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Seitenzahl: 35
Ruth Schaumann
Gedichte
Kurt Wolff Verlag München
Bücherei der „Jüngste Tag“ Band 83
Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig
Copyright 1920 by Kurt Wolff Verlag in München
Es greifen rote Sträucher in die weißen
Und Au und Himmel um bewärmte Stämme;
Den Himmel wieder enge Felsenkämme
Mit scharfen Zügen in die Höhe reißen.
Und Pferdeleiber bräunen durch die Schwemme,
Sich überspülend mit erloschnem Gleißen.
Ich weiß wie ich und diese alle heißen,
Und alle Namen sind wie hohe Dämme,
Die unsre Ahnen furchtsam aufgeführt,
Um nah gelegne Ströme weit zu trennen.
Wir haben erbhaft nie daran gerührt —
Wie lange währt dies „Nur beim Namen nennen“
Wann sind die vielen Wasser reif geschürt
Sich brausend ineinander zu bekennen.
Hoch liegt die Luke offen und beklommen
Das Grau erschöpfter Tage ihr im Rahmen
Und heilt des Vogels Weg, den er entkommen.
Die Luft ist jedem Raume am Erlahmen,
Nicht kann die überschwere Kuh gebären,
Die Speicher seufzen nachts vom Drang der Samen.
Und Holz beginnt im letzten Schacht zu gären,
Und Nässe graut herein, als wenn die Sünden
Des toten Volks in sie gesammelt wären.
Wir heben uns von den zerstreuten Bünden
Und schichten sie und spreiten sie nach Stunden
Erneut zum Schlafen über Deinen Gründen.
Du hast mein Leben auf dem Fels gefunden,
Den Gipfel, den kein Blick einst ganz erklärte,
Und Deine Reue bleibt an mich gebunden.
Viel schmerzt die Lende mich, die unbewährte;
Im Traum zeugt sie mir immer Kain zu Abel —
Und doch lockt schon der Taube Brutgefährte
Ihr zu und junges Reis aus ihrem Schnabel.
Gib den erwählten Berg aus diesen Massen;
Im zweiten Tag selbst will der Pfad nicht enden
Und jeder Schritt versucht mich Dich zu lassen.
Der volle Gürtel greift in meine Lenden;
Schon fühle ich den Knaben Fragen sinnen —
Sei gnädig diese von mir abzuwenden.
Nur jene Wolke laß uns nicht gerinnen;
Wohl dürstet seine müde Haut, doch trocken
Ist alles Reisig auf den Eselinnen.
Durch keinen Stein erlaubst Du mir zu stocken,
Es geht so still einher, die Halfter schwanken,
Und durch die Zehen fällt der Staub in Flocken.
Ich möchte Dir wie sonst den Abend danken,
Nur weiß ich keines seiner Worte wieder;
Denn unter Dir die armen Sinne sanken
Wie aufgewühlter Wegsand in sich nieder.
Mich fremdet matt, wie Leinen mich berührt,
Das grüne, brustgekreuzt mit Lederriemen,
Daß meine Schulter jenen kleinen Striemen
Von eines Erstlings Tragung wieder spürt.
Auf eines Hügels Schwinge lag ich her
Und wurde brudergleich dem Angeschauten,
Den Wolken und der Würze blauer Rauten,
Selbst Berge überstanden mich nicht mehr.
In Allem war ich, Alles war in mir
Und lag auf sich bewegt in Deinem Schoße,
Bis unbewußt ich mich daraus verstoße
Und meine Herde weide unter Dir.
Da ist die große Treppe und der Bogen
Voll Dunkelheit, darein die Leute sinken,
Von ihrer höchsten Schwelle aufgezogen.
Nein, meine Mutter, ich mag nicht mehr trinken,
Nimm Du den Reiseschlauch, ich möchte warten
Bis jene Greise in den Grund verwinken.
In Röcken, die von Gold und Steinen starrten
Sind die und doch so milde, als die Blüten
Ausruhn und offen stehn im Mittaggarten.
Und alle gehn wie Hirten, so sie hüten;
Und wieder gleichend meinem jüngsten Lamme
Nach meinem Ruf und dann der Hand Begüten.
Und wo sie einziehn, ist wohl eine Flamme;
Mit andern Augen treten sie von innen
