Die Praktikantin - Yannik Mahr - E-Book
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Die Praktikantin E-Book

Yannik Mahr

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Beschreibung

"Never fuck the company!"

Als der ehrgeizige Journalist Johann Walder zum Gespräch mit dem Firmengründer von Michelsen Media gerufen wird, glaubt er, am Ziel seiner Träume zu sein. Seine Verlobte Marie, Tochter aus bestem Hause, glaubt das auch und lädt eilig ihre illustren Freunde zu einer spontanen Party, um gebührend auf diesen Karrieresprung anzustoßen. Doch Unternehmenschef Prof. Michelsen schickt Walder nicht etwa an die Spitze der renommierten Metro-News mit ihren täglich 800.000 Lesern, sondern in die Provinz. Das lässt sich seine ehrgeizige Verlobte natürlich nicht bieten. Vor aller Welt brüskiert, gibt sie ihm den Laufpass.

Walder, betrogen und verlassen, wird Chefredakteur der Wützener Zeitung, eines Käseblattes, das nicht einmal Seitenzahlen hat. Eben noch im modernsten Newsroom des Landes, sitzt er plötzlich in einem heruntergekommenen Zeitungshaus ohne eigenes Büro – zusammen mit einer Handvoll mehr oder weniger männlicher Redakteure, von denen jeder einzelne sein Vater sein könnte, und die alle nur ein Ziel haben: so wenig wie möglich zu arbeiten. Doch dann betritt die neue Praktikantin Elisabeth die Szene, und mit der hübschen Nachwuchsjournalistin nimmt die turbulente Geschichte erst richtig Fahrt auf …

„Nichts als die Wahrheit, schreiend komisch, herrlich politisch unkorrekt.“ Capital.

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Seitenzahl: 328

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Yannik Mahr

Die Praktikantin

Roman

Aufbau-Verlag

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Impressum

ISBN E-Pub 978-3-8412-0198-0

ISBN PDF 978-3-8412-2198-8

ISBN Printausgabe 978-3-7466-2520-1

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, 2010

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die Erstausgabe erschien 2009 bei Aufbau Taschenbuch, einer Marke der

Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

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Inhaltsübersicht

PROLOG

EINS

ZWEI

DREI

VIER

FÜNF

SECHS

SIEBEN

ACHT

NEUN

ZEHN

ELF

ZWÖLF

DREIZEHN

VIERZEHN

FÜNFZEHN

SECHZEHN

SIEBZEHN

ACHTZEHN

NEUNZEHN

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

ZWEIUNDZWANZIG

DREIUNDZWANZIG

VIERUNDZWANZIG

FÜNFUNDZWANZIG

SECHSUNDZWANZIG

SIEBENUNDZWANZIG

ACHTUNDZWANZIG

NEUNUNDZWANZIG

DREISSIG

EINUNDDREISSIG

ZWEIUNDDREISSIG

DREIUNDDREISSIG

VIERUNDDREISSIG

FÜNFUNDDREISSIG

SECHSUNDDREISSIG

FINALE

EPILOG

ANHANG

[Menü]

|5|Selbstverständlich sind alle Figuren in diesem Roman fiktiv und haben keine Entsprechung in der (Medien-)Welt.

[Menü]

|7|Für meine Frau

[Menü]

|9|PROLOG

Mein erster Chef war mit einer Reporterin aus dem Vermischten, Spezialgebiete: Königshäuser und deutsche TV-Stars, verheiratet. Mein zweiter Chef hatte ein Verhältnis mit einer Politikredakteurin. Sie war zwanzig Jahre jünger als er und nutzte die Verbindung nach oben, um drei missliebige Kolleginnen loszuwerden. Mein dritter Chef trennte sich von seiner Frau für eine Volontärin, die ihm durch einen Fehler in einer Reportage über den damaligen Bundesaußenminister aufgefallen war. Sie begann mit folgenden Worten: »Joschka Fischer kann es nicht lassen. Der SPD-Politiker hat schon wieder eine neue Geliebte an seiner Seite.« Aus dem Vorwurf, sie sei »für diesen Job im wahrsten Sinne des Wortes zu grün hinter den Ohren«, wurde nicht einmal ein Jahr später ein Heiratsantrag. Inzwischen sind auch die beiden wieder geschieden.

Du sollst als Chef kein Verhältnis mit einer Untergebenen haben. Auch wenn nichts leichter ist als das: Never fuck the company oder wenigstens Never fuck the same Kostenstelle. Ist eine goldene Regel. Nur hält sich kaum jemand dran. Weder der stellvertretende Leiter der Wissenschaftsredaktion, der mit der blonden Einzelhandelsexpertin aus der Wirtschaft zusammen ist, noch der Literaturkritiker, der schon die zweite Ehefrau aus seinem Ressort hat. Und den Polizeireporter haben sie neulich beim wilden Fummeln mit einer freien Mitarbeiterin erwischt. In der Kaffeeküche.

Das darf dir als Chef nun wirklich nicht passieren. Und das musst du lernen, solange du noch nicht Chef bist. Sonst ist es zu spät.

[Menü]

|11|EINS

Ich war gut zwei Jahre stellvertretender Chefredakteur, als Professor Michelsen mich zum ersten Mal in seinem rundum mit Mahagoni vertäfelten Büro empfing. Ein Butler in schwarzer Weste stellte ungefragt zwei Gläser frisch gepressten Orangensaft vor uns auf den Tisch. Jeder bei Michelsen Media wusste, dass dies das Einzige war, was der Professor im Büro zu sich nahm, und jeder wusste auch warum. WellFit, das von Michelsen an seinem siebzigsten Geburtstag gegründete Gesundheitsmagazin, hatte herausgefunden, dass Orangensaft einen Stoff enthält, der Lust auf Sex macht. »Warum O-Saft so geil ist«, stand über dem zwei Seiten langen Text. Der Alte hatte ihn offenbar gelesen. Er trank sein Glas in einem Zug aus, dann sah er mich zum ersten Mal an: »Nun, Herr Walder«, sagte er, »Sie sind lange genug die Nummer zwei gewesen, und es ist Zeit, dass Sie endlich ein eigenes Kommando bekommen. Ein Schiff, das Sie allein steuern. Waren Sie …« Sein Handy klingelte. »Entschuldigung.«

Ich nickte ihm verständnisvoll zu. Ich hatte so lange auf diesen Moment gewartet, da kam es auf ein paar Minuten nicht mehr an. Gleich würde er sie sagen, die Sätze, die mein Leben verändern würden. »Ich habe Sie schon lange im Blick«, wäre einer davon, »die Metro-News brauchen endlich neuen Schwung«, ein anderer, und natürlich mussten die Worte »Chefredakteur« und »Dienstwagen« fallen. Ich trank einen Schluck Orangensaft und hoffte, nicht direkt eine Erektion zu bekommen. Der Butler schenkte sofort nach.

Michelsen telefonierte leise. Offiziell hatte er sich vor fünf Jahren aus dem operativen Geschäft an die Spitze des Aufsichtsrats von Michelsen Media zurückgezogen. Vorstandsvorsitzender war |12|seitdem sein Stiefbruder Carl Michelsen-Albrecht. Doch alle wichtigen personellen Entscheidungen traf nach wie vor der Professor, hier oben, im zwölften Stock des MM-Towers. Er legte auf und wandte sich wieder mir zu. Ich hatte schweißnasse Hände.

»Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja: Ich wollte von Ihnen wissen, ob Sie schon einmal in Wützen waren.«

Er wollte was?

»Und?«, fragte Michelsen. »Waren Sie schon einmal in Wützen?«

»Nein«, sagte ich.

Eine Lüge. Zwei Wochen zuvor war ich auf einer Bahnfahrt nach Amsterdam gezwungenermaßen dort umgestiegen. Fünf Minuten Wartezeit und eine bange Frage: Wie furchtbar muss es sein, hier zu leben?

»Dann sollten Sie das schnell nachholen. Sie werden nämlich Chefredakteur der Wützener Zeitung.«

»Ich wusste gar nicht, dass wir in Wützen eine Zeitung haben.«

Ich wusste aber, dass ich dort nicht arbeiten wollte.

»Sie sind der richtige Mann dafür, glauben Sie mir. Brauchen ja nicht gleich dort hinzuziehen.«

Es musste noch schlimmer sein, als ich dachte. Das Gespräch ging in eine völlig falsche Richtung.

»Und wie lange?«

»Wie, wie lange?« Michelsen guckte mich an, als hätte ich gerade um eine halbe Million Euro Gehaltserhöhung gebeten.

»Wann komme ich zurück, meine ich?«

Zurück in die Zentrale von MM, zurück zu meinen geliebten Metro-News, der großen, wichtigen Tageszeitung in München, die mitten in der Nacht ein Interview mit Edmund Stoiber bekommen würde und die Uli Hoeneß auch privat abonniert hatte. Hier wollte ich Chefredakteur werden, nach all den Jahren als Stellvertreter, Ressortleiter und stellvertretender Ressortleiter, hier hatte ich gerade erst eine Eigentumswohnung gekauft und |13|Marie am Tag der Schlüsselübergabe einen Heiratsantrag gemacht. Aber es schien nicht der richtige Zeitpunkt zu sein, darüber mit dem Professor zu sprechen. Er reagierte nicht einmal auf meine Frage.

»Sie machen das schon. Das ist Ihre große Chance.«

Die Tür ging auf. Seine Sekretärin. Ich wusste, was jetzt kommen würde. »Professor Michelsen, Sie denken an ihren nächsten Termin? Herr Sieverling wartet bereits.«

Ich stand auf. »Kann ich es mir bis nächste Woche überlegen?«

»Natürlich«, sagte Michelsen und trank sein zweites Glas Orangensaft aus. »Aber ich sag es Ihnen ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich Ihnen so ein Angebot in den nächsten zehn Jahren noch einmal machen kann. Rufen Sie mich Montag an!«

Er streckte mir die rechte Hand entgegen. Ich überlegte kurz, sie zu ignorieren, wie es die Bayern-Stars manchmal taten, wenn Jürgen Klinsmann sie in der 74. Minute auswechselte, oder wie der Bayern-Coach selbst gegen die Papiertonne neben dem Schreibtisch des Professors zu treten. Dann ging ich einen Schritt auf ihn zu, drückte kräftig seine Hand und verbeugte mich leicht. Als hätte ich irgendeinen Grund, dankbar zu sein.

»Und, Herr Walder …«

Ich war schon fast an der Glastür angekommen, wo Michelsens Sekretärin hektisch auf ihre Uhr zeigte.

»Ja?«

»Grüßen Sie Ihre Verlobte von mir.«

Meine Verlobte. Das war Marie erst seit jenem Tag, an dem ich den Anruf aus Michelsens Büro bekommen hatte. Es war der 25. März, ein Dienstag. Ich bin an einem Dienstag geboren und deswegen davon überzeugt, dass dieser Tag mein Glückstag ist. Marie und ich waren zu einem Baumarkt vor den Toren Münchens gefahren, um so viel Laminat zu kaufen, wie eben in eine 112 Quadratmeter große Wohnung in Schwabing plus Verschnitt hineinpasst, als mein Blackberry klingelte. Es war Frau |14|Volkmann, Michelsens Sekretärin: »Herr Walder, Professor Michelsen möchte Sie sehen. Am 2. April, 11 Uhr 15. Bis dann.« Das Gespräch dauerte nicht länger, als Marie ihre Lippen zu einem lautlosen »wer ist denn dran?« formen konnte.

»Das war das Büro von Michelsen. Der Professor will mich sprechen«, sagte ich.

Marie ließ den ausgeklappten Zollstock auf die Füße des verschwitzten Baumarktmitarbeiters fallen, der gerade dabei gewesen war, uns unzählige Paletten eines dunkelbraunen und selbstverständlich unbehandelten Bodenbelags in den Einkaufswagen zu wuchten. Sie zehenspitzte sich auf die Höhe meines Gesichts, um mit beiden Händen meinen Kopf mit sich herunterzuziehen. Ich bekam einen der in der Öffentlichkeit so seltenen Küsse.

»Johann«, sagte Marie, »du hast es geschafft. Endlich wirst du Chefredakteur der Metro-News. Endlich bist du nicht mehr der zweite Mann. Ich bin so stolz auf dich.«

Weil ich für den Termin bei Michelsen auch keine andere Erklärung hatte, weil wir am Abend offiziell die Wohnung übernehmen würden und weil ja nun mal Dienstag war, dachte ich fälschlicherweise, ein passender, größerer Moment würde in meinem Leben nicht mehr kommen. Ich blickte kurz in den Badezimmerspiegel, der schräg gegenüber hing und um dreißig Prozent reduziert war, und zog das Etui von Wempe, das ich sicherheitshalber seit knapp einem Monat immer dabeihatte, aus der Innentasche meines Sakkos. Ich klappte es auf, kniete auf einem Stück ausgerollter Teppichware nieder, streckte Marie den Halbkaräter entgegen und fragte, ob sie meine Frau werden wolle.

»Die Frau des Chefredakteurs der Metro-News?«, fragte sie.

»Die Frau des Chefredakteurs der Metro-News«, sagte ich.

»Natürlich.«

Von diesem Moment an nannten wir den 25. März den perfekten Tag. Bis heute.

|15|Ich konnte Marie nicht erreichen. Seit ich Michelsens Büro verlassen hatte, war bei ihr besetzt. Sie hatte sowieso viel telefoniert in den vergangenen Tagen. Mit ihrer Mutter, ihrer Schwester in Berlin, ihrer Schwester in Genf, ihren Freundinnen, ihrem Vater, ihrer ehemaligen Schulkollegin, den Mitgliedern ihrer Tennismannschaft, ihren Ex-Freunden. Allein das Gespräch mit ihrer Mutter am Tag nach dem perfekten Tag hatte über dreieinhalb Stunden gedauert, wobei es nur einen Bruchteil der Zeit darum gegangen war, dass wir heiraten würden. Vor allem sprachen die beiden über meinen beruflichen Aufstieg.

»Ja, Mama, ich habe recht gehabt. Ich habe dem Johann ja immer gesagt, dass er Karriere macht.«

Das hatte sie tatsächlich, gleich nach unserer ersten, leider sehr kurzen gemeinsamen Nacht: »Weißt du eigentlich«, hatte sie mir ins Ohr geflüstert, während sie mit der Bettdecke die flüchtigen Zeugen der vergangenen fünf Minuten von der Innenseite ihres Oberschenkels gewischt hatte, »dass du mal ganz groß rauskommen wirst bei den Metro-News und in München?«

»Warum?«, hatte ich gefragt.

»Weil ich nur mit Männern ins Bett gehe, die was werden«, hatte sie gesagt und das Licht ausgemacht.

Zum Beispiel Chefredakteur der Wützener Zeitung? Es war immer noch besetzt. Ich ging kurz in das Büro, das bald nicht mehr meins sein würde, zog den teuren langen braunen Mantel an, den wir, sozusagen im Vorgriff auf mein erstes Chefredakteursgehalt, gekauft hatten, und brach ins Tantris auf. Marie hatte gemeint, dass das Zweisternerestaurant der einzige Ort sei, an dem wir meinen Sprung an die Spitze der Metro-News würdig feiern könnten. Ich hatte gehofft, dass es dort einen Kamin geben würde, in dem wir nach dem Dessert David Nicholls’ Roman »Ewig Zweiter« rituell verbrennen konnten. Den hatte mir Marie zum 35. Geburtstag geschenkt. »Für meinen Schatz, als kleine Motivation, sich nicht mit der Rolle als ewig Zweiter zufriedenzugeben«, hatte sie als Widmung auf die dritte Seite geschrieben. |16|Als ich ins Restaurant kam, war sie schon da. Aber Marie wartete nicht an einem Zweier-, sondern an einem Achtertisch. Nur ein Platz, der in der Mitte, war frei. Davor stand ein Namensschild: »Johann Walder, Metro-News, Chefredakteur«. Daneben erhoben sich – jeder ein Glas Champagner in der Hand – Maries Mutter, Maries Schwester aus Berlin, Maries Schwester aus Genf, ihre beste Freundin, ihre zweitbeste Freundin und ihre Doppelpartnerin aus der Tennismannschaft.

»Überraschung«, sagte Marie und strahlte mich an, als sei ich gerade zum Präsidenten der amerikanischen Notenbank ernannt worden und könnte mit einem Stirnrunzeln die Börsen der Welt zusammenbrechen lassen.

»Die habe ich auch«, sagte ich.

[Menü]

|17|ZWEI

Ich hatte Marie vor etwas mehr als vier Jahren auf Sylt kennengelernt. Professor Michelsen flog zwei- bis dreimal im Jahr mit einem festen Stamm von Führungskräften und wenigen ausgelosten Mitarbeitern auf die Insel, weil »der Nordseewind uns die Köpfe freimacht«. Ich war damals gerade neu zu den Metro-News gekommen, als stellvertretender Leiter der Politikredaktion, und erhielt die Einladung für die Reise mit meinem Hausausweis: »Professor Michelsen bittet Sie zu einem Workshop mit führenden und auserwählten Mitarbeitern am kommenden Wochenende auf die Insel Sylt.« Später erfuhr ich, dass die Zahl der Auserwählten sich allein danach richtete, wie viele Topmanager verhindert waren. Der Professor wollte die reservierten Flüge und Hotelzimmer nicht umsonst bezahlt haben.

Wir wohnten im Söl’ring Hof und trafen uns zu Meetings über Themen wie »Leadership«, »Senden und Empfangen« und »Aktienoptionen contra Tantieme«. Am Nachmittag des ersten Tages mussten wir unter Aufsicht eines Motivationstrainers, den Jürgen Klinsmann dem Professor am Rande eines Champions-League-Spiels in der Allianz-Arena empfohlen hatte, einen Spaziergang des Schweigens machen. Wie der Name schon sagt, war allen außer dem Professor das Reden verboten. Zurück kamen wir auf Tandemrädern. »Damit Sie am eigenen Leib spüren, dass Sie allein nichts sind«, hatte der Professor gesagt und war mit seinem Bruder in einem Höllentempo vorausgefahren. Alle fünf Kilometer gab es eine Verpflegungsstelle mit frisch gepresstem Orangensaft. Wir fuhren so viele Umwege, dass wir erst nach zwanzig Kilometern wieder im Hotel ankamen. Jetzt fehlte uns zum Sprechen die Luft.

Danach hatten wir genau dreißig Minuten Zeit, die dunklen |18|Anzüge und die Krawatten in der Farbe des Verlagslogos, Lila, anzuziehen, bevor wir von vier konzerneigenen Fahrern zur Sansibar gebracht wurden. Hier sah ich Marie zum ersten Mal. Sie stand wie etwa achtzig andere Gäste, von denen ich mindestens die Hälfte schon einmal in den Metro-News oder einem Klatschblatt gesehen hatte, am Strand vor dem Promirestaurant. Die Gesellschaft, zu der uns Michelsen angemeldet hatte, wartete darauf, in drei kleinen Motorbooten über die viel zu wellige Nordsee zur MS Europa gebracht zu werden. »Zum Kreuzfahrerdinner«, wie der Professor sagte. »Ein Erlebnis, das Sie nie vergessen werden.«

Das wurde es, weil sich auf der Hinfahrt allein in meinem Boot drei Reisende, darunter einer der bekanntesten TV-Moderatoren Deutschlands, übergeben mussten. Ich sah es kommen und konnte im letzten Moment die junge Frau im hellblauen Abendkleid zur Seite schieben, bevor sich der Quizshowkönig direkt neben ihr erbrach.

»Alles in Ordnung?«, fragte ich.

»Alles in Ordnung«, sagte sie. Vom ersten Moment an hatten Marie und ich die eigenartige Anwandlung gehabt, auf eine Frage mit der Frage zu antworten.

Sie war mit ihrem Vater, dem Vorstand eines großen Versicherungskonzerns, zum Kreuzfahrerdinner gekommen. Wir saßen beim Essen Rücken an Rücken und tanzten nach dem Dessert gemeinsam, als Überraschungsgast Udo Jürgens am Klavier ein Potpourri darbot, das mit »Griechischer Wein« anfing. Wir tranken uns vor der Rückfahrt auf der noch stürmischeren Nordsee Mut an. Diesmal kotzte ich. Was Marie nicht davon abhielt, sich wenig später in den Dünen neben mich zu legen.

[Menü]

|19|DREI

»Die Stadt Wützen liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten des Ruhrgebiets und gehört zum Kreis Mesel im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie ist knapp fünfzig Kilometer von der holländischen Grenze entfernt. Nächste größere Städte sind Duisburg, Bottrop und Rheinberg. Das Stadtgebiet ist in die fünf Stadtteile Innenstadt, Flohhügel, Anderbruch, Miesacker und Depinghof unterteilt. Ausgangspunkt der historischen Entwicklung Wützens wird eine Motte gewesen sein, ein Wohnhügel mit Graben und Schutzwall, an der Stelle …«

»Ist ja gut, Eva.«

Maries Schwester hatte Wützen in ihrem Blackberry gegoogelt und war dabei, mitten im Tantris laut aus Wikipedia vorzulesen. Jetzt war sie offensichtlich auf www.wuetzen.de gelandet.

»Hört mal, was hier steht: Wützen ist eine überschaubare, beschauliche Stadt mit 62458 überwiegend netten Menschen. Wo bei uns …«

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