Geleitzug PQ17 - Herbert Fehrmann - E-Book

Geleitzug PQ17 E-Book

Herbert Fehrmann

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Beschreibung

Dies ist die Geschichte der größten Geleitzugschlacht des Zweiten Weltkrieges, bei der deutsche Unterseeboote, Torpedoflugzeuge und Sturzbomber in tagelangem Kampf versuchen, den Alliierten Nachschubweg der Geleitzüge über das Nordmeer nach Sowjetrussland zu sperren. Es ist die Geschichte einer Liebe, die bedingt durch einen Zufall die Reporterin Samantha McCancy und den Marinekanonier Brian Thomson auf einem dieser Frachter aufeinander treffen lässt. Fortan muss sich Brian Thomson auf Geheiß des Captains an Bord um diese Reporterin kümmern: doch nicht gut gelaunt, denn er hat bei weitem Wichtigeres zu tun. Dennoch weiht er sie ein in eine Welt, von der sie nichts weiß: weit weg jeglicher Propaganda, für welche sie insgeheim von der Washington Post auf diese Fahrt geschickt wurde. Denn mit den Angriffen der Deutschen lernt sie: nichts hat mit dem zu tun, welches sie euphorisch niederschreiben soll. Es geht ums nackte Überleben: sie muss mit überleben. Und so haftet sie sich, während dieser für zwei Wochen angesetzten Überfahrt von Reykjavik nach Archangelsk, stetig an die Fersen von Brian, der sie während immenser Angriffe immer wieder unter Deck schickt: da wo es sicher ist. Doch sie missachtet seine Befehle. Und kommt so einem Geheimnis, von Brian an Bord versteckt, auf die Spur. Erst jetzt begreift sie: seine schroffe Art ihr gegenüber, diente dem Schutze dieses Geheimnisses, um Gutes zu tun. Und sie bemerkt, wie sie sich unsterblich in ihn verliebt.

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Seitenzahl: 312

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Dies ist die Geschichte der größten Geleitzugschlacht des Zweiten Weltkrieges: bei der deutsche Unterseeboote, Torpedoflugzeuge und Sturzbomber in tagelangem Kampf versuchen, den alliierten Nachschubweg der Geleitzüge über das Nordmeer nach Sowjetrussland zu sperren.

Es ist die Geschichte einer Liebe, die bedingt durch einen Zufall die Reporterin Samantha McCancy und den Marinekanonier Brian Thomson auf einem dieser Frachter aufeinander treffen lässt.

Fortan muss sich Brian Thomson auf Geheiß des Captains an Bord um diese Reporterin kümmern: doch nicht gut gelaunt, denn er hat bei weitem Wichtigeres zu tun.

Dennoch weiht er sie ein in eine Welt, von der sie nichts weiß: weit weg jeglicher Propaganda, für welche sie insgeheim von der Washington Post auf diese Fahrt geschickt wurde.

Denn mit den Angriffen der Deutschen lernt sie: nichts hat mit dem zu tun, welches sie euphorisch niederschreiben soll. Es geht ums nackte Überleben: sie muss mit überleben.

Und so heftet sie sich, während dieser für zwei Wochen angesetzten Überfahrt von Reykjavik nach Archangelsk, stetig an die Fersen von Brian, der sie während immenser Angriffe immer wieder unter Deck schickt: da wo es sicher ist.

Doch sie missachtet seine Befehle…und kommt so einem Geheimnis - von Brian an Bord versteckt - auf die Spur. Erst jetzt begreift sie: seine schroffe Art ihr gegenüber, diente dem Schutze dieses Geheimnisses um Gutes zu tun.

Und sie bemerkt, wie sie sich unsterblich in ihn verliebt.

Zitate zweier Zeitzeugen:

„Das düstere Geschick eines jeden Schiffes (von PQ17) gäbe Stoff zu einer Saga...“„Es war eine der schlimmsten Episoden des gesamten Seekrieges.“ (Winston Churchill.)

„Die Englische Flotte hatte versprochen uns zu schützen.“

„Aber als es ernst wurde, ließ sie uns im Stich.“

(Edward C. Petterson)

(Amerikanischer Seemann im Geleitzug PQ17.)

Route des Geleitzug PQ17

Geleitzug PQ 17

...es war das Klingeln an der Haustür, welches die alte Frau während ihrer Gartenarbeit in der warmen Mittagssonne von Houston/Texas hinten im Garten ihres Hauses aufhorchen ließ. Und sogleich war sie dennoch unsicher: hatte es wirklich geklingelt - oder hatte ihr altes Gehör ihr einen Streich gespielt?

Doch die Antwort kam prompt: gleich darauf klingelte es ein weiteres Mal.

Sie unterbrach ihre Gartenarbeit, mühte sich aus den Knien an ihrer Harke gelehnt hoch - denn sie war schon den halben Vormittag dabei Unkraut im Gemüse zu jäten - und stellte die Harke mit einem Eimer mit gezupftem Unkraut vor einem kleinen Gewächshäuschen zur Seite.

Erst dann steuerte sie mit langsamen Schritten auf den Hintereingang ihres Hauses zu: „Eine Sekunde bitte.“, sprach sie, während es derweil vorn an der Haustür nochmals klingelte: „Ich komme schon.“

Beschwerlich erreichte sie über drei Stufen den Hintereingang ihres Hauses...und rief fragend aus der dortigen Küche heraus: „Deborah, hörst du das Klingeln nicht?“

Sie verharrte für eine Sekunde, doch es kam keine Antwort. Stattdessen vernahm sie aus den Nachrichten im laufenden Fernseher in der Küche: wie sehr sich die Welt darüber Gedanken machte, dass mit dem kommenden Jahrtausendwechsel in einigen Monaten alle Computer zusammenbrechen würden - und somit auch kein Strom mehr vorhanden wäre, wenn dadurch sogar Kraftwerke lahmlägen. Sie stöhnte, selbst für sie als ältere Person - die keine Ahnung von Computern hatte - war dies Unsinn. Sie stellte das Gerät aus, begab sich in den Flur hinein und sprach die Treppe im Flur hinauf: „Kind, lass den Fernseher nicht immer laufen.“

Endlich erreichte sie vorn die Haustür, öffnete diese und begrüßte gut gelaunt einen Postboten: „Junger Mann, eine alte Frau mit 69 ist kein D-Zug.“ Der Postbeamte nickte freundlich: „Bitte entschuldigen Sie, Mam.“ Er räusperte und kam gleich zu der - für ihn - bis zu diesem Tage einmaligen Situation, während er in seiner Posttasche kramte. „Ich habe für Sie einen Brief. Und...“, er hielt ihr ein Unterzeichnungsformular entgegen: „...benötige jedoch vorher kurz eine Unterschrift.“ Er übergab ihr das Unterzeichnungsformular...und während sie unterschrieb, fügte er staunend etwas Besonderes hinzu: Also: wenn dieser Brief keine kommende Millenniumsüberraschung ist, dann...“, er unterbrach. Dieser Brief musste wirklich etwas Einmaliges sein: „Selbst unserem dienstältesten Mitarbeiter im Postamt war ein unglaubliches Staunen in seinem Gesicht geschrieben.“ Der Postbote kramte erneut in seiner ledernen Posttasche und fuhr weiter fort: „Denn heute erreichte uns dieser Brief: der sage und schreibe 32 Jahre unterwegs war.“

Erst jetzt zauberte er einen alten, abgenutzten Brief vom Roten Kreuz hervor.

Zeitgleich entglitten der alten Dame mit dem Blick auf den vergilbten Brief jegliche Gesichtszüge.

Sie war geschockt.

Sie war baff.

Sie war sprachlos.

Und erst nach einer weiteren Sekunde wagte sie es, mit beginnenden, zitternden Händen, es nicht glauben könnend, diesen Brief entgegenzunehmen.

Der Postbote las aus ihrer Reaktion und erkundigte sich höflich, besorgt: „Mam, kann ich Ihnen irgendwie helfen?“ Die alte Frau blickte ihn benommen an, um dann ihren Blick wieder auf den Brief zu senken: „...ist schon gut junger Mann. - Es ist nur, ...es...“

Sie blickte auf ihre zitternden Hände mit diesem Brief vom Roten Kreuz und musste lügen: „Es ist alles in Ordnung. Ich danke Ihnen.“

Der Postbote erkannte die Situation und wusste, dass er ab diesem Augenblick nur noch mit seiner Anwesenheit stören würde. Freundlich setzte er die Hand zum Gruß an seine Mütze: „Okay, Mam.“ Und ging.

Tief in Gedanken betrat die alte Frau im hinteren Bereich ihres Hauses das dort angrenzende Wohnzimmer, welches mit isländischen Bildern und Skulpturen versehen war… …wobei sie ängstlich, sehr verängstigt sogar, diesen Brief anblickte: irgendwie schien sie etwas zu erahnen.

Um dann mit zitternden Händen sich daran zu machen, das Schreiben behutsam zu öffnen.

Endlich gelang es ihr den Inhalt hervorzuholen - und sogleich bemerkte sie, wie sehr ihr Herz begann unkontrolliert und pochend zu schlagen. Wobei sie mit angsterfülltem Blick begann, eine Zeile nach der anderen zu verschlingen.

Augenblicklich unterliefen ihre Augen rot. Gar Tränen musste sie unterdrücken, während sie im Hintergrund bemerkte, dass ihre Tochter die Treppe hinunter kam:

„Mum, hattest du mich gerufen?“

Im tiefen Schmerz ließ sich die alte Frau abstützend auf ihr antikes Sofa nieder, während vom Flur aus ihre erwachsene Tochter im Bademantel und mit einem Handtuch über den Kopf in der Tür erschien, wobei sie sofort bemerkte, dass mit ihrer Mutter etwas nicht stimmen mochte: „Mum, alles in Ordnung?“

Mit feuchten Augen blickte die alte Frau ihre 30 jährige Tochter an und erklärte, mit dem Brief in der Hand:

„Deborah, sage Mike und deinen Kindern, du kehrst erst eine Woche später zurück nach New York.“

Sie hatte längst eine für sie große Entscheidung gefällt. „Ich, ich muss verreisen. Und...“ Sie strauchelte ein wenig: „...und werde es alleine nicht schaffen.“

Behutsam näherte sich Deborah ihrer Mutter und blickte auf den alten und abgenutzten Brief mit dem Briefkopf des Roten Kreuzes: „Mum, was ist das für ein Brief vom Roten Kreuz?“

Die alte Frau wandte ihren Blick in den Garten hinein, holte mit ihren von der Gartenarbeit noch verschmutzten Händen ein besticktes Taschentuch aus der Schürze hervor…-…und tat sich schwer.

Deborah beobachtete dies. Doch sie vermochte nicht einen weiteren fragenden Satz auszusprechen: denn sie sah, wie sich ihre Mutter von Augenblick zu Augenblick weiter in wohl tiefgehenden Erinnerungen verschlang.

Dann wandte die Mutter den Blick hin zur Wand, zu einer alten s/w Fotografie: es war ein sehr altes s/w Foto, auf welches ein Ehepaar mit Sohn und Tochter in einem Raum abgebildet worden waren. Sie waren der damaligen Zeit, des einfachen Volkes, dunkel gekleidet. Die Gesichter teils verschmutzt. Wobei das junge Mädchen auf dem Schoß des Vaters saß und die Mutter auf einer Holzkiste Platz genommen hatte, während der Teenager Sohn hinter ihr stand und alle einmal lächelten. Dann wanderte der Blick der alten Frau weiter zu einer zweiten s/w Fotographie: es war ein großer Hafen mit ungezählten Frachtern und Kriegsschiffen. Sowie einem Bild: wo ein Mann auf einem Frachter - hinter einer Kanone stehend - mit dieser soeben schoss.

Dann weiter über isländische Bilder und Skulpturen in ihrem Wohnzimmer, bis hin zu einer kleinen, eingerahmten, amerikanischen Tischflagge und einem alten, sehr alten kleinen Fotoapparat…um dann endlich bei ihrer Tochter zu enden.

Mit besorgtem Blick kniete Deborah sich zu den Füßen ihrer Mutter und forderte wortlos: irgendwie etwas Schlimmes erahnend, die Mutter möge bitte endlich sprechen.

Tief in Gedanken bemerkte die Mutter, wie sehr Deborah ihr beistand: denn so in sich gekehrt und aufgelöst hatte sie sich ihrer Tochter gegenüber noch nie gezeigt.

Es verging ein weiterer Moment der Stille.

Des Nachdenkens.

Der Erinnerungen.

Und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, unterbrach die Mutter das Schweigen…um mit ihrem Versuch zu beginnen, vorsichtig und zitternd zu sprechen: „Schatz,...“

Doch ein Kloß in ihrem Hals unterbrach diesen Versuch. Und Deborah bemerkte, dass das, was ihre Mutter so sehr beschäftigte…unermesslich sein musste.

Trotzdem mühte sich die Mutter um einen zweiten Versuch, den sie dann mit einem tiefen Atemzug begann: denn dies war der Moment. Sie fühlte es.

„...ich…-…ich bin durch die Hölle gegangen...“

„...und dieser Brief...“, sie stockte erneut, um Mut zu finden: „...er ist die Antwort, an welche ich nicht mehr geglaubt habe.“

Die alte Frau verstummte und wandte ihren Blick nochmals nach draußen in den Garten, während sie in wehmütigen Erinnerungen endlich die Kraft fand weiterzusprechen: „Es war Ende Juni 1942...“

- - -

Warm und angenehm überfluteten an diesem Tag die Sonnenstrahlen den Hafen von Halifax / Kanada, während langsam über verschiedene Landungsbrücken hinweg ein Taxi heranfuhr…-…um letztendlich über eine lange massive Kaimauer fahrend, am Ende eines Piers - der weit in das Hafenbecken hinein führte - zu stoppen.

Kaum stand das Taxi, welches schon längste die besten Jahre hinter sich liegen hatte, entstieg eine junge Frau diesem Oldtimer und hob beeindruckt ihren Blick hinauf zu den Frachtern und Kriegsschiffen auf beiden Seiten des Piers um sie herum, inmitten welche der Fahrer gehalten hatte.

Gekonnt lehnte sie sich mit der Hand an ein Schild mit der Aufschrift: Halifax / Harbour / Militärisches Sperrgebiet, während sie mit der anderen Hand ihren Damenschuh justierte: irgendetwas schien nicht in Ordnung zu sein. Wobei sie jedoch gut gelaunt einen dieser Songs von Glenn Miller mitsummte, welcher weiterhin hohl und hölzern aus dem Wageninnern schimmerte. Nochmals hob sie daraufhin den Blick, während sie mit der Hand durch ihr dunkles, welliges, schulterlanges Haar fuhr und gleichzeitig beobachtete, wie verschiedene Frachter und Kriegsschiffe vom Pier aus mit Kränen beladen wurden.

Unmengen an Munition schwebten da durch die Lüfte - und speziell bei den gut 100m langen Frachtern bemerkte sie, dass diese mit schwerem Kriegsgerät wie Panzern, Flakgeschützen und selbst mit Flugzeugen beladen wurden. Sie war beeindruckt.

Derweil kümmerte sich der ältere farbige Taxifahrer um gleich drei Koffer, die er zwischenzeitlich aus dem Kofferraum hervorgeholt hatte. Wobei ein kleinerer der Koffer eher den Anschein hatte, nicht für Kleidungsstücke bestimmt zu sein. Höflich ging die junge Frau dem älteren Mann zur Hand und faxte mit ihren dunklen funkelnden Augen: „Lassen Sie mal, den Koffer mit dem Equipment trage ich gerne.“

- - -

Mit leichter Erschöpfung und in Erinnerungen vertieft, ließ sich die alte Frau in Houston/Texas auf ihr Bett nieder, während ihre Tochter Deborah sie stützte, um sich dann zu ihr zu setzen: „Mum, ich denke wir sollten nicht fliegen. Der Flug nach Europa - und dann noch durch Europa - dauert mit den Umsteigemöglichkeiten beinahe an die 11 Stunden.“ Doch die Mutter wiegelte seicht ab: „Lass nur, mein Kind.“

Deborah vernahm wortlos diesen Satz und blickte auf den Brief, der nun hier im Schlafzimmer auf dem Bett lag: „Und du glaubst wirklich, dass du diese Reise antreten möchtest?“

Die alte Frau nahm gebrochen die Hand ihrer Tochter, um ihr zu verdeutlichen, dass das, was nun folgen sollte, sehr wichtig war: „Deborah, diese... ...diese Reise in die Vergangenheit muss ich antreten.“

Die Mutter nahm den Brief vom Roten Kreuz in die Hand und erinnerte sich weiter.

Sie sah das Vergangene vor ihrem geistigen Auge:

„Es ist eine Frage des Anstandes und Ehre.“

- - -

Vorsichtig überwand die junge Frau mit dem farbigen Taxifahrer das Ende einer Gangway, die sie hoch oben an Deck eines Frachters geführt hatte - wobei beide direkt von einem jungen Marinemaat entdeckt und schon über die Entfernung hin angesprochen wurden: „Sorry, Mrs! Sorry!“ Pflichtbewusst eilte er mit großen Schritten und wichtig auf die beiden zu. „Zivilpersonen haben auf diesem Frachter keinen Zugang. Dieser Frachter ist militärisches Sperrgebiet.“ Die junge Frau verstand und erklärte: „Mein Name ist McCancy.“ Der Marinemaat bekam unglaubwürdig groß werdende Augen: „McCancy? Der, äh...“ er blickte in einigen Unterlagen: „Es wurde mitgeteilt, dass da jemand kommen würde…“, er verstand es nicht. „Sie, Sie sind eine Frau?“ Die junge Frau blickte an sich selbst herunter. „Sieht beinahe so aus.“ Sie lächelte zum farbigen Taxifahrer: „Was denken Sie?“ Der ältere Mann spielte gekonnt mit - und erlaubte sich als Farbiger mit einem Blick die attraktive Frau abzutasten, um dann erst charmant zu reagieren. „Oh well, Mam. Wenn´s erlaubt ist…-…wäre ich doch 35 Jahre jünger.“

Der Marinemaat blickte verblüfft: nicht ein einziges Wort verließ seine Lippen. Sie bemerkte es und wiederholte lächelnd ihre Antwort: „McCancy. - `Mrs.´ McCancy.“ Der Marinemaat sah ein, dass es wohl irgendwo einen Fehler gegeben haben musste, über welchen er nicht informiert worden war - und gab sogleich zu verstehen: „Mrs. McCancy. Ich bitte hiermit um Entschuldigung.“ Er wies auf den kleinen der drei Koffer: „Übergeben Sie mir doch bitte Ihren...“ Doch sie unterbrach fürsorglich: „Bitte nehmen Sie doch die schweren Koffer.“ Wobei sie nett auf den älteren Taxifahrer wies. Der junge Maat gehorchte. Und während sie sich bedankend vom Taxifahrer verabschiedete, wies der junge Seemann der Frau den neuen Weg: quer über deren Frachter, auf welchem sie standen, einen zweiten längsseits verlaschten Frachter, bis hin zu einem dann folgenden Zerstörer: „Bitte hier entlang. Mrs. McCancy.“

Nachdem sie bereits mit ersten Schritten begonnen hatten den Frachter durch an Deck arbeitende Seeleute zu überqueren - hin zur Verschanzung der Reling auf der anderen Seite des Frachters - blickte Mrs. McCancy von hier oben, mit der besseren Übersicht über den Hafen, ergriffen über die geordnete Hektik des Beladens dieser Frachter und Kriegsschiffe und war nochmals beeindruckt. Dies bemerkte der junge Marinemaat und begann mit einer kleinen Konversation: „Ein imposanter Anblick. Ich weiß.“ Er lächelte und schaute sie an: „Ich hoffe, Ihre Anreise aus Washington ist soweit angenehm verlaufen.“

Mrs. McCancy nickte einmal - und wies auf die insgesamt drei längsseits verlaschten Schiffe, die sie begehen mussten: „Ein Bekannter meinerseits hat mich gewarnt: er war der Meinung, diese Reise könnte nicht so angenehm verlaufen.“ Jedoch überwältigt - nach dem Motto `was Spannendes´ mag noch kommen - sprach sie weiter: „Es soll in den vergangenen Geleitzügen sogar Luftangriffe gegeben haben.“

Beide erreichten wenige Schritte darauf die Steuerbordseite des Frachters, woraufhin der Marinemaat vortrat, um vorangehend vier hölzerne Stufen hinauf, über einen hölzernen Gehsteig zu balancieren - der von der bis zum Bauchnabel hin reichenden Verschanzung ihres Frachters, hinüber zur Verschanzung des zweiten Frachters reichte. „Mam. Ich bin zwar noch in der Ausbildung...“, auf dem zweiten Frachter ging er die vier Stufen wieder hinab: „…doch kann ich Ihnen überzeugt das eine mitteilen: Geleitzug PQ17 wird in seiner Größe einmalig sein. Und gemeinsam sind wir stark.“

Auch sie balancierte von Frachter zu Frachter, während sie ihm weiter zuhörte. „Außerdem fahren Sie auf unserem Zerstörer. Und von dem lassen die Krauts die Finger.“

Sie nickte und wies - vor den vier Stufen hinab - derweil auf einen in der Luft an einem Kran hängenden Panzer:

„Bis wann müssen die Frachter beladen sein?“

Der Marinemaat konterte nahezu mit etwas Stolz: „Mam, unser Zerstörer und diese beiden Frachter legen heute Abend um 20 Null Null ab. - Und das pünktlich.“

Er hielt ihr die Hand hin, damit sie die hölzernen Stufen auf dem neuen Frachter hinabsteigen konnte.

Was sie gekonnt mit ihren Damenschuhen meisterte.

Dann begaben sie sich auch hier quer über den Frachter …hin zum eigentlichen Ziel ihrer Wanderschaft: dem imposanten Zerstörer…auf welchem sie Augenblicke später gemeinsam ebenfalls über einen hölzernen Gehsteig übersetzten.

Militärisch korrekt meldete sich der Maat auf der Brücke: Captain: Mrs. McCancy.“ Der alte Captain - der noch abgewandt und vertieft mit einem Offizier über eine überdimensionale Seekarte gelehnt eine Route ausplottete - drehte sich in Richtung Maat und erblickte zeitgleich und überrascht diese Frau.

Eher ungläubig - obwohl er es doch sah - wiederholte er die Worte: „Mrs.(?) McCancy ...von, von der...?“

Sie unterbrach. Allmählich brachte ihr diese Verwechslung Vergnügen: „Mrs. McCancy, von der...“ Doch der Captain fiel ihr ins Wort: „Mrs. McCancy.“ Er war von ihrer Schönheit angetan „Es ist mir eine Ehre Sie auf meinem Schiff begrüßen zu dürfen.“ Er kam auf sie zu und fuhr angenehm fort: „Ich denke, die Planken dieses Zerstörers haben niemals zuvor etwas derartig anmutendes wie Ihre Person getragen. Und dies nehmen Sie bitte persönlich.“ Sie lächelte und gab dem Captain die Hand: es war nett, dass der Captain sie derart vor der Brückencrew begrüßte - und er in seiner Betonung dennoch darauf geachtet hatte, dass es nicht übertrieben gesprochen herüberkam, sondern mit einem Augenzwingern. Denn eigentlich - und das wusste sie - sind Frauen an Bord eines Schiffes - welcher Art auch immer…aber besonders eines Kriegsschiffes - verpönt.

Gleich darauf wandte sich der Alte, wieder in Dienst gestellt, an den Marinesoldaten: „Maat. Informieren Sie den Ersten Offizier: unser Mann von der Zeitung ist da.“ Er wandte sich an die junge Frau, um sie über ein wohl aufgekommenes Missverständnis aufzuklären: „Nun, bei allem Respekt, Mam: wir gingen davon aus, dass die Washington Post uns einen männlichen Reporter für unseren Geleitzug PQ17 schickt. - Nichts für ungut.“

In dieser Sekunde unterbrach ein Obermaat auf der Brücke die Konversation. Er machte eine wortlose Geste: er musste den Captain mit einem Frachtpapier in der Hand dienstlich in Anspruch nehmen.

Sogleich entschuldigte sich der Captain bei Mrs. McCancy - ebenfalls mit einer wortlosen Geste - und wandte sich dem Marinesoldaten zu, um sich gemeinsam mit ihm einige Schritte zur großen Fensterfront hin zu entfernen.

Mrs. McCancy beobachtete für einen Moment und hinterherblickend die beiden Männer. Dann die restlichen Seemänner auf der Brücke, die ebenfalls alle ihrer Arbeit nachgingen. Wie bestellt und nicht abgeholt stand sie da…-…um dann jedoch ungefragt…einfach einige erste Schritte über die Brücke zu schlendern. - Und niemand hielt sie auf.

Und erst einige Schritte später bemerkte sie, dass ihre Neugierde sie unwirklich und langsam sogar auf die andere Seite der Brücke - durch eine dort offenen stehende Tür - hinaus auf die nach außen hin stehende Brücken-Nock geführt hatte.

Neugierig staunte sie von dort aus über das Treiben im Hafen. Besonders aber über die Hafenarbeiter und Marinesoldaten unter ihr - die auf diesen drei längsseits aneinander verlaschten Schiffen ihrer Arbeit nachgingen - während Mrs. McCancy noch im Hintergrund den Captain leise vernahm, da dieser sich plötzlich etwas lauter sprechend von seinem Seemann verabschiedete: „Obermaat: achten Sie auf die korrekte Durchführung des gesamten Munitions-Ladevorganges.“ Daraufhin wandte sich der Captain im militärischen Drill an einen weiteren Soldaten: „Und Sie, Sir. Bringen die Koffer von Mrs. McCancy in die dafür bereits vorgesehene Kabine.“

„Aye, Aye. Sir.“, hallte es zackig zurück. Zeitgleich kam ein weiterer junger Offiziersanwärter auf den Captain zu und verwies auf einen Dienstzettel mit handschriftlichen Notizen: „Captain, ein Funkspruch...“

Mrs. McCancy beobachtete sehr wohl, wie der Captain weiter in Anspruch genommen wurde - folglich begab sie sich zu dem hier auf der Brücken-Nock festinstalliertem MG, um dieses einmal zu begutachten - und um sich danach wieder dem Treiben der Schiffe im Hafen zuzuwenden.

Doch erst als sie sich wieder von der Backbord Brücken-Nock blickend den Lademanövern ihrer drei aneinander verlaschten Schiffe widmete, fiel ihr ein Kanonier unten auf - direkt auf dem Frachter längsseits ihres Zerstörers, an dessen Heck die englische Flagge wehte - wie dieser sich langsam von der Arbeit abwandte und ging.

Nach 15 Metern abseits öffnete der Kanonier mit freiem Oberkörper inmitten verschiedenster Kisten mit Werkzeugen an Deck, eine dieser Kisten - und holte einen Stoffsack mit Inhalt an einem Seil gebunden hervor.

Diesen Stoffsack ließ er einige Meter neben der Bordwand herunter, woraufhin er diesen Stoffsack einmal gegen ein eisernes Bullauge pendeln ließ. Das eiserne Bullauge, welches nicht mit Glas versehen war, öffnete sich - und eine Hand nahm den Sack entgegen.

Mrs. McCancy war sich sicher: überall auf dem Frachter wurde gearbeitet und geschraubt. Demnach natürlich auch binnenbords, dort, wo die Hand aus dem Bullauge heraus den Sack angenommen hatte. Sicherlich war es ein Stau-Raum oder ähnliches.

Daraufhin begab sich der Kanonier die 15 Meter zurück zu einem farbigen dicken Seemann, welcher - mit einem enorm großen Maulschlüssel und den wohl letzten Handgriffen - eines der mächtigen, installierten, schweren Browling-Maschinengewehre auf diesem Frachter anmontierte.

Mrs. McCancy konnte vergleichend sehen: es war bedeutend größer und mächtiger, als das anmontierte Maschinengewehr neben ihr auf der Brücken-Nock.

Der Kanonier feixte mit wortloser Geste dem Farbigen grienend zu: man sah, er schien keine Berührungsängste mit anderen Hautfarben zu haben. Keine Sekunde darauf sprach der Farbige den Marinekanonier jedoch gequält an. „Also, ich hab jetzt überlegt...und verstehe es trotzdem nicht.“

Mrs. McCancy spitzte die Ohren: selbst hier oben, 20m entfernt, konnte sie die Männer verstehen.

Der Farbige sprach weiter:

„Erklär´s mir, du Aufschneider: was hat der Name des Frachters Enterprise mit deiner Marinelaufbahn zu tun?“

In Achtung seiner Person, vernahm Samantha irgendwie: so wie er sprach, war er nicht unbedingt die hellste Kerze auf der Torte. Doch deutlich sah sie in seinem Gesicht und seiner Gestik: er hatte sein Herz auf der richtigen Seite. Seine Wärme, wie er sprach. Seine Ausstrahlung. Er war sicherlich ein feiner Kerl. „Und außerdem: hey, ich muss hier alles alleine erledigen. Wo warst du wieder, Brian?“, hörte sie weiter.

Der Marinekanonier bekam vom farbigen Dicken den enorm großen Maulschlüssel zugeworfen. Er fing diesen und griente zurück: „Ted, alter Urahne aus Onkel Toms Hütte. Erstens: du willst was über den Frachter Enterprise wissen? Dann wird Zweitens: noch verdammt viel Wasser an den Baumwollfeldern deines Ur-Ur-Onkels den Mississippi entlang fließen - sprich: es wird noch verdammt viel geschehen müssen, bis wir beide einer Hautfarbe angehören...“, er machte eine schmunzelnde Pause des Nachdrucks und wies mit dem Finger um sich an Bord: „...und ich dir hier meine Schwarzgeschäfte an Bord und oder auf allen Schiffen auf denen ich diente, anvertraue.“ Der farbige Ted blickte ihn an...überlegte...und beschmierte den freien Oberkörper des Kanoniers einmal mit schwarzem Fett, um ihn trocken wissen zu lassen. „...geschehn.“

Derweil erschien auf der Brücke des Zerstörers der Erste Offizier und machte Meldung beim Captain: „Captain, Sir. Sie hatten mich gerufen?“ Der Captain wandte sich - noch mit dem Funkspruch in der Hand - an seinen Ersten Offizier: „Ja. Ihr Mann von der Zeitung, Ihr Namensvetter ist an Bord.“

Der Captain winkte den Offizier mit einer Geste weiter zu sich: „Und da Sie sich um ihn zu kümmern haben...“ der Captain wies über die Schulter auf die Brücken-Nock hinter sich, wo Mrs. McCancy jedoch aus dieser Richtung in diesem Moment heraus nicht zu sehen war: „...werde ich Sie mit Ihrem Schützling vertraut machen, nachdem ich diesen Funkspruch bearbeitet habe.“

Mrs.McCancy hatte währenddessen die Situation auf dem Frachter, von der Brücken-Nock des Zerstörers, in aller Ruhe von dort oben aus weiter beobachten können…und sprach angetan die beiden mit Öl verschmierten Männer schräg unter sich an: „Was machen Sie da?“

Verwundert über die Stimme einer Frau an Bord eines Zerstörers, blickten beide Männer von ihrem Frachter aus hinauf zur Brücken-Nock des längsseits liegenden Kriegsschiffes, während der Marinekanonier mit seinem makellosen freien Oberkörper seine Hand gegen die Sonne richten musste - um überhaupt die junge Frau auf der Brücken-Nock erkennen zu können, wobei er kess einfach die gestellte Frage wiederholte: „Was machen Sie da?“

Mrs. McCancy war ein wenig über die kecke Gegenfrage überrascht: „Nun, ich fahre auf diesem Zerstörer im Geleitzug mit. Und Sie?“ Der Marinekanonier ließ die Arbeit ruhen und legte seine Arme auf das schwere Browling-Maschinengewehr: „Ich fahre auf diesem Frachter ebenfalls im Geleitzug mit.“ Genau das wollte Mrs. McCancy gar nicht hören: „Hatt ich mir beinahe gedacht.“ Der Marinekanonier auf dem Frachter blieb forsch: „Wieso fragen Sie dann? Mrs. McCancy lächelte ein wenig verlegen, ihre Neugierde war mit ihr wieder einmal durchgegangen: „Ich wollte nur höflich sein.“ Der Kanonier griente in seiner kecken Art zurück: „Das waren Sie.“

Jedoch beobachtete er genau in diesem Augenblick, dass hinter ihr auf der Brücken-Nock der Captain mit einem steif stolzierenden Ersten Offizier erschien.

Der Captain sprach die junge Lady an: „Mrs. McCancy?“ Erst daraufhin drehte sie sich um…und blickte erschrocken dem an der Seite des Captains stehenden Ersten Offizier in die Augen. Mrs. McCancy und der Erste Offizier trauten beide ihren Augen nicht: die Überraschung war perfekt! Der Captain bemerkte die Sprachlosigkeit beider: „Man kennt sich? Flüchtig?“ Der Erste Offizier gab baff die Antwort: „Meine Frau, Sir.“

Der Captain blickte Mrs. McCancy staunend an.

Sie konnte nur bestätigen: „Mein Mann, Sir.“

Verdutzt und erstaunt hob der Captain eine Augenbraue: „Ich kann´s beinahe nicht glauben.“ Und wandte sich an seinen Ersten Offizier: „Nun denn, Mr. McCancy: Sie haben bereits vor einer Woche von mir den Befehl erhalten sich um unseren Reporter Sam McCancy zu kümmern. Also tun Sie Ihren Job.“ Dem Ersten Offizier war es deutlich anzusehen wie delikat, prekär und peinlich ihm diese Situation war: was hier gerade mit ihm vor seinem Captain geschah. Arg musste er sogar seine Gesichtszüge unter Kontrolle halten, bis er sich dann - um die Situation zu retten - zu seiner Frau vorbeugte und ihr einen, eher als offiziell gemeinten Kuss auf die Wange gab: „Sei gegrüßt, Samantha.“

Der Marinekanonier beobachtete dies, konnte das Gesprochene jedoch nicht vernehmen. Denn im Gegensatz zu dem Gespräch welches er mit der fremden Frau geführt hatte, sprachen die beteiligten Personen da oben untereinander bei weitem zu leise.

Der Captain war nach wie vor irritiert und wandte sich an seinen Ersten Offizier: „Mr. McCancy, begleiten Sie Ihre Frau in die von uns vorgesehene Kabine.“ Der alte Seemann blickte zu Samantha und unterstrich höflich seinen Befehl: „Und Abflug.“

Augenblicke später betraten beide Eheleute unter Deck und unter Strom stehend die für Samantha angedachte Kabine.

Beide hatten sich bis hierher unter Kontrolle gehalten, da ihnen stets auf dem Schiff und den Gängen Matrosen entgegen gekommen waren.

Doch kaum hatten sie die Kabinentür in der Kabine bis auf einen Spalt zu gelehnt, fielen sie im aufgebrachten Wortwechsel übereinander her: „Andrew, wieso bin ich Schuld daran?“ Andrew war einfach nur sauer: „Weil es nicht geht: eine Frau an Bord eines amerikanischen Zerstörers. Und dann auch noch meine.“

Sie traute ihren Ohren nicht und entgegnete, blieb aber sachlich: „Hey, es stellt sich die Frage: wer von der Washington Post hat bei euch angerufen?“ Andrew griff einen - der dort bereits stehenden Koffer - und schwieg, während Samantha versuchte weiter aufzuklären: „Wenn es mein Boss persönlich war - und davon gehe ich aus - so weißt du ganz genau, dass er immer nur sagt: ich schicke unsern Reporter Sam vorbei.“

Der gut zehn Jahre ältere Andrew entgegnete: „Sam. Wir erhielten den Befehl einen Reporter mit auf diesen Einsatz zu nehmen von der Militärbehörde. Unser Funker hat niemals mit jemanden von einer Zeitung gesprochen. Deshalb wäre es mir auch niemals in den Sinn gekommen, nachzufragen, ob dieser Namensvetter von der Zeitung eventuell meine Frau ist.“ Er legte den Koffer muffig aufs Bett und öffnete diesen: „Du hättest mich informieren müssen.“ Samantha wies diesen Vorwurf zurück: „Wenn mein Boss bei der Militärbehörde angekündigt hat, er schickt Sam McCancy mit auf diesen Einsatz - und ich gehe davon aus, dass er nicht von einer Samantha sprach - so ist das Missverständnis hiermit für mich geklärt.“

Doch Andrew wollte seinen Frust loswerden:

„Sam, glaubst du etwa...“

Sie unterbrach und blieb hart: „Andrew, ich habe selbst erst vor einer Woche erfahren, dass ich als Kriegsberichterstatter über diesen Geleitzug schreiben soll. Und: ich wusste nicht auf welches Kriegsschiff ich komme.“

Die ganze Situation, es ärgerte sie: „Außerdem hast du mir noch vor drei Monaten gesagt: man könne dich in den nächsten Monaten äußerst schlecht erreichen, da du mehrere Male das Kriegsschiff wechseln wirst. - Ich wusste nicht, dass du überhaupt einen Geleitzug eskortierst.“ Andrew unterbrach seine Tätigkeit am Koffer: „Wir hatten miteinander telefoniert.“ Sie blickte ihn an und antwortete sanft und ruhig: „Das war vor neun Wochen. Und wir vereinbarten Funkstille…-…um unsere Ehe zu retten.“

Dieser Satz. Diese Aussage. - Beide waren plötzlich selbst ergriffen und enttäuscht darüber, dass sie es beide in der Vergangenheit nicht geschafft hatten ihre Ehe zu retten.

Für einen Moment herrschte Stille, den Samantha dann nutzte um ihren Ärger und die eigentliche Enttäuschung über dieses Streitgespräch zurückzuschrauben, woraufhin sie sich an die Brust ihres Mannes lehnte: „Liebling.“ Sie sah die Möglichkeit für einen Neuanfang: „Sicherlich ist dies für uns die Chance: die Chance für einen Neubeginn.“ Andrew wollte sich um die Koffer kümmern: „Sam, ich bitte dich.“

Doch sie schmiegte sich erneut - aber irritiert - an ihn: „Andrew, in diesen drei Jahren unserer Ehe hatten wir nie richtig Zeit füreinander. Die Überfahrt ist für zwei Wochen angesetzt: sehen wir sie als unsere Hochzeitsreise an, die wir nie hatten. Wir reißen uns zusammen und erkennen, wieso wir damals geheiratet haben: eben aus Liebe.“

Andrew war hin und her gerissen: all das Geschehene der Vergangenheit. Und nun auch noch die Tatsache, dass seine Frau auf einem Militärschiff - auf welchem er Dienst tat - mitfuhr. Er atmete tief…-…um sich dann doch zu überwinden, zögernd die Umarmung zu erwidern: denn es war ihre Wärme und ihre Art weiterhin an das Gute zu glauben. Es war ihr Herz, welches ihn weich kochte.

Eine Sekunde darauf unterbrach klopfend ein junger Maat an der Kabinentür und machte Meldung: „Sir.“ Andrew warf sich verärgert um - und sah, die Tür hatte sich mit dem Spalt wieder geöffnet: der Maat musste die Umarmung gesehen haben. „Was?“, zischte er den Verunsicherten an.

Samantha zuckte: sie wusste, dies war genau das, was Andrew niemals wollte. Der junge Maat sammelte sich: „Das Beladen der Frachter ist abgeschlossen. Und der Captain wünscht, dass Sie nochmals alles kontrollieren bis wir um 20 Einhundert in See stechen.“

Samantha sah die Nervosität des jungen Mannes: doch wieso? Die Antwort kam prompt, kritisierend und unvorhergesehen: „Rühren! - Hören Sie zu Maat: bei der nächsten Meldung berühren sich die Hacken Ihrer schlecht polierten Stiefel. Ansonsten gibt´s einen Verweis.“

Der junge Maat war unvermittelt noch mehr verängstigt: „Jawohl, Sir.“ Samantha beobachtete dies mit schlechtem Gewissen: war sie der Auslöser? Befehlend sprach ihr Mann weiter: „Und teilen Sie dem Decksoffizier mit, ich möchte ihn umgehend mit allen Papieren an Deck sehen. Umgehend.“

Der junge Maat nickte, verabschiedete sich militärisch und verschwand…erleichtert diese Prozedur durchgestanden zu haben: das war das, was Samantha in seinem Gesichtsausdruck noch vernehmen konnte.

Und plötzlich hatte sie einen konfusen Gedanken: wer weiß, vielleicht hatten sie gelost, wer hierher runter zu ihrer Kabine sollte.

Andrew wandte sich zurück zu Samantha - und bemerkte ihren kritischen Blick. Doch er untermauerte sofort hart und unwiderruflich eine mögliche Diskussion Seitens seiner Frau: „Dies ist ein Kriegsschiff der Vereinigten Staaten, Sam.

Disziplin ist alles.“

Samantha verschwieg ihre eigene Meinung: sie hatte es auch nicht vorgehabt eine Diskussion anzuregen. Sie war froh, die erste Auseinandersetzung mit ihm beinahe glimpflich überstanden zu haben. Folglich vermochte sie nur ein kleines: „Ich habe nichts gesagt.“, hauchen.

Andrew atmete daraufhin tief ein: er wusste, er war zu gefühllos zu Samantha gewesen. Folglich arbeitete er daran, sein Gemüt zu wandeln…wobei er es dann in einem persönlichen und verständnisvollen Ton versuchte sein Denken, seine Art erklärend an den Tag zu legen: „Samantha. Ich kann es nach wie vor nicht gut heißen, dass du auf diesem Zerstörer bist. Es ist zu gefährlich.“

Samantha sah diesen Versuch seinerseits, der ihm viel Überwindung gekostet haben musste - und versuchte ebenfalls zu beschwichtigen, wobei sie ihn ein weiteres Mal umarmte: „Was soll schon passieren.“

- - -

Eine leichte, kühle Brise hauchte während der Abenddämmerung über den Atlantik. Die See war ruhig. Und zwei Frachter mit dem Zerstörer Wainright durchkreuzten das beinahe spiegelglatte Meer, während diese drei Schiffe von zwei weiteren Korvetten begleitet wurden.

Mit Genuss erlebte Samantha diese Ruhe und das rhythmische brechen der seichten Wellenbewegungen am Bug unter ihr, wobei sie kurz mit ihren Notizen inne hielt, einmal auf die Initialen an der Bordkanone blickte - sie las Wainright - um dann jedoch über die Reling in die weite Ferne zu blicken.

Ein Augenblick verging, bis sie dann unangemeldet von hinten angesprochen wurde: „Mrs. McCancy.“ Samantha drehte sich um - und erblickte überrascht den Captain: „Captain, Sir.“ Der Captain trat auf sie zu: „Sie baten um ein Gespräch?“ Samantha legte den Bleistift in ihre Notizmappe: „Sir.“ Sie tat sich schwer - doch es musste sein: „Es geht um das Folgende: wenn wir in zwei Tagen Island erreichen, wie lange werden wir dann im Hafen von Reykjavik liegen bleiben?“ Der Captain runzelte die Stirn: „Nun, eigentlich ist diese Frage leicht - jedoch zum jetzigen Zeitpunkt - eher nicht so leicht zu beantworten.“ Sie blickte ihn zuhörend an, was meinte er? Der alte Seefahrer bemerkte ihren fragenden Blick und holte aus: „Festgesetzt wurde ein Tag. Es kann aber sein, dass es zwei Tage werden: es kommt eben darauf an, ob Nachzügler noch unterwegs sind oder nicht. Denn wenn, so fährt unser Geleitzug von dort aus, nur im ganzen Verband weiter nach Russland. - Wieso fragen Sie?“ Samantha legte gebannt die Karten auf den Tisch: „Sir, selbst wenn wir nur einen halben Tag im Hafen von Reykjavik liegen bleiben, so möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mit einem Lotsenboot auf einen der Frachter überzusetzen.“ Der Alte traute dem Gehörten nicht: „Mrs. McCancy,wieso?“

Samantha verharrte…: diese schwerwiegende Entscheidung. Was war wichtiger?

Andrew? Oder eine Dokumentation für die Washington Post? Sie selbst wollte diese Reise doch als Chance ihrer Ehe ansehen. Aber sie wusste um Andrews Art: würde er sich je ändern? Oder anders ausgedrückt, er hatte sich geändert. In all den Jahren. - Vielleicht war es besser, doch noch einmal etwas Abstand zu finden. Sie war sich uneins. Und doch konnte und wollte sie in diesem Augenblick dem Captain gegenüber nicht zurück. Demnach erklärte sie kurz und bündig: „Nun: meine Aufgabe als Redakteurin der Washington Post ist es, als Kriegsberichterstatter die Gefahren eines Geleitzuges zu dokumentieren.

Aus diesem Grunde muss ich direkt auf einem Frachter…

...einen Angriff miterleben.“ Der Captain traute seinen Ohren erneut nicht: „Mrs. McCancy, das ist unmöglich.“ Er wusste um die Naivität dieses Gesuchs. Samantha nicht. Folge dessen nahm sie einen zweiten Anlauf: „Ich kann nur über die Gefahren berichten, wenn ich sie selber auf den Frachtern sehe, erlebe.“

„Außerdem war es mit der Redaktion abgesprochen.“

Der Captain widersprach: „Mam, was Sie mit Ihrer Redaktion beratschlagt und abgesprochen haben, interessiert auf diesem Schiff überhaupt nicht: denn niemand hat eine solche Petition der Militärbehörde vorgelegt. Geschweige, dass eine solche mit mir besprochen wurde.“ Er glaubte es nicht. „Welche die Militärbehörde und meine Person sowieso abgelehnt hätten. Und es zeigt mir, dass Sie und Ihre Zeitung anscheinend überhaupt keine Ahnung haben: denn bereits hier auf diesem Zerstörer befinden Sie sich in sprichwörtlicher Lebensgefahr.“

Der erfahrene Seebär musste absetzen - um dann aber doch weiterzusprechen, wobei er auf beide in 100m Entfernung parallel laufende Frachter wies: „.Doch was die da machen...“

Er hielt inne: „...gebührt aller Ehre. Ohne Zweifel.“ Er blickte zu einigen Männern auf den Frachtern. „Jedoch ist es gegen jeglichen Menschenverstand. - Aber leider muss es sein.“ Sie blickte ihn an: „Sir, ich...“ Doch er unterbrach und wies erneut auf die Frachter: „Mrs. McCancy. Zwar sind die

Jungs mit ihren anmontierten Kanonen und schweren Maschinengewehren nicht ganz wehrlos - aber dennoch sind das fahrende, mit teils tausender Tonnen Munition, bis unter die Frachtluken vollgestopfte, langsame, dicke, fette Silvesterknaller.“

Samantha verharrte wortlos: dieser Vergleich. Des Weiteren haderte sie ab diesem Moment plötzlich mit einer Frage: wurde sie gerade eines Besseren belehrt, als es auf dem Festland in der Presse immer mitgeteilt wurde?

Der Seemann beobachtete ihren gedanklichen Zwiespalt und ließ sie gewähren. Er sah förmlich wie sie nachdachte… …um dann erst nachzusetzen: „Die Chancen, dass diese Jungs mit ihren Pötten Russland überhaupt heil erreichen, sind...“

Samantha unterbrach: „Aber in den vergangenen Geleitzügen sind so gut wie beinahe keine Frachter angegriffen worden.

Und…“ „Dieser Fehler wird den Deutschen nicht nochmals unterlaufen.“, stoppte sie der alte Seefahrer.

Jedoch deutlicher und mit mehr Nachdruck.

Wohl wissend einer Antwort, der Antwort im Hinterkopf, erklärte er ausführend weiter: „Norwegen ist in deutscher Hand.

Und unsere Spionage hat derweil herausgefunden: die Deutschen wissen seit kurzem, wie viel Kriegsmaterial wir mit den vergangenen Geleitzügen an Norwegen vorbei, nach Russland verfrachtet haben. Sie haben diesbezüglich seit einigen Monaten damit begonnen, unzählige U-Boote dort im Nordmeer zu stationieren. Hinzu kommen noch große starke Flottenverbände, die sich alle in den norwegischen Fjorden versteckt halten - und auf Befehl sofort ins offene Meer auslaufen, um ihre U-Boote im Kampf gegen uns zu unterstützen. Ganz zu schweigen von der Luftwaffe.“

Samantha blickte ihn an und sagte weiterhin kein Wort. Er bemerkte es und erklärte weiter: „Und genau da müssen wir durch.“ Er holte kurz Luft: „Mrs. McCancy, die Deutschen... ...sie warten dort im Nordmeer auf uns wie die Hyänen.“

Samantha versuchte es jedoch nochmals: „Sir, es wird schon irgendwie gut ge...“ „Nichts wird irgendwie gut gehen.“, reagierte der Captain leicht erbost.

Und er sah, dass diese Naivität in ihr nur durch die falsche Presse an Land hervorgerufen worden sein konnte - wie sicherlich auch beim Rest der amerikanischen Bevölkerung. „Lady, die Antwort ist nein. Und ich will es nicht hören: das wird schon irgendwie gut gehen. Glauben Sie dieser Krieg ist ein Spiel? Es wird nicht gut gehen. - Und die Herrschaften in Ihrer tollen Redaktion…-…die sollen endlich aufhören ständig politisch gelenkte Propaganda zu drucken.“

Er gestikulierte mit sich selbst…um dann weiterzusprechen: „Bei allem Respekt, Mam: aber zig tausende amerikanische Seemänner riskieren ihr Leben dafür, dass die Presse an Land der Bevölkerung weismacht, wir fahren mit unseren Geleitzügen in den Urlaub?“