1,99 €
Lange Zeit - Ewigkeiten? - lebte es ungestört auf dem Grund des Meeresgrabens, in einer Tiefe, die weder ein Lichtstrahl noch ein von Menschenhand geschaffenes Gerät erreichen konnte.
Dann wurde es gestört, erschreckt, in Panik versetzt, als das Licht kam - und mit ihm ein rundes Ding, das, an Stahltrossen gesichert, die Ruhe zerstörte. Noch ehe es reagieren konnte, war die Kugel näher gekommen, bohrte sich in seinen Körper und riss es mit sich - hinauf, wo ihm blendende Helligkeit und reißende Strömung zusetzten.
Hier traf es zum ersten Mal auf jene Lebewesen, die so seltsam fest waren und dünne Auswüchse besaßen. Und die es sich so leicht zunutze machen konnte...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Aus tiefsten Tiefen
UFO-Archiv
Vorschau
Impressum
Andreas Schröter
Aus tiefsten Tiefen
Atlantik, über dem St. Victor-Graben
40 km vor Bay Shore, 02. Mai 2023, 11:30 Uhr
»Wie lange brauchen Ihre Leute noch, Käpt'n?«
Gregory Shelter sah ungeduldig auf die Uhr. Verdammt, warum dauerte das so lange? Die Sache musste heute über die Bühne gehen. Zu viel Geld und Fleiß steckten schon in dem Projekt.
»Wir sind gleich so weit«, brummte Pretorius in seinen ergrauten Bart. »Sie können die Tauchkugel nun besteigen.«
Obwohl der inzwischen fast 70-jährige James Pretorius sicherlich nicht mehr den Elan früherer Jahre hatte, verstand er nach wie vor sein Handwerk. Was Shelter als Langsamkeit auslegte, waren in Wirklichkeit Vorsicht und Bedacht.
Er selbst würde an diesem Rekordversuch niemals teilnehmen, das stand für Pretorius fest. Zumal das Unternehmen mit einem nicht unerheblichen Risiko verbunden war ...
Was hätte er schon davon gehabt, im Guinness-Buch der Rekorde zu stehen? Pah! Die Männer, mit denen er sich fast jeden Abend in Ol' Man's Inn traf, hatten andere Sorgen.
Andererseits musste auch James Pretorius Geld verdienen. Und im Moment war es mit seiner Börse gar nicht gut bestellt. Die Makrelen, auf deren Fang er sich mit seinem relativ großen und teuren Fischkutter Victoria spezialisiert hatte, schienen die Gegend um Bay Shore in letzter Zeit zu meiden.
Also hatte er den scheinbar einfachen Auftrag von diesem Gregory Shelter angenommen: »Sie bringen mich zum St. Victor-Graben, lassen mich hinunter und ziehen mich später wieder raus«, hatte er gesagt, »und dafür gebe ich Ihnen 1200 Dollar.«
Offen gestanden hatte sich Pretorius gefragt, warum dieser Tauch-Freak gerade ihn ausgewählt hatte. Er war weiß Gott nicht mehr der Jüngste und hatte seit zehn Jahren nichts anderes mehr getan, als Makrelen zu fangen. Als er Shelter darauf angesprochen hatte, hatte der zur Antwort nur ein Wort gesagt: »Kuwait«.
Daher also wehte der Wind. Offenbar war der Name Pretorius immer noch für viele ein Begriff. Er hatte sich während des ersten Golfkriegs am Persischen Golf als junger Fregatten-Kapitän einige Meriten erworben. Dabei hatte er lediglich darauf geachtet, dass alle seine Männer wohlbehalten aus dieser Hölle herauskamen. Er wollte es vor sich selbst nicht zugeben, aber es schmeichelte ihm, dass Shelter gerade ihn und seine Mannschaft ausgesucht hatte.
Außer der großen Erfahrung ihres Kapitäns sprach noch etwas für die Victoria: Sie war groß genug, um eine Tauchkugel mitsamt dazugehöriger Stahltrossen in eine Tiefe von über 4.000 Metern hinabzulassen. Ein kleineres Boot wäre schon durch das Gewicht der Kugel und der beiden jeweils 5.000 Meter langen Trossen in Kentergefahr geraten.
Auch hätte ein kleineres Boot der Krängung nicht standgehalten, die dadurch entstand, dass die Kugel zwangsläufig an einer Seite des Schiffes zu Wasser gelassen werden musste. James Pretorius war auch in diesem Punkt auf Nummer sicher gegangen. Er hatte ein tonnenschweres Gegengewicht auf einer kleinen Schiene anbringen lassen. Es stand jetzt genau in der Mitte des Decks. Je tiefer die Kugel sinken würde, desto mehr würde er das Gewicht zur gegenüberliegenden Seite des Bootes schieben lassen. Auf diese Weise würde er die Krängung ausgleichen können.
Gregory Shelter war der Aufforderung, in die Tauchkugel zu steigen, sofort nachgekommen. Der Rekordversuch konnte beginnen.
Jetzt traten auch die beiden anderen Männer an Bord näher an den Hebekran heran. Sie hatten sich bisher im Hintergrund gehalten. Einer von den beiden war Notar, der andere ein Mitglied des Technical Diving International (TDI), des amerikanischen Tauchverbands. Ihre Anwesenheit war nötig, um den Rekord zu dokumentieren und später anerkennen zu lassen.
Eigentlich hätte Pretorius von nun an die Vorgänge auf seinem Schiff in aller Ruhe verfolgen können. Wenn da nicht die Sturmwarnung gewesen wäre, die ihn vor wenigen Minuten über Funk erreicht, und die Shelter mit einem Schulterzucken abgetan hatte. Pretorius verstand ihn sogar – bis zu einem gewissen Grad. Der Tauchexperte hatte zu viel investiert, um so kurz vor dem Erreichen des Ziels umzukehren. Doch andererseits kannte Shelter das Wetter in dieser Gegend nicht so gut wie James Pretorius.
Und er hatte auch keinen Blick für die Sorge des alten Seebären, mit der dieser immer wieder den Horizont nach den Vorboten des Unwetters absuchte ...
St. Victor-Graben
40 km vor Bay Shore, 02. Mai, 11:42 Uhr
Gregory Shelter verspürte keine Angst, als er – eingepfercht in die enge Kabine seiner Tauchkugel – tiefer und tiefer im Ozean versank. Er hatte diese Situation schon hunderte Male in Gedanken durchgespielt und fast ebenso oft in Probe-Tauchgängen geübt.
Außerdem vertraute er seiner Kugel. Schließlich hatte er sie selbst entworfen und eigenhändig gebaut. Sie war speziell für den Druck ausgelegt, den sie in der Rekordtiefe für Amateur-Tauchgeräte überstehen musste. Und doch war jetzt vieles anders als bei vorherigen vergleichbaren Tauchgängen. Niemals zuvor war ein Mensch mit einem Gerät dieser Art so tief unten gewesen, wie er es in wenigen Minuten sein würde. Sicher, ein gewisser Jacques Piccard war in den 1960er-Jahren mit seinem Tiefseetauchboot Bathyscaph im Marianengraben im Stillen Ozean vor Guam sogarauf annähernd 11.000 Meter Tiefe gekommen, aber dessen Spezialtauchboot war nicht mit einer Tauchkugel vergleichbar. Ebenso wenig wie das Tauchgefährt des Regisseurs James Cameron, der nach seinem Filmerfolg The Abyss der Faszination der Tiefsee erlegen war und schließlich sogar das Wrack der Titanic gefunden hatte.Er selbst, Gregory Shelter, würde es immerhin mit eigenen Mitteln auch auf fast 4.300 Meter bringen.
Was erwartete ihn dort unten? Trotz aller technischer Fortschritte der letzten Jahre und Jahrzehnte war es dem Menschen immer noch nicht gelungen, der Tiefsee all ihre Geheimnisse zu entlocken.
Bei diesen Gedanken beschlich ihn eine winzige Nervosität. Um auf andere Gedanken zu kommen, überprüfte Shelter seine Instrumente: Echolot – 4.200 Meter Wasser unter ihm, Wert konstant fallend. Doppel-Scheinwerfer – funktionierte; zwei parallel verlaufende Lichtlanzen bohrten sich vor ihm weit in den Ozean hinein und machten Myriaden kleiner Partikel sichtbar. Auch die übrigen Instrumente waren in Ordnung, wie ihm ein kurzer Rundumcheck bestätigte.
»Alles klar, Mr. Shelter?«, knarzte wie auf Kommando Pretorius' Stimme aus der Sprechverbindung, die über ein zusätzliches Kabel entlang einer der Trossen betrieben wurde.
»Bis auf den kleinen Riss im Bullauge, durch den das Wasser tropft, ja«, scherzte er zurück.
Der Tiefenmesser zeigte mittlerweile achtzig Meter an und bewegte sich in gleichbleibender Geschwindigkeit weiter – neunzig Meter, hundert Meter, hundertzwanzig Meter ...
Draußen war es – bis auf die Scheinwerferbalken – längst dunkel geworden. Nichts blieb mehr von den lichtdurchfluteten, in ein helles Blau getauchten Unterwasser-Bildern, die Shelter direkt nach dem Eintauchen durch das kleine Bullauge der Kapsel hatte betrachten können. Aber er interessierte sich ohnehin nicht für Unterwasser-Schönheiten. Er wollte den Rekord.
Die Tauchkugel sank weiter, ohne dass es Zwischenfälle gab. Nach achtzehn Minuten passierte der Tiefenmesser die 2.000-Meter-Marke. Noch ein halbe Stunde Sinkflug, dann würde Shelter eine Berühmtheit sein – zumindest in den einschlägigen Kreisen.
Würde ...
Denn nach weiteren fünfundzwanzig Minuten sollte etwas passieren, womit er nicht gerechnet hatte – nicht hatte rechnen können ...
Über dem St. Victor-Graben
40 km vor Bay Shore, 02. Mai, 12:16 Uhr
Kapitän James Pretorius fragte sich, wie Mr. McNamara – seines Zeichens Notar – reinen Gewissens beurkunden konnte, dass der Rekordversuch mit rechten Dingen abgelaufen war. Fakt war, dass Julius McNamara von den Vorgängen kaum etwas mitbekam. Lediglich zu Beginn des Versuchs hatte er ein wenig Interesse gezeigt. Seitdem stand er an der Reling und fütterte die Fische – das aber, wie die grüne Farbe in seinem Gesicht bewies, nicht ganz freiwillig.
Max, der Schiffsjunge der Victoria, hatte offenbar Gefallen an dem leidenden Rechtsgelehrten gefunden. Immer wieder schlenderte er an ihm vorbei und fragte ihn beiläufig, ob er ihm vielleicht eine Portion Plumpudding oder einen Teller Fischsuppe bringen dürfe, woraufhin McNamara stets eine weitere Ladung Fischfutter ins Meer verteilte. Max hatte augenscheinlich seinen Spaß an dieser sich wiederholenden Szene.
Auch James Pretorius hätte unter normalen Umständen darüber gegrinst. Aber ihm war nicht nach Grinsen zumute.
Er betrachtete erst den Himmel und dann den Hebekran. Zwei für diesen Versuch eigens konzipierte Rollen unterhalb des Krans spulten je eine der schweren Stahltrossen ab. Die Taue wurden über mehrere Führungen, die am Hebekran befestigt waren, ins Meer gelenkt. Irgendwo dort unten hielten sie die Tauchkugel, in der dieser Verrückte saß.
Am Himmel tat sich da entschieden mehr. Die Wolken hatten vor wenigen Minuten zu quellen begonnen und türmten sich jetzt zu wahren Gebirgen auf. Und diesen Anblick fand James Pretorius alles andere als beruhigend.
Weil er unmittelbare Folgen für das Schiff haben würde.
Pretorius begab sich zum Hebekran, wo sich Mr. Bogdanovski vom TDI Notizen in seine Kladde machte, und fragte: »Wie lange wird es noch dauern, bis wir ihn wieder hochziehen?«
Bogdanovski sah sich die Markierungen auf den Trossen an und antwortete: »Er ist jetzt bei 2.800 Metern. Bis zur Rekordtiefe dürfte es noch eine Viertelstunde dauern, dann noch mal zwei Stunden fürs Raufziehen plus zehn Minuten zum Bergen der Kugel.«
»Geht das nicht schneller?«, erkundigte Pretorius sich.
»Nein. Warum fragen Sie, Käpt'n?« Bogdanovski schien der besorgte Unterton in seiner Stimme aufgefallen zu sein.
Pretorius deutete mit dem Daumen nach oben. Bogdanovski folgte der Geste.
»Und?«, fragte er.
»Das Unwetter«, wurde Pretorius deutlicher. »Es wird nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Shelter hätte besser auf die Wetterwarnung gehört.«
Bogdanovski schien verwirrt. »Welche Wetterwarnung?«
Pretorius zerbiss einen Fluch zwischen seinen gelben Zähnen.
»Er hat es Ihnen gar nicht gesagt?«, knurrte er dann. »Verfluchte Robbenscheiße! Mir hat er erzählt, Sie wären einverstanden, den Versuch trotzdem durchzuziehen.«
Jetzt war es an Bogdanovski, einen knappen, aber deftigen Fluch auszustoßen. »Das werde ich in meinem Bericht an den TDI erwähnen müs-«
Er unterbrach sich mitten im Wort, als sich plötzlich und unerwartet das Geräusch änderte, mit dem sich die beiden Stahltrossen von der Rolle wickelten. Sie liefen jetzt leichter, so als würde kein Gewicht mehr an ihnen hängen!
Pretorius, der die Veränderung ebenfalls bemerkt hatte, war mit einem Satz am Hebekran und brüllte: »Maschine stopp!«
Der Matrose am Kran kam dem Befehl ohne Verzögerung nach.
Michail Bogdanovski hatte Erfahrung im Einsatz von Tauchkugeln und sah an der Bewegung der Stahltrosse sofort, dass das Gefährt in seiner Abwärtsbewegung gestoppt worden war. Es war wichtig, das Abrollen der Trosse sofort zu beenden; andernfalls bestand die Gefahr, dass sich die beiden Taue im lockeren Zustand irgendwo auf dem weiten Weg zur Kugel verhedderten und den Taucher in Lebensgefahr brachten.
Was war dort unten geschehen? Der neue Tauchrekord wäre erst knapp 1.300 Meter tiefer erreicht worden. Und bis zum Grund des St. Victor-Grabens waren es noch einmal gut zweihundert Meter. Ein Blick auf die Markierungen der Stahltrosse bestätigte Bogdanovski, dass er mit dieser Einschätzung richtig lag. Da unten gab es nichts, was die Tauchkugel hätte aufhalten können!
In diesem Augenblick erwachte die Gegensprechanlage zum Leben. Die Stimme Gregory Shelters war nur undeutlich und abgehackt zu verstehen – und das, obwohl die Verbindung eigentlich unempfindlich gegen atmosphärische Störungen hätte sein müssen: »... los bei euch? ... plötzlich abgebremst ... mit den Trossen?«
Bogdanovski beugte sich über das Mikrofon. »Mr. Shelter, wir können Sie nur sehr schlecht verstehen. Bitte sagen Sie uns, was Sie gestoppt hat!«
Eine Antwort Gregory Shelters blieb aus. Aus dem Lautsprecher war nur noch ein Rauschen und Knacken zu hören.
Michail Bogdanovski beschlich ein seltsames Gefühl. Die Kugel hätte nicht stoppen dürfen. Das war physikalisch unmöglich, denn das Tauchgerät selbst verfügte über keinen eigenen Antrieb.
Was um alles in der Welt konnte eine anderthalb Tonnen schwere Stahlkugel mitten im Wasser aufhalten?
St. Victor-Graben
40 km vor Bay Shore, 02. Mai, 12:22 Uhr
Gregory Shelter beschäftigte unterdessen dieselbe Frage. Das Echolot zeigte noch weitere 1.500 Meter Wasser unter der Kugel an, was vom Tiefenmesser bestätigt wurde. Was, zum Teufel, ging da vor?
Shelter rief sich den Moment ins Gedächtnis zurück, als der »Bremsvorgang« eingesetzt hatte. Denn die Sinkgeschwindigkeit war nicht abrupt gestoppt worden, wie es hätte sein müssen, wäre er auf Grund gelaufen, sondern hatte ganz gemächlich abgebremst. Shelter hatte das Gefühl gehabt, in Watte zu versinken, oder im Schlamm. In unsichtbarem Schlamm!
Jetzt war die Kugel komplett zum Stillstand gekommen. Shelter beugte sich zum Bullauge vor, presste sein Gesicht an die Scheibe und schirmte es mit den Händen ab, um nicht durch die Innenbeleuchtung gestört zu werden.
Die beiden deutlich zu erkennenden Lichtlanzen des Doppelscheinwerfers bewiesen ihm, dass das Echolot recht hatte. Ganz eindeutig befand sich die Tauchkugel nach wie vor in freiem Wasser.
Als Gregory Shelter die Hände sinken ließ, merkte er, dass er sein Gesicht gar nicht gegen die Innenbeleuchtung hätte abschirmen müssen.
Es gab keine Innenbeleuchtung mehr! In der Kugel war es stockdunkel.
Aber ... das konnte nicht sein.
Shelter bemerkte jetzt auch ein Flackern, das von den Außenscheinwerfern ausging. Offenbar gab es einen Fehler in der Elektronik.
Drei Sekunden später umgab ihn absolute Schwärze. Auch das bisschen Licht, das von draußen durch das Bullauge hereingedrungen war, war nicht mehr vorhanden. Die Außenscheinwerfer waren erloschen.
Shelter war als Perfektionist auf diese Situation nicht vorbereitet. Fehler wie diese kamen in seinem Denken nicht vor. Was er anfing, funktionierte, weil er es konstruiert hatte.
Er musste sich eingestehen, dass er die gegenwärtige Lage alles andere als angenehm empfand. Er saß in absoluter Stille in einer stockdunklen Tauchkugel fest – mit 2.800 Metern Wasser über dem Kopf. Als er nach dem Mikrofon der Sprechverbindung tastete, merkte er, dass seine Hände zitterten.
Der sonst so coole Gregory Shelter war nervös geworden, verdammt nervös sogar. Und dieses Gefühl änderte sich auch nicht, als jetzt die Außenscheinwerfer ihren Dienst mit einem kurzen Flackern wieder aufnahmen. Einige Sekunden später folgten die Innenbeleuchtung und Instrumente.
So unerklärlich der Störfall in der Elektronik war, der Grund für den plötzlichen Stopp der Kugel konnte er nicht gewesen sein. Schließlich hatte die Abwärtsbewegung der Kugel rein gar nichts mit Elektronik zu tun. War etwas mit den Stahltrossen nicht in Ordnung, die die Kugel nach wie vor hielten?
Er griff zum Sprechgerät und fragte betont locker: »Hallo Victoria, was ist los bei euch? Die Kugel wurde bei knapp 2.800 Metern plötzlich abgebremst. Gibt es Probleme mit den Trossen?«
Die Antwort war nicht viel mehr als ein Rauschen. Leise waren ein paar abgehackte Worte zu hören: »... schlecht verstehen ... was ... Sie gestoppt ...« Die Störungen waren genauso unerklärlich wie der Stromausfall, denn das Gerät hätte dank der Kabelverbindung einwandfrei arbeiten müssen.
Shelter drehte an den Feineinstellungen, hielt jedoch wieder inne, als er plötzlich aus den Augenwinkeln am Bullauge eine Bewegung zu sehen glaubte.
Ein Tiefseefisch? Er schaute genauer hin.
Nichts. Nur das diffuse Licht, das durch den Doppelscheinwerfer erzeugt wurde.
Shelter drückte sein Gesicht erneut an die Scheibe.
Nein, da war nichts. Was auch nicht verwunderlich war, denn in 2.800 Metern Tiefe gab es nicht mehr viel, außer vielleicht ein paar Schalentieren oder kleineren Fischen, die so konstruiert waren, dass sie dem enormen Wasserdruck standhalten konnten, der hier unten herrschte. Und diese Tiere vermochten ganz bestimmt nicht eine anderthalb Tonnen schwere Tauchkugel aufzuhalten.
Aber was war es dann, das ihn gestoppt hatte?
