf den genau richtigen Augenblick an. Die Widerstände gegen das Neue sind fast immer übermächtig. Aber im magischen Moment genügt dann doch ein kleiner Stoß, um sie fast widerstandslos in sich zusammenfallen zu lassen. Wie traumgesteuert handeln Glückskinder ohne jede Irritation und mit aller Kraft exakt dann, wenn es zu handeln gilt.
Gordion in Kleinasien, 334 vor Christus. Hunderte Brustpanzer glänzen in der Sonne, ein Wald von Lanzen ragt in den stahlblauen Himmel, kein freier Platz mehr auf dem Tempelberg an diesem Tag. Schwerter klirren, Pferde schnauben, ein Raunen geht durch die gewaltige Menge. Plötzlich erscheint der junge Feldherr. Mit straffem Schritt geht er auf das Mysterium dieser Stadt zu. Die Priester breiten es in scheinbarer Demut, aber mit listigem Lächeln vor dem Eindringling aus. Mit 30 000 Mann ist er in die einstige Hauptstadt des Phrygier-Reiches einmarschiert, ein stolzes, ein gewaltiges Heer. Doch wie viele Herrscher und Herrschsüchtige haben sie hier schon kommen und wieder gehen sehen!
Assyrer, Lyder, Meder – alles Streitmächte, vor denen einst die Welt erzitterte. Sie alle hatte der Perserkönig Dareios unterworfen und noch zahllose andere Völkerschaften. Und jenen Gewaltigen wollte nun ein dreister Grieche herausfordern? Seit wann waren denn die Götter auf der Seite der Heißsporne! Hundertschaften von Weisen und Mächtigen hatten sich bereits daran versucht, den magischen Knoten der Stadt zu lösen, das stolzeste Rätsel des Weltkreises. Die Götter lockten, so besagte es ein Orakel, mit hohem Gewinn: Es ging um den Besitz des Perserreiches. Aber am Ende standen immer Verzweiflung, Wut, Ratlosigkeit – alles war vergebens.
Deswegen war es wie in Stein gemeißelt: Auch der blutjunge Makedonierkönig würde jener Schmach nicht entgehen. Gedemütigt würden er und die Seinen übers Meer nach Hause fahren, empfangen von ihren bitterlich weinenden Weibern. Denn die Welt war nun einmal undurchdringlich in sich verschlungen wie ein Knoten. Wehe dem, der vermessen genug war, dies zu bezweifeln! Stille.
Jetzt greift Alexander entschlossen zum Schwert – und schlägt den Gordischen Knoten entzwei. Das Orakel behält recht: Er besiegt das Perserreich, doch das genügt ihm nicht, er stürmt weiter bis Indien, erst am Rande des Weltkreises erfährt er seine Grenze.
Die Folgen jenes genialen Siegeszugs lassen sich bis heute in vielen Ländern besichtigen. Die Szene am Tempelberg ist jedoch eine Legende, die niemand belegen kann – genau wie die Erfindung der abstrakten Malerei durch Kandinsky. Doch Legenden sagen mehr über die historische Wahrheit aus als manches Monument.
Feldherrn leben in enger Tuchfühlung mit dem Glück. Schließlich kann das Kriegsglück sich in jeder Sekunde wenden und sie Land, Leute und Leben kosten. Die Lehre von Gordion lautet: Aggression kann tödlich sein, aber sie ist auch – recht verstanden – Bedingung des Glücks. Denken genügt nicht. Gemacht werden muss es!
Jedes scheinbar unlösbare Problem sieht aus wie ein durch und durch in sich selbst verschlungener Knoten. Ohne Willenskraft, ohne Entscheidungsstärke und Instinkt ist dieses Knäuel nie zu durchschlagen. Jeder könnte es tun, doch nur einer hat die nötige Zielstrebigkeit.
Nur einer macht es dennoch und als Erster. Bevor eine völlig neuartige Erfolgsstory beginnt, braucht es offensichtlich einen Gewaltakt, um sich von tausend guten, aber verwirrenden Ratschlägen, von allzu exakten Berechnungen und gewiss auch dem ein oder anderen Selbstzweifel zu trennen.
»Der hat so viel Glück, dass es wehtut« – kaum einer, der diesen Spruch zitiert, ahnt, wie sehr er recht hat.
Für das Glück sind schmerzhafte Schnitte nötig. Glück hat nur, wer sich – ohne zu zögern, ohne Kompromisse – von all dem lähmenden Ballast um ihn herum und in ihm selbst trennt. Alexanders Blick war eiskalt, als er zum entscheidenden Schlag ausholte. Er sah sein Heer der 30 000 nicht mehr, er hatte das Lächeln der Priester ausgeblendet, nicht einmal die gleißende Sonne über sich nahm er wahr. Da waren nur der Knoten und er – und das Schwert. Zack. Das Glück kommt wie ein Fallbeil.
Hermann Scherer,Speaker, Business Expert
Über 2000 Vorträge vor rund einer halben Millionen Menschen, 30 Bücher in 15 Sprachen, viele Presseveröffentlichungen, Dutzende Hochschulvorlesungen, erfolgreiche Firmengründungen, eine anhaltende Beratertätigkeit und immer neue Ziele – das ist Hermann Scherer. Er lebt in Zürich und ist in der Welt zu Hause, wo er mit seinen mitreißenden Auftritten Säle füllt. Der Autor, Wissenschaftler und Businessphilosoph »zählt zu den Besten seines Faches« (Süddeutsche Zeitung).
www.hermannscherer.de
BLACKBOX
Die Herausgeber fassen zusammen …
•Wie weit Sie es im Leben bringen, hängt davon ab, ob Sie die Chancen nutzen, die Ihnen das Leben gibt.
•Die Zukunft ist niemals die lineare Fortsetzung von Vergangenheit und Gegenwart. Chancen entstehen dort, wo man den Blick weg vom linearen Alltag richtet. Mehr vom Gleichen wird immer mehr vom Gleichen ergeben.
•Wer große Durchbrüche sucht, braucht den Mut, seine eigene Geschichte zu brechen.
•Wir müssen ab und zu die Perspektive wechseln.
•Denken reicht nicht aus. Es muss gemacht werden!
•Glück hat nur, wer sich – ohne zu zögern, ohne Kompromisse – von all dem lähmenden Ballast um ihn herum und in ihm selbst trennt.
Was wäre, wenn Ihnen heute eine gute Fee erscheint, die Ihnen sagt: »Egal was auch immer Sie beruflich erreichen möchten, egal wie Ihre Träume aussehen, ich kann Ihnen diese erfüllen, erzählen Sie mir einfach davon.«
Was würden Sie antworten?
Schreiben Sie jetzt alles auf!
Sie schwanken zwischen verschiedenen Wegen? Dann halten Sie alle fest! Wenn Ihnen der Platz unten nicht reicht, nehmen Sie sich einfach ein Blatt Papier und machen da weiter.
Sie behaupten, Sie sind nicht kreativ und sind sich selbst eher unsicher? Dann holen Sie einen kreativen Sparringspartner ins Boot (vgl. Scherer 2009)!
1 Bei diesem Kapitel handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch »Glückskinder« von Hermann Scherer, erschienen 2011 im Campus Verlag, Frankfurt / M. und New York.
Engagement ist eine der Säulen unserer Gesellschaft. Insbesondere Politiker wie zum Beispiel Bundespräsident a. D. Roman Herzog betonen dies bei jeder Gelegenheit. Doch es sind nicht nur Spitzenpolitiker, die Engagement erwarten. Unternehmen und Hochschulen erwarten es ebenso. Ja mehr noch, einige von Ihnen fordern es gerade zu. Damit die Chancen auf einen Studienplatz richtig gut sind, reicht ein exzellentes Zeugnis allein schon lange nicht mehr. Das gilt noch mehr für Ausbildungs- und Arbeitsplätze in Topunternehmen. Ob nach dem Abitur oder nach dem Examen an einer Hochschule macht dabei kaum einen Unterschied. Ja, selbst als Unternehmer bedarf es in manchen Branchen vielfältigen Engagements, um bei den Kunden im Gespräch zu bleiben. Ausgeprägte Soft Skills sind deshalb unverzichtbar.
Morgens, halb zehn in Deutschland. Etwas nervös nimmt Julia K. auf dem Stuhl Platz und blickt in die Gesichter der drei Personen ihr gegenüber: eine Professorin, ein Mitarbeiter der Universität und eine Studentin. Die nächsten 30 Minuten werden darüber entscheiden, ob Julia im kommenden Semester einen Studienplatz erhalten wird. Denn es gibt, wie jedes Semester, auch dieses Mal wieder eine große Flut an Bewerbern: weit über 1000 Interessenten und dennoch nur 120 Studienplätze, die zu vergeben sind.
In Stunden wie dieser scheint die Zeit stillzustehen und der Puls rast. Das sind Stunden, in denen vielleicht eine große Karrierelaufbahn beginnt. Das sind Stunden, die irgendwie ein wenig an »Deutschland sucht den Superstar« erinnern – die Jury direkt gegenüber: Die eigene Personality entscheidet, wie es weitergeht. Entweder wird man aufgenommen und erhält den Recall oder man ist aus dem Rennen und darf heimgehen.
Ein paar Tage später kommt die Zusage per Post. Julia hat ihren Studienplatz für Betriebswirtschaftslehre bekommen. Sie hat es also geschafft und springt vor Freude auf und ab.
In ein paar Monaten wird Sie zufällig von der Professorin erfahren, was am Ende geholfen hat, ihren Studienplatz zu sichern: Es war ihr Engagement während der Schulzeit. Julia engagierte sich in einer Schülerfirma namens JUKon und die Studienauswahlkommission hat in den Auswahlgesprächen gezielt nach Bewerbern Ausschau gehalten, von denen auszugehen ist, dass diese sich auch im Studium auf dem Campus engagieren werden. Die Vergangenheit von Julia wurde entsprechend interpretiert und brachte ihr Pluspunkte – wertvolle Pluspunkte.
Somit hat sich Julia gegen viele andere Bewerber durchgesetzt, die teilweise sogar bessere Noten vorweisen konnten. Es ist eben immer das Gesamtpaket, das letztlich entscheidet.
Bei Bewerbungen um einen Job sieht es ähnlich aus. Topunternehmen der deutschen Wirtschaft bewerten Bewerber unter anderem nach folgenden Kriterien:
▪Examensnote
▪Studiendauer
▪Auslandserfahrung
▪Sprachkenntnisse
▪Ausbildung / Lehre
▪Promotion
▪MBA
▪außeruniversitäre Aktivitäten
▪soziale Kompetenz
▪Praktika
In der Einstufung zwischen unwichtig und wichtig wird die Examensnote oft unter 100 Prozent bewertet, die beiden Kriterien »außeruniversitäre Aktivitäten« und »soziale Kompetenz« aber immer mit 100 Prozent. So betonen die führenden Personalexperten wie Prof. Dr. Jörg Knoblauch schon lange, dass Menschen wegen ihrer fachlichen Eigenschaften eingestellt werden, dann aber wegen ihrer Persönlichkeit und ihres Charakter wieder entlassen werden müssen. Das ist die Personalfalle. Es macht eben einen spürbaren Unterschied, ob ein Mensch topengagiert arbeitet oder ob er nahezu keinerlei Begeisterung für die Arbeit und das Umfeld zeigt.
Ich kenne einige mittelständischen Unternehmer, die sogar sagen, dass Sie einen Bewerber nur dann einstellen, wenn er parallel zu seinem Studium oder seiner Ausbildung ehrenamtliches Engagement geleistet hat. Sie erkennen daran, ob dieser junge Mensch bereit dazu ist, mehr zu leisten, als gefordert wird. Es sind auch Kriterien wie diese, die es erlauben, einen Menschen zu beurteilen.
Sie werden später im 14. Kapitel »Performance« Ausführliches darüber lesen. Mir geht es jetzt speziell darum, Ihnen aufzuzeigen, wo Sie sich überall engagieren können. Vor allen Dingen möchte ich Ihnen daran zeigen, dass Sie selbst sogar am meisten davon profitieren können.
Das Klima in jeder Hochschule und Universität wird von jenen Studenten geprägt, die sich parallel zum Studium ehrenamtlich engagieren. Plattformen dafür gibt es einige. Sei es in der Fachschaft, in studentischen Initiativen, studentischen Vereinigungen oder anderen ähnlichen Konstellationen.
Das Engagement lohnt sich dabei in mehrerlei Hinsicht und kann von großer Bedeutung für die Zukunft sein. Die folgenden Gründe sprechen jedenfalls dafür, dass Sie sich parallel zum Studium engagieren:
▪Förderung der eigenen Soft Skills, die auf den Beruf vorbereiten
▪stärkere Entwicklung der eigenen Persönlichkeit
▪Kontakt zu Studenten aus höheren Semestern und damit Zugriff auf wertvolle Tipps für die Prüfungsvorbereitung
▪verantwortungsvolle Projekte, die eine gute Referenz im Lebenslauf darstellen
▪spannende Kontakte knüpfen
Es gibt dabei viele Arten von Engagement. Angefangen von Projekten auf dem Campus, die eine Bereicherung des studentischen Alltags ermöglichen, bis hin zu ehrenamtlichem Engagement für jene, die dringend Hilfe brauchen.
Ein sehr innovatives Projekt ist an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen am Bodensee entstanden. Nach einer Podiumsdiskussion über Bildungsgerechtigkeit mit dem ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück gründeten zwölf Studenten der Zeppelin-Universität »Rock your life« als Pilotprojekt am Standort Friedrichshafen.
Das Projekt wurde in verschiedenen lokalen und überregionalen Medien gelobt und erhielt mehrere Preise sowie Auszeichnungen. Aufgrund der positiven Resonanz – und natürlich erster Erfolge am Pilotstandort – wurde daraufhin eine gemeinnützige GmbH gegründet, um »Rock your life« deutschlandweit an vielen Hochschulstandorten zu etablieren.
Der Erfolg eines Menschen hängt in Deutschland stark vom sozio-demografischen Hintergrund ab. Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Milieus haben seltener Zugang zu höherer Bildung. Sie erfahren oft nicht die Unterstützung und Förderung, die sie für ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Berufsleben brauchen. Mit der gemeinnützigen Bildungsinitiative »Rock your life« sollen gezielt sozial benachteiligte Schüler aus bildungsund integrationsfernen Milieus – in der Regel Hauptschüler – über ihre letzten zwei Schuljahre von einem dafür speziell ausgebildeten Studenten begleitet werden. Ziel ist die Verbesserung der Chancen der Schüler, nach ihrem Abschluss einen Ausbildungsplatz zu bekommen oder eine weiterführende Schule zu besuchen. Die engagierten Studenten organisieren sich dazu in lokalen Vereinen an Hochschulstandorten in Deutschland. Derzeit existieren bundesweit 18 Standorte, an denen sich etwa 600 Studenten ehrenamtlich engagieren.
Die Schirmherrschaft tragen Prof. Dr. Gesine Schwan, Peer Steinbrück und Cem Özdemir. Unterstützt wird »Rock your life« unter anderem durch die »BMW Stiftung Herbert Quandt«, die Vodafone-Stiftung, die Zeppelin-Universitätsgesellschaft und viele andere Sponsoren und Förderer.
Die Konzeption von »Rock your life« sieht wie folgt aus:
▪»Rock your life« qualifiziert Studenten als Coaches.
▪Die Coaches begleiten einen Schüler eins zu eins während der letzten beiden Jahre der Schulzeit.
▪Zudem wird ein bundesweites Unternehmensnetzwerk aufgebaut, über welches Schüler die Möglichkeit haben, sich über verschiedene Berufsfelder zu informieren.
▪Gezielte Medienarbeit soll das negative Fremdbild von Hauptschülern verändern.
Sie möchten Ihren eigenen Weg gehen? Sie haben großartige Visionen und möchten diese verwirklichen? Dann machen Sie es doch einfach! Mit Ihren persönlichen Talenten und Fähigkeiten sind Sie jederzeit in der Lage, eigene Projekte zu starten.
So hat die Mitautorin Claudia Flor, die heute eine internationale Künstlerin ist, zu ihrer Studienzeit eine Ausstellung durchgeführt, bei der sie Zeichnungen von bedrohten Tierarten präsentierte. Diese Bilder wurden zusätzlich mit Informationen über die Tiere ergänzt. Im Rahmen dieser Veranstaltung gab es dann auch eine Spendenaktion, und natürlich wurde ihr Projekt mehrfach in der Presse vorgestellt. Überhaupt ist es eine äußerst gute Idee, Benefizveranstaltungen zu initiieren. So kann man zum Beispiel eine Spendenaktion für Menschen in Not starten und versuchen, über mehrere Wege Geld zu sammeln. Professoren, die das befürworten und Sie deshalb unterstützen, werden Sie schnell finden. Unternehmen, die dieses Engagement unterstützen, sollte es sicherlich auch geben. An manchen Hochschulen organisieren die Studenten sogar richtig große Partys und spenden anschließend alle Einnahmen an einen wohltätigen Zweck.
Ein weiteres ehrgeiziges Projekt ist »Simon-TV«. Der Student Simon Hoffmann hat all sein Engagement genutzt, um den nach seinen Angaben kleinsten Fernsehsender der Welt ins Leben zu rufen. Gelegentlich ist »Simon-TV« auch auf verschiedenen offenen Kanälen in Deutschland zu empfangen – von Reportagen, Kurzfilmen und lustigen Aktionen bis hin zu Sendungen im selbst gebauten TV-Studio. Das Internet-TV-Projekt mit viel Leidenschaft und Engagement hat zum Ziel, gemeinnützige Einrichtungen direkt und indirekt zu unterstützen. So ist der kleinste Fernsehsender der Welt bereits Förderpartner der Welthungerhilfe.
Auch ist es denkbar, die Bachelor- oder Master-Thesis als ein Charity-Projekt auszulegen. So gibt es jede Menge Charity-Projekte, beispielsweise für Kinder in der Dritten Welt. Den Projektleitern fehlt es allerdings in der Regel zumeist an fundiertem Wissen über Projektmanagement oder Marketing, da sie zumeist aus anderen Bereichen wie Theologie oder Soziologie stammen. Die Bachelorarbeit kann dabei als Beratungsprojekt ausgerichtet werden. Das wäre dann eine praktische Bachelorarbeit, die zugleich etwas bewegt und mit Sicherheit auch eine Berichterstattung in der Presse nach sich ziehen wird. Eine ausführliche Recherche auf Google führt sicherlich schnell zu Ideen. Helfer werden überall gebraucht – mehr denn je.
Wenn Sie selbst eine spannende Projektidee haben, werfen Sie doch einfach mal einen Blick auf die Internetseite www.startsocial.de. Diese Initiative ist ein bundesweiter Businessplanwettbewerb zur Förderung sozialer Projekte und Ideen, der unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel steht. Unter dem Motto »Hilfe für Helfer« unterstützt der Wettbewerb ehrenamtliche Projekte durch dreimonatige Beratungsstipendien. Im Hintergrund stehen dabei Partner wie zum Beispiel die renommierte Unternehmensberatung McKinsey. Wenn es Ihnen gelingen sollte, bei diesem Wettbewerb zu gewinnen, stehen Ihnen wirklich alle Türen offen. Das zeigt, was Sie mit herausragendem Engagement erreichen können: Es öffnen sich Türen, die selbst Absolventen mit Bestnoten verschlossen bleiben könnten. Vor allem aber sollten Sie anfangen zu erkennen, dass jene Menschen, die große Erfolge haben, in der Regel auch eine große Verantwortung tragen. Eine Verantwortung, die nach Taten schreit.
Karl-Otto Kaiser
Er gilt als innovativer Querdenker, der eng und äußerst erfolgreich mit Topunternehmen zusammenarbeitet. Karl-Otto Kaiser ist Oberstudienrat an einer großen beruflichen Schule und ist ein Lehrer der ganz anderen Art. Der charismatische Oberstudienrat bewegt große Projekte und ermutigt Menschen dazu, mehr Engagement zu wagen. Um seiner Botschaft Nachdruck zu verleihen, vernetzt er seine Schüler direkt mit Stars, Unternehmern, Managern und sogar Friedensnobelpreisträgern. Es sind Begegnungen wie diese, die bei vielen Menschen die Karrierelaufbahn prägen. Gleichzeitig hält er mitreißende Impulsvorträge und demonstriert, wie das deutsche Bildungswesen systematisch verbessert werden kann. Karl-Otto Kaiser ist Impulsgeber und Mentor.
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Die Herausgeber fassen zusammen …
•Engagement ist eine der Säulen unserer Gesellschaft. Sowohl Politiker als auch Unternehmer fordern dies und legen darauf großen Wert. Ehrenamtliches Engagement kann die Chancen auf einen Studienplatz oder gar einen Arbeitsplatz erheblich steigern.
•Unternehmen konzentrieren sich bei der Auswahl von Absolventen zumeist auf die folgenden Kriterien: Examensnote, Studiendauer, Auslandserfahrung, Sprachkenntnisse, Ausbildung / Lehre, MBA, Promotion, außeruniversitäre Aktivitäten, soziale Kompetenz und Praktika. Dabei werden die beiden Kriterien »soziale Kompetenz« und »außeruniversitäre Aktivitäten« stärker gewichtet als manch andere Faktoren.
•Gründe für Engagement gibt es viele. Die wichtigsten sind aus unserer Sicht: Förderung der eigenen Soft Skills zur Berufsvorbereitung, Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, Kontakt zu Studenten aus höheren Semestern und damit Zugriff auf wertvolle Tipps für die Prüfungsvorbereitung, herausfordernde Projekte, die gute Referenzen darstellen, und natürlich verhilft Engagement zu spannenden Kontakten.
•Jeder Einzelne ist dazu in der Lage, aufbauend auf seinen Stärken Charity-Projekte zu initiieren und etwas zu bewirken.
•Prüfen Sie, ob Ihr Projekt für eine Teilnahme bei StartSocial (www.startsocial.de) geeignet ist.
Universitäten sind von einem starken, wissenschaftlich orientierten Lehrplan geprägt und bieten die Möglichkeit auf eine Promotion. Da der Universitätsabschluss einen gehobenen Ruf genießt, können die Absolventen häufig höhere Gehaltsvorstellungen als beispielsweise die Absolventen einer Fachhochschule durchsetzen. Regelstudienzeit: drei Jahre.
Eine Fachhochschule (FH) hat einen stärkeren Praxisbezug als eine Universität. Die Dozenten sind in der Regel Praktiker und können dadurch erheblich tiefere Einblicke in die Praxis vermitteln. Das Studium selbst ist überschaubarer als an einer Universität. Meistens ist die Studentenzahl pro Semester deutlich geringer – insbesondere im Hauptstudium. Dementsprechend sind die Kontaktmöglichkeiten zu Professoren wesentlich größer. Regelstudienzeit: für gewöhnlich dreieinhalb bis vier Jahre.
Das Studium an einer Berufsakademie (BA) ist immer direkt mit einer Ausbildung in einem Unternehmen kombiniert. Diese Form des Studierens ist für Studenten äußerst spannend, da nicht nur ein hoher Praxisbezug gewährleistet ist, sondern auch weil vom ausbildenden Betrieb ein Gehalt ausgezahlt wird. Allerdings weist diese Form des Studiums zugleich den höchsten Druck auf. Scheitert man bei einer bestimmten Prüfung oder wird man den Notenerwartungen nicht gerecht, so kann es sein, dass der ausbildende Betrieb von seinem Vertrag zurücktritt und man dadurch den Studienplatz verliert. Regelstudienzeit: im Normalfall drei Jahre.
Das Fernstudium bedeutet ein hohes Maß an Flexibilität. Man kann es an jedem beliebigen Ort absolvieren, da die Unterlagen zugeschickt werden. Sowohl postalisch als auch inzwischen meist digital. Die Inhalte lernt man dadurch, dass man sich eigenständig mit der Materie auseinandersetzt. Demzufolge bietet dieses Studium leider nicht das typische »Campus«-Leben. Es stellt insbesondere eine gute Alternative für ältere Personen dar, die bereits eine eigene Familie haben oder fest im Berufsleben verankert sind. Regelstudienzeit: schwankt je nach Institution.
Vom Tellerwäscher zum Milliardär, vom Laufburschen zum Vorstandsvorsitzenden eines Weltkonzerns, vom Mitarbeiter am Fließband zum Begründer eines Großunternehmens, vom Hotelpagen zum Topmanager einer Hotelkette – wer kennt sie nicht, solche oder ähnliche Beispiele. Sie zeigen, dass ein Studium nicht immer und ausschließlich notwendig ist, um »vorwärtszukommen«. Die entscheidende Frage ist, wie verlässlich, häufig und übertragbar solche Beispiele sind.
Darf sich ein junger Mensch, der sein Abitur oder seine sonstige Hochschulzugangsberechtigung in der Tasche hat, solchen Gedankenspielereien hingeben? Antwort: Er darf, ja, er sollte es vielleicht sogar.
Folgende drei Fragen stellen sich dabei automatisch:
▪Wie oft kommen solche Lebensläufe vor?
▪Sind solche Karrieren heute noch möglich?
▪Welche ganz besonderen Umstände trugen hier zum Erfolg bei?
Die Antworten auf die ersten beiden Fragen fallen jeweils sehr eindeutig aus: selten, höchst selten. Die Antwort auf die dritte Frage bringt häufig ernüchternde Antworten: zum Beispiel besondere Begabungen, spezielle Beziehungen, glückliche Konstellation mehrerer Bedingungen oder auch eiserner Wille und konsequente Verfolgung und Durchsetzung eines (beruflichen) Zieles.
Ein auch nur mäßig intensives Beschäftigen mit den genannten Fragen sollte eigentlich dazu beitragen, derartige Beispiele nicht als Vorbild zu nutzen, um erst gar kein Studium anzufangen oder es ohne Abschluss aufzugeben. Von Henry Ford, der bekanntermaßen kein Akademiker war, erzählt man sich, dass ihn eines Tages ein junger Mann besuchte, der ihn anhimmelte und ihn fragte, wie er denn so erfolgreich werden konnte. Henry Ford antwortete, er solle zunächst seine Schule mit guten Noten abschließen, anschließend ein Studium absolvieren und dann wiederkommen, damit man ihm zeigen könne, wie er dieses Wissen in der Praxis einsetzen kann.
Gerade in der heutigen Zeit gibt es allerdings auch viele Möglichkeiten, sich außerhalb von Universitäten und Hochschulen auf einen Beruf vorzubereiten. Fachschulen unterschiedlichster Ausrichtung bieten zum Teil exzellente Angebote. Diese stellen für junge Menschen, die einen schnellen Berufseinstieg und vor allem eine konsequent an einem engen praktischen Tätigkeitsfeld orientierte Vorbereitung suchen, eine wirkliche Alternative zum Studium dar.
Die Frage ist, ob durch diese Möglichkeiten ein Hochschulstudium weniger attraktiv, weniger notwendig oder gar überflüssig geworden ist. Die Antwort ist ein klares und eindeutiges Nein. Nein, ein Hochschulstudium hat nichts an seiner Notwendigkeit und nichts an seiner Attraktivität verloren. Zum – quantitativen – Beweis können sowohl die gestiegenen Bewerberzahlen an den deutschen Hochschulen als auch die gestiegenen Studierendenzahlen dienen. So wuchs die Zahl der Studierenden an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg in den letzten fünf Jahren um rund 15 Prozent. Auch die übrigen zwei Hochschultypen in Baden-Württemberg, Universität und die Duale Hochschule, konnten Zuwächse verzeichnen (Aussage der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg). Die Anzahl der Bewerbungen hat sich im gleichen Zeitraum alleine an unserer Hochschule, der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU), mehr als verdoppelt.
Zum anderen können sehr wohl auch die zahlreichen Stellenanzeigen, in denen für anspruchsvollere Positionen oder Traineeprogramme ein Studienabschluss vorausgesetzt wird, als quantitativer Beweis für die Notwenigkeit eines Studiums herangezogen werden.
Zur Beweisführung in qualitativer Hinsicht bedarf es wohl keiner langen Erläuterungen. Der Hinweis auf die enorm gewachsenen Komplexitäten in technischer, ökonomischer, globaler, aber auch in sozialer und führungsmäßiger Hinsicht ist wohl ausreichend. Die Antwort auf diese enormen Anforderungen, deren Wachstum noch lange nicht erschöpft sein wird, kann doch nicht lauten: weniger akademisch fundierte Ausbildung. Im Gegenteil: Ein Mehr ist nötig. Die weitere deutliche Erhöhung der Studierendenquote muss deshalb eines der vorrangigen bildungspolitischen Ziele einer jeden Landes- und Bundesregierung sein. Dabei ist es wichtig – weil es sowohl aus humaner als auch aus ökonomischer Sicht notwendig ist –, dass bildungsfernere Schichten weit mehr als bisher die Chance erhalten, am gesamten Bildungssystem teilzunehmen – von den Vorschuleinrichtungen über die Grundschulen, die weiterführenden Schulen bis hin zu den unterschiedlichen Hochschultypen. Hier liegen Potenziale brach. Und es bedarf großer Aufklärungsarbeit und eines konsequenten Vorgehens, um dies zu ändern.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Ein erfolgreiches Studium ist zwar kein Garant für eine berufliche Karriere. Ohne ein Studium ist eine solche allerdings häufig von vornherein ausgeschlossen, weil es die formale Einstiegsvoraussetzung bildet. Darüber hinaus stellen wachsende Anforderungen in der Praxis auch wachsende Anforderungen an die Berufseinsteiger.
Eigentlich wichtiger als die im vorhergehenden Abschnitt angesprochenen formalen Voraussetzungen sollte ein Studium die inhaltlichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Berufsleben bilden. Dabei ist nicht gemeint, dass das Studium die praktischen Tätigkeiten vorwegnimmt. Es ist auch nicht gemeint, dass die Besonderheiten des jeweiligen Unternehmens zum Studieninhalt werden. Es ist auch nicht gemeint, dass Detailwissen (womöglich bis in die feinsten Verästelungen) wesentliche Lehrinhalte bilden.
Gemeint ist, dass ein Studium das Rüstzeug für die berufliche Tätigkeit vermittelt. Dies bedeutet nicht ein Hintanstellen, eine Kappung oder gar ein Verzicht auf theoretische Grundlagen. Ganz im Gegenteil: Theoretische Grundlagen sind eine unabdingbare Voraussetzung. Allerdings unter folgender Voraussetzung: Theorie darf (zumindest an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften, HAW) nicht Selbstzweck sein. Theorie muss Grundlagen und Zusammenhänge offenbaren. Theorie muss Horizonte weiten und Theorie muss in einem Zusammenhang mit praktischen Umsetzungen und Anwendungsmöglichkeiten stehen. Hier sind beide gefordert, der Lehrende und der Studierende. Je mehr dies bereits in den Lehrveranstaltungen gelingt, desto größer ist der Anreiz für die Studierenden, sich selbst (weitere) Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten für ganz konkrete praktische Vorgänge zu überlegen. Auf diese Weise kommen wir dem Grundsatz »Wir wollen Handlungskompetenzen erzeugen« einen großen Schritt näher.
