Die Klausel zum Glück - Ivy Bell - E-Book
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Die Klausel zum Glück E-Book

Ivy Bell

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Beschreibung

Wenn ein Testament dein Leben auf den Kopf stellt… Lena lebt für Ihre Arbeit. Urlaub oder Hobbys sind für sie reine Zeitverschwendung und wenn ihre beste Freundin über Wanderungen mit ihrem Liebsten schwärmt, rümpft sie innerlich die Nase. Wozu gibt es Fitnessstudios? Ihr Onkel Franz scheint das anders zu sehen. Er vererbt Lena sein Haus am See in der Nähe von Berlin. Das Erbe ist allerdings an eine Bedingung geknüpft, denn bevor das Haus in Lenas Besitz übergeht, muss sie zwei Wochen dort verbringen. Also macht sie sich schweren Herzens auf nach Grünheide, um die Zeit so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Lena ist sich sicher, dass sie das Haus danach verkaufen wird, schließlich ist sie ein Stadtmensch, was soll sie auf dem Land? Dabei hat sie nicht mit den herzlichen Menschen gerechnet, auf die sie dort trifft und die ihr nach und nach zeigen, dass das Leben mehr zu bieten hat als Arbeit und ein gut gefülltes Bankkonto. Und dann ist da ja auch noch der attraktive Bootsbauer Tom…

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Die Klausel zum Glück

 

von

 

Ivy Bell

Januar 2023

 

© 2023 by Ivy Bell, Berlin

 

Umschlaggestaltung: Ivy Bell

 

Umschlagabbildung: © Ivy Bell

 

Font Titel © Julia Dreams

 

Lektorat: C.O. Mania

 

 

Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mithilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Autorin untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten. Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

Inhalt

 

Der Roman

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Danke

Über die Autorin

Impressum

 

Der Roman

Wenn ein Testament dein Leben auf den Kopf stellt…

 

Lena lebt für Ihre Arbeit. Urlaub oder Hobbys sind für sie reine Zeitverschwendung und wenn ihre beste Freundin über Wanderungen mit ihrem Liebsten schwärmt, rümpft sie innerlich die Nase. Wozu gibt es Fitnessstudios?

Ihr Onkel Franz scheint das anders zu sehen. Er vererbt Lena sein Haus am See in der Nähe von Berlin.

Das Erbe ist allerdings an eine Bedingung geknüpft, denn bevor das Haus in Lenas Besitz übergeht, muss sie zwei Wochen dort verbringen.

Also macht sie sich schweren Herzens auf nach Grünheide, um die Zeit so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Lena ist sich sicher, dass sie das Haus danach verkaufen wird, schließlich ist sie ein Stadtmensch, was soll sie auf dem Land?

Dabei hat sie nicht mit den herzlichen Menschen gerechnet, auf die sie dort trifft und die ihr nach und nach zeigen, dass das Leben mehr zu bieten hat als Arbeit und ein gut gefülltes Bankkonto.

Und dann ist da ja auch noch der attraktive Bootsbauer Tom…

Kapitel 1

 

»Somit konnten wir den Umsatz durch die erfolgreiche Social Media Präsenz um 15% steigern.« Lena legte ihren Stift, mit dem sie eben noch auf ihre Präsentation gezeigt hatte, weg und blickte in die Runde. Ihr Chef, Herr Steinbrenner, klopfte auf den Tisch und die Kollegen taten es ihm nach.

»Vielen Dank für die wunderbare Präsentation, Frau Fischer. Wenn der Kunde zufrieden ist, sind wir es auch. Vor allem, wenn wir dadurch eine weitere positive Referenz in unsere Vita aufnehmen können.«

Die Kollegen lachten höflich und die Runde löste sich langsam auf. Lena schob ihre Unterlagen zusammen, klappte ihren Laptop zu und eilte in ihr Büro. Sie hatte noch so viel zu tun, diese ganze Präsentation für den Sportdrinkhersteller hatte ihr viel zu lange gedauert, weil der dicke Meyer aus der Buchhaltung, den alle heimlich Knauserig-Meyer nannten, dauernd Zwischenfragen zur Finanzierung gestellt hatte.

Lena stolperte in ihr Büro, legte den Laptop auf ihren Schreibtisch und ließ sich in ihren Stuhl fallen. Manuela, Lenas Kollegin, beendete ihr Telefonat und sah Lena aus zusammengekniffenen Augen an.

»Wie war die Präsentation? War Steinbrenner zufrieden?«

»Ich glaube schon. Zumindest hat er am Ende seinen üblichen Spruch gemacht von wegen zufriedenen Kunden und so weiter. Das übliche. Und hier? War viel los, während ich weg war?«

»Ein paar Anrufe von Kunden, nicht viel, habe ich notiert, du kannst später zurückrufen. Jetzt entspann dich doch mal. Du bist schon wieder so aufgekratzt, das ist gar nicht gut für dein Herz. Irgendwann kippst du mir noch vom Stuhl.«

Lena grinste.

»Niemals. Ich bin ein Arbeitstier.«

»Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit«, Manuela lächelte versonnen. Lena kannte diesen Blick.

»Wie war dein verlängertes Wochenende mit Laurenz?«

»Traumhaft!« Manuela strahlte. »Wir waren Wandern am Nibelungensteig. Herrlich, wirklich. Der Ausblick vom Melibokus auf die Rheinebene ist ein Traum. Ich hab noch richtig Muskelkater.«

»Vom Wandern oder von Laurenz?« Lena grinste.

»Vom Wandern natürlich.« Manuela wurde knallrot. »Es gibt dort so süße Gasthäuser mit leckerem Essen. Da musst du unbedingt auch mal hin.«

»Hmmm, vielleicht später mal«, murmelte Lena. Sie hatte für Wanderungen und Natur nicht viel übrig. Im letzten Jahr war Manuela mit ihrem Liebsten in Österreich wandern gewesen und hatte ihr stundenlang davon vorgeschwärmt. Lena hatte stumm zugehört und schaudernd gedacht, dass sie absolut keine Lust hatte, einen Berg hochzuklettern, um sich dann von einer schlechtgelaunten Bedienung im Dirndl fettiges Essen servieren zu lassen. Wenn sie sich sportlich betätigen wollte, zog sie das Laufband im Fitnessstudio vor. Das war gut klimatisiert und man konnte nebenbei Nachrichten gucken.

»Ich merke schon, du bist begeistert«, bemerkte Manuela süffisant. »Du wirst schon noch darauf kommen, dass es im Leben auch andere Dinge gibt als diese Agentur und deine Arbeit.«

»Mag sein, aber momentan gefällt es mir so, wie es ist.« Lena griff zu ihrem Telefon und rief ihren nächsten Kunden an.

 

Viele arbeitsreiche Stunden später, draußen dämmerte es bereits, öffnete Lena die Tür zu ihrem schönen Appartement, warf ihre Post auf den Küchentresen und streifte sich die hohen Schuhe von den Füßen. Sie seufzte wohlig, als sie barfuß zum Fenster ging. Vielleicht sollte sie doch mal darüber nachdenken, flache Schuhe zu tragen, aber dann kam sie sich so klein vor. Lena stand am Fenster und schaute über die Skyline von Frankfurt.

»Wanderurlaub, phhh«, murmelte sie vor sich hin. »Besser ist der Blick von einem Berg auch nicht.«

Lena holte den Weißwein aus dem Kühlschrank und goss sich ein Glas ein. Der Anrufbeantworter blinkte. Sie drückte auf Wiedergabe und die Stimme ihrer Mutter hallte durch das Zimmer.

»Hallo Lena, hier spricht Susanne. Kannst du mich bitte anrufen? Wenn es geht bald. Ich habe Nachtdienst und bin später schwer zu erreichen.«

Lena verdrehte die Augen. Das war so typisch für ihre Mutter, erst meldete sie sich ewig nicht, dann musste es ganz schnell gehen. Lena warf einen Blick auf die Uhr und entschied sich, das Gespräch mit ihrer Mutter auf den nächsten Tag zu verschieben. Sollte sie ruhig auch mal warten, es konnte sich nicht immer alles um Frau Dr. Fischer drehen.

Lena gähnte, gönnte sich noch eine schnelle Dusche und krabbelte in ihr Bett. Die ungeöffnete Post hatte sie völlig vergessen.

Kapitel 2

 

Lena schreckte aus dem Schlaf hoch und schaute verwirrt auf ihren Wecker. Vier Uhr morgens. Ihr Herz klopfte wild. Fast jeden Morgen wachte sie mit pochendem Herzen um vier Uhr auf und konnte nicht mehr einschlafen. Leider konnte sie sich auch nie an den Traum erinnern, der ihr so zusetzte. Lena kuschelte sich unter der Decke zusammen und kniff ihre Augen zu, aber an Schlaf war nicht mehr zu denken. Schließlich gab sie auf und krabbelte aus dem Bett, streifte ein wenig durch ihre Wohnung, brühte sich schließlich einen starken Kaffee und startete ihren Laptop, um schon mal ein paar Dinge für die Arbeit vorzubereiten.

Lena überprüfte gerade ein paar Zahlen in einer Tabelle, als sie ein Summen neben ihrem Ohr vernahm.

»Du blöde Mücke!«, fluchte sie, wedelte mit ihren Händen und fegte die Kaffeetasse vom Tisch, direkt auf ihren Schoß.

»Aua, heiß«, sie rannte ins Bad und schmiss die Hose in den Wäschekorb. Nachdem sie ihre Beine abgewischt und nach Brandblasen untersucht, aber zum Glück keine gefunden hatte, warf sie einen kurzen Blick in den Spiegel.

»Na toll, wie soll ich denn so arbeiten gehen? Warum habe ich immer ein Kopfkissen im Gesicht, und immer so unvorteilhaft? Und diese Gespräche mit meinem Spiegelbild müssen auch aufhören.« Sie strich sich über den Kissenabdruck, der genau über ihr linkes Auge bis hinunter zum Mundwinkel führte, streckte ihrem Spiegelbild die Zunge raus und ging zu ihrem Kleiderschrank, um sich eine frische Hose anzuziehen. Sie wollte gerade zu ihrem Laptop zurückkehren, da fiel ihr Blick auf den Stapel Briefe vom Vorabend. Gedankenverloren strich sie den Stapel auseinander und überflog die Absender. Ein cremefarbener Umschlag erweckte ihre Aufmerksamkeit. »T. Krämer, Fachanwalt für Familien- und Erbrecht«, murmelte Lena. »Was wollen die denn von mir?«

Sie riss den Umschlag auf, überflog das Schreiben und musste sich erst einmal setzen. Nun war ihr auch klar, warum ihre Mutter sie angerufen hatte. Ihr Großonkel Franz war gestorben. Sie konnte sich nur dunkel an ihn erinnern. Als Lena klein war und noch mit ihren Eltern in Berlin lebte, hatten sie Franz und seine Frau manchmal besucht. Irgendwann hatte ihre Mutter den Kontakt abgebrochen und war mit Lena nach Frankfurt gezogen, weil sie dort eine gute Stelle in der Kardiologie einer Klinik bekommen hatte. Von Lenas Vater, einem Entwicklungshelfer, hatte sie sich schon ein Jahr vorher getrennt. Lena konnte sich noch gut an den Spruch ihrer Mutter erinnern. »Statt sich um die Entwicklung seiner Tochter zu kümmern ist er dauernd als Entwicklungshelfer in der ganzen Welt unterwegs.« Lena war damals vier Jahre alt, ihren Vater hatte sie seitdem nur noch sporadisch gesehen. Aber warum der Kontakt zu Onkel Franz abgebrochen ist, das wusste sie bis heute nicht. Und warum ausgerechnet sie in zwei Tagen zur Testamentseröffnung erscheinen sollte verstand sie auch nicht. Lena schaute auf die Uhr. Inzwischen war es kurz vor sechs und sie beschloss, es auf dem Handy ihrer Mutter zu versuchen. Sie war bereits nach dem zweiten Klingeln am Telefon.

»Ah, Lena, endlich rufst du an. Du hast Glück, ich habe gerade etwas Ruhe.«

»Guten Morgen Susanne. Ich dachte, du hast Nachtdienst. Ist der nicht bald vorbei?«

»Ein Kollege ist krank und ich übernehme seine Schicht. Und eine komplizierte OP, die für 8 Uhr angesetzt ist. Darauf muss ich mich noch ein wenig vorbereiten. Also, warum ich dich angerufen habe, dein Großonkel Franz ist tot. Aber wahrscheinlich erinnerst du dich kaum noch an ihn.«

»Das weiß ich bereits und ich kann mich sehr wohl an ihn erinnern«, behauptete Lena. Dass sie sich tatsächlich nur verschwommen erinnern konnte, musste sie ihrer Mutter ja nicht auf die Nase binden.

»Ich habe einen Brief von einem Anwalt bekommen. Ich soll übermorgen .... Moment, nein, es ist ja schon wieder morgens,... also morgen zur Testamentseröffnung bei ihm erscheinen. Weißt du darüber etwas?«

Am anderen Ende der Leitung wurde es still, was sehr ungewöhnlich für Lenas Mutter war. Schließlich räusperte sie sich.

»Du sollst zur Testamentseröffnung kommen?«

»Ja, morgen, warum? Du nicht?«

»Nein, ich habe kein Schreiben bekommen. Wann kam der Brief bei dir an?«

»Gestern, aber ich habe ihn gerade erst gelesen.«

»Das ist ja interessant«, murmelte Susanne.

»Hast du in den letzten Jahren nochmal mit Franz gesprochen? Warum hattet ihr eigentlich keinen Kontakt mehr? Das hast du mir nie erzählt.«

Susanne stöhnte.

»Das ist eine lange Geschichte. Oh, mein Pieper, ich muss los, wir sprechen uns später. Tschüß Lena.« Zack war das Gespräch beendet. Lena starrte ihr Handy an. Das war wieder so typisch für ihre Mutter. Kaum wurde ihr ein Gespräch unangenehm, blockte sie ab. Es hatte einfach keinen Sinn, mit ihr über irgendein wichtiges Thema zu reden, außer über Medizin. Da blühte Frau Dr. Susanne Fischer richtig auf und konnte stundenlange Vorträge halten. Lena beschloss, sich erst einmal eine lange Dusche zu gönnen und danach ins Büro zu gehen. Auf dem Weg dahin würde sie sich ein schönes, belegtes Brötchen holen und dann ganz in Ruhe im Büro essen, dabei würde sie den Anwalt googeln. Es war immer gut, zu wissen, mit wem man es zu tun bekam.

 

Zwei Stunden später, Lena saß bereits an ihrem Rechner in der Agentur, schlenderte Manuela ins Büro. Sie sah frisch und ausgeruht aus, während Lena sich an ihren dritten Kaffee klammerte und sich irgendwie zerknittert fühlte. Manuela öffnete das Fenster und linste dabei auf Lenas Rechner.

»Dr. T. Krämer, Fachanwalt für Familien- und Erbrecht? Was willst du denn von dem?«

»Ich soll morgen zu einer Testamentseröffnung erscheinen. Von meinem Onkel Franz. Also eigentlich meinem Großonkel.«

»Oh, das tut mir leid. Mochtest du deinen Onkel sehr?«

»Ich kann mich nur noch dunkel an ihn erinnern. Ich habe ihn zum letzten Mal gesehen, als ich vier oder fünf Jahre alt war. Damals wohnten wir noch in Berlin, aber dann hat meine Mutter die Stelle im Krankenhaus hier in Frankfurt bekommen und wir sind umgezogen.«

»Oh, na dann«, Manuela grinste. »Dann hoffe ich, dass er dir was Schönes vererbt hat, vielleicht einen großen Geldbetrag.«

»Ich weiß gar nicht, was Onkel Franz gemacht hat. Ich kann mich nur an einen See erinnern, und viel Grün. Gelacht hat er gerne, viel mehr weiß ich nicht. Meine Mutter war mir auch keine Hilfe.«

»Hast du schon mit ihr gesprochen? Moment .... bist du wieder um vier Uhr aus dem Bett gefallen? Gegen deine Schlafstörungen musst du wirklich mal was unternehmen. Urlaub wäre gut, am besten mit einem netten Mann. Vielleicht mit N-«

»Guten Morgen ihr Zwei. Wer sollte mal Urlaub machen? Lena?«

Nils schlenderte wie so oft in letzter Zeit in ihr Büro und setzte sich lässig auf Lenas Tischkante. Seit acht Monaten arbeitete er in der Agentur, sein Büro lag nur vier Türen von Lenas und Manuelas entfernt. Vor ungefähr einem Monat hatte er plötzlich begonnen, um Lena herumzuscharwenzeln. Er lud sie zum Mittagessen ein und hatte sie letzte Woche gefragt, ob sie nicht mal zusammen ins Kino gehen wollten. Manuela fand das »süß«, Lena wusste noch nicht so recht, was sie davon halten sollte. Sie mochte keine Beziehungen am Arbeitsplatz. Wenn das schiefging, dann lief man sich trotzdem dauernd über den Weg, ganz zu schweigen von den Kollegen, die sich dann hintenrum das Maul zerreißen würden.

»Niemand sollte Urlaub machen, Manuela hat nur laut gedacht.«, stellte Lena richtig und klickte schnell die Internetseite der Anwaltskanzlei weg. Aber Nils hatte sie längst gesehen.

»Was willst du denn bei einem Anwalt?«

»Lena hat geerbt, ihr Onkel ist gestorben.«

»Oh, das tut mir leid.« Nils machte ein betrübtes Gesicht.

»Sie kannte ihn kaum, das muss dir nicht leid tun«, plapperte Manuela weiter.

»Ach so, das ist natürlich was anderes. Eine Erbschaft von einem unbekannten Onkel, das wünscht sich doch jeder. Vielleicht bist du schon Millionärin und weißt es gar nicht.«

»Könnt ihr mal mit dem Quatsch aufhören!«, fauchte Lena. »Ich soll zu einer Testamentseröffnung kommen. Vielleicht hatte er ja nur Schulden. Ich weiß nicht mal, wo er die letzten Jahre gelebt hat.«

Manuela schwieg betreten und knibbelte an ihrem Fingernagel herum. Nils grinste.

»Dann sollten wir heute Abend auf eine hoffentlich gute Erbschaft anstoßen. Soll ich dich um acht Uhr abholen und wir gehen noch irgendwo etwas trinken?«

»Nein, sollst du nicht«, brummelte Lena und rauschte aus dem Büro.

»Setzt ihr wohl doch mehr zu die Sache mit ihrem Onkel.« Nils schaute Manuela an und erhob sich.

»Nein, setzt sie nicht«, bemerkte Lena, die den Kopf nochmal ins Büro steckte. »Ihr solltet warten, bis ich weit genug weg bin, bevor ihr über mich redet.« Lena grinste und ging zu den Toiletten, um sich kaltes Wasser über die Handgelenke laufen zu lassen. Das verdutzte Gesicht von Nils hatte sie aufgeheitert. Endlich hatte sie ihn mal aus dem Konzept gebracht. Fröhlich pfeifend schlenderte sie den Gang entlang und beschloss, sich für den Rest des Tages nur auf ihre Arbeit zu konzentrieren und früh schlafen zu gehen. Morgen würde sie erfahren, was in dem Testament stand.

Kapitel 3

 

Lena legte den Kopf schief und musterte das abstrakte Gemälde an der Wand gegenüber. Seit zehn Minuten saß sie im Wartezimmer von Dr. T. Krämer. Die Einrichtung war eher nüchtern und zweckmäßig, im unteren Bereich mit dunklem Holz abgesetzte Wände, der Rest cremeweiß gestrichen, ein paar Freischwinger und ein Tisch mit Zeitschriften, die aber nicht Lenas Interesse geweckt hatten. Lediglich das Gemälde konnte sie etwas von ihrer Nervosität ablenken. Wie sie ihren Kopf auch drehte und wendete, sie kam einfach nicht dahinter, was der Künstler ihr mit seinem Werk sagen wollte.

»Frau Fischer. Herr Dr. Krämer wäre dann soweit.« Die Sekretärin steckte ihren Kopf ins Wartezimmer. Lena stand auf und folgte ihr am Empfangstresen vorbei über den Flur zu einem Raum gegenüber vom Wartebereich. Die Sekretärin öffnete die Tür.

»Dr. Krämer, ich bringe Ihnen Frau Fischer wegen des Testaments von Herrn Bauer.«

Lena stolperte ins Büro. Während sie noch darüber nachsann, dass sie nun endlich wieder wusste, wie der Nachname ihres Onkels war, erhob sich Herr Dr. Krämer, kam auf sie zu und schüttelte ihr kräftig die Hand.

»Frau Fischer! Wie schön, dass Sie es einrichten konnten. Setzen Sie sich doch.«

Dr. Krämer schob einen Stuhl vor seinem Schreibtisch zur Seite und Lena ließ sich darauf nieder, während er auf der anderen Seite Platz nahm.

»Möchten Sie etwas trinken? Kaffee, Tee, Wasser?«

»Ein Wasser wäre schön.« Lena musterte den Anwalt. Er war groß und sehr schlank, hatte ein freundliches, gebräuntes Gesicht mit verschmitzten dunkelblauen Augen und sehr vielen Lachfältchen.

Dr. Krämer erhob sich und holte zwei Gläser aus einem Fach im Schrank. Dann öffnete er einen Kühlschrank und stellte zwei Flaschen vor Lena auf den Tisch.

»Möchten sie stilles Wasser oder Sprudel?«

»Still bitte.« Lena räusperte sich. Wo war nur ihre Stimme geblieben. Dr. Krämer goss ihr Wasser ein und Lena griff nach dem Glas und trank gierig ein paar Schlucke.

»So, dann kommen wir mal zum Wesentlichen. Zunächst einmal herzliches Beileid.«

»Dankeschön.«

»Ich habe hier das Testament Ihres Großonkels Franz Bauer. Er schreibt, dass er Ihnen, Lena Fischer, geboren am 12.5.1988 in Berlin, sein Grundstück inklusive Haus und Kanuverleih in Grünheide vermacht.«

»Ach«, mehr konnte Lena nicht dazu sagen, so überwältigt war sie. Ein Grundstück mit Haus und Kanuverleih. Wie toll war das denn! Wie viel man dafür wohl bekam? Sie müsste unbedingt gleich einen Makler suchen, um das Grundstück zu verkaufen. In Lenas Gesicht machte sich langsam ein zufriedenes Grinsen breit.

»Ihr Onkel hat allerdings noch eine kleine Bedingung an die Erbschaft geknüpft. Das Grundstück inkl. Haus und Kanuverleih geht erst dann in Ihren Besitz über, nachdem Sie dort zwei Wochen verbracht haben.«

Lenas Grinsen erstarb. Zwei Wochen Grünheide! Wo liegt das überhaupt?

»Grünheide liegt in der Nähe von Berlin. Ich habe hier die genaue Adresse«, bemerkte der Anwalt und Lena fragte sich, ob er Gedanken lesen konnte.

»Aber wann soll ich da denn hin? Zwei Wochen, das geht nicht. Ich bin hier beruflich eingespannt. Ich habe verschiedene Projekte, um die ich mich kümmern muss!« Lena stammelte verzweifelt vor sich hin.

»Sie müssen nicht sofort hin, aber es ist Mai, Sie werden doch im Sommer sicher irgendwann Urlaub machen, oder? Man muss sich ja auch mal erholen, das Leben besteht nicht nur aus Arbeit, lassen Sie sich das von einem älteren Mann sagen.« Herr Dr. Krämer lachte vor sich hin.

»Ja, ich weiß«, knurrte Lena, schließlich lag ihr Manuela dauernd mit der gleichen Bemerkung im Ohr. Hatten sich denn alle gegen sie verschworen? Sie arbeitete gerne, sie wollte nicht zwei Wochen irgendwo im nirgendwo verbringen.

»Sobald sie Zeit haben, können sie die zwei Wochen in Grünheide verbringen, danach gehört das Grundstück und alles, was dazu gehört, Ihnen. Ich beneide Sie ein bisschen. Ein Grundstück am Wasser, mit Haus, mitten im Grünen. Was kann es Schöneres geben.«

»Sie können es gerne kaufen«, murmelte Lena.

»Wie bitte, ich habe Sie nicht verstanden.«

»Ich sagte, dass das wirklich ganz tolle Neuigkeiten sind, ich freue mich sehr.«

 

Kurz darauf stand Lena wieder auf der Straße, in ihrer Tasche befand sich das Testament ihres Onkels. Ihres Großonkels, um genau zu sein. Was sollte das alles? Warum bekam sie ein Grundstück? Benommen machte sie sich auf den Weg in die Agentur.

Irgendwann saß sie tatsächlich wieder an ihrem Schreibtisch, wie genau sie dorthin gekommen war, wusste sie nicht. Sie war einfach gelaufen, der Weg von der Kanzlei in ihr Büro war nicht weit und sie hatte die Gelegenheit genutzt, um bei dem schönen Wetter einen kleinen Spaziergang zu machen. Durch Frankfurt, die schöne Stadt am Main, in der sie zu Hause war. Nicht Grünheide, einen Ort, der ihr absolut nichts sagte. Wie viele Einwohner hatte dieses Kaff überhaupt? Das musste sie gleich mal googeln.

»Hallo Lena, wie war es beim Anwalt?« Manuela stürmte von einer Sitzung zurück ins Büro.

»Los, erzähl endlich. Was steht in dem Testament?«

»Ich habe ein Grundstück in Grünheide geerbt, mit Haus und Kanuverleih«, bemerkte Lena tonlos.

»Wow!«, quiekte Manuela. »Das ist ja so toll! Hast du ein Glück.«

»Ach ja?«

»Sag bloß, du freust dich nicht.« Manuela starrte Lena entgeistert an. »Das ist doch wie ein Sechser im Lotto. Ein Haus im Grünen. Also, glaube ich .... wo liegt das überhaupt?«

»In der Nähe von Berlin.«

»Berlin«, seufzte Manuela. »Da gibt es auch tolle Ecken. Da war ich mal mit einem Exfreund, vor drei Jahren, wir haben eine Dampferfahrt auf der Spree gemacht und-«

»Das ist ja alles ganz toll, aber das Haus ist nicht in Berlin, sondern in Grünheide bei Berlin. Und bevor mir das alles gehört muss ich dort zwei Wochen verbringen.«, jaulte Lena verzweifelt.

»Dann verbringst du dort eben deinen Sommerurlaub. Wo ist das Problem? Du brauchst eh mal Urlaub.«

»Schön, dass alle so genau wissen, was ich brauche.«

»Wie wird es überhaupt kontrolliert, dass du wirklich zwei Wochen dort bist.«

Lena starrte Manuela an. Dann grinste sie.

»Das ist eine gute Frage.« Vielleicht, dachte Lena, könnte sie das Ganze doch schneller abwickeln und verkaufen, als gedacht.

 

 

Kapitel 4

 

Es dauerte, bis Lena Herrn Dr. Krämer am nächsten Tag endlich erreichte. Zuerst war er bei Gericht, danach saß Lena ewig in einer Besprechung, dann war Dr. Krämer essen, ziemlich lange, wie Lena frustriert feststellen musste. Am späten Nachmittag hatte sie ihn schließlich an der Strippe.

»Guten Tag Frau Fischer, was kann ich denn für Sie tun?«

»Guten Tag Herr Dr. Krämer. Ich habe noch eine Frage zu meiner Erbschaft.« Lena druckste ein wenig herum, die Frage war ihr etwas unangenehm. »Wie wird denn festgestellt, dass ich zwei Wochen in Grünheide verbracht habe?«

Am anderen Ende der Leitung blieb es still. Dann raschelte es und Herr Dr. Krämer räusperte sich.

»Frau Fischer, seien Sie versichert, dass ich darüber informiert werde, ob Sie wirklich zwei Wochen in Grünheide verbracht haben. Ich kann Ihnen dazu nichts Näheres sagen, aber die Bedingung hat Ihr Onkel ausdrücklich gestellt und dafür gesorgt, dass Sie die Erbschaft nicht antreten werden, ohne diese zwei Wochen.« Herr Dr. Krämer klang nun etwas streng und Lena zuckte zusammen.

»Sie sind völlig frei in Ihrer Entscheidung, ob sie die zwei Wochen jetzt oder in ein paar Monaten antreten wollen.«, bemerkte Dr. Krämer deutlich freundlicher. »In den Sommermonaten soll Brandenburg sehr schön sein. Oder haben Sie schon eine Reise geplant? Dann können Sie auch im Herbst nach Grünheide.«

»Ach, ich denke, ich plane meinen Sommerurlaub einfach um.«, äußerte Lena etwas lahm.

»Wunderbar! Sie werden sich bestimmt gut erholen. Ich habe jetzt noch einen Klienten. Wenn Sie keine weiteren Fragen mehr haben, müsste ich unser Gespräch dann beenden.«

Lena verabschiedete sich und donnerte den Kopf genau in dem Moment auf die Tischplatte, als Manuela das Büro betrat.

»Nanu, schlechte Neuigkeiten? Ist der Kanuverleih abgesoffen?«

»Schlimmer! Ich muss zwei Wochen in Grünheide verbringen.« Lenas Stimme klang dumpf, lag sie doch immer noch mit dem Kopf auf der Tischplatte. Am liebsten würde sie einfach dort liegen bleiben, in ihrem Büro, einer gewohnten Umgebung, mitten in der Stadt, wo sie sich wohlfühlte. Sie war einfach nicht für das Landleben geboren.

»Aber das wusstest du doch schon. Moment, hast du etwa gedacht, du könntest dieses Arrangement irgendwie umgehen?«

»Naja, du hattest gestern gefragt, wie es überhaupt kontrolliert wird, dass ich wirklich zwei Wochen dort verbringe. Da hatte ich die Hoffnung, dass ich vielleicht einfach behaupten könnte, ich wäre da gewesen und dann verkaufe ich den ganzen Kram und alles ist gut.«, Lena klang kleinlaut und Manuela schaute streng auf sie hinunter.

»Das ist so erbärmlich. Wie konntest du meine dahingeworfene Frage überhaupt ernst nehmen. Dein Onkel ist gestorben-«

»Großonkel.«

»Meinetwegen auch der. Er hatte den einen Wunsch, dass du zwei Wochen in seinem Haus, auf seinem Grundstück verbringst, bevor du das alles erbst und du denkst nur daran, sein Hab und Gut zu Geld zu machen. Ehrlich, ich hätte dich etwas sensibler eingeschätzt.«

Lena schaute ihre Freundin stumm an. Sie kannten sich jetzt seit dem Studium, hatten sich zwischendurch aus den Augen verloren und dann auf der Arbeit wiedergefunden, aber so streng war Manuela noch nie mit ihr gewesen.

»Hm ja also«, stotterte Lena. »Ich bin halt eher ein Stadtmensch und ich weiß eben gar nicht, was ich in Grünheide machen soll.«

»Erholen sollst du dich! Dir ansehen, wie dein Onkel gelebt hat. Das tut dir bestimmt gut.« Manuela ließ sich auf ihren Stuhl fallen und griff nach ihrer Teetasse. Nachdem sie einen Schluck getrunken hatte, stellte sie die Tasse angewidert weg.

»Bah, der ist kalt! Weißt du, ich glaube, deinem Onkel war es wichtig, dass du das alles siehst bevor du es bekommst. Vielleicht wollte er gerne wieder Kontakt mit dir aufnehmen, wurde dann krank und wusste, er schafft das nicht mehr. Aber dir einfach so alles vermachen, das erschien ihm wohl nicht richtig. Oder er ahnte schon, dass du alles verkaufen möchtest und hoffte, dass du nach zwei Wochen so verzaubert bist, dass du deine Meinung änderst. So oder so, es ist sein letzter Wille, den kannst du nicht einfach umgehen.«

Lena starrte Manuela mit großen Augen an. So hatte sie die ganze Sache noch gar nicht gesehen.

»Du hast recht, ich sollte Onkel Franz seinen letzten Wunsch erfüllen.«

»Super. Dann gehst du jetzt zu Herrn Steinbrenner, erklärst ihm alles und bittest um Urlaub.«

»Jetzt gleich?« Lena war entsetzt.

»Wann denn sonst. Dann kannst du wenigstens alles planen. Wir haben Ende Mai, du hattest dieses Jahr doch noch gar nicht frei. Was ist überhaupt mit deinem Urlaub vom letzten Jahr?«

»Naja, ich hatte da ein paar Tage im April, und im Juli, und dann war ich im August in London.«

»London war eine Geschäftsreise!«

»Ach ja, stimmt, hihi. War aber toll, und dann auch noch bezahlt«, sinnierte Lena vor sich hin.

»Das heißt, du hast wahrscheinlich schon über ein Jahr keinen richtigen Urlaub mehr gemacht.Warum hat die Personalabteilung sich deswegen eigentlich noch nicht bei Dir gemeldet?«

Lena wurde rot.

»Naja, ich habe Herrn Steinbrenner gegenüber mal angedeutet, dass ich in ein paar Jahren ein Sabbatical machen möchte und dafür Urlaub spare. Das hat er wohl an die Personalabteilung weitergeleitet.«

»Du bist unmöglich! Du hast doch garantiert keine längere Auszeit geplant. Dann mal husch zu Herrn Steinbrenner. Ich habe ihn eben in sein Büro gehen sehen. Ich glaube, er wollte ein paar Schriftstücke durchgehen.«

»Du lässt ja doch nicht locker«, bemerkte Lena und machte sich auf den Weg zu ihrem Chef.

 

Wie es der Zufall so wollte, hatte Herr Steinbrenner tatsächlich Zeit für sie.

Nachdem Lena ihm ihre Situation erklärt hatte, strahlte er sie überschwänglich an.

»Frau Fischer, das mit Ihrem Onkel tut mir sehr leid, mein Beileid. Aber eine Erbschaft, das freut mich ja für Sie. Da werden Sie in Zukunft hoffentlich öfter ... also ich meine, da werden Sie ja vielleicht ab und zu mal Urlaub in Grünheide machen, oder?«

»Das weiß ich noch nicht, ich muss mir das alles erst einmal ansehen.«

»Wunderbar, machen Sie das, machen Sie endlich .... ähem, spannen Sie mal richtig aus. Das mit Ihrem Urlaub ist gar kein Problem. Ab wann möchten Sie denn los? Gleich nächste Woche? Sie können gerne auch drei Wochen bleiben, schauen Sie sich alles in Ruhe an. Ich wünsche Ihnen viel Spaß.«

»Ich muss erst einmal schauen, wie ich da genau hinkomme und alles planen, ein Hotelzimmer suchen und so.«

»Kein Problem. Planen Sie das gleich und dann legen Sie mir einfach Ihren Urlaubszettel vor, falls ich nicht da bin, einfach auf den Tisch legen. Genehmigt ist er in jedem Fall, da müssen Sie sich keine Sorgen machen. Am besten, Sie nehmen sich heute für den Rest des Tages frei und planen alles und morgen füllen Sie dann den Urlaubszettel aus. Denken Sie daran, Sie können auch gerne drei Wochen Urlaub machen, verdient haben Sie es sich.« Herr Steinbrenner erhob sich, schüttelte Lena die Hand und schob sie aus seinem Büro. Lena hatte den Verdacht, dass Herr Steinbrenner irgendwie erleichtert war, dass sie Urlaub nehmen wollte.

 

»Siehst du, das ist doch super. Das wird bestimmt toll. Am liebsten würde ich dich begleiten.« Manuela reagierte natürlich enthusiastisch auf Lenas Neuigkeiten.

»Au ja, komm doch mit, dann muss ich da nicht alleine hin.«

»Ich habe aber schon im Juli Urlaub geplant, mit Laurenz. Wir fliegen nach La Palma zum Wandern. Da kann ich nicht jetzt auch noch Urlaub einreichen. Im Gegensatz zu dir nehme ich meinen ja immer wahr. Du schaffst das schon alleine.«

»Das muss ich wohl«, seufzte Lena und startete ihren Rechner, um ihren Aufenthalt in Grünheide zu planen.

 

Kapitel 5

 

Eine Woche später stand Lena am Frankfurter Flughafen in der Schlange vor dem Check in. Es war bereits später Nachmittag, denn natürlich hatte sie nicht, wie von Herrn Steinbrenner vorgeschlagen, sofort Urlaub genommen, sondern bis zum letzten Moment gearbeitet. Ob das wirklich eine gute Idee war, bezweifelte sie allerdings. Jeden Tag hatte Manuela ihr neue Erkenntnisse über Grünheide erzählt, dass es dort ein herrliches Seengebiet gab, wunderschöne Wälder, dass es nicht weit nach Berlin war und man dort wunderbar Ruhe tanken konnte, was Lena ihrer Meinung nach dringend nötig hatte. Unterstützt wurde sie dabei von Nils, der immer mal wieder vorbeigekommen war und versucht hatte, Lenas genaue Adresse in Grünheide herauszufinden. Das fehlte ihr gerade noch, dass Nils einfach dort auftauchte. Sie hatte Manuela das Versprechen abgerungen, ihm nicht zu verraten, wo sie sich aufhielt.

Sie musterte die Menschen vor sich in der Schlange. Direkt vor ihr stand ein etwas rundlicher Geschäftsmann, der sich seine Anzugjacke über den Arm gelegt hatte. Nun fuhr er sich mit der anderen Hand über seine spärlichen Haare und gab dabei den Blick auf einen großen Schweißfleck unter seiner Achselhöhle frei. Lena tippelte einen Schritt zurück und hoffte, dass der Mann nicht neben ihr sitzen würde. Vor dem Mann stand ein junges Pärchen. Er hatte Kopfhörer im Ohr und schaute gelangweilt über die Menschenmenge hinweg, was seine Freundin nicht daran hinderte, ihn zuzutexten.

»Schatz, warum sprichst du nicht mit mir? Wir sitzen jetzt im Flugzeug, das ist die Gelegenheit, um darüber zu reden, was wir uns von unserer Beziehung und unserer Zukunft wünschen.«

Lena spitzte die Ohren. Das könnte interessant werden. Sie grinste, die Schlange bewegte sich weiter vorwärts und Lena konnte bereits den Schalter sehen.

---ENDE DER LESEPROBE---