Die Viecher sind schuld! -  - E-Book

Die Viecher sind schuld! E-Book

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Beschreibung

Die Viecher sind schuld! Na klar! Wer sonst? Wer kennt sie nicht, die Mücken die einen veranlassen, nachts die halbe Wohnung zu zerschlagen? Manchmal stiften Tiere Liebe, manchmal Chaos und hin und wieder decken sie zufällig gut gehütete Geheimnisse auf. Also wer ist schuld? Die Viecher natürlich!

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Seitenzahl: 194

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Peterle ODER Ein Herz, vom Esel im Galopp erobert Sina Blackwood

Tierisches Leben Nancy Meissner

Wie die kleine Raupe zu ihren Farben kam Karin Geyer

Alpenfauna Michael Gimmel

Tschiris Reise Silvia Grad

Der Kobold im Auto Jana Heidler

Schlafstörung Iris Fritzsche

Bis aufs Blut Sina Blackwood

Der Esel, der das

Ah

verlernte Jacqueline Zöllner

Mein rothaariger Freund Karin Geyer

Die Viecher sind schuld! Sina Blackwood

Der Pfau Iris Fritzsche

Hunde-Elend Nancy Meissner

Finn Jana Heidler

Der Schatz Sina Blackwood

Die einsame Biene Nancy Meissner

Sita, die Kohlmeise Silvia Grad

IM Rotkehlchen Jana Heidler

Weiber, Katzen, Schmetterlinge ODER Die magische Kraft böser Wünsche Karin Geyer

Wahrnehmung ist Ansichtssache Jana Heidler

Die Zecke Iris Fritzsche

Lied der jungen Naturforscher Michael Gimmel

Ungehörte Hilferufe Jacqueline Zöllner

Baum der Begegnung Gerda Stender

Spinnen am Morgen Michael Gimmel

Das Geheimnis des Silberwolfs Nancy Meissner

Der Schmetterschling Michael Gimmel

Vandalen sind los Jana Heidler

Igel Friedrich Iris Fritzsche

Das Glück dieser Erde Sina Blackwood

Grüße von Luzi Karin Geyer

Vitae

Das Bild zur Peterle-Geschichte wurde freundlicherweise von Herrn Klaus Dietrich / Telfs zur Verfügung gestellt.

Vorwort

Die Viecher sind schuld!

Na klar! Wer sonst?

Peterle, der junge Eselhengst aus Tirol, ist zum Beispiel Schuld daran, dass es dieses Büchlein überhaupt gibt.

Dafür, dass im Buch für jeden eine Geschichte zu finden ist, tragen aber wir Menschen die Verantwortung. Wie für so vieles, was wir unseren Tieren Böses antun, aber auch Gutes zukommen lassen.

Und mit all jenen Begebenheiten sind die folgenden Seiten wohlgefüllt. Wird gerade noch von kuscheligen Tierbabys erzählt, so nehmen im nächsten Augenblick völlig abgedrehte Beziehungskisten ihren Lauf und nicht selten eine bizarre Wendung.

Am besten suchen Sie sich ein ruhiges Eckchen, kuscheln sich mit ihrem Haustier gemütlich hinein, und beginnen ganz einfach zu lesen.

Ihre Sina Blackwood

Sina Blackwood

Peterle ODER Ein Herz, vom Esel im Galopp erobert

Das Leben geht hin und wieder Wege, die man oft erst auf den zweiten Blick versteht.

So verweben sich plötzlich auf wundersame Weise Schicksale von Menschen und Tieren, wie jene des Eselchens Peterle, mit einem Inhaber eines Bus- und Reiseunternehmens aus Tirol.

Einem Flecken Erde, der mit wundervollster Natur gesegnet ist und wo sich in vielen kleinen Gemeinden die Leute noch kennen und gegenseitig helfen.

So auch in der rund 1700-Seelen-Gemeinde Oberhofen im Oberinntal. Hier führt nicht nur der weltbekannte Jakobsweg hindurch. Nein, hier gibt es auch den längsten Radweg Tirols, unzählige Wanderwege zu gut bewirtschafteten Almen und grandiosen Bergen, wie dem Rietzer Grieskogel, mit seinen 2884 Metern Höhe. Reizvolle Häuser entlang des Inn, prägen das Ortsbild. Ein Platz auf dieser Welt, wo der Urlaubsgast meint, dass ausschließlich Glück und Freude zu Hause sein dürften.

Doch hinter den Kulissen spinnen die Parzen ihre Fäden…

So lebt hier auch eine Familie mit einer dreijährigen Tochter und alle freuen sich, als sich endlich ein Geschwisterchen für die Kleine ankündigt.

Doch nach strahlendem Sonnenschein ziehen oft finstere Wolken auf und so nimmt eine Katastrophe ihren Lauf, mit der niemand gerechnet hat – die junge Mutter stirbt nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Der völlig geschockte Vater bleibt mit seinem Töchterchen und dem Neugeborenen allein zurück und steht vor einem seelischen Abgrund, in den alle drei zu stürzen drohen.

Die ganze Dorfgemeinde versucht, zu helfen, so gut es geht, und schmiedet einen Plan, die Verzweifelten auch finanziell zu unterstützen.

Es wird also auf dem Bauernmarkt eine amerikanische Versteigerung organisiert, von der auch die Nachbargemeinden erfahren. Im wenige Minuten entfernten Telfs, erreicht die Nachricht den Busunternehmer. Er, der am eigenen Leibe erfahren hat, wie es sich anfühlt, die geliebte Frau auf tragische Weise zu verlieren, zögert keinen Augenblick, an der Versteigerung teilzunehmen, und sei es nur, um den Preis kräftig in die Höhe zu treiben.

Nach leidenschaftlichem Poker um 30 Kilo Käse, wird schließlich ein junger Eselhengst angeboten.

Der Unternehmer steigert fleißig mit und wieder schlägt das Schicksal einen merkwürdigen Haken, denn er ist am Ende der Höchstbietende und somit mit einem Mal Besitzer des vierjährigen Eselchens namens Peterle aus dem Bregenzer Wald. Nun ist der stolze Gewinner der Auktion aber weder Stallungseigner noch Landwirt…

Auf die Schnelle bittet er den bärtigen Almwirt um Hilfe, der Peterle fürs Erste auf seine Wiesen mitnimmt, weil es dort bereits eine Eselfamilie gibt. Jetzt gilt es aber, einen dauerhaften Platz zu finden, denn Esel leben im Rudel und es wäre blanke Tierquälerei gewesen, den kleinen Hengst allein zu halten. Zudem hatte Peterle mit seinen großen sanften Knopfaugen die tiefe Zuneigung seinen neuen Besitzer praktisch im Galopp erobert. So ist es kein Wunder, dass der seinen putzigen Esel besucht, wann immer sich die kleinste Gelegenheit bietet, ihm Möhren zum Knabbern mitbringt und ihn mit liebevollen Streicheleinheiten versorgt. Dann betrachtet er oft selbstvergessen das graubraune Fell mit dem dunklen Aalstrich, krault Peterle zwischen den langen Ohren, streicht ihm über die kurze dunkle Stehmähne und amüsiert sich über die lustige großen Quaste am Eselsschwanz.

Hin und wieder lädt Peterle seine Weidefreundin, eine weiße Eselin, zum Karottenmenü ein. Er ahnt nicht, dass er nicht für immer hierbleiben kann und dass sich darüber sein Herrchen große Sorgen macht.

Dann findet der clevere Unternehmer eine geradezu geniale Lösung. Statt seinen süßen Schützling in eine ungewisse Zukunft oder gar zum Schlachter zu schicken, wie es andere möglicherweise in gleicher Situation getan hätten, nimmt er kurzerhand mit Gut Aiderbichl in Salzburg Kontakt auf.

Wie die Altvorderen, die alles, was ihnen wichtig war, auf Kraftknoten der Erde errichteten, steht auch dieses Refugium zur Rettung in Not geratener Tiere an solch einem Platz. Wie auf der Homepage des Gutes zu lesen ist, stammt der Name aus dem Keltischen und bedeutet so viel wie Feuerhügel. Und wie bei den Uralten, wurde hier alles aus natürlichem Material konstruiert und passt sich nicht nur optisch in die wundervolle Landschaft ein. Ein Ort, an welchem umsorgt und geborgen, vereinsamte oder geschundene Tiere Kraft und neuen Lebensmut finden.

Dass das jahrhundertealte Wissen um die Kraft der Natur, gepaart mit Liebe und Zuwendung, genau das Richtige für Aiderbichls Pfleglinge ist, zeigt sich deutlich an den unglaublichen Erfolgen des Gutes.

Peterchen wird also, bis an das Ende seiner Tage, im Reich der glücklichen Tiere in einer Herde leben, was durchaus noch volle 35 Jahre sein können.

Sein Herrchen übernimmt die Patenschaft.

Auch, wenn er sich sicher ist, dass die Jahre des Eselsdaseins über seine eigene Lebenserwartung hinausgehen, hoffe ich, der die Geschichte genau so zu Ohren gekommen ist, inständig, dass beide noch viele, viele Jahre bei bester Gesundheit, zwar räumlich getrennt, doch gemeinsam erleben können.

Wer so viel Gutes tut, soll auch mit Gutem belohnt werden.

Nancy Meissner

Tierisches Leben

Ein Gecko klein und fein,

schläft auf seinem Baumstamm ein.

Der Schatten schützt vor Sonnenlicht,

Angst vor Feinden hat er nicht.

Und wird er doch mal angegriffen,

wird der Schwanz schnell abgekniffen.

Das ist doch ein guter Schutz,

guckt der Feind dann ganz verdutzt.

Eine Bartagame groß und stachelig,

hat die Beute fest im Blick.

Gierig schaut sie zu der Grille,

welche durch Zirpen zerbricht die Stille.

Schnell flitzt die Bartagame zu ihr hin,

hat nur noch das Futtertier im Sinn.

Mit einem Happs ist die Grille weg,

da hat die Bartagame die nächste schon

entdeckt.

Der Korallenfinger ist ein Frosch,

und sitzt in einem feuchten Loch.

Gibt von sich ein lautes Quaken,

will aber die Dunkelheit abwarten.

Erst dann wird er richtig wach,

und macht einen ordentlichen Krach.

Dann wird gefressen und gebadet,

bis das Morgengrauen auf ihn wartet.

Die Schlange ist lang und muskulös,

und trotzdem ist sie gar nicht bös.

Oft wird sie als böse dargestellt,

was der Schlange nicht gefällt.

Lieblich schlängelt sie umher,

will nur fressen und nichts mehr.

Angeblich glitschig wie ein feuchter Darm,

ist sie doch ganz trocken und richtig warm.

Ein Panzer ist ihr eignes Haus,

aus dem schaut die Schildkröte müde raus.

Streckt den Kopf langsam nach oben,

für Schnelligkeit kann man sie nicht loben.

Was für ein langsames Tier,

lebt nur für das jetzt und hier.

Grünzeug frisst sie liebend gern,

das ist zum Glück nicht allzu fern.

So ist das tierische Leben,

jedes Einzelne hat was zu geben.

Interessant ist es zu sehen,

wie sie durch ihr Leben gehen.

Was sie brauchen, was sie schützt,

und was ihnen wirklich etwas nützt.

Die Haltung ist nicht einfach,

drum liest man Wissenswertes lieber zweifach.

Karin Geyer

Wie die kleine Raupe zu ihren Farben kam

Draußen vor der Stadt gab es einen großen Wald. Mächtige Buchen standen eng beieinander. Mit ihren dicken Ästen verzweigten sie sich so sehr, dass es nur wenige Stellen gab, an denen die Sonne durch das dichte Blätterdach blinzeln konnte. Auf einigen dieser Blätter hatten Schmetterlinge ihre Eier angeklebt und die Sonnenstrahlen waren bemüht, mit ihrer liebevollen Wärme alle diese kleinen weißen Kugeln auszubrüten. In den Eiern zappelten schon heftig die kleinen Raupen und bald würden sie schlüpfen.

An solch einem wunderschönen Sommertag schlug die kleine grüne Raupe ihre Augen auf. Sie lag zusammengekrümmt in ihrer weißen Hülle. Es ging gerade auf Mittag zu und es wurde unangenehm warm. Die Raupe streckte sich und reckte sich, genau so wie man nach einem langen Schlaf aufwacht, aber noch nicht gleich aus dem Bett will. Es wurde eng in dieser Eihülle. Sie hatte den ganzen klebrigen Saft aufgegessen, in dem sie gut geschützt lag und sie war so sehr gewachsen, dass es Zeit wurde zum Schlüpfen.

Draußen auf dem Blatt krochen viele kleine Raupen umher und plapperten durcheinander.

„He, da liegt ja noch jemand im Ei. Steh auf du Faulpelz,“ riefen einige ganz empört.

Aber Emma, so hieß die kleine Raupe, gähnte noch einmal ganz lange und wollte erst danach die schützende Hülle aufreißen.

Plötzlich geschah es. Ein kurzes Rauschen in der Luft, Hilfeschreie und Stille.

Emma hatte Angst. Was war geschehen? Langsam steckte sie ihren Kopf aus der Hülle. Nichts. Niemand mehr da. Es war doch gerade noch so laut und lustig? Wo sind die alle hin? Ganz vorsichtig kroch sie aus dem Ei. Tatsache, niemand da. Doch, hinter ihr ein langes grünes Etwas. Aus Angst biss sie erst einmal hinein und brüllte los.

„Aua, das bin ja ich. Das ist mein Schwanz. Autsch, das tut weh, wenn man sich selber beißt.“ Emma guckte rundherum. Sie sah lauter aufgeplatzte Eihüllen, aber niemand war mehr auf dem Blatt, außer sie selbst.

„Deine Geschwister hat ein Vogel geholt“, rief ein großer Marienkäfer, der gerade dabei war, zusammen mit seiner Frau ein Blatt zu säubern. „Ich hab’s genau gesehen. Der hat deine Geschwister alle im Schnabel aufgesammelt. Sei froh, dass du so langsam warst, sonst hätte es dich auch erwischt“.

Emma wurde traurig. Und je trauriger sie wurde, desto grauer wurde ihre Haut. Das ganze schöne Grün war verschwunden. Jetzt bin ich ganz alleine und niemand spielt mit mir, dachte sie in ihrem Kummer. Große Tränen kullerten ihr über das Gesicht.

„Hör auf zu heulen“, meinte ein dicker grüner Grashüpfer. „Sei froh, dass es dich nicht erwischt hat. Vielleicht warst du auch nur zu hässlich zum Essen. Du hast ja gar keine richtigen Farben. Was bist du überhaupt? Ein Regenwurm?“

„Halt die Klappe, du grünes Drahtbein“, rief die kleine Raupe.

Emma war wütend. Das hatte ihr gerade noch gefehlt – keine Familie mehr, ein frecher Grashüpfer und Hunger. Emma hatte seit Minuten nichts mehr gegessen. Raupen fressen ständig, hatte sie im Ei festgestellt. Blass und traurig kroch sie am Baum hinunter, um auf der Wiese etwas Futter zu finden. Frisches saftiges Gras, bei diesem Gedanken lief ihr das Wasser im Mund zusammen. Ein Glück, dass Buchenstämme nicht ganz so runzelig sind, sonst hätte sie sich in der Rinde auch noch verlaufen.

Unten angekommen, sah sie ein grünes Tier mit einem großen Maul und riesigen Augen.

„Wer bist du denn?“, fragte sie ganz freundlich.

„Ich bin ein Grasfrosch und fresse Würmer und Raupen. Aber du bist so blass und hässlich, dass ich dich nicht im Maul haben möchte. Du bist wohl krank?“

Verdutzt schaute Emma das Großmaul an. Sie war nicht krank, nur traurig.

Bin ich denn wirklich so hässlich, dachte sie und guckte in eine Pfütze. Etwas graues Rundes guckte zurück. Das bin ich, stellte sie verwundert fest. Das ist ja schrecklich. Na, ja. Es hat auch sein Gutes, da frisst mich wenigstens keiner. Aber ... eine Freundin werde ich wohl auch nicht finden und ganz alleine bleiben.

Mit jedem traurigen Gedanken wurde die kleine Raupe auch außen für alle sichtbar grauer und hässlicher. Sie knabberte ein paar Grashalme und legte sich abends unter ein Blatt zum Schlafen. Morgen ist ein neuer Tag und wer weiß, was da alles passiert, überlegte sie noch kurz vor dem Einschlafen.

Großer Lärm hatte sie aufgeweckt. Es blitzte und donnerte. Der heftige Wind riss Emma das Blatt weg. Sie kroch unter einen Ast.

Wie lange es gestürmt und gewittert hatte, wusste sie nicht mehr. Der Tag hatte schon begonnen und es fiel immer noch Regen. So ein schlimmes Wetter. Emma musste warten, bis der Regen vorbei war. Sie war ja so klein und eine Pfütze ist für sie riesig wie ein Meer. Die letzten Wolken zogen gerade ab und die Sonne schaute wieder freundlich über den ganzen Himmel.

Da! Ein großes buntes Tor aus sieben Farben wuchs über den ganzen Himmel. „Oh, ist das schön“, staunte die kleine Raupe ehrfürchtig.

„Du Depp“, brummte ein großer Igel, „das ist doch ein Regenbogen. Der sieht immer so schön bunt aus, im Gegensatz zu dir. Den kann man sich wirklich gerne angucken.“

„Der ist auch nicht so traurig wie ich“, seufzte Emma und wieder kamen Tränen in ihre Augen. „Warum nur bin ich so grau und hässlich?“ Mit diesem traurigen Gedanken wurde sie noch trauriger.

Das ist ja seltsam. Ich denke traurige Gedanken und werde noch trauriger. Und je trauriger ich werde, desto farbloser werde ich. Wo ist mein schönes Grün hin? Hat das die Traurigkeit geklaut? Habe ich mir meine Farben etwa von meinen eigenen Gedanken klauen lassen? Solche Gedanken sind ja wie Gespenster!

Sie wollte gerade wieder losweinen, da besann sie sich. Halt, nicht wieder losweinen und noch trauriger werden. Erst einmal tief durchatmen, sonst habe ich bald gar keine Farbe mehr. Wenn mein blasses Grau auch noch weggeht, dann bin ich ja nackt. Bei dem Gedanken musste Emma schon ein klein wenig lachen. Aber das war so wenig, dass es nicht ausreichte, um Farbe zu bekommen.

Ich bin so alleine und ich möchte wieder Farbe haben, dachte Emma noch, bevor der Tag zur Neige ging und sie sich wieder ein Blatt zum darunter Schlafen suchen musste.

Emma wollte aber so schön bunt sein wie der Regenbogen. Sie kroch im Traum ganz hoch in die Buchen, auf deren Blätter sie geboren wurde. Sie stellte sich auf das oberste Blatt, reckte sich ganz toll in die Höhe und rief: „Regenbogen, Regenbogen, bitte schenke mir deine magischen Farben. Ich bin so grau und hässlich.“

Am Himmel erschien wie von Zauberhand ein großer bunter Regenbogen. Freundlich antwortete dieser der kleinen unglücklichen Raupe: „Emma, ich brauche dir nichts zu schenken. Du hast die magischen Farben schon alle in dir.“

„Wie kann ich diese wunderschönen Farben in mir haben, wenn sie keiner sieht“, sagte die kleine Raupe. „Das glaube ich nicht. Alle sagen doch, dass ich hässlich bin.“

„Ach Emma. Es ist egal, was alle sagen. Du musst daran glauben, dass du schön bist und dass du die magischen Farben hast. Wenn du ganz fest daran glaubst, egal was alle sagen, dann wirst du deine Farben auch sehen. Und wenn du sie einmal gesehen hast, dann wirst auch du in den magischen Farben strahlen, genau wie ich. Emma, du musst glauben, bevor du sehen kannst. Und höre mit deiner Traurigkeit auf, die nimmt dir deine Farben weg.“

Emma erwachte. Die Sonne kitzelte sie ganz sanft. „Ich fühle mich heute so schön, weil ich mit dem Regenbogen gesprochen habe“, jubelte Emma. „Ich bin schön und bunt und basta. Und ich will nicht mehr traurig sein, sondern freundlich wie der Regenbogen.“

Emma lief durch den Wald und rief immer. „Ich bin schön, ich bin freundlich, ich bin strahlend wie der Regenbogen.“

Die Mäuschen, die diesen Lärm mit angehört hatten, fingen an zu lachen: „Die Emma ist durchgeknallt. Hört ihr, was sie sagt? Die spinnt, wie kann sie so schön sein wie der Regenbogen, das gibt es nicht!“

Emma hörte die Mäuse lästern und bekam Zweifel. Wieso funktioniert das nicht? Weshalb ist alles kaputt gegangen durch die Lästerei der Mäuse? Aber der Regenbogen hat es gesagt und ihm glaube ich. Aber es funktioniert nicht. Warum?

Nachts träumte Emma wieder. Sie kroch auf das höchste Blatt der Buche und sie rief abermals den Regenbogen. „Regenbogen, Regenbogen, bitte schenke mir deine magischen Farben. Ich bin so grau und hässlich. Die Mäuse zerreden alles. Es klappt nicht.“

Der Regenbogen zeigte sich am Himmel. „Emma, es kann nicht klappen, wenn du es jedem erzählst. Es muss unser Geheimnis bleiben, du musst es in dir behalten ganz für dich allein, dann kann es keiner zerreden auch nicht die Mäuse. Und achte auf deine Gedanken, die klauen dir die Farbe, nicht die Mäuse. Willst du bunt werden?“

„Ja, ich will bunt werden“, antwortete Emma dem Regenbogen.

„Dann tu es und sprich nicht mit Mäusen darüber, weil sie es nicht verstehen. Die sind immer grau, die haben keine Farben in sich.“

Emma erwachte und war sehr nachdenklich. „Also werde ich gucken, wo die Farben in mir sind. Der Regenbogen hat es gesagt und der weiß es, denn er strahlt selber in diesen Farben“.

Sie schloss ihre Augen und schaute in Gedanken in sich hinein. Zuerst sah sie gar nichts. Es war alles finster.

„Aber der Regenbogen hat es gesagt und ihm glaube ich.“ Emma guckte lange ganz tief hinein vom Kopf bis in die Schwanzspitze. Da war was. Als sie die erste Farbe mit geschlossenen Augen sah, da freute sie sich sehr. Dann sah sie eine zweite Farbe, eine dritte, bis sie alle sieben Farben entdeckt hatte. Jetzt bloß nicht aufhören, dachte sie und guckte weiter. Darüber schlief sie ein. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie müde sie war nach all der Aufregung in den letzten Tagen.

Sie träumte wieder, dass sie den Regenbogen rief: „Regenbogen, Regenbogen, ich habe die Farben in mir gesehen. Wie bekomme ich die nach außen? Haben die Farben Namen? Wie heißen denn die Farben? “

Der Regenbogen zeigte sich wieder am Himmel. „Emma, ich freue mich mit dir. Ich erkläre dir gern die Farben.

Die erste Farbe ist das Rot. Wenn sie kräftig strahlt, dann hast du genügend Energie und Kraft. Dann kannst du alle deine Aufgaben bewältigen.

Die zweite Farbe ist das Orange. Leuchtet es richtig, dann hast du Ausgeglichenheit und Ruhe, Erfolg und Freude. Da ärgerst du dich nicht mehr über die frechen Mäuse.

Die dritte Farbe ist das Gelb. Mit einem schönen Gelb bekommst du Lebensfreude und eine heitere Stimmung. Du bist nicht mehr traurig und du möchtest neue Freunde kennen lernen. Du kannst auch gut falsche Freunde von echten unterscheiden.

Die vierte Farbe ist das Grün. Das ist die Farbe der Hoffnung und Erneuerung. Das frische Grün im Frühling zeigt allen Lebewesen, dass der Winterschlaf vorbei ist. Du bekommst Genesung und inneren Frieden. Du hast auch gute Wünsche, Sympathie und Mitgefühl für Tiere und Pflanzen.

Die fünfte Farbe ist das Hellblau. Du verspürst grenzenlose Freiheit und Abenteuer. Tatendrang und Urlaubsstimmung melden sich dann an. Du kannst besser mit allen Wesen in Verbindung treten und hast viele kreative Gedanken zum Malen und Basteln oder tolle Ideen, die anderen Freude bringen.

Die sechste Farbe ist das Dunkelblau. Es zeigt Respekt für dich und andere und Zuverlässigkeit. Das Lachen gelingt dir dann immer besser. Du lachst Ärger einfach fort.

Die siebente Farbe ist das Violett. Das weckt Neugier auf alles und es macht weise. Du weißt dann einfach, was du tun musst und brauchst niemanden mehr zu fragen.“

„Emma“, rief der Regenbogen, als er die kleine Raupe ansah. „Mach den Mund zu und höre auf zu staunen. Es ist doch alles so einfach. Strahle von innen her! Tu es!“

Der Regenbogen verschwand und die kleine Raupe wachte auf. Sie wischte sich den Schlaf aus den Augen.

Als sie freudig noch einmal an sich entlang guckte, da sah sie alle Regenbogenfarben und sie war sehr, sehr glücklich.

„Ab heute heiße ich Emma Regenbogen und ich werde immer freundlich und lustig sein, damit meine Farben kräftig von innen heraus leuchten“.

Die unsichtbare Göttin, die über alle Farben wacht und sich als Regenbogen am Himmel zeigt, lachte leise vor sich hin.

Michael Gimmel

Alpenfauna

(ein einigermaßen gelungenes Naturgedicht)

Auf der Almen weiter Flur

findest du nicht Almvieh nur.

Freilich triffst du immerzu

auf Spuren einer Alpen-Muh ...

Doch hoch droben in den Lüften

schwingt der Geier seine Hüften

und nur ein paar Wolken weiter

hüpft davon ein Paragleiter.

Vögel zwitschern in den Zweigen

und vermeiden, sich zu zeigen.

Wasserläufer auf der Pfütze

tapsen in die Mittagshitze.

Und im Alpenbachmäander

tummeln sich die Salamander.

Mäuse flüchten in den Schatten,

bis vom Rennen sie ermatten.

Maulwurf taucht in seinen Haufen,

hat ans Taglicht sich verlaufen.

Hinter einer scharfen Biege

blickst du einer Alpenziege

ins gehörnte Angesicht.

Wanderer erschreck' dich nicht!

...

Und selbst nächtens noch im Schlafe

zählst du fleißig Alpenschafe.

Silvia Grad

Tschiris Reise

Ein wunderschöner Sommer neigte sich dem Ende zu. Die Tage wurden kürzer, die Nächte kälter. Bisweilen regnete es. Selbst die Menschen hatten sich verändert und waren nicht mehr so froh gestimmt.

Auf dem Drahtzaun der Wiese neben dem Bauernhof, in dem sie geboren und aufgewachsen war, saß Tschiri, ein kleines Schwalbenmädchen, mit seinen Eltern und Geschwistern. Der Vogelvater erzählte von der langen Reise, die sie bald antreten würden. Unruhig schaute die Vogelmutter zum Himmel. Sie schien auf etwas zu warten.

Plötzlich rauschte ein Schwarm anderer Schwalben durch die Luft und ließ sich auf dem Zaun nebenan nieder. Aufgeregt erzählten sich die Vögel von ihren Abenteuern, die sie im Sommer erlebt hatten. Die Jungen berichteten stolz, wie sie das Fliegen gelernt hatten und sogar schon allein Mücken fangen konnten.

Tschiri hörte derweil dem Vater zu, der ihr und ihren Geschwistern nun den Reiseweg erklärte.

Wenig später starteten alle Schwalben zu dem großen Flug. Auch Tschiri und ihre Geschwister waren dabei. Die Luft war kühl und der Wind wehte stark. Bald schon gerieten die Kleinsten ganz außer Atem. Darum landete die Schwalbenschar auf einer Stromleitung und rastete dort eine halbe Stunde lang, ehe sie weiterflogen.

Endlich erblickten sie in der Ferne das große, blaue Meer. Da staunten Tschiri und die anderen Schwalbenkinder, denn Wasser und Himmel leuchteten in derselben Farbe. Rundum sahen sie nur unendliches Blau.

„Oh, was ist denn das? Da schwimmt ja ein riesiger Fisch“, rief Tschiri, als kurz darauf nur noch Wasser unter ihnen war.

Aufgeregt zwitscherten die jungen Schwalben ihr „ tschiripp-tschiripp“ und flogen vorsichtig näher. Einer der mutigsten Vögel landete sanft auf dem Fisch, der ruhig weiterschwamm, und so gesellten sich immer mehr Schwalben hinzu, um sich auf seinem Rücken ein wenig auszuruhen.

Gleich darauf entdeckte die Vogelschar einen Babywal und seine Mutter. Tschiri staunte sehr, denn so etwas hatte sie noch nie vorher gesehen!