Die UFO-Akten 29 - Lars Urban - E-Book

Die UFO-Akten 29 E-Book

Lars Urban

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Beschreibung

Samuel Jefferson hat der Zivilisation abgeschworen. Zusammen mit seinem Hund lebt er seit Jahren zurückgezogen in den Wäldern und beschränkt Kontakte zu anderen auf das Nötigste.
Doch auch Mr. Jefferson ist nicht gegen Krankheit gefeit. Als zwei Jäger ihn finden, windet er sich unter heftigen Krämpfen. Sein Verstand muss durch die lange Isolation gelitten haben, denn trotz seines Zustands wehrt er sich heftig gegen die Einlieferung ins Krankenhaus von Fairbanks und faselt ständig von einer "Strafe des Himmels".
Dabei ist er es, der seinem Schöpfer gegenübertreten muss; die Ärzte können nichts mehr für ihn tun. Doch es scheint, als habe Jefferson wirklich das Strafgericht über die Bewohner von Fairbanks gebracht, denn plötzlich häufen sich unerklärliche Todesfälle ... bei denen die Opfer dehydriert werden!


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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Der Parasit

UFO-Archiv

Vorschau

Impressum

Lars Urban

Der Parasit

Yukon Charley Rivers National Preserve

Alaska, 13. September 2022, 17:12 Uhr

»Verdammt, Mike, hast du eine Ahnung, wo wir hier sind?« Jerry Collins erschlug eine der lästigen Stechmücken, die sich auf seinem Hals niedergelassen hatte. Der Klimawandel sorgte dieses Jahr für einen ungewöhnlich warmen September in Alaska. »Ich könnte schwören, wir sind im Kreis gelaufen.«

»Da bin ich überfragt.« Mike Fuller betrachtete ratlos die Überreste seiner Karte, die sich nach seinem Sturz in den Bach immer mehr in unleserliche Einzelteile auflöste. »Ich könnte mich ohrfeigen, dass ich den Kompass im Camp gelassen habe.«

Völlig orientierungslos in der Wildnis, vermissten die beiden Abenteurer beinahe den Kontakt zu anderen Menschen. Aber das sollte sich bald schlagartig und auf dramatische Weise ändern ...

»Das hilft uns momentan auch nicht weiter«, erwiderte Jerry Collins. »Wenn man wenigstens den Sonnenstand erkennen könnte.« Er blickte zum Himmel, der von einem gleichmäßigen Grau bedeckt war. Seitdem sie vor drei Tagen von ihrem Boot aufgebrochen waren, hatte sich die Sonne noch nicht ein einziges Mal blicken lassen.

Ohne viel Hoffnung startete er zum wiederholten Mal die Navigations-App auf seinem Smartphone, aber das Ergebnis blieb dasselbe. Soweit es die App betraf, hätten sie sich auch auf dem Mars befinden können. Das Display seines Smartphones zeigte eine leere ovale Fläche von etwa zwanzig mal dreißig Meilen, in deren ungefährem Zentrum sie sich befanden.

»Ich muss zugeben, langsam, aber sicher bekomme ich ein mulmiges Gefühl in der Magengrube.« Mike Fuller nahm seine Kappe ab und strich sich nervös durchs Haar.

Eine Übernachtung außerhalb ihres Camps hatten sie ursprünglich geplant. Nachdem sie sich allerdings bereits nach kurzer Zeit gründlich verlaufen hatten, waren mittlerweile schon drei Nächte unter freiem Himmel daraus geworden. Der Pioniergeist, den sie zu Beginn ihres Ausflugs noch so brennend in der Brust gespürt hatten, hatte sie dazu veranlasst, sich bei der Zusammenstellung ihres Marschgepäcks nur auf das Allernotwendigste zu beschränken; leider fiel unbeabsichtigt dabei auch der Kompass der Aussortierung zum Opfer.

Schlafsäcke, Gewehre und Munition hatten sie dabei, und auch auf Wasserquellen stießen sie in regelmäßigen Abständen – zur Panik bestand also noch nicht die geringste Veranlassung. Trotzdem ließ sich das Gefühl des Unbehagens, das an ihnen nagte, nicht länger ignorieren.

»Ich beginne New York City mit seinem Schilderwald in einem ganz neuen Licht zu sehen.«

Unsicher grinste Mike Fuller seinen Freund an.

»Ich brauche keine Schilder«, antwortete der. »Mir würde schon ein einfacher Taxistand genügen. Ich würde mich einfach auf dem Rücksitz fallen und zu diesem beschissenen Zeltlager zurückkutschieren lassen. Meine Füße fühlen sich wie zwei Klumpen rohes Fleisch an.«

»Schlappmachen gilt nicht«, raunte Fuller seinen Kumpel an. »Wir werden uns doch nicht von diesem bisschen Wildnis kleinkriegen lassen.« Obwohl ihn die straffen Tragegurte des Rucksacks schmerzhaft in die Schultern schnitten, marschierte er mit energischen Schritten an Collins vorbei.

»Kannst du mir sagen, welche Richtung du da gerade einschlägst?«, brüllte der ihm hinterher.

»Immer der Nase nach«, erklärte Mike Fuller. »Oder hast du einen besseren Vorschlag?«

»Natürlich nicht«, knurrte Jerry Collins und bemühte sich, seinen Freund im Dickicht nicht aus den Augen zu verlieren.

Nach zwei weiteren Stunden Fußmarsch war die Stimmung auf dem Tiefpunkt angelangt. Die beiden Hobbyjäger hatten schon seit geraumer Zeit kein Wort mehr miteinander gewechselt und stapften übellaunig und erschöpft durch das dichte Unterholz. Die Bewölkung zeigte noch immer keine Lücken, und langsam begann sich das Zwielicht der Abenddämmerung über die Landschaft zu legen.

»Uns wird nichts anderes übrig bleiben, als nach einem Lagerplatz Ausschau zu halten«, schlug Mike Fuller vor. »Heute finden wir auch nicht mehr zurück.«

»Einverstanden.« Jerry Collins sackte zusammen. »Ich bin so fertig, dass ich im Stehen einschlafen könnte.«

»Bleib einfach ein bisschen hier sitzen.« Fuller betrachtete seinen Freund mit besorgtem Gesicht. »Ich kümmere mich inzwischen um das Feuerholz.« Ihn plagte noch immer das schlechte Gewissen; der Kompass gehörte zu den Ausrüstungsgegenständen, für die er selbst verantwortlich war. Seine Vergesslichkeit hatte sie in diese Lage gebracht. Zu Hause bei den Aktiengeschäften war ihm so eine Schusseligkeit noch nie passiert.

»Ich bin gleich wieder da.« Fuller verschwand im Gestrüpp.

»Mein Gott, wenn Kelly mich so sehen könnte«, murmelte Collins. Er dachte an seine Frau, die seinen Jagdausflügen schon immer sehr skeptisch gegenübergestanden hatte. Kelly war überzeugte Vegetarierin und ließ an den »blutigen Indianerspielchen«, wie sie es nannte, kein gutes Haar. Sein jetziger Zustand hätte bestimmt wieder jenen Ausdruck in ihr Gesicht gezaubert, der eine Mischung aus Besorgnis und Häme darstellte, und den er so gut kannte.

Collins beschloss, ihr kleines Missgeschick bei seinen Erzählungen zu Hause nicht zu erwähnen – Kelly würde von wunderbaren Tagen in der berauschenden Weite der Wildnis erfahren.

»Jerry, steh auf! Ich muss dir was zeigen.« Mikes Stimme klang von Weitem zu ihm herüber. »Ich habe was entdeckt.« Mit vom Spurt gerötetem Gesicht erschien Fuller aus dem Dickicht. »Komm mit!« Er zog seinen Freund auf die Beine.

»Was ist denn los?« Widerwillig folgte Collins ihm durch das Unterholz. »Für irgendwelche schwachsinnigen Spielchen fehlt mir jetzt wirklich der Nerv.«

»Sieh nur! Dort drüben!« Fuller deutete angestrengt zwischen den Bäumen hindurch. »Ich hätte sie beinahe übersehen.«

Collins kniff die Augen zusammen. Dann sah auch er die Hütte. Unter einigen Kiefern versteckt, stand sie am Rand einer kleinen Lichtung.

»Vielleicht ist sie bewohnt«, mutmaßte Fuller. »Sie scheint in einem passablen Zustand zu sein. Oder wir finden wenigstens ein paar Karten dort.«

»Wie ich unser Glück kenne, wird die Bude bestimmt von ein paar wahnsinnigen Hillbillys bewohnt, die Fremde grundsätzlich niederschießen und zu Ragout verarbeiten«, raunte Collins. »Aber reinschauen sollten wir trotzdem.«

Es dauerte nicht lange, und beide standen vor dem Holzhaus. Aus der Nähe betrachtet machte die Hütte einen wesentlich komfortableren Eindruck, als es der erste Anschein hatte vermuten lassen. Der Erbauer hatte sie offensichtlich für einen längeren Aufenthalt hergerichtet; die Behausung schien selbst den wütendsten Winterstürmen trotzen zu können.

»Hallo! Ist jemand da?« Mike Fuller klopfte gegen die Eingangstür. Sie erhielten keine Antwort.

Prüfend legte Fuller seine Hand an den hölzernen Griff, und nach einem leichten Druck schwang die Tür nach innen. Die beiden Männer wechselten einen kurzen Blick, dann betraten sie die Hütte.

Drinnen herrschte ein Dämmerlicht. Die wenigen Einrichtungsgegenstände, die zu erkennen waren, schienen zweckdienlich und selbstgebaut. Ein Tisch, ein Stuhl, einige grobe Regale; ein Topf hing an einer Kette über der Feuerstelle. Schmutziges Blechgeschirr war auf einen kleinen Hocker gestapelt. Die Bewohner schienen die Unterkunft noch nicht lange verlassen zu haben.

»Es ist nicht gerade das Ritz, aber für eine Nacht wird es schon reichen.« Sam Fuller sah sich in dem Raum um.

»Hoffentlich ist der Zimmerservice wenigstens anständig.« In Collins' Stimme klang Erleichterung auf. »Es ist schön zu sehen, dass man nicht der einzige Mensch in dieser gottverlassenen Gegend ist.« Er setzte sich auf den hölzernen Stuhl.

»Wenn wir uns hier ein bisschen umsehen, finden wir bestimmt heraus, wo genau diese Hütte steht.« Die Lebensgeister waren auch wieder in Mike Fuller zurückgekehrt. »Der Rest ist dann ein Kinderspiel.« Er klopfte seinem Freund aufmunternd auf die Schulter.

»Lass deine lockeren Sprüche lieber bleiben«, wehrte der ab. »Noch sind wir nicht zu Hause.«

Fuller wollte gerade zu einer lässigen Erwiderung ansetzen, als ein Stöhnen die beiden Männer herumfahren ließ. Das Geräusch kam aus einer Ecke, die mit Lederlappen vom Rest des Raums abgetrennt war. Vorsichtig näherten sich die beiden Männer der Stelle. Das Ächzen war mittlerweile wieder einem drückenden Schweigen gewichen.

Behutsam schob Jerry Collins den ledernen Vorhang beiseite und gab damit den Blick frei auf eine bettartige Lagerstatt, auf der mehrere Fellschichten übereinander getürmt waren. Darauf lag ein Mann mit zerlumpter Kleidung; das lange graue Haar hing ihm wirr um den Kopf, sein Vollbart reichte ihm bis auf die Brust. Dessen Augen schienen durch Fuller und Collins hindurchzustarren. Es war zweifelhaft, ob er seinen Besuch überhaupt erkannte.

Wieder drang ein Stöhnen über seine Lippen. Seine Hände strichen zitternd über eine riesige Wunde, die in seinem Unterleib klaffte.

»Verdammt«, keuchte Fuller. »Er muss von einem Tier angefallen worden sein!«

Wortlos rannte Collins zu seinem Rucksack und zog ein Verbandspäckchen daraus hervor. Er faltete den Mull auseinander und legte ihn vorsichtig über die Verletzung, dann befestigte er den Verband notdürftig mit Pflastern.

Dem alten Mann schien die Behandlung zu widerstreben, doch schon bald erstarb seine Gegenwehr. Offenbar fügte er sich in sein Schicksal, und er fiel in einen erschöpften Schlaf.

»Das Pech scheint uns wirklich an den Fersen zu kleben.« Mike Fuller schüttelte fassungslos den Kopf. »Was machen wir denn nun mit diesem Kerl?«

»Mehr können wir im Moment nicht für ihn tun.« Jerry Collins wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. »Morgen werden wir weitersehen. Vielleicht finden wir hier etwas, das uns weiterhelfen kann.«

Yukon Charley Rivers National Preserve

Alaska, 14. September 2022, 07:35 Uhr

Michael Fuller erwachte, als die ersten Strahlen der Sonne in die Hütte fielen. Umständlich wickelte er sich aus seinem Schlafsack. Vorsichtig schlich er nach draußen, aufmerksam darum bemüht, seinen Partner nicht zu wecken.

»Das ist doch mal wieder typisch.« Er blinzelte gegen das grelle Licht. »Drei Tage lang hätten wir dich brauchen können, um wieder zurückzufinden. Aber nein, du musst dich hinter Wolken versteckt halten. Aber kaum finden wir eine andere Lösung, glotzt du wieder neugierig vom Himmel.« Er präsentierte der Sonne seinen ausgestreckten Mittelfinger.

»Was ist denn mit dir los?« Jerry Collins kam ebenfalls aus der Hütte. »Führst du mittlerweile Selbstgespräche?«

»So ähnlich«, antwortete Fuller. »Ich kann dir sagen, mir ist gestern Abend ein ziemlicher Steinbrocken vom Herzen gefallen.« Er spielte damit auf die von Hand gezeichnete Karte an, die sie in der Hütte entdeckt hatten. Sie war zwar nicht maßstabsgetreu, aber die darauf vermerkten markanten Landschaftsformationen waren hervorragende Orientierungshilfen. Fuller und Collins meinten sogar, die Flussbiegung auf der Karte erkannt zu haben, an der sie ihr Boot und ihre restlichen Ausrüstungsgegenstände deponiert hatten. Sie waren sehr zuversichtlich, die Stelle heute noch zu erreichen.

»Ich habe in der Nacht ziemlich lange gegrübelt.« Collins setzte sich auf einen Baumstumpf. »Was machen wir mit unserem Gastgeber? Wenn wir ihn einfach hierlassen, könnte er tot sein, wenn endlich Hilfe eintrifft.«

Fuller setzte sich neben seinen Kameraden. »Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als ihn auf eine Trage zu legen und mitzunehmen.« Er malte mit einem Stöckchen Kreise in den Sand. »Am Boot können wir dann übers Satellitentelefon einen Hubschrauber kommen lassen.«

Der Gedanke behagte Collins nicht recht. »Ist der Mann denn überhaupt transportfähig? Es sah ziemlich schlimm aus gestern Abend.«

»Ich habe heute noch nicht nach ihm gesehen«, gestand Fuller.

Die beiden Männer kehrten in die Hütte zurück und näherten sich langsam dem Lager hinter dem Ledervorhang. Der Trapper schien noch genauso dazuliegen, wie sie ihn in der vergangenen Nacht zurückgelassen hatten.

»Meinst du, er ist tot?«, fragte Fuller beklommen.

»Keine Ahnung«, erwiderte Collins. »Mal sehen, ob er noch atmet.« Vorsichtig legte er die Hand auf die Brust des Mannes, als dieser plötzlich die Augen aufschlug.

»Wer sind Sie?«, presste er erschrocken zwischen den Zähnen hervor.

Erstaunt zog Collins seine Hand zurück. »Mein Name ist Jeremiah Collins. Und das ist mein Freund Michael Fuller. Wir haben uns auf einem Jagdausflug verirrt und waren froh, als wir Ihre Hütte im Wald entdeckt haben. Dann haben wir Sie verletzt in Ihrem Bett vorgefunden. Ich glaube, wir haben alle großes Glück gehabt.«

»Freut euch nicht zu früh«, stöhnte der Trapper. »An eurer Stelle würde ich mich beeilen, so schnell wie möglich von hier wegzukommen.« Benommen legte er den Kopf zur Seite.

»Wie meint er das?« Fuller sah seinen Partner erschrocken an.

»Er redet wirres Zeug«, erklärte Collins. »Das würdest du mit so einer Verletzung wahrscheinlich auch tun.« Er zog die Felldecke beiseite, die sie über den Trapper gebreitet hatten.

»Das gibt's doch nicht!«, stöhnte Fuller.

Die klaffende Wunde am Unterleib des Mannes hatte sich fast vollständig geschlossen. Die zerfaserten Ränder schienen gereizt und feucht, eine Entzündung war jedoch noch nicht zu erkennen. Kleine Stücke der Zellstoffbinde ragten aus der Wunde, so als wäre der Verband in den Bauch des Trappers gezogen worden.

»Verdammt, unsere Erste Hilfe ist nach hinten losgegangen«, erkannte Collins. »Wir dürfen keine Zeit verlieren, sonst stirbt der Mann an Blutvergiftung, wenn sich die Binde in seinem Bauch zu zersetzen beginnt.«

»Ich suche Äste für eine Trage.« Fuller stürmte aus der Hütte.

»Mister? Mister!« Jerry Collins packte den Mann unter dem Kinn, bis dieser dämmerig die Augen wieder aufschlug. »Es wird alles okay. Wir kümmern uns um Sie. Wir bringen Sie in eine Klinik in der Stadt.«

»Nein!« Entsetzt versuchte der Mann sich aufzurichten. »Ich darf nicht in die Stadt. Ich muss hierbleiben ...«

»Beruhigen Sie sich doch.« Collins drückte ihn sanft zurück. »Ich sage Ihnen doch, dass alles in Ordnung geht. Sie werden dort gut versorgt werden.«

»Ich darf nicht dorthin zurück«, bettelte der Mann schwach, »oder ihr werdet alle verbrennen ... Lasst mich einfach hier liegen.« Erschöpfung ließ den ausgezehrten Körper wieder einschlafen.

»Ich bin so weit.« Mike Fuller streckte seinen Kopf zur Tür hinein. »Wie steht's bei dir?«

»Er war noch einmal kurz bei Bewusstsein«, erwiderte Collins.

»Und?« Fuller kam ans Bett heran.

»Er ist ziemlich durcheinander«, erklärte Collins. »Er hat davon gefaselt, dass er nicht in die Stadt zurückdürfte. Ich nehme an, dass er etwas ausgefressen hat und sich schon seit einigen Jahren hier im Wald vor dem Sheriff versteckt ...«

»Egal«, sagte Fuller entschlossen. »Besser im Knast als tot. Beeilen wir uns ...«

St. Michael Hospital, Pathologische Abteilung

Fairbanks, Alaska, 10. Oktober 2022, 14:23 Uhr

»Nehmen Sie davon ein wenig.« Dr. Sheppard hielt ein kleines Cremedöschen auffordernd in Cliffs und Judys Richtung. »Ich fürchte, Sie werden es brauchen können ...«

Cliff sandte Judy einen wissenden Blick, dann tauchte er eine Fingerspitze in die farblose Salbe, von der er sich anschließend eine kleine Portion in jede Nasenöffnung rieb. Augenblicklich stach ihm der scharfe Geruch von Eukalyptus tief ins Gehirn.

Aus den Augenwinkeln heraus sah er, wie Judy seinem Beispiel folgte. Mit einem Räuspern versuchte sie die Tränen zu vertreiben, die die ätherischen Dämpfe in ihre Augen schießen ließen.

»Wenn Sie mir nun bitte folgen.« Dr. Sheppard verschwand durch eine der metallenen Pendeltüren, deren runde Fenster einen Einblick in den nächsten Raum ermöglichten. Weiße Kacheln erstreckten sich dort über den Boden und die Wände; auf Rolltischen zeichneten sich die Formen zweier menschlicher Körper unter Stofftüchern ab. Ein junger Mann mit umgebundener Gummischürze war damit beschäftigt, einen Seziertisch mit einer Handbrause abzuspülen.

»Dort hinten.« Dr. Sheppard zeigte auf einen weiteren Tisch am Ende des Raums. Das Tuch, das darüber ausgebreitet war, ließ keine klaren Strukturen erkennen. Der verhüllte Körper schien eigenartig formlos; der Größe nach zu urteilen, musste es sich um den Leichnam eines Kindes handeln.

»Ich muss Sie warnen: Ein schöner Anblick ist es nicht.« Dr. Sheppard hatte sich am Kopfende des Tisches aufgebaut. »Aber als Bundesmarshals sind Sie bestimmt an einiges gewöhnt ...«

Dem konnten Cliff Conroy und Judy Davenport nur zustimmen. Einerseits. Sie hatten aufgehört zu zählen, wie viele Pathologien sie in den letzten Monaten schon von innen gesehen hatten. Andererseits: Gewöhnen würden sie sich wohl nie daran.

Noch bevor sie etwas erwidern konnten, zog der Pathologe das Tuch beiseite.

Ein bis zur Unkenntlichkeit zusammengeschrumpelter Körper lag verkrümmt auf der Bahre. Die Überreste ließen nicht einmal Rückschlüsse darauf zu, ob es sich bei dem Opfer um einen Mann oder eine Frau gehandelt hatte. Der stechende Geruch verschmorten Fleisches hing plötzlich schwer in der Luft.

»Das ist wirklich unglaublich.« Nach einer Schrecksekunde hatte sich Judy als Erste wieder gefangen. Obwohl der Arzt sie schon darauf hingewiesen hatte, war sie doch überrascht vom Zustand der Leiche. »Der Körper ist vollkommen dehydriert. So etwas habe ich in dieser Form bisher nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommen. Bei einem Fall spontaner menschlicher Selbstentzündung*.«

Judy ging vor der Bahre in die Hocke, um den Leichnam besser in Augenschein nehmen zu können. Was sie dem Pathologen verschwiegen hatte: Die Selbstentzündung war nicht der erste Fall gewesen, bei dem Cliff und sie mit dehydrierten Leichen konfrontiert wurden. Die Vorgänge in der Painted Desert, wo sie ein startendes UFO beobachtet hatten, waren ihr noch gut im Gedächtnis geblieben**. Seit diesem Tag wussten sie, dass solche Leichenfunde auf das Wirken Außerirdischer zurückgeführt werden konnten – der Grund dafür, dass sie auf diesen Fall hier angesetzt worden waren.

»Ja, aber ich kenne kein Feuer, das so etwas vermag«, gab der Arzt zurück. »Sehen Sie: Die Brandspuren scheinen nicht auf einen äußeren Einfluss zurückzuführen zu sein. Als wären sie von innen gekommen! Der Körper wirkt fast wie der einer altägyptischen Mumie. Es ist kein einziger Tropfen Flüssigkeit mehr darin.«

»Ziehen Sie andere Ursachen in Betracht?«, fragte Judy. »Ein Hochspannungsunfall vielleicht?«

Dr. Sheppard zuckte mit den Schultern. »Würde ich nur allzu gerne. Aber am Fundort der Leiche gibt es keinerlei Hinweise auf eine solche Energiequelle. Der Körper, oder was davon übriggeblieben ist, wurde in einer kleinen Parkanlage entdeckt. Dort gibt es keine Hochspannungsleitungen, und ein Feuer war dort auch nicht ausgebrochen. Es gab nicht einmal Brandspuren auf der Rasenfläche.«

»Vielleicht hat man die Leiche nach einem Unfall oder einem Verbrechen dort abgelegt«, schlug Cliff vor.