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Die Leserschaft begleitet, auf einer mit historischen Fakten unterlegte Zeitreise, ein fränkisches Adelsgeschlechts von der Spätantike bis in die bundesdeutsche Wirklichkeit. Deren frühe Protagonisten (ab dem 4. Jh.) sind Kultoffizianten, welchen paranormale Fähigkeiten ins Erbgut geschrieben. Durch atavistische Erberinnerungen kann sich auch der 1963 in der Bundesrepublik geborene Gerun von Immen in die teils dramatischen, aber auch romantischen Begebenheiten um seine Altvorderen einbringen. Das Leben des Diplomaten und Wirtschaftswissenschaftler ist modernes Epos. Dessen erotische Romanzen, private wie berufliche Faszinationen werden offen gelegt. Sind diese doch die treibenden Kräfte, welche ihn so ungewöhnlich herausheben, von dem Zeitgeist in den Jahren bis 2013.
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Seitenzahl: 738
Veröffentlichungsjahr: 2019
Hans Oskar Peter Utaipan
Die von Immen
Epos des fränkischen Adelsgeschlechts von der Spätantike auf dem Weg in das Deutschland von 2013
© 2019 Hans Oskar Peter Utaipan
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7497-1995-2
Hardcover:
978-3-7497-2116-0
e-Book:
978-3-7497-2117-7
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Für Arunee
In Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit. Thomas Carlyle
Diesem Roman liegen wahre Begebenheiten zu Grunde. Die Namen der im Roman handelten Personen, deren Handlungen sowie Lebensumstände sind frei erfunden.
Das erste Kapitel
Die Historie, auf welcher dieser Roman beginnt.
Das Geschlecht derer >von Immen< begründet sich aus dem Fränkischen Uradel, welcher sich während der Merowingerzeit, um das fünfte Jahrhundert bis ca.751n.Chr. in Aquitanien, Neustrien und Austrasien (späteres Frankenreich) nieder ließ.
Die Wurzeln dieses Uradels gehen nach Strabon bis zu den Sugambrer zurück, eines Stammes der Franken aus dem rechtsrheinischen Germanien und bilden auch das älteste Königsgeschlecht der Franken. Durch eine Sage (Origo gentis) ist dies ein keltisch-germanisches Sakral Königtum der vorchristlichen Zeit. Dessen göttliche Abstammung und Blutheiligkeit ist durch eine Lobpreisung manifestiert.
(Siehe auch Karl Hauck: Lebensnormen und Kultmythen in germanischen Stammes – und Herrschergenealogien, in Saeculum Bd. 6 (1955) S. 186-223).
Nach Studien des Vorfahren Aldebert von Immen (949 – 1023 n.Chr.), welcher wohl die durch Gregor von Tours (um 573) geschaffene Historie weiter erforscht hatte, wie auch aus vielen, weit älteren Quellen und den späteren Recherchen des Freiherrn Johann Gerun von Immen (1835 – 1913), entstand der Fränkische Uradel aus einer, von dem gewöhnlichen Volk abgehobenen Oberschicht auf der Basis erblichen Reichtums. Solcher konnte bestehen aus Ländereien aber auch aus Sachwerten. Dazu gehörten auch die Schenkungen bei einer Heirat und großzügige Gastgeschenke, welche üblich waren um die Gastgeber zu ehren. Das entsprach den Sitten dieser Zeit und trug damit maßgeblich zur Anhäufung von Reichtum bei. Die so entstandene Oberschicht, wie sich diese im fünften Jahrhundert auch an der Sippe derer von Immen festmachen lässt, hatte politischen Einfluss und Zugang zu königlichen Personen. Es erklärt sich aus der Historie, dass Personen mit besonderen Befähigungen in die königlichen Kreise eingebunden wurden. Dies konnten sein erfahrene Krieger (Waffendienst), begnadete Handwerker (Waffenschmiede) wie auch die >Wissenden< welche wegen deren geistigen Fähigkeiten aus der Volksgemeinschaft herausragten. Zu dem Personenkreis der Wissenden beiderlei Geschlechts gehörten schon nach den Studien des Johann Gerun wie auch nach neueren Erkenntnissen zumindest die Schamanen, Druiden bzw. Druidas für weibliche Heilkundige, die Barden ( Poeten, Sänger), aber auch die religiösen Führer als Kultoffizianten und Bewahrer der Naturheiligtümer polytheistischer Volks- und Naturreligionen, wie diese noch im fünften Jahrhundert bei den Merowinger großen Einfluss und hohes Ansehen genossen. Dabei hat man sich das Eindringen der Franken während der Völkerwanderung in das Römische Reich nicht als Eroberungszüge vorzustellen, sondern als Landnahme der Könige durch deren Gefolgschaft, andernfalls auch dominanter Anführer aus der Oberschicht mit ihren Gefolgschaftsrotten. Diese bestanden nicht nur aus Kriegern sondern wohl größtenteils aus wehrhaftem, waffenfähigem Gefolge. Man war nicht auf Krieg aus, sondern nur auf Beute und neuen Lebensraum. Dabei erlag man wohl der Faszination römischer Kultur und war deshalb nicht interessiert an deren Zerstörung. Die Römer zogen hieraus Vorteil, machten auch die Franken zu Förderaten, übergaben diesen Verwaltungs- und Verteidigungsaufgaben. In Nordfrankreich und Belgien entwickelte sich dieser Uradel nun auch besonders durch die Erlangung von Besitz an großen Ländereien, welche bei der Ansiedlung dem gesellschaftlichen Rang folgend zu verteilen waren. Natürlich hatte dieser Rang auch mit der Dienststellung im Machtbereich des Königs zu tun. Es liegt einfach in der Natur der Sache und den Erfahrungen aus der Geschichte, das an verdiente Gefolgsleute und Krieger, Land und Beutegut in größerem Ausmaß verteilt wird als an die weitere, waffenfähige Gefolgschaft. Ein Großteil des Landes wurde als völlig freies Allod >secundum dignationem< verteilt und war somit keine Entlohnung für Königsdienste, sondern hatte den Status von ererbten, unveräußerbarem Land. In diesen unsicheren Zeiten war jede Person, ob männlich, weiblich oder jugendlich waffenfähig, wenn man wehrhaft, also in Besitzt irgendeines Gegenstandes war, mit welchem man einen Angriff durchführen oder abwehren konnte. Man muss sich aber auch vorstellen, dass damals für die Kinder oft schon die unbeschwerte Kindheit mit dem 7. Lebensjahr zu Ende und diese dann ihren Anteil zu leisten hatten an den täglichen Arbeiten, Umtrieben und der Sicherung des Gemeingutes. Ein Dokumente aus der Verlassenschaft des Aldebert von Immen weist auf ein von ihm repetierbaren, immer gleichartigen und in der Qualität gleichwertigen Traumgesicht hin, welches sich auf die Herkunftssage >Origo Gentis< in der Fredegarchronik aus dem 7. Jahrhundert bezieht. Diese besagt, dass Chlodios Frau einem Meeresungeheuer begegnet ist, bevor sie den Merowech gebar. Chlodio ist der namentlich erste König der salischen Franken, wie aus diesem Volksstamm aber auch weitere Geschlechter entstammen, wie auch die von Immen. Aldebert selbst visioniert in der Qualität eines realen Erlebnisses tatsächlich Chlodio als stiergestaltige, also theriomorphe Wesenheit, wie dieses in der Origo Gentis als >Quinotaurus< benannt wird, als welches dieser zeitweilig auftrat um damit seine göttliche Natur zu beweisen. In dieser, seiner Eigenschaft muss man den Zeugungsakt des Chlodio mit seiner Frau Chlodwinda, welche ebenfalls aus dessen Geschlecht entstammt, als der eines Fruchtbarkeitsgottes begreifen, welcher Merowech, den Stammvater der Merowinger im Konzept einer Heiligen Hochzeit (Hieros gamos) hervorbringt. Als Gemahlin des Merowech gibt Aldebert von Immen eine Druidin bei Hofe an. Diese Geinswinda vom Heilsberg, so genannt nach dem Ort ihrer Weihe als Druidin, war zwar von niederem Geblüt, aber hatte schon in jungen Jahren wegen den ihr eigenen, geistigen Befähigungen für Aufsehen gesorgt. Beider Sohn ist Childerich I. und damit sind sie die Großeltern von dessen Sohn Chlodwig I., dem herausragenden der Frankenkönige aus der Dynastie der Merowinger. Solch ein Mythos theriomorpher Fähigkeiten sind keine Spinnereien späterer Phantasten, sondern haben archaische Wurzeln, tief vergraben in den atavistisch-geistigen Erberinnerungen welche begnadeten Menschen eigen sind und durch deren psychische Fähigkeiten visioniert werden können. In Erlebnissen als Astralreisen, Visionen, Traumgesichte oder Klarträume, wie man das auch immer bezeichnen möchte. So liest man: >Wollte Odin seine Gestalt wechseln, dann lag sein Körper wie schlafend oder tot da, er selbst aber war ein Vogel oder ein wildes Tier, ein Fisch oder eine Schlange. Er konnte in einem Augenblick in ferne Länder fahren in seinen oder in anderer Angelegenheiten …< (Quelle: Heimskringla, Ynglinga saga, Kapitel 7.)
Nach der Chronik also ein Quinotaurus, was das wohl sein mag? Das machte den arrivierten Wissenschaftlern oft Kopfzerbrechen, denn eine solche Bezeichnung für ein Ungeheuer war in der ganzen antiken Schriftwelt nicht bekannt. Reflektiert man die Situation in den Skriptorien, so waren dort mehrere Schreiberlinge mit Niederschriften oder Textübertragungen beschäftigt, beaufsichtigt von einem Schriftgelehrten, welcher die Arbeiten überwachte. In der Natur der Sache sind Schreibfehler enthalten in praktisch allen bekannten Altschriften. Resultierend aus Unleserlichkeit von einzelnen Worten der Vorlage oder Missverstehen im Diktat der Schriftgelehrten. Spuren von Ausbesserungen beweisen nachträgliche Korrekturen, doch solche sind oft auch mangels der korrekten Sachbezeichnungen unterblieben. Wissenschaftler, welche mit solchen Altschriften befasst sind, können aber zumeist aus dem Zusammenhang der Niederschriften die richtigen Bezeichnungen deuten, wenn solche Worte oder einzelne Silben nicht voll lesbar oder fehlerhaft geschrieben wurden. Daher liegt die Erklärung eines originären Schreiboder Übertragungsfehler bei dem >Qu< des Quinotaurus anstatt eines >M< wirklich nahe. So kommt man, wie auch Aldebert in seinen Visionen, zu der Gestalt des Minotaurus, also ein Mischwesen zwischen Mensch und Stier. Die Stiergestalt steht von jeher für die Urgewalt der göttlichen Schöpferkraft eines Fruchtbarkeitsgottes. Merowech, durch Hierogamie gezeugt wäre damit wahrlich >blutheilig< als Stammvater der späteren Frankenkönige aus dem Geschlecht der Merowinger. Doch die Merowinger bestehen auch durch weitere, adelige Geschlechter fränkischen Ursprungs, wie die derer von Immen. Die Bedeutung des Stiers für die Merowinger, deren frühe Königinnen und Könige auch Schamanen waren, wobei das Königs- und Priesteramt untrennbar mit einander verwebt war, ist wohl damit begründet dass der Stier-Mythos einem Kult entspricht, welcher schon lange vor dem fünften Jahrhundert, nämlich bis in das europäische Neolithikum zurück zu verfolgen ist. Auch bezeugt wird dessen Bedeutung besonders durch die Beigaben in dem Grab Childerich des I., welches im Jahr 1653 in Tournai aufgefunden wurde. Diesem Childerich, Sohn des Merowech wurde ein goldener Stierkopf beigegeben. Unter den weiteren Grabbeigaben befanden sich ursprünglich eine große Anzahl goldener Zierstücke in Bienenform, Immen also, die zu einem Großteil zum Besatz seines Feldherrenmantel (Paliedamentum) gehört haben müssen. Solcher seinem Stand als hochrangiger, spätrömischer Offizier und Befehlshaber ebenso entsprach wie seinem Königtum, dem der Salfranken. Dessen Insignien sich in Form eines goldenen Armreifs ebenfalls unter weiteren, kostbaren Grabbeilagen befanden. In der Geschichtsschreibung wurde der Schatz 1831 geraubt und wahrscheinlich zum größten Teil eingeschmolzen. Doch wie das Schicksal so spielt, gelangt in der Neuzeit ein Exemplar dieser Bienen wieder zurück in die Hände eines von Immen. Bienen jedoch waren schon von jeher die Kraft- und Wappentiere derer v. Immen und zierten daher auch die Schilde dieser freien, wehrhaften Druiden und Druidinnen, welche sich auch als Krieger hervor taten. Dass diese durch ihre paranormalen Fähigkeiten zu den engsten Vertrauten und Berater ihrer Könige avancierten war daher nur logisch. Wegen solcher besonderen, mentalen Fähigkeiten, haben diese wohl auch wesentlichen Anteil an dem Aufstieg des Childerich I. von einem römischen Offizier zu einem wahren Herrscher und König der Salfranken (wohl um 463) nach dem Tode seines Vaters Merowech.
Bienen in dieser Zeit sind ein Symbol für:
Fleiß, die Befähigung großes zu leisten.
Gemeinsinn, als Zusammenhalt in fest gefügten Hierarchien. Wehrhaftigkeit als geübte Kampf- und Waffenkunst.
Childerich I. wusste von den mentalen Fähigkeiten des Druiden-Ältesten Gunhard von Immen, welcher schon von seinem Vater Merowech ob dessen Verdienste in den fürstlichen Stand erhoben ward. Daher war es logisch, dass Gunhard zu seinem engsten Berater avancierte, zumal dieser auch von allen weiteren Druiden als deren Doyen gewählt worden war. Die präzisen Vorhersagen und Ratschläge des Druiden, welche Childerich I. für sein Privatleben ebenso wie für seine politischen Entscheidungen beherzigte, brachten ihn daher auch durch seine Eroberungszüge weiter. Als ihm Gunhard von Immen solche Bienen, vom Material wie auch von der langobardischen Handwerkskunst her, als wertvolles Geschenk darbrachte, ließ Childerich I., wie schon beschrieben, damit seinen Feldherrenmantel schmücken. Die Bedeutung der Druiden aus der Sippe derer von Immen war von da an die von fürstlichen Vertrauten. Die Schamaninnen und auch die Priesterinnen waren von je her die Lehrmeisterinnen des königlichen und fürstlichen Nachwuchses und derer, welche zum Druidensein befähigt waren. Die von Immen, durch ihre geistigen Fähigkeiten herausragend, hatten aber wohl schon zu Zeiten des Chlodio, an den Geschicken der Franken Anteil gehabt und sind für die Zeit der polytheistischen Naturreligionen auch noch nach der Regierungszeit des Childerich I. erwähnt. Das dieser nicht christianisiert war geht auch daraus hervor, das neben seinem Grab die Reste mehrerer geopferter Pferde gefunden wurden.
(Napoleon überraschte bei seiner Krönung 1804 durch seinen Krönungsmantel. Dieser war nicht mehr mit den Lilien der Bourbonen geschmückt, sondern Napoleon hatte hierfür die vermeintlichen Bienen des Childerich bestimmt, welche aber schon vor Childerich die Kraft- und Wappentiere derer von Immen waren. So gingen diese als >Napoleonische Bienen< in die Geschichte ein.) War das für Napoleon nur die Rückbesinnung auf eine der frühen Wurzeln des Kaiserreiches oder die Inszenierung der eigenen Blutheiligkeit? Napoleon selbst übte keine Religion aus, dies könnte ein Hinweis sein. Aber von ihm stammt die Feststellung, dass Religion eine vorzügliche Sache sei, um das gewöhnliche Volk ruhig zu halten. In der Weiterführung des Stiermythos in der Geschichte ist es die Europa, welche auf einem Stier reitet. Der Architekt Charles Percier arbeitete für die Bonapartes. Zum Schmuck der Kathedrale Notre Dame anlässlich der Krönung Napoleons 1804 ließ er an den Säulen des Portals Bildnisse auch von dem Frankenkönig Chlodwig anbringen. Der königliche Goldschmied Martin-Guillaume Biennais fertigte alle Insignien und kreierte auch die Schmuckapplikationen für den Krönungsmantel, einschließlich der >Bienen des Childerich<. Je ein Hinweis auf die Abstammung vom Fränkischen Reich mit der wohl Napoleon seinen Herrschaftsanspruch für Frankreich und die Vorherrschaft über Europa zementieren wollte.
Das zweite Kapitel
Es muss um 448 n.Chr. gewesen sein, dort wo sich die Vogesen in hügeligen Wellen aus dem Rheintal erheben, eine reizend und trefflich kreierte Landschaft in stiller, majestätischer Schönheit bis hinauf, wo der urwüchsige Wald fast undurchdringlich erscheint, als wolle er sich und seine Fauna vor den Zugriffen jedweder Eindringlinge schützen. Schon der römische Gelehrte und Chronist Tacitus beschreibt diesen Platz als >Locus amoenus<, ein lieblicher Ort also, an welchem sich vor den bewaldeten Anhöhen die niederen Behausungen der einheimischen Volkstämme wie hineingeboren, als ein Teil dieser Natur identifizierten. Ebenso auch die Heimstätten der hier in Alisatia (heutiges Gebiet des Elsass) nun auch siedelnden Merowinger. So gründete auch die Sippe derer von Immen ihre Heimstatt um eine wohl tausendjährige Eiche, schon in den ältesten keltischen Mythen als Naturheiligtum erwähnt ist für die Verehrung der Wald- und Baumgottheiten. Durch die hier dargebrachten Opfer und religiösen Riten erstarkte durch die Zeiten dessen mystische Kraft. In dieser Landschaft hatten bereits die fränkischen Vorfahren, schon vor Zeiten des Römers Flavius Aetitus, hier in Kämpfen das Land mit ihrem Blut getränkt und sich durch Siege gegen die übermächtige Römische Legion das Land genommen. In einem Traumgesicht erkannte der Druide Gunhard von Immen diesen Platz als Siedlungsstätte für seine Sippe und deren Gefolgschaft. Hier gebiert seine Gattin Walrade, nach vielen unfruchtbaren Jahren eine Tochter, Erlegardis genannt. Walrade war über die Grenzen des damaligen Merowinger Reiches hinaus als Heilkundige und Priesterin dort bekannt, wo man im Gegensatz zu dem aufkommenden Christentum noch immer die alten Gottheiten in einer gelebten Naturreligion verehrte. Sie war, obwohl selbst hochschwanger, zur Entbindung bei einer noch sehr jungen Frau in eine benachbarte Siedlung geeilt. Der Fußpfad führte nicht nur über Hügel, sondern auch über eine Trümmerlawine von teils mannsgroßen Steinbrocken, das war schon beschwerlich. Auf dem Rückweg war dann bereits auch die Stunde ihrer Niederkunft gekommen. Mit letzter Kraft kam sie aber nicht mehr bis zu ihrem Anwesen, sondern nur bis in den Schatten des mächtigen Baumriesen, der als Mittelpunkt der Besiedelung seine beschützende Kraft als Naturheiligtum über diese zu verteilen schien. Hier erfüllte sich die Weissagung eines keltischen Orakels über die Geburt von Töchtern.
>Die unter einer Eiche Geborene wird Eine sein, mit besonderen Gaben Befähigte. Sie soll mit einem Namen gerufen werden, welcher einer Gottheit schmeichelt, dann wird sie zu deren Stellvertreterin auf dem Erdkreis berufen werden. <
Alle zu dieser Zeit in der Heimstatt Anwesende waren dann an dem Heiligtum zusammen gelaufen, wobei die heilkundigen der Weiber Geburtshilfe leisteten. Als dann ihr Gatte, Druide und nun auch Vater Gunhard, den Tag darauf von einer Reise an den Hof des Königs wieder in die Heimstatt zurückkehrte, fand er die zur Mutter gewordene Gattin bereits wohlauf und bekam die neugeborene Tochter in seine Hände gelegt. Der Gestandene schämte sich nicht seiner Freudentränen, nichts war ihm von diesem Moment an wichtiger als seine Tochter. Sogleich trug er daher die Neugeborene der Sitte gemäß vor das Haus um sein Vaterglück zu verkünden. Dort hatten sich durch die Nachricht seiner Rückkehr alle eingefunden, welche sich in und um Immen Heim niedergelassen hatten, erwartend was der von allen verehrte Druide Gunhard zu verkünden hatte. Dass er die neugeborene Tochter mit beiden Händen über seinen Kopf hielt, war für alle ein Zeichen, das er diese nach altem Brauch den Versammelten als seine Nachfolgerin vorstellte. Die Christianisierung durch irische Mönche war zu der Zeit noch nicht soweit vorgedrungen, dass sich eine Taufe nach christlichem Vorbild grundsätzlich durchgesetzt hatte, besonders nicht bei der geistigen Elite der Merowinger, zu welcher die Druiden zählten.
»Sehet her, sehet alle her, meine Tochter ist schön wie ein Stern. Ihre Haare scheinen golden wie deren lichter Schein. Ihr Name soll sein Erlegardis. «
Er rief diesen Namen seiner Tochter gleich mehrfach, in alle Himmelsrichtungen. Das Rheintal sog den Namen ein, damit der mächtige Strom ihn bringe in alle Lande und in die Unendlichkeit der Meere. Die Anhöhen, denen er entgegen rief, antworteten mit vielfachem Echo den Namen, sich diesen einprägend, denn es war der einer künftigen Priesterin der dort in den Wäldern lebenden Gottheiten. Gleich einem Segensspruch nahmen ihn die Versammelten an, verneigten sich zuerst, nicht demutsvoll, nein ehrfurchtsvoll und mit Stolz vor ihrem Druiden und dessen Erstgeborene. Erst danach sprangen alle auf, gaben ihrer Freude an dem Ereignis tanzend und auch als fröhliches Durcheinander ihrer Stimmen Ausdruck. Doch dann, ganz plötzlich, formten sich all deren Worte zu nur einem einzigen Ruf, welcher in seiner Ausdruckskraft zum ersten Male und auch weit über die Grenzen der Heimstatt in die Lande zu erschallen schien »Erlegardis, Erlegardis, Erlegardis, sei uns allen willkommen. «
In diesen Ruf hinein mischten sich die aufgeregten Schreie des Adlerpaares, welches in dem hohen Wipfel der heiligen Eiche seinen Horst hatte. Seither waren viele Jahre vergangen, welche Segen, aber auch Leid über die Gemeinschaft und in das Heim derer von Immen gebracht hatten. Als Erlegardis drei Jahre alt war verlor sie ihre Mutter Walrade. Diese war im nahe gelegenen Wald mit weiteren Frauen unterwegs auf der Suche nach Beeren, Kräutern und Pilzen, begleitet von einigen der alten, aber noch waffenfähigen Männer. Doch deren Schutz genügte nicht, den Überfall durch eine der im Lande marodierend, umherziehende Horde aus römischen Kriegsdiensten Entlassener abzuwehren. Alle wurden gemeuchelt und erschlagen, nachdem man den Frauen Gewalt angetan hatte. Von diesem Tag an wurde die rotblonde, hüftlange Haartracht des Gunhard von Immen weiß. Die weißblonde, noch niemals eingekürzte Haarpracht der noch kindlichen Erlegardis wechselte bis zu ihrem sechsten Lebensjahr in ein leuchtendes Kupferrot. An ihrem siebten Geburtstag übergab ihr der Vater, als Vermächtnis derer von Immen, das für seine Sippe wertvollste Relikt.
Dieses ist ein faustgroßer, tropfenförmiger Bernstein, welcher schon vor Generationen in den Besitz seiner Sippe gekommen ist. In diesem eingeschlossen befinden sich Bienen, Immen also, welche von da ab die Wappen- und Krafttiere derer von Immen wurden. Von seinem Vater wusste er, dass dieser Bernstein in den Händen von besonders Begnadeten seiner Sippe kosmische Kräfte erzeugen oder binden konnte, wobei diese dann wirksam wurden. Er hatte das nur einmal erlebt und sofort wieder vor Augen, wie er mit Walrade in Liebe vereint, diese dabei spielerisch mit dem Relikt umging, weil sie dieses entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten, auch noch auf dem Liebeslager an dem geflochtenen Lederband um ihren Hals trug. Als sich ihre Liebe erfüllte schien diesmal die Zeit still zu stehen. Er umfasste die Hand von Walrade, welche sich um den Bernstein geklammert hatte. Da durchströmte beide ein befreiendes Glücksgefühl weil die Zeit weiter lief, denn die Öllampe spendete wieder mit ihrer flackernden Flamme Licht und Geborgenheit. Walrade wurde gesegneten Leibes, was zu der Geburt von Erlegardis führte. Schon zu diesem Zeitpunkt war Gunhard bewusst, dass diese Tochter eine Auserwählte ist, in welcher sich die Geschicke seiner Sippe erfüllen würden. Diesem Anspruch konnte selbst er nie gerecht werden. Auch nicht seine verstorbene Gattin, über deren mentale Fähigkeiten als Priesterin und Bewahrerin der Naturheiligtümer man sogar in Rom fabulierte. Aber die sechsjährige Erlegardis! Umgab diese nicht bereits eine Aura, welche sie immer im Vordergrund stehen ließ? Zudem waren für ihren weisen Vater bereits deren mentale Befähigungen erkennbar, welche den Unterschied zu den Menschen ausmachten, welchen keinen Zugang zu den kosmischen Kräften haben. Ein Erlebnis hierfür war symptomatisch und bestärkte Gunhard in der Entscheidung, seiner Tochter bereits jetzt das Vermächtnis seiner Sippe anzuvertrauen, bevor er erneut dem Ruf seines Königs an dessen Hof nach Tournai folgen musste. Er war von der Ratsversammlung aller anderen der Weisen, als der mit größter psychischer Kraft Gesegnete für die Aufgabe auserwählt worden, in diesen schweren und kriegerischen Zeiten als Berater des Königs an dessen Hof, mit den Privilegien eines fürstlichen Druiden zu dienen. Es geschah an einem Sommertag, es war noch früher Morgen und sehr windig. Erlegardis stand neugierig und abwartend unter der heiligen Eiche, dort wo kein Blattwerk mehr das Geäst des uralten Baumriesen schmückte, um mit anzusehen wie das Adlerpaar in dessen Wipfel ihre drei, noch nicht ganz flüggen Jungvögel fütterte. Einer von diesen wagte sich dabei stets weit auf den Nestrand hinaus, den anfliegenden Altvögel entgegen und in einem Augenblick, wo beide Altvögel sich noch nicht auf dem Horst befanden, wurde dieser von einer Windböe erfasst und aus dem Nest getragen. Es war schon ein Glücksfall, das der Vogel mit seinen unfertigen Schwingen auf seinem Sturz nach unten, nicht auf einem der Äste des Baumes aufschlug, sondern fast wohlbehalten in das von Erlegardis bereits mit den Händen ausgebreitete Kleid gefallen war, weil diese den Fall des Jungvogels verfolgt hatte. Die erschreckten Schreie des Jungvogels riefen beide Altvögel herbei. Diese stürzten sich sofort hinab auf Erlegardis. Einige Bewohner hatten das beobachtet und schrien entsetzt auf, denn die großen Altvögel würden das Mädchen angreifen und sicherlich schwer verletzen, weil Adler ihre Brut zu verteidigen wussten. Doch nicht das geschah, sondern beide Vögel beendeten ihren Sturzflug auf einem der niedersten Äste, um von dort sichtlich aufgeregt das zu verfolgen, was mit ihrer Brut geschah. Inzwischen war durch das Geschrei der Vögel und das der verschreckten Menschen fast die ganze Dorfgemeinschaft zusammengelaufen und einige der Männer machten bereits Anstalten die beiden Altvögel mit Stecken, ja sogar mit ihren Schwertern zu attackieren, damit Erlegardis sich aus deren Gefahrenbereich entfernen konnte. Doch diese ließ sich mit ausgebreitetem Kleidchen auf den Boden nieder, nahm vorsichtig den Jungvogel mit beiden Händen auf und zeigte damit den sehr bedrohlich agierenden Altvögeln, dass deren Brut wohl nichts geschehen war. Inzwischen war auch ihr Vater Zeuge der Begebenheit und er war es, welcher die Männer an weiterem Eingreifen hinderte. Mit einer melodischen Weise, welche dem Klang ihrer Stimme schmeichelte, beruhigte Erlegardis schließlich den Jungvogel, welcher dann auch keinerlei Anstalten mehr machte sich aus der sichtlichen Geborgenheit in deren Kleidchen zu entfernen. Die beiden Altvögel wiegten zwar zuerst noch aufgeregt die Köpfe hin und her, doch schien diese dann das Verhalten ihres Jungvogels zu beruhigen. Es dauerte eine Weile, dann flogen die Adler tatsächlich auf zu ihrem Horst, um von dort aus zu beobachten, was nun weiter geschah. Der Jungvogel war nur leicht verletzt und so entschied man sich dem Vorschlag von Erlegardis zu folgen, einen Korb aus Weidengeflecht auf einem der unteren Äste zu befestigen, diesen mit Stroh und alten Kleidungsresten auszukleiden, dann eine Leiter anzustellen um nach dort den Jungvogel zu verbringen. Das war beileibe keine Aufgabe für eine Sechsjährige, aber Erlegardis ließ sich nicht davon abbringen. Selbstsicher stieg sie Leiter hinauf um den Jungvogel in das so neu geschaffene Nest zu bringen. Sie kam herunter und wandte sich der staunenden Menschenmenge zu.
»Ich bitte euch alle, dem Jungvogel keinerlei Leid anzutun. Adler nisten seit Urzeiten auf diesem heiligen Baum. Sie sind damit Teil des Baumes und damit Teil des Heiligtums, an welchem wir die Wald- und Fruchtbarkeitsgöttin Nantosuelta verehren, oder Vosegus als Wald- und Gebirgsgott und die anderen von uns verehrten Gottheiten. Bislang hat keiner der Adler seine Beute im Bereich unserer Behausungen geschlagen, obwohl sich hier das Federvieh und die Kleintiere geradezu als Beute anbieten. Im Gegenteil, sie wehren fremde Raubvögel ab und schützen unser Eigentum. Daher bitte ich Euch, schütz auch ihr den Jungvogel vor allen seinen Feinden. Dies wird eines Tages für uns alle zum Segen sein«, beendete Erlegardis ihre im ernsten Tonfall gehaltene Ansprache, bevor sie nun ihre Arme und Hände so ausbreitet und vorgestreckt als wolle sie, die Sechsjährige, die ganze Gemeinschaft segnen. Für ihren Vater geschah das Unfassbare, denn niemand lachte, niemand spottete. Alle Anwesenden verneigten sich dagegen ehrerbietig vor der jetzt im Sonnenlicht des Mittags leuchtend erscheinenden Gestalt des Mädchens.
»EO Erlegardis, EO Erlegardis, EO Erlegardis«.
Dies war der Gruß für eine geweihte Priesterin und Beschützerin der Naturheiligtümer. Hier hatte sich soeben ein Mysterium abgespielt, denn hier erfüllte sich eine weitere Weissagung des keltischen Orakels.
>Erhebet ihr alle in Gemeinschaft Eine oder Einen von euch zum König, Fürsten, Herren oder religiösen Führer, so sind diese auch in den Augen der Gottheiten erhoben. <
Für die hier Versammelten wurde Erlegardis mit diesem Gruß bereits zur Nachfolgerin ihrer Mutter Walrade. Nicht von irgendeinem Menschen geweiht, sondern von der Gemeinschaft zu deren Nachfolgerin erhoben. Das Adlerpaar indes kreiste majestätisch über den nun schweigsamen Menschen, welche sich in Richtung ihrer Häuslichkeiten bewegten um ihr Tagewerk weiter zu führen. Fliegen dann auf zur Futtersuche für die Jungvögel, zurück gekommen aber auch um geschickt den abgestürzten Jungvogel zu füttern, in dessen nun zum Horst entfernten, nicht einfach zu erreichenden Nest. Dabei schien es die Adler niemals zu stören, wenn Erlegardis nahebei, dieses so oft als möglich mit Neugier verfolgte, sogar den Jungvogel ebenfalls versorgte. So geht das über drei Monate. Die anderen jungen Adler fliegen bereits, doch ihrem Zögling scheint es bei den Menschen besser zu gefallen. Dennoch, geduldig lockt Erlegardis jeden Tag ihren Schützling mit Futter an. So fliegt dieser schließlich zu der wenige Schritte entfernt Stehenden um sich das ihm angebotene Futter zu holen. Immer weiter entfernt sich Erlegardis und immer weiter folgt ihr auch der Jungvogel bis der schließlich anschließend auffliegt, bis über die Wipfel der Bäume hinaus, immer größere Kreise ziehend wohl der Freiheit gewahr wird, welche sein natürliches Element ist.
Es ist einige Jahre später, Gunhard beobachtet mit Stolz seine Tochter, sie ist 14 Jahre alt und auf dem Weg eine Frau zu werden. Sie steht vor der Eiche, aus ihrem Mund kommt ein Laut, ähnliches dem eines Adlerschrei. Dann, zu aller erstaunen schwingt sich ein mächtiger Adler auf und stößt hinab zu der Vierzehnjährigen um genau auf deren ausgestreckten, mit Tuchresten bewehrten Arm zu landen um sich das ihm dargebotene Futter zu holen, lässt sich sogar von ihr forttragen um sich dann aber auch wieder seiner Freiheit zu versichern. Gunhard sieht in ihr nun bereits ständig ihre Mutter, seine geliebte Gattin, deren Liebe noch über ihren Tod hinaus in ihm zu wirken scheint. Warum sonst erwählte sich der stattliche Druide in besten Jahren und von hohem Ansehen auch bei königlichem Hof, keine neue Ehefrau? Gute Partien gab es genug. Darauf angesprochen lachte er nur und meinte
»Habt ihr mal eine Tochter wie die meine, überall im Hause scheint sie mir präsenter als jemals meine geliebte Frau, so jung sie ist, dabei gleichfalls so erwachsen, ich muss darauf achten das sie den für sie vorgesehenen Aufgaben gerecht werden kann.«
Gunhard sieht die Jahre verfliegen, doch der Adler bleibt ständiger Begleiter seiner Tochter. In den Augen aller macht sie das zu einer charismatischen Druidin und Priesterin der Naturheiligtümer. Doch niemand erahnt ihre weitaus größere Bestimmung, welcher sie gerecht werden wird. Gunhard ward von Childerich I. an den Königshof von Tournai berufen. Die Westgoten im südwestlichen Gallien machten Probleme durch einen Vorstoß bis Orleans. Mit der Allianz zu dem römischen Heermeister Aegidius, welcher einen eigenen Herrschaftsbereich im Raume Soissons etabliert hatte, stand es nicht zum Besten. Daher war strategischer Rat für eine kriegerische Begegnung mit den Westgoten gefragt. Denn der fürstliche Druide Gunhard hatte bislang mit seinen Vorhersagen nie gefehlt. Nachdem auch die Entscheidung für einen Zeitpunkt gefallen war, wurden die entsprechenden Vorbereitungen getroffen und Childerich siegte anno 463 bei Orleans gegen die Westgoten.
Das vierte Kapitel
Um 478 n. Chr. Traumgesichte hatten den hoch betagten Druiden Gunhard von Immen um den Schlaf gebracht. Solche realistischen Träume waren dessen Visionen, welche ihn schon als Kind ungewöhnliche Ereignisse vorausschauen ließen. Er war von seiner Lagerstatt aufgestanden, hatte einen Schluck Wasser genommen aus dem Steinkrug neben dem Eingang seiner Behausung, dessen recht solide Tür aus zugehauenen Ästen von Eichbäumen, ungebetenen Besuchern sowie Haus- und Wildtieren den Eintritt verwehrte. Er war einen Schritt vor das Haus getreten, als seine Sinne durch den Geruch vom Rauch eines Feuers beschäftigt wurden, welcher sich durch die Feuchte der Nacht konserviert hatte. Es war zwar schon Spätherbst. Das Wetter im diesem Jahr war noch sehr mild, daher waren schon am frühen Abend alle Herdfeuer ausgegangen. Hier am Ort, wie wohl auch in den benachbarten Heimstätten. Eine innere Unruhe trieb ihn dazu sich vollständig zu kleiden, um den ihm suspekten Sachverhalt zu erkunden. Seine Blicke streiften wie gewohnt über die gesamte Ansiedelung, deren urbanem Umfeld und zurück zur Dorfmitte. Zu dieser frühen Morgenstunde wurde er immer wieder von dem Liebreiz der Landschaft ergriffen, welche die meist niederen Behausungen von Immen Heim noch zu ergänzen schienen. Die ganze Heimstatt lag zu diesem frühen Zeitpunkt noch genauso in friedlichem Schlaf, wie deren Bewohner. Er seufzte, Frieden hier, doch sonst waren die Zeiten im Land unsicher und todbringend, höchste Aufmerksamkeit auf kleinste Veränderungen konnten Gut und Leben bewahren. Es war fast windstill und die aus der Rheinebene hierher aufsteigende, weil wärmere Luft, bewegte zu diesem Zeitpunkt kaum das Blattwerk, welches nur noch dem höheren Geäst der gewaltigen, tausendjährigen Eiche den Charakter gab, aber immer noch als Mittelpunkt der Besiedelung ihre beschützende, ungebrochene Kraft über diese zu verteilen schien. Das Brutpaar der Adler auf dem Horst in der Spitze des Baumriesen verhielt sich gegenüber dem geschäftigen Treiben der Bewohner unterhalb ihrer Brutstätte immer noch unbeeindruckt. Auch diese Adler schlugen ihre Beute nur außerhalb der Ansiedlung, welche sich im Laufe der Zeit nun auch ständig vergrößert hatte, womit sich deren reicher Hühner und Kleintierbestand doch im unmittelbaren Jagdbereich der mächtigen Greifvögel befand. Ein solches Verhalten von Adlern war ungewöhnlich für die hochspirituellen und in die Natur eingebundenen Merowinger. Diese waren zu der Zeit bereits weitgehend christianisiert. Doch diese religiöse Ausrichtung konnten die Merowinger nicht davon abbringen, sich der Milde und Macht ihrer alten Gottheiten zu versichern. Fühlte man sich doch durch diese Umstände in Immen Heim als von den Göttern beschützt. Nach einem Segenswunsch, wohl an Vosegus, hatte der Druide Gunhard zuerst nur einen von den an der Hauswand für Wanderungen angelehnten Stecken ergriffen. Doch dann, einem inneren Zwang folgend ging er zu dem nahe gelegenen Haus von Erlegardis und war erleichtert als er diese ebenfalls bereits erwacht, mit ersten täglichen Tätigkeiten beschäftigt vorfand. Seine Tochter verstand sofort die Beweggründe warum der Vater die Ursache des Feuers ergründen wollte. Es konnten Händler oder Reisende sein mit Ziel zu den nächsten größeren Ansiedlungen oder aber auch Soldaten aber hoffentlich keine Marodeure. Sie würde bei Sonnenaufgang einige der verbliebenen Männer aufwecken um für alle am Ort Sicherheit zu gewährleisten. Erlegardis sah dem Vater nach, welcher nochmals in sein Haus zurückgekehrt war um kurz darauf wieder heraus zu treten. Das Gewand gegürtet, mit Schwert und Rundschild bewaffnet, dazu wieder den Wanderstecken zu ergreifen um sich dann zu dem Fußpfad aufzumachen, welcher bis zu einer Waldlichtung führt. Diese gab es zu überqueren, wollte man den hohen Waldessaum erreichen, welcher dann zur linken sich in einem Bogen fortgesetzt und dabei den Blick geradeaus geführt. Unter seinen Füßen war jetzt sandiger, auch steiniger Untergrund. Darauf Wellen harter Gräser, teils unterbrochen von
