Die Kathedrale Gedichte - Schaumann, Ruth - kostenlos E-Book

Die Kathedrale Gedichte E-Book

Schaumann, Ruth

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The Project Gutenberg EBook of Die Kathedrale, by Ruth SchaumannThis eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and mostother parts of the world at no cost and with almost no restrictionswhatsoever.  You may copy it, give it away or re-use it under the terms ofthe Project Gutenberg License included with this eBook or online atwww.gutenberg.org.  If you are not located in the United States, you'll haveto check the laws of the country where you are located before using this ebook.Title: Die Kathedrale       GedichteAuthor: Ruth SchaumannRelease Date: June 20, 2016 [EBook #52381]Language: German*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KATHEDRALE ***Produced by Jens Sadowski and the Online DistributedProofreading Team at http://www.pgdp.net

Ruth Schaumann

Die Kathedrale

Gedichte

Kurt Wolff Verlag München

Bücherei der „Jüngste Tag“ Band 83

Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig

Copyright 1920 by Kurt Wolff Verlag in München

Sonett

Es greifen rote Sträucher in die weißen

Und Au und Himmel um bewärmte Stämme;

Den Himmel wieder enge Felsenkämme

Mit scharfen Zügen in die Höhe reißen.

Und Pferdeleiber bräunen durch die Schwemme,

Sich überspülend mit erloschnem Gleißen.

Ich weiß wie ich und diese alle heißen,

Und alle Namen sind wie hohe Dämme,

Die unsre Ahnen furchtsam aufgeführt,

Um nah gelegne Ströme weit zu trennen.

Wir haben erbhaft nie daran gerührt —

Wie lange währt dies „Nur beim Namen nennen“

Wann sind die vielen Wasser reif geschürt

Sich brausend ineinander zu bekennen.

Die Arche Noah

Hoch liegt die Luke offen und beklommen

Das Grau erschöpfter Tage ihr im Rahmen

Und heilt des Vogels Weg, den er entkommen.

Die Luft ist jedem Raume am Erlahmen,

Nicht kann die überschwere Kuh gebären,

Die Speicher seufzen nachts vom Drang der Samen.

Und Holz beginnt im letzten Schacht zu gären,

Und Nässe graut herein, als wenn die Sünden

Des toten Volks in sie gesammelt wären.

Wir heben uns von den zerstreuten Bünden

Und schichten sie und spreiten sie nach Stunden

Erneut zum Schlafen über Deinen Gründen.

Du hast mein Leben auf dem Fels gefunden,

Den Gipfel, den kein Blick einst ganz erklärte,

Und Deine Reue bleibt an mich gebunden.

Viel schmerzt die Lende mich, die unbewährte;

Im Traum zeugt sie mir immer Kain zu Abel —

Und doch lockt schon der Taube Brutgefährte

Ihr zu und junges Reis aus ihrem Schnabel.

Prüfung Abrahams

Gib den erwählten Berg aus diesen Massen;

Im zweiten Tag selbst will der Pfad nicht enden

Und jeder Schritt versucht mich Dich zu lassen.

Der volle Gürtel greift in meine Lenden;

Schon fühle ich den Knaben Fragen sinnen —

Sei gnädig diese von mir abzuwenden.

Nur jene Wolke laß uns nicht gerinnen;

Wohl dürstet seine müde Haut, doch trocken

Ist alles Reisig auf den Eselinnen.

Durch keinen Stein erlaubst Du mir zu stocken,

Es geht so still einher, die Halfter schwanken,

Und durch die Zehen fällt der Staub in Flocken.

Ich möchte Dir wie sonst den Abend danken,

Nur weiß ich keines seiner Worte wieder;

Denn unter Dir die armen Sinne sanken

Wie aufgewühlter Wegsand in sich nieder.

David

Mich fremdet matt, wie Leinen mich berührt,

Das grüne, brustgekreuzt mit Lederriemen,

Daß meine Schulter jenen kleinen Striemen

Von eines Erstlings Tragung wieder spürt.

Auf eines Hügels Schwinge lag ich her

Und wurde brudergleich dem Angeschauten,

Den Wolken und der Würze blauer Rauten,

Selbst Berge überstanden mich nicht mehr.

In Allem war ich, Alles war in mir

Und lag auf sich bewegt in Deinem Schoße,

Bis unbewußt ich mich daraus verstoße

Und meine Herde weide unter Dir.

Tempelgang Mariä

Da ist die große Treppe und der Bogen

Voll Dunkelheit, darein die Leute sinken,

Von ihrer höchsten Schwelle aufgezogen.

Nein, meine Mutter, ich mag nicht mehr trinken,

Nimm Du den Reiseschlauch, ich möchte warten

Bis jene Greise in den Grund verwinken.

In Röcken, die von Gold und Steinen starrten

Sind die und doch so milde, als die Blüten

Ausruhn und offen stehn im Mittaggarten.

Und alle gehn wie Hirten, so sie hüten;

Und wieder gleichend meinem jüngsten Lamme

Nach meinem Ruf und dann der Hand Begüten.

Und wo sie einziehn, ist wohl eine Flamme;

Mit andern Augen treten sie von innen