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Kurz vor der Geburt: wie können in vielen Fällen Eingriffe wie Vakuumextraktionen, Forzepsentbindungen (lat. Forzeps = Zange) und Kaiserschnitte vermieden werden? Hebammenwissen aus Neuseeland liefert hier wichtige Hinweise: Auf der Basis klinischer Beobachtung, dem Studium alter Hebammenlehrbücher und eingehender Beschäftigung mit der Geburtsmechanik entwickelte die neuseeländische Hebamme Jean Sutton eine einfache Methode, wie Schwangere allein durch Körperarbeit (einfache Übungen und Haltungsänderungen) ihr Kind dazu bewegen können, gegen Ende der Schwangerschaft die optimale Lage für eine natürliche Geburt einzunehmen. o Übungen gegen Ende der Schwangerschaft o Haltungen, die gegen Ende der Schwangerschaft vermieden werden sollten. o Gebärhaltungen zur Optimierung der Kindslage o Haltungen, die während der Geburt vermieden werden sollten. Keine Änderungen gegenüber der Vorauflage.
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Seitenzahl: 73
Veröffentlichungsjahr: 2013
Jean Sutton Pauline Scott
Die Optimierung der Kindslage
Übersetzt von Jenny K. Toussaint
3., unveränderte Auflage
20 Abbildungen
„Die Optimierung der Kindslage“ wurde von den Autorinnen veröffentlicht, um allen, die in der Geburtshilfe tätig sind, zu helfen, das Konzept der optimalen Kindslage zu verstehen. Die vorgestellten Methoden sind als Ergänzung zur normalen Schwangerenbetreuung gedacht und treffen möglicherweise nicht auf alle Frauen und alle Schwangerschaften zu. Insbesondere kann es medizinische Gründe geben, bei denen die vorgestellten Methoden ein Sicherheitsrisiko für die Frau und/oder ihr ungeborenes Kind beinhalten. In jedem Fall empfehlen wir schwangeren Frauen, ihre professionellen geburtshilflichen BetreuerInnen zu konsultieren. Die Autorinnen übernehmen keine Verantwortung für Verletzungen oder Schäden, die Frauen bzw. Neugeborene während Schwangerschaft, Geburt oder zu anderen Zeitpunkten erleiden können.
Allen Frauen und Kindern gewidmet, die uns ein besseres Verständnis des Geburtsprozesses ermöglicht haben.
„So wie wir den Blumen vertrauen, sich dem neuen Leben zu öffnen, so können wir der Geburt vertrauen“, lautet ein anonymes Zitat. Wie schön wäre das!
Für viele Frauen, besonders für diejenigen, die ihr erstes Kind bekommen, zerbricht die Vorstellung einer ganz normalen, unkomplizierten Geburt, wenn während der Wehen entdeckt wird, dass sich der Fetus in der hinteren Hinterhauptslage (h. HHL) befindet. Die Wahrscheinlichkeit einer medikalisierten Entbindung rückt bedrohlich näher und der Traum von einer schönen Geburt ist geplatzt.
Dieser Fall ist nicht selten. Denn wenn sich 50 Prozent der Babys in der häufigsten Lage, der vorderen Hinterhauptslage (v. HHL) befinden, ist klar, dass die anderen 50 Prozent nicht in einer optimalen Position für die Geburt sein können. Bei einigen davon wird dies allein aufgrund komplizierender medizinischer Faktoren (Placenta praevia, EPH-Gestose, Steißlage usw.) so sein.
In einem hohen Prozentsatz dieser Fälle handelt es sich um okzipito-posteriore Schädellagen. Wie oft fühlen wir uns hilflos, wenn wir Frauen begleiten, die eine protrahierte Geburt mit quälenden Rückenschmerzen erleben? Wir können dann wenig mehr als Schmerzmittel und Geduld anbieten, während wir uns dem (meist) unvermeidbaren Ende, dem Kaiserschnitt, der Zangengeburt bzw. Vakuumextraktion, nähern. Oft gleicht der Kreißsaal dann weit mehr einer Intensivstation als einem Ort, an dem das neue Leben gefeiert wird.
Dieses Buch sucht nach den Gründen für den hohen Prozentsatz der Fehlhaltungen von Feten in der modernen Geburtshilfe, damit Hebammen, Physiotherapeuten, Ärzte und all diejenigen, die sich um die Gesundheit und das Wohlergehen der Schwangeren und ihrer Babys bemühen, die „Geburtsergebnisse“ wirklich verändern und die inakzeptabel hohen Raten der medikalisierten Geburten verringern können. Dann nämlich könnten Frauen die Geburtserfahrungen machen, die sie sich erhoffen und wünschen. Das Vertrauen in die Geburt wie in die Öffnung einer Blüte wird nicht länger ein frommer Wunsch bleiben, sondern ein realistisches Ziel.
Jean Sutton
Pauline Scott
Vorwort
Grundlagen
Ausgangssituation
Anatomische und physiologische Gesichtspunkte
Mögliche Geburtsverläufe
Faktoren, die die hintere Hinterhauptslage begünstigen
Praxis
Die Position des Feten in der Spätschwangerschaft
Ermutigung des Feten zur optimalen Lage
Haltungen, die gegen Ende der Schwangerschaft vermieden werden sollten
Gebärhaltungen
Haltungen, die während der Geburt vermieden werden sollten
Korrigierbare Fehlhaltungen des Kindes bei vorderen Hinterhauptslagen
Asynklitismus
Vorliegen einer Hand
Vorliegen eines Armes
Komplikationen der hinteren Hinterhauptslagen
Warum ist die Optimierung der Kindslage so wichtig?
Fallbeispiele
Schlussfolgerung
Anhang
Nachwort der Übersetzerin
Die Autorinnen
Literatur
Sachregister
Die Position des Kindes im weiblichen Becken am Ende der Schwangerschaft hat einen großen Einfluss auf den Geburtsprozess. Daher ist es sinnvoll, den Feten schon vor Wehenbeginn zu ermutigen, sich in die günstigste, d. h. die okzipito-anteriore Schädellage zu begeben, da in dieser Position die Wahrscheinlichkeit medizinischer Interventionen verringert wird.
Die Fehlhaltungen des kindlichen Kopfes im mütterlichen Becken können vor der Geburt schon zu Problemen führen (Übertragung), aber auch während der Eröffnungs- und Austreibungsphase (eine verzögerte Geburt mit Rückenschmerzen erfordert oft Schmerzmittel, was wiederum die Chance einer geburtshilflichen Operation erhöht) sowie im Wochenbett (der Prozess des Bonding und das Stillen sind oft erschwert, wenn Mutter und Baby sich von der Geburt erholen müssen).
All denjenigen, die in der Geburtshilfe tätig sind, sind die Probleme der kindlichen Fehlhaltungen, speziell der okzipito-posterioren Lage im Becken, bekannt. Bisher wurde die okzipito-posteriore Lage unter der Geburt als „Pech“ für die Frau betrachtet, besonders wenn es sich um das erste Kind handelte. Abgesehen von der Ermutigung, sich auf allen vieren während der Wehen zu bewegen, damit das Kind sich im Becken drehen kann, gab es keine praktikablen Ratschläge, wie man die hintere Hinterhauptslage von vornherein vermeiden könnte, d. h. noch bevor der Fetus am Ende der Schwangerschaft in den Beckeneingang eintritt.
Die Optimierung der Kindslage ist der Terminus, der von BIRTH CONCEPTS geprägt wurde, um die günstigste Position, die das Baby vor Wehenbeginn einnehmen kann, zu beschreiben.
Mit Hilfe dieses Konzepts können Hebammen lernen, wie sie die Chancen auf eine spontane und effiziente Geburtserfahrung bei den von ihnen betreuten Frauen erhöhen können. Nicht nur die Frau profitiert von einer normalen, unkomplizierten Entbindung, auch das Baby übersteht bei optimaler Lage seine Reise durch das mütterliche Becken ohne ein übermäßig großes Trauma. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist auch die wesentlich größere Zufriedenheit der Hebammen, wenn der Stress, der bei verlängerten und schwierigen Geburten entsteht, verringert wird.
Es ist beunruhigend, dass die Rate der geburtshilflich assistierten Geburten in den meisten westlichen Industrieländern steigt. Obwohl die sogenannte Aktive Geburt seit den frühen 80-er Jahren propagiert wird, heißt das noch lange nicht, dass diese auch im großen Rahmen praktiziert wird.
An den wenigen Orten, an denen zur Aktiven Geburt ermutigt, und diese auch verstanden und praktiziert wird, reduziert sich die Rate der medikalisierten Geburten in der Regel. Das gilt besonders für Frauen, die sich während der Schwangerschaft auf eine Aktive Geburt vorbereiten. Die Idee der Aktiven Geburt verhilft Frauen dazu, aktive Gebärende zu werden. Sie werden ermutigt, sich über Wahlmöglichkeiten unter der Geburt zu informieren und ihre Entscheidungen bei denen, die sie betreuen, auch durchzusetzen. Die Frauen lernen aktive und aufrechte Stellungen sowie Bewegungen für die Geburt kennen, die den Geburtsprozess fördern. Jedoch ist es rätselhaft, dass, während sich die Ergebnisse durch das Konzept der Aktiven Geburt verbessern, noch immer so viele Babys in der okzipito-posterioren Lage bleiben – so dass die Geburten schwieriger sind und ein erhöhter Bedarf an Interventionen besteht. Hier nun greift das Konzept der Optimierung der Kindslage, da es die Rate der unkomplizierten, physiologischen Geburten erhöht, sobald nach seinen Prinzipien gehandelt wird.
Die Optimierung der Kindslage läßt sich besser verstehen, wenn wir das Leben der modernen Frau in den westlichen Industrieländern betrachten. Das Bild wird klarer, wenn wir uns die Korrelation zwischen dem Wandel des Lebensstils während der letzten 20 Jahre und den gleichzeitig zunehmenden Fehlhaltungen des Feten im weiblichen Becken vor Augen führen. Hier kann die Optimierung der Kindslage unser Verständnis und unser Vorgehen bei der Aktiven Geburt vertiefen und die viel zu häufig vorkommenden Fehlhaltungen am Ende der Schwangerschaft verringern.
Durch die Integration unserer Methode zur Optimierung der Kindslage in die Ausbildung von Hebammen und GynäkologInnen sowie in die Schwangerenvorsorge und Geburtsvorbereitung kann das Baby durch die Körperarbeit seiner Mutter aktiv dazu ermutigt werden, sich in die optimale Position für die Geburt zu bringen, so dass die Geburtserfahrung für alle Beteiligten unkompliziert und schöner wird.
Die günstigsten Lagen, die der Fetus vor Wehenbeginn einnehmen kann, sind die okzipito-anterioren Lagen. Von diesen Lagen ist die erste vordere HHL (links) die häufigste. Der Grund dafür ist, dass die Gebärmutter ab der 36. Schwangerschaftswoche (SSW) mit dem Fundus nach vorne und leicht nach der rechten Seite des Abdomens hin geneigt ist.1 Der Rücken des Feten lehnt sich an die Wölbung der mütterlichen Bauchwand an. Aufgrund des Gewichts des kindlichen Rückens kann sich der Kopf des Kindes beugen und sich korrekt ausrichten, so dass der Scheitel (Vertex) zunächst etwas seitlich in den Beckenrand eintritt und dann in die okzipito-anteriore Position rotiert. Dies ist die optimale Position für eine normale, unkomplizierte Geburt.
Hin und wieder liegt der Fötus in der zweiten okzipitoanterioren Position (rechts). Liegt der Fetus mehr zur Seite hin als nach vorne, steigen die Chancen, dass er sich nach hinten dreht.
Wenn der Fetus vor der Geburt oder bei Geburtsbeginn im hinteren Teil des mütterlichen Beckens liegt (okzipito-posterior), kann der Geburtsprozess anomal verlaufen. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn sich der Fetus auf der rechten Seite der Gebärmutter befindet (zweite Lage). In dieser Position liegt der Fetus mit seinem Rücken in der lumbalen Krümmung der mütterlichen Wirbelsäule. Dies führt dazu, dass – zusammen mit dem Gewicht des fetalen Rückens – sich der Hals des Feten strecken und eine gerade (indifferente Haltung) oder Deflektionshaltung annehmen muss. Weil der Kopf deflektiert ist, präsentiert sich der Scheitel am Beckeneingang mit einem größeren Umfang als bei einem Kind in der vorderen, okzipito-anterioren Lage (s. ▶1 und 2).
Kann der Kopf nicht in den Beckeneingang eintreten oder kann er nicht in die okzipito-anteriore Lage rotieren, nachdem er eingetreten ist, hat dies häufig eine assistierte Geburt zur Folge.
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