Die Nachtlampe III - Claudine Hirschmann - E-Book

Die Nachtlampe III E-Book

Claudine Hirschmann

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Beschreibung

Neuausgabe des 3. Bandes der Nachtlampe aus dem Jahr 1854 mit Erzählungen, Sagen, Märchen und Gespenstergeschichten von Alexander von Sternberg. (transkribiert, überarbeitet, ergänzt und bebildert)

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Seitenzahl: 100

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Auf historischen Spuren mit Claudine Hirschmann

Die Nachtlampe III

Gesammelte kleine Erzählungen, Sagen, Märchen und Gespenstergeschichten

Alexander von Ungern-Sternberg

___________________________

transkribiert, überarbeitet, ergänzt und bebildert

_______________________________________

Erweiterte Ausgabe

Historisches Bucharchiv

2026

Inhaltsverzeichnis

Gisella – Drama in drei Teilen

Szenen und Gruppen aus der Gesellschaft

Impressum

Gisella – Drama in drei Teilen

Erster Teil

Erste Szene

Nacht. Straße. Gisella in Frauenkleidung, doch in einen weiten Männermantel gehüllt, mit einem Federhut auf dem Kopf, sitzt auf den Treppenstufen eines Hauses links im Vordergrund. Taubmann und Franz treten auf.

Taubmann

Hier warte auf den Grafen, aus jener Gegend da muss er kommen. Ich will zurück, die Nachtluft schadet mir.

Franz (mit Mantel und Degen, die er trägt)

Sagt mir nur, Herr Haushofmeister, wie ich mich zu betragen habe, wenn der Herr mich anredet?

Taubmann

Du antwortest.

Franz

Wenn er mich aber nun nicht anspricht?

Taubmann (ärgerlich)

So antwortest du nicht.

Franz

Ganz wohl, aber –

Taubmann (mit dem Fuß stampfend)

Gott strafe mich, wenn ich jemals einen dummen Jungen in die Livree gesteckt hab als Dich. (schnell ab)

Franz

Da geht er und lässt mich allein, auf dunkler Straße in einer Stadt, die ich nicht kenne, in die ich heut Morgen zum ersten Male eingewandert bin. (sieht sich um) Alles fremd, alles wunderlich – nichts, was mich an mein Dorf erinnert. Der Kirchturm dort hat einige entfernte Ähnlichkeit mit dem unsrigen ist ein Kind dagegen. Ah, da blasen sie vom Turm den Choral, es ist Mitternacht. Jetzt schlummert alles bei mir im Dorf. Selbst der Pfarrer hat eben sein Licht ausgelöscht. (bemerkt Gisella) Da regt sich etwas im Dunkeln. Ich glaube, es sitzt jemand auf den Treppenstufen. Soll ich ihn anreden? Nein, ich könnte schlimme Antwort bekommen. (es gehen einige Leute im Hintergrund über die Bühne) Ach du lieber Gott, jetzt fällt mir erst ein, dass ich ja gar nicht den Herrn kenne, meine Herren, er kann an mir vorübergehen und keiner nimmt von dem anderen Notiz, das ist eine schöne Geschichte. Was fange ich an? Ob ich einen der Herren frage, die dort gehen? Ha! Da kommt ein Bursche, der in derselben Livree steckt wie ich, ohne Zweifel Landmann! Herr Konfrater! Herr Kollege! Muße!

Zweite Szene

Die Vorigen. Graf Feld, als Lakai gekleidet, will eilig vorüberschlüpfen.

Franz

Halt, guter Freund, du dienst dem Grafen von Fels. Antworte.

Graf (will sich von ihm losmachen, in dem Augenblick stürzt Gisella mit gezogenem Degen auf ihn zu).

Gisella

Halt!

Graf

Was soll das?

Gisella

Oh, ich wusste es wohl, dass du dich in die Livree deiner eigenen Diener stecken würdest. Aber auch da weiß ich dich zu finden.

Franz

Was hör ich?

Gisella

Zieh den Degen. Ich kämpfe mit dir auf Tod und Leben. Verräter! Du kommst nicht lebend von dieser Stelle. (sie dringt auf ihn ein)

Graf (entreißt Franz den Degen, kämpft mit Gisella und schlägt ihr die Waffe aus den Händen).

Da nimm! Und ein andermal greife zur Nähnadel, die passt besser für deine Hand. (zu Franz) Folge mir.

Giselle (taumelt zur Treppe zurück, hüllt sich in ihren Mantel und sinkt wie ohnmächtig auf den Treppenstufen nieder).

Franz (sie verwundert anstarrend).

Also das war ein Mädchen! Das geht wunderlich zu! (folgt seinem Herrn)

Dritte Szene

Zimmer im Schloss des Grafen Fels.

Graf. Taubmann (stellt Lichter und Wein auf den Tisch). Nachher Franz.

Graf

(im Schlafrock sich ein einen Sessel werdend) Umsonst habe ich nach Abenteuern nach meinem Geschmack gesucht, diese Nacht war nicht ergiebig.

Taubmann (ihn scheu von der Seite betrachtend)

Ich wünsche Euer Gnaden gehorsamst einen guten Morgen.

Graf

Dieses Leben fängt an schal zu werden. (bemerkt Taubmann) Es ist gut, du musst gehen.

Taubmann

(für sich) Andere Leute fingen zu dieser Zeit den Morgensegen, ich den Abendsegen. Immerhin, wenn es nur Segen ist.

Graf

Was murmelst du da? Was hat es in meiner Abwesenheit gegeben?

Taubmann

Der Herr Kanzlarius und geheime Sekretarius waren hier und beliebten nach Dero Gnaden zu fragen.

Graf

Schon gut, er wird wiederkommen.

Taubmann

Nein, er ist dageblieben. Ich habe ihm das grüne Zimmer aufschließen müssen und dort liegt er und schlummert einstweilen auf dem Kanapee, bis es dem gnädigen Herrn gefällt, ihn vor sich zu lassen.

Graf

So geh hin und sage, dass ich mir die Ehre ausbitten ließe. Noch eins. Was ist's für ein junger Bursche, der mich heute Nacht geleiten sollte?

Taubmann

Hat er seine Sache schlecht gemacht? Ich glaub es. Es ist ein etwas dummer Bursche, aber die Ehrlichkeit sieht ihm aus den Augen.

Graf

Lass ihn hereinkommen.

Taubmann

Er wartet im Vorgemach. (hinausrufend) Franz!

Franz

(eintretend mit einer tiefen Verbeugung)

Graf

(beiseite) Er sieht nicht dumm aus. Ich kann ihn zu meinem Plan brauchen. (laut) Du bist mein Diener?

Franz

Seit heute Morgen, oder vielmehr seit gestern. Morgen, gnädiger Herr.

Graf

Was fiel dir ein, mich heute anzurufen?

Franz

Ach, gnädiger Herr, ich hielt Sie für meines Gleichen. Ich bitte tausendmal um Entschuldigung.

Graf

Es ist dir verziehen. (zu Taubmann) Ein hübscher Bursche.

Taubmann

So wie das Land sie gibt, Euer Gnaden. Sie wachsen wie die Pilze auf und die frische Landluft malt ihnen die Wangen.

Graf

Wo kommst Du her?

Franz

Von Taubendorf. Es liegt im Gebirge und gehört zu Schloss Windeck.

Graf

So bist du mein Untertan.

Franz

(macht einen Scharrfuß)

Graf

Wie alt bist du?

Franz

Achtzehn Jahre.

Graf

Wo standest du früher in Dienst?

Franz

Nirgends, Herr. Wenn ich offen reden darf --

Graf

Das darfst du.

Franz

Ich bin den meinigen entlaufen.

Taubmann

Ei, du Spitzbube!

Franz

Der Vater war Leineweber und wollte mich zu derselben Profession zwingen und das wollte ich nicht. Die Welt, dachte ich, ist groß, es wird sich überall bequemer sitzen lassen als hinter dem Webstuhl. Und da entlief ich.

Graf

Das war bald getan.

Franz

Doch nicht so bald. Als ich durch den kleinen Garten ging, hinterm Hause am Fluss, es war abends spät, und ich im Dunkeln den alten Birnbaum rauschen hörte, auf dessen Ästen ich manchen guten Schmaus gehalten und oftmals mich sicher versteckt hatte, wenn ich hätte zur Schule gehen sollen, da war es mir, als hielte mich jemand am Rock fest und meine Seele wurde traurig bis in den Tod. Sollst du nicht lieber bleiben?, rief eine Stimme. Nein du musst gehen, rief die andere, und -- ich ging.

Graf

Geradeswegs hierher.

Franz

Nein. Unterwegs traf ich auf eine herumziehende Schauspielerbande, die auf den kleinen Märkten ihr Wesen trieb. Bei der engagierte ich mich. Aber es wollte mir nicht gefallen, denn obgleich ich oftmals Könige und hohe Herren spielte, so hatte ich dennoch keinen Bissen Brot für meinen Hunger. Ich entlief abermals und wollte nun unter die Soldaten gehen, und das war auch meine Absicht, als ich in die Stadt hier einwanderte. Aber der Herr Haushofmeister brachte mich auf gescheitere Gedanken. Als ich grade an diesem Palast vorüberging, lag er am Fenster und hielt Maulaffen feil.

Taubmann

Maulaffen ich? Dumme Redensart.

Graf

Nur weiter.

Franz

Er fragte mich, was ich wollte, und ich erwiderte, ich suche einen ehrlichen Erwerb. Da nahm er mich und steckte mich in diese kostbare Livree, gelb mit Silber, ein wahres Wunderwerk. So, gnädiger Herr, hat's sich zugetragen.

Graf (zu Taubmann)

Lass uns allein. (Taubmann ab)

Graf

Komm näher. Du hast dich also in der Welt schon etwas umgesehen, und bist nicht so einfältig, als man dich mir geschildert hat. Nun fasse Mut. Ich kann dich brauchen. Hast du zu Hause ein Liebchen?

Franz

Ich? Nein.

Graf

Wie kommt das?

Franz

Ich weiß wirklich nicht.

Graf

Desto besser, so bist du glücklich und kennst die verwünschten Weiber nicht, die uns ebenso durch ihre Treue wie durch ihre Untreue quälen. Du hast heut Nacht gesehen, wie mich eine verfolgte.

Franz

Ja gnädiger Herr, ich habe es gesehen.

Graf

Das ist so ein kleiner Teufel, der mit aller Gewalt nicht von mir lassen will. Du sollst mich von ihr befreien.

Franz

Ich soll –

Graf

Sei nicht bange. Ich gebe dir nicht den Auftrag, ihr Gift beizubringen oder sie sonst wie beiseitezuschaffen. So grausam bin ich nicht. Du sollst diesem Mädchen den einzigen Fehler, den sie hat, abgewöhnen.

Franz

Und der ist?

Graf

Ihre Treue.

Franz

Wenn ich nur verstände –

Graf

Mit einem Worte, du sollst sie zu deinem Liebchen machen. Auf diese Weise bin ich sie los.

Franz

Zu meinem Liebchen?

Graf

Ich schenke sie dir. (er gähnt) Du musst es nur klug anfangen. Sag' ihr, dass ich heirate. Anfangs wird sie in den Plan nicht einstimmen. Aber du musst nicht ablassen, nicht müde werden. Es kann nicht fehlen, zuletzt wenn sie sieht, dass es mit mir nichts ist, wird sie froh sein, dich zu haben. Und ich werde froh sein, dass ich endlich von ihr befreit bin, denn auf keine andere Weise hat es mir bis jetzt gelingen wollen. Du bist ein gewandter, schlauer Bursche, vielleicht geht's so.

Franz

Aber gnädiger Herr –

Graf

Schweig. Mach' dich gleich ans Geschäft. Gelingt's, so kannst du auf gute Belohnung rechnen. Fängst du's aber dumm an, oder widersetzt du dich, so nimm dich in Acht. Ich lasse dich als Landläufer bestrafen und dich deinen Eltern wieder zustellen. (ab)

Franz

Das ist eine schöne Kommission! Das arme Mädchen! Also das ist die Geschichte des elenden Dinges, das auf den Treppenstufen in Nacht und Nebel zusammengekauert saß? Ach, meine Seele ist voll Mitleid für sie. Ich glaube, ich liebe sie jetzt schon. (sich vorsichtig umsehend) Die großen Herren machen auch schöne Streiche! Da ist so einer, der schenkt junge Mädchen weg, als wenn es faule Birnen wären. Mir nichts, dir nichts krieg ich eine an den Kopf. Vorsichtig Franz! Mit großen Herren ist nicht gut Kirschen essen. Ich will tun, was er gebietet. Ich will hingehen und meine Person, so ausstaffiert, wie sie da ist, ihr antragen.

Taubmann

(aus dem Kabinett kommend) Hier ist ein Kästchen, der Herr befiehlt, du sollst damit zu der Frau Martha gehen. Komm, ich will dir den Weg zeigen.

Franz

Schon gut. (beide ab)

Vierte Szene

Zimmer bei Frau Martha. Früher Morgen. Die Lampe brennt. Frau Martha und Carl beim Frühstück. Gisella im Hintergrund auf einem Ruhebett liegend.

Carl

Es wird schon Tag, Muhme, soll ich die Lampe nicht auslöschen?

Martha

Tu das, mein Sohn. Stelle sie oben auf den Ofensims. Der Klempner muss eine neue Handhabe dran machen.

Carl

Das wird Geld kosten.

Martha

Freilich wird es das. Es ist hübsch von dir, mein Sohn, dass du daran denkst, deiner alten Pflegemutter keine unnötigen Ausgaben zu machen, und dass du dich frühzeitig der Sparsamkeit befleißigst, lobe ich gleichfalls.

Carl

Muhme, bei welchem Regimente diente der Vater?

Martha

Bei dem Regimente Herzogweiler, ich habe es dir schon so oft gesagt.

Carl

Und beim Türkenkrieg focht er?

Martha

Fern an der Grenze fiel er. Als die Kunde davon zu mir kam, setzte ich's bei meinem seligen Mann durch, dass er euch, meine Bruderskinder, ins Haus nahm. Gisella war damals neun und du ein Jahr alt. Seitdem hab' ich euch wie meine eigenen Kinder gehalten, und obgleich ich Witwe wurde und die Pension knapp war, teilte ich mein Stück Brot redlich mit euch.

Carl

Aber du hattest ja eine eigene Tochter, Muhme?

Martha

Die hatte ich.

Carl

Wo ist die geblieben?

Martha

Sie starb.

Carl

Die Leute sagen, sie hätte sich ins Wasser gestürzt, weil ihr Schatz und Liebhaber sie verlassen. Das war einfältig.

Gisella

(hat die letzten Worte gehört, springt auf, umarmt den Knaben und ruft) Nicht wahr Carl, das war einfältig? Sag' es noch einmal.

Carl

Das war einfältig.

Gisella

Uns beide bringt man nicht so leicht unter die Erde. Wir halten besser stand, und viel lieber wollen wir töten, als dass wir uns töten lassen. Wir sind Soldatenkinder.

Martha

(das Frühstücksgeschirr abnehmend) Lass ihn, Gisella, er muss jetzt in die Schule.

Gisella

Oh, nur einen Augenblick noch. Meine Freude und mein Trost ist der Junge. (sie hebt ihn auf den Tisch) Gelt, wenn du einmal so groß sein wirst!

Carl

Dann überrage ich Dich weit.

Gisella

Dann wirst Du mein Beschützer sein. Nicht?