9,99 €
Ein faszinierendes Panorama des 18. Jahrhunderts, vom Dasein an der Küste und auf dem Meer, vom Walfang, von Glücksrittern und kühl kalkulierenden Kaufleuten, vom Sklavenhandel und von dessen Profiteuren An einem stürmischen Tag im Jahre 1725 stranden die Brüder This und Momme Gregersen in einer Bucht an der Ostseeküste und siedeln sich dort gegen den gewaltsamen Widerstand der Einheimischen an. Wenig später retten sie eine rätselhafte Frau, Lena, aus den Fluten. Aus ihrem Liebesverhältnis entsteht eine ungewöhnliche Familie, deren abenteuerliche Schicksale bis in die Grönlandsee und auf die dänischen Zuckerrohrplantagen in der Karibik führen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2020
Mehr über unsere Autoren und Bücher:www.piper.de
© dieser Ausgabe, Piper Verlag GmbH 2020© Konrad Hansen 2009© der deutschsprachigen Ausgabe: Hoffmann und Campe 2009Covergestaltung: zero-media.net, MünchenCovermotiv: FinePic®, München
Sämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken. Die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ist ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.
In diesem E-Book befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Wir weisen darauf hin, dass sich der Piper Verlag nicht die Inhalte Dritter zu eigen macht.
Cover & Impressum
ERSTES BUCH
Grönlandfahrt
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
ZWEITES BUCH
Ebenholz
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Epilog
Glossar
Das letzte Datum, an das sie sich erinnerten, war der 14. Juli 1725. Es war der Tag, an dem sie zum Amtmann in Sonderburg bestellt worden waren, um sich zu dem Gerücht zu erklären, sie hätten ungerührt zugesehen, wie ihr Vater ertrank. Seitdem war der Tag für Ties und Momme die Spanne zwischen Sonnenaufgang und Abenddämmerung, den Monat lasen sie am Stand der Sonne ab, und die Jahre begriffen sie als die wiederkehrende Folge von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Manche Tage blieben ihnen im Gedächtnis haften, weil sie mit besonderen Ereignissen verknüpft waren: Der Tag, als die Fischer sie überfielen. Der Tag, als die Meerfrau zu ihnen kam. Der Tag, als die Brigg in der Dorschbucht strandete. Der Tag, als Momme fortging. Der Tag, als sie zu ihrer großen Reise aufbrachen. Der Tag, als die Meerfrau sie verließ.
Als sie sich mit sachtem Ruderschlag aus dem Hafen von Mjels stahlen, hatte der Wind schon in den Wanten der Fischerboote zu singen begonnen. Über Nacht wuchs er zum Sturm an. Querab von Ærø rissen die Seen das Ruder mit sich fort, das Boot trieb steuerlos nach Südosten.
Die Bucht, in der sie strandeten, war von einem Dünengelände gesäumt, dahinter dehnte sich eine Sumpflandschaft mit Tümpeln, Teichen und wogendem Schilf. Weder am Strand noch auf dem höhergelegenen Ufer nach Osten hin waren Anzeichenmenschlicher Besiedlung zu erkennen. Den Brüdern kam es vor, als beträten sie jungfräulichen Boden.
Ihr Boot besaß zwar kein Ruder mehr, hatte die Strandung sonst aber unbeschadet überstanden. Sie zogen es über rundgeschliffene Flintsteine bis an den Dünenrand und drehten es um; so konnte es ihnen zur Not als Unterschlupf dienen. Außer dem, was sie am Leib trugen, waren das Boot, ein Netz und ein Dutzend Angelhaken ihr einziger Besitz.
Gegen Abend flaute der Wind ab, und als es zu dämmern begann, hatte er sich gelegt Sie setzten sich auf den Kiel ihres Bootes und bedauerten, dass die See ihnen auch ihre Pfeifen und Tabaksbeutel genommen hatte. Schmauchend ließ sich besser nachdenken. Die Frage, auf die es eine Antwort zu finden galt, war, ob sie nicht zurückkehren sollten. Das Gerücht war von einem Mann ausgestreut worden, der auf der ganzen Insel als Schandmaul bekannt war. Der Amtmann hätte ihn womöglich dazu gebracht, seine Behauptung zu widerrufen. Andererseits gewann sie dadurch an Glaubwürdigkeit, dass ihr Vater sich durch den rüden Umgang mit seinen Söhnen selbst ins Gerede gebracht hatte. Viele meinten, es sei nur recht und billig, dass Ties und Momme dem Ertrinkenden nicht zu Hilfe gekommen waren. Schließlich wollte ihr heimliches Verschwinden bedacht sein: War es nicht gleichbedeutend mit einem Schuldgeständnis?
Die Brüder waren es gewohnt, dass jeder schweigend seinen Gedanken nachhing, bis Momme das Ergebnis ihres Grübelns in Worte fasste. Er konnte nicht nur schneller denken, er war auch der Beredtere der beiden.
»Wir riskieren Kopf und Kragen«, sagte Momme.
»Ist wohl so«, stimmte Ties ihm zu.
»Hättest du dem Alten aus dem Wasser geholfen?«
»Was fragst du, wo wir nicht dabei waren?«
»Hättest du?«
»Der Deubel soll mich holen, wenn ich nur den kleinen Finger gerührt hätte.«
Sie schliefen, bis die Sonne schon über den Dünen stand. Um ihren Hunger zu stillen, schlürften sie Möweneier aus und aßen das glibberige Fleisch der Miesmuscheln. Das Sumpfgelände diente vielen Arten von Zugvögeln als Brutplatz. Sie würden eine Vogelkoje bauen, um Enten zu fangen. Doch dazu brauchten sie Netze und Werkzeug.
An den folgenden Tagen erkundeten sie die Bucht. Am westlichen Rand mündete eine Au ins Meer; an Süßwasser würde es ihnen nicht mangeln, und in dem See weiter landeinwärts würden sie Fische angeln können, die es im Meer nicht gab. In einem Dünental entdeckten sie Reste menschlicher Behausungen. Der Anblick ernüchterte sie. Sie waren also doch nicht die ersten, die ihren Fuß auf diesen Strand gesetzt hatten.
An einer anderen Stelle hatten die Wellen mannshohe Haufen aus Treibholz aufgetürmt. Da lagen ganze Bäume, deren Wurzeln sich ineinander verkeilt hatten, da lagen glatte, entrindete Stämme, wie sie in den nordischen Ländern zum Hausbau verwendet wurden, da lagen Schiffsplanken, Ruderbänke und eine Menge zersplitterter Bohlen. Die Brüder waren sich stillschweigend einig, dass das Meer sie mit diesem Schatz dazu verlocken wollte, die Bucht in Besitz zu nehmen.
Weiter nach Osten hin fanden sie den Strand mit rundgeschliffenen Scherben übersät. Die meisten waren türkisgrün, es gab aber auch blaue, rötlich schimmernde und schwarze. Momme, auch hier als erster mit einer Erklärung zur Hand, meinte, es handle sich um die zertrümmerte Fracht eines Schiffes, das irgendwo da draußen auf dem Meeresgrund liegen musste.
Die erstaunlichste Entdeckung machte Ties: Er stieg auf ein merkwürdiges Gebilde aus zwei Findlingen, die, beide tonnenschwer, so aufeinanderlagen, dass das Gewicht eines Kindes genügt hätte, den oberen zum Wippen zu bringen. Je nachdem, zu welcher Seite Ties seinen Körper neigte, brachte der Stein durch den Zusammenprall mit dem unteren entweder einen kurzen hellen Ton oder einen dröhnenden Orgelbass hervor. Letzterer klang, als käme er aus den Tiefen der Erde, und war bei ablandigem Wind bis weit auf See hinaus zu hören, Sie nannten die von den Gletschern der Eiszeit geschaffene Steintrommel den Wackelstein. Später entdeckten sie am unteren Stein rätselhafte Ritzzeichnungen, in denen Momme bemannte Schiffe zu erkennen glaubte.
Als sie den Punkt erreicht hatten, wo das Halbrund der Bucht in eine Landzunge auslief und die Küste sich nach Westen wandte, sahen sie hinter einem vom Seewind aufgeworfenen Sandwall eine Reihe schilfgedeckter Hütten. Am Strand lagen geteerte Boote, dazwischen waren Netze zum Trocknen aufgehängt. Die Fischersiedlung war so nah, dass man sich früher oder später ins Gehege kommen musste.
Sie bestückten die Angelhaken mit Würmern und legten die Leine im brustriefen Wasser aus. Es dauerte nicht lange, bis fast an jedem Haken ein Fisch zappelte. Dorsche, Makrelen, Flundern, Heringe: Das Meer schien seinen Reichtum vor ihnen auszubreiten, um sie zum Bleiben zu bewegen.
Ties gelang es, mithilfe einer selbstgefertigten Spindel in einem Stück trockenen Holzes ein Feuer zu entfachen. Sie brieten die Fische über der offenen Flamme und meinten, dass sie selten etwas Besseres gegessen hatten. Tags darauf bauten sie einen Räucherofen. Auf einem Stück Heide zwischen Dünen und Sumpf wuchs Wacholder; sein Holz und seine Nadeln gaben den Fischen eine köstliche Würze.
Ties und Momme Gregersen waren Mitte Zwanzig, als sie sich in der Bucht ansiedelten. Sie sahen einander so ähnlich, dass man sie für Zwillinge halten konnte. Die äußere Ähnlichkeit spiegelte jedoch keine wesensmäßige Übereinstimmung wider. Ties’ Charaktermerkmale waren Gemächlichkeit, Sorgfalt, eine Scheu vor waghalsigen Unternehmungen und, dies trat indes nur selten zutage, eine Neigung zu maßlosen Zornausbrüchen. Empfindsame Gemüter erschraken bis ins Mark, wenn sich der bedächtige Ties von einem Augenblick zum nächsten in einen Berserker verwandelte.
Von Momme hatte seine Mutter schon während der Schwangerschaft gesagt, in ihr wachse ein Hansdampf in allen Gassen. Der um ein knappes Jahr Jüngere besaß die Gabe, Menschen für sich einzunehmen, wobei ihm seine Wortgewandtheit und eine lebhafte Fantasie zustatten kamen. Wenn gelegentlich Zweifel an seiner Lauterkeit aufkamen, mochte dies daher rühren, dass er die gewundenen Wege den geraden vorzog.
Das Wetter ließ es zu, dass sie etliche konnten. In dieser Zeit entstand eine Hütte, der anzusehen war, dass die Brüder keinen Wert darauf gelegt hatten, dem Auge zu schmeicheln. Sie richteten auch das Boot wieder her, damit sie ihr Netz weiter draußen in der Bucht ausbringen konnten. Das Meer meinte es gut mit ihnen; manches Mal waren so viele Fische im Netz, dass sie es nur mit äußerster Mühe ins Boot hieven konnten. Aber wohin mit dem zappelnden Reichtum? Sie gaben den Möwen, was sie nicht essen konnten. Das war weniger sündhaft, als die Fische vergammeln zu lassen, aber keinem Fischer fällt es leicht, den Ertrag seiner Arbeit an die Seevögel zu verfüttern. Andererseits wäre es für Ties und Momme undenkbar gewesen, die Hände in den Schoß zu legen, während Schwärme fetter Dorsche in die Bucht einfielen.
Wieder gab es einen Grund nachzudenken, und abermals war es Momme, der nach längerem Schweigen als erster zu sprechen begann.
»Vielleicht könnten wir dafür etwas Brot und Butter bekommen«, sagte er. »Oder ein Huhn.«
»Und wo bleiben die dann mit den Fischen ab?« fragte Ties.
»Die müssen ihre eigenen Fische ja auch irgendwo verkaufen.«
»Müssen sie wohl.«
Mit dem nächsten Fang an Bord umrundeten sie die Landspitze. Zuerst sah es aus, als ob die Fischersiedlung ausgestorben wäre. Kein Herdrauch kräuselte sich über den Sandwall empor, kein Hund schlug an. Sie ließen das Boot auflaufen, Momme sprang mit der Bootsleine an Land. Plötzlich platschte ein Stein neben dem Boot ins Wasser, ein zweiter prallte gegen die Bordwand. Als Momme sich nach einem Pfahl bückte, um die Leine festzumachen, traf ihn ein Stein an der Schulter.
»Komm zurück!« rief Ties.
Ein Mann zeigte sich auf dem Sandwall. Er hatte zwei Halbwüchsige an den Ohren gepackt und redete zornig auf sie ein. Offenbar waren es die Jungen, die sie mit Steinen beworfen hatten. Der Mann kam zum Strand herunter. Ein struppiger grauer Bart bedeckte die untere Hälfte seines Gesichts, aus dem Bart ragte eine Pfeife hervor. Der Mann nahm sie aus dem Mund, spuckte braunen Saft in den Sand und sagte etwas, das die Brüder nicht verstanden.
»Wir haben schöne Dorsche im Boot«, sagte Momme. »Wollt ihr sie haben?«
»Von wo seid ihr?« fragte der Mann in einem Dänisch, wie es auf Fünen gesprochen wurde.
Momme erzählte ihm, dass sie von der Insel Alsen kämen und beschlossen hätten, sich in der nahen Bucht anzusiedeln»
»Es ist eine Sache, wozu ihr euch entschlossen habt, und eine andere, ob wir damit einverstanden sind«, sagte der Mann. »Die Dorschbucht ist einer unserer besten Fanggründe, da dulden wir keine Fremden.«
»Ich glaube nicht, dass ihr die Bucht als euer Eigentum, betrachten könnt«, erwiderte Momme.
»Doch, das tun wir«, antwortete der Mann. »Unsere Großväter haben schon einmal Fremde verjagt, die sich dort niedergelassen hatten.«
»Wollt ihr die Fische geschenkt haben?« fragte Ties in der Absicht, den Fischer etwas freundlicher zu stimmen.
»Wir nehmen von Fremden nichts geschenkt«, entgegnete der Mann. »Aber seht zu, dass ihr in zwei Tagen aus der Dorschbucht verschwunden seid, sonst machen wir euch Beine.«
Auf der Rückfahrt legten sie an der Landspitze an und breiteten ihren Fang auf den Uferfelsen aus. Kurze Zeit später senkte sich eine Wolke aus flatternden Möwenschwingen herab.
Nach der ersten Begegnung mit Einheimischen mag den Brüdern der Gedanke durch den Kopf gegangen sein, sich einen anderen Platz an der Küste zu suchen. Wenn es so war, behielt ihn jeder für sich. Sie tauschten sich auch nicht darüber aus, welche Gefahr ihnen von den Fischern drohen mochte. Zum Zeichen, dass sie in der Dorschbucht bleiben wollten, verstärkten sie die Wände ihrer Hütte, damit sie den Herbststürmen standhalten konnte.
Die Dorschbucht trug ihren Namen zu Recht. Zuweilen blickten die Brüder von ihrem Boot auf Tausende glänzender Fischrücken hinab, die in straffer Ordnung durch das klare Wasser glitten, um plötzlich wie auf Kommando die Richtung zu wechseln. Sie hatten oft darüber nachgedacht, wer die Schwärme lenkte. Momme vertrat die Ansicht, es müsse eine Art Hauptmann unter den Fischen geben, dem die anderen blindlings gehorchten. Dagegen war Ties der Meinung, dass der liebe Gott seine Hand im Spiel habe: Wie er das Leben der Menschen bestimme, so auch das der Fische.
Als sie wieder einen Fang gemacht hatten, der ihr Boot fast bis zum Dollbord ins Wasser drückte, ruderten sie zur östlichen Landspitze. Sie stieg zu einem bewaldeten Steilufer an und gab, nachdem sie sie umrundet hatten, den Blick auf ein Gut mit Herrenhaus, Stallungen und einer Reihe ärmlicher Katen frei. Hier bewarf man sie nicht mit Steinen, und niemand forderte sie zum Verschwinden auf; die Bewohner der Katen beäugten sie über ihre Halbtüren hinweg mit einer Mischung aus Misstrauen und Scheu. Mommes Frage, ob sie Fische gegen Brot oder andere Nahrungsmittel tauschen wollten, beantworteten sie teils mit Achselzucken, teils mit Gebärden, aus denen die Brüder nicht schlau wurden, Schließlich nahm eine alte Frau Momme bei der Hand und zog ihn hinter sich her zum Gutshaus.
Nachdem die Alte mit gellender Stimme einen Namen gerufen hatte, kam ein vierschrötiger Mann aus dem Pferdestall. In seiner Kleidung unterschied er sich kaum von einem Knecht, nur dass er hohe rotbraune Stiefel trug. Sein aufgedunsenes Gesicht mit den unzähligen geplatzten Äderchen ließ einen Trinker vermuten. So schlug den Brüdern denn auch der herbe Geruch von Wacholderschnaps entgegen, als der Mann den Mund öffnete und in jütländischem Dialekt fragte: »Wisst ihr Rotzbengel, wen ihr vor euch habt?«
Sie wüssten vorerst nur so viel, dass sie es ohne Zweifel mit einer hochgestellten Persönlichkeit zu tun hätten, erwiderte Momme.
»Ich bin hier der Verwalter, aber das ist noch längst nicht alles«, sagte der Mann. »Wenn ihr in Aabenraa einen fragt, ob er Pedersen kennt, wird er sogleich wissen, welcher Pedersen von den Hunderten gleichen Namens gemeint ist. Und warum bin ich bekannt wie ein bunter Hund?«
Hierauf entgegnete Momme, er und sein Bruder Ties hofften, die Erklärung von Pedersen selbst zu bekommen.
Verwalter Pedersen war mit Leib und Seele Soldat gewesen. In der Leibgarde Seiner Majestät König Friedrichs IV, hatte er es zum Korporal gebracht. Leider war der König ein glückloser Feldherr. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit war es ihm nicht einmal gelungen, Schonen zurückzuerobern. Was tut ein Korporal, dem es an Gelegenheiten mangelt, sich auf dem Schlachtfeld hervorzutun? Er sucht das Auge des Souveräns durch andere Verdienste auf sich zu lenken. Als Kavallerist verstand Pedersen sich auf Pferde und Frauen, Genauer gesagt: Wie er auf einen Blick erkannte, welches Pferd zu welchem Reiter passt, hatte er auch ein Gespür für die erotischen Wünsche Seiner Majestät. Friedrich IV, selbst von schlanker Statur, liebte an Frauen das Runde, Fleischige, Anschmiegsame. Sie durften aber nicht älter als zwanzig sein und noch nicht empfangen haben. Pedersen traf die richtige Wahl und führte dem König die Frauen an einem verschwiegenen Ort zu. Majestät äußerte sich mehrfach lobend über den Korporal, zeugte auch eine Reihe männlicher und weiblicher Bastarde, verweigerte Pedersen jedoch die ersehnte Beförderung, In einem Lebensalter, wo ein tüchtiger Kavallerist es zum Rittmeister gebracht haben sollte, war er immer noch Korporal. So etwas verbittert, meinte Pedersen. Ergo führte er dem König ein Pferdchen zu, bei dem sich schon der ganze Beritt Pusteln am Schwanz geholt hatte. Prompt kriegte Majestät sie auch und musste auf Anraten seines Leibarztes jeden Tag in einer übel riechenden Lauge baden. Statt dies nun als eine Mahnung zu begreifen, Pedersen endlich die Offiziersschärpe umzulegen, gab der König ihm den schlichten Abschied. »Schlicht« heißt, ohne lobende Erwähnung im Tagesbefehl, aber mit der Erlaubnis, die Uniform eines königlich dänischen Korporals zu feierlichen Anlässen tragen zu dürfen. Seitdem glaubte Pedersen nur noch an Gerechtigkeit, wenn er betrunken war.
»Lasst mich sehen, ob ihr Kerle seid«, sagte der Verwalter und gab den Brüdern von seinem Wacholder zu trinken.
Der Schnaps stieg ihnen so ungestüm zu Kopf, dass Ties und Momme das Gefühl hatten, der Boden öffne sich unter ihnen und sie stürzten in ein tiefes schwarzes Loch. Doch als es wieder licht um sie geworden war, standen sie zu ihrem Erstaunen noch immer auf den eigenen Füßen.
»Hab ich’s mir doch gedacht, dass die Dänen aus härterem Holz geschnitzt sind als die Leute hier im Süden«, lobte der Verwalter. Nun wollte er wissen, woher sie kämen und was ihr Begehr sei, und als er es erfahren hatte, tauschte Pedersen die Bootsladung Fisch gegen zwei Laibe Brot, einen Topf Schmalz und einen halben Scheffel Grütze ein. Beim Abschied kündigte er an, ihre Trinkfestigkeit das nächste Mal auf eine härtere Probe zu stellen.
»Was meinst du«, fragte Ties, als sie sich ein gutes Stück vom Ufer entfernt hatten. »ob er uns die Fische auch abnimmt, wenn wir aus den Pantinen kippen?«
»Darauf sollten wir’s nicht ankommen lassen«, antwortete Momme. »Entsinnst du dich, was Aage Sivertsen gemacht hat, ehe er zu einer Kindstaufe ging? Er hat einen Becher Dorschtran getrunken, dann konnte er saufen, soviel er wollte, und angemerkt hat’s ihm keiner.«
Das gleiche taten sie vor dem nächsten Zusammentreffen mit Verwalter Pedersen. So kam es zu dem denkwürdigen Ereignis, dass der Korporal außer Diensten von den Knechten ins Haus getragen wurde, während die Brüder mit den Mägden Hack und Zeh tanzten.
Es vergingen mehr als zwei Tage, bevor die Fischer ihre Drohung wahr machten. Als die Brüder vom Dorsch fang zurückkehrten, fanden sie ihre Hütte nicht mehr vor. Die Fischer waren bei ihrem Zerstörungswerk gründlich vorgegangen: Sie hatten die Behausung nicht nur in ihre Teile zerlegt, sondern diese auch ins Wasser geworfen, sodass sie geraume Zeit nicht für den Bau einer neuen Unterkunft verwendet werden konnten.
Die Brüder kamen wortlos überein, den Fischern die Stirn zu bieten. Am Strand gab es noch Treibholz genug, und nachdem sie dieses herangeschleppt und notdürftig hergerichtet hatten, begannen sie unverzüglich mit der Arbeit an einer neuen Hätte. Dieses Mal dauerte es allerdings länger, bis der Rohbau fertiggestellt war, denn das Jahr ging dem Herbst entgegen, der Sturm zerrte an dem wackligen Gebäude, und oft zwangen Platzregen sie, unter dem Boot Schutz zu suchen. Zu ihrer Verwunderung hatten die Fischer das Boot verschont. Doch schon bald begriffen sie, dass es ein Fingerzeig war: Mit dem Boot waren sie gekommen, mit dem Boot sollten sie das Weite suchen.
Sie wussten, dass die Fischer sie beobachteten und sich herausgefordert fühlen mussten, wenn sie sahen, dass eine neue Hütte im Entstehen begriffen war. Der nächste Überfall war unvermeidlich, und diesmal würden die Fischer sich nicht darauf beschränken, ihre Behausung zu zerstören. Manchmal, vor allem nachts, ergriff sie Angst. Dann lagen sie wach und horchten, ob sich fremdartige Geräusche in das Meeresrauschen mischten.
Es war aber heller Tag, als das Unheil über sie hereinbrach. Die Fischer kamen von zwei Seiten zugleich, mit Booten von See her und auf Schleichwegen durch das Sumpfgelände. Damit war den Brüdern der Fluchtweg abgeschnitten.
Die Erinnerung an die Misshandlungen, die sie an jenem Tag erlitten, wurde jedes Mal wieder wach, wenn eines ihrer Kinder später fragte, weshalb Ties auf einem Auge blind war und Momme stets ein Tuch um den Hals gewickelt trug. Besonders prägte sich den Brüdern ein, dass die Fischer sie auf eine seltsam leidenschaftslose Art gequält hatten. Im Rückblick wollte es ihnen so scheinen, als ob ihre Peiniger nach einem Plan vorgegangen wären, der eine langsame Verschärfung der Torturen vorsah. So hatten sie zunächst eine Tracht mit der trockenen Peitsche bekommen, dann eine schmerzhaftere mit der nassen. Öder das Piesacken mit der Messerspitze an den Gliedern und am Rumpf, bevor die Schneide angesetzt wurde. An dieser Stelle der Erzählung entblößte Momme seinen Hals und zeigte eine Narbe, die sich von einem Ohrläppchen bis zum anderen zog. Sein Auge, berichtete Ties, sei bei dem Versuch zerquetscht worden, den Augapfel durch einen etwa gleich großen Kiesel zu ersetzen. Schließlich hatten die Fischer sie auf den Dachsparren ihrer Hütte festgebunden. Dort waren sie den Unbilden des Wetters ausgesetzt, bis Ties mit einer gewaltigen Kraftanstrengung den Dachsparren zerbrach, an den er gefesselt war.
Erst Tage nach dem schrecklichen Erlebnis wurde ihnen bewusst, dass die Fischer während der Folter kein Wort gesprochen hatten. Nur der Mann, der ihrer Sprache mächtig war, hatte zum Abschied gedroht, das nächste Mal kämen sie nicht so glimpflich davon.
Ohne fremde Hilfe waren die Brüder den Fischern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Aber wen konnten sie um Beistand bitten außer Gott und Pedersen? Sie entschieden sich für den letzteren. Die Art, wie der Verwalter sie empfing, zeugte allerdings nicht von Mitgefühl. Pedersen bog sich vor Lachen, als er die Brüder sah: Ties mit einer Augenbinde, für die ein Ärmel seines einzigen Hemdes hatte herhalten müssen, Momme mit einem blutgetränkten Strumpf um den Hals. Als er jedoch erfuhr, wer sie so zugerichtet hatte, kam bei ihm der Däne durch. Als ehemaliger Leibgardist des Königs konnte Pedersen es nicht hinnehmen, dass »Beutedänen«, wie er die Holsteiner nannte, sich an zwei Reichsdänen vergriffen hatten. Der Verwalter befahl den Knechten, die Pferde zu satteln, und wies den Schuster an, die Wunden der Brüder zu versorgen.
Bald darauf verließ ein kriegerisch gerüsteter Trupp das Gut. Vorweg auf einem Rappen Verwalter Pedersen im roten Rock eines Leibgardisten Seiner Majestät, bewaffnet mit einem Säbel und zwei Pistolen. Ihm folgten berittene Knechte mit Flinten und Äxten, diesen wiederum eine Anzahl Leibeigener, die Dreschflegel und Sensen trugen und Mühe hatten, mit den Reitern Schritt zu halten, und als letzte Ties und Momme. Diesen hatte Pedersen Waffen aushändigen lassen, weil der Schuster davon abgeraten hatte, ihnen angesichts ihres geschwächten Zustandes noch eine Last aufzubürden.
Pedersen schlug den Weg ein, der sie zwangsläufig zur Fischersiedlung führen musste: immer der Küstenlinie folgend über Kieselfelder und harten Sand. Unterwegs passierten sie die Stelle, wo die Brüder die Quälereien hatten erdulden müssen, und Ties und Momme dachten jeder für sich, dass es ihnen guttun würde, die Fischer leiden zu sehen.
Als sie die westliche Landspitze erreicht hatten, stellte sich heraus, dass keine Trompete zur Hand war, mit der zum Angriff geblasen werden konnte. So befahl der Verwalter den Knechten, aus Leibeskräften zu brüllen, während sie auf die Siedlung losstürmten. Er selbst galoppierte, den blanken Säbel über dem Kopf schwingend, den Sandwall hinauf.
Man kennt Bilder vom Alltag der Fischer, wo die Männer die Netze flicken, die Frauen die Fische ausnehmen und die Kinder die zum Trocknen aufgehängten Netze von Tang und Seegras säubern. Solch ein Bild bot sich den Angreifern, die auf Gegenwehr gefaßt gewesen waren, auf Schusswechsel und Schlagabtausch. Die Attacke verpuffte gleichsam in der Idylle; Pedersen sah sich abermals um einen Sieg betrogen.
»Gibt es unter euch Banditen einen, der Dänisch spricht?« fragte er auf plattdeutsch.
Der Mann, der mit Ties und Momme gesprochen hatte, trat vor und nahm die Pfeife aus dem Bart. »Ist wieder Krieg?« fragte er.
Der Verwalter schlug mit dem Säbel nach ihm, doch der Mann wich aus, sodass der Hieb ins Leere ging. »Ihr sollt euren Krieg haben!« schrie er. »Ihr habt zwei meiner Landsleute malträtiert, das wird euch teuer zu stehen kommen.«
»Die haben hier nichts verloren«, entgegnete der Wortführer der Fischer.
»Seht diese Uniform«, rief Pedersen. »Es ist die Uniform eines Korporals in der Leibgarde des Königs von Dänemark. Ich habe die Ehre, stellvertretend für Seine Majestät zu euch zu sprechen, und ich sage euch, im Reich König Friedrichs IV. hat jeder Untertan das Recht, sich anzusiedeln, wo es ihm gefällt. Wer sich aber dem Willen des Königs widersetzt, muss dafür büßen.« Er befahl, die Männer zusammenzutreiben und die Frauen und Kinder in die Hütten zu scheuchen. Dann forderte er die Brüder auf, ihm die Fischer zu zeigen, die ihnen am schlimmsten mitgespielt hätten.
Momme erkannte auf Anhieb den Mann wieder, der ihm die Schnittwunde am Hals zugefügt hatte, Sie blickten einander an, Momme und sein Peiniger, und Momme war schon im Begriff, auf ihn zu deuten, als ihm eine innere Stimme riet, es nicht zu tun. Er wandte sich an Ties und fragte: »Fällt es dir auch so schwer, einen vom andern zu unterscheiden?«
Ties setzte zu einem Kopfschütteln an, unterließ es jedoch, weil in den Worten des Bruders etwas mitschwang, das Zustimmung verlangte. Also nickte er.
»Seht sie euch genau, an«, forderte der Verwalter.
Unterdessen hatte Ties begriffen, was Momme davon abhielt, die Übeltäter zu entlarven. Er ging von einem zum anderen, schaute jedem ins Gesicht, darunter auch jenem, der sein Auge auf dem Gewissen hatte, und gab durch knurrige Laute zu verstehen, dass er keinen besonderer Gräueltaten bezichtigen mochte. »Du hast recht: Sie sehen wirklich so aus, als ob der liebe Gott allen das gleiche Gesicht gemacht hat«, sagte er zu Momme.
»Da es euch offensichtlich nicht gelingt, die Hauptschuldigen zu ermitteln, werden allesamt einen Kopf kürzer gemacht«, entschied Pedersen.
»Herr Korporal«, sagte Momme, und es gefiel dem Verwalter sichtlich, mit seinem militärischen Rang angeredet zu werden. »es ist sonst nicht meine Art, für jemanden ein gutes Wort einzulegen, der mich übel zugerichtet hat, aber wäre nicht eine mildere Strafe angebracht als der Tod, da sie uns ja immerhin am Leben gelassen haben?«
»Aus dir spricht ein wackerer Däne«, erwiderte der Verwalter. »So sollen den Lumpen denn die Rücken gegerbt werden, bis das Blut fließt, und wenn das getan ist, werden wir ihre Hütten niederbrennen.« Ohne dass es noch eines Befehls bedurfte, stürzten sich die Knechte auf die Fischer und schlugen mit Peitschen, Riemen und Stöcken auf sie ein.
»Was ist mit euch?« wandte sich Pedersen an die Brüder. »Dürstet euch nicht nach Rache? Wollt ihr denen nicht heimzahlen, was sie euch angetan haben?«
»Wir würden schon gern, nur mangelt es uns an der nötigen Kraft«, antwortete Ties.
Wortlos, wie sie die Brüder gefoltert hatten, ließen die Fischer auch die Bestrafung über sich ergehen, bis einer nach dem anderen zu Boden sank und sich vor Schmerzen wimmernd im Sand wälzte.
»Lasst es damit gut sein, Herr Korporal«, bat Momme. »Die Frauen und Kinder haben uns nichts getan. Wie sollen sie den Winter überstehen, wenn sie kein Dach über dem Kopf haben?«
»Das erinnert mich an König Friedrich IV.«, sagte Pedersen. »Der hat sich auch so manche Gelegenheit entgehen lassen, ein ordentliches Gemetzel anzurichten. Mit dieser Einstellung erwirbt man sich keinen Ruhm, Landsmann.« Darauf gab er das Kommando zum Sammeln und zog mit seiner Truppe ab. Die Brüder folgten ihnen bis zu ihrer Hütte. Dort machten sie sich schweigend daran, die Schäden auszubessern.
Als sie sich schlafen legten, sagte Ties: »Zuerst hab ich gedacht, du bist nicht richtig im Kopf. Dann hab ich gedacht, du hältst es auf einmal mit den Zehn Geboten. Zu guter Letzt ist mir klar geworden, dass du ein verdammt schlauer Hund bist.«
»Das war nicht lange überlegt«, entgegnete Momme. »Der Gedanke kam mir wie ein Blitz aus heiterem Himmel.«
»Fragt sich nur, ob es sich auszahlt.«
»Gute Taten zahlen sich immer aus«, erwiderte Momme, und dabei lachte er leise, als schäme er sich solch salbungsvoller Worte.
Der erste Schnee war gefallen, als ein Boot um die Landspitze kam und auf die Hütte zuhielt. An Bord waren drei Männer, Zwei von ihnen ruderten, der dritte saß im Heck. In ihm erkannten die Brüder den Wortführer der Fischer wieder. Als das Boot im Ufersaum auf Grund gelaufen war, stieg der Mann mit dem grauen Bart an Land und ließ sich von den Ruderern verschiedene Gegenstände reichen, Diese legte er auf den Strand und schob das Boot ins tiefere Wasser zurück, bevor er sich über das Dollbord schwang.
Die Brüder warteten, bis das Boot wieder hinter der Landspitze verschwunden war. Dann gingen sie zum Strand hinunter und betrachteten die Dinge, die der Mann dort abgelegt hatte. Es waren ein Netz, eine Aalreuse, ein Fässchen mit grobkörnigem Salz, Nadeln und Garn zum Netzeflicken, zwei Pfeifen samt einem Päckchen Tabak und eine Tranlampe.
Als der Winter vorüber war, wussten die Brüder, weshalb sich die Fischer nicht in der Dorschbucht angesiedelt hatten: Wenn der Sturm aus Nordost kam, war sie schutzlos der Dünung preisgegeben. Die Wogen rollten in lang gestreckter Front heran, brachen sich donnernd auf der Sandbank nahe dem Ufer und überfluteten den Strand bis an den Fuß der Dünen mit weißer Gischt. Manchen Tag und manche Nacht verbrachten sie im Windschatten der Dünen, weil das Wasser schon, gegen ihre Hütte brandete und zu befürchten stand, dass die nächste Welle ihre Behausung fortspülen könnte. Mitunter überkam die Brüder das Gefühl, dass anstelle der Fischer nun das Meer alles daransetzte, sie aus der Dorschbucht zu vertreiben. Womit, fragten sie sich beklommen, hatten sie das Meer erzürnt?
Mehrere Wochen hindurch war die Bucht zugefroren; bis zum Horizont türmten sich Hügel aus übereinandergeschobenen Eisschollen. Bei Sonnenschein strahlten sie ein Licht von solcher Helligkeit aus, dass es in den Augen schmerzte. An Tagen hingegen, wenn der Himmel bedeckt war, schimmerten ihre Höhlungen und Schrunde in einem Türkisgrün, das Momme zum Fabulieren brachte. Er meinte, das eigenartige Leuchten gehe von der Fracht des untergegangenen Schiffes aus. Unzählige zerschellte Gläser lägen dort, wahrscheinlich aber auch unbeschädigte; er wisse von einem Wrack im Øresund, aus dem man wertvolle Vasen ohne Sprünge und Kratzer geborgen habe. Im Sommer, kündigte er an, werde er nach dem versunkenen Schatz tauchen. Ties sagte nichts dazu. Er hatte es schon öfter erlebt, dass die Fantasie mit seinem Bruder durchgegangen war.
Während der Zeit, in der das Eis sie daran hinderte, auf Fischfang zu gehen, durchstreiften sie die nähere Umgebung. Nach Osten erweiterte sich das Sumpfgelände zu einem See. Er war von Wäldern umschlossen, die in südlicher Richtung in unfruchtbare Heide übergingen. Dort stießen sie auf einen Weg, der von der Steilküste landeinwärts zu einem einsam gelegenen Gehöft führte. Es gehörte zu den Liegenschaften eines säkularisierten Klosters und wurde von einem Bauern und seiner vielköpfigen Familie bewirtschaftet. Anfangs haperte es mit der Verständigung, doch mit Hilfe von Gebärden und lautmalenden Wörtern gelang es den Brüdern, in den Bewohnern der Klosterkate Abnehmer für ihre Fische zu finden. Diese wollten sie teils selber verzehren, teils geräuchert oder gepökelt auf dem Markt verkaufen. Der regelmäßige Umgang mit der Bauernfamilie brachte es mit sich, dass die Brüder nebenher die Sprache der Einheimischen erlernten.
Im Frühjahr verdingten sie sich bei Pedersen als Gehilfen eines Bootsbauers. Den Verwalter trieb die Sorge um, er könnte in seiner Heimatstadt Aabenraa in Vergessenheit geraten, wenn er dort nicht hin und wieder für Aufsehen sorgte, und da ihm lange Reisen auf schlechten Wegstrecken ein Gräuel waren, brauchte er einen seetüchtigen Kutter. Gut abgelagertes Holz stand reichlich zur Verfügung, und an Hilfskräften mangelte es ebenfalls nicht Die Leibeigenen waren dem Bootsbauer jedoch nicht fleißig genug, und im Gegensatz zu Pedersen brachte er es nicht übers Herz, sie mit der Peitsche anzutreiben.
Auf dem Gut lebten außer den Knechten und Mägden, die aus den umliegenden Dörfern stammten, ein gutes Hundert Leibeigener. Pedersen nannte sie seine »Seelen«, obwohl sie von Rechts wegen nicht ihm gehörten, sondern dem Gutsbesitzer, einem Grafen Schack. Für den Verwalter rangierten die Hörigen zwischen dem Menschen und dem Vieh, die Pferde selbstredend ausgenommen. Denn der Preis eines guten Reitpferdes betrug das Vielfache dessen, was ein Leibeigener kostete.
Die Hörigen lebten in der ständigen Angst, verkauft zu werden und es bei ihrem neuen Herrn noch schlechter zu treffen als beim gegenwärtigen. Wer sie in ihren Lumpen sah oder einen Blick in die armseligen Katen warf, wo in einem einzigen Raum mehrere Generationen mit Hühnern und Schweinen hausten, konnte sich schwerlich ein Dasein unter erbärmlicheren Bedingungen vorstellen. Doch eine der Leibeigenen, die Ties und Momme das Essen brachten, meinte, verglichen mit anderen Gütern sei das Leben auf dem Gut des Grafen Schack noch erträglich.
Verwalter Pedersen sparte nicht mit Lob, als er das fertige Boot sah. Er ließ von den Mägden einen Danebrog nähen, und als dieser am Mast gehisst worden war, brach er mit Ties und Momme zur Jungfernfahrt rund um die Insel Fehmarn auf. Der Kutter schnitt so elegant die Wellen, dass Pedersen sich vor Besitzerstolz kaum zu halten wusste. Gleich nach der Rückkehr machte er den Brüdern das Angebot, bei ihm als Matrosen anzuheuern; Kapitän wollte er selber spielen.
Die Brüder hatten bislang keinen Grund gehabt, sich über Pedersen zu beklagen, doch ihnen schwante, dass sie unter seinem Kommando nicht weniger zu erdulden haben würden als unter der Knute ihres Vaters. So kamen beide zu dem Schluss, das Angebot abzulehnen. Nur – wie sagt man es einem Mann, dessen Gunst man sich nicht verscherzen möchte?
»Wir kommen aus einer Familie von Fischern und Seeleuten.
Herr Korporal«, nahm Momme das Wort. »Es wurde aber immer darauf gehalten, dass man entweder das eine oder das andere war, nie beides zusammen. Wechselte nämlich ein Seemann in den Beruf eines Fischers über, mieden ihn die Fische wie den Leibhaftigen, und heuerte ein Fischer auf einem Schiff an, ging dieses über kurz oder lang unter. Dies mag nach Aberglauben klingen, ist aber im Kirchenbuch von Nordborg nachzulesen. Sucht Euch deshalb lieber eine andere Mannschaft und bedenkt überdies, dass bei einem Untergang des schönen Bootes auch Ihr selbst in die Tiefe gerissen würdet, Herr Korporal.«
Pedersen ging eine Weile mit sich zurate, bevor er zwei Knechte herbeirief und den Brüdern auftrug, ihnen das seemännische Rüstzeug zu vermitteln.
Auf dem Heimweg fragte Ties: »Wie kommt es, dass ich die Geschichte von den Fischern und Seeleuten in unserer Familie heute zum ersten Mal gehört habe?«
»Sie ist noch keinen Tag alt«, antwortete Momme.
Der Lohn für ihre Arbeit auf dem Gut bestand aus verschiedenerlei Zimmermannswerkzeug, derber Kleidung, wie sie auch von den Knechten getragen wurde, und einer Persenning. Überdies hatten sie sich Fertigkeiten im Bootsbau erworben, über die ein Fischer gemeinhin nicht verfügt. Im Lauf der nächsten Wochen verstärkten sie Kiel und Spanten, ihres Bootes und setzten einen Mast samt Baum, an denen die Persenning angeschlagen werden konnte.
Als sie sich das erste Mal auf das offene Meer hinauswagten, glaubten sie, an der Kimm die Konturen ihrer Heimatinsel zu erkennen. Der Wind stand günstig für die Rückkehr; noch am selben Abend hätten sie dort an Land gehen können. Doch mit einer. forschen Wende brachte Ties das Boot auf Gegenkurs.
Die Geschichte, wie die Meerfrau zu ihnen gekommen war, erzählten die Brüder so: Aus der Ferne hatten sie sie für einen Seehund gehalten. Solange tote Seehunde noch nicht in Verwesung übergegangen sind, kann man sie essen. Ties und Momme aßen damals alles, was das Meer ans Ufer spülte und noch genießbar war. Weil sie auf einen Seehund gehofft hatten, erfasste sie Enttäuschung, als sie erkannten, dass es eine Frau war. Bei näherem Hinsehen stellten sie aber fest, dass die Frau noch lebte und, dies zu bemerken blieb stets Momme vorbehalten, liebreizend aussah. Woher er das Wort hatte, verriet er nicht.
Sie trugen die Frau in ihre Hütte, wo sie nach einiger Zeit zu sich kam. Das heißt, sie schlug die Augen auf, erbrach Wasser, sagte aber nichts. Wie spricht man eine Frau an, die nicht weiß, wo sie ist, wen sie vor sich hat, und die möglicherweise auch weder Dänisch noch Plattdeutsch versteht? Die Brüder versuchten es mit einer Art Taubstummensprache, sie richteten den Zeigefinger auf sich und nannten ihre Namen.
Die Frau sprach die Namen lautlos nach.
Darauf begannen die Brüder, ihr Einzelheiten mitzuteilen: dass sie Brüder waren, ihren Ursprung also im Bauch einer gemeinsamen Mutter hatten, dass sie Fischer waren, also mit Angelhaken und Netz hantierten, Fische schlachteten, räucherten, einsalzten, verkauften. Dies alles verdeutlichten sie mit raumgreifenden Gebärden und ausdrucksvollem Mienenspiel.
In den Mundwinkeln der Frau regte sich etwas, das ein Lächeln werden wollte.
Dadurch angespornt, tanzten Momme und Ties Hack und Zeh, was in der engen Hütte jeglichen Schwungs entbehrte und damit endete, dass sie sich gegenseitig zu Fall brachten.
Nun lächelte die Frau.
Sie hatte breite Wangenknochen und weit auseinanderstehende Augen. Wenn sie lächelte, verengten sich die Lider zu schmalen Schlitzen. Ihre Nase war zu klein für das großflächige Gesicht, der Mund schmallippig. Ties dachte bei sich, dass er schon hübschere Frauen gesehen hatte, wollte aber Momme nicht vorgreifen, der für das Wort »liebreizend« eine Erklärung schuldete.
Die Frau überlief ein Frösteln. Sie merkte, dass ihre Kleider nass waren, und stand auf, um sie abzulegen. Stück für Stück entkleidete sie sich vor den Augen der Brüder, bis sie nackt dastand, Ties und Momme staunten. Sie hatten noch nie eine nackte Frau gesehen, und ihr Staunen galt gleichermaßen ihrem wohlgeformten Körper wie dem Umstand, dass die Frau sich ohne jede Scham vor ihnen entblößt hatte. Indem sie den Brüdern ihre nicht minder ansehnliche Rückseite darbot, ging sie nach draußen und hängte ihre Kleider zum »Ein Glück, dass sie kein Seehund gewesen ist«, sagte Ties.
Als sie zurückkam, gab Momme ihr seine Joppe. Sie dankte mit einem Kopfnicken, legte die Joppe um die Schultern und ließ sich im Schneidersitz nieder.
»Habt ihr keine Frau?« fragte sie.
Damit brachte sie die Brüder in Verlegenheit, denn sie hatten nicht entfernt daran gedacht, ihr ärmliches Leben mit einer Frau zu teilen. Die Fragestellerin hatte sich unterdessen in der Hütte umgeblickt, und was sie sah, schien ihr Antwort genug.
»Wie heißt du?« fragte Momme.
Die Frau zögerte. »Lena«, sagte sie dann.
»Wo kommst du her?« setzte Momme die Befragung fort.
»Ich weiß es nicht«, entgegnete sie. »Ich weiß nichts mehr. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich Lena heiße.«
Ties meinte, es sei keine Seltenheit, dass jemand, der beinahe ertrunken sei, das Gedächtnis verloren habe. Er erinnerte Momme an Broder Callesen, der nach seiner Rettung aus Seenot Frau und Kinder nicht mehr erkannt hatte.
Momme konnte seine Neugier jedoch nicht zügeln: »Bist du vielleicht mit einem Schiff untergegangen und hast dich retten können?«
»Ja, vielleicht«, antwortete
»Oder bist du allein mit einem Boot unterwegs gewesen, ein Sturm kam auf, das Boot kenterte, und du musstest schwimmen?«
»Auch möglich.«
»Was löcherst du sie mit Fragen«, wies Ties seinen Bruder zurecht. »Die See hat Lena an denselben Strand geworfen wie uns. Ich meine, es ist gar nicht schwer zu verstehen, was uns das sagen soll.«
Einen tiefsinnigeren Satz hatte Momme seit Langem nicht von Ties gehört, und er pflichtete ihm mit einem Kopfnicken bei.
So kam es, dass die Meerfrau bei den Brüdern blieb.
Das nächste Mal, als sie den Bewohnern der Klosterkate Fische brachten, wollten sie diese nicht gegen Lebensmittel eintauschen, sondern gegen Frauenkleidung. Die Bäuerin sah die beiden verstört an, sprach aber nicht aus, was ihr durch den. Kopf ging, und holte aus der Truhe ein Kleid hervor »Auch was für drunter?« fragte sie. Ties meinte, das sei nicht nötig, doch Momme belehrte ihn, dass man ein. Kleid nicht auf dem bloßen Körper trage. Daraufhin gab die Bäuerin ihnen ein Hemd, Strümpfe und selbstgestrickte Unterhosen für den Winter, und die ganze Zeit bemühte sie sich, ihre Neugier zu zügeln.
Lena war außer sich vor Freude, als sie die Kleider sah. Sie riss sich die alten vom Leib, zog die neuen an, tanzte darin auf dem Strand herum, warf sie dann wieder ab und fragte die Brüder: »Wollt ihr mich dafür?«
Von dem Tag an lag mal Ties bei ihr, mal Momme; es kam auch vor, dass beide bei ihr lagen, Lena ließ nicht erkennen, welcher ihr lieber war, sie hatte dieselben Kosewörter für Ties wie für Momme und gab sich beiden mit der gleichen Inbrunst hin. Die Brüder teilten sich Lena, ohne dass einer von ihnen das Gefühl hatte, er bekomme nur die halbe Frau.
Manches an ihr blieb Ties und Momme rätselhaft. Zuweilen verschwand sie für Tage, und wenn die Brüder nach ihr suchten, fanden sie sie oft beim Wackelstein. Sie hatte herausgefunden, dass er Töne von sich geben konnte, und sie verstand es, mit kaum merklichen Körperbewegungen eine rhythmische Klangfolge zu erzeugen, Sie meinte, es sei ein weissagender Stein. Wenn man ihn zum Klingen bringe, hebe sich der Schleier, der die Zukunft verhülle.
Lenas Sprache ähnelte dem Plattdeutsch der Einheimischen, aus ihrem Mund klang es jedoch gespreizter, zudem kamen Wörter darin vor, die man in der Umgebung der Dorschbucht nicht kannte. Als die Brüder einmal der Gräfin begegneten und diese das Wort an sie richtete, fiel ihnen auf, dass ihre Sprache jener glich, die Lena anfangs gesprochen hatte. Stammte sie demnach aus besseren Verhältnissen, war sie womöglich von Geblüt?
Anders als die einfachen Leute, von den Leibeigenen nicht zu reden, hielt sie auf Reinlichkeit, Jeden Morgen ging sie zur Mündung der Au und wusch sich von Kopf bis Fuß. Manchmal hörten die Brüder sie dabei singen. Dann ließen sie die Arbeit ruhen, lauschten ihrer schönen Stimme und dachten, was für ein Glück sie hatten, dass Lena zu ihnen gekommen war.
Es gab aber auch Tage, an denen sie von Schwermut befallen wurde. Offenbar lastete etwas auf ihrer Seele, das sie nicht preisgeben wollte, Momme versuchte des Öfteren, sie zum Reden zu bringen. Er schilderte ihr in allen Einzelheiten, was daheim auf Alsen Zu dem Zerwürfnis mit dem Vater geführt und wie er ihnen das Leben zur Hölle gemacht hatte. Doch die Hoffnung, seine Offenheit könnte ihr die Zunge lösen, erfüllte sich nicht.
Im Alter dachten die Brüder gern an die erste Zeit mit Lena zurück. Vielleicht verklärten sie das Jahr, als sie noch zu dritt waren, aber es erschien ihnen wie eine Zeitspanne ungetrübten Glücks. In der Rückschau waren Herbst und Winter mit Stürmen und eisiger Kälte ausgespart, vergessen waren Hunger und Entbehrungen und die Wochen, als Momme auf den Tod daniederlag, weil eine Bö ihm den Baum an den Kopf geschmettert hatte. Übrig blieben Erinnerungen an einen Sommer, in dem die Tage der Arbeit gehörten und die Nächte der Liebe, Lena war erfahren darin, Männern Lust zu machen. Zuweilen versetzte sie die Brüder mit ihren Liebkosungen in solche Erregung, dass sie den Verstand zu verlieren fürchteten. Gelegentlich fragten sie sich, wo sie das gelernt haben mochte.
Außer den Bewohnern der Klosterkate sahen sie in diesem Sommer keinen anderen Menschen. Ties, der seine Vergleiche, je älter er wurde, desto häufiger der Bibel entnahm, sagte in späteren Jahren, es sei wie im Garten Eden gewesen, nur mit dem Unterschied, dass Eva einen von der Liebe erschöpften Adam jederzeit gegen einen ausgeruhten eintauschen konnte.
Nicht ohne Besorgnis sahen die Brüder, dass Lena dick wurde. In der Hütte war es schon für drei Menschen arg beengt gewesen, für ein Kind gab es dort keinen Platz mehr. Außerdem ahnten sie, dass Lena sich ihnen nach der Geburt für einige Zeit verweigern würde. Dies alles hätte womöglich durch Vaterfreuden wettgemacht werden können, doch wer kann solche empfinden, ohne zu wissen, ob er der Vater ist?
Ties und Momme hatten abermals Grund, über Lena zu staunen, als sie erlebten, welche Tatkraft sie entfalten konnte. Sie zeichnete ein Rechteck in den Sand, das gut um das Doppelte größer als die Hütte war, und befahl, entlang der Linie Pfosten in den Boden zu rammen. Die Bestimmtheit, mit der sie ihre Anordnungen traf, ließ den Brüdern keine andere Wahl, als zu gehorchen. Im Nu war der Rohbau fertiggestellt, und es dauerte keine drei Tage, bis neben, der alten Hütte eine neue stand, geräumiger, wetterfester und besser anzusehen. Die alte eigne sich gut als Stall, meinte Lena, sie denke an Federvieh und ein Schwein.
Als die Wehen einsetzten, schickte sie die Brüder fort. Vor dem Abend sollten sie sich nicht wieder sehen lassen. Ties und Momme durchstreiften planlos das Hinterland der Dorschbucht, beide von Sorgen erfüllt. Ein Besuch in der Klosterkate brachte keine Ablenkung; die Bäuerin konnte nicht länger an sich halten, sie platzte mit der Frage heraus, wozu, um alles in der Welt, die Brüder das Weiberzeug brauchten. Spielte womöglich einer von ihnen mitunter die Frau, damit sie sich zumindest an einem Abklatsch von Ehefreuden ergötzen konnten? Die Brüder verstanden nicht, worauf sie hinauswollte, und blieben die Antwort schuldig.
Sie legten sich dann in der Nähe des Wackelsteins in den Sand. Es war ein verhangener, windstiller Tag, auf der Sandbank lärmten Möwen.
»Wem er wohl ähnlich sehen wird«, brachte Ties nach längerem Grübeln hervor.
»Das kann ich dir sagen«, erwiderte Momme. »Wenn er von mir ist, wird er genauso aussehen, als wenn er von dir ist. Wie sollte er sonst auch aussehen, wo man uns nachsagt, dass wir uns ähneln wie ein Ei dem andern?«
Wieder hingen die Brüder ihren Gedanken nach. Inzwischen stand die Sonne knapp über dem Ufer im Westen, ein Strahlenbündel durchbrach meerwärts den Dunst. Ties bemerkte, dass der Sand an seiner Handfläche haftenblieb. Das war nicht ungewöhnlich an einem warmen Herbsttag, doch diesmal war es etwas anderes, das ihm den Schweiß aus den Poren trieb: Er hatte Angst um Lena.
»Ich weiß noch, wie Mutter Ditte bekam«, sagte er. »Nicht nur die Hebamme war bei ihr, auch Oma und zwei Frauen aus der Nachbarschaft. Wir hätten Lena fragen sollen, ob sie Hilfe braucht. Sie kann das Kind doch nicht allein zur Welt bringen.«
»Das tun die Tiere auch«, versetzte Momme nüchtern.
»Aber Lena ist kein Tier«, ereiferte sich Ties. »Wozu gibt es Hebammen, wenn die Frauen ihre Kinder auch ohne Hilfe gebären können?«
»Lena hat nichts davon gesagt, dass sie Hilfe braucht.«
»Vielleicht denkt sie, wir können die Hebamme nicht bezahlen.« Plötzlich horchte Ties auf: Hatte da ein Kind geschrien?
»Das war eine Möwe«, sagte Momme.
Als sie die Tür ihrer Hütte vorsichtig öffneten, schlug ihnen ein unverwechselbarer Geruch entgegen. Es roch nach Blut. Ihre Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen, bevor sie Lena erkennen konnten. Sie hockte auf ihrem Lager, die Arme um die Knie geschlungen, den Kopf nach vorn gebeugt, sodass ihr Haar das Gesicht verdeckte. Die Brüder sahen sich um. Da war ein Bottich mit rötlichem Wasser, auf seinem Rand ein blutgetränktes Tuch, da waren die selbstgezimmerten Schemel, der Tisch.
Wo war das Kind?
Als hätte einer von beiden die Frage laut gestellt, hob Lena den Kopf und sagte: »Es ist tot. Es ist tot zur Welt gekommen.« Ihr Gesicht war kalkweiß, Lippen und Kinn waren mit Blut beschmiert. Sie sieht abgrundhässlich aus, dachte Momme, und es wollte ihm nicht gelingen, mit diesem vom Schmerz verwüsteten Gesicht noch das Wort »liebreizend« in Verbindung zu bringen.
»Wo ist es?« fragte Ties leise. Sie hob eine Hand und machte eine fahrige Bewegung nach draußen. Die Geste konnte auch bedeuten; dass sie nicht darüber reden wollte, was mit dem Kind geschehen war.
Tage später fanden Ties und Momme die Leiche eines Säuglings am Strand. Er war verkrüppelt und hatte einen tiefen Einschnitt am Hals.
Eine andere Geschichte, die die Brüder im Alter erzählten, handelte davon, wie Lena das tobende Meer zu bändigen versuchte. An einem Tag im Spätherbst hatte sich im Nordosten ein Unwetter zusammengebraut. Eine Wolkenwand, die näher kommend ihre Farbe von einem tiefen Schwarz in ein schwefliges Gelb wechselte, ließ Schlimmes befürchten. Die Brüder sicherten die Hütten mit Tauen und zogen das Boot weit auf den Strand herauf.
Was ihnen am meisten Angst machte, war die Stille. Die See war völlig unbewegt, ein glatter Spiegel, der zusehends die Farbe des Himmels annahm. Momme hatte das Gefühl, eine riesige Hohlform rücke näher, und er erinnerte sich, dass, als er Lena rief, seine Worte wie ein Echo zu ihm zurückkehrten. Lena stand unten am Wasser, und Momme erschien es leichtsinnig, dort zu stehen, wenn das Unwetter losbrach.
Ties meinte, das Warten sei beängstigender gewesen als das Toben der Elemente. Man habe sich verloren gefühlt, hilflos einer Gewalt ausgeliefert, die menschlicher Kraft so unendlich überlegen sei. Er war beinahe erleichert, als ein erster Windhauch den Meeresspiegel trübte und die Möwen landeinwärts flohen. Gleich war das Warten vorbei, gleich galt es, um sein Leben zu kämpfen.
Er lief zum Strand hinunter, um Lena zu warnen. Notfalls wollte er sie gegen ihren Willen in die Hütte schaffen oder, besser noch, hinter die Dünen, wo die Brüder schon öfter Schutz vor den Naturgewalten gesucht hatten.
Er hatte Lena schon fast erreicht, als sich aus dem Meer ein Ungetüm von einer Weile erhob und mit dumpfem Grollen näher kam. Der Anblick habe ihn dermaßen erschreckt, dass er wie gelähmt gewesen sei, erzählte Ties. Weder habe er die wenigen Schritte zu Lena tun noch die Flucht ergreifen können. Er sah, wie Lena die Arme hob und beide Hände abwehrend der Welle entgegenstreckte. Zugleich habe sie gesprochen, in einer fremden Sprache habe sie gesprochen, dann, als die Welle weiter heranrollte und das Grollen immer lauter wurde, habe sie die Wörter herausgeschrien, ihr ganzer Körper habe gebebt, solche Anstrengung habe es sie gekostet, das Grollen der Woge zu übertönen.
An dieser Stelle pflegte Momme weiterzuerzählen, denn Ties erinnerte sich nur daran, von einem reißenden Strom davongetragen worden zu sein. Momme hatte sich rechtzeitig in die Dünen verzogen. Von dort, auf dem Bauch liegend und die Finger in den Sand gekrallt, sah er, wie die Welle sich über den Sandbänken neigte und zu einem Berg aus weißem Schaum zerbarst. Ties wurde von der Gischt fortgerissen; mit Armen und Beinen strampelnd versuchte er, sich ihrem Sog zu widersetzen, aber sie schwemmte ihn bis an den Fuß der Dünen. Momme blieb keine Zeit, nach ihm zu sehen, denn schon donnerte die nächste Woge heran. Sie war noch höher als die erste, ein fürchterlicher Anblick für den, der ihr preisgegeben war. Er wollte seinen Augen nicht trauen, als er Lena inmitten des kochenden Schaums entdeckte, sie hielt noch immer die Hände dem Meer entgegengestreckt und schrie wie von Sinnen gegen das Tosen der Wellen an. Dann wurde Momme jäh bewusst, dass jetzt die dritte Welle kam, von der jeder Fischer weiß, dass sie die gefährlichste ist. Dies war der Augenblick, in dem er Lena verloren gab. Er hielt es für ausgeschlossen, dass sie mit dem Leben davonkommen würde, als der Wasserberg sie unter sich begrub. Was dann geschah, erschien ihm auf seine alten Tage selbst ein wenig märchenhaft, und er gab zu, dass gewisse Ereignisse mit wachsendem Abstand gleichsam Jahresringe an Fantasie ansetzen, doch wollte er, was er gesehen hatte, andererseits auch nicht der Glaubwürdigkeit halber verfälschen. Er habe also mit eigenen Augen wahrgenommen, wie das Meer Lena über die Dünen schleuderte. Alles weitere habe sich für ihn gleichsam unter Wasser abgespielt, denn im selben Augenblick sei ein sintflutartiger Regen niedergegangen. Es war, schloss Momme diesen Teil der Geschichte ab, als ob das Meer in den Himmel emporgestiegen sei und sie nun auch von dort aus zu vernichten trachtete.
Die Dunkelheit war schon hereingebrochen, als sich der Aufruhr der Elemente legte. Eine sandverkrustete Gestalt taumelte über den Strand und rief nach Momme. Dieser hatte sich unterdessen aufgemacht, Lena zu suchen. Er malte sich aus, wie das Meer sie zugerichtet haben mochte, und er sparte nicht mit grausigen Einzelheiten, damit ihr wirklicher Zustand ihn nicht zu sehr erschrecke.
Er hatte schon fast den jenseitigen Rand der Dünen erreicht, als Lena ihm entgegenkam, Ihr Gesicht ähnelte einer Maske, aus der alle Farbe gewichen war, ihr Haar war mit Strandhafer und Tang verflochten. Sichtbare Schäden, stellte Momme aufatmend fest, hatte sie nicht davongetragen. Als sie bis auf wenige Schritte herangekommen war, blieb sie stehen und sah ihn mit leeren Augen an.
»Erkennst du mich nicht, Lena? Ich bin’s, Momme«, sagte er.
»Lass mich in Ruhe«, schrie sie und versuchte, ihn beiseite zu drängen.
Momme schien es, dass sie verwirrt war. Er nahm sie in die Arme und sprach beruhigend auf sie ein.
»Das alte Biest hat mich ausgespien wie Rotz!« zeterte sie.
»Ich bin froh, dass dir nichts Schlimmes geschehen ist«, sagte Momme.
Sie stieß ihn mit beiden Fäusten von sich: »Nichts Schlimmes geschehen? Was gibt es Schlimmeres, als so erniedrigt zu werden?«
Momme wusste nicht, dass Lena aus einem Volk kam, von dem das Meer als die Große Mutter verehrt wurde. Ihr Volk lebte nicht nur vom Meer, es sprach auch zu ihm, wie man zu einem Menschen spricht, und wenn das Meer aufbrauste, konnte man seinen Zorn mit den richtigen Worten dämpfen. Lena kannte die richtigen Worte, sie hatte sie schon als Kind gelernt. Wie oft war sie der aufgewühlten See entgegengetreten und hatte sie besänftigt. Hätte Momme dies alles gewusst, wäre es ihm leichter gefallen zu verstehen, weshalb Lena so verbittert war.
Die Wellen hatten den Strand in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Die Überreste der Hütten waren unter Sand begraben, das Boot lag mit gebrochenem Mast in einer Dünensenke.
»Das hat was zu bedeuten«, meinte Ties. »Wir sollen uns einen anderen Platz für unsere Hütte suchen.«
Sie fanden ihn etwas weiter nach Osten, wo das Ufer ein paar Meter zum Strand abfiel und der Weg von der Klosterkate endete. Im Schutz alter, vom Sturm gekrümmter Eichen bauten sie aus Balken, Flechtwerk und Lehm ihr erstes Haus. Unter dem Reetdach war Raum für eine Diele mit offener Feuerstelle, eine Schlafkammer und einen Stall für Hühner und Schweine.
In dieser Kate kam, kurze Zeit nachdem sie fertiggestellt worden war, ein Mädchen zur Welt. Es hatte blondes Haar, hellblaue Augen, breite Wangenknochen und ein markantes Kinn. Ties und Momme erkannten in dem Kinn des Säuglings das ihres eigenen Vaters wieder, und ihre Gedanken gingen verschlungene Wege, bevor Momme sagte: »Das wächst sich mit der Zeit zurecht.«
»Und wenn sie nach ihm schlägt?« fragte Ties.
»Lass sie sein, wie sie will«, versetzte Momme. »Gegen zwei Väter kommt sie nicht an.«
Ein knappes Jahr nach Ljuba wurde Ose geboren, wiederum ein Jahr später Mikkel. Den Jungen benannten Ties und Momme nach ihrem Großvater. Der Zufall wollte es, dass Verwalter Pedersen mit Vornamen ebenfalls Mikkel hieß. Die Namen für die Mädchen hatte Lena ohne Absprache mit den Brüdern ausgesucht. »Ose« mochte den Einheimischen noch geläufig sein, doch »Ljuba« hieß sonst niemand in der Gegend. Weshalb sie den fremdartigen Namen gewählt hatte, verriet Lena den Brüdern eines Nachts: Ljuba bedeute in der Sprache ihrer Vorfahren »Liebe«.
Den Bewohnern der umliegenden Höfe war nicht entgangen, wie rasch sich die neue Behausung der Brüder mit Leben gefüllt hatte. Die Bäuerin der Klosterkate kam, offenbar sowohl von der eigenen Neugier getrieben wie auch von anderen Frauen vorgeschickt, zur Dorschbucht hinunter und. brachte ein Hufeisen, das dem Haus und seinen Bewohnern Glück bringen sollte. Ties nagelte es an den Türbalken, und als er der Bäuerin zum Dank einen Räucheraal geschenkt, noch das eine oder andere Wort über das Wetter verloren und umständlich seine Pfeife gestopft hatte, riss ihr der Geduldsfaden.
»Man hat gesehen, dass hier Kinder herumlaufen«, sagte sie. Vom nahen Waldrand hatte sie einen guten Blick auf Haus und Hof.
»Das stimmt«, antwortete Ties. »Soweit sie schon laufen können, laufen sie hier herum.«
»Aber wo Kinder sind, maß auch eine Frau sein.«
»Stimmt auch.«
»Hast du geheiratet?«
»Ich? Nein.«
»Hat Momme geheiratet?«
»Auch nicht.«
»Ja, Herrgott noch mal«, rief die Bäuerin in heller Verzweiflung. »wessen Kinder sind das denn?«
»Unsere«, erwiderte Ties.
Die Bäuerin hatte ihren Mund noch nicht ganz wieder geschlossen, als sie sich genötigt sah, ihn abermals aufzureißen: In der Tür erschien Lena, ein Kind auf dem Arm, ein weiteres an der Hand, ein drittes klammerte sich an ihre Schürze. Anscheinend hatte sie sich rasch noch ein wenig zurechtgemacht, hatte das Haar gekämmt und ihre Bernsteinkette umgehängt. Wenn man den Brüdern glauben wollte, war sie nach jedem Kind schöner geworden, und als sie jetzt da in der Tür stand mit ihren Kindern, erschloss sich Ties schnurstracks die Bedeutung des Wortes »liebreizend«. Ihm war schier unbegreiflich, dass die Bäuerin bei Lenas Anblick nicht in die gleiche Verzückung geriet wie er selbst. In ihrem Gesicht krauste sich nur die Nase, als sie fragte: »Wo kommt die her?«
Wahrscheinlich hätte es die Bäuerin nicht freundlicher gestimmt, wenn er die ganze Geschichte erzählt hätte. Daher fasste Ties sie in einem Satz zusammen: »Die See hat sie uns geschenkt.«
»Sie ist eine Meerfrau«, raunte Momme ihr ins Ohr.
Ebenso gut hätte er behaupten können, unter Lenas langem Rock verberge sich ein Nixenschwanz. Die Bäuerin schnappte sichtlich ein. »Hoffentlich wisst ihr, was ihr euch da ins Haus geholt habt«, presste sie hervor. »Das ist eine Wendische.« Damit ging sie. Den Aal ließ sie liegen.
Seither wurde Lena von den Leuten in der Umgebung nur noch die Wendische genannt. Das Wort leitete sich von den Wenden ab, einem slawischen Volk, das vorzeiten bis an die südliche Küste der Ostsee vorgedrungen war. Hier und da siedelten noch Nachkommen der einstmals kriegerischen Wenden, sie waren Fischer und ambulante Händler, man schätzte sie als Heilkundige und fürchtete ihren bösen Blick. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren viele ihrer Frauen als Hexen verbrannt worden.
Und nun lebte eine Wendische dort an der Dorschbucht mit den Brüdern Ties und Momme zusammen und hatte ihnen ohne den Segen der Kirche drei Kinder geboren. Die Kunde ging wie ein Lauffeuer von Hof zu Hof, erreichte das Kirchdorf und kam mit einiger Verspätung, weil er sich wieder für Tage in sein Studierzimmer zurückgezogen hatte, Pastor Heinrich Fürchtegott Beerbohm zu Ohren.
Man. sollte annehmen, der Geistliche hätte sich in der Abgeschiedenheit seiner von Bücherwänden umschlossenen Klause dem Studium der Bibel und frommer Traktate gewidmet, womöglich auch die Versatzstücke seiner sonntäglichen Predigten neu gemischt, doch das war es nicht, was ihn in die Isolation trieb. Heinrich Fürchtegott Beerbohm war von dem Ehrgeiz besessen, als Erfinder einer sich aus eigener Kraft bewegenden Maschine wissenschaftliche Anerkennung zu finden.
Solange er noch kein einwandfreies Ergebnis vorzeigen konnte, achtete der Pastor auf strengste Geheimhaltung. Nur seine Frau und vier seiner Kinder waren eingeweiht. Die übrigen sechs besaßen noch nicht genügend Verstand, um ein Perpetuum mobile von einem Spielzeug unterscheiden zu können.
Der Pastor hatte seiner Familie untersagt, ihn, aus weichem Grund auch immer, bei der Arbeit zu stören. Ein Lufthauch, die Resonanz eines Wortes konnten auf das labile Gleichgewicht einander belauernder Kräfte einwirken und dem Erfinder einen trügerischen Triumph bescheren. Was um alles in der Welt mochte so dringend sein, dass jemand, wenn auch nur ganz leise, an die Tür zu klopfen wagte? Heinrich Fürchtegott Beerbohm ergrimmte, und sein Ärger wuchs noch, als seine Frau ihm im Flüsterton von dem sündhaften Treiben in der Dorschbucht berichtete. Er ahnte, dass die Affäre ihn in seiner Arbeit um Tage zurückwerfen würde.
Doch seine Gattin erinnerte ihn daran, dass er nicht nur ein begnadeter Erfinder, sondern nebenher auch für die Aufrechterhaltung der Moral in seinem Sprengel zuständig sei.
Missmutig ließ der Pastor anspannen und fuhr in seiner zweirädrigen Kutsche durch die schon herbstlich gefärbte Landschaft, Er sah nichts davon, seine Gedanken kreisten um Glasröhren, Metallkugeln, teils mit Wasser, teils mit ätherischen Essenzen gefüllte Phiolen und kunstvoll gedrechselte Rädchen aus Hartholz. Wenn es soweit war, würde er seine Maschine den Professoren der Universität Kiel vorführen. Nein, Hamburg war besser. Von Hamburg aus würde sich sein Ruhm schneller verbreiten.
Das Pferd fand den Weg allein, sonst wäre er vermutlich nie zur Fischerkate gelangt. Die Brüder saßen auf der Bank neben der Dielentür. Momme flickte ein Netz, Ties schnitzte Schuhe aus Lindenholz. Sie kannten den Herrn nicht, der da in der Kutsche angefahren kam, doch das Gefährt ließ eine Standesperson vermuten. Der Pastor hatte soeben beschlossen, die Zahl der Kugeln, die als erste ins Rollen kamen, um eine zu erhöhen, und weil er dies für einen glücklichen Einfall hielt, begrüßte er die Brüder mit den launigen Worten: »Seid ihr die Schlauköpfe, die sich statt zweier Weiber mit einem begnügen?« Als er keine Antwort erhielt, stieg er aus der Kutsche, gab beiden die Hand und sagte, dass er der Pastor sei.
Sie hatten nichts, was sie ihm anbieten konnten – außer Wasser. Wollte der Herr Pastor ein Glas Wasser? Heinrich Fürchtegott Beerbohm war ein. Freund einfacher Genüsse, er dankte und nahm an. Lena brachte ihm den Begrüßungstrunk, und der Pastor, in Gedanken schon halb wieder bei seiner Erfindung, bemerkte gleichwohl, wie schön sie war. Als nächstes fiel sein Blick auf ihre Bernsteinkette, und ihm schoss durch den Kopf, ob er statt der Metallkugeln nicht randgeschliffene Bernsteinstücke nehmen sollte. »Ist die Kette verkäuflich?« fragte er.
»Nein«, antwortete Lena. »Die habe ich zur Geburt unseres ersten Kindes geschenkt bekommen.«
Damit hatte sie das Thema angeschnitten, dessentwegen Beer bohm gekommen war. Er bat, die Kinder sehen zu dürfen, und als Lena sie vor ihm aufgereiht hatte, zwei konnten schon auf den eigenen Beinen stehen, das dritte hielt sie an den Händen, fragte der Pastor Lena: »Welches ist von wem?«
»Das weiß ich nicht«, antwortete sie und lächelte vielsagend.
»Denk nach«, forderte der Pastor. »Könnte es sein, dass alle drei von einem sind oder zwei von dem einen und eines von dem anderen?«
»Kann angehen«, erwiderte Lena. »Aber warum ist Euch das wichtig?«
