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Verschiedene Stimmen aus der Buchbranche erzählen über ihren Alltag, ihre Gedanken oder ihre Anfänge als Autor*in, ihre Liebe zum Buch. Die Liebe zum Buch - Gebundene Worte ist ein Projekt der Buchhandels-Abschlussklasse 2021 der Landesberufsschule Bad Malente. "Wir wollen ein Buch herausgeben. Es soll ein Buch über das Buch sein, eine Liebeserklärung an das Buch. Dafür haben wir uns Unterstützung von Menschen, die in der Buchbranche arbeiten, geholt. Daraus ist dieses Buch entstanden." Mit Texten von: Sebastian Fitzek, Stefanie Hasse, Klaus-Peter Wolf, Carina Falke, Verena Petrasch, Marcus Dahmke, Andreas Gruber, Stephan Knösel, Susanne Fülscher, Johanna Just, Anne Freytag, Julia Lange, Anka Willamowius, Alwin Dombetzki, Viktor Dueck, Lina Frisch, Harald Jösten, Ewald Arenz, Sasa Stanisic, Torben Kuhlmann, Christine Bachmann, Daniel Bielenstein, Merle Kaiser, Tina Lohrenz, Viola Brehm, Jürgen Uphoff, Boris Koch, Johanna Danninger, Chantal Schreiber, Karin Müller, Christian Linker, Tobias Elsäßer, Isabel Abedi, Saskia Martens, Deike Wendt, Volker Petri
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Seitenzahl: 228
Veröffentlichungsjahr: 2021
Das geschriebene Wort, der geschriebene Satz, der geschriebene Text, das geschriebene Buch sind der Ausdruck von Gedanken und Gefühlen des jeweiligen Autors an sich selbst und an uns. Das macht jede Geschichte und jeden Text auch so einzigartig und wertvoll. Für jede/n Leser/in ist es eine andere Stelle, die wichtig ist und sind es unterschiedliche Gedanken, die im Kopf hängen bleiben. Das macht es so interessant, über ein Buch zu reden.
Wir als Auszubildende des stationären Buchhandels beschäftigen uns tagtäglich mit Büchern. Unabhängig davon, sind und waren wir schon immer begeisterte Leser*innen. Als wir in der Berufsschule den Auftrag erhalten haben, ein Projekt zu gestalten, bei dem das Buch im Mittelpunkt stehen soll, sind wir uns nach einigem Überlegen einig geworden: Wir wollen ein Buch herausgeben. Es soll ein Buch über das Buch sein, eine Liebeserklärung an das Buch. Davon haben wir uns Unterstützung von Menschen, die in der Buchbranche arbeiten, geholt. Daraus ist dieses Buch entstanden. Wir wünschen euch und Ihnen viel Vergnügen!
Sebastian Fitzek
Stefanie Hasse
Volker Petri
Klaus-Peter Wolf
Carina Falke
Verena Petrasch
Marcus Dahmke
Andreas Gruber
Stephan Knösel
Susanne Fülscher
Johanna Just
Anne Freytag
Julia Lange
Anka Willamowius
Alwin Dombetzki
Viktor Dueck
Saša Stanišić
Lina Frisch
Harald Jösten
Ewald Arenz
Torben Kuhlmann
Maike Knorr
Christine Bachmann
Daniel Bielenstein
Merle Kaiser
Tina Lohrenz
Viola Brehm
Jürgen Uphoff
Boris Koch
Johanna Danninger
Chantal Schreiber
Karin Müller
Altraverse-Verlag
Christian Linker
Tobias Elsäßer
Isabel Abedi
Deike Sophie Wendt
Saskia Sophie Martens
Danksagung
Wer sind wir überhaupt?
Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Zum Schreiben bin ich über‘s Lesen gekommen, wie so wahrscheinlich jeder andere Autor auch. Ich habe schon in jungen Jahren sehr viel gelesen. Das lag wahrscheinlich an meinen Eltern, beides Deutschlehrer. Mein Vater hat mir sehr früh schon wahre Gruselgeschichten erzählt, aber auch Edgar Allan Poe Gedichte vorgetragen. „Der Rabe“ ist nach wie vor eins meiner Lieblingsgedichte, aber ich habe mir auch ein Buch von Enid Byton „Unterm roten Dach“ so oft aus der Schulbibliothek ausgeliehen, dass die Lehrerin, die die Bibliothek verwaltet hat, mir dann irgendwann das Buch geschenkt hat. „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende beispielsweise hat mich so fasziniert, ich glaube da habe ich dann angefangen zu überlegen: „Mensch, steckt in mir vielleicht auch eine Geschichte drin?“ Ich habe diesen Gedanken immer wieder und wieder und wieder zurück geschoben bis ich dann irgendwann mal, da war ich aber schon weit über 30, gedacht habe, das könnte jetzt eine Idee sein, da versuchst du dich auch mal dran. Aber wie gesagt vom Lesen zum Schreiben und das ist auch ein Tipp, den ich nur jedem geben kann: so viel lesen wie nur irgend möglich. Das inspiriert und motiviert.
Angefangen zu schreiben habe ich relativ spät. Jetzt mal davon abgesehen, dass ich Texte für einen Radiosender geschrieben habe, wo ich als Volontär war und später auch in der Programmdirektion gearbeitet habe. Das waren allerdings eher Moderationstexte. Ich habe als Jurist natürlich viele Texte und Schriftsätze verfassen müssen. Lust am Formulieren hatte ich also schon, aber angefangen zu schreiben, habe ich, als ich die allererste Thrilleridee hatte. Da saß ich in dem Wartezimmer eines Arztes und meine damalige Freundin, kam nicht wieder raus. Nach einer Stunde dachte ich mir, okay was ist, wenn sie da nie wieder rauskommt? Das war kein Wunschdenken, sondern die erste Thrilleridee. Was wäre, wenn mir jetzt alle sagen würden, sie wäre da gar nicht rein gegangen, sie hätte gar keinen Termin. Sie saßen die ganze Zeit alleine herum. So entstand „Die Therapie“. Ein kleines Mädchen verschwindet spurlos aus dem Wartezimmer eines Arztes und man will dem wartenden Vater weiß machen, sie wäre dort gar nicht erst hinein gegangen.
Wie ist Ihr Bücherregal sortiert?
Das ist eine gute Frage. Also sortiert eigentlich gar nicht, weil ich die Angewohnheit habe, wenn irgendjemand kommt zu sagen: „Das musst du mal lesen.“ Ich nehme es irgendwo raus und stelle es wieder irgendwo rein. Dann verborge ich auch wahnsinnig viele Bücher, wo es ja heißt: man soll nur die Bücher verborgen, die man nicht mag, weil die, die man mag, sind dann eifersüchtig und kommen nie wieder zu einem zurück und bleiben woanders. Also insofern, mein Bücherregal ist weder nach Farben noch nach Größe, noch alphabetisch sortiert.
Mit welcher Figur aus meinem Buch ich mich sehr gerne mal unterhalten würde?
Mit allen, aber das tue ich ja auch täglich. Ich versetze mich sogar in diese Figuren hinein, in die guten wie in die bösen. Das ist es eigentlich, was man als Autor*in auf jeden Fall als Fundament braucht. Man braucht Empathie und das bedingt, dass man mit seinen Figuren in einem ständigen Dialog ist.
Was mögen Sie am liebsten an ihrem Beruf?
Dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte, wodurch es nie zu einer Arbeit wird, die man für andere macht, sondern in erster Linie eine Arbeit, die man für sich selbst macht. Mit seinem Debutroman beweist jede Autorin, jeder Autor, dass er/sie eh einen an der Klatsche hat und selbst dann schreibt, wenn man sich überhaupt nicht sicher sein kann, ob das irgendjemanden interessiert. Außerhalb des Verwandten- und Bekanntenkreises natürlich, die sowieso genötigt werden, das zu lesen. Also es ist so: wir setzen uns an den Schreibtisch, fangen als Debutanten an zu schreiben und wissen nicht, ob irgendjemand es überhaupt einmal in den Händen halten wird. Wir wissen noch nicht einmal, ob es veröffentlicht wird und trotzdem opfern wir unsere Zeit dafür. Die Energie, die wir da reinstecken, aber auch unsere Liebe zum Buch zeigt, dass wir auch weiterschreiben würden, wenn man uns dafür nicht entlohnen würde. Insofern ist es natürlich umso schöner, wenn man auf einmal merkt, da interessiert sich wohl jemand für meine Geschichte. Da ist dann sogar die Frage: Wann kommt denn das nächste? Wenn man seine Leidenschaft zum Beruf machen kann, dann wird aus dem Job eine Berufung. Ich glaube die habt ihr Buchhändler*innen auch mit eurer Berufswahl gefunden.
Warum sollte man sich die Zeit nehmen zu lesen?
Lesen ist wie verreisen. Man betritt fremde Welten, die normalerweise gar nicht betreten werden dürfen, weil sie einem verboten sind. Nimmt man z.B. bestimmte Schauplätze, wo sich vielleicht auch niemand reinwagen kann, wie Kriegsraum oder geheime Räume, die nicht zugänglich sind. Wir erfahren auf diesen Reisen etwas, was wie eine Reise im realen Sinne ist. Man bricht auf zu neuen Abenteuern, man lernt etwas auf der Reise und man kommt verändert nach einer Reise zurück. Jedes Buch verändert einen, jedes gute Buch macht etwas mit einem und das ist natürlich ein wahnsinnig toller Prozess. Lesen ist übrigens auch wie Hypnose, hat mir ein Psychologe mal gesagt. Wir starren zwar nicht auf ein Pendel, aber wir starren auf Buchstaben und je länger wir darauf starren, umso intensiver sind wir hypnotisiert und erleben, riechen, hören, sehen, fühlen, schmecken die Welt, in die wir abtauchen. Das ist auch meine ganz persönliche Erfahrung. Das ist der Unterschied zu einem Film, wo wir eben nicht hypnotisiert werden, sondern uns werden die Bilder vorgegeben. Was auch schön ist, gar keine Frage, aber deswegen ist das Erlebnis ein gutes Buch zu lesen eben noch sehr viel intensiver.
Lesen Sie auch in Ihrer Freizeit viel?
Ich würde gerne mehr lesen. Tatsächlich schreibe ich relativ viel, aber ja lesen ist nach wie vor mein liebstes Hobby. Ich kann auch nicht einschlafen, ohne nicht wenigstens irgendetwas gelesen zu haben.Aber je länger die Tage werden, umso kürzer wird die Passage, die ich vor dem Einschlafen lese.
Das Handy bleibt ein absoluter Zeitkiller. Ein guter Freund von mir hat sich jetzt einen Wecker gekauft. Er sagte: „Ich kaufe mir einen Wecker, um wieder mehr zu lesen.“ Das war der beste Tipp, den er mir geben konnte. Denn tatsächlich, wenn man sein Smartphone als Wecker benutzt, nimmt man es, wenn man sich schlafen legt, in die Hand und stellt sich seinen Wecker ein. Wenn das Handy schon mal in der Hand liegt, fängt man an die WhatsApps zu checken, nochmal Emails zu lesen oder auf dem Nachrichtenportal zu surfen. Ja und dann ist die halbe Stunde, die man sich fürs Lesen reserviert hatte, verdaddelt. Deshalb mein Tipp, um wieder mehr zu lesen, der Tipp meines Freundes: einen Wecker kaufen und ihn stellen. Das Handy ganz weit weg von dem Ort zu platzieren, an dem man liest oder vielleicht auch einschläft.
Welches Buch sollte jeder mal gelesen haben?
Das findet jeder für sich selbst heraus. Es ist nicht so, dass Leser oder Leserinnen sich die Bücher aussuchen. Sondern, meine Theorie, ein Buch findet immer seine Leserinnen und Leser. Das kann auch ein Buch sein, welches sonst kein anderer gelesen hat. Das ist wie mit Ideen, auch ich bin nicht derjenige, der sagt: „Ach jetzt will ich mal einen historischen Roman schreiben oder jetzt einen Psychothriller oder jetzt was Lustiges.“ Sondern ich habe eine Idee, ich weiß nicht, woher sie kommt, sie kommt zu mir. Das Buch sucht sich auch den Autoren oder die Autorin aus und nicht umgekehrt.
Welches Genre würden Sie nie schreiben?
Das geht damit einhand. Ich kann es mir nicht aussuchen, worüber ich schreibe. Das Thriller Genre habe ich mir nicht ausgesucht. Ich habe ein Buch geschrieben, welches ich selber gerne lesen wollte. Ich wusste es ist spannend - zumindest habe ich gehofft, dass es spannend ist. Aber als ich es dann zu den Verlagen eingeschickt habe (insg. 15 Verlage waren es, 12 haben abgesagt, 3 haben sich bis heute nicht gemeldet) wurde mir zurückgeschrieben, dass sie bei einem Psychothriller keine so großen Chancen sehen, wenn er in Deutschland spielt. Und da dachte ich erstmal: „Aha guck mal an, du hast einen Psychothriller geschrieben.“ Ich hatte außer „Lauf Jane, lauf“ und vielleicht „Das Schweigen der Lämmer“ gar keine Psychothriller gelesen. Das meiste waren klassische Thriller, Spannungsromane und Kriminalromane. Die Idee hat sich zu einem Psychothriller entwickelt und so ist es eben häufig. Sollte irgendwann mal eine Idee zu mir kommen und es ist Science-Fiction, die packt mich aber so sehr, dass ich sage: „Ja da möchte ich ein Jahr für opfern.“ Dann würde ich auch das Genre schreiben. Ich kann also nichts ausschließen, weil ich es mir nicht bewusst aussuche.
Planen Sie viel oder schreiben Sie einfach drauf los?
Ich plane relativ viel. Ich schreibe immer ein Exposé von mindestens 20-30 Seiten, wo ich alle Handlungsabläufe skizziere, auch die Figuren, das Wichtigste in einem Buch. Hier lege ich eine Legende und eine Agenda fest, ich weiß aber spätestens nach
80 Seiten verselbstständigt sich die Handlung. Verselbstständigen sich vor allem die Figuren und das ist ein wunderschöner Moment, weil da weiß ich, die Figuren kommen nicht mehr vom Reißbrett, sie haben jetzt ein eigenes Leben. Es ist gleichzeitig der Moment, der bei mir dann eventuell so ein Gefühl, einer leichten Denkblockade, nicht Schreibblockade, aber Denkblockade auslöst, weil ich dann Angst habe, dass die Figuren so ein Eigenleben entwickeln, dass dieses Buch gar nicht fertig wird oder gar keinen Sinn mehr ergibt. Ich bin ab diesem Moment spätestens ab Seite 80, degradiert zum Beobachter und nicht mehr der Gestalter oder der Lenker dieser Figuren. Das schlimmste was man in so einer Phase machen kann, ist im Übrigen, wenn man die Figuren zwingt das zu tun, was die Autorin oder der Autor will. Das merkt der Leser nämlich.
Sebastian Fitzek, geboren 1971 in Berlin, ist der erfolgreichste deutsche Psychothriller-Autor.
Nach einem Jurastudium und der Arbeit für verschiedene Radiostationen veröffentlichte er 2006 seinen Debüt-Roman „Die Therapie“. Seitdem erschienen zahlreiche weitere Psychothriller, die alle die Bestsellerliste erreichten. Seine Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt und einige seiner Romane wurden für Film und Theater adaptiert.
Sebastian Fitzek lebt mit seiner Familie in Berlin.
Die Idee
Es beginnt mit einem Bild, einer Zeile aus einem Song, ja vielleicht sogar mit einem Werbespot. Wo die Ideen herkommen, können viele Autor:innen nicht genau sagen. Irgendwann ist sie da, saugt sich im Kopf fest, arbeitet im Unterbewusstsein, wächst oft unkontrolliert weiter, bis sie plötzlich – dem Piepen der Waschmaschine gleich – um Aufmerksamkeit schreit.
Auf einmal ist da mehr als ein einziges Bild. Da sind Figuren, eine ganze neue Welt, Abenteuer, Liebe und Drama.
Das ist der Moment, in dem ich aktiv werde. Lohnt es sich, die Idee weiter zu verfolgen, hat sie genug Potenzial und Konflikte, um ein Buch zu füllen?
Je mehr ich für eine dieser im Unterbewusstsein vorgegarten Ideen brenne, je größer das Fieber ist, das mich packt und je mehr ich alle Möglichkeiten durchgehe, aus dieser Idee mehr zu machen als eine Idee, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann geschrieben wird, dass dasselbe Feuer, das mich erwischt hat, auch meine Agentin, später dann Lektor:innen und noch viel später auch Leser*innen packen wird.
Doch vielen Ideen geht in dieser ersten Brainstormingphase die Puste aus. Sie schaffen die lange Strecke nicht, können den vielen Anforderungen nicht standhalten. Es ist schwer,
Ideen loszulassen, für die man kurzfristig brennt. Aber sie sind nicht verloren. Sie sind da und finden sich vielleicht irgendwann mit einer anderen, ebenfalls zu kleinen Idee zusammen - und gemeinsam können sie Großes schaffen.
Stefanie Hasse ist eine Autorin und Buchbloggerin.
Sie schreibt fantastische Kinder- und Jugendbücher.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Söhnen in Süddeutschland.
Was ist Ihre Aufgabe als und für den Börsenverein?
Als Geschäftsführer des Börsenvereins Landesverband Nord sind ich und mein Team Ansprechpartner für die Belange unserer Mitglieder (in erster Linie Buchhändler, Verlage): zum Thema Verkauf, Arbeitsrechtsfragen oder Corona-Verordnung, wir suchen nach Lösungen. Neben den Gesprächen mit und Besuchen bei Mitgliedern vertreten wir deren Interessen in den fünf norddeutschen Ländern. Zusätzlich organisieren wir die Landesentscheide des Vorlesewettbewerbs, initiieren die Auszeichnung „Prädikatsbuchhandlung“ und sind in vielen Jurys vertreten.
Kurz und gut: Alles was die Buch- und Verlagsbranche bewegt, kümmert uns!
Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?
Ich bin Buchhändler geworden, da ich das Lesen für mich entdeckte und eine kleine Buchhandlung „Die Bücherstube in Mölln“ mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte eine Ausbildung zu machen. So hat es begonnen. Danach habe ich in Hamburg gearbeitet, wurde Filialleiter, dann Assistent der Geschäftsführung, habe dann im Außendienst bei Libri gearbeitet und war vor der jetzigen Position bei der Buchhandlung Decius (12 Filialen) Vertriebsleiter.
Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen; was muss man können, wenn man für den Börsenverein arbeiten möchte?
Das Wichtigste ist, „Bücher und Menschen“ zu mögen.
Wie sieht Ihr Berufsalltag aus? Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf?Was gefällt Ihnen am wenigsten?
Am meisten mag ich die Vielseitigkeit der Aufgaben. Vom Stühlerücken bei der Jahreshauptversammlung, über Mitgliederbesuche und Gespräche mit politischen Entscheidern, bis hin zu strategischen Überlegungen „wie es mit der Branche“ weitergeht, ist alles dabei. Im Moment startet der Tag mit einer Zoom-Konferenz unseres Teams und dann geht’s los.
Endet Ihr Arbeitstag, wenn Sie nach Hause kommen oder beschäftigen Sie sich auch noch zu Hause mit der Arbeit?
Nein der Arbeitsalltag endet nicht, wenn ich nach Hause komme, denn im Moment machen wir hauptsächlich Homeoffice und es darf nur eine Person im Büro sein. Außerdem liebe ich die relativ freie Arbeitseinteilung, denn auch um 22:00 Uhr kann ich gut arbeiten.
Woran erkennt man ein gutes Buch?
„Ein gutes Buch erkennt man daran, dass es spannend ist“. Ein Satz eines ehemaligen Deutschlehrers von mir, den ich für wahr halte: Wenn etwas spannend ist, kann man nicht genug davon bekommen.
Würden Sie sich noch einmal für den Beruf entscheiden, wenn Sie die Wahl hätten?
Ja!
Was ist Ihr Lieblings-Genre?
Ich bin eigentlich der typische Romanleser, habe aber in letzter Zeit die Reiseberichte für mich entdeckt. Vor allem Reisen in vergangener Zeit haben es mir angetan. Derzeit liegt bei mir „Carsten Niebuhr – Reisebeschreibung nach Arabien“ auf dem Tisch.
Was war Ihr schönstes Erlebnis bisher? Können Sie eine kleine Anekdote aus Ihrem Berufsleben erzählen?
Es gibt viele schöne Erlebnisse. Vielleicht zeigt mein Besuch in einer kleinen Buchhandlung, wie liebenswert diese Branche ist. Ich besuchte die Buchhandlung vor zwei Monaten als Geschäftsführer des Landesverbands. Als ich zur Tür hereinkam, sagte der Buchhändler: „Herzlich Willkommen Herr Petri, wir haben uns nicht verändert in all den Jahren“. Der letzte Besuch war 16 Jahre her, da war ich im Außendienst bei Libri.
Volker Petri
Geschäftsführer des Börsenvereins Landesverband Nord
Kolumne 6 – Der Erfolg
Heute werde ich oft gefragt, ob ich den irren Erfolg meiner Ostfriesenkrimireihe erklären könnte.
Am liebsten hätte man ein Rezept von mir, am liebsten eins, das dann jeder nachkochen kann.
Das war nicht immer so. Am Anfang wurde ich - gerade in der Verlagsszene - belächelt, weil ich Kriminalromane schreiben wollte, die in Ostfriesland spielten.
Ich begann ein großes Gesellschaftspanorama zu schreiben. Angelegt auf viele tausend Seiten. Der Kriminalroman schien mir die richtige Form zu sei. Darin konnte ich vom Riss erzählen, der durch die Gesellschaft geht und in die Abgründe der menschlichen Seelen schauen. Ein Kollege sagte mir: „Lass das Klaus-Peter. Du wirst Dich blamieren.“ Er zählte seine Bedenken auf: „Erstens, die Ostfriesen lesen nicht. Zweitens, außerhalb Ostfrieslands interessiert sich keine Sau dafür, was da los ist.“
Welch ein Irrtum. Ostfriesland wurde in den sechziger Jahren durch Hansjörg Martin zur Wiege des deutschen Kriminalromans. Höchstens noch in Island gibt es mehr Kriminalschriftsteller als in Ostfriesland. Christiane Franke, Heike und Peter Gerdes und Manfred C. Schmidt morden hier. Etwas in Ostfriesland regt Autoren an, literarische Verbrechen zu begehen.
Aber konnte ich meine Ostfriesenkrimis wirklich dem Fischer Verlag anbieten? Würde man da nicht die Nase rümpfen?
Immerhin ist es der Verlag von Thomas Mann und Franz Kafka. 150 Jahre deutsche Verlagstradition. Zig Nobelpreisträger im Programm. Aber der damalige Verleger Peter Lohmann glaubte an das Buch und die Lektorin Andrea Diederichs fand Spaß daran. Eine kleine Auflage wurde vorsichtig gestartet. Ich setzte auf Lesungen, wollte mein Publikum live überzeugen. Bei der ersten Veranstaltung in Leer machte die Stadt ihrem Namen alle Ehre. Von Tourneen durch ausverkaufte Theater und Stadthallen habe ich damals nicht einmal geträumt.
Schon im Süden von Niedersachsen wollten Buchhandlungen, meine Ostfriesenkrimis nicht in ihr Sortiment aufnehmen. Von Läden in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg ganz zu schweigen. Die Literaturkritik ignorierte die Romane. Doch dann geschah das Wunder. Leserinnen und Leser begannen über die Bücher zu sprechen. Eine ungeahnte Flüsterpropaganda wisperte durch das Land. Ostfriesland wurde zum Epizentrum des Erfolges oder zum Hotspot wie man heute wohl sagt, denn viele wurden dort mit dem Virus infiziert. Dreizehn Millionen verkaufter Bücher. Elf Romane starteten von Null auf Platz 1 in der Spiegel Bestsellerliste. Ich kann es selbst kaum glauben…
Kolumne 9 – Masken Sommerfeldt
Ich wollte mit dem Zug von Hannover nach Ostfriesland zurück. Eigentlich liebe ich das Zugfahren. Bei langen Reisen schreibe ich gerne. Ich sehe ein, dass man einen Mund-Nasen-Schutz tragen muss, aber nach ein paar Stunden wurde er mir lästig. Das Atmen fiel mir schwerer. Ich schrieb aus der Perspektive meiner Kommissarin Ann Kathrin Klaasen. Sie stand gerade am Deich und sah auf die Nordsee. Sie atmete tief durch. Am liebsten hätte ich mir die Maske abgerissen, aber ich tat es natürlich nicht. Stattdessen riss ich mich zusammen. Wir waren schon kurz vor Oldenburg. Im nächsten Kapitel wechselte ich die Perspektive und schrieb als Serienkiller Dr. Bernhard Sommerfeldt weiter. Ich ging wie immer ganz rein in die Figur. Sah die Welt aus seiner Sicht. Welch eine Erlösung!
Plötzlich liebte ich die Maske. Für einen gesuchten Verbrecher, nach dem per Steckbrief gefahndet wird, ist die Maskenpflicht eine Befreiung. So kann er hoffen, unerkannt zu bleiben. Sommerfeldt hat schon versucht, eine Gesichtsoperation für sich zu organisieren. Mit plastischer Chirurgie ist heutzutage vieles möglich, aber ein Mund-Nasen-Schutz tut es auch. Endlich kann er sich wieder frei bewegen.
Ich recke mich, als sei ich aus einem tiefen Schlaf erwacht. Jetzt lebe ich ganz in meiner literarischen Figur. Der falsche Doktor hat bei einigen Verbrechen eine schwere Teufelsmaske getragen. Verglichen damit ist die hellblaue, dreilagige Einwegmaske aus Vliesstoff sehr bequem, auch wenn dafür viele Polypropylens sterben mussten. Ich fiebere jetzt
Ostfriesland entgegen. Ich will als Dr. Sommerfeldt endlich seine Lieblingsorte wieder besuchen. In Oldenburg ins Café Klinge. In Neßmersiel in Aggis Huus und in Norden natürlich zu ten Cate.
Im Roman steige ich in Emden aus. Da Sommerfeldt zu Scherzen aufgelegt ist, besucht er das Polizeikommissariat am Bahnhofsvorplatz. Er geht mit Maske rein und fragt nach dem Weg. Eine freundliche Polizistin erteilt gerne Auskunft. Welch ein Gefühl! Da hängt sein Steckbrief. Hier steht er. Übermütig mietet er sich einen Leihwagen und fährt nach Aurich. Mit dem Zug kann man die schöne Stadt nicht erreichen. Dort parkt er in der Tiefgarage am Marktplatz und besucht stolz die Sparkasse. Nein, niemand löst einen Alarm aus. Welch ein Gefühl! Ein Hurra auf die Atemschutzmaske! Sommerfeldt will noch ein bisschen unerkannt in Aurich bummeln. Ich lasse ihm das Vergnügen.
Die Bahnfahrt verging viel zu schnell. Ich fuhr zu weit. Durch bis Norddeich. Rasch packte ich meine Schreibutensilien zusammen und stieg aus. Jetzt zum Deich und tief durchatmen, als Klaus-Peter Wolf….
Klaus-Peter Wolf wurde 1954 in Gelsenkirchen geboren und lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden in Ostfriesland. Er schreibt unter anderem für die Fernsehserien „Tatort“ und „Polizeiruf 110“. Die Bücher seiner Ostfriesland-Reihe erreichen regelmäßig die Bestsellerliste. Für Kinder schreibt er zudem gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin die Reihe „Die Nordseedetektive“.
Klaus-Peter Wolf wurde für seine Bücher und Filme mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Was ist Ihre Aufgabe im Verlag?
Ich bin Referentin für PR & Veranstaltungsmanagement. Das heißt, ich vermittle und organisiere Autor*innenlesungen, kümmere mich um unseren Buchmesseauftritt in Leipzig und die Veranstaltungen auf der Frankfurter Buchmesse und kommuniziere unsere Bücher an wichtige Multiplikator*innen.
Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?
Ich habe schon immer viel und sehr gerne gelesen. Deswegen war für mich klar, dass ich etwas mit Büchern machen möchte. Man verbringt ja einen sehr großen Teil seines Lebens auf der Arbeit. Da ist es gut, wenn man für seinen Job Begeisterung aufbringen kann.
Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Ursprünglich wollte ich eigentlich ins Lektorat. Nach meinem Studium habe ich aber dann eine Ausschreibung des Loewe Verlags für ein Volontariat in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gesehen, die perfekt zu mir gepasst hat. Nach meinem Volontariat wurde ich dann als Referentin angestellt.
Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Den Großteil meiner Arbeit macht der Kontakt mit Veranstalter*innen, Autor*innen, Illustrator*innen und anderen Multiplikator*innen per Mail oder
Telefon aus. Außerdem schreibe ich viele Pressetexte und konzipiere Werbemittel, unternehme Dienstreisen zu Veranstaltungen und Buchmessen und plane zusammen mit unserem Team die Marketingmaßnahmen für unsere Neuerscheinungen. Zusätzlich versuche ich mir zwischendurch Zeit zu nehmen, um Ideen für neue Angebote oder Konzepte zu entwickeln.
Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf? Was gefällt Ihnen am wenigsten?
Am meisten macht mir der Kontakt zu den Autor*innen und Illustrator*innen Spaß. Ich freue mich immer, wenn ich sie persönlich treffen und ihnen tolle Veranstaltungen vermitteln kann. Ansonsten bin ich immer gespannt auf unser neues Programm und stelle sehr gerne interessierten Veranstalter*innen unsere Bücher vor. Allgemein liebe ich es einfach, am Entstehungsprozess der Bücher beteiligt zu sein und hinter die Kulissen blicken zu können.
Lesen Sie auch privat viel?
Ich lese immer noch sehr gerne und viel. Allerdings nicht so viel wie früher.
Woran erkennt man ein gutes Buch?
Für mich persönlich zeichnet ein gutes Buch, neben einem tollen Cover, aus, wenn einen die Geschichte so fesselt, dass man beim Lesen gar nicht merkt, wie viele Seiten man bereits gelesen hat und nicht mehr aufhören kann. Und wenn die Geschichte auch nach
Beenden immer noch nachhallt, man vielleicht gedanklich in der Welt bleibt und sich auch Wochen, Monate, Jahre später an das Buch erinnert.
Würden Sie sich noch einmal für den Beruf entscheiden, wenn Sie die Wahl hätten?Warum sind Sie genau bei diesem Verlag?
Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich noch einmal für die Verlagsbranche entscheiden. Ich liebe es einfach den ganzen Tag von Büchern umgeben zu sein und mich mit ihnen zu beschäftigen. Ich bin auch ein großer Fan von Kinder- und Jugendliteratur, da passt der Loewe Verlag als einer der führenden Kinder- und Jugendbuchverlage im deutschsprachigen Raum perfekt.
Was ist Ihr Lieblings-Genre?
Das ist gar nicht so einfach. Wenn ich mir mein Bücherregal anschaue, ist es wohl Kinder- und Jugendliteratur, Fantasy und Thriller.
Carina Falke
Referentin für PR & Veranstaltungsmanagement
Loewe Verlag GmbH
Rolander oder Vom Zauber der Bücher
Zugegeben: Das Schreiben und ich hatten keinen guten Start. Dem Fach Deutsch habe ich meine erste und einzige schlechte Volksschulnote zu verdanken. Meine freie Interpretation beim Vervollständigen von Sätzen stieß bei meinem Lehrer auf keinerlei Verständnis. Im Gegensatz zu mir fand er das Gedankenspiel „Ich frühstücke …in der Badewanne“ kein bisschen amüsant und quittierte es mit einem dicken, roten „Falsch!“ Auch ins Lesen fand ich schwer hinein. Die Texte, die mir vorgesetzt wurden, langweilten mich. Bald war ich eine der langsamsten Leserinnen in meiner Klasse.
Doch eines Tages schenkte mir meine Mutter Pipi Langstrumpf, und da war es um mich geschehen: Dieses freche, querdenkende, unerschütterliche Mädchen zog mich mit seinen verrückten Abenteuern völlig in seinen Bann. Nach nur wenigen Seiten wusste ich: Pipi würde bestimmt mit Begeisterung in der Badewanne frühstücken. Und so las ich das Buch in einer einzigen Nacht (heimlich, mit der Taschenlampe unter der Bettdecke) durch. In dieser Nacht war ich zu einer Leserin geworden. Es folgten Bücher wie Die Omama im Apfelbaum, Die kleine Hexe und Momo, und irgendwann verstand ich: Es gibt Geschichten, in denen ein Zauber liegt. Ein Zauber, der einen beim Lesen alles rundherum vergessen lässt und irgendetwas im Innern bewegt.
Als würden innendrin Flügel wachsen, die einen überallhin tragen können, weil sie in der Lage sind, jede Grenze zu durchbrechen. Und weil ich schon damals weder dem Fliegen noch der Zauberei noch der Überschreitung von Grenzen abgeneigt war, beschloss ich: „Ich werde nun auch Bücher schreiben, die zaubern können.“ Damals war ich vielleicht acht oder neun Jahre alt.
Ich schrieb also munter drauflos, begann einen Roman nach dem anderen und schloss keinen ab. Irgendwann wurde mir klar, dass Ideen und ein Hang zur Magie nicht ausreichen, um ein Buch zu schreiben, sondern dass ein Autor auch ziemlich viel Ausdauer braucht. Dass man diese Ausdauer nur dann aufbringen kann, wenn man an der richtigen Idee arbeitet, und dass auch nur die richtige Idee eine Zauberkraft entfalten kann, verstand ich damals noch nicht. Heute aber weiß ich: Wenn die richtige Geschichte da ist (Mit „richtig“ meine ich kein allgemeingültiges Richtig, sondern ein ganz subjektives, individuelles.), ist es wie ein Überfallenwerden. Es ist dann egal, ob man Grafikdesign, Mathematik, Literaturwissenschaften oder Musik studiert hat, es gibt kein Entkommen; Man muss schreiben. Weil Handlungen und Charaktere lebendig werden, sich förmlich aufdrängen. Die Grenzen zerfließen, alles geht ineinander über, und die Geschichte wird plötzlich Teil des echten Lebens.
Zum ersten Mal erlebte ich das während meiner Arbeit an meinem Debutroman Sophie im Narrenreich (erschienen bei Beltz und Gelberg im Frühjahr 2017): Ich hatte schon eine geraume Zeit an
