Die neuen Alphafrauen -  - E-Book

Die neuen Alphafrauen E-Book

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Beschreibung

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Frauen wird. Nie waren ihre Chancen besser, nie waren mehr Frauen an der Spitze von Regierungen, Weltkonzernen und wichtigen globalen Institutionen. In diesem Buch stellen wir Ihnen 20 Alpha-Frauen aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vor, porträtiert von den besten Autoren aus der Redaktion der "WELT" und der "Welt am Sonntag". Marissa Mayer beispielsweise, die 37-Jährige, die hochschwanger zur Chefin von Yahoo berufen wurde. Oder Virginia Rometty, die mit der Leitung von IBM gewissermaßen die mächtigste Managerin der Wirtschaftswelt wird. Lesen Sie, wie Lady Gaga zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten unser heutigen Zeit geworden ist und kommen Sie mit uns nach London, wo sich unser Korrespondent unter 450 Frauen zu einer Lesung von  "Shades of Grey" des neuen globalen Superstars E.L. James getraut hat. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre, Ihre Redaktion von "WELT" und "Welt am Sonntag"

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Seitenzahl: 211

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Impressum

Die neuen Alphafrauen

20 beeindruckende Porträts

WELT GRUPPE, Axel Springer AG

published by: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

© Axel Springer AG 2012. Alle Rechte vorbehalten.

ISBN: 978-3-8442-2385-9

Vorwort

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Frauen wird. Nie waren ihre Chancen besser, nie waren mehr Frauen an der Spitze von Regierungen, Weltkonzernen und wichtigen globalen Institutionen.

In diesem Buch stellen wir Ihnen 20 Alpha-Frauen aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vor, porträtiert von den besten Autoren aus der Redaktion der „WELT“ und der „Welt am Sonntag“.   Marissa Mayer beispielsweise, die 37-Jährige, die hochschwanger zur Chefin von Yahoo berufen wurde. Oder Virginia Rometty, die mit der Leitung von IBM gewissermaßen die mächtigste Managerin der Wirtschaftswelt wird. Lesen Sie, wie Lady Gaga zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten unser heutigen Zeit geworden ist und kommen Sie mit uns nach London, wo sich unser Korrespondent unter 450 Frauen zu einer Lesung von  „Shades of Grey“ des neuen globalen Superstars E.L. James getraut hat.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre, Ihre Redaktion von „WELT“ und „Welt am Sonntag“

Inhaltsverzeichnis

Ausgesprochen weiblich: Junge Männer wählen Piraten - und Frauen gewinnen Wahlen. Erst Kramp-Karrenbauer, dann Hannelore Kraft: Weibliche Politik stand noch nie so erfolgreich da wie heute. Denn mit "Gedöns" kommt man an die Macht

Spitzenfrauen sind keine eisernen Ladys: Studie widerlegt den Mythos von der weiblichen Einzelkämpferin

Frauen an die Macht: Weiblich, führungsstark, gesucht. Personalberaterin Christine Stimpel erklärt, warum meistens immer noch Männer das Sagen haben

"Es muss sich lohnen für Unternehmen": Auf der "Welt"-Konferenz über Frauen im Top-Management diskutierten vier Karriere-Frauen über Management im Team, Adventskränze im Kindergarten und Teilzeit für Väter. Die "Welt am Sonntag" dokumentiert Auszüge der Diskussion

Alphafrau mit Betamann: Bei der Debatte um Quotenfrauen wird es oft übersehen: Ob eine Frau es an die Spitze schafft, hängt auch davon ab, was für einen Partner sie hat

Kinder, Küche, Ehrenamt: Frauenförderung ist in den meisten Dax-Konzernen gerade groß in Mode. Privat setzen die Vorstandschefs aber meist auf das traditionelle Modell: Der Mann auf dem Chefsessel, Frau zu Hause bei den Kindern. Dabei sind die Ehegattinnen überwiegend hervorragend ausgebildet und könnten selbst Karriere machen

Die neuen Asiatinnen: Selbstbewusst, erfolgreich, kinderlos: Ein neues Frauenbild erobert den Osten und verändert die Gesellschaften von Grund auf. Das verlangt viel Anpassungsfähigkeit - vor allem von den Männern

Wirtschaft

Marissa Mayer: Die Hoffnungsträgerin  Bei Google kam sie nicht mehr voran. Jetzt wechselt Marissa Mayer als Chefin zu Yahoo. Sie wird die erste amerikanische Konzernlenkerin sein, die im Amt ein Baby bekommt

Mit Kind und Kegel zu Yahoo In einem der spektakulärsten Personal-Coups des Jahres hat das Internet-Urgestein seinem großen Rivalen Google die Spitzenmanagerin Marissa Mayer weggeschnappt

Sheryl Sandberg: Mama Facebook Sie ist nur die Nummer zwei hinter dem juvenilen Gründer Mark Zuckerberg. Beim Börsengang des sozialen Netzwerks wird Sheryl Sandberg aber die Schlüsselrolle spielen

Virginia Rometty: Lady Big Blue Der amerikanische Technologieriese IBM hat schon oft Wandlungsfähigkeit bewiesen. Nun übernimmt Virginia Rometty das Ruder - als erste Frau in der Konzerngeschichte. Rometty wird damit gewissermaßen die mächtigste Managerin der Wirtschaftswelt. Noch nie hat eine Frau ein so großes Unternehmen geleitet

Helena Morrissey: Die Chefin Sie hat neun Kinder und verwaltet ein Vermögen von 51 Milliarden Euro. Jetzt könnte Finanzmanagerin Helena Morrissey auch  noch erreichen, woran Deutschlands Regierung zu scheitern droht: Eine deutliche Erhöhung der Frauenquote in Unternehmensvorständen

Nicola Leibinger-Kammüller: Ausgleich ist Trumpf Maschinenbau ist Männersache? Nicht bei Trumpf. Das Unternehmen ist fest in Familienhand - und die Chefin ist eine Frau.

Plus: Kinder interviewen Leibinger-Kammüller: "Disco fand ich blöd und zu laut"

Anke Schäferkordt: Das Supertalent  Mit ihrer Beförderung steigt die RTL-Chefin endgültig zur mächtigsten Medienmanagerin des Landes

Marion Schick: Die Personalerin Sie war oft die Erste - und hatte stets mit Widerstand zu kämpfen. Mit Charme und Wortwitz ließ sie Kritiker verstummen. Schafft Marion Schick das auch im Vorstand der Telekom?

Susanne Klatten: Frau Klatten und ihr Kohlenstoff-Traum  Deutschlands reichste Frau hat ein Firmengeflecht aufgebaut, in dessen Zentrum ein Material steht: Karbon. Ihre Konzerne BMW und SGL Carbon sollen daraus in spätestens fünf Jahren die leichtesten Autos aller Zeiten bauen

Politik

Angela Merkel, Europas Königin Mit Traumwerten von 85 Prozent Zustimmung in Deutschland ist Angela Merkel heute die wichtigste Stimme des Kontinents

Plus: Die neue Härte der Kanzlerin Innenpolitisch hat Angela Merkel mit dem schroffen Rauswurf Norbert Röttgens ein Zeichen gesetzt. Außenpolitisch droht die ehemalige Königin Europas auf dem G-8-Gipfel isoliert zu werden.

Hannelore Kraft: Die zweite Frau im Staate Hannelore Kraft pflegt ihr Image als Kümmerer. Die Sozialdemokratin ist dennoch reichlich machtbewusst. Damit erinnert sie an Johannes Rau

Plus: "Sie wird die Jungs erst einmal zappeln lassen" Hannelore Kraft möchte noch nicht Kanzlerkandidatin werden. Kein anderer wird es aber ohne ihre Gunst

Viviane Reding: Rastlos in Brüssel Wer sind eigentlich die Leute, die die vielen Vorschriften für Europa machen? Wir haben EU-Kommissarin Viviane Reding einen Tag lang begleitet

Michelle Müntefering:Aus dem Schatten der Ehemänner Nach Doris Schröder-Köpf will jetzt auch Michelle Müntefering Karriere machen - ist das der Hillary-Effekt?

Aung San Suu Kyi: Ernstfall für eine Ikone Birmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ist nach 15 Jahren wieder in Freiheit. Sie erhielt den Friedensnobelpreis, und ihr Leben wurde verfilmt. Doch ist sie noch mehr als ein Pop-Idol? Sicher ist: Eine ganze Supermacht beobachtet Suu Kyi gespannt - China

Gesellschaft

Lady Gaga: The Lady is a Freak - und doch ein Weltstar

Plus: Mach dich unmöglich, aber mach es mit Stil Es gibt kein Leben hinter der Oberfläche: Lady Gaga ist der größte Popstar unserer Tage.

Elizabeth II: God Save the Queen Die englische Monarchin. feiert ihr 60-jähriges Thronjubiläum - eine einzigartige politische und gesellschaftliche Karriere

Heidi Klum: Die Aufsteigerin Das Model ist so, wie sich der Rest der Welt die Deutschen vorstellt - und wie es nur eine kleine Minderheit in Wirklichkeit ist. Sie liebt die Leistungsgesellschaft, wie sie ist

Plus: Die Kämpferin Heidi Klum hat bei Letterman im Fernsehen gejodelt und in einer Wohngemeinschaft mit Kakerlaken gewohnt. Alles für die Karriere.

 Arianna Huffington: "Dreiste Lügen werden schwieriger" Die Chefredakteurin der "Huffington Post" gilt als die erfolgreichste Bloggerin der Welt

 E. L. James: Allein mit 450 Frauen  Alle lesen "Shades of Grey", den Sex-Roman. Die Autorin trat nun in London auf - unser Autor war dabei

Steffi Graf: Die Verschlossene Die Ausnahme-Tennisspielerin führt seit Jahren ein ruhiges Familienleben. Nun muss sie plötzlich wieder öffentliche Termine absolvieren.

Barbra Streisand: Herrscherin in ihrem eigenen Universum Nase des Jahrhunderts und Supermacht des Showbusiness: Barbra Streisand, der größte weibliche Popstar, wird 70

Ausgesprochen weiblich

Junge Männer wählen Piraten - und Frauen gewinnen Wahlen. Erst Kramp-Karrenbauer, dann Hannelore Kraft: Weibliche Politik stand noch nie so erfolgreich da wie heute. Denn mit "Gedöns" kommt man an die Macht

In den ersten 40 Jahren der Bundesrepublik haben Frauen in der Politik keine große Rolle gespielt. Macht wurde von Männern ausgeübt, und dabei blieben die Männer meist unter sich. Natürlich gab es immer wieder auffällige Gestalten wie Hildegard Hamm-Brücher, die als liberale Staatsministerin und Staatssekretärin aus der Bonner Republik nicht wegzudenken ist. Oder Annemarie Renger, die es als Tochter sozialdemokratischer Eltern fertig brachte, sich in der von Männern dominierten SPD der Sechziger und Siebziger Jahre nach oben zu boxen. Doch ein Blick in die Statistik zeigt, dass diese Ausnahmeerscheinungen lange nur die Regel bestätigten. Und die war männlich. Der Anteil weiblicher Abgeordneter im deutschen Bundestag lag seit seiner ersten Sitzung im September 1949 bis in die späten Achtziger Jahre bei unter zehn Prozent.

Heute sind immerhin ein Drittel der Parlamentarier im Reichstag Frauen - und zwar nicht nur deshalb, weil die Grünen vor etwa 25 Jahren die Quote einführten. Wir werden seit fast sieben Jahren ganz selbstverständlich von einer Bundeskanzlerin regiert; auf die Idee, an ihr zu zweifeln, weil sie eine Frau ist, käme heute sicher niemand mehr. Als Heide Simonis im März 1993 zur Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein gewählt wurde, ging dagegen noch ein Raunen durchs Land. Simonis war die erste Landeschefin in der Geschichte der Republik. Ihr tragisches politisches Ende zwölf Jahre später wirft bis heute die Frage auf, ob ein Mann an ihrer Stelle ebenfalls einem solchen Verrat aus den eigenen Reihen zum Opfer gefallen wäre. Und als die Christdemokratin Christine Lieberknecht im Herbst 2009 in Thüringen als Ministerpräsidentin Dieter Althaus ablöste, musste sie sich erst einmal durch zwei demütigende Wahlgänge hindurch kämpfen. Eine Handvoll Männer aus den eigenen Reihen verweigerte ihr damals die Unterstützung. Es ging den Heckenschützen offenbar nicht darum, sie als Ministerpräsidentin zu verhindern. Man wollte ihr aber zeigen, wo der Hammer hängt.

Mit solchen, im eigenen Lager gelegten Hinterhalten mussten sich Annegret Kramp-Karrenbauer und Hannelore Kraft in diesem Jahr nicht mehr herumschlagen. Im Gegenteil. Es wurde gar nicht mehr versucht, den Aufstieg der saarländischen Christdemokratin und der nordrhein-westfälischen Sozialdemokratin zu behindern. Dass aber gleich zwei Spitzenkandidatinnen in höchst unterschiedlich gestrickten Ländern und Parteien imposante Wahlerfolge hinlegen und ihre männlichen Konkurrenten geradezu deklassieren, lässt aufhorchen. Der einstige SPD-Hoffnungsträger Heiko Maas hat seine klare Niederlage bis heute nicht verwunden; Norbert Röttgen scheiterte gleich an zwei Machtpolitikerinnen; erst an Kraft, dann an Merkel. Vor zehn Jahren noch, in der "fortschrittlichen" rot-grünen Koalition, wurden Frauen auf Ministerebene von Kanzler Schröder höchstens mit weichen Themen und gefühligem "Gedöns" betraut. Heute liegt im "Gedöns" der Schlüssel zum politischen Erfolg.

Junge Männer mögen momentan Piraten wählen, aber Frauen haben heute die Macht. Merkel und Kraft sind die tragenden Säulen der deutschen Politik. An ihnen hängt die Zukunft des Landes - und sie entscheiden nebenbei über die Karriere unzähliger männlicher Politaspiranten. Frauen standen in der deutschen Politik noch nie so glänzend da wie heute. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: In den vergangenen Jahren hat sich ein männlicher Hoffnungsträger nach dem anderen in die Büsche geschlagen oder um Kopf und Kragen geredet. Ironischerweise übrigens oft mit dem ausdrücklichen Wunsch nach mehr Privatleben, einer Forderung, die man früher eher bei Frauen vermutete. Zum anderen genießen gestandene Frauen wie Kramp-Karrenbauer und Kraft offenbar auch einen Vertrauensvorschuss im Wahlvolk, den männliche Mitbewerber nicht abrufen können. Der Typ des kühlen Krisenmanagers, des Machos in Nadelstreifen, ist nicht mehr gefragt. Das Versprechen aber, sich nach der Wahl noch genauso um Land und Leute zu kümmern wie vorher, steht dagegen hoch im Kurs.

Ist "Kümmern" nun schon weibliche Politik? Die Idee ist wahrlich nicht neu. Schon Johannes Rau erzielte mit seiner "Wir in NRW"-Rhetorik, seinem Versprechen von Fairness und Leben-und-leben-lassen, phänomenale Ergebnisse. Nach den ökonomisch wohl notwendigen, menschlich aber eher kühlen Schröder- und Steinbrück-Jahren hat Kraft die im Grunde uralte Idee des mitfühlenden Sozialdemokratismus revitalisiert. Man nimmt ihr die Rolle der Kümmerin ab. Wird Angela Merkel in den eigenen Reihen in einer Mischung aus Furcht und Respekt inzwischen fast nur noch "Mutti" genannt, ist von Hannelore Kraft inzwischen ironisch-respektvoll als "Mutter Beimer" die Rede. 25 Prozent der Deutschen halten sie bereits für eine geeignete SPD-Kanzlerkandidatin. Steinbrück und Steinmeier liegen nur bei je 21 Prozent.

Doch Kraft wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie sich als Kandidatin für 2013 in Stellung brächte. Denn im Bund würde sie nicht gegen einen unentschiedenen Norbert Röttgen kandidieren, sondern gegen die Kanzlerin, die den Erfolg der Krafts und Karrenbauers erst entscheidend mit ermöglicht hat. Ohne Angela Merkels Vorbild an Machtwillen und Machterhalt ist der rasante Aufstieg der anderen Frauen kaum denkbar. Das aus heutiger Sicht bestmögliche Abschneiden der SPD würde es Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück oder Frank Walter Steinmeier auch höchstens erlauben, als Vizekanzler neben Merkel Platz zu nehmen. Wer den Zuschlag erhält, werden die Herren wohl unter sich ausmachen - Merkel und Kraft kann das am Ende fast egal sein.

In vier Jahren sieht die Sache freilich anders aus. Sollte eine Wahlgewinnerin und Landesmutter namens Hannelore Kraft dann gegen eine Kanzlerin Angela Merkel antreten, die bereits länger als ein Jahrzehnt im Amt wäre, hätte die SPD vermutlich gute Chancen. Am sozialdemokratischen Stammtisch heißt es bereits, gegen Mutti im Kanzleramt könne man am besten mit Mutter Beimer antreten. So oder so: Die Zukunft der deutschen Politik scheint zurzeit ausgesprochen weiblich.

Von Claus Christian Malzahn, erschienen am 18. Mai 2012.

Spitzenfrauen sind keine eisernen Ladys

Studie widerlegt den Mythos von der weiblichen Einzelkämpferin

Frauen mit Top-Ausbildung unterstützen weibliche Untergebene mehr als Männer. Das ist nicht zuletzt zum eigenen Nutzen: Wer andere fördert, steigt selbst schneller auf

Manche Bilder sind einfach zu platt, um wahr zu sein. Das von den Bienen-Königinnen unter den Managerinnen ist so eines. Die Parallele zur Tierwelt geht folgendermaßen: Ein Bienenvolk kann immer nur eine Königin haben, diese duldet keinerlei Konkurrenz neben sich und schwächt ihre Artgenossinnen mit gefährlichen Stichen. Das ist so eingängig wie falsch. Frauen in Spitzenpositionen von Unternehmen fördern sehr wohl andere Frauen. Sie fördern sie sogar besonders häufig. Das belegt eine aktuelle Studie des internationalen Forschungsnetzwerks Catalyst, die der "Welt" exklusiv vorliegt.

"Das Bienenköniginnen-Syndrom ist ein Mythos, den wir mit unserer Studie widerlegen", sagt Christine Silva. Sie ist eine von drei Autorinnen der Untersuchung, für die ehemalige Absolventen von 26 führenden Business-Schools in Asien, Kanada, Europa und den USA befragt wurden. "Hochqualifizierte Frauen stechen eben nicht bei anderen Frauen zu. Im Gegenteil: Mit höherer Wahrscheinlichkeit als Männer fördern sie ihre Geschlechtsgenossinnen."

Die Untersuchung kratzt am lange gehegten Bild der stutenbissigen Chefin, der Meryl Streep im Film "Der Teufel trägt Prada" ein Denkmal setzte. Sie spielt - Ähnlichkeiten mit der legendären Vogue-Herausgeberin Anna Wintour sind gewollt - die eiskalte Chefin einer amerikanischen Modezeitschrift. Unerbittlich gegen sich selbst und ihre Mitarbeiterinnen verteidigt sie ihre Macht. Auch die britische Premierministerin Margaret Thatcher galt vielen als lebendiger Beweis für die Theorie von den Bienenköniginnen. Die "eiserne Lady" förderte keine Frauen. In ihrer elfjährigen Regierungszeit berief sie ein einziges Mal eine Dame, Baroness Janet Young, in ihr mehr als 20-köpfiges Kabinett.

Den neusten Erkenntnissen zufolge, hat sie damit nicht zuletzt sich selbst geschadet. Denn, wer andern beim Aufstieg behilflich ist, nutzt auch sich selbst. Teile dieses Nutzens sind sogar messbar: Laut Catalyst stieg das Gehalt von bekennenden Mentoren in den Jahren 2008 bis 2010 um mehr als 25.000 Dollar stärker als bei den Einzelkämpfern. Als Grund vermuten die Wissenschaftler, dass mit der Förderung von anderen die eigene Sichtbarkeit im Unternehmen steigt, und damit die Chance, befördert zu werden. Denkbar ist auch, dass ehemalige Mentees als loyale Mitarbeiter und Kollegen den eigenen Aufstieg befördern.

Die Wissenschaftler haben eine repräsentative Gruppe von über 700 MBA-Studenten von Top-Universitäten befragt, die zwischen 1996 und 2007 ihren Abschluss gemacht haben. Sie unterscheiden zwischen verschiedenen Stufen der Karrierehilfe: Vom guten Rat bis zum echten "Türöffner", der sein Wort für seinen Kandidaten bei der Besetzung von Posten einlegt.

Wer selbst solche Türöffner hatte, setzt sich später mit 66-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch für den Aufstieg anderer ein. Unter den Einzelkämpfern werden dagegen nur 42 Prozent zu aktiven Förderern. Hier liegen Frauen und Männer gleichauf. Schaut man auf sämtliche Stufen der Hilfe - also auch gute Ratschläge, ein offenes Ohr bei Problemen oder die Vorbildfunktion - sind Frauen engagierter als Männer. Hier bringen sich 65 Prozent der Frauen ein, aber nur 56 Prozent der Männer. Es lohnt ein Blick auf die Paarung der Geschlechter: Frauen fördern - allen Vorurteilen zum Trotz - ganz überwiegend Frauen. 73 Prozent der Mentorinnen wählten Schützlinge des gleichen Geschlechts. Ähnlich verhielten sich übrigens die Männer. Auch sie förderten zu 70 Prozent Männer - und nur zu 30 Prozent Frauen.

Daran liegt es auch, dass die Frauen es mit dem Aufstieg in die Vorstände und Aufsichtsräte bisher so schwer haben. Deutsche Chefetagen sind bis heute überwiegend Männerzirkel. Da sind die ersten Frauen, die aufsteigen, zwangsläufig anders als die anderen. Wäre aber einmal eine "kritische Masse" erreicht, dürfte das Geschlecht zur Abgrenzung eine immer geringere Rolle spielen.

Von Inga Michler, erschienen am 12. Juni 2012

Frauen an die Macht

Weiblich, führungsstark, gesucht. Personalberaterin Christine Stimpel erklärt, warum meistens immer noch Männer das Sagen haben

Top-Headhunterin Christine Stimpel (M. Lengemann)

Seit vier Jahren steht Christine Stimpel an der Spitze der Personalberatung Heidrick & Struggles Executive Search. Von Düsseldorf aus leitet sie die deutsche Tochter des US-Unternehmens mit bundesweit rund 70 Mitarbeitern. Im Interview berichtet die 49-Jährige über das diskrete Geschäft der "Head Hunter", die Chancen von Frauen und ihren eigenen Aufstieg.

Frau Stimpel, wie hoch muss eine Position jährlich dotiert sein, bevor Sie zum Telefonhörer greifen?

Christine Stimpel: Das beginnt bei rund 200 000 Euro. Darunter lohnt sich ein so aufwendiges Verfahren, das ja auch einiges kostet, in der Regel nicht. Wir müssen für unsere Auftraggeber in den großen Firmenteichen sozusagen die Goldfische identifizieren.

Und wie machen Sie das?

Stimpel: In der Regel kann man Fachkräfte überhaupt erst ab einer bestimmten Ebene identifizieren. Denn diese müssen ja schon aufgefallen sein und erste Erfolge vorweisen können. Erst dann kann man sich ja bei ehemaligen Kollegen und Vorgesetzten über diese Kandidaten informieren.

Wie viele Kandidaten nehmen Sie zur Besetzung einer Führungsposition in Augenschein?

Stimpel: Wenn wir einen Vorstand, Geschäftsführer, Aufsichtsrat oder auch den Leiter für einen wichtigen Bereich suchen, kommen in die erste Auswahl im Schnitt an die 50 Personen. Persönliche Interviews führen wir dann mit sieben bis acht Kandidaten. Von denen in der Schlussrunde dann drei bis vier übrig bleiben. Wobei heute übrigens immer mehr unserer Auftraggeber darauf bestehen, dass in der Schlussrunde immer auch möglichst eine Frau dabei ist.

Dann steht es ja um die Chancen für Frauen in Führungspositionen gar nicht so schlecht, oder?

Stimpel: In bestimmten Bereichen nicht, wenn ich etwa an Personalwesen, Marketing und Kommunikation denke. Auch in der Konsumgüter-Industrie findet man mittlerweile einige Frauen in Führungspositionen. In NRW etwa fällt mir dazu die Henkel-Managerin Tina Müller ein, die im Konzern für das weltweite Haarkosmetik-, Gesichts- und Mundpflege-Geschäft verantwortlich ist.

Aber vor allem in der Industrie findet man ganz oben aber kaum Frauen. Liegt das an der sogenannten gläsernen Decke, an die Frauen auf der Karriereleiter irgendwann stoßen sollen? Zumindest hört man häufig von dieser unsichtbaren Schranke, die in den USA in den 80er-Jahren als "glass ceiling" definiert wurde.

Stimpel: Meiner Einschätzung nach gibt es diese Decke nicht. Es ist jedoch gerade im industriellen Bereich so, dass es dort schon auf der mittleren Ebene nur wenige Frauen gibt. Dementsprechend ist die Chance eher gering, aus diesem Pool an die Spitze aufzusteigen.

Und warum ist das auf der mittleren Managementebene so?

Stimpel: Viele Frauen wählen andere Karrieren, etwa in den freien Berufe. Unter den selbstständigen Ärzten, Rechtsanwälten und Notaren finden Sie relativ viele Frauen. Dort muss man sich nicht wie in großen Firmen, von denen viele ja in der Tradition militärischer Organisationen gegründet wurden, über Jahrzehnte hinweg gegen viele Mitbewerber durchsetzen.

Was müssen denn Frauen für Eigenschaften vorweisen, um es in solchen Hierarchien ganz nach oben zu schaffen?

Stimpel: Neben einer guten Ausbildung und möglichst Auslandserfahrung müssen sie Durchsetzungsfähigkeit und auch Beharrlichkeit mitbringen. Zudem muss man ein tiefes Verständnis für die Strukturen mitbringen oder entwickeln.

Das müssen Männer aber auch.

Stimpel: Eben, die  Voraussetzungen für Männer und Frauen sind die gleichen.

Konzerne wie die Deutsche Telekom und Axel Springer wollen Frauen gezielt stärker fördern. So will die Telekom bis 2015 rund 30 Prozent der Spitzenpositionen mit Frauen besetzten. Und Axel Springer möchte den Anteil an Frauen von aktuell 16 Prozent auf allen Führungsebenen in den nächsten fünf bis acht Jahren im Unternehmensdurchschnitt verdoppeln. Glauben Sie, dass diese Ziele zu schaffen sind?

Stimpel: Ich weiß, dass es die Telekom sehr ernst damit meint. Dort gibt es ja Programme zu Mentoring, interner Förderung und vieles mehr. Und ich denke, dass das bei Axel Springer ähnlich läuft, ich habe gehört, dass das Unternehmen sogar mit einem Preis für die Förderung von Chancengleichheit ausgezeichnet wurde.

Unter den Dax-Konzernen hat zwar Siemens zwei Frauen im Vorstand, und bei E.on gibt es seit kurzem auch ein weibliches Vorstandsmitglied. Wann aber wird eine Frau den ersten deutschen Dax-Konzern führen?

Stimpel: Innerhalb der nächsten zwei Jahre sehe ich das noch nicht, aber vielleicht innerhalb der nächsten fünf Jahre. In den wichtigen Aufsichtsräten gibt es ja schon eine Reihe von Frauen, die dort vertreten sind. Etwa Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach oder Nicola Leibinger-Kammüller von der schwäbischen Trumpf-Gruppe. Und hier in Düsseldorf Simone Bagel-Trah, die bei Henkel den Aufsichtsrat leitet. Im Übrigen wird der künftige Mangel an Fachkräften dafür sorgen, dass man qualifizierte Frauen noch stärker umwerben wird.

Sind Spitzenkarrieren denn mit Familie und Kindern vereinbar?

Stimpel: Das geht durchaus, ich kenne da auch einige Beispiele. Man muss sich und seine Familie natürlich sehr gut organisieren können. Das muss eine Führungskraft aber sowieso beherrschen. Und bei der guten Bezahlung von Spitzenjobs ist ja auch eine entsprechende Kinderbetreuung machbar. In Ländern wie den USA oder auch Frankreich funktioniert das übrigens viel selbstverständlicher.

Sie haben bei Heidrick & Struggles eine Befragung von 260 weiblichen Führungskräften in Deutschland durchgeführt. Was kam heraus?

Stimpel: Viele Frauen vermissen spezielle Mentoring-Programme oder andere Trainingsmaßnahmen, die eine Vorbereitung auf einen Top-Job darstellen. Hier kann sicher noch mehr getan werden, im Übrigen für alle Top-Nachwuchskräfte, nicht nur für Frauen.

Kommen wir zu Ihnen: Sie sind die einzige Frau in Deutschland, die ein großes Beratungsunternehmen leitet. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis, wie haben Sie es an die Spitze von Heidrick & Struggles geschafft?

Stimpel: Nach meinem Studium und der Dissertation im Fachbereich Mikrobiologie habe ich mich in der Pharma-Industrie beworben und landete dann im Bereich Entwicklung. Später wechselte ich dann ins Marketing und machte deshalb noch meinen MBA. Schließlich wurde ich in die Beratung abgeworben, wo ich seit 2000 als Geschäftsführerin tätig bin. Und seit 2006 bei Heidrick & Struggles.

Mussten Sie sich im Laufe Ihrer Karriere gegen Männer behaupten?

Stimpel: Ich musste mich eigentlich nicht gegen Männer durchsetzen, ich musste lernen, sie zu verstehen; zum Beispiel hinsichtlich der Gruppendynamik und der Verhaltensweisen in Konfliktsituationen. Heute muss ich als Geschäftsführerin vor allem meine Kollegen und Mitarbeiter zu Top-Leistungen bringen und das Team zusammenbringen und zusammenhalten.

Führungskräften können schlecht vom Job abschalten, heißt es. Wie ist das bei Ihnen?

Stimpel: Es ist schon so, dass Sie ein Spitzenjob rund um die Uhr beschäftigt und sie immer über Aufgaben und ihre Lösung nachdenken. Die wirklich Erfolgreichen bedauern das aber überhaupt nicht, ist meine Erfahrung. Wenn man dann in Urlaub geht, braucht man aber schon etwas Zeit, bis man langsam etwas die Energie herunterfährt. Ich selber schaffe es meist am dritten Tag, das Handy mit den E-Mails auch einmal auszuschalten.

Interview: Guido Hartmann, erschienen am 26. September 2010

"Es muss sich lohnen für Unternehmen"

Vier erfolgreiche Frauen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft  diskutieren auf der WELT-Konferenz über Frauen im  Top-Management (Christian Kielmann)

Auf der "Welt"-Konferenz über Frauen im Top-Management diskutierten vier Karriere-Frauen über Management im Team, Adventskränze im Kindergarten und Teilzeit für Väter. Die "Welt am Sonntag" dokumentiert Auszüge der Diskussion

Die vier Frauen auf dem Podium haben es geschafft: Sie sind oben angekommen in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Und sie sind überzeugt: Unternehmen und Gesellschaft müssen sich ändern, damit sie in den Chefetagen nicht allein unter Männern bleiben.

Kinder gelten für Frauen in Deutschland noch immer als Karriere-Killer Nummer eins. Frau Achleitner, wie ist es Ihnen ergangen? Drohte für Sie als Wissenschaftlerin mit der ersten Schwangerschaft der Karriereknick?

Ann-Kristin Achleitner: Nein - aber das Erstaunen war groß. Mein ältester Sohn ist jetzt zwölf Jahre alt. Als ich damals meinem wirklich netten Dekan erzählte, dass ich schwanger bin, schaute der mich fassungslos an und fragte: Wie, du bist schwanger? Und du bekommst es selber? Na ja, die einzige arbeitende Kollegin, die er kannte, hatte ihre Kinder adoptiert. Mutter und Wissenschaftlerin, das passte nicht in sein Rollenmodell. Zum Glück hatte ich damals schon meinen Lehrstuhl und damit eine gewisse Freiheit, wie ich mich selber organisiere. Das hat alles vereinfacht.

Frau Koch-Mehrin, Sie haben in Ihrer zweiten Schwangerschaft die Flucht nach vorn angetreten und sich mit Babybauch fotografieren lassen. Können Kinder in der Politik sogar ein Karriere-Beschleuniger sein?

Silvana Koch-Mehrin: Ich glaube, nein. In der obersten politischen Ebene fällt mir mit Ursula von der Leyen eine einzige Frau ein, die Kinder hat. Und mit Kristina Schröder eine weitere, die jetzt ein Kind bekommen wird. Als ich nach der Europawahl 2004 zum zweiten Mal schwanger wurde, waren die Reaktionen schon sehr heftig. Entweder hieß es: Du kannst dich doch nicht wählen lassen und dann deinen Job nicht richtig machen. Oder: Wie unverantwortlich von dir, so eine Arbeit kann man seiner Familie nicht antun. Beides fand ich anmaßend und wollte es nicht unbeantwortet lassen. In der Kampagne für die Wahl wurde mein Konterfei in Deutschland über 200 000-Mal plakatiert. Damit war ich eine öffentliche Person geworden. Deshalb habe ich eine öffentliche Antwort gewählt und ein unübersehbares Statement gemacht: eine schwangere Frau, die sich bekennt, Karriere machen zu wollen. Das war meine Antwort.

Frau Favoccia, internationale Großkanzleien sind bekannt für ihre extremen Arbeitszeiten. Können bei Ihnen engagierte Mütter und Väter Karriere machen?

Daniela Favoccia: Ja. Nur ein Beispiel: Wir  haben jüngst eine hochschwangere Kollegin eingestellt. Uns war klar, dass sie weiterarbeiten will und dass sie ehrgeizig ist, sonst wäre sie nicht zum Bewerbungsgespräch gekommen. Bei uns gibt es inzwischen verschiedene Teilzeit- und Jahresarbeitszeitmodelle, und zwar ohne Abstriche bei den Karrierechancen. Wir haben auch einige junge männliche Kollegen mit exzellenter Ausbildung, die Teilzeit arbeiten, weil sie ihre Kinder nach der Geburt intensiver erleben wollen. Für die Frauen ist das ein Katalysator. Teilzeit-Modelle sind plötzlich kein Frauen-Thema mehr, sondern ein gesellschaftliches Thema.

Claudia Nemat: