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Die Schwestern Emma und Carla leben zusammen in Hamburg. Seit dem tragischen Verlust ihrer Eltern ist ein Jahr vergangen. Weihnachten steht vor der Tür, aber vor allem die achtzehn Jahre alte Emma leidet unter der allgegenwärtigen besinnlichen Stimmung. Das ändert sich allerdings, als sie plötzlich mit einem überraschenden Besucher konfrontiert wird. Durch dieses kleine Wesen wird sie mit einem Schlag zurück in ihr Leben katapultiert und lernt, dass auch bei anderen Menschen nicht immer alles so fröhlich ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, dass man aber viel zufriedener ist, wenn man zusammen hält. Dies ist die erste Geschichte über die Schwestern Emma und Carla. Im September 2018 erschien »Emmas Sommermärchen«, der zweite Roman, in dem es um die Geschwister Emma und Carla geht. Beide Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden.
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Veröffentlichungsjahr: 2016
Ivy Bell
Ein Spatz im Advent
Eine Weihnachtsgeschichte
November 2016
©2016by Ivy Bell, Berlin
Umschlaggestaltung: Ivy Bell
Umschlagabbildung: © Ivy Bell
Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mithilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Autorin untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten. Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Die Schwestern Emma und Carla leben zusammen in Hamburg. Seit dem tragischen Verlust ihrer Eltern ist ein Jahr vergangen. Weihnachten steht vor der Tür, aber vor allem die achtzehn Jahre alte Emma leidet unter der allgegenwärtigen besinnlichen Stimmung.
Das ändert sich allerdings, als sie plötzlich mit einem überraschenden Besucher konfrontiert wird.
Durch dieses kleine Wesen wird sie mit einem Schlag zurück in ihr Leben katapultiert und lernt, dass auch bei anderen Menschen nicht immer alles so fröhlich ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, dass man aber viel zufriedener ist, wenn man zusammen hält.
Inhalt
Über das Buch
30. November 2001
30. November 2002
4. Dezember 2002
8. Dezember 2002
9. Dezember 2002
9. Dezember 2002, Nachmittag
11. Dezember 2002
14. Dezember 2002
16. Dezember 2002
17. Dezember 2002
18. Dezember 2002
19. Dezember 2002
22. Dezember 2002
23. Dezember 2002
24. Dezember 2002
Über die Autorin
Nachwort
Emma hielt das Handy in ihrer klammen Hand. Der Wind pustete durch ihre Jacke und sie suchte verzweifelt Schutz in einem Hauseingang. Auf den schrägen Blick, den ihr der Mann zuwarf, der gerade aus dem Haus kam, konnte sie keine Rücksicht nehmen. Aus dem Handy tönte die Stimme ihrer Mutter.
»Emma? Hallo? Bist du noch dran?«
Emma pustete kurz auf ihre kaltgefrorene Hand und drückte das Handy an ihr Ohr.
»Ja Mama, ich bin da. Es ist nur wahnsinnig kalt und ich musste mich kurz unterstellen. Habe ich das richtig verstanden? Ihr macht gleich einen Rundflug in einem Kleinflugzeug?«
»Ja, stell Dir vor. Papa hat das organisiert. Ich wollte so etwas schon immer mal machen. Ist das nicht toll? Ich freue mich so.«
Emma hielt das Handy etwas von ihrem Ohr weg. Entweder ihre Mutter schrie ins Telefon, oder irgendetwas mit den Einstellungen stimmte nicht. Ihre Eltern hatten ihr das Handy kurz vor ihrer Reise geschenkt. Es sei doch schön, wenn man sich immer erreichen könne. Emma war sich da nicht so sicher. Dauernd piepste dieses Ding und sie bekam Textnachrichten von ihrer Mutter, die ihr begeistert erzählte, wie schön Stockholm und Umgebung im Herbst seien. Nun wollten sie sich das auch noch von oben ansehen. Emma bibberte.
»Wie ist denn das Wetter bei Euch? Ich möchte nicht, dass euch etwas passiert. Hier ist es furchtbar windig, bei dem Wetter könnte kein Kleinflugzeug starten.«
»Bei uns scheint die Sonne, es ist herrlich. Wir werden über die Schären fliegen. Ich möchte sie so gerne von oben sehen. Eine Bootstour haben wir schon gemacht, aber so ein Flug, das ist traumhaft.«
»Wie viele Leute passen denn in die Maschine?«
»Hier steht noch ein Paar, aber die beiden sind sich anscheinend noch nicht ganz sicher, ob sie mitkommen möchten. Vielleicht fliegen wir alleine, dann können wir richtig gut rausgucken, das wäre schön. Viele Leute scheinen gerade kein Interesse an Rundflügen zu haben, die sind alle in der Stadt und erledigen Weihnachtseinkäufe.«
Emma hörte ihre Mutter lachen, im Hintergrund rief ihr Vater etwas, sie konnte ihn aber nicht verstehen.
»Emma, ich muss auflegen, es geht gleich los. Ich bin schon so aufgeregt. Am Montag sehen wir uns wieder mein Schatz. Bis dann, ich habe dich lieb. Ach, und grüße Carla von mir, ich habe sie nicht erreicht.«
»Mache ich, Mama, viel Spaß, bis Montag, ich freue mich schon auf euch.«
Emma steckte ihr Handy in die Tasche, zog ihre Handschuhe an und machte sich auf den Weg nach Hause.
Dass sie die Stimme ihrer Mutter gerade zum letzten Mal gehört hatte, ahnte sie nicht.
Missmutig starrte Emma aus dem Fenster. Der Himmel war grau und es nieselte. Das passte gut zu ihrer Stimmung. Sie griff sich ihre Teetasse und nahm einen tiefen Schluck.
Auf dem Tisch lag ein ziemlich abgegriffenes Foto ihrer Eltern. Sie nahm es in die Hand, strich über die lachenden Gesichter und schluckte schwer. Eine Träne lief ihr über das Gesicht und sie wischte sie zornig weg. Sie wollte nicht weinen, nicht schon wieder.
Es klapperte an der Tür und kurz darauf stand ihre Schwester Carla in der Küche.
»Süße, nicht weinen, ich bin ja da.« Carla schlang ihre Arme um Emma. Sie hatte sich mit dem Einkaufen beeilt, weil sie geahnt hatte, wie es heute um ihre Schwester stehen würde.
»Ich weine gar nicht, ich hatte nur etwas im Auge«, bemerkte Emma trotzig.
Carla erwiderte darauf lieber nichts. Sie hatte keine Lust auf Streit. Der Tag war schon schwer genug, da mussten sie nicht auch noch streiten.
Vor einem Jahr waren ihre Eltern in ein Kleinflugzeug gestiegen, um einen Rundflug über Stockholm und die Schären zu machen. Leider war das Wetter plötzlich umgeschlagen, angeblich hatte niemand damit rechnen können. Es fing an zu stürmen und die kleine Maschine verschwand vom Radar. Funkkontakt gab es auch keinen mehr. Einen Tag später fand man die zertrümmerte Maschine auf einer Wiese außerhalb von Stockholm, gar nicht so weit vom kleinen Flughafen Bromma entfernt, auf dem sie landen wollten. Alle fünf Insassen waren tot.
Die damals siebzehnjährige Emma war in ein tiefes Loch gefallen. Sie wollte nichts mehr essen, nicht mehr zur Schule gehen, gar nichts mehr tun. Ihre drei Jahre ältere Schwester Carla hatte funktioniert, wie immer. Sie hatte ihr Studium unterbrochen, um bei ihrer Schwester zu sein. Das Haus ihrer Eltern kam ihr kalt vor, so ohne das helle, fröhliche Lachen der Mutter und ohne ihren Vater, der immer so viel Ruhe ausgestrahlt hatte. Als Carla dort angekommen war, hatte ihre Tante Doris mit verweinten Augen in der Küche gesessen und ihr mitgeteilt, dass Emma im Bett lag, seit sie vom Tod ihrer Eltern erfahren hatte. Carla ging also zu Emmas Schule und erklärte dort die Lage. Man gab ihr Unterlagen mit und erklärte ihr, dass Emma spätestens im neuen Jahr wieder in der Schule erscheinen müsse, damit sie an den Abiturpüfungen im Frühling teilnehmen konnte. Carla ließ Emma trauern, redete mit Engelszungen auf sie ein, damit sie wenigstens einen Blick in die Unterlagen warf, organisierte mit Doris die Überführung und Beerdigung der Eltern, kochte und putzte.
