Die nächste Begegnung - Arthur C. Clarke - E-Book

Die nächste Begegnung E-Book

Arthur C. Clarke

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Beschreibung

Fern der Erde entscheidet sich das Schicksal der Menschheit

Die Überlebenden der zweiten Rama-Mission legen in zwölf Jahren in dem zylinderförmigen Riesenraumschiff die Strecke bis zum Sirius zurück, wo sich eine Rama-Raumstation befindet. Die Fremden wollen die Menschen auf Herz und Nieren testen und entscheiden, ob ihnen der Weg zu den Sternen offenstehen soll. Doch die Menschheit schneidet dabei alles andere als gut ab …

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ARTHUR C. CLARKE & GENTRY LEE

DIE NÄCHSTE BEGEGNUNG

Roman

INHALT

NICOLES TAGEBUCH

IM NODUS

TREFFPUNKT MARS

EPITHALAMION

DER PROZESS

NICOLES TAGEBUCH

1

29-12-2200

Vor zwei Nächten auf der Erde war es 10:44 Greenwich-Zeit begrüßte Simone Tiasso Wakefield das Licht des Universums. Es war eine unglaubliche Erfahrung für mich. Ich hatte geglaubt, dass mir sehr starke Gefühlsregungen schon früher widerfahren seien, doch kein Ereignis in meinem Leben nicht der Tod meiner Mutter, nicht das Olympische Gold in Los Angeles und die sechsunddreißig Stunden mit Prinz Henry, ja nicht einmal die Geburt Genevièves unter der wachsamen Obhut meines Vaters in der Gynäkologie in Tours war dermaßen intensiv gewesen wie meine Freude und Erleichterung, als ich dann Simones ersten Schrei hörte.

Michael hatte geweissagt, das Kind werde am Weihnachtstag kommen. Auf seine gewohnte liebe Art eröffnete er uns, er glaube, dass Gott uns »ein Zeichen geben« werde, indem er unser Kosmos-Kind am angeblichen Geburtstag des Jesus aus Nazareth in die Welt kommen lassen wollte. Richard spöttelte darüber; das tut mein Mann immer, wenn Michael sich von seinem religiösen Eifer ins Absurde treiben lässt. Doch als dann am Heiligen Abend die ersten heftigen Wehen einsetzten, wurde auch er beinahe bekehrt.

Ich schlief unruhig in dieser Nacht. Und kurz vor dem Erwachen hatte ich einen geheimnisvollen, sehr lebhaften Traum. Ich schlenderte an unserm Teich in Beauvois entlang und spielte mit meinem zahmen Erpel Dunois und seinen Wildentengefährten, als ich eine Stimme hörte, die mich rief. Ich erkannte die Stimme nicht, doch ich wusste bestimmt, es war die einer Frau. Sie sagte zu mir, dass die Geburt extrem schwer sein und dass ich meine ganze Kraft brauchen würde, um mein zweites Kind zu gebären.

Am Weihnachtstag, nachdem wir die schlichten Geschenke getauscht hatten, die jeder heimlich bei den Ramanern »bestellt« hatte, begann ich damit, Michael und Richard Anweisungen für eventuell auftretende Komplikationen zu geben. Ich glaube, Simone wäre tatsächlich am Weihnachtstag geboren worden, wäre ich mir in meinem Rationaldenken nicht dermaßen darüber klar gewesen, dass keiner der beiden Männer auch nur entfernt darauf vorbereitet oder fähig war, mir bei ernsten Schwierigkeiten zu helfen. Also zögerte womöglich allein meine Willensentscheidung die Geburt um diese zwei letzten Tage hinaus.

Eine der Komplikationen, die wir zu Weihnachten durchsprachen, war eine Steißlage des Kindes und was dabei zu tun sein würde. Ein paar Monate früher, als mein ungeborenes Mädchen sich noch in meinem Bauch bewegen konnte, war ich mir recht sicher, dass sie in Kopflage war. Aber ich glaubte dann, sie hätte sich in der letzten Woche gedreht, ehe sie in die Geburtslage fiel. Ich diagnostizierte nur teilweise richtig. Es gelang ihr, mit dem Kopf voraus in die Geburtspassage vorzustoßen; aber das Gesichtchen war nach oben gewandt, und nach den ersten heftigeren Kontraktionen verklemmte sich ihr Köpfchen im Becken.

Auf der Erde hätte der Gynäkologe wahrscheinlich einen Kaiserschnitt gemacht. Ganz sicher aber hätten Ärzte darauf geachtet und rechtzeitig alles mit ihren Robotinstrumenten unternommen, um Simones Kopf zu drehen, ehe er sich in einer derart unbequemen Lage festklemmte.

Gegen das Ende zu waren die Schmerzen unerträglich. Zwischen den heftigen Presswehen, die das Kind gegen meine unnachgiebigen Knochen stießen, versuchte ich, Michael und Richard Anweisungen zuzubrüllen. Richard erwies sich als fast völlig nutzlos. Er kam mit meinen Schmerzen (oder »der Sauerei«, wie er das später nannte) nicht zurecht, und schon gar nicht mit der Episiotomie oder dem Einsatz der behelfsmäßigen Forzeps, die uns die Ramaner geliefert hatten. Michael (der Himmel segne seine Courage!), schweißtriefend trotz der niederen Temperatur im Raum, mühte sich tapfer, meinen manchmal wirren Anweisungen Folge zu leisten. Er setzte das Skalpell aus meinem Bereitschaftskoffer an und dann, nachdem er mich so etwas weiter geöffnet und nur kurz wegen des vielen Blutes gezögert hatte, ertastete er Simones Köpfchen mit der Zange. Beim dritten Versuch gelang es ihm irgendwie, sie in den Geburtstrakt zurückzuschieben und sie umzudrehen, so dass sie herauskommen konnte.

Die Männer schrien alle beide, als der Kopf in der Scheide auftauchte. Ich konzentrierte mich weiter auf den Atemrhythmus und hatte Angst, dass ich das Bewusstsein verlieren könnte. Trotz der grässlichen Schmerzen brüllte auch ich vor Freude, als meine nächste gewaltige Kontraktion Simone hinaus- und in Michaels Hände trieb. Da er der Vater war, oblag Richard die Aufgabe, die Nabelschnur zu durchtrennen. Als er das geschafft hatte, hob Michael Simone hoch, damit ich sie sehen könne. »Ein Mädchen«, sagte er mit tränenfeuchten Augen. Er legte sie mir behutsam auf den Bauch, und ich schob mich ein wenig hoch, um sie mir anzuschauen. Mein erster Eindruck war, dass sie genauso aussah wie meine Mutter.

Ich zwang mich, präsent zu bleiben, bis die Nachgeburt entfernt war und ich mit Michaels Hilfe die Schnitte genäht hatte, die er mit dem Skalpell gemacht hatte. Dann brach ich zusammen. Ich erinnere mich an nichts aus den folgenden vierundzwanzig Stunden. Ich war von den Wehen und der Geburt (die Wehen kamen in Fünfminutenabständen über elf Stunden hin, bevor Simone endlich geboren war), dass ich bei jeder Gelegenheit wegschlief. Mein neues Babytöchterchen trank bereitwillig, völlig ohne Drängen, und Michael behauptet, sie hätte auch ein paar Mal die Brust genommen, als ich nur halbwach war. Die Milch schießt mir jetzt sofort in die Brüste, sobald Simone zu saugen beginnt. Und sie schmatzt ganz befriedigt, wenn sie fertig ist. Ich freue mich ungeheuer, dass meine Milch ihr bekommt ich hatte gefürchtet, es könnte sich hier das gleiche Problem wie bei Geneviève ergeben.

Einer von den beiden ist immer bei mir, wenn ich wach werde. Bei Richard wirkt das Lächeln auf seinem Gesicht immer ein wenig gezwungen, aber ich freue mich dennoch darüber. Michael kommt immer gleich zur Sache und legt mir Simone in die Arme oder an die Brust, sobald ich wach bin. Er nimmt sie sicher und sachgerecht auf, auch wenn sie brüllt, und brummelt dabei die ganze Zeit: »Sie ist so schön.«

In diesem Moment schläft Simone neben mir. Sie ist in eine von den Ramanern gemachte »Decke« gehüllt (es ist höchst schwierig, stoffliche Eigenschaften, insbesondere qualifizierende wie »weich«, durch irgendeinen der quantitativen Begriffe zu definieren, die unsre Gastgeber begreifen können). Und ja, Simone sieht wirklich meiner Mutter ähnlich. Ihre Haut ist recht dunkel, wahrscheinlich sogar dunkler als meine, und der Haarschopf auf ihrem Schädel ist jettschwarz. Ihre Augen sind von einem tiefen Braun. Angesichts des noch konisch durch die Geburtskomplikationen deformierten Kopfes fällt es nicht leicht, Simone als »schön« zu bezeichnen. Aber selbstverständlich hat Michael recht. Sie ist hinreißend schön. Ich sehe mit meinen Augen bereitwillig in dem anfälligen, rötlichen Wurm, dem Geschöpf, das mit solch wilder Hektik atmet, die vorhandene Schönheit. Gegrüßt seist du in der lebendigen Welt, Simone Wakefield.

2

06-01-2201

Habe seit zwei Tagen Depressionen. Und ich bin müde, ach, so müde. Obwohl mir natürlich klar ist, dass ich an dem typischen Postpartial-Syndrom leide, ist es mir bisher nicht gelungen, meine Gefühle der Niedergeschlagenheit zu überwinden.

Heute morgen war es am schlimmsten. Ich erwachte früher als Richard und lag dann still auf meiner Seite der Schlafmatte. Ich schaute zu Simone hinüber, die friedlich in ihrer ramanischen Wiege an der Wand schlummerte. Und trotz der Liebe, die ich für sie fühlte, gelang es mir nicht, irgendwelche positiven Vorstellungen über ihre Zukunft zu denken. Das ganze glühende Ekstasegefühl, das ich bei ihrer Geburt empfand und das dann noch zweiundsiebzig Stunden lang anhielt, war restlos verschwunden. Durch meinen Kopf schoss ein unablässiger Strom von hoffnungslosen Vorstellungen und nicht zu beantwortenden Fragen. Wie wird dein Leben sein, meine kleine Simone? Und wie könnten wir, deine Eltern, dafür sorgen, dass du glücklich lebst?

Mein Kleines, mein Liebling, du lebst hier mit deinen Eltern und ihrem getreuen Freund Michael O'Toole in einem Höhlenbau im Untergrund an Bord eines riesenhaften Raumschiffs, das von außerhalb des Sonnensystems stammt. Die drei erwachsenen Wesen, denen du in deinem Leben begegnen wirst, sind alle Kosmonauten vom Planeten Erde und waren Angehörige der »Newton«-Besatzung, die vor fast einem Jahr mit einem Erkundungsauftrag gestartet wurde, um eine zylindrische Kleinwelt, die wir »Rama« nannten, zu erforschen. Deine Mutter, dein Vater und der General, Michael O'Toole, waren die einzigen Menschen an Bord dieses fremden Raumschiffs, als Rama plötzlich den Kurs änderte, um dem Angriff einer mit Nuklearsprengköpfen bestückten Raketenphalanx zu entkommen, die von Irrsinnigen auf der Erde abgeschossen worden war.

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