Die vier Elemente und wir -  - E-Book

Die vier Elemente und wir E-Book

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Beschreibung

Ein Buch, in dem es im doppelten Sinne um Elementarisches geht. Es unterhält und lässt gut erkennen, was es den 25 Autoren selbst für die eigene Lebensart bedeutet, wenn das eine Ursprüngliche - der Umgang mit dem Wort - mit einem anderen originären Typus, wie Feuer und Wasser oder Erde und Luft, zusammenfließt. Ein Wortgestöber, ein Aufdecken, eine Huldigung an den Kosmos des Lebens: all das vermag sie zu sein - die Jubiläumsausgabe zum 25-jährigen Bestehen des DIALOG e.V.

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Seitenzahl: 153

Veröffentlichungsjahr: 2018

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DIALOG e.V.

DIE VIER ELEMENTE UND WIR

Herausgeberin Hannelore Crostewitz

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

Impressum

Herausgeber & Endlektorat:

Hannelore Crostewitz, DIALOG e.V.

Redaktion & Korrektorat:

Anne Meinecke, Paul Schacher, Brigitte Schubert, H. Crostewitz

Cover & Illustrationen:

Gisela Kohl-Eppelt

Coverbearbeitung:

Frank Crostewitz

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2018) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte bei den Autorinnen und Autoren

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Vorwort

Immer wieder ist es eine Freude, etwas aus Sprache zu schaffen. Wahr ist, dass Autoren zuweilen keine andere Wahl haben, da es für sie zum „Muss“ wird, sich mit der Umwelt und Gesellschaft auseinanderzusetzen, und so entstehen kleine Kunststücke, die an Gehalt und Gestalt beeindrucken und in der vorliegenden Anthologie ihren Platz gefunden haben.

Um in dieses Buch aufgenommen zu werden, spielte es keine Rolle, ob man vom Realen, von Fiktionen, Reiseimpressionen oder Wortspielen ausging. Einzig das Ergebnis war entscheidend: ein eindrucksvoller Gedankenaustausch, der zugleich ein Dialog mit den Elementen werden sollte. Was einem Verein, der sich DIALOG e.V. nennt, gut ansteht. Er offenbart mit der Herausgabe dieser Anthologie sein 25jähriges Jubiläum, ist auch mit Lesungen in der kulturellen Szene Leipzigs und darüber hinaus bekannt.

Nicht nur Erzählungen, Geschichten, Porträts und Gedankensplitter sind entstanden. Nein, hier gibt es etwas, was man nicht mehr marktüblich findet, ganz bewusst noch: und das sind die Gedichte. Bei uns bekommen sie Zeit und Raum.

Zum 25. Jahr sind unter den 25 Autoren sowohl Werke der Oldenburger Autorengruppe WortStatt, als auch einige von Mitgliedern des Freien Deutschen Autorenverbandes Sachsen aufgenommen worden; eine Geste, die sich beide Male auf die Freundschaft und auf einen temporär stattfindenden fachlichen Austausch gründet.

Unvergessen ist und bleibt zudem unsere Christel Hartinger. In ehrendem Gedenken sind auch von ihr Texte hier mit eingebunden. Wofür wir auch Marlene und Anselm Hartinger herzlich danken.

Hannelore Crostewitz

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

FEUER

Andreas Knapp

elementare fragen

Walter Lüders

Feuerspiele

Ulrike Diez

Masuren-Urlaub

Walter Lüders

Der große Auftritt

Brigitte Ellen-Werner

Feuer

Gisa Kossel

Herz verschenken

Die Danei mit dem brennenden Haus

Maria Anna Stommel

Brennende Fragen

Gedeutet

Feuerpferd Dampfross

Feuergeist

Eveline Hoffmann

Feuerschein

Mario Otto Viebranz

Feuer

Reina Darsen

Ein „Gomorrha“ der Gegenwart

Alexander Sassimowitsch Fehlin

Stell dir vor

Wagnis

Norbert Arzberger

Spiel mit dem Feuer

Hannelore Crostewitz

Zwei Elemente unter sich

Gisela Kohl-Eppelt

Göttliches Feuer

Silvesterfeuer

Katja Ullmann

Feuertod

Judith Zeising

Unterwegs zu den zwei Seiten einer Medaille

WASSER

Gisela Kohl-Eppelt

Undines Kleid

Brigitte Ellen-Werner

Wasser

Marlis Michel

Mein Freund, der wunderbare Pianist

Reina Darsen

Gewitter

Eveline Hoffmann

Auf der Brücke über die Schlucht

Auf der Klippe

Ulrike Diez

Ein unergründliches Meer seid ihr anderen

Metamorphosen im Winter

Eveline Hoffmann

Funkspruch an Elbe und Mulde

Reif für die Insel

Alexandra Gollan

Stille blaue Weite

Paul Schacher

Dublins Bucht

Wesen in Wasserrohren

Regentag

Katja Ullmann

Hochwasser im Juni

Brigitte Schubert

Vom Ladiser Burgfräulein

Schlechter kann es nicht kommen

Fränky

Das Wasser

Walter Lüders

Der Überflutungsalarm

Land unter

Komm in den Regen

Sturm

Maria Anna Stommel

Sonne und Meer

Überfahrt

Briefwechsel

Anne Meinecke

Ein Hauch von Meer

Alexander Sassimowitsch Fehlin

In Erwartung

Hannelore Crostewitz

Inventur

J. R. König

Wassererlebnisse

ERDE

Ulrike Diez

Gehmeditation

Beruhigend

Hannelore Crostewitz

Unumgänglich

zufällig

Mensch an Erde

Walter Lüders

Der Hexenritt

Der Blick nach oben

Landluft

J. R. König

Das schöne Erlebnis I

Das schöne Erlebnis II

Marlis Michel

Vorgabe: Suchen

Zehn Gedankensplitter

Frank Crostewitz

Lebenselexier

Brigitte Ellen-Werner

Rätsel

Der Gärtner

Wie leuchten mir

Paul Schacher

Geruch von Laub

Alexander Sassimowitsch Fehlin

Gravitation der Kreativität

Reina Darsen

Namenlos

Anne Meinecke

Ein friedlicher Sommertag

Ulrike Diez

In Erinnerung an Christel Hartinger

Christel Hartinger

Im Apothekergärtchen. Eine Ohrenweide

Besuch in P. Volkstrauertag

Jenes Mannes Hand.

Zur aktuellen Nachrichtenlage. Kommentar

Zum Fracking-Verbot

Das Zitat

Katja Ullmann

Llorona oder die drei goldenen Hennen

LUFT

Hannelore Crostewitz

Der Luftikus

Paul Schacher

Das Windspiel

Walter Lüders

Fliegen

Matthias Albrecht

Sommersonnenwende

Gisela Kohl-Eppelt

Wolkenschwer

Die Mauersegler und Fred

Eveline Hoffmann

Fernweh

Anne Meinecke

Glück ab – gut Land

Ulrike Diez

Ariel und ich

Biographische Hinweise

Bibliographisches

ANDREAS KNAPP

elementare fragen

ob der erde übel ist

wenn sie aus dem innern speit

oder ob sie angst erlebt

wenn sie bebt und zittert

ob das meer erobern will

wenn es über ufer schlägt

oder ob es mordgelüstet

wenn es todeswogen rollt

ob das feuer hunger spürt

wenn es züngelnd um sich frisst

oder ob es wut empfindet

wenn es welt in asche legt

ob die luft nur spielen will

wenn sie um sich selber wirbelt

oder ob sie gierig ist

wenn sie alles mit sich reißt

ob erde wasser feuer luft

nein sie kennen kein gefühl

wir menschen aber müssen leiden

und wissen nicht warum

WALTER LÜDERS

Feuerspiele

Seht euch diese Narren an,

ob Putin, Trump, ob Erdogan,

zündeln ohne Unterlass

immerfort am Pulverfass.

Jeder gibt sich hart

blufft auf seine Art.

Doch tut diese Wut

uns Menschen wirklich gut?

Wir sollten für das Leben

nach echtem Frieden streben,

drum blicket den Despoten

auf die verdammten Pfoten.

ULRIKE DIEZ

Masuren-Urlaub

Mit Störchen und Mücken

in den Wiesen, die Freunde

rechts und links – ein Streifen Salz

in den Sand gegossen

Fremde Feuer, wo ich

mich am besten wärme

Oder ich decke mich mit Blättern zu

Von Zeit zu Zeit der Wunsch,

dass mich jemand etwas fragt

WALTER LÜDERS

Der große Auftritt

Viele Schaulustige sind schon erschienen.

Es herrscht eine große Spannung.

Nebel liegt in der Luft.

Im Becken bildet sich eine große Blase.

Sie verschwindet wieder im Schlund.

Das Wasser brodelt.

Es bewegt sich auf und nieder.

Ein versteckter Riese scheint zu gurgeln.

Noch einige Male das Zischen und Gurgeln.

Jetzt starrt alles wie gebannt.

Ein Schwall kochenden Wassers schießt zum Himmel.

Dampfschwaden breiten sich aus.

Wassermassen fallen in sich zusammen.

Die Zuschauer sind noch immer fasziniert.

Nur eine große Dampfwolke verweilt.

Stokkur hatte seinen großen Auftritt.

Stokkur, der zuverlässige Geysir

meldet sich wie immer

viertelstündlich zu Wort.

BRIGITTE ELLEN-WERNER

Feuer

Farbenspiel, Flammen, knistern von Holz,

beeindruckte Sinne,

bergende Kraft, Wärme, Vernichtung

Liebe und Hass.

GISA KOSSEL

Herz verschenken

Sie war die allerliebste, niedlichste kleine Hexe, die man sich vorstellen kann. Ja, eine Hexe war sie schon, aber wie es eben in der Natur der Hexen liegt, war sie viele in einer. Sie war Fee, Nixe, Kassiererin, Politiker, Rumpelstilzchen, Pilot, Bürgermeisterin, die Geliebte des Papstes – oh je, darüber sollte ich ja eigentlich nicht reden. Jedenfalls war sie alles, was immer sie sein wollte. Und das war sie dann immer ganz und gar herzinniglich, dass alle sie liebten.

Nun, alle liebten sie, aber damit ist das Glück eben noch nicht vollkommen. Sie wurde geliebt, aber sie selbst fand den nicht, an den sie ihr Herz verschenken könnte. Das lag nicht etwa daran, dass sie beim Schenken knauserig gewesen wäre. Nein, nein, im Gegenteil, sie schenkte überall reichlich und mit Hingabe. Aber mit dem Herzen ist das nun mal so eine Sache. Damit man das verschenken kann, muss es glühen. Dann erst löst es sich und ist verschenkbar. Na, ihr kennt das ja.

Kleine Anzeichen spürte sie schon. Seit gestern rührte sich ihr Herz und hüpfte, wenn sie an ihn dachte. Und es begann zu glühen, wenn sie ihn zu Gesicht bekam. Dann sprühte die Glut aus ihren Augen, und alle, die sie nur ansah, entbrannten. Ihr Herz glühte heiß. Es hüpfte himmelhoch. Singen tat es auch. Es war schon fast so weit, also fast verschenkbar –

„Mein Kind“, sprach Teufels Großmutter, die ihr gerade über den Weg lief, „warum der?“ Nun sitzt die kleine Hexe bei der Großmutter in Teufels Küche – psssst! Mal sehen, wie’s weitergeht.

Die Danei mit dem brennenden Haus

Es war einmal eine Frau, die lebte allein in ihrem Haus am Rand der Stadt. Ihr Mann war vor Jahren gestorben, die Kinder waren groß geworden und fortgezogen. Alles, was ihr Mann einst besessen hatte, hatte sie aufbewahrt und auch alles, was von den Kindern zurückgeblieben war. Von ihren Reisen brachte sie Erinnerungsstücke mit, und Freunde machten ihr gern Geschenke, weil sie sich über alles freute.

Sie hatte geschickte Hände, und wo sie Wolle oder Stoffe günstig kaufen konnte, da griff sie zu. Wo man ihr freundlich Tischdecken und Handtücher, Taschen und Schuhe, Töpfe und Teller anbot, da sagte sie nicht nein und dachte: Man kann nie wissen, was noch für Zeiten kommen. Und Bücher liebte sie. Von jedem Gang in die Stadt brachte sie neue interessante Bücher mit, die sie später alle einmal lesen wollte. So waren in ihrem kleinen Haus die Schränke und Regale gefüllt, Tische und Stühle beladen, die Fußböden bedeckt mit Stapeln von nützlichen Dingen.

In ihrem Haus war der Platz zum Umhergehen immer kleiner geworden, und Besuche konnte sie nun nicht mehr empfangen. Das fand sie zuerst bedauerlich, aber dann gewöhnte sie sich daran. Irgendwann war die Treppe zum oberen Stockwerk nicht mehr begehbar, und im Erdgeschoss gab es nur noch schmale Gänge, durch die sie sich hindurchwand. Das war mühsam, aber auch daran gewöhnte sie sich.

Eines Tages aber blieb sie mitten in all ihren Habseligkeiten stecken. Sie konnte weder vor noch zurück. All die Dinge und das Haus begannen mit ihr zu verwachsen. Das geschah an einem sonnigen Tag im Mai, und sie begann zu weinen. Der mitleidige Wind trug Düfte aus dem Garten und dem Wald herbei, brachte die fröhlichen Stimmen der Kinder, die Musik vom Rummelplatz und das Lachen der Nachbarn zu ihr herein. Aber je länger sie feststeckte, Stunde um Stunde, desto trauriger wurde sie. Größer und größer wurde ihre Sehnsucht nach der Sonne und dem Wind, nach Wald und Wiesen, nach Vögeln und Schmetterlingen, bis sie es fast nicht mehr aushalten konnte und laut zu klagen begann.

Da rief der Wind seine Brüder herbei, und sie kamen aus allen Himmelsrichtungen. Sie spielten ihre wilden Spiele, tobten und bewarfen sich mit Wolken. Donner krachte, Blitze zuckten. Ein Blitz sprang durch den Schornstein zu ihr ins Haus hinein. Sofort stoben Funken, Flammen knisterten, und sie schrie vor Angst.

„He, warum schreist du?“, fragte die Feuerfee.

„Ich verbrenne!“, keuchte die Frau.

„Nein, du nicht“, rief die Fee. „All die Dinge um dich herum brennen.“

„Ich auch, ich hänge daran“, heulte die Frau.

„Das ist deine Sache“, lachte die Feuerfee und tanzte mit den Flammen. Die Winde sprangen in wildem Tanz. Die Flammen glühten und hüpften.

Da gab sich die Frau einen gewaltigen Ruck, riss sich mit aller Kraft los und stand auf der Straße und hatte nur noch ein Unterröckchen an. Und sie schrie immer noch.

„He, warum schreist du?“, fragte die Feuerfee. „Willst du die Sachen wiederhaben?“

Da merkte die Frau, dass ihr gar nichts wehtat, dass sie unverletzt war und sich leicht und gut fühlte. Sie hörte auf zu schreien und sagte: „Danke, nein.“

Wind und Feuer tanzten und sprangen, bis das Haus mit allem Inhalt verschwunden war. Mit dem letzten Feuerstoß warf der Wind einen blinkenden Gegenstand in die Höhe und dann direkt vor ihre Füße. Sie erkannte ihn sogleich: Es war der Schlüssel zu ihrem Gartenhaus.

Hinten in ihrem Garten stand ein Gartenhaus mit grünen Fensterläden, das sie früher einmal für Gäste eingerichtet hatte. Dort zog sie ein und hatte alles, was sie zum Leben brauchte.

Wenn die mitleidigen Nachbarn kamen und aus Kellern und Dachböden abgestellte Sachen herbeischleppten, um ihr zu helfen, dann sagte sie nur lächelnd: „Danke, nein.“ „Danke, nein.“

„Die Danei mit dem brennenden Haus“ wurde sie fortan genannt. Manche dachten, sie sei verrückt geworden, andere, sie sei weise.

Aber wer kann das schon unterscheiden.

MARIA ANNA STOMMEL

Brennende Fragen

Wer raubte das Feuer

den Göttern

Wer zähmte das Feuer

für Menschen

Wer wirft das Feuer

Vom Himmel

Gedeutet

In Flammen

sehen sie Geister

Im Blitz

fürchten sie Götter

Im Brand

erblicken sie Strafe

In Wärme

spüren sie Liebe

Feuerpferd Dampfross

Kohle dein Futter

Feuer dein Geist

Dampf deine Kraft

für große Taten

Wartest am Startplatz

atmend im Takt und

im Puls der Maschine

scharrst mit den Hufen

Doch wenn der Heizer feuert

wenn deine Zügel gelöst sind

wenn du rauchige Wolken

hoch und heiß in die Luft puffst

Stemmst du dich gegen die Last und bewegst

schneller und schneller die Räder die Hufe

Fort im Galopp auf den glänzenden Gleisen

lockt dich die Ferne in feuriger Fahrt

Feuergeist

In Wärme der Flammen

der Geist der Gemeinschaft

Im Blitz der Erleuchtung

der Geist der Erkenntnis

In feurigen Zungen …

EVELINE HOFFMANN

Feuerschein

Im Fernsehen sah er fast schön aus –

der Schein des Feuers nach dem Aufprall der Bomben

damals und immer wieder auf Städte in Nahost.

Vor über siebzig Jahren in Dresden

staunten Kinder über die leuchtenden Christbäume am Himmel,

bevor sie starben – manche noch in Fastnachtsverkleidung.

Doch ehe Dresden brannte, fielen Dynamit und Phosphor

von deutschen Fliegern auf fremde Städte,

starben Kinder in Coventry durch die „Operation

Mondscheinsonate“.

Wohin wären sie alle geflohen, wäre nicht damals

Brand und Tod gewesen überall auf Land und auf See?

Sie hatten höchstens unter ihren Häusern die Keller.

Die heute übers Meer zu uns kommen aus brennender Heimat,

mit verängstigten Kindern im Arm ihr bloßes Leben zu retten,

staunen über die unzerstörten Städte mit all ihren Lichtern.

Doch plötzlich brennt und zerfällt unweit von Dresden ihr

künftiges Obdach.

Das Feuer des Hasses, im ganzen Land sichtbar,

will zerstören ihre Hoffnung, löschen wir nicht diesen Brand nun

für immer.

Bei uns sollen brennen die Feuer des Friedens,

die zum Leuchten bringen die Augen der Kinder, woher sie auch

kommen.

Über das Kreuz der Versöhnung auf der wieder erbauten Kirche in

Dresden

senden wir ihren Schein weit hinaus in die Welt.

MARIO OTTO VIEBRANZ

Feuer

Funke des Lebens

Wärmender Freund

Hilfreicher Geselle

Zerstörer der Hoffnungen

Vernichter der Träume

Grausamer Tod

Asche, die verbleibt

Ein neuer Anfang …

REINA DARSEN

Ein „Gomorrha“ der Gegenwart

Krieg, ein Wort, das in meiner kindlichen Naivität eine Bedeutung hatte wie etwa ein Naturereignis, etwas Unbeeinflussbares, mit dem man sich widerspruchslos abzufinden habe. Mit dieser Einstellung erfuhr ich zum ersten Mal, was es heißt, seinen Heimatort unfreiwillig verlassen zu müssen. Zusammen mit meiner Mutter und meinem elf Monate alten Bruder wurden wir im Januar 1945 in Richtung Westen evakuiert. Hilfsbereit nahmen uns unsere Verwandten in der Danziger Vorstadt Langfuhr auf.

Die Wintermonate überlebten wir mehr schlecht als recht entsprechend den Möglichkeiten, die die Kriegssituation und die Lebensmittelmarken zuließen.

Hier erlebte ich, was ein Bombenalarm bedeutet. Zunächst nur manchmal. Und jedes Mal hieß es dann, raus aus den warmen Betten, in die Kleider schlüpfen, die nötigen, vorsorglich gepackten Habseligkeiten raffen und runter in den Keller rennen, so schnell es ging.

Dann überflogen uns die todbringenden, metallenen Vögel immer häufiger, sodass wir unsere Nachtquartiere in den Kellern aufschlugen. Schließlich verließen wir die Luftschutzräume nur noch zum Kochen und zur Notdurft in den Parterrewohnungen.

In der Nacht zum Karfreitag, am 30. März, riss uns das durchdringende, an- und abschwellende Geheul unzähliger Sirenen aus dem Schlaf. Eine nach der anderen jaulte ihre schaurige Melodie in die Nacht – wie ein Kanon – und zerrte an unseren Nerven. Verstört und verschlafen zogen wir uns an, setzten uns abwartend ängstlich auf unsere provisorischen Betten. Drohende Stille folgte. Die Mütter drängten sich dicht an ihre Kinder. Wir waren auf das Schlimmste gefasst. Banges Schweigen beherrschte das unterirdische Asyl.

Das unheilverheißende Gebrumm von Flugzeugen löste den „Sirenenchor“ ab, schwoll dröhnend an. Kaltes Grauen kroch in uns hoch. Das einsetzende Getöse der Flak ließ verzweifelte Hoffnung aufkeimen. Doch wenig später vernahmen wir das pfeifende Geräusch der fallenden Bomben. Unwillkürlich duckten wir uns. Ihr Aufprall und Zerbersten, alles in geringer Entfernung, erschütterte den Boden unter unseren Füßen. Die Gläser in den Regalen klirrten verdächtig. Der teuflische Zerstörungswahn schien kein Ende zu nehmen. Wann wird es uns treffen? – stand die bange Frage in den Gesichtern der Kellerinsassen. Die Zeit troff in endlosen Minuten dahin. Jemand hielt sich die Ohren zu …

Endlich! Das monoton heulende Entwarnungssignal erlöste uns aus der Starre. Der Luftschutzwart lief zur Straße hinauf. Kurz darauf rief er in den Keller: „Die Altstadt brennt!“ Wir Kinder rannten gegen den Willen der Erwachsenen zuerst nach oben.

Ein unnatürliches Licht beherrschte die Nacht. Über Danzig wölbte sich ein grausiges Schauspiel aus Flammen. Die Konturen der Häuser des Vorortes hoben sich scharf von dieser „Kulisse“ aus Feuer ab, wie ein Schattenriss auf rotem Grund. Ein purpurner Schein erhellte die Straßen von Langfuhr, der alles gespenstisch umhüllte. Geisterhaft erschienen verstörte Wesen, die sich zögernd aus den Kellern herauswagten. Welch ein Inferno! Welch ein vernichtendes Werk durch Menschenhand! Wie versteinert starrten sie auf dieses Gomorrha der Gegenwart.

Mich fröstelte, trotz des warmen Hauchs, der von dem zur Hölle gewordenen Ort sanft zu uns herüber wehte.1

ALEXANDER SASSIMOWITSCH FEHLIN

Stell dir vor

Im Wald, da brennt ein Feuer

es lodert ungeheuer.

Es brennen Eich‘ und Tannen

Wie könnt man dieses bannen?

Guter Rat ist teuer.

Wagnis

Wer versucht, an das

Feuer der Materie zu kommen

riskiert dabei

selbst zu verbrennen.

NORBERT ARZBERGER

Spiel mit dem Feuer

„Teflon!“, kam es aus Machens, „hundert Prozent Teflon!“

Studienrat Machens spuckte das Wort aus wie einen faulen Apfel und knallte seinen Unterrichtskoffer angewidert auf seinen Stuhl im Lehrerzimmer.

„Wie?“, erlaubte sich Junglehrer Lenz neben ihm nachzufragen.

Machens sah ihn entgeistert an und wiederholte:

„Teflon. Nichts bleibt hängen. Noch nie gehört?“

Lenz verstand. Die Unterhaltung zwischen den beiden versiegte indessen, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Weder Machens noch Lenz hatten ernsthaft Interesse an einer weiterführenden Unterhaltung. Nein, es war nicht die alte Feindschaft zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Machens sah in Lenz ohnehin nur den Junglehrer mit Traumtänzer-Diplom, viel Kumpel, wenig Autorität. Für Lenz wiederum war der Unterricht dieses Fossils unter den Kollegen des Herzog-Ernst-Gymnasiums nur die sinnfällige Verkörperung des Trägheitsgesetzes. Mit der von ihm praktizierten Tafelphysik schaffte es Machens höchstens, das Gesetz der Schwerkraft an seinen Schülern bis zum Wegnicken zu demonstrieren.

Die Pause war zu Ende und Lenz eröffnete seinen Unterricht, wie um es sich zu beweisen, dass es doch ein Leichtes war, einen Funken von Begeisterung bei Schülern zu wecken.

These eins: Ich befreie die Menschen von der schmutzigen und erniedrigenden Selbstpeinigung des Gewissens. Selbst in einem