Die Marionette - Frank Seder - E-Book

Die Marionette E-Book

Frank Seder

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Beschreibung

Ein in Duisburg spielender Horror-Roman, gespickt mit einer gewissen Hingabe für das Übernatürliche. Den Leser erwarten Lacher, Tränen, aber auch einige philosophische Ansätze. Lassen SIe sich ein auf dieses wilde Werk! Als ein in Duisburg wohnender Autor erwarten den Leser viele Anspielungen an regionales sowie in Fantasie verpackte Lebensanekdoten und Beobachtungen.

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Seitenzahl: 53

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Für das Ende seiner Reise verdonnerte ihn ein mieser Schakal in dieses verdammten Hospiz. Der zum Tode geweihte Patient feierte erst kürzlich seinen dreiundvierzigsten Geburtstag und verlor keinen Gedanken an seinen Tod. Er verachtete ihn, war nicht bereit zu gehen. Zu viele Rechnungen galt es noch zu begleichen. Die Schulden in Heller und Pfennig zurück zahlen.

Die ordentliche Dosis Morphium verhinderte seine körperlichen Schmerzen, jedoch nicht die Enttäuschung über das Versäumte. Nun standen die Heuchler rund um seinem Bett und erwarteten sehnsüchtig seinen letzten Augenschlag. Fritz spürte nur ihren ruhigen Atem, hörte ihren emotionslosen Pulsschlag. Selbst die ihn erdrückende Zimmerdecke schien von einem stockendem Blutkreislauf belebt zu sein. Welche Ironie. Er wird nicht gehen. Sollten die anderen armen Würstchen doch verrecken. Seine Pankreas, befallen von feindlichen Zellen, wird ihn nicht brechen. Seine Wut wuchs ins Unermessliche. Dieses unnütze schwache Organ wagte es, ihm den Dienst zu verweigern. Hielt er sich doch für einen Boten des Unendlichen. Schon zu lange wollte man ihn tot. Gestorben als ein katholisches Kind. Nie fühlte er sich der Verdammnis näher als in einer Kirche. Ort der unselbstständigen Duckmäuser und skrupellosen Heuchler. Kinderschreck mit Dienern der Wollust.

Den Zeitpunkt des Abgang bestimmte er selbst. Der Körper sollte sich seinem Geist unterordnen.

Ein dunkler Schatten beugte sich über ihn. Erzählte etwas über Erlösung und den Erlass seiner Sünden. Alarmstufe eins. Ein Pfaffe in unmittelbarer Nähe. Das Dekadente wagte sich in seine Nähe. Ein Traum wurde wahr. Sein kraftloser Körper schnellte hoch. Er fasste den katholischen Kopf und riss ihn von dem weiß umrahmten Hals. Seine Art der Buße. Dieser Geier eines zu alten Gottes flog die längste Zeit über die resignierten, matten Körper der Verlassenen. Zu spät für ein versöhnendes Gespräch.

In der Bergmannssiedlung schickte ein heftiger Schneefall ein nacktes, verschmiertes Wesen auf die grobe Welt des schwarzen Goldes. Niemand hatte den verschrumpelten Braten gefragt, ob er das Geschenk zweier geiler Teenager annehmen wollte. Ein kleiner Schuss Sperma in den Schoss einer Liebessüchtigen. Er war geliefert.

Die siebzehn jährige Ursula lies sich von einem gut aussehenden Kleinkriminellen schwängern. Er brauchte nicht viel Überredungskunst. Seine pochenden Hoden, prall gefüllt, gaben den Weg frei. Ihr Grotte empfing den unheiligen Samen. Jetzt musste einer die Zeche für den verkorksten Fick zahlen.

Endlich hatte sie den Fremdkörper aus sich herausgepresst. Uschi war erstaunt, was zehn Minuten Spaß bewirkten.

Der Bubi schrie sich in der Wohnstube die Lunge aus dem Hals. Hier wollte er keinesfalls bleiben. Aus dem Wohnzimmer tobte ihr cholerischer Vater: „ Ist die verdammte Missgeburt endlich da. Sieh zu ,wie ihr das Balg durchbringt, ihr Huren.“ Er freute sich auf seine Art über den zusätzlichen Fresser.

Im wilden Jähzorn stürmte der ehemalige Flakhelfer Joseph in die Küche und bewarf Mutter und Kind mit der teuren Bärenmarke Kondensmilch. Die Nutte und den Bastard.

Der gut aussehende, schlanke Mann trug das Herz am rechten Fleck. Er wirkte nicht lustig, eher komisch. Tief im Inneren ein guter Mensch. Ganz tief im Inneren.

Seine Frau Ida stellte sich selbstlos in die Geschossbahn. Die Dosen trafen sie hart, wie bei einer Steinigung. Durch ihre jahrelang erhaltenen Schläge und Demütigungen abgehärtet überlebte sie auch diesmal seinen unwürdigen Angriff. Uschi hielt ihr Baby abwehrend vor sich. Ein zartes Schutzschild mit eingebauter Alarmanlage.

So erwiesen sich die ersten Minuten in Fritz Geburt als zweifelhaft selbstlos. Der 16 Januar 1956. Ab sofort gehörte der Fritz zu dieser verfluchten Familie. Niemand hatte ihn gefragt. Beginn der Beugehaft. Einer dieser unschuldigen Menschen, die von der ersten Sekunde an verneint wurden.

Sein Erzeuger, ein hübscher Filou wollte Uschi heiraten und seinen Sohn anerkennen. Seine Familie drängte ihn dazu. Der Vater ein hoher Beamter, die Mutter Mitglied der feinen Gesellschaft. Der Vater entschied: Man darf sich der Verantwortung nicht entziehen. Der unbeugsame Sohn sollte sich endlich der Vernunft fügen. Ein Leben ist kein Kettenkarussell.

Sein ältere Sprössling studierte Jura, ein feiner Herr, ganz in Papis Sinne. Nur der schöne Günter schlug aus der Art. Ein Gernegroß mit enormer Rhetorik und konsequentem Egoismus. Seine gedankenlosen Betrügereien brachten ihn sogar kurz in den Knast.

Fritz Erzeuger erfand ein Mittel gegen abstehende Ohren, das er für fünf Mark das Paar per Post verschickte. Zwei Heftzwecke sollten die Not der Segelflieger beseitigen.

Der gut aufgelegte Richter verdonnerte Günter Düsentrieb zu drei Monaten Einsicht. War eine ganz lukrative Erwerbsquelle im Jugendknast. Beim Karten zocken erleichterte er die Mithäftlinge um ihr Hab und Gut.

Jupp, der gelernte Frisör, erlaubte dem Feudalen trotzdem nicht die Heirat mit seiner einzigen rotzfrechen Tochter. Ein Verbrecher, nicht gut genug für sein rebellisches Miststück. Schließlich fühlte er sich so adelig. Einer von Drüben. Flüchtling aus Ostpreußen. Lieber würde er sich auch noch um das uneheliche Balg kümmern. Ihn brechen wie die restliche Mischpoke.

Als ein früherer Messdiener der römisch katholischen Kirche fühlte er sich gesalbt und gepudert das heilige Werk zu verrichten.

Uschi überließ die Aufzucht ihres leidlichen Kükens komplett ihren Eltern. Sie schloss ihre Lehre als Elektrofachverkäuferin lustlos ab. Da sie sich zu Höherem berufen fühlte, schmiss sie bald ihren ungeliebten Job hin und verdingte sich in einer Nachtbar. Ihre große, schlanke Statur kam bei den von ihren Ehefrauen vernachlässigten Gästen sehr gut an. Das sie des öfteren ausflippte, interpretierten die notgeilen Säcke als osteuropäisches Temperament. Eine freche Pollakin eben. Einige Charaktereigenschaften ihres Vaters hatte Uschi verinnerlicht. Like a Ostpreuße. Sie gab sich mürrisch. Ein wenig komisch, aber nicht lustig.

Ihr Gesicht erschien auf den ersten Blick etwas herb, wie ein Jupp. Vornehm gestaltet, die wenigen Emotionen geschickt verwaltet. Die langen schwarzen Haare entspannten ihre aristokratischen Gesichtszüge nicht wirklich. Ihre Devise: nicht mehr beugen, lieber bücken. Die Proleten genossen den Druck der Herrin.

Ihr verdammter Vater drängte sie fast in den Wahnsinn. Um dem ständigen Druck seiner üblen Schimpfworte und anderen gemeinen Anfeindungen zu entfliehen, nahm die kluge Ursula Schlaftabletten. Zu ihrer Entspannung. Später säugte sie ihren quäkenden, hungrigen Bastard. Wat mut dat mut. Mutterpflichten.