Verlag: Books on Demand Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Die Schatzsuchmaschine - Hans K. Stöckl

Auf einer Felsinsel im Indischen Ozean lebt Ciano mit seinem Vater, der sich für einen Nachfahren von Piraten hält. Und so wie diese ist auch er von der Gier nach Gold besessen. Er hat eine Schatzsuchmaschine konstruiert, und er glaubt sich dem Ziel seiner Wünsche nahe, als er dem Weltengeheimnis auf der Spur ist. In dieser Gefahr, die zum Untergang für die ganze Erde werden könnte, wendet sich Ciano an seinen Freund, den weisen Renzo, der ihn die Sprache der Tiere, der Pflanzen, der Steine und des Meeres gelehrt hat.

Meinungen über das E-Book Die Schatzsuchmaschine - Hans K. Stöckl

E-Book-Leseprobe Die Schatzsuchmaschine - Hans K. Stöckl

Die Schatzsuchmaschine

Die SchatzsuchmaschineEinführung... und das ist die GeschichteDie Konferenz der TiereDie Konferenz der MenschenAusklangÜber den AutorImpressum

Die Schatzsuchmaschine

Hans K. Stöckl

Die Schatzsuchmaschine

oder

Ciano rettet die Welt

Mit Bildern von Hans K. Stöckl

Für Luciano und alle, die ihn lieben

Inhalt

Einführung

... und das ist die Geschichte

Die Konferenz der Tiere

Die Konferenz der Menschen

Ausklang

Impressum

Einführung

Manche Leute lächeln heimlich über mich. Ich weiß das, und es stört mich schon lange nicht mehr. Es sind ja nur ein paar, und die lächeln auch nur, weil sie vieles nicht verstehen können. Zum Beispiel, dass ich mit Tieren reden kann. Ich kann auch mit den Pflanzen reden, aber das glauben noch weniger Menschen. Also spreche ich eben nicht darüber.

Vor ein paar Tagen — ich saß vor dem offenen Fenster meiner Dachstube — war plötzlich Flirr auf dem Fensterbrett. Flirr ist ein „Dacelo novaeguinea gigas“. Das wird dir nicht viel sagen. Na ja, er ist, äh... er stammt aus der Familie der Eisvögel und wird in unserer Sprache auch „Lachender Hans“ genannt, weil er eine Stimme hat, die an menschliches Kichern erinnert.

Kurz und gut, Flirr ist ganz einfach ein Vogel!

Ja, und er ist einer meiner besten Freunde.

Ich war ein bisschen erschrocken, weil ich gerade in tiefem Nachdenken versunken gewesen war über eine Möglichkeit, meinem Freund Renzo Floriani eine Nachricht zukommen zu lassen. Du musst wissen, Renzo Floriani ist ein uralter Studienkollege, der sich vor vielen Jahrzehnten auf einer winzigen Insel südlich von Madagaskar im Indischen Ozean niedergelassen hatte. Er ist ein ganz großartiger Wissenschaftler und weiß einfach alles über die Natur unserer Erde. Sämtliche bekannten Sprachen von Tieren und Pflanzen spricht er fließend, und vor ein paar Jahren hat er begonnen, mit den Steinen Kontakt aufzunehmen. Aber das sei äußerst schwierig, berichtete er mir. Sie sprächen so ungeheuer langsam! Sie bringen an einem Tag bloß ein einziges Wort heraus. Wenn so ein kleiner Kalksteinfelsen zum Beispiel heute in der Früh „Guten Morgen“ sagen will, so braucht er dazu bis morgen Abend. Jetzt kannst du dir vorstellen, dass sich außer Renzo Floriani noch kein Mensch die Mühe gemacht hat, mit den Steinen zu sprechen.

Dabei könnten sie uns so viel über unsere Erde erzählen! Nun, Renzo ist, wie gesagt, auf dem besten Weg, von den Steinen zu lernen. Und Flirr, der wackere Vogel, kommt dann und wann auf mein Fensterbrett, um mir die neuesten Berichte Renzos zu überbringen.

Obwohl er nur ein Kurzstreckenvogel und auch nicht mehr der Jüngste ist, nimmt er die gewaltige Mühe auf sich, die vielen Tausenden von Kilometern von der winzigen Insel Floripace zu mir nach Mitteleuropa zu fliegen.

Ich selbst habe oft versucht, Tauben, Schwalben und sogar Störche für die Nachrichtenübermittlung zu gewinnen, aber, unter uns gesagt, Flirr ist der einzige Vogel, der sich komplizierte wissenschaftliche Texte über mehrere Tage merken und dann auch fehlerfrei wiedergeben kann.

Meine große Schwierigkeit besteht nun darin, dass Flirr eben auf Floripace wohnt und ich somit immer warten muss, bis Renzo ihn zu mir schickt. Wenn ich meinerseits eine dringende Nachricht an Renzo habe, bin ich natürlich aufgeschmissen. Da saß er also, wie gesagt, wieder auf dem heißen Blech meines Fensterbretts und atmete schwer von der Anstrengung. Ich stellte ihm wortlos ein Schälchen mit Wasser hin und wartete geduldig, bis er sich ein wenig erfangen hatte. Er trank in kleinen Schlucken, und nach einer Weile begann er mit seinem kichernden Stimmchen zu erzählen, obwohl seine Geschichte keineswegs zum Lachen war. Es dauerte bis zum späten Abend, und ich brachte vor Staunen meinen gelehrten Professorenmund nicht mehr zu. Flirr ruhte sich anschließend bis zum nächsten Morgen aus, und als er wieder davonflog, setzte ich mich augenblicklich an die Schreibmaschine.

Dann habe ich alles aus der Sprache des „Dacelo novaeguinea gigas“ übersetzt und aufgeschrieben. Ich wette, du kriegst den Mund auch nicht zu bis zur letzten Seite!

... und das ist die Geschichte

Der alte Renzo Floriani saß vor seiner Hütte auf der Veranda und schrieb in seinem Tagebuch. „Gestern“, murmelte er, während er schrieb, „ist es mir gelungen, einem Kieselstein ganze zwölf Silben innerhalb von nur neun Stunden abzuringen! Er sagte: ICH-HEIS-SE-WO-BA-RI-UND-BIN-EIN-KIE-SEL-STEIN. Nachher begann er fürchterlich zu schwitzen, und heute ist der arme Kerl von Moos überwuchert. Aber ich bin glücklich! Wir werden jetzt jeden Tag fleißig üben. Dann wird er mir vielleicht schon in einem Jahr kurze Geschichten erzählen können!“

Renzo lehnte sich zurück und schaute versonnen auf das Meer hinaus. Er griff nach der Kokosnussschale und nahm einen Schluck Kiwisaft daraus, den er nach eigenem Rezept zuzubereiten pflegte. Genussvoll kniff er die Augen zu. Als er sie wieder öffnete, erkannte er draußen, wo die ersten Brandungswellen schäumten, Ciano in seinem Boot auf den Strand zu rudern. Ciano war ein neunjähriger Junge, der mit seinem Vater in einer sehr merkwürdigen alten Seeräuberburg lebte. Diese war angeblich von Claude de Forbin errichtet worden und war demgemäß etwa 250 Jahre alt. Claude de Forbin war ein französischer Pirat gewesen, und Cianos Vater glaubte felsenfest, er sei dessen direkter Nachfahre. So nannte er sich denn auch „El Forbinio“, und in seinem düsteren Arbeitszimmer hing ein riesiges Gemälde, das den alten Forbin darstellen sollte.

Renzo Floriani konnte über diese Torheit El Forbinios nur lachen, weil er aus seinen Studien hundertprozentig wusste, dass der „alte“ Freibeuter Claude de Forbin nie in seinem Leben im Indischen Ozean gewesen war.

Renzo klappte sein Tagebuch zu und ging langsam zum Strand hinunter. Er freute sich, Ciano zu sehen, und winkte ihm zu. Ciano hob die linke Hand und beantwortete Renzos Winken. Der alte Mann runzelte die Stirn. Was war mit Ciano los? Er rief doch sonst schon von weitem übermütig einen Gruß herüber. Heute waren seine Bewegungen zaghaft, und seine ganze Haltung wirkte beunruhigend.

Renzo watete dem Boot entgegen und half Ciano, es an Land zu ziehen.

„Schön, dass du mich besuchen kommst! Willst du etwas essen?“

Ciano war sonst immer hungrig und durstig, wenn er die drei Meilen von seines Vaters Pirateninsel herübergerudert kam. Drei Meilen übers Meer zu rudern ist für einen Neunjährigen immerhin keine Kleinigkeit, obwohl Ciano sehr kräftig war. „Nein, danke“, sagte Ciano diesmal, „ich habe keinen Hunger.“

Renzo legte den Arm um seine Schultern. „Komm!“ sagte er. „Lass uns zu unserem Baum gehen.“ Ciano nickte nur stumm.

Auf einer kleinen Anhöhe, nur wenige Schritte hinter Renzos Hütte, stand — umgeben von herrlich duftenden Sträuchern und Blumen — ein geheimnisvoller Baum. Sein Stamm glänzte in der Sonne wie pures Gold, und silberne Ranken umgaben ihn.

Renzo erinnerte sich oft an den Tag, an dem er die Insel zum ersten Mal betreten hatte. Da war der Baum noch ein winziges Pflänzchen gewesen. Er hatte ganz und gar nicht nach etwas Besonderem ausgesehen. Aber Renzo hatte den Platz, an dem es wuchs, vom ersten Augenblick an geliebt, und so hatte er begonnen, mit dem Pflänzchen zu sprechen. Aber es hatte Jahre gedauert, bis er eine Antwort bekam.

Und diese Antwort lautete: „Ja. Du bist ein Mensch.“ Und von da an hatte das Bäumchen begonnen, mehr und mehr zu glänzen, bis es schien, als sei es eben aus Gold gewachsen.

Inzwischen waren viele, viele Jahre dahingegangen, und aus dem Pflänzchen war ein herrlicher Baum geworden. Jener erste Satz, den er zu Renzo gesagt hatte, ließ diesen nie wieder los. Und erst, als er wirklich begriffen hatte, was der Baum ihm sagen wollte, hatte er begonnen, auch mit den anderen Pflanzen und später mit den Tieren zu sprechen. Er nannte „seinen“ Baum fortan „Baum“, so wie dieser ihn „Mensch“ genannt hatte.

Ciano ließ sich auf den goldenen Wurzeln nieder, und Renzo setzte sich ihm gegenüber auf einen größeren Stein, der ihm das erlaubt hatte.

Der Junge ließ den Kopf hängen und schaute traurig auf seine Fingerspitzen. Da glitzerte es in den Blättern des goldenen Baumes plötzlich auf, und augenblicklich saß ein dunkelsamtener Schmetterling auf Cianos Daumenspitze.

„Me nao!“ sagte er freundlich. Und Ciano antwortete: „Me nao, Sino.“

Me nao heißt so viel wie „Ich grüße dich!“. Und Sino war der Name des samtenen Fliegers.

Auf Renzos Schulter hatte sich Flirr eingefunden. Er schaute besorgt auf Ciano und flüsterte dem alten Mann ins Ohr: „Willst du nicht irgendetwas unternehmen? Unser Freund scheint schwere Sorgen zu haben!“

„Langsam, langsam“, raunte der alte Professor. „Er muss erst seine Gedanken in Ordnung bringen, dann wird er ganz von selber zu erzählen beginnen!

Aber es dauerte eine lange Weile, ehe Ciano seufzend den Kopf hob und klagte: „Ach Renzo, ich weiß nicht mehr, was ich von meinem Vater halten soll! Seit ich denken kann, baut er Tag und Nacht an seiner blöden Schatzsuchmaschine herum und hat nie Zeit für mich!“

„Ja, ich weiß“, sagte Renzo ernst.

Flirr plusterte sich erregt auf. „Hat man schon was Dümmeres gehört? Der schuftet sein Leben lang wie ein Besessener, nur um eines Tages nichts mehr arbeiten zu müssen!“

„Sei still!“ mahnte Renzo. „Er ist immerhin Cianos Vater. Du sollst nicht schlecht von ihm sprechen!“

„Er hat ja recht!“ rief Ciano. „Mein Vater glaubt tatsächlich, wenn die Maschine endlich funktionieren würde, dann könnte sie ihm alle Schätze vom Meeresboden aufsammeln, die jemals mit Schiffen versunken sind! Er schläft nicht, er spricht kaum ein Wort und sitzt nur über seinen Plänen und Konstruktionen. Unsere ganze schöne Burg ist bereits von Maschinenteilen überwuchert. Und in den Gängen und Sälen laufen Rohre und Kabel kreuz und quer wie die dichtesten Spinnweben!“