Die Sterne des Rudels: Bücher 1-5 - N.J. Lysk - E-Book

Die Sterne des Rudels: Bücher 1-5 E-Book

N.J. Lysk

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Beschreibung

Fünf Alphas. Ein Omega. Das Schicksal ihres Rudels liegt in ihren Händen. Aber wie sieht es mit dem Schicksal ihrer Herzen aus? Als sich herausstellt, dass Ray ein Omega und kein Alpha ist, änderte sich sein Leben für immer. Als männlicher Omega wird von ihm erwartet, dass er sich mit einer ausgewählten Gruppe von Alphas paart und ein eigenes Rudel gründet. Die fünf Männer, die für ihn ausgesucht wurden, sind so ver schieden wie leidenschaftlich. Und einer von ihnen ist sein bester Freund Josh, bei dem sich Ray sicher war, dass er seine Gefühle nie erwidern würde. Aber jetzt müssen sie alle mit dem Paarungszwang den die Macht des Mondes in ihnen auslöst, fer tig werden; und danach... wird Ray größere Probleme als eine al berne Schwärmerei haben. Kann Ray zu dem unterwürfigen Omega werden, den sein Rudel braucht? Werden die Alphas verstehen, wie schwer es für ihn ist oder mehr verlangen, als er zu geben hat? Wenn Ihnen Dark Romance gefällt, werden Sie N.J Lysks „Die Sterne des Rudels“ lieben. Gruppensex, Paarungsinstinkte, Verknoten, Bisse, Fortpflanzung und eine gesunde Dosis Angst!

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhaltsverzeichnis

Omega für das Rudel

Einfacher als der Rest (eine Romanze)

Alpha für das Rudel

Teil I: Josh

Teil II: Raymond

Um den Herd

Blicke in die Zukunft

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Über den Autor

Omega für das Rudel

Die Sterne des Rudels – Buch I

***

N.J. Lysk

Synopse

Fünf Alphas. Ein Omega. Das Schicksal ihres Rudels liegt in ihren Händen. Aber wie sieht es mit dem Schicksal ihrer Herzen aus? Als sich herausstellt, dass Ray ein Omega und kein Alpha ist, änderte sich sein Leben für immer. Als männlicher Omega wird von ihm erwartet, dass er sich mit einer ausgewählten Gruppe von Alphas paart und ein eigenes Rudel gründet.  Die fünf Männer, die für ihn ausgesucht wurden, sind so verschieden wie leidenschaftlich. Und einer von ihnen ist sein bester Freund Josh, bei dem sich Ray sicher war, dass er seine Gefühle nie erwidern würde. Aber jetzt müssen sie alle mit dem Paarungszwang den die Macht des Mondes in ihnen auslöst, fertig werden; und danach… wird Ray größere Probleme als eine alberne Schwärmerei haben. Kann Ray zu dem unterwürfigen Omega werden, den sein Rudel braucht? Werden die Alphas verstehen, wie schwer es für ihn ist oder mehr verlangen, als er zu geben hat?Wenn Ihnen Dark Romance gefällt, werden Sie N.J Lysks „Omega für das Rudel“ lieben. Gruppensex, Paarungsinstinkte, Verknoten, Bisse, Fortpflanzung und eine gesunde Dosis Angst!

Kapitel 1

Ray trat nach vorne und verbeugte sich. Er hob seinen starren Blick nicht vom Boden und blieb bewegungslos stehen. Sein Herz raste, aber wenigstens schaffte er es, ruhig zu wirken. Es war natürlich nicht so, als ob er seinen Geruch verbergen konnte. Jeder Alpha in der Sitzungshalle wusste, wie verängstigt er war und er konnte sie ebenfalls riechen: begierig und hungrig. Auf ihn. Weil er ein Omega und bereit für die Paarung war.

„Raymond“, sagte sein Onkel, fast zärtlich. Erst dann sah Ray auf. Nur für eine Sekunde, nicht lange genug, um seinen Gesichtsausdruck entziffern zu können. Er hätte das Mitleid nicht annehmen können, nicht in diesem Moment. Er konzentrierte sich auf die stoppelige Wange des ersten Alphamännchens seines Rudels. Der Mann, der nun sein Leben in den Händen hielt. Er musste Respekt zeigen und beweisen, dass er aufmerksam war, wenn ein Alpha zu ihm sprach. „Es stimmt - Du hast deine Berufung gefunden.“

Es war nur der höflichste Weg, um zu beschreiben, was mit Rays Körper geschah – die Veränderungen, die ihn von einem Beta - alle Kinder waren Betas - zu einem Omega werden ließen, hatten gerade begonnen. Von einem Jungen zu einem… nein jetzt würde er nie ein Mann sein, Omegas waren keine Männer. Früher hatten Wolfwandler einfach den Tierbegriff für sie benutzt: Hündinnen. Aber natürlich würde das jetzt niemand mehr in der Öffentlichkeit sagen. Jetzt waren sie Omegas oder Fortpflanzungsmännchen – Partner für die Alphas, die sie zu ihrem Besitz erklärten, oder für das Rudel, das sich um sie herum bildete. Wie auch immer man Leute wie Ray nannte, eines war wahr: Sie waren selten. Die meisten Wolfwandler kamen als Weibchen der Spezies zur Welt.

In seinen achtzehn Jahren hatte Ray von weniger als einem halben Dutzend ausgewachsener männlicher Omegas gehört. Nur einer von ihnen hatte einen einzelnen Partner gehabt, aber der Rest… Ray wusste, was die Alphas sagten: Es war eine Verschwendung, einen voll ausgewachsenen Omega-Mann zu vergeuden, indem man ihn sich nur mit einem einzelnen Alpha fortpflanzen ließ. Dazu waren männliche Zuchttiere nicht geschaffen worden, argumentierten sie. Sie wurden groß und kräftig geboren, damit sich um sie herum ein neues Rudel bilden konnte. Ray zitterte. Er war sich den schweren Blicken, die auf ihm lasteten, bewusst. Er war sich auch bewusst, dass er ganze 189cm groß war und breitere Schultern hatte als Männer, die älter waren als er. In der Vergangenheit war das für ihn immer ein Vorteil gewesen, es hielt andere Wölfe – bekanntermaßen rauflustig – davon ab, ihn herauszufordern, aber für einen Omega-Mann war Größe kein Vorteil.

„Ich habe entschieden, die Anfrage für ein neues Rudel zu gewähren“, gab sein Onkel bekannt. Ray wurde übel. Er war komplett angezogen – Jeans, zwei Hemden und darüber sein Parka – aber plötzlich wurde ihm bis auf die Knochen kalt und er musste seine Knie durchdrücken, um sich aufrecht zu halten. Ihm wurde bewusst, dass er noch Hoffnung gehabt hatte. Dumm wie er war, hatte er angenommen… Aber natürlich machte es keinen Unterschied, dass sein Onkel der oberste Alpha seines Rudels war; er konnte einen gesunden männlichen Omega nicht einfach einem einzelnen Partner überlassen – egal wie sehr er ihn auch beschützen wollte.

In einem Rudel, das so groß war wie ihres, war eine Aufteilung unausweichlich geworden. Viele würden argumentieren, dass Rays neuer Status eine direkte Folge davon war, dass man zur Gründung eines neuen Rudels einen Omega benötigte. Früher einmal, als er sicher gewesen war, dass er als ein Alpha aus der Kindheit schreiten würde, hatte Ray daran gedacht, selbst ein neues Rudel zu gründen. Wie es dem Omega dabei ergehen würde, daran hatte er nie einen Gedanken verschwendet. So wie es ihm erzählt wurde, brauchten paarungsbereite Omegas einen Alpha, um sich fortzupflanzen oder die unerfüllte Lust würde ihnen schier den Verstand rauben.

Aber er war nicht im Paarungszwang, noch nicht, und Erregung war das Letzte, an das er denken konnte. Er spürte, wie sich die Menge ungeduldig um ihn herum bewegte. Wie Raubtiere, die kurz davor waren, sich auf ihre Beute zu stürzen. Sein Onkel sprach die Namen der Alphas, die er auserwählt hatte, nicht aus. Sie mussten es bereits wissen, vermute er. Ray hielt seinen Blick starr auf die Wand hinter der rechten Schulter seines Onkels gerichtet. Nicht, weil er befürchtete getadelt zu werden, wenn er wegschauen würde; er fürchtete sich vielmehr davor, herauszufinden wer sie waren. Die Männer, denen er gehören würde.

Traditionell wurden die Partner der Omegas von ihren Eltern und nicht dem obersten Alpha gewählt. Die Eltern des Omegas mussten eine Empfehlung natürlich nicht annehmen, aber die meisten baten trotzdem darum. Aber Rays Vater war gestorben, als er noch klein war und seitdem hatte sich Rays Onkel um Ray, seine Mutter und seine Geschwister gekümmert. Es war nur gerecht, dass er jetzt für Ray wählte, hatte seine Mutter – die selber ein Omega war – gesagt. Sie war sich sicher, dass er eine bessere Wahl treffen würde, als sie es konnte. Vielleicht wusste sie, dass keine Chance darauf bestand, dass Ray einen einzelnen Partner bekommen würde. Vielleicht wollte sie nicht diejenige sein, die diese Wahl für ihn traf.

Er spürte, wie jemand eine Hand auf seinen Ellenbogen legte und das empfindliche Gelenk dort kaum merkbar umfasste. Ray zuckte zurück, als ob er geschlagen worden war. Der Besitzer der Hand ergriff ihn beim Hemd und zog ihn am zusammengeknüllten Stoff wieder näher zu sich heran. Ray erstarrte, der Geruch eines Alphas erfüllte seine Nase – und obwohl er wusste, was passieren würde, löste es etwas in ihm aus. Ein Omega-Wolf wusste, dass er bei einem Alpha in Sicherheit war, weil ein Alpha alles tun würde, um ihn zu beschützen. Und dann verarbeitete Rays geschocktes Gehirn endlich den Geruch vollständig und er hob ruckartig seinen Kopf. Er konnte nicht anders.

Denn es war kein Fremder, der neben ihm stand: Es war Rays bester Freund.

Als sich ihre Augen trafen, war ein Geräusch wie ein Winseln zu hören: Joshs Augen waren wie immer haselnussbraun, aber ohne einen Funken seiner gewohnten guten Laune. Da war nur eine Wärme. Sorge. Rays Gesicht fühlte sich an, als ob es verbrennen würde und die erniedrigende Sicherheit darüber, wie er gerade für Josh riechen musste, war wie ein Gewicht, dass er kaum zu tragen wusste. Josh berührte seine Haut nicht einmal und ihm wurde bereits zu heiß. Er brannte sowohl vor Entsetzen als auch vor… Als er seinen Kopf senkte, spürte er etwas wie einen reißenden Schmerz. Er riss seine brennenden Augen von den seines Freundes los. Nein, er war nicht sein Freund. Nicht mehr. Denn dass es Josh gestattet war, ihn hier und jetzt zu berühren, konnte nur eine Sache bedeuten: Er würde Rays Alpha sein.

„Hey”, sagte Josh sanft, als ob sie alleine wären. Nur dass er zu Ray noch nie in diesem Ton gesprochen hatte. Er war immer provozierend und frech gewesen, nie… Rays Angst verließ ihn schlagartig und das Einzige, was er jetzt noch fühlte, war Wut. Er hatte gedacht, dass Josh sein Freund war, aber warum würde ein Freund das wollen? „Raste nicht aus“, fuhr Josh fort, so eigenartig vorsichtig – als ob er Ray nicht mehr kannte, als ob er dachte, dass Ray jetzt, da er ein Omega war, die Realität nicht mehr bewältigen konnte. „Ich stehe hinter dir.“

Und damit riss sich Ray gewaltsam los, machte einen Schritt zurück und zeigte seine Zähne. Joshs Augen weiteten sich vor Überraschung und Beunruhigung, aber er war nicht wütend. Zuvor hätte er auf solch übertriebene Feindseligkeit genauso feindselig geantwortet, aber natürlich würde ein Alpha keinen Omega angreifen. Er war es nicht mehr wert, dass man mit ihm kämpfte, nur dass man um ihn kämpfte. Ray schaute sich um und sah in die Gesichter der anderen Alphas, die nach vorne getreten waren. Sie befanden sich nicht so nah wie Josh, aber sie umringten ihn und der Wolf in ihm war für eine Sekunde verwirrt.

Bis vor sehr kurzer Zeit war der einzige Grund, aus dem ihn Alphas so umzingelt hätten, das sie ihn angreifen wollten. Im Bruchteil einer Sekunde verwandelte sich Ray. Er ließ seine Kleidung auf dem Boden verstreut zurück, als er sich umdrehte und rannte.

Er wusste nicht, ob irgendjemand von den im Raum anwesenden Alphas versucht hatte, ihn aufzuhalten, aber zumindest waren ihre Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt.

***

Natürlich war es Josh, der ihn fand, nackt kauernd in einer Höhle, in der sie als Kinder gespielt hatten. Ray hatte seine Anwesenheit gespürt, aber die Höhle verfügte über keinen anderen Ausweg und er konnte ohnehin nirgendwo anders hingehen. Rudel wurden nicht nur durch Blut bestimmt, sondern auch durch Loyalität und Schutz und ein einsamer Wolf lebte nicht lange.

Er hörte ein raschelndes Geräusch, aber verstand es erst, als Josh bekannt gab: „Ich hab deine Kleidung da gelassen.“

Dann hörte er, wie sein Freund sich entfernte. Also durfte er sich anziehen, bevor er die Höhle verlassen musste, um sich der Musik zu stellen. Er zögerte noch einen Moment länger: wenn er diese Klamotten anziehen würde, hätte er keine Entschuldigung mehr, um in der Höhle zu bleiben. Die Verfolgung wäre vorbei und er würde als gefangen gelten.

Aber dann wurde ihm klar, dass jede weitere Sekunde nur bestätigte, dass ein Omega schwach war und Angst hatte. Zwar war er alles andere als glücklich über sein Schicksal, aber das bedeutete nicht, dass er sich der Sache nicht stellen konnte. Er konnte nicht wählen. Er konnte nicht flüchten. Na gut. Aber er würde sich nicht weiter wie eine Nacktschnecke bebend und zitternd in dieser Höhle verkriechen. Es war egal, was sie mit ihm machten, sie würden ihn nicht brechen können.

Und Raymond Halley mochte zwar kein Alpha sein, aber er war auch kein Feigling.

Als er hervortrat, drehte sich Josh unbeholfen in seine Richtung. Ray sah ihn schwer schlucken. Sie hatten sich bereits lange vor Rays Präsentation als Omega nicht mehr gesehen. Ray wusste nicht, was er erwarte hatte, aber Josh sah genau gleich aus: gebräunte Haut, die sich über straffen Muskeln spannte, leuchtende haselnussbraune Augen, seine Lippen, mit denen er den Hauch eines Lächelns andeutete, obwohl es an seinem Ausdruck nichts Fröhliches gab. Aber er sah Ray auf eine komplett neue Weise an – halb aus Angst vor ihm, halb aus Angst davor, ihn wieder zu erschrecken. Josh, der es einst so genossen hatte, ihn nach jedem Horrorfilm und in jedem unheimlichen Gebäude zu Tode zu ängstigen. Ray fragte sich, ob er einen Alpha schlagen konnte, solange er noch nicht sein Alpha war. Noch… Er musste ausatmen und einen Moment lang wegschauen, um seine Gedanken zu sammeln.

Josh war nur ein bisschen größer als Ray, so unmerklich, dass man es nur erkennen konnte, wenn sie Rücken an Rücken standen. Nicht, dass er Ray vorher nicht damit geneckt hätte. Jetzt würde er denken…

„Ray“, sagte sein Freund. Seine Wangen waren genug gerötet, dass sie selbst in der Dämmerung zu erkennen waren. „Dein Onkel hat mir erzählt was los ist und ich wollte helfen“, erklärte Josh. „Ich verspreche es. Ich will nur helfen.“

Ray schnaubte, bitter und verletzt, und drehte sich einen Moment lang weg, um die Kraft zum Sprechen zu sammeln. Es war jetzt schwieriger. Sein innerer Wolf wusste, dass er vor einem Alpha stand, er wollte sich unterwerfen. „Ich bin mir sicher, dass das alles ist, was du willst.“

„Es ist das Einzige, was ich will“, beharrte Josh und es hörte sich ehrlich an. Sein Herzschlag war regelmäßig, sein Atem ging schnell, aber gleichmäßig. „Und wenn ich später doch etwas anderes von dir will, dann nur um dir zu helfen.“

Ray lachte fast, doch wäre es kein fröhliches Geräusch geworden. Er steckte so voller Wut und Entrüstung, dass er sich nicht traute, einen Mucks zu machen, weil er sich davor fürchtete, was sonst noch hätte aus ihm herausplatzen können. „Also tust du mir einen Gefallen“, sagte er endlich. Dieses Mal versuchte er nicht einmal Josh anzugucken. Er konnte nicht gleichzeitig gegen sich selbst und seinen Wolf ankämpfen.

„Ich tue was nötig ist, um dich zu beschützen“, antwortet Josh.

„Mich beschützen?”, wiederholte er. „Hast du gehört, was mein Onkel gesagt hat?“

„Du weißt, dass du in Sicherheit bist. Kein Alpha würde dich jemals verletzen.“

„Warum dann? Warum du? Warum-„

„Weil ich dich kenne, Ray, und ich weiß, wie du bist. Und ich kann verhindern, dass dir das alles über den Kopf wächst. Was du zu tun hast… deine Aufgabe… das muss nicht dein ganzes Leben lang so weitergehen.“

Und in diesem Moment verlor der Wolf den Kampf: Ray stürzte sich auf Josh. Er traf ihn in den Bauch, hart genug, damit er nach Luft schnappen musste. Er schlug ihn beinah erneut, bevor ihm auffiel, dass Josh sich nicht wehrte.

„Schlag mich“, verlangte er, wobei er Josh hart genug schüttelte, dass seine Zähne klapperten. Es war nicht das erste Mal, dass sie sich prügelten und es würde nicht das letzte Mal sein. Natürlich würden sie sich niemals wirklich verletzen. Das war Teil des Reizes, sie konnten sich freien Lauf mit jemand lassen, der stark genug war, um es zu verkraften.

„Ich kann nicht!“, keuchte Josh und versuchte, ihn weg zu schieben, aber es war nicht energisch genug, also blieb er erfolglos.

„Was zur Hölle meinst du mit du kannst nicht?“, spuckte Ray und schubste ihn ebenfalls, jedoch heftig genug, um ihn zu Boden zu werfen.

Josh sah zu ihm auf, wobei er nicht versuchte, wieder auf die Füße zu kommen. „Das hat verdammt weh getan, Raymond, aber ich könnte nicht… ich kann nicht.“

„Du hast gesagt, dass du helfen willst“, erinnerte ihn Ray. Langsam genug, um nicht bedrohlich auf Ray zu wirken, kam Josh auf seine Knie und dann auf seine Füße, bis er Ray wieder in die Augen schaute.

„Ich brauche… Ich habe gerade alles verloren. Ich kann nicht…“

Josh machte einen entschlossenen Schritt nach vorne und zog Ray zu sich, bis er in seine Arme stolperte. Es war nur die gewohnte Grobheit der Geste, die Ray davon abhielt, ihn wegzustoßen.

„Nein, das hast du verdammt nochmal nicht“, sagte Josh empört. „Du hast mich.“

Ray zitterte in seinen Armen, vor rasender Wut oder Verlust oder Verzweiflung. „Aber die anderen…“

„Sie sind gute Kerle, Ray. Dein Onkel hat sich mit mir beraten. Es sind alles Wölfe, die du kennst; Männer, denen du vertrauen kannst.“

Ray ließ seinen Kopf gegen Joshs Schlüsselbein sinken. „Wie können gute Kerle so etwas tun?“

Er fühlte sich so verloren, von der Realität wie er sie kannte losgelöst, nur mit Josh, um ihm Halt zu geben. Nur dass das nicht mehr Rays bester Freund war, der Typ, der immer für ihn da war und all seine peinlichen Teenagergeschichten kannte. Dieser neue Josh, der ohne Zweifel nach Alpha roch, würde Ray ficken. Nicht nur das, er würde zusehen, während der Rest des neuen Rudels das gleiche tat. Und wenn die Geschichten wahr waren, würde Ray seine Beine mit Freude für sie spreizen. Er schüttelte sich und Joshs Arme schlossen sich enger um ihn.

„Wir müssen zurück gehen“, sagte er zu Ray. Er entschuldigte sich nicht dafür, aber er versuchte auch nicht, sich zu bewegen. Es war so ein typisches Josh-Verhalten: Ray an seine Pflichten erinnern, aber es Ray überlassen, das Richtige zu tun.

Natürlich mussten sie zurückgehen; sie wurden erwartet. Hatten alle Alphas die ganze Zeit auf ihn gewartet? Ray glaubte nicht, dass er ihnen erneut gegenübertreten könnte.

„Wir müssen nicht zurück zur Sitzungshalle gehen, nur… wir können die anderen holen und dann zu einem Ort auf der anderen Seite des Flusses gehen“, erklärte Josh. Als ob Ray sich einen Scheiß dafür interessierte, wo er gefickt und bestiegen werden würde. Er löste sich heftig aus Joshs Umarmung. Aber sein Widerstand begann sich aufzulösen. Er konnte an Joshs betroffenem Gesichtsausdruck erkennen, dass auch er es wusste.

„Lass uns losgehen“, entschied er. Danach würde es allzu wenig sein, das er entscheiden konnte.

***

Außerhalb der Sitzungshalle standen vier Männer herum. Das war noch nichts Ungewöhnliches. Es war normal, dass jemand dort war. Das Komische war jedoch, dass niemand anderes anwesend war und die Sitzung konnte noch nicht lange vorbei sein. Ray vermutete, dass ihnen Privatsphäre gegeben wurde. Er hätte nur noch schreien können. Sie ließen ihm keine Wahl und sagten ihm noch nicht einmal vorher Bescheid, aber die Alphas trafen ihn alleine? Niemand hatte auch nur darüber nachgedacht, wie sich das für Ray anfühlen würde: sich diesen Männern stellen zu müssen, allen auf einmal, und zu wissen, dass er ihnen gehörte.

Josh blieb direkt hinter ihm stehen. Trotz allem war Ray froh, dass er da war.

„Kannst du dich an mich erinnern?“, fragte einer der Alphas.

Er lehnte sich gegen das Gebäude und zeigte dabei beiläufig den Umfang seines Bizeps. Seine dunklen Augen und sein dunkles Haar ließen seine Haut unter dem künstlichen Licht, das die Barockfassade des Rathauses erleuchtete, bleich aussehen, aber Ray wusste, dass sie einen Ton dunkler war als seine eigene, wie das Produkt einer anhaltenden Bräune, die niemand in Nord England hätte halten können.

Ray kannte ihn. Seine Familie war vor ein paar Jahren auf der Durchreise gewesen und am Ende dageblieben. Das war einer der vielen Gründe, warum das Rudel jetzt zu groß geworden war, um angemessen geführt zu werden. Sie hatten zusammen Fußball gespielt. Er war ein großartiger Stürmer, schnell und vielseitig; aber Rays und Joshs Team hatten ihnen letztes Mal, als sie ihnen begegnet waren, trotzdem den Arsch versohlt. Ihm fiel auf, dass er sich nicht an seinen Namen erinnern konnte und wollte fast über die Absurdität der Situation lachen.

„Iesu”, bot ihm sein früherer Rivale an, wobei er einen Schritt nach vorne machte und seine Hand ausstreckte. Ray reichte ihm automatisch die seinige. Und dann klickte der Name in seinem Kopf.

„Iesuvel“, er hatte damals gedacht, dass es ein schöner Name war und Ray hatte ein gutes Erinnerungsvermögen für schöne Dinge. Er konnte sich nicht an seinen Nachnamen erinnern, was viel darüber aussagte, wie absurd die ganze Sache war.

Damit verdiente er sich ein Lächeln. Ray wollte zurücklächeln. Es hätte alles so normal sein können, nur dass der Kerl sich natürlich darüber freute, dass sich Ray an ihn erinnerte, weil...

Ray drehte sich weg, nach rechts. Plötzlich wollte er die Sache nur noch hinter sich bringen. Er konnte alles aushalten solange er danach bloß alleine sein konnte, nur eine Minute, um es zu verarbeiten. Und dann sah er auf und die Überraschung brachte ihn fast zum Stolpern.

„Gabriel“, keuchte Ray.

Wie hatte er ihn nur übersehen können? Gabriel war noch größer als Ray, blond und blauäugig und stark genug, dass es selbst nachts in einer schlecht beleuchteten Straße zu sehen war. Er war Rays Cousin, der einst umgezogen war. Aus Gründen, die niemand wirklich verstand, hatte er nie nach einem Partner gesucht, obwohl seine Alpha-Präsentation vor mindestens einem Jahrzehnt gewesen war. Er war immer freundlich zu Ray gewesen, als er noch ein Kind war: er nahm sich die Zeit, um mit den Kindern auf Feiern ein paar Bälle zu schießen und die Erwachsenen von zerbrochenem Porzellan abzulenken, bis sie verschwinden konnten.

„Hat dir etwa niemand hiervon erzählt“, sagte sein Cousin dann zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. „Du hast so geschockt gerochen, Ray. Wenn ich es gewusst hätte…“ Sein Blick wanderte an ihm vorbei und er sah Josh an, der hinter ihm stand. Ray hatte Gabriel noch nie zuvor wütend gesehen, er hatte noch nicht einmal davon gehört, dass er es überhaupt in sich hatte. Gabriels Antwort auf den Ärger anderer Menschen war für gewöhnlich, dass er seine Augen rollte und eine Lösung vorschlug.

Aber jetzt war er mehr als nur wütend. Es war ja klar: der erste Instinkt eines Alphas gegenüber einem Omega war es, ihn zu beschützen. Das galt auch für Josh und sein normalerweise freundliches Lächeln verschwand anhand der Anschuldigung. „Wann hätte ich es ihm sagen sollen? Er hat sich zu Hause verschanzt, seit er… sich als Omega präsentiert hat.“

Ray war gerade dabei etwas zu sagen, um sie zu beruhigen – er war sich nicht sicher was – als ihm jemand anderes die Mühe ersparte.

„Aber der oberste Alpha ist dein Onkel, oder? Er hat gesagt, dass er dich wie einen Sohn betrachtet. Warum sollte er es dir nicht erzählt haben?“

Der Sprecher war schmaler als Ray selbst, in keiner Hinsicht ein schmächtiger Mann – das waren Wolfwandler selten – aber kompakt gebaut und kleiner. Er machte erschrocken einen Schritt zurück, als ihn Ray ansah. Er hatte wolfsgoldene Augen, gerade genug Braun in ihnen, um die Menschen vom Starren abzuhalten, und sein Haar hatte eine dunkle Kupferfarbe. Es glitzerte rot im künstlichen Licht. Ray hatte ihn noch nie zuvor in seinem Leben gesehen.

„Und warum zur Hölle sollte ich deswegen lügen?“, schnappte Ray. Er hatte keine Geduld übrig und in diesem Moment war es mehr als schwierig auszuhalten, dass ein Fremder intime Familienangelegenheiten anzweifelte.

„Sorry“, sagte der Mann sanft, während er seine Hände entschuldigend hob. „Ich habe nie gesagt, dass du lügst, ich denke nur laut.“ Ray sah ihn noch einem Moment länger finster an und hoffte, dass es ihm dabei helfen würde, sich daran zu erinnern, wo sie sich getroffen hatten. Er glaubte zu wissen, dass er ein Wolf aus dem Rudel seines Onkels war - so viel konnte er selbst durch die überwältigenden Alphapheromone riechen – aber das war alles, was er damit anfangen konnte.

„Du hast gesagt, dass ich sie alle kenne“, sagte er zu Josh, wobei er sich nicht darum kümmerte, leiser zu sprechen oder sich umzudrehen, um ihn anzusehen.

„Alec ist tatsächlich auf der ‚du-kannst-ihm-vertrauen‘ Liste.“, erklärte Josh in entschuldigendem Ton.

„Und warum sollte ich?“, fragte Ray mit seinem Blick starr auf den goldäugigen Fremden geheftet. Er hatte seine Hände heruntergenommen und sich dazu entschieden, seinen Mund zu halten. Er schien nicht wie der Macho-Alpha-Typ, der einen Omega wie einen Diener herumkommandieren würde, aber das bedeutet nicht, das Ray irgendeinen Grund hatte, ihn zu akzeptieren.

„Ich habe für ihn gebürgt“, bot Gabriel an. Ray wollte gerade nach mehr Informationen fragen, als der fünfte Mann aus den Schatten trat und sprach.

„Und ich habe es auch getan.“

Nur Joshs fester Griff um seinen Arm hielt Ray davon ab, entweder anzugreifen oder versuchen zu entkommen. „Was zur Hölle? Ist das irgendein kranker Witz?“

Dafür würde er Josh umbringen. Vor ihm stand niemand anderes als der einzige Junge im Park, dem Rays Körpergröße stets egal gewesen war, – er war immer wieder aufgetaucht um einen Kampf anzuzetteln. Ray war so blind vor Wut, dass er nicht einmal sprechen konnte.

Sergi kam ihm sowieso zuvor. „Das wird ziemlich dumm klingen“, sagte Sergi zu ihm in einem Ton, dem all die gewohnte Aggression fehlte. „aber ich bin schon seit…ich weiß nicht wie vielen Jahren in dich verliebt.“

„Was?“, sagte Ray, so verblüfft, dass er taumelte. Seine Wut hatte sich nicht komplett aufgelöst, aber er war jetzt viel zu überrascht, um daran festzuhalten.

Sergis Haut war zu dunkel, als dass er in diesem Licht hätte sehen können, dass er rot geworden war, aber er sah unglücklich und verlegen aus – wie man es nur sein konnte, wenn man seinen Rivalen darum bittet, sich vorn über zu beugen. Er war so weit von dem übermütigen und trotzigen Tyrannen entfernt, den Ray kannte, dass es schwer zu glauben war, dass es sich um dieselbe Person handelte.

„Ich weiß, dass ich ein Idiot war, aber ich war ein Kind und du warst… ich war am Durchdrehen, weil ich Gefühle für einen Kerl hatte.“, brachte er endlich heraus, während seine Augen abglitten.

Natürlich war es für einen männlichen Alpha in Ordnung einen männlichen Omega zu wollen, aber unter anderen Umständen wurde es nicht toleriert… Das Überleben des Rudels lies es nicht zu, dass man sich solchen ‚Neigungen‘ hingab. Ray hatte das ein Leben lang gewusst und hielt daher seine Anziehung für Männer bedeckt, während er seine Teenagerjahre damit verbrachte, die weichen Kurven der Mädchen zu erforschen. Natürlich wurde es von Männern im Allgemeinen erwartet, heterosexuell zu sein, aber nicht von Omegas. Omegas sollten sich nicht dafür interessieren von wem sie bestiegen wurden, wenn sie in Paarungszwang kamen; deswegen organisierten Verwandte und das Rudel für sie zu ihrem eigenen Besten Paarungen.

„Also hast du mich wie Scheiße behandelt“, schlussfolgerte Ray.

Sergi hob seinen Blick und funkelte ihn wütend an. „Du warst im Gegenzug genauso beschissen zu mir.“

Ray konnte das nicht abstreiten, aber er hatte auch nicht erwartet Sergi eines Tages vögeln zu müssen, oder? „Und jetzt hast du gedacht, dass du zwei Fliegen mit einer Klappe schlägst? Mich ficken und mich verarschen?“

Sein alter Rivale schreckte zurück und sah so geschockt aus, als ob Ray ihn soeben eines Mordes beschuldigt hätte. „Nein! Ich will… Weißt du, es ist ja nicht so, als ob sonst niemand an dir interessiert ist. Dein Freund hat gesagt, dass ich dich bitten könnte, mein Omega zu sein, aber wenn du mich nicht willst…“

Jetzt eine Entscheidung angeboten zu bekommen war nichts anderes als grausam; warum hatte ihn vorher niemand gefragt, wenn diese Möglichkeit existierte? Wenn er seinen Onkel gefragt hätte, hätte dieser wahrscheinlich geantwortet, dass er gedacht hatte, dass es Ray egal wäre. Ein ungepaarter Omega brauchte nur eine Sache: einen Alpha.

„Komisch, dass niemand darüber nachgedacht hat, mich das vorher zu fragen“, keifte Ray trotzdem. Diese Behandlung verdiente er nicht und er musste es auch nicht hinnehmen. Zumindest vorerst zwang ihn sein Wolf nicht dazu, gegenüber den Alphas Unterwürfigkeit zu zeigen.

Sergi mochte zwar seine Taktik geändert haben, aber seine Sturheit hatte er nicht verloren. „Dann frage ich dich jetzt.“

„Wir müssen diese Versammlung an einen privaten Ort verlegen“, unterbrach Gabriel sie und Ray zuckte zusammen.

Sein Cousin seufzte. „Um zu reden“, stellte er klar, wobei er für Rays Geschmack zu mitfühlend aussah. Natürlich hatte er guten Grund auszuflippen, aber das bedeute nicht, dass er Gabriels Mitleid wollte.

Ray nickte. Gabriels Wohnung war nur ein paar Straßen entfernt, im Dorf direkt außerhalb des offiziellen Rudelterritoriums – es war Gabriels unerklärliche Art zu rebellieren. Aber sogar näher am Gebiet der Menschen waren die Straßen so spät in der Nacht ziemlich leer. Lanchester war ein verschlafener englischer Ort, wo niemals etwas passierte – wenn man ignorierte, dass die Hälfte der Einwohner jeden Vollmond zu Wölfen wurde und wild in den Wäldern und Feldern um das Dorf herumstreunte. Vielleicht war das der Grund, der die Einheimischen so spät in ihren Häusern bleiben ließ. Quasi irgendeine Art zurückgebliebener Instinkte aus der Zeit, in der die Menschen über Gestaltenwandler Bescheid wussten – bevor ihnen die Wissenschaft gesagt hatte, dass die Wahrheit keinesfalls möglich sein konnte.

Ray hatte sich in diesen Straßen immer sicher gefühlt. Er hatte immer gewusst, dass er jeder Zeit zurück nach Hause kommen konnte, wo ihm mit dem Schutz des Rudels nichts widerfahren konnte.

Er hatte nicht damit gerechnet, dass er Schutz vor seinem Rudel brauchen würde.

Er schob seine Hände in die Taschen und hielt seinen Blick nach vorne gerichtet, während er versuchte, nicht auf die Geräusche zu achten, die die Alphas machten oder noch schlimmer, ihren Geruch wahrzunehmen. Außer Gabriel an der Spitze und Josh einen Schritt hinter ihm, folgten sie alle leise, aber ihre Anwesenheit war unmöglich zu ignorieren. Vielleicht war es der Paarungsinstinkt, vielleicht war es die Angst, die es nicht zuließ.

Gabriel war neunundzwanzig und war– obwohl er Single war – vor langer Zeit aus dem Haus seiner Eltern ausgezogen. Ray konnte sich vage an die Unzufriedenheit seines Onkels über das menschliche Verhalten seines Sohnes erinnern. Was hatte Gabriel nach all den Jahren dazu veranlasst, sich umzuentscheiden?

Gabriel führte sie zu seinem Wohnzimmer, das ziemlich groß für solch ein kleines Haus war und deutete in Richtung der nicht zusammenpassenden Sofas. Ray nahm auf einem Sessel Platz – das Letzte, dass er riskieren wollte, war von irgendjemandem berührt zu werden. Er bemühte sich, ihren Blicken auszuweichen, indem er sich die Möbel ansah, während Gabriel in den Küchenschränken nach irgendetwas wühlte. Damals als Gabriel ausgezogen war, hatten Ray und Josh anfänglich erwartet, dass er sie einladen würde, um ihn zu besuchen, aber Gabriel hatte die Vorstellung als unmöglich abgetan, weil er in einer Einzimmerwohnung lebte.

Zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten drei Jahren war er in dieses Haus gezogen, aber er hatte sie noch immer nicht darum gebeten, ihn zu besuchen.

Das „Irgendetwas“ stellte sich als eine Flasche Tequila mit Gläsern heraus, die er in einer Reihe auf dem Couchtisch abstellte und so geschickt wie ein Barkeeper bis zum Rand füllte. Ray sah auf, um ihm in die Augen zu schauen, als Gabriel das Glas vom Tisch nahm und es ihm anbot. Er nahm es und trank es aus. Das Stechen des Tequilas war das Einzige auf der Welt, das er im Moment trotz seiner Taubheit spüren konnte. Er streckte sein Glas wortlos zum Nachschenken aus. Gabriel füllte es wieder. Dann sah er die anderen Alphas an. „Fühlt euch frei, Gentlemen.“

Josh standen die Zweifel ins Gesicht geschrieben, aber Iesu und Sergi stürzten sich ohne zu zögern auf das Mut verleihende Getränk. Sergi musste Gabriel gut genug gekannt haben, um sich wohl genug dabei zu fühlen, sich in seinem Haus selbst zu bedienen. Er zögerte nicht, die Gläser wieder aufzufüllen. Ray stellte sein leeres Glas auf den Tisch und tat so, als ob er den zögernden Blick in seine Richtung nicht bemerkte, den Sergi ihm zugeworfen hatte, bevor er ein drittes Mal zum Auffüllen ansetzte. Er mochte keinen Tequila – oder was auch immer im Rudel als Tequila durchging und vor dem sie alle gewarnt worden waren, denn es konnte die Menschen ins Krankenhaus bringen – aber er trank es trotzdem.

„Ich werde anfangen“, sagte Gabriel. Sie drehten sich alle um. „Ich bin schwul, Ray, und in diesem Rudel werde ich noch verrückt. Ich hatte schon immer etwas für dich übrig. Ich würde dir gerne anbieten, dein Partner zu werden.“

„Anbieten?“, wiederholte Ray und stellte das Glas so heftig ab, dass es fast zerbrach. „Wie kann es ein verdammtes Angebot sein, wenn es bereits von dem obersten Alpha und dem Rat unterschrieben wurde?“

Gabriel sah ihm in die Augen, noch immer an derselben Stelle auf der anderen Seite des Raumes stehend. „Ich kann dich auch in Ruhe lassen, wenn es das ist, was du willst.“

Ray fragte sich, ob das ein Trick war. Natürlich konnte Gabriel behaupten was er wollte, aber zu guter Letzt war er nicht dazu gezwungen, es auch einzuhalten.

„Dem haben wir alle zugestimmt“, sagte Josh leise zu seiner Linken.

Ray nahm sein Glas und trank es leer. „Großartig, jetzt kann ich euch rauswerfen, wenn ich will und was kommt dann? Hoffen, dass niemand Schlimmeres einen Anspruch auf mich erhebt?“

„Thomas hat es bereits versucht“, sagte Josh entschuldigend.

„Was?!“, fauchte Ray. „Warum würde dieses Arschloch…“

Und dann verstand er plötzlich: Nicht nur war Thomas ein Arschloch, sondern auch noch ein machtgieriges Arschloch. Er interessierte sich wahrscheinlich nicht wirklich für Ray, aber Ray war der Anfang eines neuen Rudels. Ein Rudel, in dem früher oder später ein oberster Alpha hervortreten würde. Ray konnte endlich begreifen, was Josh ihm die ganze Zeit zu sagen versucht hatte: es gab schlechtere Kandidaten als die Männer in diesem Raum.

„Mir haben deine Bilder gefallen“, sagte Sergi aus dem Nichts heraus. Ray drehte sich in seine Richtung, um festzustellen, dass er auf seine eigenen Hände starrte, die in seinem Schoß lagen – nicht wirklich das Bild eines dominierenden Alphas – und er redete leise, als wäre er … schüchtern. Sergi, der ihm regelmäßig ins Gesicht geschrien hatte und mit dem er über die Jahre in mehr als nur einen Faustkampf geraten war. „Ich habe dich damals zum ersten Mal in der Schule gesehen. Zwar habe ich deine Nähe gesucht, aber ich konnte dir meine… meine Zuneigung nicht beichten. Damals wusste ich noch nicht einmal, warum ich so fühlte. Ich dachte, dass du cool bist und dass ich dein Freund sein will, aber ich wusste nicht wie. Mit der Hoffnung, dich in ein Gespräch zu verwickeln, habe ich dir damals einfach einen Ball zugeworfen.“

Es war so eine dumme Geschichte, aber Sergi log trotz all seiner Nervosität nicht. Auch wenn er nicht dazu in der Lage war, anhand kleiner Abweichungen in ihrem Ton und ihrem Puls festzustellen, ob sie logen, wusste es Ray. Niemand, der nicht in seinem Kunstunterricht gewesen- oder Teil seiner Familie war, wusste, dass er malte. Natürlich außer dem Jungen, der Ray den Ball so hart zugeworfen hatte, dass er Nasenbluten bekam. Ray war stets davon überzeugt gewesen, dass es Absicht gewesen war. Jetzt, da er sowohl wusste, dass er komplett richtig und komplett falsch gelegen hatte, fand er keine Worte.

„Aber was ist dann passiert?“, drängte Iesu. Sergi warf einen giftigen Blick in seine Richtung.

„Er hat meine Nase zum Bluten gebracht“, erklärte Ray und Iesu schnaubte und stieß Sergi mit seinem Ellenbogen an.

„Ist das deine beste Taktik jemanden anzumachen?“, provozierte er und Sergi schubste ihn direkt zurück. Er hatte ein rotes Gesicht und sah… harmlos aus. Er war nur ein kleines bisschen älter als Ray selbst, nicht wirklich alt genug, um ein Erwachsener zu sein. Nicht alt genug, um das zu tun, wozu Ray nicht bereit war.

Nicht, dass er für seine Rolle in diesem Rudel, ihr Omega zu sein, jemals bereit gewesen wäre.

Iesu drehe sich zu Ray. Iesus dunkle Augen glitten nicht nervös von ihm ab, wie es die von Sergi getan hatten und das hielt ihn irgendwie gefangen. „Mir gefällt es nicht wirklich, wie dieses Rudel geführt wird. Ich will helfen ein neues, ein kleineres Rudel aufzubauen, so wie es früher war, als ich ein Kind war.“

Er redete überhaupt nicht über Ray. Aber warum sollte er auch? Warum würde er Ray auswählen? Weil er gut Fußball spielte? Dann lächelte er ihn an, teils schüchtern, und er fuhr fort um sein Geständnis etwas aufzulockern: „Vielleicht habe ich das Spiel auch verloren, um zu feiern. Und weil ich dich in deinen kurzen Hosen abchecken wollte.“

Wenn es von irgendjemand anderes gekommen wäre, hätte ein Kompliment über seinen Körper unter diesen Umständen beleidigend sein können. Schließlich fühlten sich Alphas immer zu Omegas hingezogen – egal wie sie aussahen. Aber Iesu hatte einen Weg gefunden, um dieses Dilemma zu umgehen: er redete über Rays Körper bevor auch nur ein Bruchteil der Veränderung stattgefunden hatte. Er wollte Ray aus eigenem Interesse, aus keinem andern Grund, als dass er sich während eines verschwitzten Fußballspiels zu seinem fitten Körper hingezogen gefühlt hatte.

Ray bemerkte, dass er verächtlich schnaubte und einen halbherzigen Blick in seine Richtung warf. „Rede dir das ruhig weiter ein, wenn dir das hilft, mit der totalen Erniedrigung fertig zu werden, von einem Team mit nur zehn Spielern geschlagen worden zu sein.“

Er hatte Iesu auch vorher gemocht, aber das änderte nichts daran, dass sich seine Brust vor Furcht schwer anfühlte, wenn er an das dachte, was Iesu von ihm verlangte. Ray hätte das Angebot wahrscheinlich angenommen, wenn er es damals gemacht hätte. Aber jetzt-

Ein Glas klirrte schwer auf dem Tisch und unterbrach seine Gedanken. Er blickte herüber und sah, dass ihn Alec direkt anstarrte, mit den Schultern hochgezogen und in starrer Haltung. Ray brauchte noch nicht einmal eine Nase, um zu erkennen, dass er Angst hatte.

„Ich weiß, dass wir uns noch nie getroffen haben“, sagte ihm Alec. Der Rest war leise, das mussten sie auch, weil Alecs Stimme tief und leise geworden war. Er konnte seine goldenen Augen nur einen Moment auf Ray gerichtet halten, bevor er weggucken musste. „Aber ich habe etwas anzubieten: Ich bin Arzt.“

Wolfwandler heilten schnell, aber das brachte seine eigenen Probleme mit sich: Knochen, die in der falschen Position zusammenwuchsen oder Wunden, die heilten, bevor sie von Steinchen gereinigt werden konnten. Rudel brauchten Ärzte, auch wenn alles, in was sie ausgebildet wurden, menschliche Medizin war. Und dann verstand Ray, dass Alec zu rücksichtsvoll war, um zu erwähnen: in naher Zukunft würde Ray einen Arzt brauchen. Denn er würde bald schwanger sein und dann würde er-

„Erzähl ihm, warum du dich uns anschließen willst“, ermutigte Gabriel. Ray war für diese Unterbrechung fast dankbar. Er bevorzugte die Unterhaltung bevor er mit seinen eigenen Gedanken allein war.

„Also ich…“, Alec starrte auf seine Füße. Aber dann hob er seinen Blick vom Boden und sah Ray direkt in die Augen. Es war für ihn sichtbar schwierig. Durch seine kindliche äußere Erscheinung, wie seine langen Wimpern, sah er in diesem Moment so jung aus. Das konnte er natürlich nicht sein, er war vermutlich mindestens Mitte Zwanzig, wenn er die Universität bereits abgeschlossen hatte. „Ich mag Frauen nicht“, gab er endlich zu. „Ich habe es versucht und ich kann mit ihnen nichts anfangen. Aber meine Eltern haben bald keine Geduld mehr.“ Er leckte seine Lippen. „Ich weiß nicht was ich anbieten könnte, außer dass ich für dich sorgen werde. Aber du kannst dich erkundigen, mir bleiben keine Optionen mehr übrig und ich möchte das Rudel nicht verlassen müssen.“

„Ich…“, fing Ray an und sah zwischen ihren Füßen hin und her, um ihren Blicken auszuweichen. Er hatte absolut keine Ahnung, was er sagen sollte. Josh – der ihn sein ganzes Leben lang dabei beobachtet hatte, wie er vor Lehrern die Sprache verlor – wusste es und schritt genau in diesem Moment ein.

„Ich bin mir sicher, dass niemand sofort eine Antwort erwartet, Ray“, kommentierte er sanft. Aber was er meinte, war: niemand würde Ray darum bitten, genau dort und in diesem Moment zu antworten. „Wie lange dauert es bis der Paarungszwang anfängt?“

„Vielleicht einen Tag noch… das ist unterschiedlich“, antwortete Alec und Ray brauchte nicht hören, wie der Klang seiner Stimme voller wurde, um zu wissen, was dabei in ihm vorging. Er konnte es riechen. Das Wort „Paarungszwang“ hatte jeden Alpha im Raum von unterschwelliger Erregung komplett hart gemacht und Rays eigener Körper reagierte darauf. Nur dass er nicht hart wurde. Nein. Er wurde feucht.

Rays innerer Wolf wollte vor Erregung knurren. Ray dagegen wollte jedoch, dass sich die Erde auftat und ihn verschluckte.

Kapitel 2

Niemand versuchte es ihm auszureden, in Gabriels Gästezimmer bei geschlossener Tür Zeitschriften zu lesen. Nach ungefähr einer Stunde brachte Josh ihm das Abendessen vorbei, ohne ihn vorher darum gebeten zu haben, an den Tisch zu kommen. Obwohl ihm vor Angst halb schlecht war, fiel Ray auf, dass er gleichzeitig am Verhungern war. Er war überrascht, wie gut das Essen schmeckte und noch mehr davon, dass es Gemüse enthielt. Sein Teller war leer, bevor das Sättigungsgefühl einsetzen konnte. Als ob er seine Gedanken gelesen hatte, klopfte Josh an der Tür an und brachte Nachschlag. „Alec sagt, dass du, wenn du dazu in der Lage bist, deine Kraft aufrechterhalten solltest.”

Ray fixierte seine Augen auf den Teller und nickte dankend. Zu mehr war er nicht in der Lage. Josh verließ ihn ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Die anderen mussten herausgefunden haben, dass Josh gut mit ihm umgehen konnte. Oder vielleicht dachten sie, dass sie auf Josh hören mussten, wenn es um Ray ging, weil er derjenige gewesen war, der sie rekrutiert hatte. Auf jeden Fall war auch er es, der die Teller später wieder abholte.

Ray war damit abgelenkt, sich eine coole VR-Brille anzusehen, durch die man Filme anschauen konnte. Er sah gerade rechtzeitig zu seinem Freund auf, um mitzubekommen, wie sich Joshs Pupillen weiteten. Er schnappte nach Luft und bekam selbst eine Ladung Alphapheromone ab. Ray wandte seinen Blick schnell ab und ließ das Magazin fallen, als ein Schauer wie ein Erdbeben durch seinen Körper tobte und ihn zitternd und nach Luft schnappend zurückließ. Er wollte nur noch, dass Josh das Zimmer verließ, damit er den unerträglichen Druck in seiner Hose ablassen konnte. Das heruntergefallene Magazin versteckte seine Erektion zum Glück – aber ihm war durchaus bewusst, dass Josh trotzdem dazu in der Lage gewesen sein musste, sie zu riechen.

Aber Josh stand für eine lange Minute einfach nur da, bevor er sich räusperte. „Es wird schlimmer werden, wenn du es bis zur letzten Minute herauszögerst, weil wir dann keine Zeit mehr haben werden, die nötigen Vorbereitungen zu treffen“, erklärte er. Er klang so, als ob man ihn mit einer Waffe bedrohte.

Ray zuckte mit den Schultern, er fand keine Worte mehr.

„Ich werde Alec und Gabriel vorschicken, um… einen geeigneten Ort zu finden und dann können wir uns zusammen auf den Weg machen“, fuhr Josh fort – so zögerlich, dass es auch eine Frage hätte sein können. Aber das war es nicht. Sie hatten alle angeboten, ihn in Ruhe zu lassen, falls er es so gewollt hätte, aber mit ihnen hatte Ray kein Problem und vor sich selber flüchten konnte er nicht. Jetzt, da es sich wahrscheinlich nur noch um Stunden handelte, bis sein Paarungszwang den Höhepunkt erreichte, wusste er, dass klares Denken nahezu unmöglich war. Er würde bald nicht mehr dazu in der Lage sein, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Es wäre also kompletter Schwachsinn gewesen, Joshs Mühen abzulehnen und sein Glück mit anderen Anwärtern zu suchen.

Auch glaubte er nicht, dass er die Erniedrigung ertragen könnte, Leute zu interviewen, die ihn zu ficken als ein kostenloses Ticket dafür ansahen, oberster Alpha eines neuen Rudels mit dazugehörigem Hauptterritorium zu werden. Und er wusste, dass er nach einer Ablehnung nie mehr Zeit mit Josh verbringen könnte. Es war Omegas nicht verboten, mit alleinstehenden Alphas zu sprechen, aber sie konnten keine richtige Freundschaft miteinander pflegen. Das galt besonders dann, wenn der Alpha klar gemacht hatte, dass er daran interessiert war, sich mit ihnen zu paaren.

Als er die Worte seines Onkels gehört hatte, glaubte er alles verloren zu haben. Aber es war immer möglich, noch mehr zu verlieren.

***

Als sie auf der Lichtung ankamen, hatten Gabriel und Alec bereits das Gebiet, das bald ihnen gehören würde, ausgekundschaftet. Rays Zustand hatte sich von überhitzt auf fiebrig gesteigert. Selbst die kühle Nacht reichte nicht aus, um ihm Linderung zu verschaffen. Josh hielt seinen Arm fest und Ray stützte sich mehr auf ihn, als er zugeben wollte – eher für den Körperkontakt mit ihm, als dass er tatsächlich eine Stütze gebraucht hätte. In seiner Jeans wurde es hart und das machte ihn benommen. Auch seine Gedanken waren vernebelt, er war betrunken von den Hormonen.

Und den Alphas um ihn herum ging es kein Stück besser: Noch berührte ihn niemand außer Josh, aber das war auch nicht nötig. Ray konnte riechen, wie ungeduldig und begierig sie waren. Ihr Geruch bewirkte, dass Ray es noch verzweifelter wollte. Es war ihm nun völlig egal, dass Sergi ein Arschloch war oder dass er Alec seit weniger als einem halben Tag kannte oder dass ihm Gabriel irgendwann wahrscheinlich schon einmal Kinderlieder vorgesungen hatte. Er hätte wahrscheinlich auch vorher schon mit Iesu und Josh geschlafen, wenn sie ihn darum gebeten hätten, aber er hätte es nie zugelassen, dass sie ihn auf solch eine Weise auf einer Decke niederlegten, wie sie es gerade taten. Er hätte nicht mit geschlossenen Augen und entspannten Muskeln dagelegen, während sich ihre Hände auf seine Kleidung legten, um sie auszuziehen. Sie halfen ihm sich aufzusetzen, damit sie sein T-Shirt hochziehen konnten. Er hätte sich nicht an ihre Hände geschmiegt und alles dafür getan, dass sie ihn weiterhin berührten, weil sie das Einzige waren, das die unerträgliche Hitze seiner Haut mindern konnte.

Sie winkelten seine Knie an und verschafften sich Zugang zu seinem Loch. Er war bereits so feucht, dass er fast tropfte. Sein Körper war bereit. Er fühlte, wie sich etwas noch Heißeres zwischen seine Beine schob, an die Stelle, die sich so leer angefühlt hatte. Dann glitt der Schwanz in ihn hinein, öffnete ihn, langsam, aber immer noch zu groß für Rays enge Körperöffnung. Ray verlagerte seine Position, aber der Alpha hörte nicht auf. Er rammte nicht hart zu, sondern bahnte sich einfach seinen Weg voran, langsam und gleichmäßig, als ob er spürte, dass es die richtige Vorgehensweise war. So tief bis Ray fühlte, wie die Schamhaare des Alphas kitzelnd an seinen nackten Hoden rieben.

Er öffnete seine Augen. Es war Gabriel. Er lächelte zustimmend und legte Rays Beine auf seine Schultern. „Na bitte, mein Süßer, du machst das so gut.“

Ray blinzelte ihn mit schweren Augen an, nicht dazu in der Lage, zu verarbeiten was gerade mit ihm geschah, während Gabriel sich jetzt behutsam vor und zurück bewegte. Er war riesig und es fühlte sich so an, als ob er bei jeder Rückwärtsbewegung Rays Eingeweide mit sich zog – der Wolf in ihm heulte allerdings vor Freude. Und er war hart. Sein Schwanz lag rot und tropfend gegen seinen eigenen Bauch gepresst und zuckte mit jedem neuen Stoß. Er wusste nicht, zu welchem Zeitpunkt es sich nicht mehr schmerzhaft, sondern unangenehm und nicht mehr unangenehm, sondern gut anfühlen würde. Aber dann wurde es zu viel und Gabriel traf ihn genau im richtigen Winkel, um Rays Innerstes in Flammen zu setzen. Ray hätte sich gerne selbst berührt, aber seine Hände wollten sich nicht von der dünnen Decke erheben, wobei seine Fingerspitzen so sensibel waren, dass er das Gras darunter fühlen konnte. Alles was er tun konnte, war aufzuschreien, als sein Cousin sich wieder und wieder in ihn hineinrammte und die Reaktion erneut in Gang setzte. Es war zu viel und trotzdem nicht genug. Er wollte… Nein, er brauchte – Er sah sich um, suchend…

Die anderen sahen alle zu, zwei auf jeder Seite, mit sichtbaren Beulen in ihren Hosen und Ray konnte sie riechen. Er konnte riechen, wie sehr sie ihn wollten und was sie mit ihm tun würden. Gabriel erschütterte ihn mit einem besonders starken Stoß seiner Hüften und Ray stieß ein Winseln aus, dass tief aus seiner Kehle zu stammen schien. Dabei war er sich nicht sicher, ob es wehtat, weil sein Cousin etwas in ihm verletzt hatte oder weil er so kurz vor der Erlösung stand und sie doch nicht erreichen konnte. Dann lehnte sich Gabriel nach vorne und ergriff Ray beim Schopf, zog seinen Kopf zur Seite und legte seinen Hals frei, um seine scharfen Zähne tief in Rays Haut zu jagen. Der Schwanz, der noch immer in Ray steckte, pulsierte und Gabriel ergoss sich nass und klebrig in Rays bereits feuchtes Loch. Und auch Ray befand sich auf der Schwelle zu seinem Orgasmus. Er traf ihn wie ein Güterzug und er sah nur noch Sterne, als der Höhepunkt seinen Körper zum Singen brachte.

Als Ray sich wieder seines Körpers bewusst wurde, passierte es vor allem, weil sein Arsch noch immer voller wurde. Gabriel hatte nicht herausgezogen und blieb jetzt in ihm stecken – seine Eichel vergrößerte sich, um seinen Samen daran zu hindern, die tiefste Stelle von Rays Körper wieder zu verlassen. Das Verknoten war nicht notwendig, aber es stellte eine Empfängnis sicher. Außerdem tat es weh. Er warf seinen Kopf in den Nacken und winselte, weil er nicht die richtigen Worte finden konnte, um sich zu beschweren. Gabriel streichelte sein Gesicht und redete ihm gut zu, während Ray nur noch wollte, dass er endlich seinen Penis herauszog. Aber er konnte und wollte es nicht.

Als sich Gabriel dann nach einer scheinbaren Ewigkeit zurückzog, ließ der Druck nach und Sperma tropfte aus Rays Loch. Die Erleichterung war so intensiv, dass Ray sich sofort fügte, als er auf seine Hände und Knie geführt wurde, wobei seine Arme und Beine bei dem Versuch zitterten, sein Gleichgewicht zu halten und zu verhindern, dass er auf sein Gesicht fiel. Die Zeit hatte nicht ausgereicht, um alles herauslaufen zu lassen, bevor sie ihn wieder füllten. Er wusste nicht, ob der nächste Schwanz größer war oder ob er einfach nur wund war, aber er zuckte auf und zog sich unfreiwillig gegen das Eindringen zusammen. Dann zogen ihn ein paar Arme fest an den Körper über ihm und neben seinem Ohr flüsterte eine bekannte Stimme. „Shh, es ist Alles in Ordnung, Ray. Du bist jetzt bei mir. Es tut mir leid, dass ich nicht anfangen konnte“, sagte Josh.

Ray erstarrte bei der Gewissheit: Josh war in ihm.

Er kämpfte noch eine kurze Weile dagegen an – nicht wegen Josh, das hätte er wegstecken können, sondern wegen seinem Wolf, der während des Paarungszwangs die Kontrolle übernahm – und Joshs Griff wurde energischer

„Tut es weh?“, flüsterte er und klang dabei so, als ob er selbst Schmerzen hätte. Ray schloss seine Augen und gab sich völlig hin. Nun versuchte sein Wolf die Oberhand zu gewinnen, stärker während des Vollmondes als er es jemals zuvor getan hatte, wenn Ray in Menschenform war. Seine Hüften wandten sich unter Josh und er zog sich jetzt absichtlich zusammen, weil der Wolf bestiegen werden wollte. Nein, er brauchte es. Josh gab über ihm ein ersticktes Geräusch von sich und seine Hüften stießen zur Antwort schnell zu. Er stöhnte Rays Namen mit gebrochenen Lauten. „Ray, ich kann nicht… Ich brauche…Er schluchzte fast, als er sich in Rays Körper hineinfickte, schneller und härter, als ihn die Hitze des Moments übermannte, weil ihn sein Instinkt dazu brachte, seine tiefsten Bedürfnisse zu erfüllen und den Omega, der Sein war, zu nehmen.

Später konnte sich Ray daran erinnern, dass das zweite Verknoten nicht so sehr wehgetan hatte wie das Erste und an Joshs zärtliche Hände, die er ihm danach auf den Rücken gelegt hatte und seinen sanften Kuss, den Ray nicht erwidern konnte, weil ihm die Energie dafür gefehlt hatte. Er dachte, dass Sergi der nächste war, der auf ihn stieg, aber er war sich nicht sicher. Er ließ seine Augen zufallen, sogar als seine Beine erneut hochgehoben wurden und er das seit kurzem gewohnte Gefühl verspürte, penetriert zu werden, jetzt durch den Samen von zwei Alphas und seine eigenen Säfte hindurch. Er rutschte leicht hinein und dann drang er erneut ein. Zu irgendeinem Zeitpunkt merkte er, dass er nicht mehr auf dem Rücken lag, sondern dass sein Gesicht stattdessen gegen die Decke gepresst wurde – sie roch jetzt nach Schweiß und Sperma und nicht mehr nach Gras – und sein Arsch ragte in die Luft und war mit einem weiteren Schwanz gefüllt, der sich rhythmisch in ihm bewegte. In seinem benebelten Zustand war der Schmerz des Verknotens nur noch eine vage Erinnerung und die Bisse nichts weiter als ein Stich. Er schloss seine Augen, während ihn ein Alpha nach dem anderen benutzte, wieder und wieder, als ob sie nie satt werden könnten.

Kapitel 3

Gabriel wollte Ray bei sich in seinem Haus behalten, während sie das erste Gebäude im neuen Territorium bauten. Die fünf Alphas des Rudels waren von ihrer normalen Arbeit in ihrem vorherigen Rudel befreit worden, um das Haus so schnell wie möglich fertig zustellen. Iesu verstand jedoch nicht, warum Ray nicht stattdessen etwas Zeit mit jedem von ihnen verbringen konnte. Weder Alec noch Sergi hatten einen Kommentar dazu äußern können, bevor Josh den Streit mit mehr Autorität unterbrach, als Ray es für möglich gehalten hätte.

„Ich glaube, wir sollten Ray fragen, was er möchte. Erstens denke ich, dass sich seine Mutter wahrscheinlich darüber freuen würde, ihn zu sehen.“

„Ja“, stimmte Gabriel sofort zu. Ray dachte, dass er tatsächlich sehr reumütig aussah, wie er ausgestreckt auf der Couch lag mit seiner Fernbedienung. „Natürlich. Entschuldigung Ray“, sagte er ihm dann. „Nur…“ Er leckte über seine Lippen. „Es ist bloß, ich möchte dich wirklich gerne im Auge behalten.“, erklärte er gequält.

Natürlich war es schwierig zu bestimmen, was irgendjemand dachte, wenn man nicht in der Lage war, ihm in die Augen zu schauen und Ray fühlte sich innerlich so taub, dass er glaubte, Emotionen vielleicht nicht mehr erkennen zu können. Aber wenn es eins gab, dass er wollte, dann war es in Ruhe gelassen zu werden. Und er liebte seine Mutter und Geschwister, aber sie würden ihn vor Mitgefühl und Fürsorge nicht in Frieden lassen und das würde ihn überwältigen.

Und seine Mutter wusste, was er durchmachte. Natürlich tat sie das, vor allem jetzt. Ray machte sich nicht vor, dass das ganze Rudel nicht bereits davon gehört hatte, aber die Möglichkeit, dass sie darüber reden könnte… Diesen Gedanken konnte er nicht ertragen. Es war nicht ihre Schuld; es gab nichts, das sie hätte anders tun können, als er sich als Omega präsentiert hatte. Aber er wollte ihre Zuneigung gerade nicht, ihre leeren Versprechen; jetzt da er die Realität seiner Situation so intim kennengelernt hatte.

Es war keine Lüge, er hatte sie alle gewollt. Es hatte ihn noch nicht einmal interessiert, wer gerade an der Reihe gewesen war, ihn zu besteigen und dieses Wissen erfüllte ihn mit Scham. Das war alles, was er war: ein Tier, gesteuert von seinen Trieben und Instinkten und dazu bereit, mit jedem Alpha zu schlafen. Nur nicht mit jeden Alpha, jetzt nicht mehr; sie hatten ihn nicht nur bestiegen, sie hatten ihn auch gebissen. Die Bisse sollten ihn als ihr Eigentum markieren. Die Abdrücke waren blaue Flecken in der Form ihrer Zähne auf seinem Hals und Rücken, für alle sichtbar, jetzt und für immer, da sie garantiert Narben hinterlassen würden.

„Ich werde hier bleiben. Ihr solltet losgehen und die Materialien besorgen“, sagte er und versuchte, seine Stimme so vernünftig wie möglich klingen zu lassen. Trotzdem hatte sie hauptsächlich einen müden Unterton. Er sah, wie Joshs Schuhe einen Schritt auf ihn zu machten, aber dann ertönte Gabriels dröhnende Stimme.

„Kommt schon Leute, ihr habt ihn gehört. Wir sollten damit anfangen, an dem neuen Haus zu arbeiten." Bevor er aufbrach, drehte er sich um und rief Ray zu: „Die Schlüssel liegen neben der Obstschale!“

Als ob Ray die Absicht gehabt hätte, irgendwo hin zu gehen. Sobald sein… Rudel nicht mehr zu hören war, schaltete Ray den Fernseher aus und zog sich die Decke über den Kopf, um sein Gesicht zu bedecken. Die Fantasiewelten weit entfernter Leben stellten eine gute Ablenkung dar, wenn die anderen in der Nähe waren, aber jetzt, wo er endlich alleine war, wollte er wirklich vergessen.

Die Erinnerungen an letzte Woche waren nicht leicht auszublenden. Sein Rudel hatte ihn in ihr neues Territorium gebracht, wo sie es beanspruchten, indem sie ihren Anspruch auf Ray geltend machten. Und jedes Mal, wenn er sich daran erinnerte, wurde Ray vor Scham und der Erinnerung an sein Verlangen rot. Das hätte so nicht passieren sollen. Zwar hatte er vorher Verlangen nach anderen Männern verspürt, aber er wollte nie genommen werden. Und dabei dachte er noch nicht einmal daran, was gerade in ihm geschah… Er drehte sich um und versuchte, seinen langen Körper gemütlich auf der relativ kleinen Couch zu positionieren, die wahrscheinlich mit dem Haus verkauft worden war. Er vergrub sein Gesicht in den Polstern, aber sie rochen nach den Alphas und Ray konnte nicht an sie denken, ohne sich daran zu erinnern, was er ihnen erlaubt hatte, mit ihm zu tun. Auch wenn er es nur so schwach fühlte, dass er dachte, er bilde es sich nur ein, so passierte es bereits.

Sein Körper veränderte sich und es war zu spät, um etwas daran zu ändern. Er bildete es sich nicht ein: sie wuchsen bereits in seinem Inneren.

***

Josh war derjenige, der ihn zum Abendessen weckte, langsam und vorsichtig. Die anderen befanden sich auch im Haus. Ray konnte aus Gabriels überfüllter Küche die hektischen Geräusche des Kochens und das Klappern von Besteck hören. Aber Josh musste seine Schulter sanft schütteln, bevor er aufwachte.

"Wievieluhrhabenwir?", murmelte Ray und versuchte, den schlechten Geschmack in seinem Mund herunterzuschlucken

.

„Zehn“, antwortete Josh. „Wir haben den Boden ausgeebnet“, fügte er hinzu und Ray nickte. Er hatte sein ganzes Leben lang mit Bauarbeitern gelebt, trotzdem wusste er nicht, wovon die Hälfte ihrer Unterhaltungen handelte. Sie hatten Glück, dass Gabriel ein Experte war und ein einstöckiges Haus fertigstellen konnte, ohne dass sie jemanden bezahlen mussten – weder in Bargeld noch in Gefallen.

„Ray, ich ...“, fing sein Freund an. Joshs Hand lag immer noch auf seinem Arm. Er konnte den Druck spüren, aber es war so, als ob er hingucken musste, um zu verstehen, dass er ihn wirklich berührte, als ob seine Haut sich weigerte, sein Gehirn zu alarmieren. „Geht es dir… Ich meine, denkst du, dass du zurechtkommen wirst? Kann ich irgendetwas tun, um dir zu helfen?“

Du hättest darauf verzichten können, mich mit deinem neuen Rudel auf dem Boden zu ficken, dachte Ray gereizt. Dann bereute er seinen Gedanken sogleich. Sobald sich jemand als Omega präsentiert hatte, gab es nichts, dass seinen Paarungszwang aufhalten konnte und umso länger er ignoriert wurde, desto gefährlicher wurde er. Ohne Zuwendung würde der Körper eines Omegas in einen Schockzustand gehen, so wie jeder andere Körper, wenn er nicht das bekam, was er brauchte. Und Josh war sanft gewesen und jetzt kümmerte er sich um Ray, wobei er nicht nur versuchte, seine körperlichen Bedürfnisse zu beachten, sondern auch immer noch sein Freund zu sein. Ray wusste einfach nur nicht, wie er damit umgehen sollte. Es war bereits ganze acht Tage her und Ray konnte Josh immer noch nicht angucken, ohne an das Gewicht seines Körper auf ihm zu denken oder an seinen…

Und wenn er es tatsächlich geschafft hätte, es zu verdrängen, hätten ihn die seit des Einsetzens des Paarungszwangs geschärften Sinne an das erinnert, was Josh mit ihm gemacht hatte. Er zuckte mit den Schultern. „Ich… Ich will einfach alleine sein.“

Josh zögerte und drückte dann seinen Arm. „Das Abendessen wird bald fertig sein und du kannst dich damit in Gabriels Gästezimmer zurückziehen.“

Das Abendessen war im kleinen Wohnzimmer zu laut und zu warm für Ray, obwohl sie eigens für ihn einen Sessel frei gelassen hatten, während sie sich die Couch und einen Stuhl teilten, der nicht so aussah, als ob er das Gewicht von irgendjemanden hätte tragen können. Mehr als einmal fiel etwas fast vom Couchtisch, der definitiv nicht dafür gebaut war, dass sechs Leute daran ein richtiges Essen zu sich nahmen, und erst recht nicht sechs voll ausgewachsene Wolfwandler.

Aber die Alphas berührten Ray nicht und sie sprachen ihn auch nicht direkt an. Er konnte ihre Stimmen an sich vorbei ziehen lassen, ohne die Worte hören zu müssen oder darauf zu achten, wer überhaupt redete. Der Wolf in ihm war still, weil er wusste, dass er in der Gegenwart von all seinen Alphas sicher war und das war alles, das sich Ray wünschen konnte.

***

Normalerweise war es Josh, der nach dem Essen mit Ray Kontakt aufnahm, um zu versuchen, ihn dazu zu bewegen einen Spaziergang zu machen oder über seinen Tag zu reden oder sich generell zu öffnen.

Aber in der Nacht darauf war es Alec. Ray starrte ihn überrascht an, als er fragte, einen Spaziergang mit ihm unternehmen zu dürfen.

Ray wollte natürlich nicht, aber der Wolf in ihm stürzte sich auf die Chance, es seinem Alpha recht zu machen. Außerdem sah Alec so unbehaglich dabei aus, ihn überhaupt um etwas zu bitten, dass er glaubte, dass es sich um etwas sehr Wichtiges handeln musste.