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Sieben Todsünden Neun Illustratoren Vierzehn Autoren Ein guter Zweck „Todsünde“ – ein gewaltiger Begriff, den man zwar umgangssprachlich verwendet, der jedoch theologisch gesehen völlig falsch ist. Was wir darunter verstehen, bezeichnet die sieben Hauptlaster – schlechte Charaktereigenschaften, die uns posthum ein warmes Plätzchen im Höllenfeuer reservieren. Dass aus Todsünden jedoch auch Gutes entstehen kann, beweist diese Anthologie voller spannender, lustiger, guter und böser Geschichten, Gedichte und Illustrationen. Wir Autoren und Illustratoren haben auf ein Honorar verzichtet – zugunsten einer Familie, die im christlichen Glauben Halt findet. Einer der vier Söhne leidet an Muskeldystrophie. Den Todsünden setzen wir eines vehement entgegen: Nächstenliebe
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Seitenzahl: 138
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Alle Texte und Illustrationen dieses Werkes sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nur mit ausdrücklicher Zustimmung des jeweiligen Autors/Künstlers verwertet werden.
Die Namen der in den Texten beschriebenen Personen sind frei erfunden.
Diese Anthologie entstand unter der Mitwirkung zahlreicher Autoren und Illustratoren, die ihre Texte und Bilder unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben.
DIE SIEBEN TODSÜNDEN boten reichlich Inspiration und die Beiträge zeigen viele verschiedene Arten der Interpretation.
Alle aus dieser Anthologie erzielten Gewinne kommen Familie Knoke im Landkreis Holzminden/Niedersachsen zugute.
Einer der vier Söhne ist an Muskeldystrophie erkrankt.
Im Namen der Familie danke ich allen Autoren, Illustratoren,
Unterstützern und Lesern dieses Buches.
Über den Spendenverlauf können Sie sich informieren auf:
www. britta-heinrichs.de
Die sieben Todsünden
Sieben: Dirk Juschkat
Bleistiftzeichnung: Petra Krimmel
Die sieben Todsünden: Katharina Kraemer
Hochmut
Bleistiftzeichnung: Wiebke Worm
Mutter ist tot: Elmar Rieder
Die Rache der kleinen Frau: Jürgen Spreemann
Habgier
Encaustic-Malerei „Gier“: Dieter Annecke
Die Gier: Wilfried Schmickler
Wollust
Acrylmalerei „Sonntagnachmittag“: Anke Noreike
Marga: Michael Lohmann
Lulu in Luxuria: Jürgen Spreemann
Zorn
Fotografie: Olaf Raabe
Neros Song: Markus Dittrich
Völlerei
Zeichnung „Der große Jack“: Jörg Wiegand
Alles in Ordnung bei Igor: Susanne Schnitzler
Maßlos Norbert Löffler
Neid
Acrylmalerei „Crazy Face“: Susanne Fritsch
Das Monster: Renate Krohn
Versprechen muss man halten: Britta Bendixen
Trägheit
Aquarell „Die Trägheit“: Helga Pohlmann
Ein Morgen im Leben der Trägheit: Jeannine Remlinger
Herbert: Norbert Löffler
Die vier Tugenden
Bleistiftzeichnung „Die Tugend“: Angelika Ballas-Künzel
Die Schwestern Vertu: Britta Heinrichs
Worte zum Schluss
Wohin? / Gedicht und Illustration Helga Rikken
Autoren / Illustratoren
„Todsünde“ – ein gewaltiger Begriff, den man zwar umgangssprachlich verwendet, der jedoch theologisch gesehen völlig falsch ist. Was wir unter den Todsünden verstehen, bezeichnet die sieben Hauptlaster – schlechte Charaktereigenschaften, die uns posthum ein warmes Plätzchen im Höllenfeuer reservieren.
Wenn man sich im Hinblick auf dieses Thema auf dem Pausenhof einer Schule umhört, dann kann einem schon angst und bange werden. Doch so lange den bösen Eigenschaften die vier Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung gegenüberstehen, besteht wohl noch Hoffnung auf die weiche Wolke 7.
Aus den Hauptlastern gehen bekanntlich die von uns allen hin und wieder begangenen Sünden hervor. Dass aus Todsünden jedoch auch Gutes entstehen kann, beweist diese Anthologie:
Wir Autoren und Illustratoren haben auf ein Honorar verzichtet – zugunsten einer Familie, die im christlichen Glauben den Halt findet, ihr Schicksal zu meistern.
Den Todsünden setzen wir eines vehement entgegen:
Nächstenliebe
Text der Schülerin Laura Gajowki (14) aus Leverkusen:
„In der Schule ist es besonders schlimm. Es tun sich Gruppen zusammen, die das Ziel haben, anderen das Leben schwer zu machen. Sie mobben einzelne Schüler und versuchen ständig, andere traurig zu machen. Diese Kinder finden sich sehr toll und glauben, dass sie jedem überlegen sind und sich alles nur um sie dreht. Sie denken nicht darüber nach, wie sehr sie anderen damit wehtun. Oft kommt noch dazu, dass diese Kinder neidisch sind auf die guten Noten oder andere Sachen, die sie selber nicht haben. Voller Zorn versuchen sie, die Gemobbten immer wieder fertig zu machen. Das macht der Neid aus Menschen.“
Dirk Juschkat
Wir alle haben sie begangen
und niemand ist von ihnen frei.
Sind in uns selbst durch sie gefangen
und sind ihr bis zur Hölle treu.
Denn keiner scheut die Konsequenzen
aus eben diesem eignen Grund
und überschreitet ihre Grenzen
und treibt sein Leben möglichst bunt.
Warum auch nicht? Denn ihr Versprechen,
dass wir durch sie im Feuer stehn,
kann nicht den Glauben in uns brechen,
dass nur geschieht, was wir auch sehn.
So ziehen wir durch unser Leben,
die Ignoranz bedeutet Sieg.
Und werden uns noch mehr gegeben –
Wir sind doch stets mit Gott im Krieg.
Petra Krimmel
Katharina Kraemer
„Ach, warum sind unsere Jungs bloß so schlecht geraten? Es muss doch etwas geben, das ihnen den rechten Weg weist. Auf uns hören sie ja nicht!“ Sie legte seufzend das Nähzeug in den Schoß und strich sich eine ergraute Strähne aus der hohen Stirn.
„Ich weiß es auch nicht, Frau. Sieben Söhne, und keiner ist wirklich gut geworden.“ Grübelnd sah er den Rauchschwaden seiner Pfeife nach, die in der Stube waberten. „Es müsste etwas passieren, dass sie kein übles Ende nehmen.“
Da fuhr ein scharfer Wind ums Haus, rüttelte an den Fensterläden und ließ die Tür in den Angeln ächzen. Grelle Blitze begleiteten lautes Donnergrollen. Binnen Kurzem brach ein Unwetter über sie herein. „Was ist das nur, Mann?“ Sie sah mit Furcht in den Augen zum Fenster. „Was sollen wir tun?“
„Nichts, Frau. Das Gewitter wird vergehen, wie es gekommen ist. Hoffe ich.“ Er trat ans Fenster und sah in die stürmische Nacht hinaus. Früher war seine Statur hochgewachsen, aber all die Arbeit und der Kummer hatten ihn gebeugt. „Was geschieht, geschieht, so Gott will.“
Sie hob den Blick zur Zimmerdecke. „Wenn sie schlafen, sind sie wahrlich Engel.“
Als der Morgen heraufkam, verzog sich das Gewitter hinter die Hügel, die sich schattengleich am Horizont aufreihten. Der Vater schaute aus dem Fenster und staunte nicht schlecht über den Pferdekarren, der in diesem Moment vor dem Haus zum Stehen kam. „Was der hier wohl will?“
Der Kutscher in langem Mantel und tief in die Stirn gezogenem Hut kam mit schweren Schritten auf ihr Haus zu. „Lasst mich ein. Ich habe eine wichtige Botschaft für euch.“
„Was willst du von uns zu dieser frühen Stunde, Fuhrmann?“ Sie öffneten misstrauisch die Tür und ließen ihn zögernd in die Stube.
„Ich soll eure Kinder holen.“
„Ist das dein Ernst? Wer bestimmt das?“, fragte der Vater.
„Wohin bringst du unsere Kinder? Wird es ihnen dort gut gehen? Kommen sie gesund wieder zurück?“ Der Mutter traten Tränen in die Augen, ein flehender Blick traf den Kutscher.
„Lass gut sein, Mutter. Gib sie mir. Sofort. Ich bin nur der Bote“, knurrte dieser unwillig und zuckte mit den Schultern. Er konnte oder wollte keine Auskunft geben. „Los, ich habe nicht viel Zeit und ein weiter Weg wartet auf mich und die Pferde.“
Der Vater sah zu seiner Frau. „Tu, was der Kutscher sagt, und hole unsere Kinder.“
Wenig später stolperten die Jungen die Stiege hinunter. „Was soll denn das?“, rief Satan und sein Gesicht glühte vor Zorn.
„Ich will nicht, ich bin so müde“, meinte Belphegor schläfrig und stolperte fast über seine Füße.
„Was will dieser alte Mann von uns?“, fragte Luzifer verächtlich. „Er hat uns gar nichts zu sagen.“
Asmodeus Augen leuchteten: „Endlich mal was los hier!“
Beelzebub frohlockte: „Vielleicht kann ich mich mal so richtig ...“
„Solange es nichts kostet“, fügte Mammon hinzu und Leviathan rief seinen Eltern freudig zu: „Wir gehen auf große Fahrt!“
Der Kutscher musterte die Brüder unwillig.
„Da seid ihr ja. Kommt, wir haben einen weiten Weg vor uns.“
In der Tür blieben die Eltern mit gemischten Gefühlen zurück, sie sahen ihre Burschen auf dem Kutschwagen Platz nehmen. „Der Herr wird euch behüten.“
Der Fuhrmann stieg auf den Bock und lüftete den Hut zum Gruß. Er hob schnalzend die Peitsche. Sogleich trabten die Pferde los. „Sie werden ihren Weg machen.“
Während sie in den Morgen fuhren, kauerten sich die Jungen auf dem Wagen zusammen. Luzifer hatte ebenso viel Angst wie seine Brüder, doch gab er sich keine Blöße. Er rief dem Kutscher vollmundig zu: „Wohin bringst du uns? Nu red schon!“ Doch es kam keine Antwort. Der Mann blickte sich kurz um und trieb die Gäule zur Eile an.
Sie ließen Stadt und Land hinter sich. In rasender Fahrt ging es über holperige Wege, durch Wäldchen und an weiten Feldern vorbei. Plötzlich sahen sie vor sich eine riesige Burg. Die Kutsche folgte dem breiten Fahrweg auf das Tor zu, das sich wie von Geisterhand öffnete. In einem weiten Hof kamen sie zu stehen und das mächtige Eisentor schloss sich hinter ihnen. In diesem Moment öffnete sich die Pforte und ein Mädchen kam die Treppe herab: „Da seid ihr ja endlich, wir haben euch schon erwartet.“
Die Jungen kletterten vom Karren herunter. „Wo sind wir hier? Wer bist du? Was sollen wir hier?“, fragten sie durcheinander.
„Habt keine Angst, euch geschieht kein Leid.“ Sie grüßte den Kutscher mit einem knappen Kopfnicken, der daraufhin den Burghof durch ein Seitenportal verließ. „Kommt mit.“
Kleinlaut folgten sie dem Mädchen eine weite Treppe hinauf in einen großen Saal. "Ihr wartet hier."
Asmodeus Augen strahlten mit den Kerzen an der Wand um die Wette: „Das ist mal ein Prachtbau. Hier lässt es sich leben! Schaut euch mal den langen Tisch und die Leuchter an!“
„Pah!“ Luzifer grinste. „Das ist doch gar nichts! Der soll nur nicht denken, er könnte mich damit beeindrucken!“
„Weshalb lässt man uns hierher karren und warten?“, schimpfte Satan und stapfte mit den Füßen auf.
In diesem Moment öffnete sich eine Tür am Ende des Saales. Ein Ritter in feinstem Gewand trat auf sie zu: „Deine Frage will ich gerne beantworten, Satan. Jetzt erstmal herzlich willkommen auf Burg Grabenstein. Setzt euch.“
Ohne zu murren, rückten sie sich die Stühle am langen Tisch zurecht. Sogar Luzifer, sonst kaum um ein Wort verlegen, schwieg.
„Wir haben euch herkommen lassen, dass ihr lernt, was Tugend ist. Denn mit Argwohn beobachten wir, dass es euren Eltern mit all ihrer Liebe nicht gelingt, echte Männer aus euch zu formen. Deshalb werdet ihr jetzt eine Weile hierbleiben und lernen, was Respekt ist, um euren Eltern nicht weiter Schande zu sein.“ Er machte eine bewusste Pause und sah sich um. Den Jungen stand stummes Entsetzen in die Gesichter geschrieben. „Ihr werdet in der kommenden Zeit lernen, was es heißt, klug und mutig zu sein, gerecht und demütig, bescheiden und weise zu handeln. Und dann, so Gott will, werdet ihr als rechte Männer ins Leben zurückkehren.“
Satan schlug mit der Faust auf den Tisch: „Was fällt denen ein? Das kann man mit mir nicht machen!“
„Ich mach nix, mir ist das alles egal“, knurrte Belphegor.
Mammon und Leviathan riefen: „Wenn es nichts kostet, sind wir dabei!“
Beelzebub meinte: „Solange es genug zu essen gibt … zuhause wurde ich nie satt.“
Luzifer wandte sich an den Ritter: „Wer seid Ihr, über uns zu bestimmen?“
„Ihr seid hier auf meiner Burg, und fortan gilt, was ich sage. Nun zeige ich euch eure Schlafstatt. Kommt mit.“
Unwillig erhoben sie sich und folgten dem Ritter durch die kalten Flure der Burg, an herrlichen Gemächern vorbei. „Schlafen wir auch so schön?“, fragte Asmodeus, doch der Ritter gab keine Antwort.
„Ich bleibe hier keine Sekunde!“, zürnte Satan. „Die können mich mal!“
„Wieso? Ich gefalle mir jetzt schon als Burgherr! Wirst sehen, das ist allemal besser als so ein primitives Leben …“, meinte Luzifer und lachte: „Du, Belphegor, wirst es nie zu so was bringen.“
Der Ritter öffnete eine schlichte Tür am Ende des Ganges. „Da ist eure Kammer. Macht es euch bequem. Fleisch und Brot stehen bereit.“ Sprach‛s und überließ den Jungen die Kammer. Verdutzt und überrumpelt fügten sich die sieben Brüder.
„Was uns wohl erwartet?“, fragte Belphegor ängstlich.
„Der werte Ritter kann mich mal“, tönte Satan. Leviathan und Mammon ereiferten sich: „Wahrscheinlich sollen wir für ihn als Knappen schuften.“
„Vielleicht gibt er uns sein Töchterchen, wenn wir unsere Sache gut machen“, frohlockte Asmodeus und Beelzebub fügte hinzu: „Und eine fette Apanage dazu.“
„Ach“, Luzifer hatte das Geschrei seiner Brüder satt: „Der kann mich mal. Ich werde mich doch nicht als Knecht verdingen.“
Am nächsten Morgen wurden sie von dem jungen Mädchen in den Rittersaal geführt. „Ich hoffe, ihr habt gut geschlafen. Setzt euch, bitte.“
Die Jungen schoben ihre Stühle zu Recht und blickten eingeschüchtert ihren neuen Herrn an. Sie spürten, dass jede Gegenrede zwecklos war.
„Nun gut, es gibt viel zu tun heute. Du, Belphegor, und du, Luzifer, ihr werdet im Stall erwartet. Dort gibt euch der Großknecht Arbeit. Ihr beiden, Mammon und Leviathan, werdet die Latrinen und Gemächer putzen. Darüber wachen wird Maria, unsere Hausdame. Beelzebub und Asmodeus werden sich auf dem Feld beweisen; die Ernte steht an. Und Satan, du kommst mit mir. Für dich habe ich eine besondere Aufgabe, du wirst mein Knappe sein.“
Die Jungen starrten den Ritter an, der sich in seinem hohen Stuhl zurücklehnte und die Reaktionen seiner Schützlinge betrachtete. Sie sahen sich entgeistert an und trauten sich kaum, ihrem Unmut Luft zu machen. Nur Belphegor und Satan konnten sich nicht zurückhalten.
„Ich mach nix! Ich bin doch kein Knecht!“ – „Ich will kein Knappe sein! Das ist, das ist …“ Satans Augen funkelten teuflisch.
In diesem Moment betraten der Bauer, der Großknecht und die Hausdame den Saal. „Dann wollen wir mal. Seid streng aber auch nachsichtig mit ihnen. Sie müssen noch viel lernen. Komm, Satan, wir haben zu tun.“ Der Ritter stand auf und Satan trottete mit geballten Fäusten in den Hosentaschen hinter ihm her. Die anderen fügten sich lustlos in ihr Schicksal und folgten murrend ihren neuen Meistern.
Maria gab den Buben Lappen und Scheuermittel und ließ sie zuerst die Flure schrubben, Hannes drückte seinen Schützlingen die Mistgabel in die zarten Hände und hieß sie den Stall ausmisten. Der Bauer nahm seine beiden neuen Knechte mit aufs Feld. Nur Satan schien mit seinem Los zufrieden, er saß im Warmen und putzte die Rüstung seines Herrn. Sein Zorn verflog mit jeder Stunde, die er das Metall zum Glänzen brachte. Der Ritter freute sich über diesen ersten Erfolg.
Erst nach Einbruch der Dunkelheit sah man sieben müde Jungen am Tisch im Rittersaal sitzen. Maria hatte ihnen aus der Küche aufgetischt, was das Herz begehrte. „Greift nur zu“, ermunterte sie die Jungen, die es sich nicht zweimal sagen ließen. Asmodeus und Beelzebub langten kräftig zu, auch den Wein ließen sie sich schmecken, während die anderen sich zurückhielten. Es dauerte auch nicht lange, da lagen sie grün im Gesicht in ihren Stühlen und stöhnten, ihnen wäre ganz übel, das könnte nur am schlechten Wein liegen.
Der nächste Morgen war dann auch kein guter Tag für die beiden. Denn obwohl es ihnen nicht gutging, schickte der Ritter sie in die Küche zum Mundschenk, der ihnen ordentlich einheizte. Sie schwitzten über Bergen von Kartoffeln und Kohl. „Das habt ihr nun von eurem Übermut. Macht hin, das Essen muss fertig werden!“
Sein Mitgefühl hielt sich in Grenzen. Er freute sich, endlich mal zwei Küchenjungen zu haben, die ihm zur Hand gingen. Dazu schickte der Herr auch Belphegor in die Küche, weil bald ein großes Fest anstand; da wurde jede Hand gebraucht.
Satan und Mammon fanden sich im Stall wieder. Sie sollten sich um die vier edlen Pferde des Ritters kümmern. Doch nur widerwillig putzten sie das Geschirr; zudem hatten sie einen Heidenrespekt vor den Rössern. Doch es half alles nichts. Hannes, der Knecht, ließ keine Ausrede gelten und scheuchte sie durch die Stallgasse.
Luzifer wurde für diesen Tag des Ritters Knappe, gemeinsam mit Leviathan. Sie durften mit ihrem Herren in die Stadt. Luzifer genoss die Fahrt in der Kutsche, und Leviathan betrachtete das Gefährt mit großen Augen. Doch sie freuten sich zu früh. Auf dem Heimweg mussten sie laufen, weil in der Kutsche kein Platz mehr war. „Ihr habt junge Beine. In einer Stunde sehen wir uns wieder.“ Sprach‛s und ließ die beiden stehen.
Widerwillig trabten sie den Weg entlang. „Das ist das Letzte, Levi! So geht man nicht mit mir um.“
„Lass gut sein, Luzifer. Dafür brauchen wir nicht auf dem Feld schuften bei der Hitze.“
„Das stimmt.“
Abends saßen die Brüder wieder beim Mahl. Diesmal waren Beelzebub und Asmodeus zurückhaltender. Sie begnügten sich mit einer Kleinigkeit, während ihre Brüder reichlich zulangten. Die ungewohnte Arbeit und das Regiment des Ritters mit seinen Leuten ließ sie kleinlaut dasitzen. Früher als es sonst ihre Gewohnheit war, fielen sie in ihre Betten.
Auch am dritten Tag wurden in der Frühe die Aufgaben verteilt. Jetzt war die Reihe an Satan und Luzifer, dem Mundschenk zu helfen. Das war für Luzifer eine viel größere Strafe als für seinen Bruder, der sich über diese Arbeit freute. Binnen weniger Stunden erkannte der Koch ein verstecktes Talent in ihm und übertrug ihm die Sorge für die Suppe. „Lass sie nicht anbrennen, aber gib immer genug Holz ins Feuer.“
Luzifer tat sich schwer mit dem Gemüse, doch der Koch zeigte ihm freundlich, wie man aus einfachen Zutaten schmackhafte Beilagen machen konnte und weihte ihn auch in die vielen Gewürze ein. „Sei nur vorsichtig, zu wenig schmeckt nicht, aber zu viel ist auch nicht gut. Zudem sind manche Gewürze so teuer wie Gold oder Edelsteine.“
