Die Männer vom Meer - Konrad Hansen - E-Book

Die Männer vom Meer E-Book

Konrad Hansen

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Beschreibung

Ein historischer Roman um die gefahrenreiche und abenteuerliche, die gewalttätige und sinnliche Welt des alten Nordlands, dem Land der Wikinger Sie raufen, sie schlagen sich gegenseitig die Schädel ein, sie brandschatzen und nehmen sich auf ihren Raubzügen alles, was sie wollen, auch die Frauen. Im Mittelpunkt steht Björn Hasenscharte, ein Bauernsohn mit Geburtsfehler, aber wachem Geist. Bis zu König Harald Blauzahn führen seine Abenteuer. »Konrad Hansen erzählt spannend, poetisch, realistisch und zugleich märchenhaft von Helden, Königen, Gefolgsleuten, Händlern und Kriegern, von Hexen, Zauberern und Priestern, aber auch von ganz gewöhnlichen Menschen. Ein großartiges Buch!« Südkurier

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover & Impressum

Motto

ERSTES BUCH

1

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ZWEITES BUCH

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Glossar

Motto

Von der Schulter schiebe,

was übel dir scheint,

und richte dich nur

nach dir selber.

EDDA; aus dem Zaubergesang der Groa

6

Sommerliche Hitze liegt über der Stadt; kein Windhauch schwemmt den Gestank aus den Gassen, stört den Tanz der Mücken. Auf den Bohlenwegen drängen sich fremdländisch gekleidete Menschen, Björn taucht in den Menschenstrom ein, er treibt ihn zum Hafen hinunter, wo zahllose Masten in der sanften Dünung schwanken, wo Händler einander an Stimmkraft zu überbieten suchen, wo Hunderte von Sklaven, halb nackt und in Lumpen gehüllt die einen, prächtig herausgeputzt die anderen, zum Kaufangeboten werden. Zwischen ihnen drängen sich Lastträger hindurch, die, von Aufsehern mit Peitschen zur Eile angetrieben, jeden beiseitestoßen, der ihnen den Weg versperrt. Und schon reißt der Menschenstrom Björn weiter mit sich fort, vorbei an den Speichern, und Werften, an den Werkstätten der Reepschläger, Schmiede und Steinmetzen, vorbei am Hurenhaus und die Straße hinauf, die am Bach entlang zum Haus des Königs führt. Dort staut sich der Strom. Björn, zwischen zwei nach Tran riechenden Seeleuten eingekeilt, hört den einen sagen, Bue der Dicke sei gekommen, der Vertraute und Ratgeber des Königs, Ein mächtiger Mann, sagt der andere, und es geschehe nicht oft, dass man ihn zu Gesicht bekäme.

Björn ging nun jeden Tag zum Haus des Königs, um Bue den Dicken zu sehen. Und stets war der Platz vor dem Haus mit Menschen gefüllt, die aus dem gleichen Grund gekommen waren. Einige sagten, Bue sei noch mächtiger als der König, nur sei er viel zu klug, es diesen merken zu lassen. Eine zahnlose Hure mir rot ummalten Augen, die vorgab, einst Bues Geliebte gewesen zu sein, meinte, an Klugheit mangle es Bue gewiss nicht, wohl aber an Mut; deshalb habe der König nichts von ihm zu befürchten.

Nachdem Björn mehrere Tage vergeblich vor dem Haus des Königs gewartet hatte, kam Bue der Dicke in Swains Werkstatt. Er machte seinem Beinamen alle Ehre, denn er war ein Mann von erstaunlichem Leibesumfang. Auf dem riesigen Körper saß, ohne zwischen sich und dem Rumpf einen Hals zu dulden, ein massiger Kopf, der mit rötlichem, hier und dort schon ergrautem und leicht gekräuseltem Haar bedeckt war. Auch seine Nase entsprach in ihren Ausmaßen denen seines Körpers; nur zweierlei stand in auffallendem Gegensatz zu seiner üppigen Leibesfülle: Seine Augen waren so winzig, dass man sie kaum hinter den wülstigen Lidern erkennen konnte, und wer ihn zum ersten Mai reden hörte, blickte sich unwillkürlich nach einem anderen um, weil Bues gewaltige Brust nichts weniger als eine Fistelstimme erwarten ließ.

Swain erschrak, als Bue der Dicke, den Raum verdunkelnd, seine Werkstatt betrat. Bue kam mit großem Gefolge, unter dem sich auch der Wikgraf, einer der Söhne des Königs von Jorvik, befand. Diesem erlaubte es Bue als einzigem, ihn in Swains Werkstatt zu begleiten, während er den übrigen das Haus zu umstellen befahl. Denn Bue war ein vorsichtiger Mann.

Der Kammmacher blickte sich nach einer Sitzgelegenheit um, die er Bue anbieten konnte. Aber er sah keine, von der anzunehmen war, dass sie dem Gewicht des königlichen Ratgebers standhalten würde. Deshalb zog er es vor, ihm seine Ehrerbietung dadurch zu erweisen, dass er sich erhob und mit gesenktem Kopf darauf wartete, dass Bue ihn ansprach.

»Dein Ruhm ist gewachsen, seitdem wir uns das letzte Mal begegneten«, sagte Bue leise, denn nur so gelang es ihm, seiner Stimme einen etwas tieferen Klang zu verleihen. »Wie ich höre, trägt sogar die Frau des Sachsenkaisers deine Haarnadeln.«

»Bischof Horath gefiel es, ihr einige meiner Arbeiten zu schenken«, erwiderte Swain bescheiden.

Bue nahm einen Kamm von der Werkbank, an dem Swain gerade schnitzte, und betrachtete ihn, während er fortfuhr: »Ich hoffe, dass dich der Bischof, obwohl es ihm neuerdings die Armut zu preisen beliebt, gut dafür bezahlt.«

»Bislang habe ich keinen Grund gehabt, mich zu beklagen«, antwortete Swain.

»Lass mir etwas zu trinken bringen«, sagte Bue, ein Wunsch, der von seinen Gastgebern als Gunstbeweis verstanden werden durfte.

Nanna brachte ein mit Bier gefülltes Trinkhorn und reichte es Bue. Sie hatte sich gekämmt und trug ein langes weißes Gewand, das sie, wie Björn aus Swain s Stirnrunzeln schloss, der Kleidertruhe seiner Frau entnommen hatte. Es unterstrich den südländischen Reiz ihres schwarzen Haares und ihrer braunen Haut, und Björn spürte, wie sich Eifersucht in ihm regte, als er erkannte, dass sie Bue gefallen wollte.

Bue der Dicke gab das Trinkhorn an den Wikgrafen weiter und ließ diesen kosten. Dann wandte er sich Nanna zu, die, wie es sich einem hochgestellten Herrn gegenüber ziemte, mit niedergeschlagenen Augen vor ihm stand, und hob mit seiner fleischigen Hand ihr Kinn empor.

»Mir scheint, du bist ein vom Glück begünstigter Mann, Swain«, sagte Bue, während er in Nannas Augen blickte. »Aber nur ein Dummkopf verlässt sich darauf, dass sein Glück ewig währt, wohingegen der Kluge beizeiten Vorsorge trifft, dass es sich nicht zu bald von ihm abwende.«

»Deine Worte wollen gründlich bedacht sein, zumal sie aus dem Mund eines Mannes kommen, auf dessen Rat sogar der König hört«, sagte Swain.

»Du redest vernünftiger, als ich erwartet habe«, entgegnete Bue wohlwollend. Dann nahm er das Trinkhorn, und nachdem er den Wikgrafen gründlich gemustert, an ihm jedoch keine Anzeichen von Unwohlsein ausgemacht hatte, trank er es in einem Zuge leer.