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Jahr für Jahr verbringt Peter Hinrichsen mit seinem Zwillingsbruder Franz, die Ferien bei seinem Grandpa an der englischen Atlantikküste im kleinen Hafenstädtchen Swansea. Dort verliebt er sich in Amy, deren Traum es ist Pilotin zu werden. Eines Tages erfährt der im Ort aufgewachsene Anthony Clarkson: Peter und Amy haben die vergangene Nacht gemeinsam verbracht. Die Nacht hin zum 1. September 1939, des Kriegsausbruches. Dabei war er es, der Amy einst zuerst küsste und ihr seine Liebe gestand. Die Zwillinge müssen unverzüglich England mit dem nächsten Schiff verlassen…doch noch vom Kai aus, verflucht Anthony Peter im Hafen hinterher rufend: Er wird ihn eines Tages vernichten! Mit allem was er kriegen kann! Amy beobachtet dies traumatisiert im Hintergrund. Da Anthony auf dem Schlachtschiff Die Hood dienen will, hofft er in seinem Jähzorn darauf, somit eines Tages auf Die Bismarck zu stoßen: denn er weiß, dass Peter im Geschützturm Anton und Franz als Funker ebenfalls auf der Bismarck ihren Dienst fürs Vaterland tun. Tatsächlich stoßen die beiden mächtigsten Schlachtschiffe der Welt aufeinander. Und so führt der jähzornige Anthony in seinem Geschützturm keinen Krieg gegen die Deutschen: er kämpft hasserfüllt nur gegen Peter. Mit allem was er kriegen kann: dem Schlachtschiff auf welchem er Dienst tut! Denn er weiß, trotz des Krieges, denkt Amy weiterhin nur an Peter. Die Hood wird vernichtend geschlagen. Fatal, erst jetzt - direkt nach der Versenkung - fängt Franz eine Nachricht von Pam (Amys Cousine, die als Funkerin bei der Royal Navy arbeitet) auf: Amy hatte den Befehl als ATA Pilotin ein Schwimmerflugzeug zur Hood zu fliegen. Für Peter bricht eine Welt zusammen. Gegenwart / Normandie Es ist wieder einer dieser verdammten Jahrestage des D-Days. Und zufällig begegnen sich auf einem Soldatenfriedhof vier alte Senioren. Sie trauen ihren Augen nicht.
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Seitenzahl: 240
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Jahr für Jahr verbringt der aus Hamburg stammende Peter mit seinem Zwillingsbruder Franz die Ferien bei seinem Grandpa an der englischen Atlantikküste im kleinen Hafenstädtchen Swansea.
Mit weiteren Teenagern verbringen sie ihre Zeit.
Peter verliebt sich dort in Amy.
Dem hiesigen Marinekadetten Anthony Clarkson ist dies ein Dorn im Auge: war er es doch, der Amy einst zuerst küsste.
Ein Jahr später sind die beiden Hamburger Jungs wieder vor Ort.
Nach Tagen erfährt Anthony, Peter und Amy haben die letzte Nacht gemeinsam verbracht. Die Nacht hin zum 1. September 1939, des Kriegsausbruches.
Mit einem deutschen Frachter müssen die Zwillinge England unverzüglich verlassen. Doch noch vom Kai aus, verflucht Anthony dem Frachter hinterher rennend Peter:
er wird ihn vernichten.
eines Tages.
mit allem was er kriegen kann!
Amy steht traumatisiert abseits. Sie weiß: aufgrund des Kriegsausbruches wird sie Peter niemals wieder sehen.
Anthony nutzt die Zeit - und bringt Amy monatelang mit Unwahrheiten auf seine Seite.
Solange, bis sie eines Tages zusammen kommen.
Doch spürt er förmlich Amys weitere Leidenschaft hin zu Peter.
Parallel dazu gelingt es Amy endlich, mit Anfang 20 als Pilotin in einer Flugstaffel zu dienen.
Peter - als Geschützoffizier und Franz als Funker - tun beide ihren Dienst bei der deutschen Marine.
Anthony ist im Wissen darüber, beide verrichten ihre militärische Laufbahn auf dem Schlachtschiff Die Bismarck.
Während Peter durch seinen Bruder erfährt: Anthony soll als Geschützoffizier auf dem britischen Nationalstolz, dem Schlachtschiff Die Hood stationiert worden sein.
Sie haben diese Nachricht von Pam. Amys Cousine, die in England ebenfalls als Funkerin dient.
Schicksalhaft treffen durch den Verlauf des Krieges die beiden mächtigsten Schlachtschiffe der Welt:
Die Bismarck und Die Hood auf See aufeinander.
Doch der jähzornige Anthony führt im Geschützturm keinen Krieg gegen die Deutschen, er kämpft hasserfüllt nur gegen Peter:
mit allem was er kriegen kann.
dem Schlachtschiff auf welchem er Dienst tut!
Die Hood wird vernichtend geschlagen.
Fatal, erst jetzt - direkt nach der Versenkung - fängt Franz eine Nachricht von Pam auf: Amy hatte den Befehl als ATA Pilotin ein Schwimmerflugzeug zur Hood zu fliegen.
Für Peter bricht eine Welt zusammen.
Gegenwart / Normandie
Es ist wieder einer dieser verdammten Jahrestage des D-Days. Und zufällig begegnen sich auf einem Soldatenfriedhof vier alte Senioren.
Sie trauen ihren Augen nicht.
Internationales Maritimes Museum Hamburg
Stiftung Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven
Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven
Militärgeschichtliches Forschungsamt Potsdam
Blohm & Voss Hamburg
Marineehrenmal Laboe
Während der nur neun Tage dauernden Feindfahrtder Bismarck, verloren in der größten Verfolgungsjagtder Seekriegsgeschichte an die 3500 Seemännerauf deutscher sowie englischer Seite ihr Leben.
Bis heute ist dieses Ereignis eines der größtenDramen des Zweiten Weltkrieges.
Es war wieder einer dieser verdammten Jahrestage des Einmarsches der Alliierten in die Normandie, Anfang Juni 2010.
Leicht und mild umwehte ein Windhauch den jungen Reporter, der gedankenversunken inmitten eines Soldatenfriedhofes verweilte.
Hier, direkt vor den Toren eines kleinen Dorfes am Atlantik in der Normandie.
Benommen schweifte sein Blick über die Ausmaße dieser Begräbnisstätte, mit dem Meeresrauschen im Hintergrund. Und überall fielen ihm die Altersangaben auf den weißen Kreuzen ins Auge:
Gefallen mit 18 Jahren.
Gefallen mit 19 Jahren.
Gefallen mit 21 Jahren.
Im Augenwinkel bemerkte er einige Kriegsveteranen.
Die Senioren standen in alten Uniformen hier und dort vor vereinzelten Gräbern. Weiter ab fiel ihm auf, wie zwei Veteranen an einem Kreuz Blumen niederlegten. Und ein weiterer Veteran zu seiner Linken, wurde gar von einem Fernsehteam begleitet.
Der junge Reporter ging in sich, um daraufhin eine persönliche Notiz in seinem Notizblock zu vermerken.
Angetan tat er danach weitere Schritte über den Friedhof.
Kurz darauf kreuzte sein Weg drei ältere Frauen, die ebenso bedächtig vor einem weißen Kreuz standen.
Dem Reporter fiel auf, die eine von ihnen trug - wie die männlichen Veteranen - ihre ehemalige Uniform als britische Funkerin. Die andere war unübersehbar eine Nonne.
Die dritte Frau kleidete sich zivil.
Vorsichtig versuchte er hinter ihnen über den schmalen Gang entlang zu huschen, denn er wollte die stille Anteilnahme der älteren Damen nicht unterbrechen. Doch erhaschte der Blick einer der Frauen, seinen Blick. Der Reporter entschuldigte sich sogleich. >>Sorry. Ich wollte nicht stören.<<
Die Funkerin lächelte und gab verständnisvoll im Deutsch mit englischem Akzent zu verstehen. >>Sie stören nicht.<<
Der junge Reporter nickte höflich und wollte weitergehen, doch seine Neugierde ließ ihm keine Ruh: denn es war selten, dass man weibliche Veteranen des Krieges in Uniform begegnete. Der junge Mann blickte aufs Kreuz - und sprach dann feststellend und vorsichtig in die Gruppe hinein.
>>Sie…kannten ihn?<<
Die Nonne nickte in tiefen Gedanken. >>…yes. We do.<< Woraufhin die Funkerin bedauernd ergänzte.
>>Und wir haben die Blumen vergessen.<<
Dem Reporter war anzusehen, dass er sogleich mitfühlte.
Vermittelnd versuchte er zu erklären. >>I am from Hamburg. Und es ist schlimm was damals alles geschah. Es bewegt mich sehr.<< Die Funkerin schmunzelte. >>Ich finde es interessant die Deutsche Sprache zu hören. Sprechen Sie weiter.<< Er blickte die Damen nacheinander an. Und entschied sich dann weiterzusprechen. >>Mein Großvater war auch im Krieg. Meine Mutter berichtete mir davon.<<
Die Nonne wurde neugierig. >>What are you doing here?<<
Der junge Mann blickte zur Funkerin, die jedoch mit warmen Blick antwortete, er möge gern weiter in Deutsch antworten.
>>Ich bin Reporter. Ich schreibe für das Magazin Der Stern.<< erklärte er. Die zivil gekleidete Frau brachte sich mit ein.
>>I know this magazine. Anyone can buy it in San Francisco. …and…worüber schreiben Sie genau?<< Dem jungen Journalisten war es peinlich. >>Soll ich in Deutsch?<<
Die Frau nickte. >>Ja.<<
Er stöhnte. >>Ich darf´s eigentlich gar nicht sagen…<<
Er musterte einige Auszeichnungen auf ihrer zivilen Jacke, darunter eine kleine amerikanische und britische gestickte Flagge - und verwunderlicher Weise ein gesticktes Emblem der Heeresflieger der Nazis. >>…nun: man hat mich hierher geschickt, damit ich über den Zustand des Atlantikwalls schreibe. Sprich: inwieweit die alten Bunker noch dastehen. Wie sehr sie zerfallen.<< Er klagte. >>Dabei gibt es am D-Day bei weitem interessantere Themen.<<
>>Wichtigere.<< korrigierte die Nonne.
Der Reporter nickte, denn sie hatte Recht. >>Mir ist das auch total peinlich. Doch ich bin noch in der Ausbildung. Und hab das zu tun, was der Boss will.<<
Für einen Moment hielt er inne und die Frauen verstanden was er meinte.
Dann fiel ihm das Geschriebene auf dem Kreuz auf:
`The German General. Gefallen mit 23 Jahren.´
Moos verhinderte den Blick auf die Buchstaben des eigentlichen Namens. Achtsam sprach er. >>Wer…<<
Er wollte niemanden zu nahe treten. >>…wer war er?<<
Stille überkam den Augenblick und die Frauen taten sich schwer. Dann brach die Nonne das Schweigen.
>>Wir…wir Frauen waren früher immer zu viert. Er stand Amy einmal sehr nahe.<<
Der junge Mann blickte: wer war Amy?
- - -
In Gedanken verschloss der junge Reporter Augenblicke später hinter sich das Gitter des Soldatenfriedhofes, wobei sein Blick nochmals die drei Frauen weit ab am Grab stehend erhaschte.
Daraufhin blickte er auf die Uhr: er wusste, er musste weiter.
Über die kleine Straße bewegte er sich die 200m auf das Dorf zu, während immer wieder sein Blick hin zum Atlantik wanderte - und er den Wellen lauschend, eine weitere Notiz in seinem Büchlein vermerkte.
Tief bewegt schlenderte er ins Dorf hinein.
Es war geschmückt mit Ansammlungen historischer Panzer, Jeeps und Amphibienfahrzeugen des Zweiten Weltkrieges. Überall hatten sich alte Veteranen in Uniformen eingefunden, die sitzend ihren Plausch der Erinnerungen vor den Cafés oder stehend in kleinen Gruppen auf der Dorfstraße führten.
In diesem Augenblick klingelte sein Handy - und an der Nummer sah er bereits, wer drängeln würde. >>Bin schon unterwegs. Hab nur ´n paar Impressionen eingefangen.<< sprach er. Doch sein Boss maulte. >>Impressionen? Glaub ich Ihnen nicht. Ich hatte Sie gebeten: keine eigenen Recherchen. Für so was haben wir keinen Platz in der Reportage.<< >>Chef. Ich kenn den Auftrag, aber…<< >>Keine eigenen Geschichten. Das is nich Ihr Job.<< unterbrach der Boss.
Der junge Mann nahm seinen Mut zusammen. >>Sorry. Ich möchte auch, wie die anderen, anspruchsvolle Themen schreiben. Und der `Zustand der Bunker´ kann im eigentlichen Sinne doch gar nicht mithalten mit den tausenden von Geschichten …und…Schicksalen, die mir hier übern Weg laufen.<<
Ruppig wies ihn der Chef in die Schranken. >>Hinrichsen, Sie haben einen Auftrag. Kommen Sie mir nicht mit ´ner Veteranen-Mitleidsgeschichte.<<
Hinrichsen wollte am liebsten etwas sagen. Doch er wusste, es würde nichts bringen. Tief einatmend stöhnte er nur noch. >>Ja, is klar.<< Er legte auf. Und innerlich begann er zu brodeln. >>Was ´n Blödsinn.<< murrte er weiter. Woraufhin er verbittert seinen weiteren Weg durchs Dorf fortführte.
Zwei Straßen weiter beobachtete er eine Ansammlung junger französischer Soldaten, die hochpoliert in Reih und Glied vor einem Kriegerdenkmal standen. Ein Offizier gegenüberstehend gab einen Befehl, woraufhin die ganze Truppe in Grundstellung ging. Der Offizier drehte sich stramm um, tat fünf militärische Schritte in Richtung zwanzig ältere Veteranen, die in ihren alten Uniformen angetreten waren, grüßte zackig - und wandte sich zwei weiteren jungen Soldaten zu, die auf roten Samtkissen einige Orden vor sich hielten. Der Offizier nahm einen dieser Orden, hielt ihn vor die Veteranen hoch und begann zu sprechen. Während Photographen die Szenerie verewigten.
Hinrichsen fühlte mit.
Und dann erst ging er weiter. Wobei ihm immer wieder die verschiedensten Kriegspanzer, Veteranen und die Besucher auf den Straßen ins Auge fielen.
Sowie ein Fallschirm, welcher über die Spitze der Dorfkirche übergestülpt worden war. Daran hing eine in Uniform gekleidete Schaufensterpuppe mit Helm.
Er zückte seinen Fotoapparat und ließ ein Bild entstehen.
Durchs Teleobjektiv blickend, schwenkte er den Kirchturm dann langsam hinab zu einer Gruppe amerikanischer Veteranen, die mit ihren Frauen, Kindern und Enkelkindern vor dieser Dorfkirche standen. Gebannt lauschten die Verwandten den Worten einem der Veteranen, der mit der Hand hinauf zur Kirchturmspitze wies. >>…und so habe ich das Ganze überlebt.<< Die Verwandten applaudierten mit großer Anteilnahme.
Der junge Reporter war angetan. >>Das sind Geschichten.<< Sein Blick schweifte hinauf zur Kirchenuhr, denn diese schlug just in diesem Moment zur vollen Stunde. Und sogleich haderte er mit der Überlegung, fortzuschreiten oder auf diese Gruppe zuzugehen. Doch er verspürte seinen Zeitdruck.
Verärgert seufzte er … und ging.
Eine Straße weiter erblickte er, wie vor dem Dorfmuseum erneut eine Ehrengarde von jungen französischen Soldaten stramm - weiteren zwanzig Veteranen gegenüberstehend - salutierten und ihnen Ehre und Achtung erwiesen, während eine Blaskapelle im Hintergrund gerade mit einem Musikstück endete.
Selbst der in Zivil gekleidete Bürgermeister war mit Orden um den Hals anwesend.
Er öffnete eine Mappe - und las einige Zeilen vor.
Ein Fernsehteam war ebenfalls vor Ort und dokumentierte das Geschehen.
Doch erst jetzt erhaschte der Blick des jungen Reporters hinter dem Museum, wie dort gerade, ohne großes Tamtam, eine kleine Gruppe französischer Veteranen, fünf amerikanischen Veteranen gegenüberstand. Die Zeremonie schien auf privater Ebene abzulaufen. Man kannte sich wohl durch den Zweiten Weltkrieg - und hatte über die Jahrzehnte hinweg Kontakt gehalten.
Und auch hier wohnten ältere Frauen mit erwachsenen Kindern und Enkelkindern der Feierlichkeit bei.
Einer der französischen Veteranen tat dann gebrechlich einige Schritte vor…und blieb vor einem der amerikanischen Veteranen - im Rollstuhl sitzend - stehen, um ihm einen Orden zu verleihen.
Doch kaum wollte er sich hinunter beugen, mühte sich der alte Amerikaner im Rollstuhl schwerfällig und zitternd hoch. Sogleich halfen ihm seine Kameraden links und rechts.
Doch kaum stand er - wackelig - blickte er sie wortlos links und rechts an, woraufhin sie mit Achtung wieder von ihm abließen.
Erst jetzt schaute der Amerikaner zum Franzosen und hob sein Kinn, um mit größtem Stolz, Respekt und Anteilnahme diese Ehrung des Franzosen entgegenzunehmen.
Hinrichsen hielt diese Situation durch sein Teleobjektiv fest. Wobei ihm auffiel, dass ein weiterer älterer Mann abseits sitzend in Zivil diese Ehrung still und stumm verfolgte. Er gehörte nicht zu ihnen.
Hinrichsen blickte auf die Uhr und machte sich auf den Weg, hin zu diesem alten Mann. Vorsichtig sprach er ihn an.
>>…hier bist du. Ich muss zur Redaktion. Ins Dorfhotel.<< Der Blick des Alten war tief getroffen und haftete weiterhin auf die Ehrung.
Mit englischem Slang sprach er dann. >>…siehst du das?<< Erst jetzt blickte er. >>Und bis gerade eben haben sie vorgelesen, wen sie aus der Truppe verloren haben. Sie sind die einzigen fünf Überlebenden ihrer Einheit.<<
Hinrichsen verstand. Doch die Zeit drängte. >>Großvater. Bitte entschuldige: aber ich muss weiter. Wir müssen weiter.<<
Doch der Großvater entgegnete. >>Ich habe nicht diese lange Reise auf mich genommen und lass mich hetzen. Du solltest verstehen, dass es bei weitem wichtigere Dinge gibt als: ist der Mörtelputz noch an den Bunkern ja oder nein?<<
Junior Hinrichsen verwies auf den Zeitdruck. >>Wenn ich nicht pünktlich zur Redaktionssitzung komme, wird die Konferenzschaltung nach Hamburg ohne mich stattfinden. Heute ist Abnahme, für den Druck morgen. Ich krieg größte Schwierigkeiten.<< Der Großvater wiederholte.
>>Größte Schwierigkeiten?<< Der Junior übertrieb gespielt.
>>Es geht um Leben oder Tod.<< Den Alten ärgerte dies.
>>Sag so etwas nicht. - Nicht, wenn dem nicht so ist.<<
Er tat sich schwer. >>Ihr jungen Leute habt keine Ahnung, was es bedeutet, um Leben oder Tod zu kämpfen.<<
Stramm blickte er seinen Enkel an.
Doch dann sah der Junior, wie sich der Gesichtsausdruck seines Großvaters veränderte. Erinnerungen kamen in ihm auf.
Vorsichtig versuchte der Junior auf seinen Großvater einzugehen. >>Ich wollte dir nicht zu nahe treten. Es ist nur so, dass die Redaktion…<<
>>Allein in diesen zwei Tagen, in welchen ich nun hier bin: wie oft hast du mich genervt? Wie oft hast du mich gefragt?<< unterbrach der Senior…und kämpfte. >>Kein einziges Mal.<< Er untermauerte. >>Stattdessen höre ich ständig nur:
Die Redaktion hier. Und die Redaktion da.<<
Dann musste der Senior aussetzen.
Und Junior Hinrichsen sah, wie die Augen seines Großvaters feucht wurden. Nach zwei, drei Atemzügen dann, murmelte er in sich gekehrt weiter. >>Nie hatte ich jemanden, mit dem ich darüber sprechen konnte.<<
Er blickte zu den Veteranen abseits. >>Verdammt.<<
Weitere Erinnerungen kamen auf.
Hinrichsen Junior haderte mit der Zeit: er musste ins Hotel, denn der aufkommende Ärger wäre vorprogrammiert.
Doch er sah deutlich: wohl niemals würde er der Geschichte seines Großvaters je wieder so nahe kommen, wie in diesem Augenblick.
Der Alte starrte vor sich hin - und wiederholte flüsternd.
>>…noch nie habe ich darüber gesprochen.<<
Er blickte hin zum amerikanischen Veteran, der unter Hilfe wieder in den Rollstuhl gesetzt wurde.
>>Vielleicht wird es Zeit.<<
Gebrochen fiel der Großvater in weitere Erinnerungen.
Um sich dann jedoch unangemeldet und schwerfällig daran zu machen, sich mit seinem Gehstock zu erheben…
…und um langsam zu gehen.
Hinrichsen Junior blickte ihm nach und dann auf die Uhr: wo wollte sein Großvater hin?
Langsam tat der Großvater weitere Schritte in Richtung Strand.
Hinrichsen Junior folgte wortlos, um gleich darauf zu beobachten, dass sich sein Großvater 100m weiter auf eine der Dorfmauern am Strand niederließ. Der junge Reporter blickte erneut auf die Uhr und kämpfte, denn die Zeit war bereits zu knapp. Doch er tat sich schwer, ein weiteres Mal seinen Großvater zu drängen: denn er sah, wie sehr dieser ebenso kämpfte. Nochmals überlegte Hinrichsen…um dann jedoch festzustellen:
es gab für ihn nichts zu überlegen.
dies war der Augenblick.
vielleicht kam er nie wieder.
Und sein Großvater hatte doch gerade eben noch darauf hingewiesen: kein einziges Mal hatte er ihn auf seine Vergangenheit angesprochen. Womit er Recht hatte. Denn Junior Hinrichsen war in diesen Tagen zu sehr damit beschäftigt gewesen, der Redaktion gegenüber, bloß nichts falsch zu machen.
Aber genau eines Gespräches wegen, mit seinem Großvater, war er - neben seinem Job - doch hierhergekommen. Und diesen Gedanken - und das wurde ihm nun erst bewusst - hatte er ganz verdrängt.
Des Weiteren war es heute sowieso und irgendwie ein anderer Tag: ein anderer Tag, der ihn sogar veranlasst hatte, vom Herzen gesteuert, sich auf einen Soldatenfriedhof einzufinden. So etwas war ihm noch nie passiert.
Und bezüglich all dieser Gedanken fiel der Hammer:
er war hier wegen dem D-Day.
und auf dem D-Day, geht es genau um diese Geschichten.
und um nichts anderes.
Erleichtert über seine eigene Entscheidung setzte sich Hinrichsen zu seinem Großvater. Angetan ließ der Junior eine Sekunde verstreichen, um dann erst vorsichtig auf die Gefühlslage seines Vorfahren einzugehen.
>>Wenn, wenn du sprechen möchtest. So tu es.<<
Instinktiv holte er ein Aufzeichnungsgerät hervor.
>>Sprich alles aus.<<
Deutlich sah er, wie sein Großvater - diese seine Geschichte -endlich loswerden wollte. Dann kramte der Junior sein Handy aus der Hosentasche…blickte darauf…und schaltete es tatsächlich aus. >>Bitte sprich. Sprich alles aus. Alles, was sich all die Jahre über in dir festgesetzt hat.<<
Der Großvater blickte seinen Enkel an.
Und langsam wurden seine Augen erneut feucht.
Daraufhin begann er zu sprechen.
>>Du willst es wirklich wissen? Phillip?<<
Er blickte starr…
- - -
…mit starrem Blick aufs Meer hinaus und abwesend, saß der junge Teenager einfach nur am Strand.
Hier, an der englischen Atlantikküste, während die Wellen vor ihm rauschend brachen.
Ehrfürchtig hielt er sein Modellkriegsschiff in den Händen. Er hatte es auf einer am Strand überfluteten Wasserfläche fahren lassen.
Es war mit großer Hingebung aus Balsaholz selbst gebaut, mit viel Liebe zum Detail, dass konnte man sehen. Denn es hatte sogar ein Gefechtsturm vorn und einen hinten, die sich je drehen ließen.
All dies kam nicht von ungefähr: denn seit zwei Jahren bereits, seit seinem 12 Lebensjahr, war er bei den Juniorkadetten im Ort tätig - und half mit weiteren fünf Teenagern ehrenamtlich einigen alten Seemännern. Sprich: sie erledigten für die alten Senioren das Einkaufen, sowie weitere Aufgaben des täglichen Lebens.
Ein jeder im Ort wusste davon.
Doch dafür versorgten die alten Seebären die Jungs mit beinahe unglaublichen Seemannsgeschichten, spannend erzählt an Kaminfeuern, die bis in die Nächte hinein reichten.
Zudem unterrichteten sie die Teenager in ersten militärischen Drillübungen, wie z.B. für landesweite Feiertage. Und zum größten Spaß für die Teenager, fand das Erlernen des routinemäßigen Umgangs mit der Jolle, stets im Hafenbecken statt.
Und an besonderen Tagen - wie an diesem - trug der junge Teenager dann auch seine Junior-Kadettenuniform, die ein wenig an eine Pfadfinderuniform erinnerte.
Umso mehr aber trug er sie mit Stolz.
Denn einer der alten Seemänner hatte ihm einen Tipp gegeben: an diesem Tag würde er hier am Strand etwas sehen, was er noch nie zuvor gesehen hatte.
Erst das Lachen sechs weiterer junger Teenager im Hintergrund rüttelte ihn wach. Er blickte zu ihnen.
Die sechs Teenager kamen laufend aus den Dünen.
Die Jungen und Mädchen eilten auf den Strand und auf ihn zu. Eines der Mädchen trug lachend einen Picknickkorb.
Zwei weitere spannten ein leichtes Tau, an dessen Enden sie zwei Dosen befestigt hatten: sie taten so, als würden sie miteinander telegraphieren. Das vierte Mädchen lief mit langen Zöpfen und ausgestreckten Armen, als wollte sie fliegen. Die zwei restlichen Jungs, hatten ebenfalls je ein Modellkriegsschiff in den Händen.
- - -
Noch immer schaute der Großvater starr auf den Atlantik, während weitere Erinnerungen aufkamen. Doch diese quälten ihn derart, dass seine Stimme beinahe versagte und er nur leise vor sich hinmurmelte. >>…wie konnte das geschehen?<<
Dann hielt er inne:
…das vergangene Erlebte musste sehr tief gehen.
Der Junior musterte seinen Großvater, der für diesen Augenblick weiterhin abwesend auf den Atlantik blickte:
hypnotisiert seiner Erinnerungen und des Meeresrauschens.
Doch dann flüsterte der Großvater weiter.
>>Und dann die Kameraden, irgendwo da draußen.<<
>>Irgendwo weit, weit weg von hier, liegen sie da draußen.<<
>>Irgendwo in der eisigen Tiefe, 4800 Meter tief.<<
>>All die jungen Kameraden.<<
Er kämpfte und seine Stimme begann zu zittern.
>>…wie konnte das geschehen?<<
- - -
Es war im Spätsommer.
Ende August 1933 an der englischen Atlantikküste.
Barfuß rannten die Mädchen mit ihren 13, 14 und 15 Jahren weiterhin über den Strand und ließen ihre Drachen steigen. Die Jungs spielten mit den wertvollen Modellschiffen auf der überfluteten Wasserfläche. Und das Mädchen mit den Zöpfen flog immer noch mit weit ausgebreiteten Armen an den Wellen entlang.
Später dann, saßen die vier Mädchen gemeinsam im Kreis im Sand. Sie tuschelten und kicherten über die drei Jungs abseits am Wasser.
Die Jungs wurden darauf aufmerksam…packten ihre Modellschiffe…kamen angerannt…und setzten sich zu den Mädchen. Doch erst jetzt entdeckte Anthony verblüfft etwas Schemenhaftes und Großes, draußen vor der Küste: und es kam näher. Der alte Seemann hatte Recht: und es war unglaublich, es zu sehen. Der junge Anthony staunte. >>God save the Queen: darf ich vorstellen:<< Alle folgten seinem Blick.
>>Der Stolz der britischen Marine. Der Inbegriff des britischen Nationalstolzes.<< Er erhob sich, ging stramm in seiner Junior-Kadettenuniform in Grundstellung und grüßte militärisch mit der Hand an der Stirn. >>Das größte und modernste Kriegsschlachtschiff der ganzen Welt.<<
Er blickte in die Runde: >>Die Hood!<<
Majestätisch schnitt dieses Ungetüm von Erscheinung der Küste weiterhin näherkommend durchs Meer.
Der hier an der Küste geborene Anthony war nicht mehr zu halten: >>In Dienst gestellt 1920. Länge über Alles: 262m. 1421 Mann Besatzung. 8 x 38cm Geschütze. Und hinten auf dem Heck sogar ausgestattet mit einem Flugzeugkatapult.<<
Mary-Anne brachte sich mit ein. >>Es sieht so aus, als wenn deine Entscheidung endgültig ist.<<
Er hatte nur drauf gewartet. >>Oh, ja.<<
Mary-Anne fuhr fort. >>So korrekt, konsequent und entschlossen du da stehst und sprichst, Anthony.<<
Seine Augen starrten. >>Ich werde Karriere machen.<<
Mary-Anne flachste. >>Uhhh. Seht ihr diesen Blick? So was von entschlossen und geradlinig.<<
Er gab seinen Traum preis. >>Ich werde der Queen dienen.<< Er blickte zurück zur Hood. >>Bei der Royal Navy.<<
Mary-Anne und die anderen Freunde bemerkten, Anthony war in seinem Stolz im Elysium seiner Träume angelangt.
Mary-Anne wandte sich an ihre 14 jährige Schwester.
>>Pam. Nach der Schule: was ist mit dir?<< Pam war es eigentlich egal. >>Keine Ahnung.<< Sie flachste. >>Gibt´s Frauen beim Militär?<< Anthony gab entschieden Antwort.
>>Natürlich nicht!<< Alle blickten, nach dem Motto:
Ohhh, wie konnte Pam es wagen so etwas zu sagen.
Mary-Anne wandte sich an einen der beiden anderen Jungs, es waren Zwillinge. >>Franz Hinrichsen. Und du?<<
Franz blickte zu seinem Bruder. >>Erst einmal genieße ich mit Peter wieder die Ferien, hier in Swansea, bei unserem Grandpa. Dann übernehme ich - da ich um fünf Minuten eher der Erstgeborene bin - eines Tages den Fischkutter unseres Vaters in Hamburg und werde Pam einen hübschen Liebesbrief schreiben, um sie dann direkt hier an der Küste mit unserem Kutter abzuholen.<< Alle lachten. Doch Pam wusste sich zu wehren, sie war nicht auf den Mund gefallen. >>Ich heirate niemals einen Kraut.<< Wieder lachten sie und amüsierten sich. Mary-Anne wandte sich an Monica. >>Monica. Wollen wir nochmals über Gott und die Welt sprechen? Oder ist alles so, wie immer?<< Monica ließ sich Zeit.
>>Der Weg ist das Ziel. Gott leitet den Weg.<< Jedoch drehte sie geschickt den Spieß. >>Aber was ist mit dir? Mary-Anne.<< Die Blicke richteten sich auf die 15 Jährige. Doch die veränderte ihren Gesichtsausdruck. >>Mit mir? Ich bin uninteressant.<< >>Viel interessanter ist Anthony<<
Sie blickte ihn an…und ließ unerwartet eine Bombe platzen.
>>Denn Carol McGallator sagt, dass du Vorgestern auf deinem 14. Geburtstag im Hafen Amy geküsst hast.<<
Alle blickten zu Amy, besonders Anthony.
Amy war es peinlich, während sie mit den Händen einen ihrer Zöpfe korrigierte und zu Peter Hinrichsen blickte.
Peter erwiderte den Blick, um ihn dann aber schüchtern zu senken. Was wiederum Anthony registrierte.
Pam und Monica waren überrascht. >>Amy!<<
>>Du hast uns kein Wort gesagt.<<
Der leicht schüchterne Peter blickte nochmals zu Amy.
Und es war zu sehen, dass er sie mit seinen 14 Jahren sehr mochte. Anthony wandte sich ab, hin zum Meer.
Er überlegte was er sagen sollte…und zelebrierte entschlossen:
>>Auf die Ehre der Hood.<< Er blickte in die Runde.
>>Carol sagt die Wahrheit.<<
Die Mädchen taten lachend empört und tuschelten und ärgerten Amy. Pam zwickte sie. >>Amy Southberg.<<
Und Monica ebenso. >>Du bist unmöglich.<<
Mary-Anne klärte weiter auf. >>Liebe Schwestern. Ihr seht, ich hatte Recht.<< Sie hielt die Hand auf. >>Her mit dem Geld.<< Pam konnte es noch immer nicht glauben. >>Uns nichts zu sagen.<< Monica fügte hinzu. >>Jetzt musst und wirst du ihn heiraten, wenn du erwachsen bist.<<
Doch Amy schoss entschlossen dagegen. >>Ich werde auf eigene Füße stehen, wenn ich erwachsen bin.<<
Pam schwärmte, an sich selbst denkend. >>Niemand wird je den ersten Kuss seines Lebens vergessen.<< Wobei sie schüchtern zu Franz schielte.
Anthony blickte wortlos: er wusste, jetzt nichts zu sagen, war die bessere Taktik. Dafür sprach Monica und es passte ihm sehr. >>So, wie die erste große Liebe. Die wird man ebenso nie vergessen.<< Doch Amy unterband nochmals.
>>Jetzt ist genug. Morgen geht mein Schiff. Leider.<<
Pam wies ihre Cousine zurecht. >>Ja. Aber auch zu Hause wirst du weiterhin deinem Traum hinterher laufen, um eines Tages als Frau in der Männerwelt der Piloten aufgenommen zu werden.<< Mary-Anne ergänzte. >>Um aber allen Männern davon zu fliegen. Um dann alt und einsam zu sterben. Liebes Cousinchen.<< Sie lachten erneut.
Amy blickte getroffen. Erhob sich. Und eilte davon.
Die drei Geschwister kicherten.
Die Jungs blickten ihr nach.
Und Anthony drückte seine Augenbrauen enttäuscht herunter:
hatte er ein Ja erwartet?
Franz bemerkte den Blick seines jüngeren Bruders Peter, der in sich ging und versuchte Amy zu verstehen.
Doch Mary-Anne - wie immer nicht auf den Mund gefallen - unterbrach Peters Blick. >>Peter. Falls du also in Hamburg jemals ein Mädchen küssen willst, versuch es erst gar nicht heimlich im Hafen. Denn irgendwie wird irgendjemand es irgendwo sehen…<< Sie lächelte. >>…und somit wird trotzdem irgendwie, irgendwann - und dadurch letztendlich jeder - davon erfahren.<<
- - -
Der Mond lag mild über den kleinen Küstenort Swansea im Süden Englands, weit westlich des Königreiches mit Blick auf den Atlantik.
Während Peter in dieser Nacht in einem Baum saß - dessen Ausleger direkt vor Amys angrenzendem Schlafzimmerfenster, im ersten Stock des Hauses ihrer Verwandten den Southbergs - endete.
Amy saß im Nachthemd im Fensterrahmen und schwieg, genauso wie Peter. Sie beide hatten bis gerade einen Dialog geführt, dass konnte man ihren Blicken entnehmen.
Doch die Augen der beiden sagten etwas Weiteres:
da war etwas - etwas zwischen ihnen.
Aber sie konnten es sich nicht erklären - und eigentlich doch. Und doch fand keiner der beiden den Mut darüber zu sprechen.
Dann, nach einer weiteren Sekunde, nahm Peter das Gespräch nochmals auf - welches sie geführt hatten - und stellte fest.
>>…dann ist Anthony, also als Cousin von Mary-Anne, Pam und Monica, mit dir um zwei Ecken verwandt.<< Amy bestätigte. >>Ein Großcousin. Sofern man von Verwandtschaft sprechen kann. Denn ich finde, es besteht keine direkte Blutslinie.<< Sie überlegte, wie sollte sie es erklären.
>>Ich meine, ich mag ihn. Aber er hat eine komische Art: etwas immer Forderndes.<<
Peter verstand es nicht. >>Wieso hast du ihn dann geküsst?<<
>>Nein, so war es nicht.<< hielt sie dagegen. Um aufzuklären.
>>Er hat mich geküsst.<< Erneut hafteten ihre Augen auf Peter.
Und dieses Mal war es Peter, der seine Schüchternheit überwand und Amys Blick standhielt.
Beide bemerkten, es bedurfte nicht eines Wortes um zu sprechen.
Peters Blick wanderte dann jedoch hinunter zur dunklen Straßengasse: es war ihm, als würden sie beobachtet.
Doch Amy unterbrach sein Tun:
…da sie sich vorsichtig, ganz vorsichtig zu ihm hinüberlehnte.
…um ihn auf dem dicken Ast sitzend tatsächlich zu küssen.
Im angrenzenden dunklen Schattenspiel der aneinandergesetzten Seemannshäuser der Straßengasse, beobachteten zwei Augen diese Situation: es war Anthony.
Er kochte und zürnte innerlich.
Doch er wusste, er durfte nicht aus dem Schatten hervortreten.
In einer großen Traube standen sie am nächsten Tag im Hafen von Swansea am Pier, während Amy mit ihren Koffern vor der Gangway eines Frachters mit amerikanischer Flagge wartete.
Gebeutelt blickten sich die Mädchen an, denn es war wieder einmal eine Trennung für lange Zeit.
Und alle waren gekommen. Alle, bis auf Peter und Franz.
Was sich Amy doch so sehr gewünscht hatte.
Die Eltern von Mary-Anne, Pam und Monica drückten Amy noch rasch ein Lunchpaket in die Hände und umarmten sie. Amys Onkel tat sich schwer. >>Sag meinem Bruder, er soll im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder mitkommen.<<
Auch Amys Tante war traurig. >>Und deiner Mutter sagst du, wenn sie ebenfalls nicht mitkommt, dann werde ich sehr enttäuscht sein.<<
Amy nickte. Natürlich war auch sie nach wie vor betroffen: dieser Abschied nach Amerika. Wieder einmal.
Die drei Cousinen nahmen sie in den Arm.
Und Pam war es, die dabei etwas in Amys Blick bemerkte.
Denn für Amy war es dieses Mal schwer, ihre Enttäuschung über etwas Weiteres zu unterdrücken: denn dieses Mal war es ein weitaus bewegender Abschied, aufgrund der Tatsache, dass sie sich wohl das erste Mal in ihrem Leben verliebt hatte. Pam war dies nicht entgangen.
Und so vertiefte sie ihren Blick hin zu Amy, um dann vorsichtig - aufgrund ihrer Beobachtungen der letzten Tage - und lautlos, nur mit ihren Lippenbewegungen, ein einziges Wort auszusprechen: Peter?
Und Amys Blick sagte tatsächlich ja.
Aber so, dass es keiner der Anwesenden mitbekam.
Pams Augen wurden groß - und herzerfreut konnte sie einfach nicht anders, als ihre Cousine nochmals zu umarmen.
Doch Peter war nicht vor Ort.
Und nirgends konnte Amy ihn in der Entfernung ausmachen.
Anthony kam als letztes auf Amy zu und setzte seinen unnahbaren Blick auf. Und plötzlich - ganz leise - zickte er.
>>Ist doch klar, dass er nicht kommt. Er ist ´n Kraut.<<
