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Im Heft wiedergegeben werden die Tagebücher von den sächsischen Infanterie-Offizieren Johann Carl von Dallwitz und Adolf George von Göphardt. Johann Carl von Dallwitz (1791 - 1872) stand 1812 beim Regiment Niesemeuschel, kämpfte bei Kobryn und geriet dabei in russische Gefangenschaft. Er war 1814 beim Depot des 2ten prov. Regiments und 1815 beim Landwehr-Reserve-Regiment angestellt. Adolf George Wilhelm Leopold von Göphardt (1789 - 1878) war 1813 Brigade-Adjutant der Infanterie-Brigade des General-Majors von Mellentin und im Regiment von Steindel mit dem Dienstgrad Capitän angestellt.
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Seitenzahl: 135
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Beiträge zur sächsischen Militärgeschichte zwischen 1793 und 1815
Heft 37
Abb. 01 Faksimile der Seite mit den Eintragungenvom 27. bis 30.12.1813 (Dallwitz)
Vorwort
Tagebuch Johann Carl von Dallwitz vom 11
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Februar 1812 an bis mit 10
ten
September 1815
Anlage 1 Befehl vom 5
ten
Januar 1814
Anlage 2 Delogierung 13ten Mai (1812)
Anlage 3 Marschroute
Liste der im Text erwähnten sächsischen Offiziere
1. Tagebuch der Brigade von Mellentin vom 14
n
Mai bis zum 22
n
Septbr. 1813 (Goephardt)
2. Brigade von Mellentin vom 14
n
August bis 7
n
September 1813 / Hauptmann v.Göphardt
Liste der im Text erwähnten sächsischen Offiziere
Quellen
Nachfolgend wiedergegeben werden die Tagebücher von den sächsischen Infanterie-Offizieren Johann Carl von Dallwitz und Adolf George von Göphardt.
Johann Carl von Dallwitz ( 1791 18721) stand 1812 beim Regiment Niesemeuschel, kämpfte bei Kobryn und geriet dabei in russische Gefangenschaft. 1814 beim Depot des 2ten prov. Regiments angestellt, wurde er von da zum 2ten Niederlausitzer Landwehr-Bataillon kommandiert. Nach dessen Demobilisierung bei der leichten Infanterie angestellt2, kam er schließlich 1815 zum Landwehr-Reserve-Regiment.
Mit der Anstellung beim 3ten Schützen-Bataillon erfolgte 1821 die Beförderung zum Premierleutnant, 1834 die zum Hauptmann.
Das wiedergegebene Tagebuch umfasst den Zeitraum vom 11.02.1812 – 10.09.1815. Es ist recht flüchtig geschrieben; Kommata, Endungen und Rechtschreibung sind recht oft willkürlich. Begriffe (z.B. Thom statt Dom), Kommata und Ortsnamen wurden daher teilweise zur Herstellung des Verständnisses angepasst.
Adolf George Wilhelm Leopold von Göphardt3 ( 1789 1878) war 1813 Brigade-Adjutant der Infanterie-Brigade des General-Majors von Mellentin und im Regiment von Steindel (1812 Prinz Clemens) mit dem Dienstgrad Capitän angestellt.
Die Beförderung zum Major erfolgte 1823. 1841 wird Göphardt, der als Oberstleutnant (13.12.1834) Kommandeur des 1sten Batl.s / 1stes Linien-Regiment war, zum Unterkommandanten des Königsteins ernannt. Bei seinem Abschied werden ihm die Ehrenbürgerrechte der Stadt Zittau (07.09.1841) verliehen.
Die wiedergegebenen und sehr sauber geschriebenen zwei Tagebücher umfassen im Teil 1 den Zeitraum vom 14.05. – 22.09.1813 und im Teil 2 den Zeitraum vom 14.08. – 07.09.1813, überschneiden sich also. Der Teil II weist dabei einen höheren Detailierungsgrad auf.
Die Tagebücher werden durch eine Liste der im Text erwähnten Offiziere sowie mehrerer Übersichtskarten ergänzt.
Bedanken möchte ich mich beim Team des Hauptstaatsarchives in Dresden für die wie immer problemlose Bereitstellung der Akten und Kopien.
Natürlich möchte ich mich auch bei Ihnen, verehrter Leser, dafür bedanken, dass Sie sich zum Kauf dieses Buches entschlossen haben. Insofern Sie Anregungen und Kritiken haben oder mir einfach nur mitteilen wollen, ob Ihnen das Buch gefallen hat, so können Sie mich via email unter [email protected] erreichen.
Ihr
Jörg Titze
1 Am 11.05.1837 zum Ehrenbürger Leipzigs ernannt.
2 Eine Anstellung, die er wegen einer nicht zugestellten Ordre und nachfolgender Krankheit nicht antreten konnte.
3 ab 1807 im Regiment Prinz Clemens; Sous-Leutnant 03.10.1807, Premier-Leutnant 26.08.1809, Capitän 04.05.1813
Abb. 02 Umgebung von Kobryn
Februar 1812
den 11ten Aus Dresden ausmarschiert, Marsch Quartier Pulsnitz in der Oberlausitz, kalt, gut Wetter, gut Quartier
den 12ten Dübring, wendisch, gut Wetter, gut Quartier beim Förster. Da ganze Dorf eifrig katholisch und man bemerkte deutlich die Abneigung gegen Lutheraner. Mit Tettenborn
den 13ten Derbo, wendisch, halb Ober halb Nieder-lausitzsch, gut Wetter, leidliches Quartier, blieb aber über Nacht nicht da sondern fuhr nach Spremberg zu Tante Stangen.
den 14ten Klein Jammno, wendisch, Schneegestöber und Regen, schlecht Quartier, viel Ungeziefer
den 15ten Bärenklau, Kantonierung, gut Quartier mit dem Herrn Hauptmann von Kyaw, Lt. von Schwarzbach und von Tettenborn. Richter kam ein paar Tage später auch hin, fleißig exerziert.
den 28ten wurde Richter delogiert
März 1812
den 6ten der Herr Hauptmann von Linsingen zu uns ins Quartier gekommen
den 15ten nach Sackro, Wetter leidlich, Quartier schlecht
den 16ten Revue vorm General Graf Reniers bei Forste passiert, von da zurück nach Sackro
den 17ten wieder nach Bärenklau
den 28ten nach Gülen, sehr gut Quartier
den 29ten nach Crossen, schlechter Weg und Wetter aber leidliches Quartier mit Tettenborn
den 30ten in Crossen, Rasttag gehabt
den 31ten Groß Blumberg, schlecht Wetter und Weg aber leidliches Quartier mit Tettenborn, großes Dorf
April 1812
den 1sten Palzig, beim preußischen Hauptman von Potzkowsky außer Dienst gewesen, war Adju beim Prinz Louis, gut Wetter und Weg, sehr gut Quartier mit Hauptmann von Kyaw und von Linsingen, Lt. Dassdorf und von Tettenborn in ein schönes Schloß.
den 2ten Kargo in Polen, gut Wetter und Weg, leidliches Quartier mit Tettenborn /: 38 Windmühlen:/
den 3ten Rasttag daselbst
den 4ten wurde ich nach Scalowa zwischen Kargo und Solawa detachiert, man sah auf diesen Marsch Glogau liegen, Weg und Wetter leidlich, Quartier auch am Vorwerk gut, in Schlesien
den 5ten Neugut bei Fraustadt in Polen, Wetter Weg und Quartier leidlich mit Hauptmann von Kyaw und Lt. von Tettenborn /: bei Fraustadt 99 Windmühlen:/
den 6ten Lissa, leidliches Wetter und Weg, schlecht Quartier mit Tettenborn, größtenteils Juden
den 7ten Rasttag daselbst
den 8ten Siemovo bei Gostin stark Polnisch beim Geistlichen /: welcher ungeheuer viel Bier und Brandwein trinken konnte:/ mit von Kyaw, von Tann, von Elterlein und von Tettenborn
den 9ten…………… bei Gossmin beim Edelmann gut Quartier und Weg, Wetter schlecht viel Regen und Schnee, mit Major Grafen von Bünau, Lt. von Low und meinem Bruder Otto, ich wurde diesen Tag sehr krank.
den 10ten Pleszewo, Weg Wetter und Quartier leidlich
den 11ten Stawieszin bei Kalisch, leidliches Quartier mit Tetenborn
den 12ten, 13ten und 14ten daselbst kantoniert
den 15ten Strewingo mit Kyaw und Tettenborn gut Quartier, Wetter und Weg leidlich
den 16ten Neu Malkow bei Wartha mit Kyaw, Glasser und Tettenborn, Wetter und Weg auch Quartier leidlich, Westphälische Offiziere. Betragen!
den 17ten Die Warthe passiert, in Wirszowice bei Staceck mit von Kyaw und von Tettenborn ins Quartier gekommen, leidlich
den 18ten Wistkittno bei Fabianice mit Kyaw und Tettenborn bei einem kranken Edelmann, Wetter und Weg leidlich, Quartier gut
den 19ten Przyleyszice bei Jeszow mit Kyaw und Tettenborn bei einem gewesenen preußischen Kapitain gut Quartier, Wetter und Weg leidlich
den 20ten Jaszin bei Lubochnia mit Kyaw und Tettenborn bei einem ausgezeichneten echt polnischen Schlachtschitzen ergo schlecht Quartier – Weg und Wetter leidlich
den 21ten Langenice bei Nowemiasta mit mehreren Kameraden vom 2ten Schützen Regiment beim Probst welchem ich Prügel anbot und er sie auch beinahe erhalten hätte, mit Tettenborn und Schulzen von den Schützen schlecht Quartier, Weg und Wetter leidlich
den 22ten die Pelica passiert und nach Pukowno bei Przydick in ein gut Quartier zum Herrn von Badowsky gekommen, Weg und Wetter sehr gut etwas reizarm.
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April 1812 – Bekanntschaften
In Ratoszyn
Major von Zabockrszicky nebst Frau Gemahlin; Fräulein Salomée und Felicité, deren zwei Brüder und den Lehrer v.Wyrzykosky
In Smarczow (Quartier Hauptmann v.Kyaw)
Herrn von Domaczewsky nebst Frau Gemahlin, zweier Fräuleins und zweier Söhne, wovon der ältere polnischer Offizier gewesen.
In Rogolin (Lt. v.Tettenborn)
Die Gräfin von Makowieska nebst Fräuleins Agnes und Maria
In Rasanow (Lt. v.Schwarzbach)
Herrn Capitain von Glutczinsky nebst Frau Gemahlin (der Herr Capitain waren oft betrunken)
In dieser Gegend die glücklichsten Tage in den verschiedenen Familien erlebt. Mein Herr Wirt in Pukowno ein Herr Andreas von Badowski hatte unter andern angeordnet, dass täglich 2 Pferde zum Reiten zu meiner Disposition da waren. Ich benutzte sie um Vormittags zu den nur selten vorkommenden Exerzierübungen hin du zurück zu reiten; Nachmittags ritt ich in der Regel allein oder mit meinem jungen Herrn Wirt nach Ratoszyn, amüsierte mich mit den jungen Damen und gegen Abend ging ich mit deren Vater auf den Schnepfen Anstand. Auf dem Rückweg kamen uns die jungen Damen entgegen und wischten uns die von Mücken zerstochenen Wangen mit wohlriechenden Tüchern ab. – Spät abends ward nach Bukowno zurück geritten, was nur eine kleine halbe Stunde entfernt ist.
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April 1812 – Revuen
Bei Pirschnia vorm Herrn General von Klengel
Bei Jettlinsko vorm Herrn General-Leutnant von Gutschmidt
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Mai 1812
den 16ten zur Revue an der Weichsel, Nachtquartier in Pobrowinky mit dem Stab und der 2ten Kompanie.
den 17ten Revue vorm General Graf Reynier nahe bei der Weichsel, von da zurück nach Pobrowinsky.
den 18ten nach Koczienice an der Weichsel im Hauptquartier des Genera Reynier, Nachmittags 1 Uhr von Pobrowinsky abmarschiert und bei einem infamen Juden mit Tettenborn ins Quartier gekommen. Ein Hauptspaß mit dem Juden gehabt /: er bekam Prügel:/
Im Wald von Pobrowinsky nach Koczienice Waldbrände.
den 27ten hatte ich Wache beim General Reynier
den 28ten merkwürdige Prozession zum Frohnleichnams Feste, Hass der Christen und Juden.
den 31ten Czeczickow, Kloster und Städtchen, schlecht Quartier mit Brandenstein, Buschbeck und Tettenborn, das 1ste Bataillon daselbst. Alle Arten von Ungeziefer –Nachtwandler –
Juni 1812
den 1sten Revue vorm König von Westphalen, unbeschreibliche Absenir des Obersten Vogel, Ordre in den Brückenkopf aufs Biwak zu rücken; Conterordre zurück nach Czeczickow, die Nacht wegen Ungeziefer kampiert.
den 2ten Baranow, Städtchen, die Weichsel passiert über die Schiffsbrücke, hübsches Lager im Brückenkopf. Quartier mit dem Stab mit Tettenborn bei einem Juden, wir speisten auf den Hof mit dem Stab.
den 3ten Rasttag
den 4ten dem Graf von Bünau zu seinem Abschied gratuliert und meine beiden Brüder auf den Dörfern besucht. Abends 9 Uhr Ordre in den Brückenkopf bei Boreck an der Weichsel zu rücken erhalten, ½ 10 Uhr dahin abmarschiert
den 5ten früh ½ 8 Uhr bei Boreck angekommen, umsonst marschiert, Abends nach 8 Uhr in Quartier Pialky mit Tettenborn zum Bruder Otto in ein gut Quartier gekommen. Eigensinn des Herrn v. N.N…..
den 6ten Kollin, bei Wargoszin früh 3 Uhr abmarschiert, Abends 6 Uhr mit Kyaw und Tettenborn in ein leidlich Quartier gekommen.
den 7ten Wola Ramkoska bei Gerwolin, früh 2 Uhr abmarschiert und Mittag 2 Uhr mit Kyaw und Tettenborn in ein recht gut Quartier gekommen
den 8ten früh marschiert, der Hauptmann von Brochowski brachte uns Contreorder und zugleich die Nachricht der General von Gutschmidt sei tot.
den 9ten Gozicz bei Laskarzew, ½ 3 Uhr marschiert, mit Kyaw, Glasser, Brandenstein, Buschbeck und Tettenborn in ein leidlich Quartier gekommen
den 10ten bis 16ten daselbst kantonniert.
den 15ten Abends 11 Uhr Order zum Marsch erhalten, um 12 Uhr abmarschiert
den 16ten Gunwolik, leidliches Quartier mit Tettenborn
den 17ten Glinianka, ein Städtchen mit Tettenborn und Buschbeck in einer schönen Judenschenke; Kyaw, Glasser und Brandenstein beim Probst
den 18ten Rasttag
den 19ten Praga bei Warschau, mit Schwarzbach und Tettenborn in ein gut Quartier.
Von den Lt. von Rockhausen vom Regiment Clemens ein schönes braunes Pferd gekauft, wo mir den andern Tag noch einmal so viel dafür geboten ward. Rebellion in Warschau.
den 26ten Nachmittags 5 Uhr abmarschiert auf den Biwak 2 Stunden von Sirock
den 27ten bei Sirock die Narew passiert, durch Pultusk gegangen, heftiges Gewitter; die Brigade in einem Dorfe übernachtet, das 1ste Bataillon in einer Scheune; die Kompanie hatte so viel Marode, dass ich mit ohngefähr 24 Mann einrückte, alles übrige war marode geworden.
den 28ten Rozan, leidliches Quartier mit Elterlein und Glowacky
den 29ten Rasttag, hier erhielten wird die Nachricht, dass der Krieg erklärt sei.
den 30ten früh 7 Uhr wurden wir über die Narew gesetzt, drüben wurde gewartet bis alles rüber war, währendem mir mein Bursche das Pferd wegkommen ließ. Das ganze Regiment bei Czerwin in der Scheune, ich hatte die Polizeiwacht.
Juli 1812
den 1sten Zambrow mit Tann, Elterlein, Zezschwitz bei einem Juden
den 2ten bei Suraz, Quartier mit Elterlein in einem Dorf mit der 2ten Kompanie
den 3ten über die Narew, welche dort die Grenze macht und die Nacht ½ 12 Uhr nach Bialystock
den 4ten Rasttag bei Bialystock
den 5ten Prostozewice auf den Biwak
den 6ten Biwak bei Drakow
den 7ten Biwak bei Wolkowysk
den 8ten Biwak bei…..
den 9ten Biwak bei Zelwig
den 10ten Biwak bei Slonim und zum ersten Mal auf Feldwacht
den 11ten auf Feldwacht gekommen
den 12ten Biwak bei Polankow
den 13ten Biwak bei Zelzawice
den 14ten Biwak bei Stalowicze
den 15ten Biwak bei Nieszwiesze
den 16ten Biwak bei Lachowice
den 17ten Biwak bei Ostrow
den 18ten bei Byllin
den 19ten Rasttag, Abens kam ich mit den Wagen bei Bytin an,
den 20ten bei Roszow in die Qartiere
den 21ten nach Bercza in die Quartiere
den 22ten in Prusanne Nachtquartier gehabt. Abends wurde geladen.
den 23ten Biwak bei dem Dorfe Tebelle
den 24ten Kobrin, Lager, gleich auf Polizeiwacht gekommen.
den 25ten den Leutn. von Nostitz zur Polizeiwacht abgelöst, indem er als Kurier zum General Reynier geschickt wurde; gegen Abend sie Nachricht erhalten, dass der Rittmeister Heymann vom Ulanen Regiment bei Brzecsk mit seinem Detachement eine Affaire mit dem Feind gehabt, dass der Rittmeister Heymann und Leutn. von Salza blessiert und gefangen und der Prem.Leutn. von Bärenstein welcher sich mit dem übrigen Teil der Ulanen durchgehauen auf der Retirade nach Kobrin begriffen sei; welches sich in der Folge auch bestätigte.
Unsere Equipage ging diesen Abend noch unter dem Leutn. von Zezschwitz geführt ab, wir aber blieben diese Nacht über vorm Lager unterm Gewehr stehend auf Bereitschaft.
den 26ten gegen Abend kam der Befehl, dass wir die Nacht über in unseren Baracken ruhen könnten, aber es dauerte nicht lang so kam ein 2ter Befehl wir sollten in der Stadt auf dem Markt biwakieren. Wir rückten daher sogleich in die Stadt, hier wurden nun 2 Kompanien, nämlich die 3te und 4te bestimmt mit der Equipage zu marschieren.
Ich wurde mit einer ½ Division von der 1sten Kompanie zu Deckung zweier Kanonen welche der Leutn. Glowacky kommandierte auf Bereitschaft vor die Stadt kommandiert, wo ich Tettenborn traf.
Den Vormittag kam das Regiment König, welches nach Brzesck zu detachiert gewesen war hier an. Des Nachts 12 Uhr kam die 5te Kompanie und mein Bruder Max an von Kura.
den 27ten früh 4 Uhr ging ich von Bereitschaft ab, in dem wir von 2 Kompanien vom Regiment König abgelöst wurden. – nun ging ich zu meinem Bruder, welchen ich seit Warschau nicht gesehen. Gegen ½ 6 Uhr kam der Brigade Adjutant Heintze gesprengt und benachrichtigte uns, dass er Feind in der Nähe sei und es wurde sogleich aufgebrochen und vor die Stadt gerückt. Das 1ste Bataillon wurde in den umzäunten Garten postiert, wo ich diesen Morgen erst von Bereitschaft gekommen war.
In diesem Garten standen wir 4 Stunden ohne etwas zu leisten, bloß Freiwillige und die Kompanie Schützen tiraillierten. Die Ulanen blänkerten Anfangs, als aber unsere Blänkers von der Übermacht der Russischen Kavallerie gedrängt wurden und sich den Eskadrons immer mehr und mehr näherten so attackierten beinahe zugleich auf 3 Orten. Der Feind war gering geschätzt, an jedem Ort wohl 5 bis 6mal überlegen, sie wurden aber dem ohngeachtet von unseren Ulanen jedes Mal geworfen. Als sie nun wohl einsehen mochten, dass sie mit uns nichts anfangen können, so gingen sie von beiden Seiten der Stadt über die Pforte und umgingen uns auf diese Art förmlich. Bei dieser Gelegenheit konnte man recht genau sehen, was für eine ungeheure Menge Kavallerie die russische Armee bei sich hatte.
Endlich sah man die Infanterie anmarschiert kommen, und zwar von der Diwiner Straße her. Als man sich nun genau überzeugte, dass es Infanterie sei, zogen wir uns alle in die Stadt auf den Markt zurück und besetzten alle Straßen der Stadt von innen. Es dauerte nun nicht lange und es kamen die russischen Jäger an und das Schießen nahm auch mit dem kleinen Gewehr seinen Anfang, der Feind büßte eine unbändige Menge Leute ein, wir hatten kaum den 7ten Teil so viel Blessierte und Tote als der Feind. Wir verteidigten uns hier wieder 5 Stunden so hartnäckig als sich eine Truppe nur schlagen kann.
Jetzt brannte die Stadt beinahe ganz und man konnte es vor Glut kaum aushalten. Die Leute hatten sich nun auch gänzlich verschossen und man sah sich genötigt, zurück ins Kloster zu ziehen. Die 6te
